Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.
Deutsches Seminar
Proseminar Linguistik
„Sprache und Denken“
SS 2002
Jerry A. Fodor
The MIND of MOdULARITY
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 2
2. Unterschiedliche Ansätze zur Modularitätstheorie Seite 4
2.1 Der neokartesische Ansatz Seite 4
2.2 Der funktionale Ansatz Seite 4
2.2.1 Der horizontale Ansatz Seite 5
2.2.2 Der vertikale Ansatz Seite 5
2.3 Der assoziative Ansatz Seite 6
2.4 Offene Fragen Seite 7
3. Die Ausgangslage Seite 7
4. Stationen der Perzeption Seite 9
4.1 Die erste Instanz Seite 9
4.2 Die zweite Instanz Seite 10
4.3 Die dritte Instanz Seite 11
5. Die Input-Systeme Seite 13
5.1 Eigenschaften Seite 13
5.2 Kommunikation mit den Zentralprozessoren Seite 14
6. Folgerung und Zusammenfassung Seite 15
6.1 Philosophische Fragen Seite 15
6.2 Ergebnisse Seite 16
6.3 Kritische Anmerkungen Seite 16
7. Schlussbemerkung Seite 17
Anhang: Schema visuelle Perzeption Seite 19
8. Literaturnachweis Seite 20
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1. Einleitung
Da nun das Nachahmen unserer Natur gemäß ist [...] haben die hierfür besonders
Begabten von den Anfängen an allmählich Fortschritte gemacht und so aus [ dem einst
unergründbaren, menschlichen Geist eine Art Heimcomputer ] hervorgebracht.
Schon René Descartes (1596-1650) beschäftigte sich mit dem Dualismus von Leib und Seele, d.h. mit der Trennung von Geist und Materie und seither haben die Philosophen etliche Theorien darüber erstellt, wie ein möglicher Zusammenhang ausformuliert werden könnte. Die Frage, wie das materielle Organ Gehirn immaterielle Gedanken produziert ist bis heute nicht geklärt.
Die Linguistik blickt auf eine beachtliche Tradition zurück. Franz Boas (1858-1942), Edward Sapir (1884-1939) und Benjamin Lee Whorf (1897-1941) können als Pioniere auf diesem Gebiet genannt werden, doch auch der Begründer des amerikanischen Strukturalismus, Leonard Bloomfield (1887-1949), sah in seiner Arbeit Ansätze, durch Beobachtung der Fakten Rückschlüsse auf den Geist ziehen zu können [obwohl er dies nicht als Aufgabe der Linguistik ansah; Anm. d. Verf.].
Hilary Putnam veröffentlichte 1967 eine Theorie darüber, dass es prinzipiell denkbar ist, mentale Prozesse, wie beispielsweise Wünsche oder Absichten, auch in Systemen wie dem Computer entstehen zu lassen. Er definierte einen mentalen Zustand durch seine Funktion, d.h. seine kausale Rolle, innerhalb eines Organismus und publizierte die These der Multirealisierbarkeit mentaler Zustände, die eine funktionalistische Antwort auf das Körper-Geist-Problem bereit stellte. Jedoch gibt der Funktionalismus keine Antwort darauf, wie solche Datenverarbeitungsprozesse ablaufen (Lenzen, 2002, S.27 f.).
Ein modernerer Ansatz ist die „Hypothese der physikalischen Symbolsysteme“ (PSSH) von Allen Newell (1927-1992) und Herbert Simon (1916-2001). Sie vergleicht intelligente Systeme (u.a. den Menschen) mit Symbolsystemen, die sämtliche Bedingungen für Intelligenz haben sollen. Weiter ist es möglich herauszufinden, was als Symbol dient und welche Prozesse die Symbolverarbeitung bewerkstelligen. Symbole im menschlichen Gehirn beziehen sich auf etwas (d.h. sie haben einen Inhalt), daher nennt man sie auch intentionale mentale Zustände. Diese Zustände sind produktiv (ein Mensch kann sich theoretisch unendlich viele Gedanken machen) und systematisch (ein Mensch, der sich bestimmte Gedanken machen kann, ist in der Lage, sich bestimmte andere Gedanken zu machen, die ähnlich sind, z.B.: Lisa liebt Tim und Tim liebt Lisa). Die Frage, ob der menschliche Geist
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eine eigene Sprache hat, wurde von den Einflüssen der Intentionalität gefördert. Dieser Begriff besagt, dass sich Symbole im menschlichen Gehirn auf etwas beziehen. Von der PSSH ausgehend stellt sich die Frage, wie das Feuern bestimmter Neuronen für etwas anderes stehen kann, also etwas bedeuten kann und wie u.a. die o.g. Eigenschaften der mentalen Zustände codiert sein können (Lenzen, 2002, S.34 ff.).
Diese Gedanken ließen die Theorie über eine fest im Gehirn installierte Sprache des Geistes (Language of Thought, Mentalese) als Medium der Datenverarbeitung im Kopf entstehen. In seinem berühmten Werk „The Language of Thought“ von 1975 arbeitet der amerikanische Philosoph und Linguist Jerry A. Fodor zum ersten Mal ein detailliertes Konzept über diese „Sprache“ aus und stellt die „Language of Thought“ Hypothese auf. Um die Datenverarbeitung zu steuern und eine reibungslose Interaktion des menschlichen Organismus mit seiner Umwelt zu gewährleisten, setzt Fodor in „The Modularity of Mind“ (1983) seine Hoffnungen auf die Modularitätstheorie des Geistes. Grundsätzlich sieht er das menschliche Gehirn analog zum Computer, unterscheidet dabei Hard- von Software und gesteht beiden Bereichen eine völlige Unabhängigkeit voneinander zu.
In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, die Kernaussagen der „Modularity of Mind“ herauszuarbeiten. Zunächst soll ein eher allgemein gehaltenes Kapitel die verschiedenen historischen Ansätze zeigen, um dann die Grundannahmen Fodors darauf aufbauend zu präsentieren. Anschließend sollen die wichtigen Elemente seiner Modularitätstheorie dem Leser zugänglich gemacht werden, ehe ein kurz gehaltenes, abschließendes Kapitel den Kritikpunkten und neueren Ansätzen gewidmet werden soll.
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2. Unterschiedliche Ansätze zur Modularitätstheorie
Jerry A. Fodor steht mit seinen Theorien über die mögliche Funktionsweise kognitiver Prozesse in einer langen Tradition von Forschern. In diesem Kapitel sollen zunächst vier unterschiedliche Positionen skizziert werden, mit denen Fodor seine Philosophie der „Modularity of Mind“ (1983) eröffnet.
2.1 Der neokartesische Ansatz
Der neokartesische Ansatz 1 geht auf die Lehren René Descartes zurück, der den menschlichen Geist in psychologische Fakultäten, genannt Organe, unterteilt. Die zentrale These von einer angeborenen, psychologisch vielfältigen und unterschiedlichen geistigen Struktur steht im Gegensatz zu sämtlichen Formen des Empirismus, u.a. von John Locke (1632-1704) vertreten, welcher den neugeborenen Menschen ja als „tabula rasa“ mit homogenen und undifferenzierten Eigenschaften des Geistes betrachtet, der sich lediglich durch gleichartige Sinneserfahrungen entwickelt.
Die angeborenen Informationen interagieren berechnend mit den linguistischen Daten der Außenwelt, indem sie wahrgenommene Repräsentationen transformieren und mit den propositionalen Inhalten des angeborenen „Erstwissens“ abgleichen. Die neokartesische Psychologie beschäftigt sich also mit der Frage, inwieweit man welche Dinge mit welcher Sicherheit wissen kann. Wahrheit lässt sich durch den Vergleich mit angeborenen, sich selbst beweisenden und untereinander verbundenen Propositionen herausfinden. Beispielsweise greift Noam Chomsky auf die Doktrin Descartes für sein nativistisches Prinzipien-und-Parameter-Model einer Universalgrammatik sowie für das „Language-Aquistion-Device-Model“ zurück (S. 5). Er sieht implizierte Strukturen unterschiedlicher Systeme von semantisch verbundenen Propositionen als Paradigma der angeborenen mentalen Struktur, als „Body of information“ (S. 7).
Jedoch bleibt die Frage offen, wie die Struktur von Gedanken der propositionalen Struktur entspricht, d.h. welche externen Mechanismen die Informationen der Propositionen umsetzen und dem Organismus verfügbar machen.
2.2 Der funktionale Ansatz
Im Gegensatz zu der neokartesischen Trennung der verschiedenen Fakultäten aufgrund ihres typischen propositionalen Gehaltes, soll nun eine Differenzierungsmöglichkeit der Fakultäten im Hinblick auf ihre Effekte, d.h. eine funktionale Trennung, vorgestellt werden. Hier lassen
1 Jerry Fodor, The Modularity of Mind, 1983, S. 3-10. Alle weiteren Referenzen auf Fodor, soweit nicht anders
angegeben, beziehen sich auf dieses Werk.
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Arbeit zitieren:
Christopher Golz, 2002, Zu: Jerry A. Fodor - The Mind of Modularity, München, GRIN Verlag GmbH
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