1.Einführung
Nicht erst die Anwendung der Gentechnologie, sondern bereits die gentechnischen Methoden an sich werfen ethische und theologische Fragen grundsätzlicher Art auf. Die Gentechnik ist der derzeitige Höhepunkt einer mechanistischen Betrachtung und Behandlung des Lebens. Leben wird zunehmend wie technische Gebilde planbar und machbar. Die Wissenschaft beansprucht eine unbegrenzte Verfügungsmacht über das Leben und begründet das mit der Freiheit der Wissenschaft. Besonders im Bereich der Medizin zeigt dieser Anspruch drastische Folgen. Selbst entscheidende therapeutische Fortschritte können die Anwendung gentechnischer Methoden allein nicht rechtfertigen, denn Gesundheit ist nicht das allein maßgebliche Gut, nach welchem der wissenschaftliche Fortschritt ethisch zu beurteilen ist. Gerade die erwarteten großen therapeutischen Fortschritte durch die Gentechnik können zu einer Krise der Ziele medizinischen Handelns führen.
2. Was versteht man unter Gentechnik?
Verfahren zur gezielten Veränderung vererbter Eigenschaften eines Organismus durch Eingriff in dessen genetisches Material (Erbmaterial). Diese Methode wird häufig bei Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren angewendet, um sie zur vermehrten Bildung von bestimmter Stoffe oder zur Bildung völlig neuer Substanzen anzuregen oder sie unterschiedlichen Milieus anzupassen. Ein weiteres Gebiet der Gentechnik oder DNA - Rekombinationstechnik die medizinische Gentherapie. Dabei werden bei genetischen Störungen oder Erkrankungen wie AIDS oder Krebs Gene in bestimmte Körperteile eingeschleust.
3. Was unterscheidet die Gentechnik von bisherigen Eingriffen ins Leben?
Die Entstehung individuellen Lebens war bis zur Entwicklung gentechnischer Methoden dem direkten Zugriff des Menschen entzogen. Leben konnte nicht gezielt wie Maschinen geplant und gemacht werden. Es entstand durch ein „Zufallsgeschehen“. Dabei meint „Zufall“ im Sinne der Informationstheorie nichts anderes, als dass das Geschehen sich der berechnenden Vernunft des Menschen entzieht, jedoch nicht „Beliebigkeit“ und „Blindheit“. Das Leben höherer Organismen entsteht durch eine Neukombination der Gene bei den Reifeteilungen und der Verschmelzung von Samen- und Eizelle zu einem neuen Individuum. Welches Individuum bei der Neukombination der Gene entsteht, kann man nicht vorausberechnen. Durch gentechnische Methoden ist es nun möglich, gezielt bestimmte Gene aus dem Genom einer Zelle „herauszuschneiden“ und in das Genom einer anderen Zelle, auch anderen Arten, ja, wie es bereits gelungen ist, von Tieren auf Pflanzen zu übertragen. Der Mensch schickt sich also an, dass Zufallsgeschehen der Entstehung von Leben in Plan zu überführen, Leben so zu konstruieren, wie ein Architekt ein Haus plant und den Plan ausführen lässt.
Es ist also möglich, das Erbgut verschiedener Arten so neu zusammenzubauen, dass ganz neue Lebewesen entstehen, die es so in der Natur nicht gibt. Jedoch sind in der Natur dagegen starke anatomische, physiologische und physische Barrieren errichtet. Es besteht daher aller Anlass zu der Annahme, das diese Barrieren gegen eine artübergreifende Verschmelzung des Erbguts eine entscheidende Bedeutung für die Entwicklung und das ökologische Gleichgewicht des Lebens haben. Sie bewirken sicher, dass der Entwicklungsprozess des Lebens ganz langsam verläuft in Abstimmung mit Veränderungen in anderen Lebensbereichen, weil ein Lebenssystem mit vielen anderen Lebenssystemen verschränkt ist und ein Zustand des Gleichgewichts der Lebenssysteme garantiert sein muss, wenn Leben nicht überhaupt gefährdet werden soll.
4. Arzneimittelgewinnung durch gentechnische Verfahren
Die Bereitstellung wirksamer Arzneimittel durch die Pharmaindustrie ist Basis der großen Fortschritte in der Medizin des 20. Jahrhunderts, die einen entscheidenden Beitrag zur Lebensqualität underwartung der Bevölkerung in Industrienationen liefert. Der Löwenanteil der im Handel befindlichen Medikamente enthält Wirkstoffe, für deren Auffinden und Entwicklung die vier klassischen Quellen der Pharmaforschung - Heilpflanzen, Säugetiere, Mikroorganismen sowie chemische Synthesengenutzt wurden. Mehr als ein Viertel aller Arzneimittel stammt schon jetzt aus biotechnologischen Produktionsverfahren, so dass die Gentechnik auf diesem Sektor die methodischen Voraussetzungen liefert, natürlich vorkommende Rohstoffe in stärkerem Maße als bisher zu nutzen. Gentechnik schafft also keinen völlig neuen Industriezweig, sondern ist vielmehr eine konsequente Weiterentwicklung der Biotechnologie zur Erzeugung bewährter, aber zusätzlich auch neuartiger biopharmazeutischer Produkte.
5. Utilitaristische Erwägungen zu genetischen Anwendungen beim Menschen Zunächst folgen einige Bemerkungen über Medikamente, die mittels gentechnischer Verfahren hergestellt wurden. Für alle Medikamente gilt selbstverständlich, dass sie in spezifischer Weise gesundheitsförderlich, nämlich ihrem Heilzweck dienlich sind. Ein ernsthaftes Problem stellen dabei allerdings diejenigen Folgen dar, die zusätzlich auftreten, also unerwünscht sind und schädlich sein können. In diesen Fällen wird eine Güterabwägung zwischen den erwünschten und den negativen Folgen nötig. Bei der Beurteilung gentechnisch hergestellter Medikamente sind allerdings nicht nur Gesichtspunkte der Gesundheitsförderlichkeit bei ihrer Verabreichung, sondern auch die Aspekte der Sozial - und Umweltorientierung bei ihrer Herstellung relevant. Das Kriterium der Sozialorientierung bezieht sich auf die möglichen Folgen, die mit der Herstellung eines Medikaments für die an ihr Beteiligten verbunden sein können, das Kriterium der Umweltorientierung auf die Folgen, die in der Umwelt auftreten können. Die Regeln - Auswahl der günstigsten Alternative, Minimierung der Nebenfolgen, eindeutig günstige Nutzenbilanz - gelten also auch mit Blick auf die am Produktionsprozess Beteiligten und auf die Bewahrung einer intakten Umwelt. Am Beispiel des Insulins wird angedeutet, welche Überlegungen im Urteilsbildungsprozess eine Rolle spielen sollten.
Es gibt zwei Verfahren, um humanidentisches Insulin herzustellen: ein chemisches Verfahren, in dem aus tierischen Bauchspeicheldrüsen Insulin gewonnen und entsprechend verändert wird, und ein genetisches Verfahren, in dem genetisch veränderte Bakterien humanidentisches Insulin produzieren. Das gentechnische Verfahren ist das wirtschaftlich günstigere. Wirtschaftlichkeit ist ein Beurteilungskriterium, das von Unternehmen auf jeden Fall beachtet wird, und es wäre auch im
ethischen Sinn nicht verantwortbar, dies nicht zu tun. Allerdings verlangt die sittlich Verantwortbarkeit, dass weitere Kriterien beachtet werden, z.B. die oben genannten Kriterien der Gesundheitsförderlichkeit, der Sozialorientierung und der Umweltorientierung. Bezüglich der Gesundheitsförderlichkeit unterscheiden sich das semisynthetisch und das genetisch hergestellte Insulin nicht so wesentlich voneinander, dass sich von hier ein zwingender Grund für die genetische Produktion ergeben würde. Sollte man also die risikoärmere Alternative vorziehen, so spräche dies für das chemische Verfahren.
Die gentechnische Herstellung ist nämlich stärker mit dem Problem des „Restrisikos“ belastet. Es gibt, was ihre Erkennbarkeit betrifft, drei Arten von Risiken: bekannte Risiken, noch nicht bekannte, aber bei weiterer Forschung erkennbare Risiken und einen unvermeidbaren Restbestand an nicht erkennbaren Risiken. Dieser Restbestand an nicht erkennbaren Risiken. Dieser Restbestand bleibt, weil auch bei den größten Forschungsanstrengungen eine umfassende Aufklärung aller physikalischen, chemischen, biologischen und ökologischen Zusammenhänge nicht möglich ist. Das Restrisiko, so schwer es auch zu beurteilen ist, kann eingegrenzt werden: durch die Auswahl nichtpathogener Bakterien und Genombestandteile, durch die Arbeit mit Sicherheitsstämmen, also mit Bakterien, die unter normalen Umweltbedingungen nicht lebensfähig sind, durch höchste Sicherheitsanforderungen an das geschlossene Produktionssystem. Bei einem so eingegrenzten Restrisiko kommt für die Urteilsbildung der Befürworter der gentechnischen Produktion das Kriterium der Umweltorientierung insofern ins Spiel, als die auf tierische Organe angewiesene Herstellung hinreichender Mengen von Insulin nur bei einer umfangreichen Logistik, verbunden mit verkehrsbedingten Umweltbelastungen, sichergestellt werden kann. Für die Einschätzung der Kritiker dagegen wiegt das Restrisiko schwerer als die Vorteile.
Mit diesem Beispiel wird deutlich gemacht, wie schwierig es sein kann, zu einem Konsens bei der Beurteilung gentechnischer Anwendungen zu kommen. Die Argumentationen der jeweils anderen wiegen die eigenen Gründe nicht auf. In einer solchen Situation ist es zunächst wichtig, die Punkte des Dissenses möglichst genau herauszuarbeiten. Dies erfordert den Verzicht auf strategische, z.B. verschleiernde Argumentationsweisen. Vielleicht ergibt sich dann - bei fortbestehendem Dissens - die Möglichkeit, über einen Kompromiss nachzudenken.
6. Eugenik - die Wissenschaft von der Verbesserung des menschlichen Erbgutes Eugenik zwischen Verbrechen an der Menschlichkeit und Hilfe für die Menschen
Man kann eugenisches Denken und Handeln nicht abwertend beurteilen, wenn es mit wahrer Humanitas in Einklang steht, so wie sie in den Deklarationen der Menschenrechte der UNO niedergelegt wurde. H.-A. Freye
Es gibt eine erschütternde Anzahl an genetisch kranken Menschen mit Missbildungen und schweren geistigen Defekten. Dies war und ist immer noch einer der Gründe dafür, dass Menschen darüber nachdenken, wie die Anzahl der mit Erbschäden geborener Menschen reduziert werden kann. Alle Maßnahmen zur Verringerung schädlicher Gene in der menschlichen Bevölkerung werden mit dem Begriff der negativen Eugenik verbunden. Darüber hinaus haben die Menschen schon seit Jahrtausenden nachgedacht, wie man die Anzahl der Menschen mit vorteilhaften und wünschenswerten Eigenschaften erhöhen könnte. Dies heißt in der heutigen wissenschaftlichen Terminologie, wie man die Zahl der Träger von Genen, die die Entwicklung vorteilhafter Eigenschaften, z.B. der Intelligenz, kontrollieren, begünstigen könnte. Diese Bestrebungen werden mit dem Begriff der positiven Eugenik verbunden.
Die Eugenik, die Wissenschaft von der Verbesserung des menschlichen Erbguts, ist jedoch noch sehr jung und entstand infolge der Popularisierung der Darwinschen Selektionstheorie. Als Begründer der Eugenik gilt Sir Francis Galton. Seine Ideen und Einstellungen zur Eugenik sind nachhaltig geprägt worden durch die begeisterte Aufnahme und Propagierung der Selektionstheorie, die von seinem Vetter Charles Darwin aufgestellt worden ist.
Die bisherigen Versuche zur Verbesserung des menschlichen Erbgutes in der jüngsten Vergangenheit waren jedoch gekoppelt mit Mord und schweren Verbrechen an der Menschheit. Die Eugenik ist bereits zwischen den beiden Weltkriegen auf wissenschaftliche Abwege geraten. Diese Irrwege mündeten u.a. in den Konzentrationslagern der Faschisten und endeten in den dortigen Gaskammern und Verbrennungsöfen, in den Tausende von Menschen mit genetisch bedingten Krankheiten, Millionen von angeblich rassisch minderwertigen Juden, Zigeunern und Vertretern anderer Völker ermordet und verbrannt worden sind. Diese Verbrechen belasten jede Diskussion über gegenwärtige und zukünftige eugenische Maßnahmen. Dennoch betreiben wir seit vielen Jahrenzumeist nicht klar erkannt - durch viele Maßnahmen Eugenik, wie H.-A. Freye in seinem Buch „Humangenetik“ zusammenfasst. Er erwähnt u.a. solche Maßnahmen wie humangenetische Familienberatung, Heterozygotentests, Gefährdung der Umwelt durch mutagene Noxen sowie heterologe Insemination, wodurch im negativen oder positiven Sinne bereits Eugenik betrieben wird. Die Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte auf den Gebieten der Molekularbiologie und Humangenetik verlief derartig stürmisch, dass heute im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten nunmehr viele Methoden verfügbar sind, um durch negative oder positive eugenische Maßnahmen das menschliche Erbgut zu verbessern.
Es geht heute nicht mehr um wilde Spekulationen und überschäumende Phantasien, sondern um das jetzt anstehende Problem, welche eugenischen Maßnahmen der Menschheit helfen und welche Manipulationen am menschlichen Erbgut verwerflich und inhuman sind.
7. Die Klonierung von Menschen - Horrorvision der Zukunft?
Die experimentellen Schwierigkeiten bei einer möglichen Klonierung von Menschen Alles, was man noch braucht, ist die Technologie, um das Wissen, das wir aus Experimenten mit Bakterien, Karotten und Fröschen gewonnen haben, auf den Menschen übertragen. Ich bin völlig einig mit den Physikern, die in den dreißiger Jahren darauf hinwiesen, dass man die Prinzipien zur Freisetzung von Energie aus dem Atomkern bereits verstehe. Auch jetzt - in der genetischen Forschung von heute - haben wir das Werkzeug in der Hand. R. Sinsheimer (1969)
Wenn die Klonierung von Menschen gelingt - und nicht wenige Wissenschaftler sind davon überzeugt -, dann ist die höchste Stufe der künstlichen Reproduktion von Menschen erreicht. Wie das Ergebnis der Klonierung von Menschen aussehen wird, das hat uns die Natur bereits vorgemacht: Identisch aussehende Zwillinge sind aus einer einzigen Eizelle hervorgegangen und haben dieselben Erbanlagen. Wird der Mensch in naher Zukunft in der Lage sein, dieses Experiment der Natur nach seinem Willen nachzuvollziehen und z.B. statt Zwillinge eine Vielzahl genetisch identischer Menschen zu züchten? Solche Visionen mögen vorerst albern erscheinen - doch sind in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Klonierung frappierende Fortschritte gemacht worden. Die Anwendung dieser Techniken auf den Menschen scheint nun nicht mehr so unmöglich wie vor wenigen Jahren. Aus experimenteller Sicht ragen neben den vielen noch ungelösten Fragen vor allem zwei Probleme heraus:
1. die extreme Winzigkeit menschlicher Eizellen
2. das Problem, in den von ausdifferenzierten Zellen stammenden Zellkernen das genetische Programm in Gang zu setzten, das die Entwicklung eines ständigen Organismus einleitet. Menschliche Eizellen sind mit einem Durchmesser von nur 0,1 mm wesentlich kleiner als die Eizellen von Fröschen, bei denen die ersten spektakulären Klonierungsexperimente gelangen. Wie in solc h eine winzige entkernte Eizelle einen intakten Zellkern verpflanzen, der aus einer anderen menschlichen Zelle stammen muss, die den vollständigen diploiden
Chromosomensatz enthält? Die Manipulation so extrem kleiner Zellen schien viele Jahre technisch nic ht durchführbar. Die geschilderte Klonierung von Mäusen im Jahre 1979 hat aber den Beweis erbracht, dass die mikrochirurgischen Methoden so weit verbessert worden sind, dass nunmehr dieses Problem der Kernverpflanzung lösbar erscheint. Das zweite genannte Problem hängt mit der Differenzierung der Zellen zusammen.
Obwohl die verschiedenen Zellverbände der einzelnen Organe und Gewebe im menschlichen Körper ganz unterschiedliche Funktionen ausüben, enthält nach wie vor jede Zelle den vollständigen diploiden Chromosomensatz, d.h. die gesamte genetische Information, die für die Entwicklung eines Menschen aus einer einzelnen Zelle notwendig ist. Die differenzierten Zellen eines Körpers unterscheiden sich also nicht in der Art der genetischen Information, die sie in ihrem Zellkern codiert haben, sondern nur darin, welche Teile der genetischen Information nicht abgelesen werden. Dies ist leicht zu verstehen, wenn wir uns vorstellen, dass in den Zellen der Augen ganz andere Gene angeschaltet sein müssen als in den Darmzellen. In den Zellkernen differenzierter Zellen sind also im Gegensatz zur befruchteten Eizelle die meisten Teile der genetischen Informationen blockiert. Das Problem ist, wie diese Blockade aufgehoben werden kann. Die Experimente bei Fröschen haben gezeigt, dass unter bestimmten physiologischen Bedingungen der aus einer Darmzelle stammende Zellkern nach der Verpflanzung in eine entkernte Eizelle die Entwicklung eines vollständigen Individuums einleiten kann. Doch das ist noch kein Beweis dafür, dass dies mit menschlichen Eizellen ebenso funktionieren wird. Sicher ist die Erfolgschance größer, wenn man weniger differenzierter Zellen als Kernspender verwendet. Bei dieser Feststellung sei an Ilmensees erfolgreiche Klonierung von Mäusen erinnert, der die erforderlichen Zellkerne aus Embryonalzellen eines Mäuseembryos gewann. Am 15.01.1979 wurde in der Zeitschrift „The American Journal of Obstetrics and Gynecology“ über ein Experiment berichtet, das bei Fortführung unter Umständen zur erfolgreichen Klonierung von Menschen führen könnte. Dem Wissenschaftler B. Shettles, der auch in Rorviks Bericht über die angeblich erste Klonierung eines Menschen mehrfach eine Rolle spielt, war es gelungen, diploide Zellkerne aus Spermatogonien zu gewinnen. Die Spermatogonien sind männliche Ursamenzellen, die noch den vollständigen diploiden Chromosomensatz haben. Aus diesen Zellen gehen dann die haploiden Spermien hervor. Die gewonnenen diploiden Zellkerne verpflanzte Shettles erfolgreich in entkernte Eizellen die zuvor operativ aus den Eierstöcken von Frauen gewonnen worden waren. Nach seinen Aussagen gelang es ihm dreimal, diese konstruierten manipulierten Eizellen zur Entwicklung bis zum Blastozystenstadium anzuregen. In diesem Stadium brach er seine Versuch ab ...
8. Forderungen für die Gentechnik beim Menschen
Die im Hinblick auf gentechnische Verfahren bei der Medikamentenherstellung vorangetragenen Überlegungen lassen sich zum großen Teil übertragen auf die Fragen der Gentechnik bei der Lebensmittelherstellung und brauchen deshalb nicht wiederholt werden.
Statt dessen sollen vier Aspekte hervorgehoben werden, die ebenfalls in einem engen Zusammenhang mit dem Grundgedanken von Autonomie und Mündigkeit stehen.
1. Durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt bewirkte Veränderungen der menschlichen Entscheidungssituation müssen bewusst gemacht werden.
2. Alle Voraussetzungen müssen geschaffen werden, um eine auf umfassender Information gegründete Zustimmung („informed consent“) für die Teilnahme an Untersuchungen zu Forschungszwecken zu ermöglichen.
3. Das Recht des einzelnen Menschen auf Nichtwissen muss gewahrt bleiben. 4. Es gibt Grenzen für menschliches Handeln, die nicht überschritten werden dürfen.
9. Akzeptanzprobleme und Öffentlichkeitsarbeit im Umfeld der Gentechnik
Das öffentliche Bild der Gentechnik ist geprägt von Meinungen, Vermutungen und Stimmungen, die eine differenzierte Betrachtungsweise dieser komplexen Technologie verhindern. Eine umfassende Nutzung der offensichtlichen Vorteile gentechnischer Verfahren ist unmöglich, wenn die Öffentlichkeit ihre Methoden und Produkte nicht akzeptiert. Dieses ablehnende Verhalten resultiert aus den Faktoren Unkenntnis, Mangel an Vertrauen in die Entscheidungsträger, Bedenken bezüglich der Sicherheit und ethische Fragen zur Auswirkung von Genmanipulationen. Die Diskussion um das Für und Wider der Gentechnik wird durch zwei Prämissen erschwert, die zusammen eine ungünstige Ausgangssituation für die Entwicklung der biologischen Industrie schaffen. Das Basiswissen breiter Bevölkerungsschichten in den Bereichen Biochemie, Genetik und Mikrobiologie ist unzureichend, so dass fundierte Grundlagen für eine Beurteilung gentechnischer Methoden fehlen. Zusätzlich mangelt es an einer angemessenen Information der Öffentlichkeit, die weitgehend auf Quellen von Kritikerorganisationen oder auf eine spektakuläre Berichterstattung in den Massenmedien zurückgreifen muss, während sich Industrie, Wissenschaft und Staat vornehm zurückhalten. Die gegenwärtige Situation ist also dadurch gekennzeichnet, dass die Bevölkerung zuerst durch die Diskussion der Risiken gentechnischer Methoden verunsichert wird und dann den Sicherheitseinschätzungen von Experten distanziert gegenübersteht. Information und Transparenz bedeuten zwar nicht automatisch Akzeptanz, aber sie schaffen die Voraussetzung für Konsensmöglichkeiten bei der Entwicklung einer gentechnisch orientierten Industrie wie der Markteinführung ihrer Produkte. Der Grad des Vertrauens in die unterschiedlichen Informationsquellen bestimmt maßgeblich die Bewertung der Gentechnik und damit auch eine mögliche Befürwortung einzelner Sparten dieser Querschnittstechnologie. Länderunabhängig genießen in der Öffentlichkeit Umweltorganisationen und Verbraucherverbände das größte Ansehen, während die Industrie das Schlusslicht bildet. Die Stellung der Universitäten im Mittelfeld der Vertrauenswürdigkeit bietet die Chance, das Informationsangebot der Bevölkerung durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit von Wissenschaftlern zu vergrößern.
Informationen über die Ziele und Möglichkeiten der Gentechnik erhält die Öffentlichkeit vor allem über das Fernsehen, gefolgt von Zeitschriften und Zeitungen. Diese Medien stellen ihre Botschaft einschaltquoten- oder verkaufsfördernd dar, indem plakative Aussagen und ins Auge fallende, aber häufig nichtssagende Abbildungen in schwammige Ausführungen zur wissenschaftlichen Thematik eingeflochten werden. Typische Beispiele sind die immer wiederkehrenden Innenansichten von Genlabors, die weltweit einen ähnlichen Aufbau mit einer für Nichtfachleute verwirrenden Vielzahl von Flaschen und Geräten bieten, ohne dass auf die Funktion und Bedeutung der einzelnen Gegenstände eingegangen wird. Zusammengenommen erhält der Bürger ein oberflächliches Bild vieler Einzelheiten ´, bei dem die sachliche Vermittlung der wissenschaftlichen Grundlagen auf der Strecke bleibt und die angelsächsischen Charakterisierung unserer Mediengesellschaft „overnewsed, but underinformed“ auch für das allgemeinverständliche Informationsangebot über gentechnische Fragestellungen Bestand hat. Hier ist auch die Wissenschaft gefordert, die Kommunikationsbarriere zu den Nichtfachleuten abzubauen. Durch verlässliche Aussagen zum Stand der Forschung, zu den künftigen Forschungszielen und offenen Fragen zur Anwendungssicherheit könnten Interessierte eine zusätzliche Informationsquelle für eine ausgewogenere Meinungsbildung unabhängig von gesellschaftspolitischen Strömungen nutzen. Ein erster Ansatz für eine allgemeinverständliche Wissenschaftsvermittlung zeigt sich in der Öffentlichkeitspräsenz von bekannten Gentechnikern, die ihre Ansichten vor einem breiten Publikum vertreten. Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt für die Etablierung einer prosperierenden und im internationalen Vergleich wettbewerbsfähigen biologischen Industrie ist die Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit von Managern der betroffenen Gentechnikunternehmen. Bereits im Vorfeld der Produktentwicklung sollte die Bevölkerung für einen konstruktiven Dialog mit kompetenten Firmenvertretern gewonnen werden, dasmit beide Seiten die Interessen und Wünsche des anderen kennenlernen sowie kritisch diskutieren können. Die Industrie muss aber lernen, durch wahrheitsgemäße, differenzierte Informationen unbegründete Ängste abzubauen.
Die bisher übliche, von den Chemiekonzernen in langer Tradition praktizierte Verschleierungstaktik und die generelle Abwertung von Gentechnikkritikern führt in eine Sackgasse. Problematisch war in diesem Zusammenhang die Anzeigenserie der „Initiative Pro Gentechnik vom Verband der chemischen Industrie, in der bekannte Wissenschaftler und Personen des öffentlichen Lebens wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann in der Tagespresse positiv zur Gentechnik Stellung nahmen. Im Stil ihrer Kritiker wurde mit pauschalen Aussagen um Verständnis für die Ziele der biologischen Industrie geworben sowie die Behinderung der gentechnischen Forschung und Anwendung als unverantwortlich abgetan. Dieser undifferenzierte Wahrheitsanspruch kann die Konfrontation zwischen Gegnern und Befürwortern der Gentechnik nicht aufheben, sondern eher noch vertiefen. Statt dessen müssen die Chancen, die sich aus der Anwendung gentechnischer Verfahren ergeben, überzeugender dargestellt werden. Der Abbau von Kommunikationsbarrieren zwischen der Öffentlichkeit auf der einen Seite sowie Industrie und Wissenschaft auf der anderen
Seite ist eine zwingende Forderung für den Interessenausgleich aller gesellschaftlichen Gruppen im Bereich der Gentechnik. Die Vermittlung von Akzeptanz darf dabei nicht von oben herab und aus einer Position der uneingeschränkten Allwissenheit erfolgen. Überzeugen statt Belehren muss die Devise in einem Prozess sein, in dem die persönliche Integrität von Anwendern gentechnischer Methoden, eine für jeden erkennbare Kompetenz und Vertrauen als Basis für eine Annäherung dienen. Eine Professionalisierung des Informationsaustauschs ist damit auch ein wichtiger Schritt in Richtung auf die Etablierung des Standorts Deutschland für die biologische Industrie.
10. Die Zukunft der Gentechnik in Deutschland
Zur Zeit steht die industrielle Biologie in Deutschland noch ganz im Schatten der amerikanischen Dominanz auf den Gebieten der Grundlagenforschung, Produktentwicklung und Vermarktung rekombinanter Produkte. Die Innovationshemmnisse, die zu diesem Rückstand in der Gentechnik geführt haben, lassen sich auf fünf grundlegende Schwachstellen zurückführen:
- mangelhafte staatliche Unterstützung der biowissenschaftlichen Forschung,
- Mangel an Risikokapital für Firmenneugründungen,
- Mangelhafter Technologietransfer zwischen Forschung und Industrie,
- Fehleinschätzung der Gentechnik durch Manager und Behörden,
- Akzeptanzprobleme in der Öffentlichkeit
Nur wenn diese Schwachstellen im Wissenschaftssystem und Unternehmensgefüge der Biotechnologie beseitigt w erden, kann eine Neuorientierung in der rezessionsgeplagten Industrielandschaft stattfinden und der Anschluss an den immer schneller werdenden Zug der biologischen Industrie noch erreicht werden.
11. Quellenverzeichnis Microsoft Encarta 1999
Gentechnik / Die Wachstumsbranche der Zukunft = Hans Günter Gassen / Michael Kemme Genmanipulation Frevel oder Fortschritt? / Dr. Reinhard Piechocki
Arbeit zitieren:
Daniel Guehrs, 2001, Ethische Probleme der Gentechnik, München, GRIN Verlag GmbH
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Jana
Genial!!!.
Echt wahnsinn, diese Arbeit!
Sowohl fachlich als auch sprachlich over the top !!!
Sehr zu empfehlen, allerdings aufgrund des hohen Niveaus nicht für Dumme. ;)
am Friday, December 07, 2001-
heinz
2.
super!!!
am Monday, January 14, 2002-