Der Sozialcharakter im Wandel
von André Kloska
Inhalt
Einleitung 4
1. Charakter und Gesellschaftsprozeß 4
2. Der Sozialcharakter
des Mittelalters und sein Wandel 8
2.1 Arbeitsethos ... 8
2.2 ... und sein Wandel 13
3. Kennzeichen
des spätkapitalistischen Sozialcharakters 16
3.1 Entfremdung 17
3.2 Verlagerung der Herrschaft 20
3.3 Neuen Rollen im globalen Dorf 23
4. Perspektiven 24
Literaturverzeichnis: 27
Einleitung
Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht der Begriff des Sozialcharakters nach E. Fromm und sein Wandel im Zuge der Entwicklung der Feudalgesellschaft hin zur spätkapitalistischen Gesellschaft. Der Wandel der sozio - ökonomischen Faktoren hat entscheidenden Einfluß auf die Sozialisation des Menschen im jeweiligen Gesellschaftstyp und somit auch gesellschaftliche Konsequenzen, welche sich im konkreten sozialen Handeln von Individuen manifestieren. Nach einer Darstellung der theoretischen Grundlagen über den Grundbegriff des Sozialcharakters, die zum Verständnis der Zusammenhänge zwischen Sozialcharakter und sozio - ökonomischer Struktur notwendig sind, beschreibe ich die mittelalterliche Gesellschaft und ihren Wandel durch Neudefinition des Arbeitsethos und Säkularisierung. Dieser Wandel führte zu einer grundsätzlichen Änderung des Sozialcharakters, welcher in seiner modifizierten Form erst den Aufstieg der spätkapitalistischen Gesellschaft möglich machte. Neben den - aus gesellschaftlich - funktionaler Sicht - erwünschten Faktoren ergeben sich aus der Modifikation jedoch auch Konsequenzen, die zu einer Entfremdung des Menschen von sich selbst führen und neue schwierige Anforderungen an das Individuum stellen, die seine Autonomie gefährden.
1. Charakter und Gesellschaftsprozeß
Individuum und Gesellschaft sind unzertrennlich miteinander verbunden und dies begründet sich durch die - aus anthropologischer Perspektive - besondere Situation des Menschen. Der Entstehungsmythos des christlichen Abendlandes verdeutlicht diese in der Adam und Eva Erzählung: der Mensch lebt nach seiner Erschaffung glücklich und in Harmonie mit der Natur im Paradies. Er ist praktisch eins mit seiner Umwelt, er lebt mit und in ihr, bis er vom Baum der Erkenntnis ißt und sich seine Weltinterpretation schlagartig ändert. Plötzlich fällt ihm auf, daß er nackt ist, ihn überkommen Schuldgefühle, Zweifel und Angst, schließlich versteckt er sich vor seinem Schöpfer und wird von letzterem aus dem Paradies verwiesen ohne jemals zurückkehren zu dürfen. Danach leben Adam und Eva auf einem dornigen Acker, den sie mühsam bestellen müssen um sich ernähren zu können, ihre Söhne Kain und Abel beginnen sich aufgrund der unsicheren Situation um Hab und Gut zu streiten bis einer durch Brudermord stirbt.
Die Sehnsucht des Menschen danach Teil von etwas Ganzem zu sein bekommt ihren Antrieb aus der besonderen Situation des Erkenntnisgewinns. In diesem Augenblick, nämlich der Allegorie des Apfelplückens und -essens, verläßt der Mensch durch das Bewußtwerden seiner Selbst und der Umwelt die harmonische Einigkeit des Ganzen und tritt ihm als Gegenstück gegenüber ohne jemals wieder Teil von ihm sein zu können. Von diesem Zeitpunkt an ist der Mensch zwar mit Bewußtsein ausgestattet, gleichzeitig ist er jedoch "... sinnesarm, waffenlos, nackt, in seinem gesamten Habitus embryonisch, in seinen Instinkten verunsichert..." (Gehlen 1957:8). Seine Instinktreduziertheit und seine bis lange nach der Geburt andauernde Hilflosigkeit machen aus dem vorher mit dem Paradies verglichenem Ort seiner Existenz einen dornigen Acker, um dessen Ernte, welche für sein Überleben notwendig ist, er Tag für Tag kämpfen muß.
"Die Evolution des Menschen beruht auf der Tatsache, daß er
[...]
Arbeit zitieren:
André Kloska, 2002, Der Sozialcharakter im Wandel, München, GRIN Verlag GmbH
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