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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. I
1. Einleitung. 2
2. Begriffsbestimmungen 2
2.1. Kultur 2
2.2. Tourismus 3
2.3. Kulturtourismus 3
3. Gründe für die Entwicklung des Kulturtourismus. 3
3.1. Gesellschaftlicher Wertewandel 3
3.2. Regionalbewusstsein und endogenes Potential. 4
3.3. Förderung durch die E.U 5
4. Marktstrukturen im Kulturtourismus. 6
4.1. Das kulturtouristische Angebot 6
4.1.1. Anbieter und Leistungen 6
4.1.2. Anforderungen an die Angebotsgestaltung 7
4.2. Die kulturtouristische Nachfrage. 9
4.2.1. Motive der Kulturtouristen 9
4.2.2. Merkmale der Kulturtouristen. 10
5. Arten des Kulturtourismus 10
5.1. Städtereisen 11
5.2. Bildungsreisen. 11
5.3. Thementourismus. 12
5.4. Event-Tourismus 12
5.5. Sonstige Formen. 13
6. Chancen und Risiken des Kulturtourismus 14
6.1. Positive Auswirkungen. 14
6.2. Gefahren und Probleme. 16
7. Praxisbeispiel: Kulturtourismus in der Stadt Weimar 18
7.1. Weimar - Die europäische Kulturhauptstadt 18
7.2. Besucherstrukturen 19
7.3. Das Kulturpotential der Stadt Weimar 19
7.4. Kulturtouristische Konzepte 20
7.5. Zukunftsperspektiven 21
8. Fazit. 22
Literaturverzeichnis. XXIII
Im Anhang: Power-Point-Präsentation
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1. Einleitung
Der Kulturtourismus hat sich mittlerweile zu einem Trend entwickelt. Seit den 80er Jahren ist die Popularität des Kulturtourismus stetig angewachsen. Der Tourismussektor gilt immer noch als Wachstumsbranche, obwohl seit Mitte der 90er Jahre die Gäste- und Übernachtungszahlen stagnieren oder sogar zurückgegangen sind. Aufgrund der konjunkturellen Lage und der verschärften Wettbewerbssituation im Tourismussektor stellt der Kulturtourismus ein Instrument zur Differenzierung und Profilierung dar. Die Städte und Regionen müssen sich notwendigerweise stärker voneinander abgrenzen und ein individuelles touristisches Profil entwickeln, wenn sie weiterhin marktfähig sein wollen. Zudem versprechen sich auch gerade die strukturschwachen Städte und Regionen durch den Kulturtourismus neue Wachstums- und Erfolgschancen.
Weiterhin liegt die Popularität und das große Interesse am Kulturtourismus dem gewachsenen Bildungsniveau und dem gestiegenen Zeitbudget der Menschen zugrunde. Die Kultur wird in zunehmendem Maße als Möglichkeit zur Freizeitgestaltung betrachtet. Kultur verliert dabei zuweilen ihren elitären Stellenwert und wird für ein breites Bevölkerungsspektrum massentauglich aufbereitet.
In der vorliegenden Arbeit soll der Gegenstand des Kulturtourismus näher beleuchtet werden, um herauszustellen, ob diese Tourismusform tatsächlich neue Entwicklungschancen für die wirtschaftlich angegriffenen Städte und Regionen beinhaltet. Hierzu erfolgt zunächst eine Begriffsbestimmung, bevor die ursächlichen Faktoren für den Trend zum Kulturtourismus sowie dessen Marktstrukturen und die unterschiedlichen Erschei-nungsformen aufgezeigt werden. Anschließend werden die Konsequenzen des Kulturtourismus eingehend erläutert, um die Vor- und Nachteile zu verdeutlichen, die mit dieser Tourismusart verbunden sind. Zuletzt wird anhand eines Fallbeispiels die praktische Handhabung des Kulturtourismus dargelegt.
2. Begriffsbestimmungen
Für die Begrifflichkeit des Kulturtourismus existiert eine Reihe von Definitionen. Dabei stehen einer einheitlichen und allgemeingültigen Begriffsbestimmung vor allem die vielfältigen Definitionen der Wortteile „Kultur“ und „Tourismus“ entgegen. 1
2.1. Kultur
Insbesondere der Kulturbegriff wird in der Literatur äußerst heterogen interpretiert. Das Spektrum an Definitionen erstreckt sich dabei von einer engen Auffassung des Kulturbegriffs bis zu einer weitgefassten Auslegung. In Verbindung mit dem Tourismus vertritt die herrschende Meinung die Auffassung, dass der erweiterte Kulturbegriff zugrunde zu l egen ist. Aus dieser Sichtweise dient die Kultur nicht nur der menschlichen Bildung durch das Angebot von Musik, Theater, Museen, Ausstellungen, Festspielen und denkmalgeschützten Bauten, sondern durchdringt jeden Lebensbereich des Menschen und bezieht sich gleichermaßen auf dessen Leben und Wohnen, seine Arbeit und Freizeitgestaltung
1 Vgl. WEISSENBORN: Kulturtourismus. Trier, 1997, S. 10 ff.
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sowie auch auf die zwischenmenschlichen Beziehungen untereinander. Damit stellt Kultur einen mehrdimensionalen und dynamischen Prozess dar, der auf eine stetige Weiterentwicklung und Veränderung ausgelegt ist. Zusammenfassend wird als Kultur somit alles bezeichnet, „was aus der Entwicklung, Pflege und Veredelung menschlicher Fähigkeiten entstanden ist und was für eine menschliche Gemeinschaft in einer bestimmten Region typisch ist.“ (DREYER, 2000, S. 42)
2.2. Tourismus
Neben dem Kulturbegriff erschwert auch die Definition des Terminus „Tourismus“ die begriffliche Abgrenzung des Kulturtourismus. Denn vorwiegend wird der Tourismus unter dem Aspekt der zeitlichen Abwesenheit betrachtet. Beim Kulturtourismus spielt das Kriterium der Dauer jedoch nur eine unwesentliche Rolle, vielmehr stehen die organisatorischen und inhaltlichen Faktoren des Tourismus im Vordergrund. Trotz dieser Problematik soll an dieser Stelle nicht gänzlich auf eine Begriffsbestimmung verzichtet werden. Tourismus ist demnach der Inbegriff aller Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem vorübergehenden Aufenthalt Ortsfremder ergeben, sofern der Aufenthalt aus anderen Gründen als dem der Ausübung einer Erwerbstätigkeit erfolgt.
2.3. Kulturtourismus
Aufgrund der Schwierigkeiten, die die Definitionen der Begriffe Kultur und Tourismus begleiten, existiert auch für den Kulturtourismus keine allgemein anerkannte Begriffsbestimmung. Vielmehr existiert ein breit gefächertes Meinungsspektrum über den Begriff, bei dem die jeweilige Sichtweise ausschlaggebend ist. Zum einen wird Kulturtourismus als eine Angebotsform angesehen, bei der das kulturelle Potential im Mittelpunkt steht, das genutzt werden soll. Neben dieser funktionalen Auffassung kann Kulturtourismus auch aus pädagogischer Sicht dargestellt werden, in dem der Aspekt der Kommunikation mit der Umwelt, den Mitreisenden und den Gastgebern hervorgehoben wird. Eine dritte Definitionsvariante beschreibt Kulturtourismus aus der Perspektive der Nachfrager. Dabei ist entscheidend, welche Elemente des historischen und heutigen Lebens von den potentiellen Gästen als Kultur bezeichnet werden und aus welchen Beweggründen eine kultur-orientierte Reise unternommen wird. 2 Aus dieser Sicht sind laut DREYER (2000, S. 26) dem Kulturtourismus alle Reisen zugeordnet, „denen als Reisemotiv schwerpunktmäßig kulturelle Aktivitäten zugrunde liegen. Tourismuswirtschaftlich werden alle Aktivitäten als kulturell bezeichnet, die der Reisende als solche empfindet.“
3. Gründe für die Entwicklung des Kulturtourismus
Nachfolgend werden die ursächlichen Faktoren aufgezeigt, aus denen sich der Trend zum Kulturtourismus ableiten lässt.
3.1. Gesellschaftlicher Wertewandel
In der heutigen Gesellschaft hat der Faktor Arbeit immer mehr an Bedeutungskraft verloren. Durch die gestiegene Verfügbarkeit von Zeit, Geld, Bildung und Wohlstand ist im
2 Vgl. LINDSTÄDT: Kulturtourismus. Trier, 1994, S. 11 f.
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Gegenzug der gesamte Freizeitsektor in den Vordergrund gerückt. Kennzeichnend für ein neues Freizeitverständnis ist die Urlaubsreise, die mittlerweile bereits als selbstverständlich gilt. Weiterhin gilt die Maxime des Besonderen, nicht mehr einzelne Urlaubska-tegorien (wie z.B. ein reiner Strandurlaub) wecken das Interesse der Konsumenten, sondern vielmehr differenzierte Kombinationen, die sich aus den Schwerpunkten Geselligkeit, Genuss, Erlebnis und Unterhaltung zusammensetzen. Damit erfährt auch das kulturelle Interesse eine völlig neue Dimension. Dominierten beispielsweise bis in die 70er Jahre hinein noch die klassischen Theaterformen, sind es heute neue kulturelle Angebote wie insbesondere die großen Musical-Produktionen, die sich über einen enormen Zulauf erfreuen.
Eine weitere Entwicklung im Freizeitbereich ist die verstärkte Suche nach Geborgenheit und der Wunsch nach Erinnerung an „die guten alten Zeiten“. Dieser Trend zur Nostalgie ist das Resultat einer sehr mobilen, schnelllebigen und anonymen Gesellschaft, die einem permanenten technischen und sozialen Wandel unterworfen ist. Vergehende Kultur, Geschichte und Tradition rücken wieder in den Vordergrund des gesellschaftlichen Interesses, um damit einen Grad an Stabilität und einen Ausgleich zum ständigen Veränderungsprozess zu erreichen. Auch dieser Trend ist ausschlaggebend für den Bedeutungsgewinn des Kulturtourismus. Ein Ereignis, das in ganz besonderem Maße ein großes geschichtliches und kulturelles Interesse hervorgerufen hat, war die deutsche Wiedervereinigung. Durch die unterschiedliche Entwicklung von Ost- und Westdeutschland bestand eine große Neugier und der Drang zur Erkundung der neuen Bundesländer gerade im kulturellen Bereich. Die erste große deutsch-deutsche Reisewelle im Bereich des Kulturtourismus ist mittlerweile jedoch wieder abgeebbt. Langfristig wird der Aspekt der Wiedervereinigung als Reisemotiv nicht mehr genügen, vielmehr muss das Augenmerk gerade in den neuen Bundesländern auf die Schaffung neuer attraktiver Angebote gerichtet werden. 3
3.2. Regionalbewusstsein und endogenes Potential
Eine grundlegende Voraussetzung für den Erfolg des Kulturtourismus ist die Existenz einer ganz spezifischen Regionalkultur, die sich aus dem Zusammenleben der Menschen und deren Traditionen und Gebräuchen über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat. Weiterhin ist von großer Bedeutung, dass die Bevölkerung sich dieser Regionalkultur auch bewusst ist, sie akzeptiert und ihr positiv gegenübersteht. Erst dann können kulturtouristische Angebote erfolgreich etabliert werden.
Der Kulturtourismus ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region verbunden. Er nutzt das sog. endogene Potential, d.h. die bereits vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten. Durch die Entwicklung und Vermarktung regionaler Kulturangebote wirkt der Kulturtourismus als eine unterstützende Maßnahme der regionalen Wirtschaftspolitik. Die regionale Identität wird hervorgehoben, was dazu beiträgt, das regionale Bewusstsein zu stärken. Damit besteht eine Art Wechselwirkung zwischen Kulturtourismus und regionaler Wirtschaftsförderung. Zum einen nutzt der Kulturtourismus das endogene Kulturpotential
3 Vgl. ebenda, S. 16 ff.
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und stellt demnach eine wirtschaftsfördernde Maßnahme dar. Zum anderen kann Kulturtourismus nur funktionieren, wenn ein ausgeprägtes Regionalbewusstsein in der Bevölkerung vorherrscht, das im Rahmen einer endogenen Wirtschafts- und Entwicklungspolitik geschaffen oder zumindest gestärkt wird. Dazu werden neben ökonomischen auch außerökonomische Maßnahmen, wie beispielsweise die Förderung von Vereinen oder Aktivitäten zur Belebung der Region, ergriffen. Dadurch soll die Identifikation mit der Region gestärkt und die Einheimischen selbst dazu motiviert werden, den Gedanken des Kulturtourismus mitzutragen, selbst an Angeboten mitzuarbeiten und die praktische Umsetzung der Konzepte aktiv zu unterstützen. Denn nur eine durch die Bevölkerung gelebte Kultur kann im Rahmen des Kulturtourismus effektiv vermarktet werden. Somit hat auch ein gesteigertes Regionalbewusstsein in Verbindung mit der Förderung endogener Potentiale den Trend zum Kulturtourismus verstärkt. 4 3.3. Förderung durch die EU
Der Begriff des Kulturtourismus ist noch relativ jung, er wurde erst in den 80er Jahren durch die Europäische Union (EU) in Deutschland eingeführt. Dabei sind die Inhalte des Kulturtourismus nicht neu, vielmehr zählen Kulturreisen bereits zum Standardprogramm touristischer Angebote. Jedoch wurden sie zunächst nicht als ein eigenständiger Tourismusbereich vermarktet und organisiert.
Die Tourismuspolitik der EU fällt in deren wirtschafts- und regionalpolitischen Tätigkeitsbereich. Die Finanzmittel zur Förderung touristischer Projekte stammen dabei größtenteils aus Strukturfonds wie dem Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) und aus Gemeinschaftsinitiativen (Programme, die eine bestimmte Thematik verfolgen). Darüber hinaus ist der Tourismus noch ein sehr neues Aktionsfeld der EU. Erst im Jahr 1982 wurden erste Ansätze für eine gemeinschaftliche Fremdenverkehrspolitik entwickelt, wobei die Bewahrung des europäischen Erbes eine Zielsetzung darstellte und dadurch bereits der Stellenwert der Kultur im Tourismus verdeutlicht wurde. Einen weiteren Bedeutungsgewinn verzeichnete der Kulturtourismus im Jahr 1993 durch den „Aktionsplan der Gemeinschaft zur Förderung des Fremdenverkehrs“. Dabei wird der Kulturtourismus als ein Bestandteil der Fremdenverkehrsentwicklung dargestellt und unterliegt einer speziellen Förderung. Die Zuwendungen richten sich hauptsächlich auf Projekte zur Entzerrung der Reiseströme, zur Stärkung neuer Reiseziele, zur Steigerung der Völkerverständigung und des europäischen Kulturverständnisses sowie zur Erhaltung des europäischen Kulturgutes.
Die finanzielle Unterstützung des Kulturtourismus durch die EU hat den Trend zu dieser Tourismusform sicherlich verstärkt. Das gilt gerade für die Fremdenverkehrsträger, die an den Fördergeldern interessiert sind und so vermehrt kulturorientierte Reisen anbieten. Die finanzielle Ausstattung in diesem Bereich durch die Zuwendungen der EU sollte trotzdem nicht überbewertet werden. Denn der Kulturtourismus stellt nur eine von vielerlei anderen Tourismusformen dar, denen ebenfalls Fördermittel zukommen. 5
4 Vgl. ebenda, S. 19 ff.
5 Vgl. ebenda, S. 22 ff.
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4. Marktstrukturen im Kulturtourismus
Im nachfolgenden Abschnitt werden die Spezifika der Angebots- und der Nachfrageseite im Kulturtourismus aufgezeigt.
4.1. Das kulturtouristische Angebot
4.1.1. Anbieter und Leistungen
Im Bereich des Kulturtourismus existiert eine Vielzahl von Anbietern, deren verschiedene Leistungen oftmals einer organisatorischen Abstimmung bedürfen. Zu den kulturtouristischen Anbietern gehören: 6
§ Reiseveranstalter
Die klassischen Anbieter im Tourismussektor sind die Reiseveranstalter. Für den Kulturtourismus kristallisieren sich jedoch zunehmend kleinere spezialisierte Anbieter heraus, die überwiegend den nationalen Absatzmarkt bedienen.
§ Tourismusverbände
Die bedeutendsten Tourismusverbände in Deutschland sind die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) und der Deutsche Fremdenverkehrsverbund (DFV). Deren Hauptbetätigung ist die Pflege und der Erhalt kultureller Eigenarten von Land und Region sowie die Entwicklung von Vermarktungskonzepten anhand dieser Besonderheiten.
§ Destinationen
Die touristischen Zielgebiete entwickeln auch eigene Programme, wie z.B. Veranstaltungskalender oder eigene Pauschalprogramme, um ihre Attraktivität als Reiseziel zu erhöhen. Zudem obliegt den Städten und Regionen die Aufgabe, die infrastrukturellen Grundvoraussetzungen für den Tourismus zu schaffen und zu erhalten.
§ Beherbergungsbetriebe
Der Bauboom im Hotelbereich hat in den letzten Jahren teilweise zu einem Überangebot an Betten geführt und so den Konkurrenzdruck erhöht. Viele Hotels sind mittlerweile dazu übergegangen, auch eigene Reiseangebote zu entwerfen.
§ Reiseleitungen
Die Reiseleitung hat die Aufgabe, die übergeordneten Zielsetzungen des Kulturtourismus zu vermitteln. Den Reisenden werden die Charakteristika einer Destination aufgezeigt und deren kulturelle Hintergründe eingehender beleuchtet. Die Teilnehmer sollen dazu angeregt werden, sich in fremde Denkweisen und Lebenssituationen hinein zu versetzen.
§ Sonstige Leistungsträger
Zu diesen Anbietern zählen die Organisatoren einzelner Kulturveranstaltungen wie beispielsweise Musicals oder Festivals sowie Kultureinrichtungen wie das Museum. Die Kernleistungen im Kulturtourismus bestehen aus Unterkunfts- und Versorgungsleistungen durch Hotels und Gaststätten, Transportleistungen durch öffentliche Verkehrsmit-
6 Vgl. DREYER (Hrsg.): Kulturtourismus. München, 2000, S. 34 ff.
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tel, Autoverleiher etc., Informationsleistungen durch Tourismusinformationsstellen oder andere Vermittlungen, sowie allgemeine Dienstleistungen wie Stadtrundfahrten, Führungen und Freizeitangebote.
Zu den kulturellen Hauptleistungen zählen alle Angebote, die auf die Befriedigung kultureller Erlebnisbedürfnisse abzielen wie
§ Historische Bauwerke § Museen
Diese Hauptleistungen werden dazu noch ergänzt durch Nebenleistungen wie fachkundige Führungen, besondere Ticket-Arrangements sowie Bild-, Buch- und Tonträgerangebote.
4.1.2. Anforderungen an die Angebotsgestaltung
Der Ausgestaltung kulturtouristischer Angebote liegen bestimmte Prinzipien zugrunde. Die Angebote sollten ganz spezifische Eigenschaften aufweisen, die sie deutlich von anderen touristischen Angeboten abgrenzen. Dazu zählen folgende Charakteristika: 7
§ Authentizität des Angebotes
Ein bedeutendes Kennzeichen kulturtouristischer Angebote sollte deren Echtheit sein, d.h. sie dürfen nicht künstlich geschaffen werden. Dem steht jedoch nicht entgegen, dass Objekte oder Sachverhalte nicht in irgendeiner Form aufbereitet oder umgestaltet werden dürfen, damit sie einen Attraktivitätsfaktor darstellen. Hierbei besteht allerdings stets die latente Gefahr, dass Denkmäler z.B. durch Restaurierungen zur K ulisse werden und damit ausschließlich reine Vermarktungszwecke verfolgt werden. Die Besucher und auch die einheimische Bevölkerung sollen jedoch vielmehr ein Stück regionaler Kultur und Geschichte „live“ erleben und nicht den Eindruck einer unwirklichen, künstlich geschaffenen Szenerie bekommen. Das authentische Erlebnis ist ein wichtiges Ziel des Kulturtourismus, welches nur durch die Kooperation mit Fachleuten und ein hohes Maß an Sorgfalt und Sachkunde erreicht werden kann. Zur Schaffung neuer touristischer Attraktionen gilt deshalb, zunächst eingehend die jeweilige G eschichte, Traditionen sowie Arbeits- und Lebensweisen der betreffenden Region zu erörtern, um daraus Ideen abzuleiten und diese zu einem touristischen Angebot zusammenzufügen.
§ Denkmalpflege
Einen nur schwer handhabbaren Bereich im Kulturtourismus nimmt die Denkmalpflege ein. Hier besteht oftmals ein Konflikt zwischen dem Schutz und der Pflege der historischen Baussubstanz und der touristisch kommerziellen Nutzung. Während bei den Denkmalpflegern der Gedanke der Konservierung Vorrang genießt, verfolgen die Touristiker das Ziel der Rekonstruktion und Restauration, um den Besuchern frühere
7 Vgl. LINDSTÄDT, a.a.O., S. 25 ff.
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Lebens- und Funktionsweisen besser verdeutlichen zu können. Eine Kooperation zwischen Tourismus und Denkmalpflege gestaltet sich daher äußerst schwierig. Dabei wäre eine Partnerschaft durchaus sinnvoll, um gemeinsam mehr für die Bewahrung kultureller Güter und deren ökonomische Nutzbarkeit zu tun.
§ Regionalbewusstsein und Partizipation der Bevölkerung
Bei der Gestaltung kulturtouristischer Angebote ist die Einbeziehung der Bevölkerung ebenfalls ein wichtiges Kriterium. Ausschlaggebend ist dabei die Schaffung und Stärkung des Regionalbewusstseins. Nur dann können sich die Bürger mit der einheimischen Kultur identifizieren und diese auch lebendig nach außen vermitteln. Die Bevölkerung sollte daher an der Gestaltung touristischer Angebote aktiv mitwirken und dazu angeregt werden, eigene Ideen einzubringen. So können beispielsweise Heimatvereine, Volkstanz- und Trachtengruppen zu eigenen Darbietungen animiert werden. Das Optimum wäre erreicht, wenn die gesamte Bevölkerung als „Vermark-tungsfaktor“ auftreten würde, d.h. wenn sie die Region oder die Kommune durch ihr Informationsverhalten gegenüber Ortsfremden verkaufen würde. Das Regionalbewusstsein ist für die Kommunikation zwischen Einheimischen und Touristen eine wichtige Voraussetzung, spiegelt es sich doch in der Gesamtdarstellung des Gebietes nach außen wider, z.B. bei städtebaulichen Aspekten, dem sozialen Verhalten der Bürger oder dem Umfang touristischer Angebote. Das Ambiente und die Atmosphäre einer Stadt oder einer Region spielen stets eine bedeutsame Rolle für die touristische Vermarktung.
§ Kommunikation und Didaktik
Ein weiterer wichtiger Gestaltungsfaktor für den Kulturtourismus ist die Übermittlung und Aufbereitung von Informationen. Als ein essentieller Bestandteil kulturorientierter Reisen ist die Vermittlung geschichtlicher Zusammenhänge und die Aufdeckung kultureller Hintergründe unabkömmlich. Denn auch bei kultur- und geschichtsorientierten Touristen kann kein bestimmter Wissensstand vorausgesetzt werden. Die Kulturreise findet zumeist erst aus dem Grunde statt, etwas über die Vergangenheit zu lernen und zu erfahren. Neben der sachlich richtigen und wissenschaftlich fundierten Darstellung der Informationen ist die didaktische Aufbereitung ein bedeutender Erfolgs-faktor. Denn oftmals steht bei der Nutzung kulturtouristischer Angebote keine Ansprechperson als Informationsträger zur Verfügung. Vielmehr müssen die Touristen sich mittels geeigneter Informationsmedien ihr Wissen selbst aneignen. Die Medien sollten dabei das Interesse an dem betreffenden Kulturgut wecken und dazu anregen, sich mit ihm auseinander zu setzen.
§ Integration weiterer Angebote
Ein weiteres wichtiges Element zur Gestaltung kulturtouristischer Angebote ist die Kombination untereinander und mit anderen touristischen Leistungen. So gehört es mittlerweile zum Standardangebot, dass kulturorientierten Urlaubern auch Beherbergungs- und Verpflegungsangebote zur Verfügung gestellt werden. Zudem kann durch die Verknüpfung mit anderen Erlebnisbereichen wie Gesundheit, Sport oder Natur dem Besucher ein vielschichtigerer Eindruck der Kommune bzw. der Region vermit-
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telt werden. Dies ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass viele Urlauber nicht aus rein bildungsorientierten Motiven verreisen und die Nutzung kulturtouristischer Angebote in diesem Fall eher einen „Mitnahmeeffekt“ darstellt.
§ Behandlung von „Problemkultur“
Zum Bereich der Problemkultur zählen die eher unrühmlichen Seiten der Geschichte wie beispielsweise die militärische Vergangenheit oder die Industriekultur. Hier müssen die Anbieter abwägen, ob diese Felder in die bestehende Kulturlandschaft integriert werden sollen oder ob sie ausgelassen werden. Das Thema Problemkultur führt oftmals zu einem Spannungsverhältnis. Einerseits soll dem Besucher eine heile Urlaubswelt präsentiert werden, in der der Erholungs- und Erlebniswert Priorität genießt. Auf der anderen Seite stellt Problemkultur einen Teil der Geschichte dar, der zwar kein Massenpublikum anspricht, aber um seiner selbst Willen nicht verleugnet werden darf. Denn sonst würden Kultur und Geschichte zum reinen Konsummaterial reduziert und der Eindruck der Region bzw. der Kommune würde verfälscht. Somit scheint es sinnvoller, Problemkultur zu integrieren und nicht zu ignorieren.
4.2. Die kulturtouristische Nachfrage
Eine Grundvoraussetzung für die Zusammenstellung eines kulturtouristischen Angebotes ist die Kenntnis der Nachfrage. Hierbei ist es notwendig, Angaben zu den soziodemographischen Merkmalen zu erhalten und die Motivationen, Wünsche und Erwartungen der Besucher zu analysieren.
4.2.1. Motive der Kulturtouristen
Die Motivationen der Nutzer kulturtouristischer Angebote sind äußerst vielfältig und lassen sich nur schwer untergliedern. Oftmals überschneiden sich die Motive des Kulturtouristen mit anderen Tourismusformen, da er zwar bildungsorientiert und kulturmotiviert ist, aber diese Interessen meistens mit anderen Urlaubsaktivitäten verknüpft. Trotzdem kann der Kulturtourist anhand einiger Kriterien beschrieben werden. Anhand empirischer Studien 8 lässt sich feststellen, dass immer noch die Aspekte Abschalten, Ausspannen, Tapetenwechsel sowie Ruhe und Natur im Vordergrund aller Urlaubsreisen stehen. Es kann jedoch auch belegt werden, dass dabei für den Kulturtourismus relevante Motive aus dem Bereich „Eindrücke, Entdeckung und Bildung“ einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Darüber hinaus wächst die Vielfalt der Reiseabsichten permanent. Nicht mehr allein ein bestimmtes Motiv gibt den Ausschlag für die Wahl einer Reise, sondern vielmehr wird eine Verknüpfung mehrerer Zielsetzungen wie Ruhe, Erholung, Natur, Geselligkeit sowie Abwechslung, Unterhaltung und Bildung angestrebt.
Nachfolgend sollen die Kulturtouristen trotz ihrer vielfältigen Motivationen in folgende vier Gruppen unterteilt werden:
1. Nachfrager mit einem generellen Interesse, die auch zu Hause kulturelle Angebote beanspruchen und durch den Besuch eines fremden Landes oder einer fremden Region beabsichtigen, ihr Wissen zu erweitern.
8 Vgl. STUDIENKREIS FÜR TOURISMUS: Reiseanalysen 1987-1992, Starnberg 1993
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2. Nachfrager mit einem eher passiven Interesse an Kultur, die aber vor allem in Zusammenhang mit der eigenen Heimat eine geschichtliche und kulturelle Neugierde entwickeln.
3. Nachfrager mit einem unterschwelligen Interesse an Kultur, die durch entsprechende Werbung und Aufbereitung kultureller Angebote aktiviert werden können. 4. Nachfrager mit einem speziellen Interesse an der eigenen Familiengeschichte, die fremde Regionen mit der Absicht besuchen, etwas über ihre Vorfahren in Erfahrung zu bringen.
Gleichwohl muss festgehalten werden, dass reine Bildungsmotive für die Nutzung kulturtouristischer Angebote weniger ausschlaggebend sind. Wie eine englische Marktanalyse ergab, nutzen 64% aller Befragten die kulturellen Sehenswürdigkeiten hauptsächlich in Verbindung mit einem Ausflug mit der Familie oder mit Freunden. Im Gegenzug gaben nur 32% an, aus einem speziellen Interesse das betreffende Kulturgut besucht zu haben. Folglich kann Kulturtourismus überwiegend als reine Freizeitaktivität verstanden werden. Hierdurch erwächst der Anspruch an die Anbieter, ein attraktives touristisches Produkt zu entwerfen, das sich aus Kultur-, Konsum-, Erlebnis- und Gourmetelementen zusammensetzt. 9
4.2.2. Merkmale der Kulturtouristen
Durch die Studie URLAUB + REISEN 1995 konnten anhand der soziodemographischen Ergebnisse erste spezifische Kennzeichen der Kulturtouristen herausgefiltert werden. Von der klassischen Auffassung, dass ausschließlich hochgebildete, ältere und einkommensstarke Personenkreise der Bevölkerung kulturmotivierte Reisen unternehmen, muss dabei abgerückt werden. Vielmehr ist der Trend zu verzeichnen, dass auch immer mehr jüngere, nicht unbedingt hochgebildete und vergleichsweise einkommensschwache Personen die kulturtouristischen Angebote nutzen. Vor allem in der Altersgruppe der 20-29 Jährigen wurde ein überproportionales Interesse an Kulturreisen festgestellt. Dies wird allgemein auf die sog. „Verjüngung“ kultureller Angebote zurückgeführt. Zudem ist der Anteil der Ledigen höher als der der Familien. Damit kann die Feststellung untermauert werden, dass die Vielfalt der Reisemotive zunimmt und immer breitere Bevölkerungsschichten ein Interesse an der Kultur entwickeln. Eine weiterer Trend, der sich deutlich im Kulturtourismus bemerkbar macht, ist die Tendenz zum Kurzurlaub. So beträgt die Aufenthaltsdauer für den Besuch kultureller Attraktionen durchschnittlich 2-5 Tage. 10
5. Arten des Kulturtourismus
Entsprechend der unterschiedlichen Reisemotive und der vielfältigen Kombinationen kulturtouristischer Angebote ergeben sich zahlreiche Varianten des Kulturtourismus. Auf-grund der gesellschaftlichen und marktwirtschaftlichen Veränderungen erhebt sich der Anspruch an die kulturtouristischen Anbieter, dass sich die kulturellen Leistungen stets an den neuen Interessenlagen und Rahmenbedingungen orientieren. Dies setzt bei den Anbietern eine permanente Aufgeschlossenheit und Innovationsbereitschaft voraus, um
9 Vgl. WEISSENBORN, a.a.O., S. 28 ff.
10 Vgl. ebenda, S. 26 f.
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markt- und konkurrenzfähig zu bleiben. Dennoch lassen sich durch die Bündelung der vielfältigen Interessen und Motive der Kulturreisenden einige Schwerpunkte herauskristallisieren. Diese werden nachfolgend vorgestellt. 11
5.1. Städtereisen
Der Städtetourismus ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Hierbei muss j edoch nach dem Motiv des Besuchs differenziert werden, denn Städtereisen, die nur zu reinen Konsumzwecken wie z.B. einem Einkaufsbummel besucht werden, zählen nicht zum Kulturtourismus. Dennoch stellt der Städtetourismus die herausragende kulturbezogene Ur-laubsform dar. Empirische Untersuchungen belegen, dass die meisten Städtereisen überwiegend Besichtigungsreisen sind und dem Zwecke dienen, Sehenswürdigkeiten und historische Baudenkmäler zu besuchen. Dabei ist die touristische Standortattraktivität der Stadt ausschlaggebend, die sich durch das Kulturangebot, Events, das Stadtbild, die Stadtgeschichte und die Einbettung in eine reizvolle Umgebung ausdrückt. Ein spezifisches Merkmal der Städtereisen ist das standardisierte Angebot an Sehenswürdigkeiten, das sich aus hauptsächlich aus den Glanzlichtern der Baukunst, der Geschichte, der Kunst und der großen Namen zusammensetzt. Ein weiteres Kennzeichen ist die kurzweilige Aufenthaltsdauer der Städtereisenden. Oftmals wird der Besuch einer Stadt in Form eines verlängerten Wochenendes mit Stadtführung und einem Besichtigungsprogramm vorgenommen. Das Interesse an Städtereisen ist vor allem in der Altersgruppe bis 29 und ab 50 Jahren besonders ausgeprägt. Darüber hinaus verfügen die Städtetouristen über ein überdurchschnittliches Einkommen und ein hohes Bildungsniveau und stellen damit eine äußerst gefragte touristische Zielgruppe dar. Häufigstes Reiseziel nationaler Städtereisen ist die Hauptstadt Berlin, gefolgt von München und Hamburg. Erfreulich ist auch die Position einiger ostdeutscher Städte wie z.B. Dresden auf Platz fünf, die sich auf dem Markt des Kulturtourismus schon recht gut profilieren konnten.
Der Städtetourismus wird auch zukünftig von hoher wirtschaftlicher Bedeutung sein und sich bei den Touristen großer Beliebtheit erfreuen. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass dem organisierten Massentourismus Grenzen gesetzt werden und den Reisenden auch kleinere, weniger bekannte Kulturgüter nahe gebracht werden. So kann die Attraktivität und Authentizität der städtischen Kulturlandschaft auch langfristig bewahrt werden. 12
5.2. Bildungsreisen
Zum Bildungstourismus zählen die Studien- und die Sprachreisen. Beide verfolgen das gemeinsame Ziel, den individuellen Wissensstand zu vergrößern, andere Länder oder Regionen zu erleben und neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Dabei gilt das Hauptinteresse bei den Studienreisen einem inhaltlich zusammenhängendem Gesamterlebnis kulturthematischer Natur wie beispielsweise „Die Romanik im Südwesten Deutschlands“. Studienreisen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie von vorn-
11 Vgl.BENDIXEN: Kulturtourismus. In: Handbuch Kulturmanagement, 1998, S. 8
12 Vgl. WEISSENBORN, a.a.O., S. 55 ff.
12
herein eine bestimmte Thematik verfolgen, die zeitliche Dauer und die Anzahl der Teilnehmer begrenzt ist und sie von einer fachkundigen Reiseleitung organisiert und durchgeführt werden. Hinsichtlich der soziodemographischen Merkmale kann der durchschnittliche Studienreisende als über 45 Jahre alt, alleinstehend, gebildet, reiseerfahren und der gehobenen sozialen Schicht zugehörend charakterisiert werden. Demzufolge haben Studienreisen auch ein qualitativ hohes Niveau. Um ein breiteres Zielpublikum anzusprechen, entwickeln die Veranstalter von Studienreisen in jüngster Zeit ständig neue, innovative Produkte, die sich an aktuellen Trends orientieren, um auch junge Leute zu akquirieren.
Dagegen richten sich Sprachreisen hauptsächlich an 11-20jährige Schüler und Jugendliche sowie an berufstätige Erwachsene, die sich sprachlich weiterbilden müssen. Sprachreisen zählen zum Kulturtourismus, da die Sprache eines der wichtigsten Kulturgüter der Menschheit darstellt. Durch das Erlernen fremder Sprache werden kulturelle Unterschiede aufgezeigt und länderspezifische Lebensweisen sowie geschichtliche Zusammenhänge verdeutlicht. 13
5.3. Thementourismus
Themenreisen beziehen sich auf den Besuch kultureller Angebote, die im Rahmen eines ganz bestimmten Mottos geschaffen werden. Das Thema kann z.B. eine Person sein („Lutherjahr“), aber auch Inhalte, Stoffe oder Gegenstände mit einem gewissen Eigencharakter. Die Themen werden kulturellen und gesellschaftlichen Teilbereichen entnommen wie beispielsweise der Kunst, Architektur, Literatur oder Musik. Das bestehende Kulturangebot wird nach dieser Thematik ausgerichtet und zusätzlich werden spezielle, neue Produkte entwickelt. Ein wichtiges Kennzeichen der Themenreisen ist somit ihre thematische Geschlossenheit. Des weiteren können themenorientierte Angebote zeitlich determiniert sein, z.B. auf ein Jahr, oder auch darüber hinaus zu einem bleibenden Be-standteil in der Angebotspalette werden. Ein solch dauerhaftes Angebot stellen die sog. Kulturrouten dar. Kulturrouten verfolgen einen festgelegten Weg, der durch entsprechende Mittel gekennzeichnet ist und bestimmte Haltepunkte an ausgewählten historischen Schauplätzen enthält. Diese Themenstraßen haben den Charakter einer „self-guidedtour“, sind also auch selbständig und ohne Führung nutzbar. Durch die Einrichtung von Kulturrouten wird es möglich, touristisch attraktive Sehenswürdigkeiten miteinander zu verbinden und so besser vermarkten zu können.
Der Thementourismus bietet allgemein den Vorteil, die Zielgruppen durch die entsprechende Thematik konkreter ansprechen und das Angebot stärker nach deren Erwartungen und Wünschen ausrichten zu können.
5.4. Event-Tourismus
Der Event-Tourismus stellt derzeit den am schnellsten wachsenden Sektor der gesamten touristischen Leistungspalette dar. Event-Reisen liegen im Trend und sind das Resultat des gewachsenen Erlebniskonsums und der zunehmenden kulturorientierten Reisegestaltung der Besucher. Events sind speziell inszenierte Sonderveranstaltungen, die von
13 Vgl. ebenda, S. 118 ff.
13
begrenzter Dauer sind und eine touristische Ausstrahlung besitzen. Die charakteristischen Eigenschaften der Events sind ihre Einmaligkeit, Kurzfristigkeit, Seltenheit und Künstlichkeit, mit denen sie sich vom übrigen natürlichen und beständigen Kulturangebot abgrenzen. Dabei umfasst die Palette kultureller Events die Bereiche Musik, Theater, Kunst und Religion sowie Traditionen, Brauchtümer, Wissenschaft, Technik und Medien. Immer mehr Kommunen und Regionen sehen im Event-Tourismus die Möglichkeit, durch zusätzliche Großveranstaltungen ihr vorhandenes Kulturangebot zu ergänzen, sich so deutlicher von anderen Anbietern zu unterscheiden und die touristische Attraktivität ihres Standortes zu erhöhen. Auch gerade für Regionen und Städte, die nur über ein geringes natürliches Kulturpotential verfügen, bieten Events die Chance der Imageprofilierung, der Gewinnung von Besuchern und damit der Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. 14
5.5. Sonstige Formen
Neben den dargestellten Hauptbereichen des Kulturtourismus existieren weitere Unterka-tegorien, die nachfolgend aufgezeigt werden: 15
§ Musicaltourismus
Seit dem großen Erfolg von „Cats“ hat das Genre der Musicals eine hohe touristische Relevanz erhalten und wird gewissermaßen als der Boomfaktor schlechthin angesehen. So ist die Anzahl von Tourneetheatern und den sog. „Sitdown-Productions“ (Musicals mit jahrelanger Laufzeit in festen Häusern) in den letzten Jahren permanent angestiegen. Die Popularität der Musicals ist auf die stark ausgeprägte Erleb-nisorientierung der Besucher zurückzuführen, die die klassischen Formen des Theaters in den Hintergrund rücken lässt.
§ Museums- und Ausstellungstourismus
Auch Museen und Ausstellungen haben heutzutage wieder einen hohen touristischen Marktwert. Mittlerweile werden sie bereits zur kulturellen Grundausstattung einer Stadt gezählt. Dabei liegen Volkskunde- und Heimatmuseen in der Gunst der Touristen am höchsten, vor Kunstmuseen, Schloss- und Burgmuseen. Eine besondere Bedeutung wird zudem großen Sonderausstellungen beigemessen, die über die gewöhnlichen Museumsangebote hinaus eine touristische Anziehungskraft besitzen.
§ Industrietourismus
Bei dieser Tourismusform stehen ehemalige oder noch in Betrieb befindliche Industriestätten sowie das durch sie charakteristisch ausgeprägte Umfeld im Vordergrund. Dabei weisen die jeweiligen Industriezweige eine unterschiedliche Attraktivität auf. Außergewöhnliche Fertigungsprozesse, ein hoher Gebrauchswert oder die Schmackhaftigkeit der hergestellten Produkte, wie z.B. bei der Herstellung von Autos, Keramik oder Bier, stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses. Auch der Stand der Renovierung alter Industrieanlagen und die fachmännische didaktische Aufbereitung sind ein Faktor für eine erfolgreiche touristische Vermarktung.
14 Vgl. DREYER, a.a.O., S. 211 ff.
15 Vgl. WEISSENBORN, a.a.O., S. 97 ff.
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§ Religionstourismus
Eine eigene Kategorie im Kulturtourismus bilden die Reisen aus religiösen Gründen. Dabei steht der Besuch religiöser Feste und Tagungen, vor allem aber der Besuch religiöser Zentren und Pilgerstätten im Vordergrund.
§ Rootstourismus
Der Rootstourismus stellt eine spezielle Form des Kulturtourismus dar. Diese Touristengruppe verfolgt das Reisemotiv, die Wurzeln ihrer kulturellen Identität näher zu er-forschen. Die Reisenden weisen einen persönlichen Bezug zum jeweiligen Ort auf und sind zumeist Nachfahren von Auswanderern, Heimatvertriebenen oder Flüchtlingen.
§ Militärtourismus
Als touristische Attraktionen gelten auch ehemalige militärische Anlagen. Viele alte Befestigungsanlagen sind heute Kulturdenkmäler. Sie stellen Zeitzeugen der G eschichte dar und leisten einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung und Völkerverständigung.
6. Chancen und Risiken des Kulturtourismus
Nachfolgend wird eingehender beleuchtet, welche Konsequenzen der Kulturtourismus für die Städte und Regionen nach sich zieht. Gerade in Zeiten knapper Kassen bedarf es einer sorgfältigen Abwägung, in welchem Umfang und zu welchem Zweck die freiwillige Aufgabe Kultur wahrgenommen werden kann. Die kulturellen Aktivitäten der öffentlichen Hand bedürfen mehr denn je einer Rechtfertigung und Legitimation vor den Bürgern.
6.1. Positive Auswirkungen
Durch die Verknüpfung kultureller Angebote mit dem Fremdenverkehr versprechen sich die Städte und Regionen in erster Linie wirtschaftliche Effekte:
§ Umwegrentabilität und Kaufkrafterhöhung
Das Argument der Umwegrentabilität zieht die öffentliche Hand oftmals dann zu Rate, wenn Fördermaßnahmen für die Kultur begründet oder die Bedeutung einer kulturellen Institution herausgestellt werden sollen. Durch Investitionen im Kultursektor und Infrastrukturmaßnahmen zur touristischen Erschließung werden auf lange Sicht zusätzliche externe Nachfrager für den heimischen Markt gewonnen, die Waren und Dienstleistungen konsumieren. Der Handel wird belebt, wovon letztendlich auch der Bund, die Länder und die Kommunen durch höhere Steuereinnahmen (z.B. Gewerbesteuer) profitieren. Die getätigten investiven Ausgaben der öffentlichen Hand fließen somit in Form von Steuern wieder in die Staatskasse zurück. Das Verhältnis der Investitionen zu den erwarteten Steuerrückflüssen wird als Umwegrentabilität bezeichnet.
Auch wenn bei kulturellen Aktivitäten der gesellschaftliche Eigenwert Priorität besitzt, können die Finanzmittel für Kultureinrichtungen durch das Argument der Umwegrentabilität gerechtfertigt werden. Eine wichtige Größe ist dabei der Umfang an Kaufkraft, der durch den Konsum auswärtiger Gäste erhöht wird. Oftmals werden mit dem Be-
15
such einer kulturellen Veranstaltung weitere Aktivitäten verknüpft, was bei den Anbietern sog. komplementärer Güter (z.B. Hotels, Restaurants, Buchhandlungen) zu einer Umsatzerhöhung führt. Dieser sog. Multiplikatoreffekt wird dabei stärker durch den Zustrom von Touristen bewirkt als durch einheimische Besucher. Die zusätzlichen Umsätze fließen entweder wieder an den Staat zurück oder werden unmittelbar als erneute Nachfrage auf dem Markt wirksam. Um einen möglichst hohen Verbleibanteil dieser neuen Nachfrage auf dem heimischen Markt zu sichern, muss die Kommune durch wirtschaftsfördernde Maßnahmen die Voraussetzungen für ein intaktes Wirtschaftsleben schaffen. Die Bereiche Kulturinvestitionen, Tourismus und Wirtschaftsförderung sind somit eng miteinander verknüpft und bedürfen ein hohes Maß an Ko-ordination und Kooperation mit den entsprechenden Partnern.
Erst dann kann sich der Kulturtourismus als ein wirksamer Faktor für das wirtschaftliche Wachstum einer Kommune bzw. einer Region erweisen. 16
§ Beschäftigungseffekte
Durch die Erhöhung der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wird das Gewerbe dazu angeregt, die Produktion auszuweiten. Hierzu benötigen die Unternehmen zusätzliches Personal. Folglich werden durch den Kulturtourismus Arbeitsplätze geschaffen, und zwar sowohl im privaten Gewerbe als auch im Kultursektor selbst, insofern neue kulturelle Leistungen kreiert werden. Der gestiegene Bedarf an Arbeitnehmern hat dabei steuerliche und soziale Auswirkungen. Die steuerliche Seite umfasst vor allem Einkommens- und Mehrwertsteuereffekte. Mit der Zunahme des Beschäftigungsgrades steigen auch die Einkommenssteuereinnahmen des Staates. Gleichzeitig treten die Beschäftigten verstärkt als Konsumenten auf dem heimischen Markt auf und tragen dort zu einer Umsatzerhöhung bei. Somit sind auch die Beschäftigungseffekte Teil der Umwegrentabilität. Darüber hinaus hat das zusätzliche Arbeitsangebot soziale Effekte, indem den Menschen eine Beschäftigung und damit eine Lebensperspektive geschaffen wird. 17
§ Auswirkungen auf den Standort
Die sog. weichen Standortfaktoren haben für die Standortentscheidungen der Unternehmen eine zunehmende Bedeutung erlangt. Nicht mehr nur harte Faktoren wie ein ausreichendes Gewerbeflächenangebot, gute Verkehrsanbindungen und niedrige Hebesätze geben den Ausschlag für eine Ansiedlung, sondern auch qualitative und immaterielle Aspekte wie Wohn- und Umweltbedingungen sowie das Angebot an Freizeit- und Erholungseinrichtungen einer Kommune. Die Bereitstellung eines attraktiven Kulturangebotes wird von den Beschäftigten und der Unternehmensführung als besonders wichtig beurteilt. Die Attraktivität und die Profilierung des Standortes richten sich in erster Linie nach außen, um Touristen, ansiedlungswillige Betriebe und Haushalte, Einkaufspendler oder Geschäftspartner neu zu gewinnen. Dieser U m-stand hat zur Folge, dass ein differenziertes Kulturangebot zu schaffen ist, das mehreren Interessenlagen gerecht wird. Denn die kulturellen Sehenswürdigkeiten, die ei- 16 Vgl.BENDIXEN, a.a.O., S. 13 ff.
17 Vgl. ebenda, S. 15
16
nen hohen Zulauf an Touristen verzeichnen, sind nicht unbedingt für Einheimische oder Geschäftsleute interessant. Zudem ist es für einen stark industrialisierten Ort mitunter problematisch, Ansatzpunkte für die Etablierung des Kulturtourismus zu schaffen. Hier ist es Sache der Kommune, den Begriff der Standortattraktivität für ihre Belange zu definieren und individuelle Lösungen zu erarbeiten. 18
§ Auswirkungen auf den Tourismusmarkt
Der Kulturtourismus ist überwiegend klimatisch unabhängig. Dies hat zur Folge, dass die Besucherströme über das ganze Jahr verteilt werden können und die touristischen Spitzenbelastungen in den Hauptsaisonzeiten vermieden werden. Der Kulturtourismus bietet die Chance, auch in Nebenzeiten auswärtige Gäste anzuziehen. Zudem können durch den Kulturtourismus neue, unbekannte Zielgebiete schneller erschlossen werden. In den meisten Fällen werden die bereits vorhandenen Potentiale wie z.B. historische Baudenkmäler, Relikte oder traditionelle Brauchtümer für kulturtouristische Zwecke aufbereitet. Infrastrukturelle Maßnahmen müssen dazu nur in kleinerem Umfang ergriffen werden. 19
§ Psychologische und soziale Auswirkungen
Weiterhin stellt Kulturtourismus einen Beitrag zur Aktivierung des endogenen Potentials dar, wodurch die einheimische Bevölkerung ihre eigene Kultur bewusster erlebt und begreift. Das spezifische regionale Kulturleben wird so stärker herausgestellt, was der Profilierung nach außen entgegenkommt. Denn nur wenn die kulturellen Angebote auch von den Bürgern getragen und akzeptiert werden, kann die Region zu einer unverwechselbaren Identität gelangen, die für ein erfolgreiches Auftreten auf dem Tourismusmarkt unabdingbar ist. Darüber hinaus regt der Kulturtourismus dazu an, sich als Besucher intensiver mit der Zielregion auseinander zusetzen. Dies trägt zur Vergangenheitsbewältigung bei und fördert eine grenzüberschreitende Denkweise. Durch die Kontaktaufnahme zu den Gastgebern wächst die Toleranz gegenüber fremden Kulturen und Menschen. Kulturtourismus leistet somit auch einen bedeutenden Beitrag zur Völkerverständigung. 20
6.2. Gefahren und Probleme
Trotz der zahlreichen positiven Auswirkungen des Kulturtourismus gibt es auch einige Problemstellen und Risiken, die sich oft erst über einen längeren Zeitraum herauskristallisieren und daher frühzeitig in die kulturtouristische Arbeit miteinbezogen werden sollten. So kann der Kulturtourismus auch folgende negative Effekte beinhalten:
§ Ökonomisierung und Kommerzialisierung der Kultur
Die Gefahr der Ökonomisierung besteht dann, wenn nur noch wirtschaftliche Aspekte wie z.B. der Kaufkrafteffekt den Ausschlag für kulturelle Betätigungen geben und der gesellschaftliche Eigenwert der Kulturgüter in den Hintergrund gerät. Die kulturellen Aktivitäten werden dann nicht mehr zum ursprünglichen Zweck der Selbsterfahrung
18 Vgl. ebenda, S. 15 f.
19 Vgl. WEISSENBORN, a.a.O., S. 150
20 Vgl. ebenda, S. 151
17
und des gesellschaftlichen Zusammenhalts praktiziert, sondern fungieren nur noch als ein wirtschaftsförderndes Instrumentarium. Eine noch weitergehende Verschärfung stellt die Kommerzialisierung dar, bei der die kulturellen Leistungen nur noch aus reinen Profitgründen erbracht werden. 21
§ Authentizitätsverluste und Entfremdung
Zudem verleitet der Kulturtourismus zur Inszenierung von Kulturgütern. Um einen möglichst hohen Zulauf externer Gäste zu erreichen, werden die kulturellen Leistungen an die Wünsche und Erwartungen der Touristen angepasst. Dabei geht der Eigenbezug verloren und die kulturellen Aktivitäten werden zur Show für Fremde degradiert. Dies hat zur Folge, dass das Identitätsempfinden der einheimischen Bevölkerung sinkt und diese sich von ihrer eigenen Kultur zunehmend entfremden. Diese Negativentwicklung ist vor allem in exotischen Ländern mit fremdartiger Kultur zu beobachten, für die der Tourismus die oftmals einzige Einnahmequelle darstellt und aus diesem Grund die kulturellen Darbietungen an den Geschmack der auswärtigen Besucher angepasst werden müssen.
Dieser Problematik kann jedoch entgegengewirkt werden, indem die Bedürfnisse der Bevölkerung frühzeitig in der kulturtouristischen Konzeption berücksichtigt und verarbeitet werden. Der Kulturtourismus sollte sich harmonisch und integrativ in das traditionelle Umfeld einfügen und einen aktiven kulturellen Austausch zwischen Einheimischen und Fremden ermöglichen. Diese Schwierigkeiten beschränken sich dabei ausschließlich auf die Vermarktung der traditionellen, örtlichen Kultur. Anders verhält es sich bei kulturtouristischen Angeboten ohne Bezug zur lokalen Kultur, wie etwa Festivals, Musicals und Events. Diese Produktionen sind aus sich selbst heraus zum Zweck der Gewinnerzielung angelegt und stehen mit der Historie des Ortes meistens in keinerlei Verbindung. Eine Entfremdungsgefahr ist bei diesen Angeboten somit nicht gegeben. 22
§ Vermittlung von Scheinwelten
Des weiteren wird am Kulturtourismus kritisiert, dass den Touristen oftmals eine Scheinwelt präsentiert wird, die zwar die Erwartungen und Wünsche des Publikums befriedigt, aber die wahre Realität verschleiert und verzerrt. Kulturelle und geschichtliche Vorkommnisse werden nicht mehr objektiv und neutral vermittelt, sondern künstlich nach bürgerlichen Normen für touristische Zwecke aufbereitet. Kultur entspricht dann dem Interesse der Besucher, wenn sie leicht verständlich und konsumierbar ist. So zeichnen sich die meisten kulturellen Attraktionen in Reiseführern und Reiseprogrammen durch das Klischee der Romantik, Ästhetik, Tradition und einer heilen, ruhmreichen Vergangenheit aus, wohingegen die moderne, problembeladene Welt oftmals unberücksichtigt bleibt. Auch die dunklen Perioden der Geschichte wie z.B. der Nationalsozialismus lassen sich nur schwerlich touristisch vermitteln. Werden diese Problembereiche jedoch nicht in die kulturtouristische Angebotspalette in- 21 Vgl.BENDIXEN, a.a.O., S. 16
22 Vgl. ebenda, S. 17
18
tegriert, wird nur ein Teilbereich der individuellen Kultur und Identität des Zielortes dargestellt und ein unvollständiges, verfälschtes Bild vermittelt. 23
§ Belastungserscheinungen
Der Kulturtourismus kann zudem mit negativen Überlastungserscheinungen einhergehen. Der erhöhte Zulauf an Touristen bewirkt eine Zunahme des Verkehrsaufkommens durch Busse und PKW sowie eine stärkere Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung. Die Innenstädte kämpfen mit einer Überfüllung an auswärtigen Gästen und einem starken Gedränge, was ihre Attraktivität mindert. Zudem leidet die his-torische Bausubstanz unter Abnutzungserscheinungen. So hat insbesondere der Massentourismus zu einer Beschädigung und teilweisen Zerstörung kultureller Denkmäler und Sehenswürdigkeiten beigetragen (z.B. beim „Goethehaus“). Hier müssen die Anbieter entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die Folgen des Tourismus abzumildern und die Kulturdenkmäler in ihrer Schönheit und Einzigartigkeit zu erhalten. Die Instrumente zur Lenkung der Besucherströme werden unter dem Stich-wort des „Visitors Management“ diskutiert. Dabei wird zwischen Maßnahmen auf der Angebots- und Nachfrageseite sowie Maßnahmen zur Kompensation unterschieden. So werden auf der Angebotsseite z.B. thematische oder zeitversetzte Führungen in den Kulturstätten durchgeführt, um dadurch die Touristenstrom räumlich und zeitlich zu entzerren. Zudem werden spezielle, zielgruppenspezifische Angebote geschaffen, die Nebensaison stärker beworben und über umweltfreundliche Anreisemöglichkeiten informiert. Die Maßnahmen auf der Nachfrageseite zielen auf eine quantitative Nutzungsbeschränkung der Kultureinrichtungen. Als Mittel dazu fungieren beispielsweise Preiserhöhungen, die Limitierung von Tickets sowie auch die Sperrung von Teilbereichen (z.B. historischer Innenräume). Die Maßnahmen zur Kompensation sollen vor allem den Stadtbewohnern einen Nutzen bringen. Hierbei werden neue touristische Anziehungspunkte geschaffen, um die Hauptattraktionen zu entlasten. 24
7. Praxisbeispiel: Kulturtourismus in der Stadt Weimar
7.1. Weimar - Die europäische Kulturhauptstadt
Weimar zählt zu den wenigen Städten Europas, die über ein großes Potential einzigartiger Kulturgüter verfügen. Aufgrund seiner geschichtlichen Vergangenheit, zahlreicher bedeutender Persönlichkeiten und historischer Baudenkmäler wurde Weimar 1998 in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen und 1999 von der EU zur europäischen Kulturhauptstadt gewählt. Die im Thüringer Becken an der Ilm gelegene Stadt mit ca. 60.000 Einwohnern ist damit die kleinste unter den bisherigen Kulturhauptstädten wie z.B. Stockholm, T hessaloniki, Kopenhagen und Luxemburg und die erste auf dem Gebiet des ehemaligen Ostblocks. Gleichzeitig ist Weimar die letzte Stadt, die den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ für sich allein beanspruchen darf. Seit dem Jahr 2000 müssen sich mehrere Städte gleichzeitig wie u.a. Brüssel, Helsinki, Prag und Krakau die Auszeichnung teilen.
23 Vgl. WEISSENBORN, a.a.O., S. 154
24 Vgl. ebenda, S. 155 ff.
19
Die Besonderheiten, die gerade Weimar als Kulturhauptstadt auszeichnen, sind vielfältig. In Weimar konzentriert sich auf engstem Raum deutsche und europäische Kulturgeschichte wie sonst nur in großen Metropolen. Als „Wiege der deutschen Klassik“ wurde Weimar bezeichnet, eine bedeutende europäische Kulturepoche, die von berühmten Persönlichkeiten wie Goethe, Schiller und Herder begründet wurde. Später gingen hier mit dem Wirken von Richard Strauss, Franz Liszt und dem Weimarer Bauhaus entscheidende Impulse für die Moderne aus.
Des weiteren steht Weimar mit seiner wechselvollen Geschichte wie kaum ein anderer Ort für die teilweise verhängnisvolle Ambivalenz und Doppelgesichtigkeit der deutschen Geschichte. So ist Weimar nicht nur das Synonym für die Stätten der deutschen Klassik, sondern zeugt durch die Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald auch von den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte.
Somit verfügt Weimar über ein unverwechselbares kulturelles Potential und ist so zu einem der bedeutendsten Zielorte für den Kulturtourismus avanciert. 25
7.2. Besucherstrukturen
Schon vor der Wiedervereinigung Deutschlands war Weimar eines der beliebtesten Reiseziele und hat bis heute nichts von seiner touristischen Attraktivität eingebüßt. So zählt die Stadt heute etwa 600.000 Übernachtungsgäste und rund 2 Mio. Tagesbesucher. Der Durchschnittstourist in Weimar ist ca. 40-60 Jahre alt und entstammt der gehobenen Mittelklasse. Dabei bildet das Hauptmotiv für einen Besuch der Stadt das Interesse an der Kultur. Vor allem das Goethe- und das Schillerhaus stehen im Mittelpunkt eines jeden Besuchs. Die Mehrheit der Weimarer Gäste kommt aus Deutschland, etwa 15 % aus dem übrigen Europa (Niederlande, Schweiz) und Übersee (USA). Das Interesse der ausländischen Besucher an Weimar als die deutsche Klassikerstadt nimmt deutlich zu. Das Gästeaufkommen in der Stadt ist allerdings auch von beruflich bedingten Aufenthalten geprägt. Ca. 75 % der Übernachtungen entfallen auf Geschäfts- und Kongressreisende. Bei den privat motivierten Besuchern ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von zwei Tagen eher gering, was auf eine hohe Zahl an Wochenend- und Kurzurlaubern schließen lässt. Diese konzentrieren sich dabei hauptsächlich auf die Frühlings- und Herbstmonate, in den Sommermonaten wird nur eine geringe Auslastung im Hotel- und Gaststättenbereich erzielt. 26
7.3. Das Kulturpotential der Stadt Weimar
Weimar verfügt wie kaum eine andere Stadt vergleichbarer Größe über eine Vielzahl kultureller Einrichtungen. Dazu gehören
§ Theater
- Deutsches Nationaltheater mit Weimarer Staatskapelle (1999: ca. 230.000 Besucher inklusive Gastspiele)
§ Hochschulen
- Bauhaus-Universität (Hochschule für Architektur, Gestaltung und Bauwesen)
25 Vgl. STADT WEIMAR: Facts & Figures, Weimar, 1999, S. 3 f.
26 Vgl. DREYER (Hrsg.), a.a.O., S. 329
20
- Hochschule für Musik „Franz Liszt“
- Thüringer Fachhochschule für die öffentliche Verwaltung
§ Museen, Gedenkstätten, Sehenswürdigkeiten (Auswahl)
- Das Neue Museum Weimar - Schloss Belvedere
- Bauhaus Museum - Herzogin Anna Amalia Bibliothek
- Goethes Wohnhaus - Goethe Nationalmuseum
- Schillers Wohnhaus - Liszt-Haus
- Nietzsche-Archiv - Albert-Schweitzer-Gedenkstätte
- Deutsches Bienenmuseum - Gedenkstätte Buchenwald
- Stadtkirche St. Peter und Paul - diverse Schlösser und Museen in der Umgebung Die bedeutendste der kulturellen Einrichtungen ist die Stiftung Weimarer Klassik, zu der neben dem Goethe-Nationalmuseum 18 weitere Literaturmuseen, Schlösser und G edenkstätten gehören. Ihre Aufgabe besteht darin, das kulturelle Erbe aus der klassischen Epoche zu erhalten und zu erforschen. 27
7.4. Kulturtouristische Konzepte
Dem Weimarer Kulturtourismus liegt ein jährliches Konzept zum Fremdenverkehrsmarketing zugrunde, dass einzelne Strategien zur Förderung des Tourismus und konkrete Maßnahmenvorschläge enthält. In der vielfältigen Kulturlandschaft Weimars sticht die alles überragende Epoche der Klassik besonders hervor. Die gesamte touristische Attraktivität Weimars definiert sich über diesen Schwerpunkt. Hiermit wird zum einen die Einmaligkeit und die Alleinstellung Weimars hervorgehoben, andererseits ergeben sich durch die Konzentration auf das klassische Zeitalter auch negative Begleiterscheinungen. So steht die Hochkultur eindeutig im Mittelpunkt des kulturellen Angebotes, die Alltagskultur wird dagegen kaum vermittelt. Zudem sind mit dem einseitigen Zustrom der Touristen auf einige wenige Einrichtungen und Veranstaltungen starke Überlastungserscheinungen und damit schließlich Gefährdungen der Kulturstätten, z.B. des Goethehauses, verbunden. Zur Abhilfe dieser Problematik versuchen die Kultur- und Tourismusverant-wortlichen in Weimar nun, etwas vom Klassikschwerpunkt abzurücken und auch die Zeugnisse anderer Epochen zu Angeboten zu bündeln. Durch die Erweiterung der kulturellen Leistungen erhofft man sich eine verlängerte Aufenthaltsdauer der Touristen und eine Entzerrung des Besucheraufkommens in den Saisonzeiten. So wurden mehrere kulturtouristische Konzepte entwickelt: 28
§ Goethe- und Schillermuseum
Mit dem Bau der Museen wurde eine Trennung von Erinnerungsstätte (Goethe- bzw. Schillerhaus) und Museum erzielt. Der Museumsneubau wurde dabei direkt an das bestehende Kulturdenkmal angegliedert. Damit konnte die Erinnerungsstätte vergrößert und dessen historische Bausubstanz geschont und entlastet werden. Durch die
27 Vgl. STADT WEIMAR, a.a.O., S. 5 f.
28 Vgl. DREYER (Hrsg.), a.a.O., S. 340 ff.
21
hohe Akzeptanz und Zufriedenheit der Besucher wird deutlich, dass Denkmalpflege und museale Nutzung durchaus kompatibel sind.
§ Weimarer Verkehrskonzept
Durch die Konzentration der Kulturdenkmäler auf den Innenstadtbereich sind alle leicht zu Fuß erreichbar. Hierzu existiert ein touristisches Leitsystem, dass die Besucher zu den Beherbergungsbetrieben und den kulturellen Sehenswürdigkeiten führt. Alle außerhalb der Stadt gelegenen Hotels und Baudenkmäler sind an ein öffentliches Busliniennetz angeschlossen, bei dem die Busse im 30-60 Minutentakt verkehren. Ein Parkplatz für Reisebusse befindet sich außerhalb des Stadtkerns und auch für die zahlreichen Individualanreisen per PKW stehen Park & Ride-Plätze im Außenbereich bereit.
§ Kunstfest Weimar
Das Kunstfest wurde initiiert, um die auslastungsschwachen Sommermonate zu kompensieren. Inhaltlich wird an die klassische Vergangenheit angeknüpft und diese auf die Gegenwart übertragen. Hierzu werden z.B. moderne Faustaufführungen oder Tanztheater angeboten.
§ WeimarCard
Die WeimarCard kann zu einem Pauschalpreis erworben werden und umfasst die Benutzung der städtischen Verkehrsmittel, den Besuch einiger kultureller Einrichtungen und reduzierte Preise für Stadtführungen und das Nationaltheater. Das Produkt WeimarCard verfolgt den Zweck, unterschiedliche kulturtouristische Leistungen für die Besucher zu bündeln und diese gemeinsam zu vermarkten. Zudem ermöglicht die WeimarCard eine bessere Verteilung der Touristenströme, da nicht nur die Hauptattraktionen inbegriffen sind, sondern auch weniger bekannte Kultureinrichtungen.
§ Themenorientierte Veranstaltungen und Angebote
Aufgrund der vielen bedeutenden Persönlichkeiten bilden thematische Projekte und Veranstaltungen einen besonderen Schwerpunkt im Weimarer Tourismus. So wurde das Jahr 2000 anlässlich des 250. Todestages Johann Sebastian Bachs als das „Bachjahr“ betitelt. Über das ganze Jahr verteilt finden zahlreiche Aufführungen und Konzerte statt, die ganz im Zeichen der Bachschen Werke stehen. Ebenso wird zu Ehren des 100. Todestages Friedrich Nietzsches im Jahr 2000 eine große Ausstellung über das Leben und die Werke des Philosophen der Öffentlichkeit präsentiert. Ein weiteres touristisches Angebot ist die „Goethestrasse“, die an den wichtigsten Stationen in Goethes Leben vorbeiführt. Die Route führt über dessen Geburtsstadt Frankfurt über Fulda, Erfurt und Weimar bis nach Leipzig. Dabei nimmt Weimar, wo Goethe mehr als 50 Jahre seines Lebens verbrachte, als Kulturhauptstadt die zentrale Stellung ein.
7.5. Zukunftsperspektiven
Die Stadt Weimar stellt aufgrund ihres einmaligen Kulturpotentials ein Extrembeispiel für den Kulturtourismus dar. Während andere Städte oftmals lange nach kulturtouristischen Ansatzpunkten suchen müssen, ist die touristische Attraktivität Weimars von Grund auf
22
gegeben. Durch das Kulturstadtjahr 1999 konnte die touristische Relevanz der Stadt allerdings nochmals erhöht werden. Um diese Attraktivität auch dauerhaft zu sichern, ist es in Zukunft notwendig, die Kulturlandschaft durch die Schaffung neuer Angebote zu beleben und zu erweitern. Denn immerhin trägt der Tourismus zu 10 % Prozent zum Weimarer Wirtschaftsaufkommen bei und stellt somit für eine strukturschwache Region einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Zur Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für den Kulturtourismus ist es notwendig, die Teilbereiche Tourismus und Kultur enger miteinander zu verknüpfen. Es bedarf der Kooperation aller Leistungsträger und der Vernetzung der vorhandenen Potentiale, wie dies durch die WeimarCard und verschiedene Pauschalprogramme auch schon ansatzweise praktiziert wird. Auf Dauer wäre es aber sicherlich sinnvoll, eine kulturtouristische Konzeption in eine umfassende und ganzheitliche Stadtentwicklungspolitik zu integrieren. 29
8. Fazit
Abschließend kann festgestellt werden, dass der Kulturtourismus ein überwiegend positiv besetztes Marktsegment in der Tourismusbranche darstellt. Der Kulturtourismus bietet vielerlei Ansatzpunkte und Möglichkeiten, um den Städten und Regionen gerade angesichts der leeren Kassen zu einem wirtschaftlichen Auftrieb zu verhelfen und zur Imageverbesserung beizutragen. Vor allem der Markt für Städtereisen und Events verzeichnet enorme Zuwächse.
Um einen hohen Nutzen aus den positiven Begleiterscheinungen des Kulturtourismus ziehen zu können und die Gefahren und Probleme möglichst gering zu halten, bedarf es allerdings einer bestimmten Vorgehensweise. Die Anbieter sollten ihr kulturelles Potential genau analysieren und auf die Bedarfe der Nachfrager abstimmen. Dabei darf es allerdings nicht aus bloßen kommerziellen Interessen zu einem Ausverkauf der kulturellen Angebote kommen. Nicht die Freizeit- und Erlebnisorientierung sollte das Kulturangebot prägen, sondern vielmehr sollte die Wiedergewinnung eines historischen Bewusstseins im Vordergrund des Kulturtourismus stehen. Grundlage ist somit ein qualitativer Kulturbegriff. Die kulturtouristischen Angebote sollten sich in ihr Umfeld integrieren und müssen vor allem von der einheimischen Bevölkerung akzeptiert und getragen werden, um glaubwürdig vermittelbar zu sein. Gefragt ist der „sanfte“ Tourismus, der die ökologischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten einer Stadt bzw. einer Region berücksichtigt. Dazu ist ein hohes Maß an Professionalität und die Kooperation aller Leistungsträger erforderlich. Erst dann können umfassende kulturtouristische Programme im Sinne einer ganzheitlichen Stadtentwicklungspolitik konzipiert werden. Bei einer effektiven Handhabung und Umsetzung des Kulturtourismus kann sich dieser folglich als wichtiger Wirtschaftsfaktor und damit als ein Segen für die weitere Stadtentwicklung erweisen.
29 Vgl. STADT WEIMAR: Konzept zum Fremdenverkehrsmarketing 2000. Weimar, 2000, S. 5
XXIII
Literaturverzeichnis
BENDIXEN, PETER: Kulturtourismus - Kulturentwicklung durch Fremdenverkehr. In: Handbuch Kulturmanagement, Josef Raabe (Hrsg.), Stuttgart: Raabe Verlags-GmbH, 1998
DREYER, AXEL (Hrsg.): Kulturtourismus. 2.Aufl., München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2000
LINDSTÄDT, BIRTE: Kulturtourismus als Vermarktungschance für ländliche Fremdenverkehrsregionen. Materialien zur Fremdenverkehrsgeographie, Bd. 29, Trier: Geographische Gesellschaft Trier, 1994
STADT WEIMAR: Facts & Figures. Weimar, 1999
STADT WEIMAR: Konzept zum Fremdenverkehrsmarketing 2000, Weimar, 2000
STUDIENKREIS FÜR TOURISMUS: Reiseanalysen 1987-1992. Starnberg, 1993
WEISSENBORN, BENNO: Kulturtourismus. Trierer Tourismus Bibliographien, Bd. 10, Trier: Geographische Gesellschaft Trier, 1997
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Marlene Schwegmann, 2001, Kulturtourismus - Fluch oder Segen?, München, GRIN Verlag GmbH
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Zwischenwelten.
Mir wundert ein weinig den Mangel an Literatur. Ich dachte, es gebe so Manches! Jedenfalls habe ich vor 20 Jahren eine Französische Studie gelesen wo die Consquenzen der 'Tourismisierung' präsentiert wurden. Ökonomisch und politisch gab (und gibt!) es da einiges zu tun.
Was ich nur sagen möchte: in Abschnitt 6.2 ist von 'Scheinwelten' die Rede. Gerade das wurde von den Franzosen notwendig geachtet, damit die Welt des Touristen die Welt der Einheimische nicht zerstört. Ein Heimat-abend in Österreich ist etwas um Touristen aus das Dorf-eigene zu halten. Man begegnet einander auf neutraler Ebene. Es ist nicht 'das Wahre', aber es reicht meistenfalls. Ich bin in Südfrankreich mit meinen Gruppen manchmal zu lokalen Veranstaltungen gewesen, aber die waren ungeeignet, langweilig sogar.
Ich habe nur einen Teil dieser Hausarbeit gelesen, sie sieht komplett und gut durchgedacht aus. Vielen Dank dass ich sie lesen darf auf Internetz! (Lieder ist mein Deutsch nicht perfekt - es ist meine Zweitsprache)
Paul
am Wednesday, October 12, 2005-