1. Allgemeines über Schule in der Literatur
Schule als „Kulturfrage“
„Man lese die Lebensgeschichte aller großen Menschen; sie sind, was sie geworden sind, immer trotz der Schule geworden nicht durch sie.“ Schulerfahrungen begleiten uns ein Leben lang. Nahezu jeder durchläuft also eine Schule, jeder hat einen persönlichen Anknüpfungspunkt an dieses Thema. Schule wird damit zum kulturellen Symbol.
Die Frage ist, inwiefern die sozialen, institutionellen und individuellen Verhaltensstandards und Bewusstseinsformen von Macht die Darstellung der schule in der Literatur des 19. und
20. Jahrhunderts prägen.
Die Schule wird als eine „kleine Gesellschaft“ verstanden, als Vorbild, Abbild und Nachbild. Eine historische Analyse des Bildes der Schule in der Literatur streift damit auch immer die Themen einer Institutionengeschichte, es geht dann um gesellschaftliche und kulturelle Phänomene, und nicht um individuelle Bewusstseins- und Darstellungsformen. Die Wahl des Schultyps bei der literarischen Darstellung ist unabhängig von den sozialen Erfahrungen der Figuren oder Autoren, nämlich, dass Schule Macht bedeutet. Das betrifft sowohl das Verhältnis der Lehrer und Schüler als auch der Schüler untereinander. Literatur über Schule gab es schon immer. Gemeint ist damit nicht die wissenschaftliche Literatur, sondern gemeint sind jene fiktionalen und halbfiktionalen Texte von Autoren und Autorinnen, die am Beispiel des Themas Schule grundsätzliche Fragen des gesellschaftlichen und kulturellen Prozesses darstellen.
Literatur vermag Bewusstsein zu schaffen, indem sie Öffentlichkeit schafft.
Die Geschichte der Schule ist eine Geschichte der Disziplinierung von Kindern. Als Lernerfolg gilt, wenn es Schülern gelungen ist, die Disziplinierung aus eigenem Antrieb gegen sich selbst zu richten. Der Auftrag der Schule lautet, sich zu einer Instanz des individuellen und kollektiven Über- Ichs zu machen. Die Vernunft zu schulen, heißt die Disziplinierung zu lernen.
Das Internat als eine besondere Schulform mag dabei als Modellfall betrachtet werden. Denn hier sind die strukturellen Besonderheiten sozialer Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern und den Schülern untereinander besonders deutlich zu erkennen, sofern die Autoren und Autorinnen davon berichten. Die Inszenierung der Macht setzen sie nach dem Schulunterricht fort, sie prägen den Lebensalltag der Schüler wie der Lehrer. Die Drastik des Schulerlebens von Unterdrückung und Verhinderung finden ihren schärfsten Ausdruck in den Internatserzählungen. Hier gibt es für Konfliktlagen keine harmonische Lösung mehr. Das Modell Internat komprimiert die alltäglichen Schulkonflikte so, dass die Unausweichlichkeit einer gewaltsamen Lösung gleichsam als Schicksal von den Betroffenen erfahren werden muss. Dieses Schicksal besteht für die jugendlichen Schülern und Schülerinnen in der Erkenntnis ihrer Ohnmacht der Machtapparatur Schule gegenüber.
Selbst wenn Schule auf Wissenserwerb zielt, ihr Lernsystem ist eine Kulturtechnik des Wissenserwerbs, Wissen mithin Bestandteil kultureller Bildung. Man sollte allerdings in diesem Zusammenhang die mahnenden Worte Montaigne nicht vergessen. In seinem Essais von 1580 schreibt er über die Erziehung der Kinder: „Das Wichtigste ist, Lust und Liebe zur Sache zu wecken; sonst erzieht man nur gelehrte Esel, und man erreicht nur, dass sie einen Sack voll totes Wissen, das ihnen eingeprügelt ist, mit sich herumzutragen.“ Wenn Schule über die Vermittlung von Fachwissen hinaus immer noch einen allgemeinen gesellschaftlichen und kulturellen Bildungsauftrag hat, dann wohl diesen: sapere aude.( Zitat:
2
Horaz) Es bedeutet: „Wage es, selbst zu denken!“, „Habe Mut, dich deines eigene Verstandes zu bedienen“( Kantsche Formulierung) Dies kann wohl auch heute noch trotz aller Computerisierung und Medialisierung der Lebenswelt und damit auch der Schule als der eigentliche Auftrag kultureller Bildung verstanden werden. Doch allen, auch den Protagonisten Kant und Schiller, ist etwas Entscheidendes entgangen: das Horazische Zitat wurde in dieser Form stets um ein Wort verkürzt, denn dem „sapere aude“ folgt im Original ein energisches, weil imperativisches „incipe“, zu deutsch: „fang an damit!“, „setz das Selbstdenken ins Werk!“ Die Literatur begleitet diesen Prozess, sie dokumentiert ihn und sie kritisiert, sie verherrlicht ihn und sie stellt ihn radikal in Frage, sie beschreibt ihn traditionell und sie erprobt utopische Gegenmodelle.
„Wer vor die Aufgabe gestellt würde, mit einem Federmesser einen Urwald zu fällen, müsste vermutlich dieselbe Ohnmacht der Verzweiflung empfinden, die den Reformeiferer vor dem bestehenden Schulsystem ergreift- diesem undurchdringlichem Dickicht von Thorheit, Vorurteilen und Missgriffen, wo jeder Punkt sich zum Angriff eignet, aber jeder Angriff mit den zu Gebote stehenden Mitteln fruchtlos bleibt.“ ( Zitat von Ellen Key, im Buch Das Jahrhundert des Kindes von 1900)
Sein Kind in die Schule zu schicken, wird lange vor der Einführung der allgemeinen Schulpflicht ein Klassen- und bildungsspezifischer Gruppenzwang. Die Schule ist der Ort gesellschaftlicher und religiöser Erziehung. Wollte man zu den verantwortungsvollen Eltern gehören, musste man sein Kind in der Schule erziehen lassen. Schule hatte so gesehen auch etwas von Sozialprestige an sich.
Die Schule gilt in der Neuzeit als der Ort, wo das kindliche, jugendliche Individuum gesellschaftsfähige und vom Gemeinwesen benötigte Tugenden, also Bewusstseinsformen und Verhaltensstandards lernt.
Eigene Rede und Disziplinlosigkeit und mangelnder Fleiß wurden auch schon in der Neuzeit bestraft. Die Symbole der schulmeisterlichen Gewalt wie „Bakel“ (Schulmeisterstock) und „Ruhte“ weichen im Laufe der Kulturgeschichte der Schule den Techniken und Apparaturen struktureller Gewalt. Die List der Macht besteht darin, unsichtbar zu sein, sich in Systeme, Verhaltensweisen und Ordnungen zurück zu ziehen.
„ In Schulen werden die Menschen zu frommen, gelehrten, gerechten, maßvollen, tüchtigen und weisen Mitbürgern erzogen und ausgebildet. ( Zitat von Johannes Althusius 1557- 1638) Das Bild der Schule und des Schulunterrichts in der Literatur ist maßgeblich geprägt vom Beziehungsgeflecht gesellschaftlicher Macht und individueller Unterdrückung.
Das Bild der Schule im 18. Jahrhundert ist maßgeblich geprägt von der Diskussion um Vor- und Nachteile öffentlicher Schulerziehung im Verhältnis zum privaten Schulunterricht. Die zeitgenössischen Bezeichnungen für einen Privatlehrer sind Hofmeister oder Privatinformator. In der Regel wurden diese Lehrer von Adeligen, Landadligen oder reichen Bürgern zum Unterricht der Kinder angestellt. Die Abneigung gegen sie war groß, nicht selten wurden sie den Dienstboten gleichgestellt. Beruf und Lebensform eines Privatlehrers wurde Gegenstand zahlreicher fiktionaler Texte des 18. Jahrhunderts. Die meisten schreibenden kannten den Beruf des Privatlehrers aus eigener Erfahrung. Die soziale Herkunft bestimmte auch hier die Berufswahl. Während Angehörige der Oberschicht ihre Universitätsausbildung gewöhnlich mit einem juristischen Examen abschlossen, studierten die Angehörigen der Mittelschicht, die meist aus ökonomisch und sozial beengten Verhältnissen kamen, Theologie oder ein altphilologisches Fach.
Als bekannteste Privatlehrer des 18. Und 19. Jahrhunderts gelten Kant, Hölderlin, Lenz, Wagner und zum Beispiel Fichte.
3
Dem Plädoyer für eine öffentliche Schulerziehung liegt das Verständnis der Aufklärung zugrunde, alle Schichten und Personen an einer entsprechenden Schulbildung Anteil haben zu lassen. Diese „Emanzipation des Wissenserwerb für alle“ korrespondiert mit der politischen Emanzipationsbewegung des Bürgertums im 18. Jahrhundert. Die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis und zur Erkenntnis der Welt soll dem Schüler durch einen entsprechenden Unterricht gelehrt werden. Dies ist der „emanzipative Kern der Aufklärungspädagogik“. Insgesamt lässt sich festhalten, dass sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Politisierung des Themas Schule in dem Sinne vollzieht, als nun öffentlich über Verbesserungen des Unterrichts, der Lehrerausbildung und der Kindererziehung debattiert wurde und diese Verbesserungen teilweise auch in entsprechenden Reformprojekten erprobt wurden. Schule als öffentlicher Diskurs ist von nun an mit der gesellschaftlichen Entwicklung insgesamt verkoppelt. Die Literatur ist an diesem Politisierungs- und Bewusstwerdungsprozess des Diskurses nicht unwesentlich beteiligt.
Die Funktionalisierung und Politisierung der Schule erreicht im 19. Jahrhundert einen ersten und im 20. Jahrhundert in der Gleichschaltung der Schulen im Nationalsozialismus einen traurigen Höhepunkt.
Diese Funktionalisierung der schule für die Politik ist offensichtlich, die Einschreibung des Schuldiskurses in einen öffentlichen, gesellschaftlichen Machtdiskurs ist nicht zu übersehen. Wenn über Schule von nun an gesprochen oder geschrieben wird, dann wird auch über staatliche Gewalt und gesellschaftliche Macht geredet. Nicht der pädagogische Auftrag steht im Mittelpunkt, sondern die staatsbürgerliche Disziplinierung. Besonders deutlich wird dies in den sogenannten Kadettenanstalten, jenen Militärinternaten, die den Offiziersnachwuchs des Militärs rekrutierten.
Dass diese „praktische Bildung“ des Schülers in der gesellschaftlichen Wirklichkeit gerade das Gegenteil bedeuten kann, nämlich die Einübung von Macht und Gehorsam, hatte im 18. Jahrhundert ein kritischer Zeitgenosse erkannt: „fast immer liegts an den Erziehern des Volks, wenn letzteres sich nicht mit Vätern behelfen kann, sondern Zuchtmeister bedarf- wenn es nicht aus Kindern, sondern aus Sklaven besteht- nicht aus Menschen, sondern aus Unmenschen.“ Und genau einhundert Jahre nach Hegels Schulrede ist von der Bildung des sittlichen Charakters des Menschen durch die Schule keine Rede mehr. In Berlin hatten sich drei Schüler eines Schuljahrgangs umgebracht, nicht, weil sie das „innere Gleichgewicht“ verloren hatten, wie es offiziell hieß, sondern weil sie mit ihrer „ Literaturbegeisterung, Kunstleidenschaft“ und ihrem „politisch oppositionellen Denken“ keinen Ort in der Schule gefunden hatten.
2. Professor Unrat- Heinrich Mann
1. Biographie:
Heinrich Mann wurde am 27.3.1871 in Lübeck als Sohn eines Senators und Konsul geboren. Die Mutter Julia war portugiesischer- creolischer Herkunft. Er hatte einen Bruder namens Thomas. 1889 machte Heinrich Mann Reifeprüfung. Er machte in Dresden eine Lehre als Buchhändler. 1891 starb sein Vater Thomas Johann Heinrich Mann. Er war Volontär im Fischer Verlag in Berlin.
Er machte ausgedehnte Reisen nach Italien (1893- 1898) 1894 erschien der Roman „In einer Familie“ 1899-1914 unternahm er abermals Reisen nach Frankreich und Italien.
4
Er machte Bekanntschaft mit Ines Schmidt, seiner späteren Verlobten. 1906 machte er erste Vorarbeiten zum Roman „Der Untertan“. 1914 heiratete er Maria Kanová, und hatte dann seinen Wohnsitz in München. Er lernte den französischen Germanisten Félix Bertaux kennen. 1923 machte er den ersten Nachkriegsbesuch in Frankreich. Er trennt sich von Maria Mann und siedelte nach Berlin über. Ein Jahr später traf er seine zweite Frau Nelly Kröger. 1933 flüchtete er nach Frankreich (er flüchtete vor dem Naziregim) und man hat ihm seine Staatsbürgerschaft aberkannt. Er wird tschechischer Staatsbürger. Heinrich Mann flüchtete 1949 nach Los Angeles, wo seine Frau Nelly den Freitod wählte.
1950 stirbt Heinrich Mann in Santa Monica bei Los Angeles.
Weitere Werke:
In einer Familie Das Wunder Ein Verbrechen Die Göttin Die kleine Stadt Der Untertan
1947: Ehrendoktor der Humboldt- Universität Berlin
1949: Nationalpreis erster Klasse für Kunst und Literatur „ Der Atem“ 1950 Berufung Heinrich Manns zum ersten Präsidenten der Akademie der Künste Berlin
2. Zum Inhalt:
„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat.“
So beginnt die Geschichte eines Lehrers an einem Gymnasium. Als er eines Tages über den Schulhof geht, wird er vom Sekundaner von Erztum „Unrat“ gerufen. Nun bricht ein Machtkampf zwischen ihm und den Schülern von Erztum, Kieselack und Lohmann aus. Lohmann, Sohn eines Konsuls und ein aufgeweckter Geist, ist der einzige den er als gefährlichen Gegner erkennt und auch anerkennt. Unrat versuch irgendetwas in Lohmanns Leben zu finden, dass er diesem zur Last legen kann. Der Lehrer ist furchtbar erbost darüber, dass er von diesem Schüler nicht Unrat genannt wird. Er findet eines Tages ein Gedicht in Lohmanns Heft über eine Künstlerin Namens Rosa Fröhlich. Er hofft durch sie einige Informationen über ihn herauszufinden und findet sie schließlich als Varietékünstlerin in einer Hafenkneipe. Dort trifft er auch die drei Schüler und droht ihnen sie bei der Polizei anzuzeigen, da sie nicht in solchen Lokalen verkehren dürfen. Doch auch sie wollen seine Anwesenheit an diesem Ort dem Direktor melden. In der nächsten Schulstunde ignoriert er sie einfach. Er setzt sich ab so fort jeden Abend in das Hinterzimmer der Kneipe um nicht zuzulassen, dass die Drei dort aufkreuzen. Doch was er nicht weiß ist, dass von Erztum Rosa Fröhlich einen Heiratsantrag gemacht hat. Unrat entwickelt eine gewisse Abhängigkeit zu seiner Angebeteten und bringt es damit zum Ausdruck, dass er ihr fortlaufend Geschenke macht, und ihr den Hof macht. Das angebliche Verhältnis zwischen den beiden ist in der Stadt Gesprächsthema Nummer eins. Eines Tages führt Fräulein Fröhlich Professor Unrat in ihr Zimmer. Die drei Schüler beobachten sie dabei. Kieselack beobachtet das Pärchen durch das Schlüsselloch beim Geschlechtsverkehr. Der hass auf Unrat wächst immer mehr. Ein paar Wochen später werden die drei Schüler angezeigt, weil sie ein Hühnergrab beschädigt haben. Bei der Gerichtsverhandlung rächt sich Kieselack bei Unrat dadurch, dass er offenbart, dass Rosa Fröhlich eine Prostituierte war. Unrat wird von der Schule gewiesen, sowohl auch die Schüler Kieselack, von Erztum und Lohmann. Unrat heiratet Fräulein fröhlich und sie bekommen ein Kind. Sie sehen einer ungewissen Zukunft entgegen....
5
3. Zu den Hauptpersonen:
Professor Unrat: Er ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Schuldienst tätig und gemäß den Traditionen als Unrat verhöhnt. Seine tyrannische Herrschsucht, die sich in Strafen, ungerechten Zensuren und sinnwidrigen Anordnungen zeigt, entspricht innerer Ohnmacht und Triebverdrängung.
Lohmann: Er hat verblüffende Ähnlichkeit mit dem Autor Heinrich Mann( Dieser war auch Konsul). Er ist ein sozial kritischer Realist.
4. Zum Werk:
Bei dem im Jahre 1905 entstandene Werk wandte sich Heinrich Mann unmittelbar der deutschen Provinz zu. Es wurde 1931 von Carl Zuckmayer unter dem Namen „Der blaue Engel“( Name der Kneipe) verfilmt. Dadurch betrachtete das Publikum das Werk als eine Schulsatire an. Doch das Buch ist um einiges präziser und beschreibt somit stärker die Doppelsinnigkeit des Stücks.
Es herrscht ein „Missbrauch der Macht“
3. Unterm Rad von Hermann Hesse
1. Biographie:
Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw/ Württemberg als Sohn eines baltendeutschen Missionars und einer württembergischen Missionars Tochter geboren. 1891 Seminarist im evangelischen Klosterseminar Maulbronn, aus dem er nach 7 Monaten flieht, weil er „ entweder Dichter oder gar nichts werden wollte.“ Im Juni 1892 beging er einen Selbstmordversuch und wurde daraufhin in die Nervenheilanstalt Stetten eingewiesen.
1898 erscheint seine erste Buchpublikation „Romantische Lieder“. Im September folgenden Jahres übersiedelte er nach Basel (Schweiz), wo er 1900 als freier Mitarbeiter bei der Allgemeinen Schweizer Zeitung tätig war.
1903 Niederschrift „ Unterm Rad“, 1904 Eheschließung mit Maria Bernoulli. Er wurde Schriftsteller in Gaienhofen am Bodensee. Mitarbeit bei zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften (Münchner Zeitung, Simplicissimus,...). 1905 Geburt seines ersten Sohnes Bruno. 1906 erschien „Unterm Rad“ bei S. Fischer/ Berlin. 1909 Geburt seines zweiten Sohnes Heiner, zwei Jahre darauf, Geburt seines dritten Sohnes Martin.
Zwischen 1910 und 1912 unternahm er mehrere Reisen nach Österreich, Italien, in die Schweiz und nach Indien.
Bei Kriegsbeginn 1914 meldete sich Hesse freiwillig, wurde aber als dienstuntauglich zurückgestellt und 1915 der Deutschen Kriegsgefangenenfürsorge bis 1919 zugeteilt. 1916 starb Hesses Vater, die beginnende Schizophrenie seiner Frau und das Erkranken seines Sohnes Martin führten zu einem Nervenzusammenbruch Hesses. 1917 wurde ihm nahegelegt, seine zeit kritische Publizistik zu unterlassen, doch weitere Publikationen sind unter dem Decknamen Emil Sinclair erschienen.
6
1919 Trennung von seiner in einer Heilanstalt internierten Frau. Unterbringung der Kinder bei Freunden. Im Mai Übersiedlung nach Montagnola/ Tessin. 1946 ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur. Er starb am 9. August 1962 in Montagnola bei Lugano
Weitere Werke:
Peter Camenzind (1904, Entwicklungsroman) Unterm Rad (1906, Schülerroman) Gertrud (1910, Künstlerroman) Demian (1919, Entwicklungsroman) Klingsors letzter Sommer (1920, 3 Erzählungen; Auseinandersetzung mit buddhistisch- indischen und chinesischen Lebenslehren), ebenso Siddharta (1922, Roman) Der Steppenwolf (1927, Roman) Narziß und Goldmund (1930, Roman; zwei gegensätzliche Wesen stehen sich gegenüber) Das Glasperlenspiel (1943, Bildungsroman)
Preise:
1946: Literaturnobelpreis 1955:Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. 1956: Stiftung des Hermann- Hesse- Preis ( seit 1977 mit dem Förderpreis der Stadt Karlsruhe verbunden)
2. Zum Inhalt:
Der Roman „Unterm Rad“ handelt von dem kurzen Leben des intelligenten Hans Giebenrath, der durch den großen Druck, der auf ihm lastet, stirbt.
Hans Giebenrath, ein begabter, intelligenter und fleißiger Knabe, ist der Stolz seiner Lehrer, ja sogar seines ganzen Dorfes. Nach dem bestandenen „Landesexamen“ soll er als Stipendiat das theologische Seminar in Maulbronn besuchen.
In den Ferien davor hat er aber keine Zeit zum Angeln oder zum Schwimmen, da ihm der Stadtpfarrer und der Direktor seiner alten Schule Unterricht in Latein Griechisch und Mathematik geben. Im Seminar findet er keine Freunde und wird eher gemieden. Schließlich schließt er sich einem zweiten Außenseiter an: Hermann Heilner. Die Lehrer des Seminars wollen das aber nicht, da Hans der Musterschüler und Hermann ein unberechenbarer Schüler ist, doch letztendlich siegt die Freundschaft. Hans Giebenrath leidet jedoch bald an Konzentrationsschwäche und starken Kopfschmerzen. Der Leistungsabfall von ihm wird von den Lehrern auf den schlechten Einfluss von Hermann Heilner geschoben. Hans wird aufgrund seiner Leistungsnachlässe von den Lehrern gehasst und leidet sehr stark darunter. Eines Tages bricht er zusammen und wird nach Hause geschickt. Hans ist psychisch am Ende. Sein Vater ist sehr enttäuscht von seinem Sohn und verschafft ihm eine Lehrstelle bei einem Mechanikermeister im Ort. Von einem Sonntagsausflug mit einigen Arbeitskollegen kehrt er nicht mehr zurück. Am nächsten Tag findet man ihn ertrunken in einem Fluss.
3. Zu den Hauptpersonen:
Hans Giebenrath:
Er ist die Hauptperson der Erzählung. Er ist ein intelligenter, fleißiger und sehr begabter Knabe und der Stolz seiner Lehrer. Er ist ca. 17 Jahre alt, zurückhaltend und schüchtern. Er
7
hat ständig Kopfweh, und schließlich starke Depressionen. Das ist letztendlich auch der Grund, dass er sich in dem Seminar verschlechtert und hinaus fliegt.
Er ist wirklich sehr intelligent, da er als einziger von seiner Stadt zum Landesexamen antritt und somit die Chance hat, das Tübinger Seminar zu besuchen. Unter dem ständigen Druck seines Vaters und seiner Lehrer besteht Hans als Zweitbester. Hans macht immer das, was andere zu ihm sagen. Das erkennt man in der Szene, als gerade Ferien sind und der Pfarrer und sein Direktor ihn fragen, ob er denn nicht „Nachhilfestunden“ nehmen wolle. Hans bejaht sofort, obwohl er viel lieber Angeln und Schwimmen gehen würde. Nach den Ferien, in denen er praktisch nur gelernt hat, kommt er ins Kloster.
Er ist sehr unbeliebt und findet praktisch keine Freunde. In seiner Verzweiflung wendet er sich der Natur zu, besonders dem Wasser, das ihm letztendlich auch zu Verhängnis wird. Hans verliebt sich auch einmal, nämlich in die Nichte des Meister Flaig. Bei seiner letzten Tat fällt es wieder auf, dass Hans nicht wieder sprechen kann, denn er geht mit auf diesen Arbeitsausflug, obwohl er eigentlich viel lieber im Bett bleiben würde. Bei diesem Ausflug trinkt er zu viel Alkohol und stürzt sich mitten in der Nacht in den Fluss und ertrinkt.
„Ekel, Scham und Leid waren von ihm genommen, auf seinem dunkel dahin treibenden schmächtigen Körper, schaute die kalte, bläuliche Herbstnacht hinab, mit seinen Händen und Haaren und erblassten Lippen spielte das schwarze Wasser.“ Hans zerbricht an der Realität
Joseph Giebenrath:
Joseph Giebenrath, der Vater von Hans, ist ein normaler Bürger, der sich durch keine Vorzüge oder Eigenheiten von seinen Mitbürgern auszeichnet. Er ist von Beruf Agent und Zwischenhändler. Er ist nicht so intelligent wie sein Sohn. Hans hat seine Begabung wahrscheinlich von seiner toten Mutter geerbt. Herr Giebenrath ist ein sehr sparsamer Mensch, da er zum Beispiel nur am Sonntag eine feinere Sorte von Zigarren raucht. Er ist ein sehr strenger Vater, denn er greift schon manchmal zu einem Meerrohr, um seinen Sohn zu verprügeln. Auch wenn es um die schulischen Leistungen von Hans geht, ist er sehr streng.
Hermann Heilner:
Er ist der Gegenspieler von Hans. Er ist im Gegensatz zu ihm ein lebenslustiger und eigenwilliger Junge, doch trotzdem sein bester Freund. Da er sich seinen Willen nicht brechen lässt und auch gegen die Schule gerichtete Gedichte schreibt, steht er oft in Konflikten mit den Lehrern und wird letztendlich von der Anstalt verwiesen.
4. Zum Werk:
In dem Roman „Unterm Rad“ verarbeitete Hesse seine drückenden Erfahrungen der Schulzeit und des Priesterseminars und setzte dagegen das Ideal eines freizügigen Vagabundendaseins. Das Werk ist eine direkte Anklage gegen die lebensgefährliche Einrichtung Schule Die Frage, ob Hans zum Schluss in seiner Trunkenheit in den Fluss fällt oder sich absichtlich das Leben nimmt, bleibt offen; die muss sich jeder selbst beantworten.
4. Die Verwirrungen des Zöglings Törless- Robert Musil
1. Biographie:
8
Robert Musil wurde am 6. November 1880 als einziger Sohn des Ingenieurs und späteren Hochschullehrers Alfred Musil und seiner Frau Hermine in Klagenfurt geboren. Er besucht die Militärschule in Eisenstadt und Mährisch- Weißkirchen und beginnt danach ein technisches Studium an der Militärakademie in Wien. Dies entspricht seinem eigenen Wunsch, aber auch dem des Vaters, der die beiden Berufstraditionen der Familie, die technische und die militärische, fortgesetzt und verbunden sehen möchte. Nach einem Militärdienstjahr wird er Assistent an der technischen Hochschule in Stuttgart; in dieser Zeit beginnt er mit der Arbeit an den „Verwirrungen des Zöglings Törless“. Er holt die Reifeprüfung nach und studiert von 1903 bis 1908 in Berlin Philosophie und Psychologie. Der Erfolg seines 1906 veröffentlichen Romans bestärkt ihn in der Überzeugung zum Schriftsteller berufen zu sein, sodass er auf eine akademische Karriere verzichtet. Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg bis zu seinem Tode widmet er im Wesentlichen der Arbeit an seinem großen Roman, von dem Teile in den Jahren 1931 und 1933 veröffentlicht werden. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlässt Musil Deutschland und kehrt nach Wien zurück. 1938 werden seine Werke in Deutschland und Österreich verboten. Er emigriert mit seiner Frau in die Schweiz. In Genf arbeitet er unter schwierigsten Lebensumständen weiter an dem Werk „ Mann ohne Eigenschaften“. Musil stirbt im April 1942 an einem Gehirnschlag. Sein Roman bleibt unvollendet. Der Dichter hinter lässt einen sehr umfangreichen Nachlass.
Weitere Werke:
Die Schwärmer (Schauspiel) Drei Frauen (Novelle) Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer Mann ohne Eigenschaften
2. Zum Inhalt:
Im 1906 erschienenen Roman „die Verwirrungen des Zöglings Törless“ spielen zweifellos persönliche Erfahrungen Musils aus seiner Zeit an der Militärrealschule eine wesentliche Rolle.
Die Erzählung beginnt und endet mit Abschied. Abschied nicht nur von Törless, der eine Militärakademie zu besuchen hat, sondern letztlich Abschied von der unbeschwerten Kindheit. Seit dem Augenblick, als Törless der Internatsschule beitritt leidet er an fürchterlichem leidenschaftlichen Heimweh. Er schließt sich den Schülern Beineberg und Reiting an. Gleichzeitig brechen in ihm unbekannte sexuelle Gefühle auf. Er wird verstrickt in die sadistische Grausamkeit gegenüber dem Mitschüler Basini, da dieser, wie Reiting entdeckte, die Kameraden bestohlen hat. Beineberg und Reiting quälen diesen mit Folter und beide haben ein sexuelles Verhältnis zu Basini. Doch Törless quält ihn nicht durch physische sondern durch psychische Misshandlung. Basini fühlt sich zu Törless wegen seiner Zurückhaltung angezogen und verführt ihn schließlich.
Törless reagiert sogleich mit Scham, Verachtung und einer neuen Leidenschaft. Am Ende entschließen Beineberg und Reiting Basini den Schülern und Lehrern auszuliefern. Es entstand ein schulinternes Skandal, und auch Törless muss sich rechtfertigen. Er begegnet den Lehrern mit dem Versuch, tiefgehende Verunsicherung hinter hochmütiger Überlegenheit zu verstecken. Mit beinahe dichterischer Inspiration repräsentiert er sich und seien Interessen vor den Lehrpersonen.
Schlussendlich beschließt Törless aus der Schule auszutreten, was auch den Lehrern nicht missfällt, da sie sich seiner Erziehung nicht mehr länger gewachsen fühlen.
9
Das Buch beginnt mit den Leiden des Kindes, führt über die Verwirrungen des pubertären Zöglings und endet mit dem Versuch des nahezu Erwachsenen, sich selbst zu bestimmen.
3. Zu den Personen:
Torless:
Ø Er wird mit sehr vielen Dingen konfrontiert:
Ø Er erlebt die Pubertät mit seinen starken Gefühlsschwankungen Ø Selbstüberschätzung, Selbstunsicherheit Ø Starke Rivalität Ø Stimmungen von Weltschmerz Ø Aufbrechen von sexuellen Gefühlen Ø Faszination und gleichzeitig Ekel vor homoerotischen, sadistischen Spielen Ø Totaler Gefühlswirrwarr Ø Schwanken zwischen Glauben und Zweifeln Ø Auseinandersetzung mit Autoritäten Ø Vor lauter Grübeln, schließlich Angst, verrückt zu werden Ø Entdeckung, dass er mit seinem Intellektualisieren eigentlich nur seine Sinnlichkeit abwehren will
Reiting: Er findet großen Gefallen daran, Unfrieden unter den Kameraden zu stiften und Intrigen anzuzetteln. Er ist rücksichtslos im Durchsetzten seiner Ziele, überheblich, zynisch und voller Menschenverachtung gegenüber denjenigen, denen er sich überlegen fühlt und die er seien Macht spüren lassen kann. Er hat sadistische Neigungen.
Beineberg: Er ist eine weitaus komplexere Gestalt als Reiting. Er ist der einzige, mit dem Törless über die ihn bewegenden Probleme reden kann. Er sieht die Folterungen von Basini, als eine Verpflichtung gegen sich selbst, als eine Art Opfer. „Ich bin mir schuldig, täglich an ihm zu lernen, dass das bloße Menschsein gar nichts bedeutet,- eine bloße äffende, äußerliche Ähnlichkeit.“
Basini: Es findet sich im Text ein knappes Portrait mit einigen negativen Zügen: Lügen aus Eitelkeit in Bezug auf angebliche erotische Abenteuer im Urlaub, moralische Minderwertigkeit und Dummheit. Er hat feminine Züge, dem entsprechen Weichheit und Sanftheit seines Wesens. Doch trotz seiner moralischen Labilität wirkt er nicht unsympathisch. Er ist fähig zu lieben und zärtlich zu sein. Er ist aller Wildheit und Rohheit abgeneigt. In seiner Schwäche erweckt er im Leser ein gewisses Mitgefühl.
4. Zum Werk:
Es ist eine zwar versteckte, aber dennoch eine stark ausgeprägte autobiographische Thematik in dem Werk zu finden. Insbesondere das Leiden im Internat, da Musil selber eines besuchte, und das Erlebnis jugendlicher Homosexualität. Musil hat viel von diesen eigenen Erfahrungen in den Tagebüchern niedergelegt. (Musil missbraucht die östliche Religion und den Hinduismus)
5. Der Schüler Gerber- Friedrich Torberg
1. Biographie:
10
Friedrich Torberg wurde am 16. September 1908 in Wien geboren und ist am 10. November 1979 in seiner Geburtsstadt gestorben. Er studierte in Prag und Wien und begann nach ersten Buchveröffentlichungen Theaterkritiken zu schreiben. 1938 emigrierte er in die Schweiz und flüchtete 1940 aus Frankreich nach Amerika. 1951 kehrte Friedrich Torberg nach Wien zurück, wo er bis 1965 die kultur politische Zeitschrift „Forum“ herausbrachte.
Weitere Werke:
...und glauben, es wäre die Liebe (1932) Die Mannschaft (1935) Die Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes in Anekdoten (1975) Die Erben der Tante Jolesch (1978)
2. Zum Inhalt:
Dieser Roman erzählt die Geschichte des begabten Schüler Gerber, der im letzten Jahr vor der Matura steht. Überraschend wird Professor Kupfer Klassenvorstand. Kupfer, der bei den Schülern „Gott Kupfer“ genannt wird, ist ein gefürchteter Lehrer. Seinen Spitznamen, den er nicht einmal ungern hört, erhielt er von den Schülern wegen seiner von ihm immer wieder betonten Unfehlbarkeit. Seine herrschsüchtige und sadistische Art und seine Macht gegenüber seiner schwachen Schüler kostet er bis zur Neige aus. Besonders einen Maturanten, nämlich den begabten aber renitenten Kurt Gerber, verfolgt Kupfer besonders, weil es Gerber an jener Unterwürfigkeit fehlt, die ein Schüler Kupfers Ansicht nach besitzen muss. Gerbers schwache Seite ist die Mathematik, das Fach, in dem Kupfer diese Klasse unterrichtet, und natürlich jede Gelegenheit nützt um die Schüler zu demütigen. Gerbers Vater, der die Arroganz und Gefährlichkeit dieses Lehrers erkannt hat, will Kurt in eine anderer Schule schicken. Doch der Junge glaubt, das Examen auch so bestehen zu können. Allerdings hat er sich den Kampf mit Kupfer nicht so Nerven raubend vorgestellt, und da er sehr sensibel ist, erlebt er die Demütigung seiner Mitschüler nicht weniger intensiv als die Ungerechtigkeiten ihm gegenüber.
Zu dem Schulelend kommt das Erlebnis einer unerfüllten Liebe zu einer ehemaligen Mitschülerin, Lisa Berwald. Bedrückend ist für ihn auch der Gesundheitszustand seines Vaters, der an einer Herzkrankheit leidet. Vor allem die Schande des durch Fallens beim Examen, möchte er seinem Vater ersparen. Trotz aller Vorbereitungen und Anstrengungen, versagt er, von Kupfer hereingelegt, in der Mathematikprüfung. Als er auch in den anderen Fächern weniger gut abschneidet, verliert er, obwohl ihm seine Mitschüler gut zuredeten die Nerven und stürzt sich aus dem Fenster des Realgymnasiums. Er war sofort tot. Gegen Professor Kupfers Einspruch wäre er trotzdem von der Prüfungskommission als reif erklärt worden.
3. Zu den Personen:
Kurt Gerber:
Gerber, von seinen Mitschülern Scheri genannt, ist der weitaus intelligenteste seiner Klasse. Er zählt jedoch, in Schulnoten ausgedrückt, zu den eher schwächeren Schülern seiner Klasse, da er eine Schwäche in Mathematik hat.
Arthur Kupfer:
11
Kupfer, bei den Schülern als Gott Kupfer bekannt, ist ein sehr gefürchteter Professor in Mathematik und Darstellender Geometrie.
Seinen Spitznamen, den er nicht einmal ungern hört, erhielt er wegen seiner immer wieder betonten Unfehlbarkeit. Er sieht sich selbst als Gott unter den Schülern, deshalb kostet er die Macht über diese bis zur Neige aus.
Kurt Gerbers Vater:
Kurts Vater, ein sehr schwer herzkranker Mann, ist sehr an Kurts Schaffen der Matura interessiert. Er hätte seinen Sohn lieber in eine andere Schule geschickt, um ihm Kupfer zu ersparen, was Kurt, der an seine Fähigkeiten nicht zweifelt, vehement ablehnt.
Lisa Berwald:
Eine ehemalige Schulkollegin, die dessen große Liebe ist. Nach ihrem Eintritt in die Arbeitswelt ist sie jedoch eher an Erwachsenen interessiert und lehnt deshalb seine Liebe ab.
4. Zum Werk:
Die Veranlassung zu diesem Werk waren zehn Schülerselbstmorde, die in einer einzigen Woche im Jänner 1929 von den Zeitungen gemeldet wurden, sowie persönliche Schulerlebnisse Torbergs die er in seinem Roman verwertet hat. Torberg will aufzeigen, dass allmählich das Selbstwertgefühl Gerbers so weit abgebaut wird, dass er nicht mehr auf seine vorhandene Fähigkeit vertraut. Er gibt auf, noch ehe überhaupt klar ist, ob er die Matura bestehen wird oder nicht. Verschlimmert wird seine schwierige Lage noch durch den Druck des Elternhauses und seine unglückliche Liebe. Im entscheidenden Augenblick ist niemand da, der ihm ausreichend Halt geben könnte.
Das System Schule hat versagt.
6. Jugend ohne Gott- Ödön von Horváth
1. Biographie:
Ödön von Horváth wurde 1901 in Susak bei Fiume in Jugoslawien geboren. Er zog 1902 mit seiner Familie nach Belgrad.1908 siedelte er mit seiner Familie nach Budapest um. Seine Erziehung war streng religiös.
1913 kam er nach München. Er machte das Abitur in Wien, ging aber dann wieder zurück nach München in die Universität.
Horváth kritisierte oft Nationalsozialismus in seine Werken. Darum wurde 1933 eine Uraufführung einer seiner Werke von den Nationalsozialisten verhindert und das Haus seiner Eltern durchsucht. Daraufhin reiste er nach Budapest und dann an seinen Geburtsort zurück. 1938, ein Jahr nachdem er Jugend ohne Gott geschrieben hat, kam er nach Paris, wo er am 1. Juni von einen Herabfallenden Ast erschlagen wurde. Horváth wurde auf dem Friedhof St. Quen in Paris beigesetzt.
Weitere Werke:
Der Lenz ist da! Ein Frühlingserwachen in unserer Zeit Ein Lehrer in heutiger Zeit Ein unbekannter Dichter
12
Auf der Suche nach den Idealen der Menschheit
2. Zum Inhalt:
Ein junger, idealistischer, an humanistischen Idealen orientierter Lehrer übernimmt im faschistischen Vorkriegsdeutschland eine neue Schulklasse. Er will ihnen auch, da ein Schüler das Wort „Neger“ in einer Schularbeit verwendet hat, erklären, dass das Wort nicht die richtige Bezeichnung für diese Menschen ist. Doch er steht einer faschistisch eingestellten Klasse gegenüber, die ihn als Lehrer ablehnt. Als die Schulklasse in den Osterferien in ein militärisches Ausbildungslager fährt, kommt es unter den Schülern zu einem Diebstahl. Der Lehrer, der sich bemüht das Verbrechen aufzuklären, kommt im Verlauf seiner heimlichen Nachforschungen in den Besitz des Tagebuches eines Schülers, verschweigt aber aus Feigheit seine Tat und macht sich am Streit zweier Schüler und dem folgenden Mord mitschuldig. Nachdem noch das Verhältnis einer der Jungen, der für den Diebstahl mitverantwortlich ist, mit einem Mädchen ans Licht kommt, sieht sich der Lehrer verstrickt in ein „Leben des Elends und der Widersprüche“. Bei einer Gerichtsverhandlung gesteht er die Wahrheit und rüttelt so das Gewissen der anderen Zeugen wach. Dadurch kann er, unterstützt von einigen Jugendlichen ,den wahren Mörder entlarven.
3. Zu den Personen:
Der Lehrer: Ein Gymnasiallehrer, welcher sich mit den Ideen des Nationalsozialismus nicht anfreunden kann. Er verachtet ihn, hat aber keinen Mut dies zu zeigen. Die Hauptperson stellt in diesem Buch eine Person dar, die mit ihrem Leben nicht klar kommt und auch Identitätsprobleme hat. Der Lehrer lebt in einer ihm total fremden und sogar feindlichen Welt. Deshalb hat er auch Schwierigkeiten mit den Schülern klar zu kommen. Die Klasse hat sein Vertrauen missbraucht und deshalb empfindet er puren Hass ihnen gegenüber.
Die Schüler: Anfangs sind sie hell auf begeistert vom Nationalsozialismus. Doch einige werden sehr stark von ihren Eltern beeinflusst. Zum Schluss wenden sich jedoch manche Schüler vom Nationalsozialismus ab, wegen dem Verhalten des Lehrers. Die Schüler bleibe in dem Werk sehr anonym, da sie nur mit Buchstaben bezeichnet werden.
4. Zum Werk:
Das Buch wurde im Jahre 1937 geschrieben, das heißt, kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Der Autor Ödon von Horváth will mit diesem Buch die faschistische- nationalsozialistische Ideologie des dritten Reiches kritisieren.
Der Autor will wahrscheinlich auch zeigen, wie einfach es wahr, Jugendliche in dieser Zeit zu beeinflussen. Man konnte mit ihnen alles machen, da sie keinen Widerstand leisteten und auch keine eigene Meinung hatten. Doch es war nicht nur die Jugend, sondern auch die Erwachsenen bzw. die Eltern die sich beeinflussen ließen.
Die Manipulation der Gefühle wurde meist durch den Radio oder die Zeitung gemacht. Aber es gab auch einzelne Leute die Angst davor hatten, ihre Abneigung gegenüber dem Nationalsozialismus zu zeigen, oder sogar etwas dagegen zu unternehmen. Das Sein überrollt das Bewusstsein.
13
Arbeit zitieren:
Christina Lingg, 2001, Schule in der Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Gesellschaftskritische Aspekte in der Struktur des Grotesken bei Bacht...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 17 Seiten
Sprachvarietäten des Deutschen - Dialekte und Soziolekte
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Theorie des Wertewandels nach Inglehart und Klages
Die Suche nach den Ursachen
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Spanienkonzeption in Honoré de Balzacs récit fantastique "L...
Romanistik - Französisch - Literatur
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
Medien der Massenkommunikation in der Kirche im Mittelalter unter beso...
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Hauptseminararbeit, 18 Seiten
Litauisches Verfassungsrecht im Vergleich mit dem deutschen Recht unt...
Jura - Andere Rechtssysteme, Rechtsvergleichung
Seminararbeit, 47 Seiten
Markennamen im Deutschen - Bildung, Bedeutung, Markenrecht. Eine Betra...
Hauptseminararbeit, 31 Seiten
Das Motiv des gemeinen Nutzens im Lalebuch
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 22 Seiten
Christina Lingg hat den Text Schule in der Literatur veröffentlicht
Christina Lingg hat einen neuen Text hochgeladen
Philip hat den Text Schule in der Literatur kommentiert
Duden Basiswissen Schule. Deutsch Abitur
11. Klasse bis Abitur
Detlef Langermann, Anne-Cathrin Friedrich, Martina Langermann, Gerald Lindner, Kirsten Thietz
PONS Wörterbuch für die Schule. Englisch. Englisch-Deutsch /Deutsch-En...
Für die Hauptschule, Integrier...
Fit für Klasse Fünf! - Englisch Trainer für den Übertritt in die weite...
Trainer für den Übertritt in d...
Jochen Vatter
Hochschule und Schule in der internationalen Diskussion
Chancen und Risiken neuer Entw...
Olga Graumann, Mikhail Pevzner, Margitta Rudolph, Irena Diel
Duden. Basiswissen Schule. Englisch
5. bis 10. Klasse
Dagmar Knapp, Elisabeth Schmitz-Wensch, Inka Artinger, Anne-Cathrin Friedrich, Peter Huuck
PONS Schülerwörterbuch Englisch Klausurausgabe für die Schule
Englisch-Deutsch/Deutsch-Engli...
Martina
so gut!.
Danke, danke, danke!!!!
am Thursday, December 20, 2001-
nops
na pfuh.
Ich hab eigentlich nur den Teil über Musils Werk gebraucht, aber hab dann gleich alles gelesen. Die Schulanalyse is echt der Hammer, alle Achtung! gor ned so schlecht... *g*
am Monday, January 21, 2002-
Philip
Sczhule in der Literatur.
Kurz, knapp,knacckig,gut! Danke!
am Wednesday, March 13, 2002-