5. Aufklärung (1720 - 1785)
- Alles muss sich der Kritik unterwerfen. Kirche und Staat sind aber diejenigen Instanzen, die sich mit „Heiligkeit“ und „Majestät“ dieser Kritik entziehen wollen. (Kant „Kritik der reinen Vernunft“, 1781)
- Aufbruch aus erstarrten, traditionellen Bindungen setzte in ganz Europa ein (John Locke, Desacartes, Galilei, Newton => Siegeszug der modernen Naturwiss.)
- Lessing (1729-1781) schafft das „bürgerliche Trauerspiel“, mit dem er Mitleid erregen und die Menschen moralisch bessern will.
- Das bürgerliche Trauerspiel als Medium gesellschaftlicher Kritik und politischer Auseinandersetzung (z.B. Emilia Galotti, 1772: Die Unschuldigen sterben, die Schuldigen bleiben am Leben => die Ungerechtigkeit des Machthabers wird herausgestellt und dadurch Aufklärung über das absolutistische Herrschersystem geleistet).
- Aufklärung galt als Weg zum obersten Ziel der Erreichung der eigenen sittlichen Vollkommenheit im Einklang mit der Glückseligkeit der anderen Menschen (Vernunftethik). S. Kant „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (1783)
- => Streben nach politischer Emanzipation (mit Literatur als Medium politischer Auseinandersetzung)
- Wandlung des Theaters vom Hoftheater (vom Fürsten subventioniert) zum Nationaltheater
- Lessing Ù Gottsched („Versuch einer krit. Dichtkunst für die Deutschen“, 1730)
Exkurs: Die Merkmale der klass. frz. Komödie
- Held der Tragödie ist von hohem Stand; Held der Komödie ist von niedrigerem stand (Standesklausel)
- Hoher Sprachstil (Tragödie) Ù schmucklose Rede (Komödie) (= Lehre von den Stilebenen)
- Regel des Aristoteles von den drei Einheiten (abgeschlossene Handlung, kontinuierlicher Schauplatz, zusammenhängende Zeit (i.d.R. 1 Tag))
- Katharsis-Lehre des Aristoteles: Wecken von Furcht und Mitleid
- Während sich Gottsched an diese Regeln hielt, schuf Lessing das bürgerliche Trauerspiel (Beseitigung der Standesklausel, da der bürgerl. Zuschauer mit dem heroischen Helden kein Mitleid haben kann, ... )
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6. Sturm und Drang (1767 - 1785)
- Die literarische Bewegung bekam durch die Begegnung des jungen Goethe mit dem fünf Jahre älteren Herder den entscheidenden Anstoß.
- Später lassen sich zwei Zentren unterscheiden: In Straßburg und Frankfurt sammelte sich eine Gruppe um Goethe, die stark von Herder beeinflusst wurde. In Schwaben bildete sich ein Kreis um Schiller
- Dabei erweiterten junge Schriftsteller, sie im Sinn der Aufklärung gebildet waren, kritisch deren Position
- durch einen neuen Naturbegriff (der Mensch als natürliches Wesen ist gut, die Gesellschaft mit ihren Vorschriften, Regeln und Traditionen ist schlecht und unnatürlich und behindert die freie Entfaltung des Menschen)
- durch der Auffassung vom Künstler als ‚Genie‘ (in der Aufklärung galt das Dichten als eine lern- und lernbare Kunst, die nach Regeln vorgeht Ù Regeln und Vorbilder habe der nötig, dem das ‚Genie‘ fehle, für den wahren Dichter seien sie Hindernisse des Schöpferdranges)
- durch einen neuen Geschichtssinn (Geschichte stellt nicht einen linearen Prozess menschlicher Vervollkommnung dar, vielmehr haben die einzelnen Epochen und Völker einen Eigenwert => neues Verständnis gegenüber der griechischen Dichtung , der römischen, nordischen Literatur, ...)
- Durch das Anstreben eines bürgerlichen Individualismus (jeder Stand und der einzelne Mensch hat einen eigenen Wert; der Sinn des Lebens liegt in der freien Entfaltung der Individualität)
- Während Goethe und Schiller aus dieser Schaffensperiode des Sturm-und-Drang bald herausfanden, zerbrach Jakob Michael Reinhold Lenz an ihr. Andererseits war er seiner Zeit aber auch in einer Weise voraus, die Goethe nicht erkannte (seine Romane hatten zukunftsweisende Bedeutung).
- Dominierende Gattung im S&D ist das Drama, weil in ihm gesellschaftliche Konfliktsituationen dargestellt werden können. Die Wahl der Romanform für den „Werther“ durch Goethe war die Ausnahme (Goethe war der einzige, der die Epoche in allen drei Gattungen repräsentierte). Von weitreichender Wirkung war Goethes S&D-Lyrik als Prototyp der Erlebnislyrik (Drang nach Selbstverwirklichung, nach lebendiger Natur- und Liebeserfahrung => die damalige gesellschaftliche Wirklichkeit, die Verhältnisse, die den Alltag der Menschen ausmachten, sind ausgeklammert).
7. Weimarer Klassik (1786 - 1805)
- Die Weimarer Klassik beruht auf dem Zusammenwirken von Goethe und Schiller. Goethes Abkehr von S&D hat mit seinen persönlichen Lebensumständen zu tun. Er war 1775 der Einladung des Herzogs von Sachsen-Weimar gefolgt und als Regierungsmitglied, ab 1779 mit Ministerrang in dessen Dienst getreten. Damit begann für ihn ein völlig neues Leben, das ihn zwang, sich täglich an den widrigen Verhältnissen des Alltags abzuarbeiten. Schiller kam durch seine Auseinandersetzung mit den blutigen Ereignissen der Frz. Revolution zum dem Hauptthema der Klassik (zunächst die Rev. als Beginn einer neuen Zeit begrüßt, sah diese unter der Gewaltherrschaft von Robbespierre jedoch als gescheitert an).
- Goethe markierte die Ablösung von der eigenen S&D-Periode durch seine Ode „Grenzen der Menschheit“, in dem er sowohl die Empörerhaltung der S&D-Hymne „Prometheus“ als auch den Aufschwung in die göttliche Sphäre, den das Rollen-Ich im Gedicht „Ganymed“ nimmt, widerruft.
- Neue Einschätzung von Leben und Tod (statt Leben als Kerker und Tod der einzige weg in die Freiheit wird jetzt die Endlichkeit als Wesensmerkmal des Menschen akzeptiert)
- Hauptthema der Klassik: Der Konflikt zwischen Erde - Himmel, Trieb - Geist, Natur
- Freiheit, Leben - Ideal. Die Frage lautet, wie man sie versöhnen kann, wie man sich als naturgebundenes Wesen akzeptieren kann, ohne seine Sittlichkeit zu verfehlen, wie man sittlich handeln kann, ohne seine Natur zu vergewaltigen (=> Versöhnung von Natur und Freiheit). s. z.B. Goethes Gedicht „Das Göttliche“ (Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! ...)
- Das Bild, das Schiller und Goethe in ihren Gedichten vom Menschen zeichnen, hat folgende Eigenschaften:
- Mittelstellung in der Seinsordnung. Der Mensch hat durch seinen Geist an der „Gottheit“, durch seine Natur an der „Tierheit“ teil
- Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch die sittlichen Eigenschaften (die Mögl., „edel, hilfreich und gut“ zu sein) und die geistigen Fähigkeiten (der Unterscheidung von Gut und Böse, des Urteilens, des Ordnens und der Sinnstiftung)
- Der Mensch verfehlt sein Wesen, wenn er sich dem Naturtrieb unterwirft, aber auch dann, wenn er sich „mit Göttern“ misst.
- Der Mensch gewinnt Freiheit und Selbstbestimmung dadurch, dass er die moralischen Gebote in den eigenen Willen aufnimmt.
- Durch sein ethisches Handeln gibt der Mensch ein Zeugnis dafür, dass es höhere Wesen (‚Götter’) gibt.
- Tod und Naturkräfte gebieten nur über den Körper, während der Geist, der sich „in des Ideales Reich“ (aus Schillers Lehrgedicht ‚Das Ideal und das Leben’, 1795) erhebt, „frei von jeder Zeitgewalt“ ist. Dort ist der Mensch als moralisches Wesen zu Hause.
- Nach anfänglicher Distanz enge Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller (beider Werke fanden erst durch Anregung und Kritik des anderen erst ihre endgültige Form.
- Beide stellten der Unruhe der Zeit (Frz. Revolution, Krise des Absolutismus, Frühindustrialisierung) ihr Programm der ästhetischen Erziehung entgegen:
- Im Umgang mit Kunst und Literatur sollen die Menschen zur Humanität gebildet und dadurch reif für gesellschaftliche Veränderungen werden.
- Erziehungsideal ist die ‚schöne Seele’
- Um Menschenbildung in einer arbeitsteiligen und profitorientierten Gesellschaft zu ermöglichen, soll Dichtung sich aus dem beschränkten Interesse der Gegenwart heraushalten und Gegenstände wählen, die über allen Einfluss der Zeiten erhaben sind.
- Das klassische Formideal fordert Harmonie, Ordnung, Naturgemäßheit, Beschränkung, Ebenmäßigkeit der Teile in der künstlerischen Gestaltung.
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Hrach, Sabine, 2001, Deutsche Literatur: Epochenüberblick, München, GRIN Verlag GmbH
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nicht schlecht.
Nicht schlecht was du da geschrieben hast aber ich persönlich finde es ein bischen unübersichtlich aber im grossem und ganzem nicht schlecht...
am Tuesday, November 18, 2008-