Inhalt
1. Einführung in die Problematik. 3
2. Theoretischer Hintergrund 4
2.1 Die Rolle der Frau in den Medien. 4
2.2 Lage des Frauensports. 5
2.3 Die Sportberichterstattung in den Medien 6
3. Die BILD-Zeitung als Analyseobjekt 8
3.1 Selbstverständnis und Leserkreis 8
3.2 Das Bild der Frauen in der BILD-Zeitung. 9
3.3 Der Sportteil der BILD-Zeitung. 9
4. Hypothesen. 10
5. Zusammenfassung der Untersuchungsbefunde zur Frauensportbericht-
erstattung 12
5.1 Flächenanalyse 12
5.1.1 Umfang der Sportberichte 12
5.1.2 Verteilung der Sportberichterstattung 14
5.2 Text- und Bildanalyse 15
5.2.1 Aktualität 15
5.2.2 Leistungsebene 16
5.2.3 Erfolg/Mißerfolg 16
5.2.4 Sportarten 17
5.2.5 Alter. 18
5.2.6 Aussehen 19
5.2.7 Sexualität 20
6. Funktion und Wirkung des Frauenbildes in der Sportberichterstattung. 21
7. Literatur. 23
8. Abbildungen. 23
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1. Einführung in die Problematik
Ausgangspunkt unserer Hausarbeit ist die Annahme einer sozialisierenden Wirkung von Mas- senmedien(vgl. Ronneberger 1971, Hüther 1975, Schorb et al. 1980). Wir gehen davon aus, daß Medieninhalte in einem komplexen Ursachen-Wirkungs-Gefüge auf Einstellungen der Rezipienten Einfluß nehmen, sei es, daß sie vorhandene Bewertungsmuster bestätigen, evtl. sogar verstärken, oder daß sie durch neue Informationen zur Meinungsbildung beitragen. Gleichzeitig lassen Inhalte von Presse, Funk und Fernsehen zentrale Grundhaltung der Gesellschaft bzw. gesellschaftlicher Gruppen erkennen. Je nach politisch-weltanschaulicher Ausrichtung des betrachtenden Mediums fließen Wertorientierungen des Kommunikators mehr oder weniger stark in die Präsentation der Inhalte mit ein.
Über die Sportberichterstattung werden der Öffentlichkeit Informationen, Vorstellungen und Bewertungen vom Sport und von den sporttreibenden Personen vermittelt. Am Beispiel der BILD-Zeitung wollen wir untersuchen, in welchem Umfang sporttreibende Frauen bzw. Ereignisse im Frauensport Berücksichtigung finden und inwieweit Sportberichte Geschlechterrollenklischees aufweisen. Die Darstellung des Frauensports ist dabei in Zusammenhang mit dem allgemeinen Bild von Frauen in den Medien und dem Frauenideal der BILD-Zeitung zu diskutieren.
Obgleich die BILD-Zeitung als Boulevardblatt nicht repräsentativ für die Sportberichterstattung in der Tagespresse ist, bietet sie sich aus folgenden Gründen als Untersuchungsgegens-tand an. Nicht zuletzt wegen des umfangreichen Sportteils wird die BILD-Zeitung von großen Teilen der Bevölkerung täglich gekauft bzw. gelesen. Nicht wenige Sportredakteure in der Bundesrepublik sprechen ihr im Bereich der Sportpresse sogar Leitfunktionen zu. Darüber hinaus läßt die klischeehafte Darstellung von Frauen im allgemeinen Teil der BILD-Zeitung es als sehr interessant erscheinen, den zunächst neutral anmutenden Sportteil auf Geschlechterunterschiede hin zu untersuchen.
Es ist uns bewußt, daß die Untersuchungsergebnisse sowie die daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen zunächst nur für einen kleinen Teil der BILD-Zeitung gelten, die mit ihrer politischweltanschaulich konservativen Ausrichtung nur eine von vielen Tageszeitungen ist. Dennoch ist ihr Einfluß bei der Vermittlung geschlechtsspezifischer Vorurteile schon aufgrund der hohen Leserzahl nicht zu unterschätzen.
Die BILD-Zeitung war schon mehrfach Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Unter den zahlreichen Analysen zur inhaltlichen Gestaltung, zu polit-ökonomischen Aussagen und zur Wortwahl der BILD fanden wir allerdings keine Veröffentlichung, die Formen, Vermittlungsstrategien und Funktionen des Frauenbildes zum Gegenstand hat. Lediglich Weber (1980) arbeitete über die Sprache der Sexualität in der BILD-Zeitung und berücksichtigte in diesem Zusammenhang geschlechtsspezifische Aspekte. Auch der Sportteil wurde unter verschiedenen Fragestellungen schon von mehreren Autoren untersucht, so von Schneider (1974) im Rahmen einer Analyse der Sportsprache und von Quanz (1974), der die BILD-Sportberichterstattung einer ideologiekritischen Analyse unterzog. Eilers (1978) stellte Strukturmerkmale und Methoden der Sportberichterstattung in Boulevardzeitungen heraus. Laaser (1980) interessierte sich vor allem für den politischen Gehalt von Sportartikeln über die Fußballweltmeisterschaft in Argentinien.
Bei unserer Hausarbeit handelt es sich um die Darstellung von Frauen und Männern in der Sportberichterstattung. Durch die Einbeziehung des Ausschnitts eines Jahrgangs können Verzerrungen, die sich z.B. durch saisonal unterschiedliche Schwerpunkte der Sportereignisse ergeben, allerdings nicht ausgeschlossen werden. Es wurden Berichte und Abbildungen zum Frauensport und eine Stichprobe von Männersportartikeln gegenübergestellt.
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2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Die Rolle der Frau in den Medien
Massenmedien spielen in unserer Gesellschaft neben anderen Sozialisationsinstanzen wie Familie, Schule und Beruf eine wichtige Rolle bei der Einstellungsbildung und der Entwicklung von Verhaltensdispositionen. Bezogen auf geschlechtspezifische Rollenvorstellungen ist zu vermuten, daß geschlechtsstereotype Darstellungen einen bestätigenden bzw. verstärkenden Einfluß ausüben. Medienaussagen über Frauen und Männer haben zudem Symbolcharakter für den öffentlichen Diskurs über Weiblichkeit bzw. Männlichkeit. Ausgehend von diesen Annahmen wurden in den letzten Jahren Medien als wichtige Erziehungs-Beeinflussungsquellen auf das Vorhandensein von Geschlechterrollenstereotypen bzw. frauendiskriminierenden Inhalten hin untersuchte. Alle Arbeiten stimmen darüber überein, daß die Darstellungen von Frauen nicht ihrer wirklichen Lebenssituation entspricht. In schulischen Übungs- und Lesestücken ebenso wie in der informativen Berichterstattung oder in Unterhaltungssendungen im Fernsehen, in Illustrierten und Tageszeitungen werden Frauen und Mädchen entweder völlig unterschlagen oder als passiv, inkompetent und als Anhängsel von Männern dargestellt. Sie erscheinen als das schwache Geschlecht, daß man entweder gar nicht wahrnimmt oder das es zu beschützen gilt.
Frauen wird primär der Bereich der Reproduktion zugewiesen. Von daher tauchen sie überwiegend in der Hausfrauen- und Mutterrolle auf. Weibliche Berufstätige finden sich nur selten und wenn, dann in klassischen Frauenberufen oder in wenig angesehenen, untergeordneten Positionen. Meist üben sie helfende, dienende, den Mann unterstützende Funktion aus. Eine eher abschreckende Ausnahme ist das Karriereweib, auch wenn sich diese Situation besonders im letzten Jahrzehnt merklich gebessert hat.
Die dargestellten Frauenbilder sind jedoch meist sehr begrenzt, gleichgerichtet und oft negativ besetzt, sie orientieren sich an bürgerliche-patriarchalischen Vorstellungen. Frauen werden primär danach beurteilt, ob Sie den herrschenden Idealtypen einer Sexbombe, liebenden Mutter, treusorgenden Ehefrau oder braven Tochter gerecht werden.
Besonders klischeebehaftet und diskriminierend ist die Darstellungen von Frauen in Werbeanzeigen, die eindeutig ein Frauenbild proklamieren, das sich gegen die Emanzipation der Frauen richtet: das Lustobjekt Weib, den sexy Teenager, die tüchtige Hausfrau. Schönheit und Jugendlichkeit, der Mythos vom schönen Geschlecht, werden hier Zwangsjacken der Weiblichkeit. Es dominieren Bilder von hilflosen, modisch überdrehten, ungebildeten oder Ihrem Wesen entsprechen verständnisvollen und fürsorglichen Frauen. Individualität, Selbstbestimmtheit und Selbstbewußtsein werden an äußeren Maßstäben, wie Schönheit, Figur und jugendlicher Frische gemessen und können sich somit auf die Wahl bestimmter Kleidung und Kosmetika reduzieren.
Nur wenige Firmen, z.B. Audi, stellen die gebildete Frau von Welt, die Managerin und Alleinverdienerin in ihren Kampagnen dar.
Das in den genannten Maßenkommunikationsmitteln verbreiterte Frauenbild ist unter anderem deshalb frauenfeindlich, weil es ein einseitiges, unzutreffendes Bild weiblicher Lebenszusammenhänge wiedergibt und die Vorstellungen von der idealen Frau auf einige Rollenzuweisungen festgelegt, die insbesondere die Minderwertigkeit, Ausbeutbarkeit und Benutzbarkeit der Frau betonen. Zwar sind die dargestellten Geschlechterrollen in gewissem Sinne auch männerfeindlich, da sie Männern auch nur bestimmter Lebensbereiche mit entsprechenden Eigenschaften zubilligen. Diese umfassen aber ein weitaus größeres, mit mehr individuellen
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Möglichkeiten versehendes Feld. Von daher ist es gerecht fertigt, von frauenfeindlichen patriarchalischen Vorstellungen und Strukturen in den Medien zu sprechen. Die sich ständig wiederholenden Frauenstereotypen in den Medien sind mitentscheidend für die Verbreitung und Stabilisierung überholter, diskriminierender Bilder weiblicher Zusammenhänge. Diese sind aber keinesfalls nur als Ausdruck frauenfeindlicher gesellschaftlicher Zustände zu verstehen: sie setzten diese als Basis voraus, verstärken und verzerren sie aber zugleich. Somit stehen antiquierte, einseitige Frauenbilder in den Medien den Emanzipationsbestrebungen von Frauen diametral gegenüber (vgl. auch Schmerl 1980).
2.2 Lage des Frauensports
Im sozialen Handlungsfeld Sport scheinen auf den ersten Blick keine offenen Diskriminierung von Frauen zu bestehen. Sportlerinnen unterliegen den gleichen (sportlichen) Leistungsgesetzen wie männliche Athleten, zeigen Härte, Durchhaltevermögen, Mut, und stehen im Falle spektakulär Sieger bei bedeutenden nationalen und internationalen Sportveranstaltung anscheinend ebenso im Vordergrund wie erfolgreiche Sportler. Doch dieses Bild trügt. Die Möglichkeiten Sport zu treiben, sind sowohl von den objektiven gesellschaftlichen Bedingungen als auch von den individuellen Sozialstationszusammenhängen her für Frauen eingeschränkter als für Männer. Von da her unterscheiden sich Ihre Sportinteressen und Sportaktivitäten zum Teil erheblich von denen der Männern.
Obgleich in den letzten Jahren die Zahl sporttreibender Frauen stark angewachsen ist, sind Männer immer noch der sportaktivere Teil der Bevölkerung. Frauen wenden auch durchschnittlich weniger Zeit für Sportaktivitäten auf. Während Sportler überwiegend Mann-schaftsportarten und Disziplinen bestreiten die harten Körpereinsatz, aggressiven Körperkontakt, Kraftentfaltung oder Ausdauerleistungen verlangen, bevorzugen Sportlerinnen eher ästhetischen Bewegungsformen und Disziplinen ohne direkten Leistungsvergleich. Frauen treiben mehr als Männer ausschließlich Sport mit der Familie, nutzen das offene, nicht verpflichtende Sport Angebote kommunaler Sporteinrichtungen oder kommerzieller Institute. Dem entsprechend ist auch nur ein Drittel aller Mitglieder in Sportvereinen weiblich. In den Sportfachverbänden Turnen, Rollsport, Reiten und Tanzsports liegt der Anteil über den der männlichen Mitglieder, dagegen sind die typischen Männer Sportarten wie zum Beispiel Ringen, Rugby, Boxen und Motorsport so gut wie gar nicht vertreten. Stark gestiegen ist allerdings das Interesse von Frauen an den Spielsportarten. Die Sportfachverbände Fußball, Volleyball, Handball und Basketball konnten in den letzten Jahren zum Teil höhere Zuwachsraten bei den weiblichen als bei den männlichen Mitgliedern verzeichnen. Unterschiedlicher Orientierungen der Geschlechter zeigen sich außerdem im Interesse am Wettkampfsport:
Nur 20 % aller weiblichen, aber 55 % der männlichen Vereinsmitglieder beteiligen sich an Wettkämpfen.
Frauen sind im Sport heute noch vielfältigen Benachteiligungen und Konflikten ausgesetzt. Zwar drängen Sie in letzter Zeit vermehrt in Disziplinen, die traditionell männliche Domänen sind, wie Stabhochsprung, Kraftsportarten usw., ihr verhalten wird aber oft nicht ernst genommen oder als „unweiblich“ sanktioniert. Häufig beschränken sich Frauen als Folge der geschlechtsspezifischen sportlichen Sozialisation in Familie, Schule und Freizeit von vornherein auf wenige Sportarten (oft ohne Wettkampfcharakter), die sich mit den an sie herangetragenen Rollenerwartungen als Frau und Sportlerin vereinbaren lassen. Etwas erleichtert wurde die Situation durch das Aufkommen immer neuer Trendsportarten vor allem aus Übersee. In neuen Bewegungskonzepten, wie Inline-Skaten, Walking usw., wird ihnen der Einstieg erleichtert, da diese nicht traditionell vorbelastet sind.
Im Spitzensport erscheint die Rolle der Frau durchaus differenzierter. Hier haben sich Sportlerinnen, z.B. aus dem Bereich des Tennis, Basketball und Fußball etabliert, jedoch stehen sie
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immer noch in einer starken Abhängigkeit von Männlichen Trainern und Funktionären (vgl. Klein 1982).
Das traditionell männlich geprägte System des Sports wird nicht zuletzt durch die starke Überpräsentation der Männer in Leistungsfunktionen der Sportorganisationen, der staatlichen Sportverwaltung und der Sportwissenschaft aufrechterhalten. (Ein Beispiel hierfür ist auch die „Quotenfrau“, eine Professorin, in der Domäne der Männer am Institut für Sportwissenschaften hier in Frankfurt. Während die Verwaltung zu 95 % aus Frauen besteht.) Frauen sind daher an den Entscheidungen führender Sportgremien kaum beteiligt und haben nur geringen Einfluß auf die Situation des Frauensports, noch weniger auf den Sport insgesamt. Hier besonders geht dem Sport ein bedeutendes Veränderungspotential verloren. Eine Modifizierung des einseitigen Sportbildes würde für beide Geschlechter eine Bereicherung bedeuten.
2.3 Die Sportberichterstattung in den Medien
Sport und Massenmedien stehen in einem wechselseitig abhängigen Verhältnis zueinander: Zum einen sind Veranstalter großer Sportereignisse und Sportevents, Sportfunktionäre, Sportler und nicht zuletzt die Sportindustrie auf Presse, Hörfunk und Fernsehen angewiesen, um sportliche Ereignisse einem möglichst großen Kreis von Interessierten zugänglich zu machen und damit auch die Attraktivität der jeweiligen Sportveranstaltung oder der Sportart zu erhöhen. Zum anderen werden Sportsendungen und -berichte in die Sendezeiten der Rundfunk-und Fernsehanstalten sowie in die Pressekonzeptionen eingeplant und gezielt zur Erhöhung bzw. Stabilisierung der Rezipienten- und Käuferzahlen eingesetzt. Beim Mediensport handelt es sich nicht um einen unmittelbaren Erfahrungsbereich, sondern um eine „Vermittlung" der Sportwelt. Es ist einsichtig, daß Sportmedien aufgrund der Vielfalt an Informationen und Ereignissen die Sportrealität nicht vollständig wiedergeben können. Es handelt sich bei Sportberichten also immer nur um einen Ausschnitt der Realität, was auch bedeutet, daß die Thematisierung bestimmter Bereiche immer auch eine Ausgrenzung vieler anderer Themen zur Folge hat. Sportjournalisten stehen denn auch bei der Vielzahl von Ereignissen ständig vor einem Selektionszwang: Welches Sportereignis soll in welcher Form aufgegriffen werden ? Eine Vorselektion geschieht schon durch die Nachrichtenagenturen. So unterstützen der Sportinformationsdienst und das Sportressort der Deutschen Presse Agentur einerseits die Sportredaktionen der Tageszeitungen durch umfangreiche Informationsleistungen, andererseits führt aber die Monopolstellung der Agenturen zu einer relativ homogenen Sportberichterstattung (vgl. Digel 1983, S.22 f.).
Welche Sportinformationen letztendlich gedruckt werden, ist von mehreren Faktoren abhängig. Primär wird nach nationaler Beteiligung selektiert. Hierbei werden zuerst die Erfolge, dann die Mißerfolge berücksichtigt. Diese Informationen laufen nun durch den „Filter“ der „Quotensportarten“, wie Fußball, Formel 1, Tennis usw. (, die an sich ja schon männerdomminiert sind) und werden anschließend noch einmal geschlechterspezifisch getrennt (s. Loosen/Ravenstein 1998). Nicht zu vergessen die persönlichen Präferenzen und Sportinteressen der Journalisten. Weiter muß der dem Sportteil zugewiesene Raum berücksichtigt werden. Boulevardzeitungen mit bis zu sieben Seiten Sportteil ermöglichen eine Ausführliche und vielfältigere - was nicht gleichgesetzt werden kann mit qualitativ besserer - Sportberichterstattung als mehr politisch ausgerichtete Zeitungen, die dem Sport häufig nur eine Seite zugestehen.
Medien greifen herrschende Orientierungsmuster auf und tragen gleichzeitig dazu bei, sie im Bewußtsein der Rezipienten aufrechtzuerhalten und zu bestärken. Diese Zusammenhänge zwischen verbreiteten Werthaltungen, Alltagswissen und Medieninhalten bieten auch Erklärungsmöglichkeiten für eine unterschiedliche Darstellung der Geschlechter in der Sportberichterstattung.
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Für unsere Fragestellung bleibt uns den vorliegenden Untersuchungen zur Sportberichterstattung in den Medien festzuhalten, daß der Medienbereich von Männern dominiert ist und daß infolgedessen auch die in den Medien vermittelte Sportrealität die Realität von Männern ist. 1986 arbeiteten neben 1539 Sportjournalisten lediglich 69 Sportjournalistinnen in den Sportredaktionen, das waren 4,3 Prozent. Auch wenn sich dieses Bild besonders in den letzten Jahren zugunsten der Frauen verschoben hat, besteht kein Zweifel an der großen Mehrheit der Männer gegenüber den Frauen. Nicht zu leugnen ist die Orientierung der Sportjournalisten an den vermeintlichen Bedürfnissen der wiederum überwiegend männlichen Leser, Zuschauer und Zuhörer.
Rezipientenurteile über die Sportberichterstattung fanden wir nur in einer Untersuchung über Sportsendungen im Rundfunk und Fernsehen. Darkow (1983) befragte 5500 weibliche und männliche Bundesbürger über ihre Einstellung zum Sport und ihr Mediennutzungsverhalten insbesondere bei Fußballübertragungen. Die Befragten weisen im Fernsehsport eher unterhaltende, Sportsendungen im Rundfunk eher informative Funktionen zu. Jeweils zwei Drittel der Erwachsenen bescheinigen den Nachrichtenredaktionen des Fernsehens und Hörfunks, den Sport angemessen zu berücksichtigen. Die beliebteste Fernsehsportart ist für Männer Fußball, für Frauen Eiskunstlaufen. An zweiter Stelle stehen allerdings auch bei Frauen Fußballübertragungen.
Hintergrundberichte sollen nach Meinung der Befragten vor allem Portraits von bekannten Sportlern, Mannschaften und Trainern enthalten; zweitrangig erscheinen Berichte über Auswüchse im Sport, über Sportmedizin, Sport und Politik, Breitensport und Schulsport. Rundfunkhörer erwarten von den Samstagssendungen vor allem eine ausführliche und umfassende Berichterstattung vom Bundesligageschehen.
Sicherlich erscheinen auch diese Untersuchungsertgebnisse nicht mehr valide, betrachtet man jedoch allein das Angebot der „reinen Sportsender“ DSF und EUROSPORT in ihren täglichen Sportnachrichtensendungen Newscenter und Newsweek, so stellt man mit Erschrecken fest, daß sich die Situation kaum verändert hat. Das Angebot, wie in Abb.1 gezeigt, ist fast ausschließlich männerorientiert.
vom 10.11.1999 (zufällig ausgewählt)
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3. Die BILD-Zeitung als Analyseobjekt
3.1 Selbstverständnis und Leserkreis
Die im Axel-Springer-Verlag erschienene BILD-Zeitung ist die größte Boulevardzeitung in Deutschland. Mit einer Auflage ca. 8,9 Millionen betrug ihr Anteil am gesamten Tageszeitungsmarkt im Untersuchungszeitraum 1996 einen prozentualen Anteil von etwa 28,4% ergibt. Im Gegensatz zu anderen Straßenverkaufszeitungen ist die BILD-Zeitung nicht nur auf das Publikum von mittleren und größeren Städten beschränkt. Dazu trug nicht zuletzt die Einführung von Regionalausgaben bei.
Obwohl man bei der BILD-Zeitung von einem relativ festen Leserstamm ausgehen kann, der die Zeitung gewohnheitsmäßig konsumiert, ist die BILD als Kaufzeitung gezwungen täglich neue Kunden zu werben. Eine „reißerische Aufmachung“ der Titelseite mit fettgedruckten Überschriften und Reizwörtern wie Skandal, Unglück, Ehebruch oder auch Namen von Prominenten sollen die Aufmerksamkeit wecken und gezielt zum Kauf anregen. Laut Eigendarstellung will BILD „Stereotype des Gesprächs und der Diskussion für Millionen von Menschen liefern“ (Qualitative Analyse 1966). Bezogen auf die Berichterstattung über Frauen bzw. über den Frauensport würden dies bedeuten, daß die BILD-Zeitung ganz offen zu den von ihr vermittelten Weiblichkeitsklichees steht und damit bewußt dazu beiträgt, geschlechtsspezifische Vorurteile zu verbreiten.
Die Leserzahl der BILD-Zeitung beträgt mit 25.87 Millionen (1996) nahezu das Dreifache der verkauften Auflage. Insgesamt lesen 26 % der deutschen Bevölkerung zwischen 14 und 75 Jahren regelmäßig bis häufig die BILD-Zeitung. Eine Aufschlüsselung nach Geschlechtszugehörigkeit zeigt, das BILD ca. 30 % der Männer aber nur 22 % der Frauen erreicht ( vgl. Media - Analyse 1979).
BILD-Leser kommen überwiegend aus Unterschicht und unteren Mittelschicht. Facharbeiter und sonstige Arbeiter sind, bezogen auf den Anteil dieser Berufsgruppen an der Gesamtbevölkerung, überrepräsentiert. Volksschulabgänger sind in der Leserschaft überdurchschnittlich, Personen mit höherem Schulabschluß unterdurchschnittlich vertreten (vgl. Media - Analyse 1979) .
Hinsichtlich möglicher Wirkungen ist aufschlußreich, daß etwa ein Drittel der Leserschaft neben der BILD-Zeitung keine weitere Tageszeitung liest.
Mit kurzen Bildreportagen, die einige Bilder mit knappen, einfachen Text verbinden, kommt die BILD-Zeitung weitgehend den Rezeptionsbedingungen der unteren Statusgruppen (ihrer dominierenden Leserschicht) entgegen. Deren Sozialisations- und Arbeitsbedingungen, wie z.B. kurze Schulverweildauer oder häufige monotone und stark verschleißende Arbeit, die Freizeit zu einer reinen Reproduktion ohne kreative Momente werden läßt, ermöglichen kaum eine längere Beschäftigung bzw. intensive Auseinandersetzung mit Presseartikeln bzw. Medienerzeugnisse (vgl. Kasper 1979, S. 75 f. und Weber 1980, S. 251 ff.). Viele Millionen Leser, für die Bild als Tageszeitung fungiert, finden ihr Bedürfnis nach aktuellen, leicht verständlichen, die wichtigsten Tagesgeschehnisse zusammenfassenden Informationen in der BILD-Zeitung befriedigt. Das Tagesgeschehen kann so, anknüpfend an Emotionen, Vorurteilen, Ängsten und vorgegebenen Denkstrukturen, ohne besonderen Zeitaufwand aufgenommen werden.
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3.2 Das Bild der Frauen in der BILD-Zeitung
Bei der Lektüre der BILD-Zeitung fällt unmittelbar die sexualisierte Darstellung von Frauen auf. Nach WEBER (1980, S.20) nehmen Artikel und Bilder mit sexuellen Bezug ca. 10 % des redaktionellen Teils ein; bezogen auf die Gesamtfläche der Zeitung sind es etwa 5,4 %. In kaum einer Ausgabe der BILD-Zeitung fehlen den auch Abbildungen spärlich bekleideter Frauen; Busen und Po werden dabei gezielt als Blickfang eingesetzt. Gleichzeitig vermitteln die Artikel stereotype Vorstellungen von „richtiger“ Weiblichkeit. Sexuell attraktiven Frauen kommen in diesen Text-Bild-Einheiten in mehrfacher Weise warenästehtische Funktionen zu. Die meisten in den redaktionellen Teil der BILD-Zeitung eingegliederten Werbeanzeigen präsentieren Waren fast ausschließlich durch Frauen. „Warenästetisch präparierte“ Fotomodelle dienen als direkter Kaufanreiz für Kleidung, Kosmetikprodukte, Schmuck oder werben indirekt für andere Produkte. Der Wunsch, die abgebildeten oder beschriebenen Konsumartikel zu erwerben, wird bei Frauen durch das Bestreben stimuliert, „in“ zu bleiben, den Männern zu gefallen bzw. dem aktuellen Schönheitsideal zu entsprechen. Männer sollen assoziieren, mit dem Produkt gleichzeitig die Frau zu erwerben. Frauenkörper werden so im Rahmen der klassischen Produktwerbung als Kaufanreiz für bestimmte Waren eingesetzt. Außerdem weist WEBER (1980, S.62) auf die Tendenz hin, weibliche Sexualität als generalisierte Kaufanregung zu vereinnahmen und damit einen „modernisierte“ warenästehtische Strategie zu verfolgen. So dienen in der BILD-Zeitung sexuell attraktive Frauen losgelöst von Ereignissen oder praktischer Erfahrungszusammenhänge als Aufhänger für ein Titelblatt oder eine Seite, als aufmerksamkeitsbindender Reiz, ähnlich einer reißerischen Schlagzeile.
3.3 Der Sportteil der BILD-Zeitung
Zur Sportberichterstattung in der BILD-Zeitung liegen bereits verschiedene Untersuchungen vor, die zum Teil im Rahmen weitergehender Sportpresseanalysen durchgeführt wurden (QUANZ 1974, BECKER 1983, EILERS 1978, BECHMANN 1979; LAASER 1980).Im folgenden soll kurz auf die wichtigsten Ergebnisse eingegangen werden. Fußball dominiert eindeutig in der gesamten Sportberichterstattung. Meldungen über andere Sportarten sind abhängig von der Jahreszeit (Leichtathletik, Ski), der Bedeutung der Veranstaltung, den Erfolgen deutscher Teilnehmer und der Attraktivität der Sportler/innen. EILERS formulierte folgende „Faustregel“ für die Sportberichterstattung in Boulevardzeitungen: „ Eine Sportart ist so groß in einer Massenzeitung repräsentiert, wie sie Erfolge produziert. Mit den Erfolgen werden Sportler zu Stars, für die sich auch das nicht fachkundige Publikum interessiert. Mit der Berichterstattung über diese Stars bleibt die Sportart im Gespräch“ (1978, S.219). Das Sportgeschehen ist ausschließlich aus dem Bereich des Spitzen- und Hoch-leistungssports wiedergegeben. Dies gilt allerdings für den gesamten Mediensport. In ihrer Orientierungs- und Wertmustern unterscheidet sich die von der BILD-Zeitung konstruierte Sportwelt ebenfalls nicht von anderen Sportmedien: Leistung, Erfolg, Konkurrenz, Härte, Kameradschaft, Fairneß u.a.m. sind Ideale die der Leser mit dem Sport assoziiert (vgl. BECKER 1983, S. 33) und die in der Sportberichterstattung aufgegriffen werden. Berichte über Wettkämpfe sind meist darauf angelegt, dem Leser Spannung, Dramatik und Ästhetik des Geschehens noch im Nachhinein zu vermitteln. Hintergrundberichte, ein weitere gewichtiger Bereich des Sportteils, geben überwiegend Einblicke in das Privatleben der Sportler/innen.
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4. Hypothesen
Es ist anzunehmen, daß sich die Berichterstattung über den Frauensport an den Charakteristika der Sportberichterstattung orientiert. Außerdem ist zu fragen, wie der allgemeine Mediendiskurs über Weiblichkeit den Sportteil beeinflußt und das Bild der Sportlerin bestimmt. Aus der vorhergehenden Ausführung läßt sich die zentrale Hypothese ableiten, daß sich die Berichterstattung über sporttreibende Frauen und Männer sowohl quantitativ als auch qualitativ unterscheidet. Diese zentrale Annahmen läßt sich in folgende Thesen aufgliedern: Wie bereits eingangs erwähnt, haben Analyse von Fernseh- und Rundfunksendungen, Tageszeitungen, Schulbüchern usw. gezeigt, daß Frauen nicht entsprechend ihres Bevölkerungsanteils vorkommen, nur selten als aktiv handelnde Personen beschrieben und Fraueninteressen nur am Rande berücksichtigt werden. Auch für den Sportteil der BILD-Zeitung nehmen wir an, daß Frauen nicht dem Umfang ihrer Sportbeteiligung entsprechend erscheinen.
Hypothese 1: Berichte über sporttreibende Frauen bzw. über Ereignisse im Frauensport sind in der BILD-Zeitung unterrepräsentiert.
Des weiteren interessiert die Frage, welcher Stellenwert dem Frauensport in der Presse zugemessen wird. Gilt er als eigenständiger Sportbereich oder erscheinen Berichte über sporttreibende Frauen eher sporadisch? Für die BILD formulieren wir folgende These
Hypothese 2: Berichte über Sportereignisse im Frauensport haben eine „Lückenfüller“-Funktion.
Von dieser Annahme gehen wir, aufgrund eines Vergleichs der wöchentlichen und jahreszeitlichen Schwerpunkte in der Berichterstattung über Sportlerinnen und Sportler, aus. Ein Charakteristikum der Sportberichterstattung ist die Orientierung an Leistung und Erfolg. Wir nehmen an, daß sich sowohl die Berichte über den Frauensport als auch die über den Männersport auf die Hochleistungsebene konzentrieren. Da aber in unserer patriarchalisch strukturierten Medienlandschaft „normale“ Frauen kaum in das Blickfeld der Öffentlichkeit geraten, wird vermutet, daß Frauen nur mit außergewöhnlichen Erfolgen und Leistungen, bei sensationellen Rekorden und bei internationalen Wettkämpfen Beachtung finden. Wir stellen von daher die These auf:
Hypothese 3: Berichte über Frauensportereignisse beziehen sich auf einen höhere Leistungsebene als die über Männersport.
Erfolge und Mißerfolge im Sport stellen eine Bewertung sportlicher Leistung dar. Die erbrachte Leistung kommt in einer Rangordnung zum Ausdruck. Da Erfolgsgrößen wie Gewinn einer Meisterschaft, Erzielen eines Rekords usw. zentrale Kategorien für die Sportberichterstattung sind, wird angenommen, daß die Erfolge von Sportlerinnen und Sportlern in gleicher Weise hervorgehoben werden. Unterschiede zwischen den Geschlechtern dürften sich jedoch in der Begründung der Erfolge bzw. Mißerfolge ergeben. Sozialpsychologische Untersuchungen zeigen, daß sowohl im Fremdbild als auch im Selbstbild Leistungen von Männer eher auf Talent, eigenes Können, Durchsetzungsfähigkeit etc. zurückgeführt werden, während man die der Frauen eher mit äußeren Einflüssen (Unterstützung durch Bezugspersonen) oder mit Zufallsgrößen in (Glück/Pech) in Verbindung bringt. Für die Sportberichterstattung der BILD-Zeitung stellen wir die These auf:
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Hypothese 4: Erfolge und Mißerfolge werden bei Sportlerinnen und Sportlern unterschiedlich bewertet. Sportliche Leistungen der Männer werden eher auf individuelle Faktoren, die der Frauen mehr auf das soziale Umfeld zurückgeführt. Aus den Ausführungen zum Frauensport ist deutlich geworden, das Frauen und Männer zu einem großen Teil geschlechtstypische Sportformen wählen. In den letzten Jahren ist zwar ein zunehmendes Engagement von Frauen in traditionelle eher Männer zugeschriebenen Sportarten (vor allem in Mannschaftssportarten) zu verzeichnen. Entsprechend der Tendenz der BILD, Frauen eher in ihrer traditionellen „weiblichen“ Rolle als Freundin, Ehefrau und Mutter mit spezifisch weiblichen und ästhetischen Interessen zu beschreiben, wird aber vermutet, daß Sportlerinnen vorrangig in „typisch weiblichen“ Sportarten mit hohem ästhetischen Wert beschrieben und abgebildet werden. Demgegenüber wird angenommen, daß in der Männer-sportberichterstattung bevorzugt solche Sportarten ausgewählt werden, die „Männlichkeit“, d.h. Aggressivität, kämpferisches Handeln, Mut etc., widerspiegeln. Da Frauen erst im Verlauf der historischen Entwicklung zu vielen Disziplinen zugelassen wurden und auch heute noch nicht in allen Bereichen des Sports integriert sind, ist zu vermuten, daß der Kanon der erwähnten Sportarten im Frauensport kleiner ist als im Männersport.
Hypothese 5: Die im Sport vorfindbare Geschlechterrollendifferenzierung wird in der BILD-Zeitung noch verstärkt, d.h. Sportlerinnen werden überwiegend in „typisch weibliche“, Sportler in „typisch männliche“ Sportdisziplinen beschrieben. Das Spektrum der Sportarten ist in der Frauensportberichterstattung begrenzter als in Berichten über den Männersport.
Stellt sich nun die Frage, ob die Beschreibung und Darstellung von Sportlerinnen und Sportlern ebenfalls herrschender Attraktivitätsmustern folgt. Das von den Medien vermittelte weibliche Schönheitsideal beinhaltet u.a. Jugendlichkeit, gute Figur, sexuelle Attraktivität. Frauen, die diesem Ideal nicht entsprechen, werden weitgehend ausgegrenzt oder negativ beurteilt. Da Frauen in unserer Gesellschaft stärker als Männer über ihr Äußeres bewertet werden, ist anzunehmen, daß Altersangaben, Aussehensbeschreibungen und sexuelle Anspielungen bei Sportlerinnen weit häufiger vorkommen als bei Sportlern.
Hypothese 6: Die in der Sportberichterstattung abgebildeten und beschriebenen Frauen entsprechen weitgehend den herrschenden Vorstellungen von weiblicher Attraktivität.
In der Sportberichterstattung dürfte ein eher traditionelles oder doch ambivalentes Rollenbild von Sportlerinnen und Sportlern gezeichnet werden. Obgleich die Teilnahme an Wettkämpfen bzw. am Sport allgemein Eigeninitiative, Durchhaltevermögen, Selbständigkeit, d.h. ein gewisses Maß an Außenorientierung voraussetzt, nehmen wir an, daß Sportlerinnen häufiger als Sportler in Zusammenhang mit ihrem privaten als mit ihrem sportlichen Umfeld beschrieben und dargestellt werden. Die enge Partner- und Familienorientierung bzw. die Abhängigkeit von Bezugspersonen, die Frauen häufiger zugeschrieben wird, und die auch im Selbstbild vieler Frauen existent ist, werden - so vermuten wir - auch in der BILD-Sportberichterstattung unreflektiert vorausgesetzt.
Hypothese 7: In den Berichten über sporttreibende Frauen stehen das private und soziale Umfeld stärker im Vordergrund als in der Männersportberichterstattung. Des weiteren stellen wir die Frage, welche Eigenschaften und Verhaltensmuster Sportlerinnen und Sportlern zugeschrieben werden. Wir nehmen aufgrund des Weiblichkeitklischees der BILD-Zeitung an, daß auch in der Sportberichterstattung Frauen sich „typisch weiblich“, d.h.
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z.B. emotional, expressiv, verhalten und dem BILD-Ideal der freundlich - naiven Frau weitgehend entsprechen. Männer dagegen - so vermuten wir - werden eher ernst, konzentriert oder auch kämpferisch beschrieben und dargestellt.
Hypothese 8: Sportlerinnen werden vorwiegend „typisch weibliche“ Verhaltensmuster zugeschrieben, Sportlern eher „typisch männliche“ Eigenschaften und Verhaltensweisen.
Wie der Name schon andeutet, und auch der Typus der Boulevardzeitung es nahelegt, sind Fotos ein wesentliches Element der BILD-Zeitung. Gerade Bilder sind dazu prädestiniert, Emotionen der Leser anzusprechen und sie zu unterhalten. Die Rezipienten und Produzenten der Sportberichterstattung sind nun in der Regel Männer, nach deren Vorstellungen und Bedürfnissen Medieninhalte ausgewählt werden. Deshalb können Frauen - vor allem in der Werbung - als Blickfang dienen.
Unsere Hypothese zur Funktion von fotografischen Abbildungen im Sportteil der BILD lautet daher:
Hypothese 9: Abbildungen von Frauen im Sportteil der BILD-Zeitung dienen der optischen Auflockerung der Berichterstattung und der Unterhaltung der Leser. Bildgrößen und Bildplazierung, dargestellter Handlungen, physische Attraktivität der abgebildeten Personen u.a. sollen diese These untermauern.
5. Zusammenfassung der Untersuchungsbefunde zur Frauensportbe richterstattung
5.1 Flächenanalyse
5.1.1 Umfang der Sportberichte
Im Jahr 1996 erschienen 303 Ausgaben der BILD - Zeitung mit einem Gesamtumfang von 3.151 Seiten.
Durch Ausmessen wurde die Fläche der Sportberichterstattung im Zeitraum März 1996 sowie die Raumanteile für den Frauensport und den Männersport errechnet. Sportberichte nahmen insgesamt ca. 20 % der Gesamtzeitungsfläche ein.
Welche Bedeutung den Frauensportberichten und -bildern im Sportteil der BILD - Zeitung zukommt, veranschaulicht die Abb. 2. Die Berichterstattung über den Sport der Männer dominiert in der BILD mit 95% eindeutig. Frauen sind in der Sportberichterstattung mit einem Anteil von 5% an der gesamten Sportfläche erheblich unterrepräsentiert. Das Verhältnis von Männersport zu Frauensport beträgt 19:1. Stellt man diesen Relationen die tatsächliche Sportbeteiligung gegenüber - ein Drittel aller Sportvereinsmitglieder sind Frauen ( 5,5 Mio.); weit mehr treiben informell Sport-, so wird deutlich, daß die BILD-Zeitung rein quantitativ gesehen keineswegs die Sportrealität der Frauen abbildet. Während über Ereignisse im Männersport täglich berichtet wird, finden sich 16 Tage des Jahres keinen Berichte über Frauensport.
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Abb. 2: Flächenanteile für den Frauen- und Männersport in der Bild-Zeitung
Ankündigungen von Sportberichten auf dem Titelblatt können einen Anreiz zum Kauf der Zeitung oder zum Lesen des Sportteils bedeuten. Sie tragen dazu bei, daß Berichte im Inneren der Zeitung überhaupt wahrgenommen bzw. gelesen werden. Unsere Untersuchung ergab, daß der Frauensport auf der Titelseite der Bild-Zeitung prozentual häufiger vertreten ist als im Sportteil. So sind etwa 10% aller Sportberichte auf der ersten Seite dem Frauensport zuzuordnen, aber nur 4% der Berichte im Sportteil. Etwa ein Drittel der Fläche, die dem Frauensport auf der Titelseite zugestanden wird, sind Photographien. Allerdings erscheinen nur selten Berichte über sportliche Wettkämpfe von Frauen bzw. Abbildungen von Sportlerinnen auf der ersten Seite. Dem stehen fast ausschließlich Tage gegenüber, an denen auf der Titelseite über den Männersport berichtet wird. Die Möglichkeit, daß der Leser bzw. die Leserin über Titelberichte oder Ankündigungen auf den Frauensport aufmerksam wird, ist deshalb relativ gering.
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Daß das Interesse der Bild-Zeitung am Sport der Frauen nicht überwältigend ist, zeigt ein weiterer quantitativer Vergleich. Aussagen über Sportlerinnen nehmen in Text und Bild einen geringeren Raum ein als Artikel über die Partnerinnen männlicher Sportler. Insgesamt wurde dem weiblichen Umfeld bekannter Sportler 6 % des Sportteils zugestanden, den sporttreibenden Frauen jedoch nur 4,0%. Ein Beispiel für einen sogenannten „Ehefrauenartikel“ ist der Artikel über Ariane Kappelmann, die sich wegen ihrer Attraktivität, aber auch wegen ihrer Rollenkonflikte als Sängerin und Mutter besonders gut vermarkten läßt.
Ehefrauen von Sportlern (6%)
Abb. 3: Prozentualer Anteil der Fläche für Artikel über Sportler, Sportlerinnen und „Ehefrauen“ (Sportteil)
5.1.2 Verteilung der Sportberichterstattung
Das die BILD-Zeitung dem Männer- und Frauensport eine unterschiedliche Rolle zumißt, zeigt auch der Verlauf der Sportberichterstattung innerhalb einer Woche. Auffallend ist, daß am Montag die durchschnittliche Sportberichterstattungsfläche bei weitem überschritten wird. Der Sportumfang ist z.B. an diesem Tag doppelt so hoch wie der am Samstag. Die Erklärung liegt in der Häufung von Sportveranstaltungen und Wettkämpfen am Wochenende.
In der Männersportberichterstattung bildete sich folgende Rangfolge der Wochentage heraus: Montag, Freitag, Donnerstag, Mittwoch, Dienstag, Samstag. Bei den Frauensportberichten dagegen liegt der Schwerpunkt auf dem Dienstag. Es folgen Donnerstag, Freitag, Mittwoch, Montag und Samstag.
Obwohl auch im Frauensport die meisten Wettkämpfe am Wochenende ausgetragen werden, ist der Montag weitgehend dem Männersport - und hier besonders der Fußballberichterstattung - vorbehalten. Berichte über Wochenendveranstaltungen im Frauensport verlagern sich daher auf den Dienstag. Freitag ist der zweite Schwerpunkttag in der Männersportberichterstattung, was u.a. durch kommentierte Hinweise auf die Fußballbundesliga am Wochenende zu erklären ist. Der Wochenverlauf der Frauenberichterstattung läuft mit Ausnahme der Mittwochausgabe dem Schwerpunkt der Männersportberichte diametral entgegen. Damit bestätigt sich die Hypothese, daß der Artikel über sporttreibende Frauen in der BILD-Zeitung eine „Lückenfüllerfunktion“ besitzen. Priorität hat der Männersport.
Erst wen hierüber alles Berichtenswerte geschrieben ist, erscheinen die Sportlerinnen in den Schlagzeilen. Aufschlußreich sind auch die monatlichen bzw. saisonalen Schwerpunkte in der Berichterstattung. Da Fußball im Mittelpunkt der Sportberichterstattung steht, beeinflußt die Spielsaison den Sportteil der BILD-Zeitung quantitativ und qualitativ erheblich. In der Män-nersportberichterstattung liegen deshalb die Höhepunkte in den entscheidenden Phasen der
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Bundesligasaison und zwar in den Monaten März und August bis Oktober. Schwerpunkte in der Berichterstattung über Frauensportereignisse sind die Monate Dezember bis Februar (Skilauf, Eiskunstlauf) sowie der September (Leichtathletik, Tennis).
Wie schon für die Verteilung der Berichterstattung auf die einzelnen Wochentage ist auch für den Jahresverlauf die Tendenz festzuhalten, daß Veranstaltungen im Frauensport dann stärkere Berücksichtigung finden, wenn im Männersport keine attraktiven Sportarten und/oder herausragende Leistungen zu verzeichnen sind. Auch hier bestätigt sich unsere These, daß der Frauensport in der BILD-Zeitung als „Lückenfüller“ eingesetzt wird.
5.2 Text- und Bildanalyse
5.2.1 Aktualität
Zur Überprüfung der These, daß der Frauensport in der BILD-Zeitung weniger Informationsals Unterhaltungscharakter hat, untersuchten wir, inwieweit sich der Artikel über sporttreibende Frauen auf aktuelle sportliche Ereignisse beziehen. Aktualität ist nach unserer Definition dann gegeben, wenn die Berichte und Bilder höchstens 2 Tage zurückliegende oder in derselben Zeitspanne bevorstehende Sportveranstaltungen betreffen.
60 % der untersuchten Frauensportartikel sind nicht aktuell; allerdings trifft dies auch auf 50 % der Männersportberichte zu. Demgegenüber zeigt die Bildanalyse deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nur 33 % der Frauensportbilder haben ein aktuelles Motiv; doppelt so viele (66 %) beziehen sich nicht auf aktuelle sportliche Ereignisse. Im Männersport ist das Verhältnis umgekehrt, dort stehen mehr als die Hälfte aller Bilder in Zusammenhang mit aktuellem Sportgeschehen.
Für Frauen, aber nicht für Männer, läßt sich zudem ein Zusammenhang zwischen Bildgröße und Aktualität nachweisen. Frauensportartikel ohne aktuellen Bezug werden häufiger durch große Bilder illustriert als Berichte über Tagesereignisse. Es ist zu vermuten, daß in der Frauenberichterstattung fehlende Aktualität durch großflächige Fotos aufgewogen werden soll. Wir hoffen hiermit zeigen zu können, daß die BILD-Zeitung einer wichtigen Prämisse der Sportberichterstattung, nämlich aktuelle Sportinformation und Hintergrundberichte zu geben, nur bedingt nachkommt. Sowohl im Frauensport als auch im Männersport besitzt noch nicht einmal die Hälfte der Berichte aktuellen Charakter. Während Männersportbilder relativ häufig aktuelle Sportereignisse wiedergeben, scheinen die Fotos der Sportlerinnen nach anderen Kriterien ausgewählt worden zu sein. Dies weist auf den Unterhaltungscharakter des Frauen-sports in der BILD-Zeitung hin. Journalisten haben bei der Bebilderung nicht aktueller Themen, die sie weitgehend nach eigenen Interessen aufgreifen können, einen großen Spielraum für die Auswahl attraktiver Bildinhalte, d.h. schöner Frauen.
Auch die minimale Sportbezogenheit der Frauensportberichte bestätigt ein eingeschränktes Scheininteresse an Gegenstand Frauensport. Während in 33 % der Männersportartikel direkte Aussagen zu Wettkampfverlauf, Erfolgen, Ergebnissen usw. mehr als ¾ der gesamten Berichte ausmachen, sind Inhalte, wie Privatleben, Beschreibungen des Aussehens usw., in der Frauenberichterstattung eine große Bedeutung. So weisen die Hälfte der untersuchten Frauen-sportberichte weniger als ein Viertel direkt sportbezogene Inhalte auf. BILD berichtete über Sportlerinnen also weniger sachbezogen und fachlich informativ als über männliche Athleten. Für beide Geschlechter gilt, daß in aktuellen Artikeln der Umfang der sportbezogenen Berichterstattung zunimmt, und zwar bei Männern signifikant stärker als bei Frauen. Auch Frau-ensportberichte mit aktuellem Anlaß enthalten nur zu 25 % sportspezifische Informationen, z.B. über Training, Leistung und Wettkampf.
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5.2.2 Leistungsebene
Alle uns vorliegenden Untersuchungen zur Pressesportberichterstattung weisen nach, daß nahezu ausschließlich über Sportereignisse im Hochleistungsbereich berichtet wird. Breiten-sportliche Aktivitäten, Schulsport, Behindertensport usw. finden so gut wie keine Berücksichtigung.
Diese Ergebnisse können auch für den von uns untersuchten Jahrgang der BILD-Zeitung bestätigt werden. Sowohl im Frauensport als auch im Männersport wird vorrangig über internationale und nationale Wettkämpfe bzw. Meisterschaften berichtet. Der Breitensport wird dagegen nur zweimal erwähnt.
Allerdings lassen sich Unterschiede in der Leistungsebene der Frauensport- und Männer-sportberichterstattung feststellen. Während Artikel über internationale Sportereignisse bei Frauen die Hälfte der gesamten Berichterstattung ausmachen, sind es bei den männlichen Athleten nur ein Drittel. Über nationale Wettkämpfe wird bei Frauen nur zu einem Viertel berichtet, bei den Männern jedoch fast zur Hälfte. Die Leistungsebene liegt bei Sportlerinnen also im allgemeinen höher als bei Sportlern.
Dieses Ergebnis läßt sich folgendermaßen interpretieren. Fußball dominiert als Nationalsport in allen bundesrepublikanischen Medien, so auch in der BILD-Zeitung. Bundesligareportagen oder Berichte von Pokalspielen haben Vorrang vor allen anderen nationalen Sportwettkämpfen. Da keine Frauensportart auf nationale Ebene so im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht wie der Fußballsport, sind Frauen erst im internationalen Spitzensport für die BILD-Zeitung interessant. Bei ihnen bestätigt sich noch stärker als bei den Männern das strukturelle Grundmuster des Mediensports, nur außergewöhnliche Leistungen und Erfolgen hohe Aufmerksamkeit zu schenken. Leistungen können besonders dann als exzeptionell ausgegeben werden - und sind es gemessen an dem bei uns vorherrschenden Leistungsbegriff auch -, wenn die Leistungsebene sehr hoch ist, auf der sie erbracht wurde. Extreme Leistungen von Sportlerngleich ob Mann oder Frau - sind für Reporter in jedem Fall berichtenswert und dienen - vermischt mit privaten Bezügen - zum Aufbau von Sportidolen bzw. Identifikationsobjekten. Andererseits ist in der BILD-Zeitung der Anteil derjenigen Frauensportartikel relativ groß (ein Drittel), die keine Angabe über eine Leistungsebene enthalten bzw. die nicht eindeutig zuzuordnen sind. Dazu gehören Bilder und Artikel der BILD-Serie „Die Schöne im Sport“, Fotos von Pin-up-Girls, die für die Fußballvereine werben sollen, aber als Sportlerinnen vorgestellt werden, Privatfotos ehemaliger Leistungssportlerinnen etc.
BILD präsentiert die Realität sporttreibender Frauen in zwei Extremen: Entweder berichtet sie über bekannte Sportlerinnen auf höchster Leistungsebene, die allerdings nur eine kleine Gruppe aller sportlich aktiven und interessierten Frauen ausmachen, oder sie stellt unbekannte „Sport-Sternchen“ vor, wobei letztere nahezu ausschließlich der Präsentation von Weiblichkeit dienen.
5.2.3 Erfolg/Mißerfolg
Wie gezeigt werden konnte, steht in der BILD-Zeitung die Berichterstattung über den Hochleistungs- bzw. Wettkampfsport im Vordergrund. Von daher kann angenommen werden, daß Aussagen über sportliche Erfolge und Plazierungen einen hohen Stellenwert in den Artikeln einnehmen.
In den meisten Frauensportberichten (drei Viertel) werden sportliche Erfolge ausdrücklich erwähnt.
Am häufigsten kommen im Frauensport Rangzuordnungen (33%) wie 1.-3- Platz oder sonstige Plazierungen im Text vor. Desweiteren werden die erreichten Rekorde bzw. der Gewinn von Meisterschaften (10%) herausgestellt. Relativ häufig ist auch ein Verweis auf frühere
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gute Leistungen der Sportlerinnen (10%). Etwa ein Viertel der Artikel enthält keine Angabe zu sportlichen Erfolgen.
In den untersuchten Männersportberichten werden sportliche Erfolge lediglich zu 50% erwähnt, was auf den hohen Anteil der Berichte über Mannschaftssportarten zurückzuführen ist. Demzufolge werden bei Sportlern Erfolge im Mannschaftsspiel (5%) und die Mitgliedschaft in der Nationalmannschaft (5%) häufiger hervorgehoben. Im Hinblick auf die erwähnten sportlichen Erfolge unterscheiden sich Männer- und Frauensportberichte signifikant. Gute Leistungen, die nicht zu Siegen oder Rekorden führen, sind für die BILD-Zeitung uninteressant. Schlechte Leistungen oder das Nicht-Erreichen gesteckter Ziele sind in der BILD-Zeitung zweitrangig. Sie werden häufiger in Männersportberichten als in Frauensportartikeln erwähnt. Diese Unterschiede, die allerdings nicht signifikant sind, spiegeln vermutlich die Bedeutung männlicher Sportstars wieder, die auch bei Mißerfolgen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen.
Eine weitere These, die wir für den Komplex „Leistung/Erfolg“ formulierten, war, daß sich die Begründung der BILD-Zeitung für sportliche Leistungen bei Sportlerinnen und Sportlern unterscheiden. Grundlage war die Annahme, daß in der Gesamtgesellschaft Erfolge den Frauen weniger aufgrund ihrer individuellen Leistungsfähigkeit als vielmehr der positiven Einflüsse des sozialen Umfeldes zugeschrieben werden. Auch führen Frauen selbst häufig ihre Erfolge in Schule, Studium und/oder Beruf auf Zufall oder Glück zurück.
Diese These kann durch die Ergebnisse der Inhaltsanalyse nicht bestätigt werden. Drei Viertel der von der BILD-Zeitung angeführten Gründe für die Erfolge weiblicher Athleten beziehen sich auf Faktoren, die in der Person der Sportlerin liegen, 10% auf den Einfluß des sportlichen Umfeldes.
5.2.4 Sportarten
Durch die quantitative Analyse wurde nachgewiesen, daß der flächenmäßige Anteil an Berichten über Frauensportereignisse bzw. Sportlerinnen (5%) in keiner Weise dem Umfang der Sportaktivitäten von Frauen entspricht.
Im folgenden gehen wir der Frage nach, welche Sportarten in der Frauensport- bzw. Männer-sportberichterstattung dominieren und inwieweit diese mit den tatsächlichen Sportengagement in Vereinen und Verbänden übereinstimmen.
Im Bereich des Frauensports berichtet die BILD-Zeitung vorrangig über Leichtathletinnen, Skiläuferinnen, Tennisspielerinnen, Eiskunstläuferinnen und Turnerinnen, weiterhin über die Sportarten Reiten, Schwimmen, Fußball, Hockey und Eisschnellauf. Bis auf Eiskunstlauf, Eisschnellauf und Hockey sind diese Sportarten im DSB mit einer hohen Zahl von Frauen vertreten. Damit orientiert sich die BILD-Zeitung generell an den von Frauen häufig betriebenen Sportarten. Allerdings ergibt sich aus der Rangfolge der Disziplinen in Frauensportberichten eine andere Gewichtung als bei der Hierarchie der Sportarten im DSB. Der Deutsche Turnerbund hat z.B. mit Abstand die meisten weiblichen Mitglieder, Turnen steht in der Frauenberichterstattung der BILD-Zeitung aber erst an fünfter Stelle. Umgekehrt ist die Situation im Skisport, den die BILD-Zeitung am zweithäufigsten kommentiert, während er, bezogen auf die Zahl weiblicher Sporttreibender, Rang 8 einnimmt. Zwar hat der Eissportverband in der Sparte Eiskunstlauf insgesamt nur wenig Mitglieder, diese sind aber in ihrer Mehrzahl weiblich. Der Eiskunstlauf ist eine Domäne der Mädchen und Frauen. Wir nahmen an, daß die BILD-Zeitung bei der Auswahl der Sportarten typisch weibliche Disziplinen bevorzugt. Dies trifft auch zum Teil zu. Sportarten mit der Betonung der gymnastisch-ästhetischen Elementen wie Eiskunstlauf oder Kunstturnen bilden mit etlichen Nennungen durchaus einen Schwerpunkt der Berichterstattung. Die Mehrzahl der Frauensportartikel
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und Bilder befassen sich aber mit geschlechtsneutralen Sportformen wie z.B. Leichtathletik, Tennis, Skilauf, was u.a. mit den Erfolgen deutscher Sportlerinnen zusammenhängen kann. Frauen sind in der BILD-Zeitung überwiegend in Individualsportarten aktiv. Nur selten werden Mannschaftsspiele kommentiert, die wegen ihrer kämpferischen Ausrichtung in unserer Gesellschaft eher als männlich gelten. Dabei versteht es BILD in nahezu allen Artikeln und Fotos auf das Vorhandensein von Weiblichkeit mehr oder weniger eindeutig hinzuweisen. Vor allem bei den Skiläuferinnen treffen für die BILD-Zeitung Erfolg und Demonstration von Weiblichkeit zusammen.
Die Männersportberichterstattung bietet ein anderes Bild. Betrachtet man die Mitgliederzahlen im DSB, so steht der Fußball zu Recht im Mittelpunkt des Sportteils der BILD-Zeitung. Bei zwei weiteren Sportarten spiegeln sich die Mitgliederzahlen in der Berichterstattung wieder: bei Handball und Leichtathletik. Die übrigen Artikel beziehen sich, gemessen an den Mitgliedern, eher auf Randsportarten im Männersport. Radsport, Boxen, Gewichtheben, Mo-torsport und Bobrodeln sind wie die schon erwähnten Mannschaftssportarten Fußball und Handball ausgesprochene Männersportarten. Der BILD-Zeitung geht es also nicht nur um eine repräsentative Wiedergabe der männlichen Sportinteressen und -aktivitäten. In ihrem Deutungsmuster von Sportrealität demonstriert sie auch, daß der Sport ein männliches Aktionsfeld ist, in dem Kraft, Mut, Durchsetzungsvermögen, Aggressivität, Konkurrenz usw. zählen.
Darüber hinaus macht die Frauenberichterstattung eine andere Tendenz sichtbar: 90% der Artikel beziehen sich auf sogenannte Exklusivsportarten wie Tennis, Reiten, Skilauf; diese besitzen einen hohen Prestigewert für Sporttreibende und erwecken auch das Interesse vieler Nichtsportler(innen). Obgleich sich in der sozialen Realität nur eine relativ kleine gesellschaftliche Gruppe die Ausübung dieser Sportart finanziell leisten kann - oder gerade deswegen - erscheinen überproportional häufig Berichte aus dem Tennis-, Ski- oder Reitsport. Die hohe soziale Lagerung der Frauensportarten schließt sich die Tendenz der BILD-Zeitung an, über die Lebensumstände der Oberschichten, Adeligen usw. zu berichten. Sie kommt damit dem Interesse vieler Leser an der „Großen Welt“ entgegen. In der Männersprtberichterstattung, die ihre Spannung aus den Ereignissen und Wettkämpfen selbst bezieht, dominieren Sportarten wie Fußball, Handball, Boxen und Radsport, deren Mitglieder sich eher aus unteren sozialen Schichten rekrutieren.
Grundsätzlich kann festgehalten werden: Wie schon für andere Zeitungen aufgezeigt wurde, entscheidet der Publicity-Wert einer Sportart im wesentlichen darüber, ob diese in der BILD-Zeitung berücksichtigt wird, wobei der Publicity-Wert wiederum durch die Berichte in den Medien produziert wird. Die Auswahl und Hervorhebung einiger weniger Sportarten bzw. die Unterpräsentanz oder Ausgrenzung vieler anderer Sportformen und -disziplinen belegt sowohl für den Frauensport als auch für den Männersport einen einseitige Wiedergabe der Sportrealität. Insgesamt wird der Sport der Frauen für den Leser deutlich vom Männersport unterschieden, dessen Repräsentierung sehr stark durch die herausragende Stellung des Fußballs bestimmt wird. Im Sportteil wird der Leser deshalb überwiegend mit männlichen Sportformen und männlichen Werten konfrontiert.
5.2.5 Alter
Mit der häufigen Nennung des Alters entspricht die BILD-Zeitung den Bedürfnissen der Leser, sich ein möglichst umfassendes Bild über die Persönlichkeit der Sportlerinnen und Sportler zu machen. Das Alter hat aber für die Einschätzung von Frauen und Männern nicht die gleiche Bedeutung. BILD informiert die Leser weitaus häufiger über das Alter der Athletinnen als über das der Athleten. Sie steht damit im Einklang mit der verbreiteten gesellschaftlichen Vorstellung, daß Frauen vor allem nach ihrer Jugendlichkeit und damit verbundenen
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körperlichen Attraktivität zu beurteilen sind. Eine zusätzliche Erklärung für die überraschend seltene Altersangabe bei Männern liegt im Bekanntheitsgrad männlicher Sportstars, deren persönliche Daten dem Leser vertraut sind. Demgegenüber sind Sportlerinnen in der BILD-Zeitung häufig unbekannt, bzw. es wird so selten über sie berichtet, daß eine umfassende Beschreibung notwendig erscheint.
Die Hälfte der Frauen, bei denen das Alter genannt wurde, sind bis zu 19 Jahren alt, ein Drittel 20 bis 24 Jahre und ein Viertel 25 Jahre und älter. Die jüngste erwähnte Sportlerin ist 12 Jahre, die älteste 67 Jahre.
Im Männersport lassen die geringen Nennungen kaum Aussagen über die einzelnen Altersgruppen zu. Meist sind die Sportler 25 Jahre und älter. Die unterste Altersgruppe liegt bei 16 Jahren, die oberste bei 70 Jahren. Aufgrund hohen Standartabweichungen war es weder bei der Frauen- noch bei der Männergruppe sinnvoll, ein Durchschnittsalter zu errechnen. Bei den Sportlerinnen in der BILD-Zeitung handelt es sich also vorwiegend um junge Frauen und Mädchen. Dies hängt zum einen mit dem niedrigen Durchschnittsalter der Leistungs-sportlerinnen zusammen. So sind in den typischen Frauensportarten Weltklasseleistungen von Kindern weitaus häufiger anzutreffen als im Männersport. Zum anderen kann vermutet werden, daß die BILD-Zeitung eine gezielte Auswahl jüngerer und besonders attraktiver Sportlerinnen vornimmt, wie dies auch für Frauendarstellungen im allgemeinen Teil der BILD-Zeitung typisch ist.
Nicht nur in der Altersangabe, sondern auch in der Bewertung des Alters unterscheiden sich Frauen- und Männersportberichte. 35 Berichte über Sportlerinnen, aber nur 10 über Sportler, enthalten qualitative Beschreibungen des Alters. Am häufigsten wird bei den dargestellten Sportlerinnen ihre Kindlichkeit bzw. Jugendlichkeit erwähnt. So kommen Aussagen vor wie „noch Kinder“, „sehr jung“, „Küken“ oder „Mädchen“. In 8 Artikeln wird auf die physische Reife trotz des geringen Alters bzw. auf schon vorhandene Weiblichkeit hingewiesen, die gerade in Verbindung mit Kindlichkeit einen besonderen Reiz zu besitzen scheint. Erotische Assoziationen wecken Ausdrücke wie „süße 16 Jahre“ oder „schnuckelige 16 Jahre“. Eine Sportlerin hat sich - so die BILD-Zeitung - von einem „staksigen Backfisch im Vorjahr zu einem bildhübschen jungen Fräulein“ entwickelt.
In der Männersportberichterstattung wird lediglich 5mal auf das jugendliche Alter des Athleten hingewiesen, 3mal werden Sportler als „Sport-Senioren“ bezeichnet.
5.2.6 Aussehen
Die Angaben der BILD-Zeitung zum Alter lassen tendenziell die Anlehnung an eher traditionelle Frauen- bzw. Männerideale erkennen. Daher überrascht es auch nicht, daß Aussagen über das Aussehen einer Sportlerin zentraler Bestandteil vieler Frauensportberichte ist und überwiegend gutaussehende Frauen im Sportteil der BILD-Zeitung abgebildet werden. Von den untersuchten Artikeln zum Frauensport enthalten die Hälfte eine Beschreibung des Aussehens. In Männersportberichten wird nur in jedem 10 Artikel auf die äußere Erscheinung der Sportler Bezug genommen.
Bei den Frauen interessieren am meisten die Haare bzw. die Haarfarbe und Haarlänge. Wird das Aussehen von Sportlern beschrieben, so werden vor allem Haare und Körpergroße angesprochen. In einem Drittel der Artikel gibt die BILD-Zeitung ein positives Urteil über das Aussehen der Sportlerin ab, nur sehr selten bewertet sie das Äußere der Frauen eindeutig negativ.
Auch die Bildanalyse zeigt, daß die Abbildungen weitgehend den gängigen Schönheitskriterien entsprechen. Dem Leser werden überwiegend Sportlerinnen mit langen Haaren und einer schlanken Figur ohne sichtbares Muskelprofil präsentiert, obwohl viele Sportarten auch bei Frauen einen athletischen Körperbau bewirken. Während die meist in sportlicher Aktion ab-
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gebildeten Männer Assoziationen wie kräftig und leistungsstark wecken können, treffen auf die dargestellten Sportlerinnen eher Attribute wie schlank, attraktiv und erst zweitrangig leistungsfähig zu. Diese Tendenz läßt sich u.a. mit dem hohen Anteil nicht-aktueller bzw. nicht-sportbezogener Bilder erklären.
5.2.7 Sexualität
Physische Attraktivität von Frauen bedeutet häufig Attraktivität als Sexualobjekt. Daher ist zu untersuchen, inwieweit Aussehensbeschreibungen in der BILD-Zeitung mit sexuellen Anspielungen verbunden werden.
In fünfmal so vielen Frauensportartikeln wie Männersportberichten wurde auf die Sexualität angespielt. Beschreibungen des Körpers und die Erwähnung von aufreizender Kleidung stehen neben Aussagen, die direkt die erotische Wirkung auf das andere Geschlecht ansprechen, im Mittelpunkt des Interesses. Folgende Textbeispiele verdeutlichen dies: BILD-Reporter schwärmen von der Sportlerin mit „langen Beinen, einem süßen Po und einem kessen Blick“, oder von Christa, weil „ihre Kurven... die schönsten sind“. Sie interessieren sich für die „Idealmaße einer Turnerin - lange Beine, weibliche Kurven, gertenschlank“, ebenso wie für die „knackige Figur“ einer Tennisspielerin oder für großzügige Dekolletés, die „tiefe Einblicke“ gewähren. „Knallige Rennanzüge“ oder „schwarze Lackanzüge“ wecken Assoziationen bezüglich der Körperteile, vor allem der „Rundungen an den richtigen Stellen“, die durch eine solche Kleidung verdeckt bzw. hervorgehoben werden. Für findige Journalisten bieten sich immer neue Aufhänger für sexuelle Anspielungen. Auch Sportgeräte regen ihre Phantasie an. Als „ganz schön spitz“ wird z.B. eine Fechterin beschrieben; bei einer Fußballerin ist mit einem „runden Ding“ sowohl der Fußball als auch ihr Po gemeint. Die Betonung der sexuellen Merkmale zeigt den Objektcharakter, den Sportlerinnen, wie Frauen allgemein, in der BILD-Zeitung haben. So „appetitlich“ beschriebene Frauenkörper reizen gerade zum „Vernaschen“, zur „Inbesitznahme“. „Linda - lecker oben-ohne - bei den Männern hatte sie jedenfalls gewonnen“ ist der Text zu einem eindeutigen Foto. Bei Frauen zählen nicht die Siege auf dem Sportplatz, sondern die Erfolge bei den Männern. Verstärkt wird die einseitige, frauendiskriminierende Sichtweise durch die Häufigkeit der Fotos, die sexuell attraktive Körperformen besonders hervorheben. Ein Drittel der Frauen-sportbilder, aber fast keine der Abbildungen männlicher Sporttreibender haben einen sexuellen Bezug.
So werden z.B. durch die Körperhaltung der photographierten Sportlerin die sekundären Geschlechtsmerkmale besonders hervorgehoben. Gespreizte Beine mit Blick auf die Genitalregion sowie die perspektivische Betonung von Gesäß und Busen sind eindeutig als sexuelle Auslösereize einzuordnen. Desweiteren bietet BILD dem männlichen Leser Sekundärreize wie freie Schultern, freie Oberkörper, Beine oder Oberschenkel.
Die BILD-Zeitung vermeidet jedoch weitgehend darauf, die Bildinformation ausschließlich auf die Reizfunktion festzulegen. Dies zeigt sich auch im Sportteil zum einen darin, daß nur in den seltensten Fällen völlig nackte Frauen abgebildet werden. Zum anderen findet kaum sexuelle Interaktion in den Bildern selbst statt; die Bildmotive sind eher stereotyp und es herrschen erstarrte Posen vor. Dies liegt an der für die BILD-Zeitung typische Tabubewußtsein in Fragen der Sexualität sowie auf strategischen Momenten zurück. Neben den sexuellen Dimensionen Kleidung und Körper spricht die BILD-Zeitung die Verhaltensebene der Sexualität an. Anspielungen auf den Geschlechtsverkehr ( z.B.“ das Haus als Liebesnest“) oder anderer Sexualkontakt ( z.B. Küssen, streicheln) kommen in den Frauen-sportartikeln weit häufiger vor als in Berichten über den Männersport. Den Mythos von der Frau als berechnendes, kühl kalkulierendes Wesen deutet z.B. der Artikel „Die schöne Diane schlief mit dem Schiedsrichter und gewann“ an. In der Regel wird den
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Frauen aber die passive Rolle in der Sexualität zugewiesen. Sie werden „vernascht“ oder „aufs Kreuz gelegt“. Auch die außergewöhnliche Stärke einer Frau ändert nichts an der sexuellen Machtposition des Mannes, wie folgender Text zum Foto einer Judokämpferin deutlich macht: „Mit den Waffen eines Mannes ...“: Vorsicht, diese Frau weiß sich zu wehren! Christa Joeres aus Baden-Baden, die hier ihren Mann aufs Kreuz legt, hat den höchsten Meistergrad im Deutschen Judobund ... . Da konnte Paul Joeres nur noch mit den Waffen eines Mannes kontern: Die tüchtige Judo-Kämpferin ist im vierten Monat schwanger...“ (BILD-Zeitung, 17.1.1996, S.6)
Den BILD-typischen Humor enthüllen folgende Aussagen, in denen die sexuellen Phantasien der Leser anregt, dann aber auf vordergründiger Ebene enttäuscht werden: „Sie schläft nicht mit ihm. Er steht auch nicht an ihrem Bett ... der runde Glaspokal“. „Mit wem liegt eine schöne Frau nachts im Bett? Falsch geraten - mit einem Gips-Korsett“. Besitzen Sportlerinnen keinen Freund, so dienen häufig Tiere als Ersatzobjekte. „Küßchen gibt sie nur ihrem Sittich Susi, denn Sonja ist noch zu haben“.
6. Funktion und Wirkung des Frauenbildes in der Sportberichterstattung
Durch unsere Untersuchung konnte nachgewiesen werden, daß dem Frauensport in der Sportberichterstattung der BILD-Zeitung nur eine marginale Rolle zukommt. Im Vergleich zur tatsächlichen Sportbeteiligung von Frauen sind Berichte über Sportlerinnen bzw. Ereignisse im Frauensport stark unterrepräsentiert. Sie finden sich vor allem dann, wenn im Männersport ein saisonales Tief zu verzeichnen ist oder die Aktualität der Wochenendsportereignisse schon wieder im Abklingen ist.
Sporttreibenden Frauen wird noch nicht einmal so viel Beachtung geschenkt wie Freundinnen und Ehefrauen bekannter Sportler.
Darüber hinaus ist das Bild von Sportlerinnen klischeehaft und einseitig. Zwar werden Leistungen und Erfolge von Frauen anerkannt bzw. als solche hervorgehoben, doch lassen vielfältige Angaben zum Aussehen und zum sozialen Bezugsfeld die Sportlerinnen sogleich wieder als Frauen in ihren traditionellen Rollenbezügen erscheinen. Trotz hoher Leistungsfähigkeit, die eher den Männern zugeschriebene Eigenschaften wie Mut, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen erfordert, bleibt die dargestellte Sportlerinn immer noch „ganz Frau“, mit typisch weiblichen allgemeinen und sportlichen Interessen, Schwächen und Stärken. Frauen sind in BILD allgemein sowie in der Sportberichterstattung in der Regel jung, hübsch, oft sexuell aufreizend. Eine besondere Nähe zum weiblichen Sportidol wird durch die Art der Anrede (Vorname, Kosename) hergestellt.
Insgesamt kann für die Frauenberichterstattung in der BILD festgehalten werden, daß ihr die Funktion des „Lückenfüllers“ und der Auflockerung des Sportteils zukommt. Berichte über sporttreibende Frauen haben in geringerem Maße einen sportbezogenen Informationswert als Männersportartikel und dienen vornehmlich der Unterhaltung des (männlichen) Lesers. Die in der BILD-Zeitung übliche Personifizierung des Sports ist in den Artikeln über Sportlerinnen oder Freundinnen bekannter Sportler besonders ausgeprägt.
Wie eingangs schon betont, gelten unsere Befunde nur für die BILD-Zeitung. Ähnliche Tendenzen sind jedoch in anderen Medien zu vermuten. Auch innerhalb der Medienlandschaft bzw. der Presse ist BILD nur eines von mehreren, meist gleichzeitig benutzten Medien, über das Sportinformationen und Sportunterhaltung konsumiert werden. Dennoch hat die BILD-Zeitung aufgrund ihrer hohen Auflage allgemein und für untere Sozialgruppen im besonderen einen hohen Stellenwert. Für viele Leser des Boulevardblattes erfüllt der Sportteil sogar eine Alibifunktion. Er dient als Legitimation für den Kauf der Zeitung: „Ich kaufe die Zeitung nur
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wegen des ausführlichen Sportteils...“(Zit. Nach Eilers 1978, S.215). Obgleich laut Media Analyse die Leserschaft fast zur Hälfte aus Frauen besteht, kann von einem wesentlich größeren Interesse der Männer am Sportteil ausgegangen werden. Der Aufbau der Zeitung läßt vermuten, daß sich die Sportredakteure überwiegend an männlichen Leserbedürfnissen orientieren bzw. ihre eigene Sichtweise über Frauen und über den Sport präsentieren. Sie folgen dabei einem Modell von Sportberichterstattung, das sich scheinbar bewährt hat, obgleich uns bislang keine differenzierten Leser- bzw. Nutzungsanalysen vorliegen. In der Sportberichterstattung der BILD-Zeitung wird nur ein kleiner Ausschnitt der Sportrealität, nämlich die Welt des Hochleistungssports, beschrieben. Da Frauen weniger Wett-kampfsport betreiben, hat dies zur Folge, daß ihre Sportaktivitäten kaum berücksichtigt werden. Ihr geringes Sportengagement hängt aber vielleicht gerade damit zusammen, daß ihnen die Medien nur selten positive Orientierungsmuster und Identifikationsmöglichkeiten anbieten. Besonders ältere, leistungsschwache, nicht-attraktive Frauen finden sich mit ihren Sportinteressen in den Medien und besonders in der BILD-Zeitung überhaupt nicht vertreten. Außerdem haben frauendiskriminierende Darstellungen sicherlich einen Einfluß auf die aktiven Leistungssportlerinnen. Befragungen von Spitzensportlerinnen belegen z.B. deren vielfältigen Identifikationskonflikte, wenn sie nicht den herrschenden - zum großen Teil über die Medien vermittelten - Schönheitsidealen entsprechen. Sie werden mit einem bestimmten Bild von Weiblichkeit im Sport konfrontiert, dem sie oft nicht genügen können. Für Frauen wäre es wichtig, sich intensiver als bisher mit den derzeitigen Sportformen undstrukturen auseinanderzusetzen und eigene Bedürfnisse zu artikulieren, um so vielleicht zu einer auch für sie interessanten Sportpraxis und Sportberichterstattung zu kommen. Letzteres wird sicher nur möglich sein, wenn mehr Frauen in den Sportredaktionen der Medien arbeiten, wenn sie selbst die Berichterstattung über „ihren“ Sport übernehmen, wie beispielsweise die ehemalige weltklasse Schwimmerin Christin Otto jetzt im ZDF-Sportjournal. Nicht beseitigt sind damit allerdings die Anpassungszwänge durch das Medium selbst, denen sich auch Frauen wohl kaum entziehen können. Diese Zwänge sind besonders bei de Boulevardzeitung BILD nicht zu unterschätzen, die sich gerade wegen ihrer auf Sensation und Übertreibung angelegten Darstellungsweise strukturelle Änderungen ihres Konzepts nicht leisten kann und will.
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Weber, K.: Zur Sexualität in der BILD-Zeitung. Hamburg 1980.
8. Abbildungen Seite 7 Abb. 1 Aufstellung des Programmangebots der beiden Sportsender DSF und EUROSPORT vom 10.11.1999.
Abb. 2 Flächenanteile für den Frauen- und Männersport in der Bild-Zeitung. 13
Abb. 3 Prozentualer Anteil der Fläche für Artikel über Sportler, Sportlerinnen 14
und „Ehefrauen“ (Sportteil).
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Arbeit zitieren:
Sören Baumgärtner, 2000, Die Rolle der Frau in der Sportberichterstattung am Beispiel einer Untersuchung der BILD-Zeitung, München, GRIN Verlag GmbH
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