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André Kloska Social Sciences, Semester 2
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In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit der Heterogenität von Entwicklungsländern und deren Bedeutung für die aktuellen Entwicklungs- und Modernisierungstheorien. Dabei grenze ich zuerst ein, nach welchen Kriterien ein Land als Entwicklungsland gilt. Dazu zeige ich allgemeine Merkmale von Entwicklungsländern auf, und beschreibe die Indikatoren der Messung sozio-demographischer und wirtschaftlicher Faktoren, sowie die Schwierigkeit im Umgang mit ihnen.
Als zweites ergeben sich aus den Merkmalen und den Messungen verschiedene Untergruppen von Entwicklungsländern, deren Unterscheidungen ich kurz beschreiben und anschließend jeweils einen typischen Vertreter der drei Hauptgruppen in seiner Sozial- und Wirtschaftsstruktur und in deren geschichtlichen Entwicklung untersuchen will. Die Paralellen zwischen dem heutigen Status des Landes und seiner wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Entwicklung führen schließlich im dritten Teil zu verschiedensten Aussagen sowohl auf der Makro- als auch auf der Mikroebene der Entwicklungsstrategien, deren universalen Anspruch es zu hinterfragen gilt. Da es die Komplexität des Themas äußerst schwierig macht, eine allumfassende Kritik und eine die alten Paradigmen überwindende Alternative zu formulieren, beschränke ich mich im dritten Teil auf vier Kritikpunkte, die mir aufgefallen sind, und auf deren Bedeutung für eine Modifizierung der Entwicklungs- und Modernisierungstheorien.
Abschließend fasse ich im vierten Teil die Aussagen nochmals grob zusammen.
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Die heute als Entwicklungsländer bezeichneten Staaten zeichnen sich vorwiegend durch folgende allgemeinen Merkmale aus, welche ihren Niederschlag in ökonomischen und soziodemographischen Folgen finden:
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Dieser Indikator zur Messung der Wirtschaftskraft bezeichnet die durchschnittliche Kaufkraft eines Einwohners in einem Jahr. Die Aussagekraft wird jedoch durch viele Faktoren eingeschränkt, auf die ich bei der Indikatorenbeschreibung näher eingehen werde. Als gemeinsames Merkmal der Entwicklungsländer ist bei aller Umstrittenheit zu sagen, daß sich das BSP pro Kopf im Vergleich zu den Industriestaaten im untersten Bereich aufhält, also die Kaufkraft, und somit die Nachfrage, eher gering einzuschätzen ist. Bei dem als erfolgreich betrachteten kapitalistisch-konsumorientierten Wirtschaftssystem ist ein starker Konsum, bzw. eine starke Investitionstätigkeit immens wichtig, um Kapitalbildung zu ermöglichen (Andersen 1998).
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Auch wenn über einen längeren Zeitraum die Statistiken bescheinigen, daß in manchen Entwicklungsländern das BSP pro Kopf gestiegen ist, gilt in der Realität doch häufig, daß die Verteilung und Zuordnung der aus dem Wachstum entstandenen Mittel stark einseitig auf den oberen Teil der Bevölkerung verteilt ist. „Das Monatseinkommen eines Plantagenbesitzers von 5100 Geldeinheiten und von 100 Plantagenarbeitern in Höhe von 50 Geldeinheiten ergibt zwar ein durchschnittliches Einkommen von 100 Geldeinheiten; aber diese statische Verdoppelung durch Hinzurechnen des Plantagenbesitzereinkommens nutzt den Plantagenarbeitern nicht das Geringste. In den meisten Entwicklungsländern zeigt sich im Vergleich zu den Industrieländern eine sehr viel krassere Ungleichheit der Verteilung sowohl regional als auch nach Personen.“ i Die ärmsten 40 Prozent der Haushalte der Entwicklungsländer verfügen durchschnittlich nur über 13 Prozent der gesamten Privateinkommen (Andersen 1998).
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Als Folgeproblem der stark einseitigen Verteilung der Güter in den Entwicklungsländern ist die schwach ausgebaute Infrastruktur anzusehen. Vor allem der Ausbau von Transportwegen und Anschlußstellen des Weitertransportes sind für das wirtschaftliche Wachstum äußerst wichtig. Dazu kommt in der heutigen Zeit noch der unbedingte Ausbau der Kommunikationsmittel, da Kauf/Verkaufentscheidungen, Investitionen und die Anpassung der Produktionskapazität nur nach sorgfältiger Prüfung der die Entscheidung betreffenden Informationen realisiert werden können.
Nicht zuletzt ist eine ausgebaute Infrastruktur aber auch für die Entwicklung einer modernen Zivilgesellschaft nötig, da Kommunikation, Versammlungen, und Mobilität eine wichtige Vorraussetzung bilden (Andersen 1998).
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Obwohl in den Entwicklungsländern der primäre Sektor der Wirtschaft stark dominiert, gelingt es nicht, die eigene Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Dies ist auch stark von der Naturlandschaft, also der geographischen Lage des Landes bedingt. Wüstenstreifen, Sümpfe oder auch dichter Regenwald bieten nicht die gleiche Anbaukapazität wie großräumige Weideflächen. Vor allem in Asien gelang es Entwicklungsländern durch die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität durch neue Anbaumethoden und neue Sortenzüchtungen die Nahrungsmittelproduktion über das Bevölkerungswachstum hinaus zu steigern, und diese vor allem auch gerecht zu verteilen (Andersen 1998).
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Unter der stark traditionellen Ausrichtung der heimischen Industrie in Entwicklungsländern, wie zum Beispiel die Dominanz des primären Sektors oder das vorherrschende Prinzip der Subsistenzwirtschaft, wirkt der an den Bedürfnissen der westlichen Staaten orientierte Exportsektor paradox: dieser ist häufig weit entwickelt und wirft beachtliche Gewinne ab. Der Exportsektor wird jedoch meist als Fremdkörper in der nationalen Wirtschaftskonstellation betrachtet, da er häufig von multinationalen Konzernen beherrscht und aus deren Zentralen in den Industriestaaten gesteuert wird. Durch den gut entwickelten Export kommt es außerdem zu einer Verschlechterung der Terms of Trade, also dem in gleichen Währungseinheiten ausgedrücktem Austauschverhältnis zwischen Import und Export eines Landes. Die Festlegung auf ein Exportprodukt wie zum Beispiel Öl oder Kaffee, erhöhen zusätzlich die Gefahr von katastrophalen Auswirkungen bei Nachfrageschwankungen (Andersen 1998).
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Die Verschuldung wird meistens dann in Kauf genommen, wenn die Kapitalbildung im Inland nachlässt oder die Preise der lebenswichtigen Importe so stark gestiegen sind, daß sie die Exporterlöse übersteigen. Vor allem zur Zeit der Ölkrise waren viele Entwicklungsländer gezwungen, sich zu verschulden, um die Energieversorung ihres Landes aufrechterhalten zu können (Andersen 1998).
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Die stetig wachsende Bevölkerung der Dritten Welt gilt als ein Schlüsselproblem. Durch die verbesserte medizinische Versorgung ist die Sterbeziffer rückläufig, während die Geburtenrate weiterhin konstant ist. Die Folgen des Bevölkerungsanstiegs werden zumeist negativ bewertet, denn die mit der hohen Kinderzahl einhergehenden Belastungen wie die Gefahr der Überlastung der natürlichen Ressourcen, der Ausbau des Schulwesens, die Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, das Schaffen von Wohnraum und die Investition in Arbeitsplätze sind in ihrer Größe für die Dritte Welt nicht allein zu bewältigen. Positiv sieht man vor allem das größere kreative Potential durch das Bevölkerungswachstum (Andersen 1998).
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Ähnlich wie die Industriestaaten haben auch die Entwicklungsländer mit ökologischen Problemen zu kämpfen. Die Folgen der Industrialisierung sind in den differenziertesten Bereichen schädlich für das Umweltsystem und betrifft insofern die Dritte Welt wesentlich stärker als die Industriestaaten, da diese die Auswirkungen, wie zum Beispiel die Erwärmung des Erdklimas, direkt zu tragen haben. So erhöhen sich in unfruchtbaren Landschaftszonen Merkmale wie Erosion und Dürreperioden, teilweise fruchtbare Regionen werden von der „Verwüstung“ in öde Landschaften verwandelt. Überflutungen belasten vor allem in Südost-Asien die finanziellen Ressourcen, das medizinische System, und hemmen den Ausbau der Landschaften zu fruchtbaren Regionen um die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen.
Die starke Tendenz der Urbanisierung in den Entwicklungsländern führt immer mehr zur Slumbildung in Großstädten und damit zu Abfallentsorgungs- und
Stadtplanungsproblemen, einer hohen Kriminalität und zu sozialen Konflikten, da die sich stauende Frustration häufig zur Aggression transformiert und nach dem „Teekessel-Prinzip“ zu Unruhen und ethnischen Konflikten führt (Andersen 1998).
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Welche Ländern sind eigentlich als Entwicklungsländer anzusehen? Bis heute gibt es keine Einigung über die Merkmale, die als maßgebliche Kriterien für die Einstufung eines Landes als Entwicklungsland wirksam sein könnten. Das liegt hauptsächlich an folgenden Gründen:
• Die Aussagekraft unterschiedlichster Merkmale ist umstritten, da bis heute keine allgemeine Einigung über die Ursachen von Entwicklungsdefiziten und den daraus resultierenden Entwicklungsstrategien besteht (Andersen 1998).
• Die Meßbarkeit vieler Merkmale, vor allem der, die nicht im wirtschaftlichen oder soziodemographischen Bereich liegen, ist äußerst schwierig. Wie soll man beispielsweise das Merkmal „ schwacher Staat“ durch empirische Daten genau belegen und überprüfen? Hier besteht die Notwendigkeit, über allgemeine Kausalhypothesen Aussagen zu treffen, welche aber wissenschaftlich äußerst angreifbar sind. Zusätzlich bestehen selbst im wirtschaftlich und sozio-demographischen Bereich kaum zuverlässige und vor allem aktuelle Daten, auf die sich wissenschaftliche Aussagen aufbauen lassen (Andersen 1998).
• Die Akzeptanz von politischen Kriterien wie zum Beispiel der Freiheits - und Menschenrechte hat gerade bei internationalen Entwicklungsorganisationen großes Gewicht. Auch wenn ein Land gute Wirtschaftsdaten vorweist und nach diesen Kategorien nicht mehr als Entwicklungsland gesehen werden kann, so bedeutet dies nicht, daß vor allem NGOs dies auch so sehen. Menschenrechtlich wäre die Volksrepublik China also immer noch als Entwicklungsland zu kennzeichnen, auch wenn viele andere Indikatoren dagegen sprechen würden. Mir scheint dieser Druck der NGOs äußerst wichtig, da sie als großer und vor allem kontinuierlicher Entwicklungshelfer andere Schwerpunkte legen, als Staatengebilde, die durch ihre Struktur bestimmt in ihrer Außenpolitik oft egoistisch handeln. (Andersen 1998).
In den meisten internationalen Organisationen und unter den westlichen Staaten existiert trotz der Umstrittenheit der Merkmale ein Konsens über die Indikatoren, mit denen die Bedürftigkeit eines Landes festgestellt werden kann. Dies ist wichtig um die entwicklungspolitische Zusammenarbeit in die Praxis umzusetzten und sie zu koordinieren. Es darf jedoch nicht vergessen werden, daß auch bei der Konsensfindung über zuverlässige Indikatoren wiederum starke Einzelinteressen, speziell die der Staatengebilde, Einfluß nehmen. So wird die Definition von Entwicklungsländern und die Bildung von Untergruppen außer von Prestigeerwägungen auch von materiellen Interessen beeinflußt. Für die hilfswichtigen Geberländer gilt, daß „ ...sie ihre Leistungen auch gern als „ öffentliche
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Arbeit zitieren:
André Kloska, 2001, Heterogenität von Entwicklungsländern und deren Bedeutung für Entwicklungs- und Modernisierungstheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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