Inhalt
1. Einleitung. 1
2. Das Judentum im „Wesen des Christentums“ 1
2.1. „Das Wesen des Christentums“ 1
2.2. Das Evangelium Jesu Christi und das Judentum. 3
3. Harnacks Christentum 7
3.1. Harnack und das Luthertum 7
3.2. Harnack und Albrecht Ritschl (1822-1889) 8
3.3. Harnack und Julius Wellhausen (1844-1918) 11
3.4. Harnack und der moderne Antisemitismus 12
4. Schluß 16
5. Literaturverzeichnis 17
1. Einleitung
„Das Wesen des Christentums“ - Vor fast 100 Jahren zog diese Vorlesung ein Semester lang Woche für Woche ca. 600 Studierende in seinen Bann; das Buch wurde ein Bestseller - es erlebte schon zu Harnacks Lebzeiten (1851-1930) eine Verbreitung in mehr als 70 000 deutschsprachigen Exemplaren 1 und war bereits 1927 in 15 Sprachen übersetzt 2 - und unter Theologen und Laien, Juden und Christen löste es vielfältige Zustimmung und Kritik aus. Bis heute ist dieses Werk nicht in Vergessenheit geraten, sondern wird zum Thema theologischen Denkens. Eine in Arbeit befindliche Neuauflage, Seminare und wohl auch dieses Referat zeugen dafür. Was mag der Grund für den Bestand dieses Werkes sein? Für mich ist es zweierlei: Zum einen der oft streitbare und zur Auseinandersetzung herausfordernde Inhalt und zum anderen die Persönlichkeit Harnacks. Dieser spricht hier zwar auch als Kirchenhistoriker und Theologe aber vor allem als Mensch und Christ. Damit macht er „Das Wesen des Christentums“ zu einem Bekenntnis, zu einem Zeugnis seines Glaubens. Den Menschen Harnack hinter diesem Werk zu entdecken, das ist es, was ich der Arbeit an diesem Referat verdanke.
2. Das Judentum im „Wesen des Christentums“
2.1. „Das Wesen des Christentums“
Unter diesem Titel veröffentlichte Harnack 16 Vorlesungen, die er im WS 1899/1900 „vor Studierenden aller Facultäten … an der Universität Berlin gehalten“ 3 hat. Einem der ca. 600 Hörer ist das Erscheinen dieses Buches geschuldet: Der Theologiestudent Walther Becker hat die freien Vorträge Harnacks stenographisch aufgezeichnet. Diese Mitschrift wurde Grundlage des „Wesen des Christentums“. Die Gliederung des Buches in Vorlesungen, entgegen den inhaltlichen Themeneinheiten, und der Stil, der viel mehr Rede ist als ausgearbeiteter wissenschaftlicher Vortrag, weisen darauf hin, daß wir es in diesem Werk mit einem Stück „ursprünglichen Harnack“ zu tun haben. „Ursprünglich“ deshalb, weil Harnacks Gedanken nicht auf dem reflektierenden Weg schriftlicher Fixierung und mehrfacher Redaktion zu uns gefunden haben, sondern uns in der weniger kontrollierten, ursprünglicheren Form der freien Rede überliefert sind. Aber nicht nur der Form nach ist dieses Werk ursprünglich.
1 THOMAS HÜBNER: Adolf von Harnacks Vorlesungen über das Wesen des Christentums, S. 312-338.
2 ROLAND DEINES: Die Pharisäer, S. 169, bes. A. 7.
3 Das Wesen des Christentums, S. I.
1
Auch sein Inhalt kann mit diesem Begriff charakterisiert werden. Denn „Das Wesen des Christentums“ ist weniger eine historische oder exegetische Darstellung des christlichen Glaubens; es ist viel mehr Glaubenszeugnis, „echte persönliche Frömmigkeit“ 4 des Theologen und Historikers Adolf Harnack und damit das Ergebnis seiner bis dahin geleisteten historischen und theologischen Arbeit.
Meinem Referat liegt nicht die bereits 1900 erschienene Erstauflage des „Wesen des Christentums“, sondern die Ausgabe von 1903 zugrunde. Im Vorwort der verwendeten Auflage des 45. bis 50. Tausend betont Harnack aber, daß das Buch „auch diesmal unverändert aufs neue erscheine“ 5 . Mit wesentlichen Unterschieden zur Erstauflage ist also nicht zu rechnen 6 . Harnack betont, daß dieses Buch unverändert erscheine, weil oder besser obwohl diesem Werk viel Kritik widerfahren ist. Er schreibt: „Die Mißverständnisse, denen jede lebendige Darstellung ausgesetzt ist, sind, wie mich die Kritiken belehrt haben, nicht solche, die mich zu Korrekturen des Textes zwingen mußten“. Und weiter verwirft er die „tendenziöse und übelwollende Auslegung“, die einem „Kampf gegen das Buch“ 7 gleicht.
Daß Harnack diese Worte speziell in Richtung jüdischer Kritiker 8 geschrieben hat, bezweifle ich. Harnack wird diese Sätze wohl eher an die katholischen und evangelisch-orthodoxen Gegner gerichtet haben, die ihm vor allem seine relativierende Betrachtung der Dogmen und die monophysitische Darstellung Jesu als Menschen vorwarfen. 9 Die Frage nach dem „Wesen des Christentums“ stellt Harnack konkret als Frage nach dessen „Wesen und Wert“ 10 . Da Harnack nur das Christliche als Religion anerkennt - „die anderen [Religionen - R.L.] bewegen uns im Tiefsten nicht mehr“ 11 ist die Frage nach Wesen und Wert des Christentums zugleich die Frage nach Wesen und Wert der Religion.
4 AGNES VON ZAHN-HARNACK: Adolf von Harnack, S. 185.
5 Das Wesen des Christentums, S. IV.
6 Die vielen kleinen Änderungen, die Harnack vorgenommen hat, können für diese Arbeit vernachlässigt werden, da sie keine Aussagen über das Judentum betreffen. Vgl. dazu THOMAS HÜBNER: Adolf von Harnacks Vorlesungen über das Wesen des Christentums, S. 312-338.
7 Das Wesen des Christentums, S. IV.
8 Einen Eindruck über die vielfältigen Reaktionen auf „Das Wesen des Christentums“ von jüdischer Seite vermittelt die Diplomarbeit von SABINE TSCHAINER: Die zeitgenössischen Debatten um Adolf von Harnacks „Wesen des Christentums“ 1899/1900, S. 46-77.
9 Daß er die jüdische Kritik trotzdem mit im Blick hatte, ist anzunehmen. Denn eine Vielzahl von Autoren wehrte sich dagegen, wie Harnack das Judentum darstellt. Unter ihnen der damals noch weniger bekannte, später jedoch bedeutende Rabbiner und Religionsvertreter Leo Baeck.
10 Das Wesen des Christentums, S. 3.
11 Das Wesen des Christentums, S. 4.
2
Harnack will diese Frage rein historisch, „d. h. mit den Mitteln der geschichtlichen Wissenschaft und mit der Lebenserfahrung, die aus erlebter Geschichte erworben ist,“ 12 beantworten. Das bedeutet für ihn, das Wertvolle und Bleibende, den Kern es christlichen Glaubens sichtbar zu machen, indem er ihn von den verhüllenden Schalen befreit. Diesen Kern sieht Harnack im Evangelium Jesu Christi und dessen Meta-morphosen in Urchristentum und christlicher Geschichte. Dabei nimmt das Evangelium Jesu den größten Raum ein. Harnack stellt es in drei Kreisen dar, die jeweils die ganze Verkündigung enthalten:
„ E r s t l i c h , da s R ei c h G o t t es u n d s e i n K o m me n ,
Zw e i t e n s , G ot t de r V a t er u n d de r un e n dl i ch e W er t d e r M e ns c hen s e el e , D r i t t e ns , di e b es s er e G e r e c ht i gke i t un d d as G e b o t de r Li e b e. “ 13 Mit diesen drei Themenkreisen beschreibt Harnack das Wertvolle und Bleibende der Verkündigung Jesu für den Menschen, der „mitten in allem Wandel und Fortschritt der Dinge sich immer gleich bleibt“ 14 . In der Person Jesu vereinen sich der Kern des Evangeliums und das Bild des immer gleich auf die Religion bezogenen Menschen. Deshalb muß sie von den zeitgeschichtlichen Hüllen befreit werden, um „das Wesentliche der Erscheinung zu fassen“, selbst wenn diesem Unternehmen „viele ursprüngliche Züge zum Opfer fallen müssen - auch solche, die in ihrer Zeit wesentlich erschienen und es waren“ 15 . So schreibt Harnack im Vorwort zum 45. bis 50. Tausend; und vielleicht reagiert er diesmal vorwiegend auf jüdische Kritik. Denn wie das folgende Kapitel zeigen wird, besteht die Besonderheit Jesu und damit auch seiner Botschaft zu einem Großteil in Überbietung und Differenz durch Abwertung des Judentums.
2.2. Das Evangelium Jesu Christi und das Judentum
„Lediglich im historischen Sinn“ 16 will Harnack die Frage nach dem „Wesen des Christentums“ beantworten. Trotzdem sieht er davon ab, einleitend über das Judentum und die griechisch-römische Welt zu sprechen. Denn die Predigt Jesu führt sofort in eine Höhe, „auf welcher ihr Zusammenhang mit dem Judentum als ein lockerer erscheint … und Fäden, die in die ‚Zeitgeschichte‘ zurückführen, unbedeutend
12 Das Wesen des Christentums, S. 4.
13 Das Wesen des Christentums, S. 33.
14 Das Wesen des Christentums, S. 5.
15 Das Wesen des Christentums, S. VI.
16 Das Wesen des Christentums, S. 4.
3
Arbeit zitieren:
Robert Mahling, 1999, Harnacks Darstellung des Judentums im Wesen des Christentums, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Latino-Kultur in den USA - Generación n
Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 28 Seiten
Die Stufentheorien von Fowler und Oser/Gmünder
Vorstellung, Kritik und Nutzen...
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Unterrichtseinheit: Praktikumsbeleg SP2 & SP3 - Evangelische Relig...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Unterrichtsentwurf, 9 Seiten
Der 17. Juni 1953 - Forschung und Deutungsmuster
Politik - Politische Systeme - Historisches
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Bibeldidaktik: Stufenentwicklung nach James W. Fowler
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 17 Seiten
Sterbehilfe: Grundsetzliche Positionen des Christentums und des Islams
Theologie - Praktische Theologie
Seminararbeit, 17 Seiten
Unterteilung von Gleichnissen des NT - Ihre Auslegung am Beispiel de...
Theologie - Biblische Theologie
Hausarbeit, 17 Seiten
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Verantwortung für das menschliche Leben
Grundfragen der Bioethik
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit, 33 Seiten
Der 17. Juni 1953 und das Ministerium für Staatssicherheit
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Bachelorarbeit, 44 Seiten
Die Entstehung der Bekennenden Kirche im Spiegel der Chronik der Kirch...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 25 Seiten
Der 17. Juni 1953 - Die SED und der Neue Kurs
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Unterrichtsmethode des Stationenlernens
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit (Hauptseminar), 14 Seiten
Robert Mahling hat den Text Harnacks Darstellung des Judentums im Wesen des Christentums veröffentlicht
Robert Mahling hat einen neuen Text hochgeladen
Sechzehn Vorlesungen vor Studi...
Adolf von Harnack, Claus-Dieter Osthövener
Juden in der christlichen Umwelt während des späten Mittelalters
Alfred Haverkamp, Franz-Josef Ziwes
Die Geburt des Judentums aus dem Geist des Christentums
Fünf Vorlesungen zur Entstehun...
Peter Schäfer
Gemeinsamkeiten und Verwerfung...
Florian Schuller, Giuseppe Veltri, Hubert Wolf
Juden in ihrer Umwelt - Akkulturation des Judentums in Antike und Mitt...
Matthias Konradt, Rainer C. Schwinges
0 Kommentare