3.2) Unterscheidung nach der Dauer
Bei den zeitlichen Aspekten unterscheidet man nach „temporärer“ und „permanenten“ Inflation. Die temporäre Inflation ist nur eine kurzfristige Preissteigerung, die sich nur auf einen Konjunkturzyklus beschränkt. Bei einer permanenten Inflation gibt es eine beständige Preissteigerung, die über mehrere Konjunkturzyklen hinweg besteht und daher auch zu bekämpfen gilt.
3.3) Unterscheidung in Ausmaß und Geschwindigkeit
Hier unterscheidet man zwischen 3 Inflationsgeschwindigkeiten, welche den Ausmaß der Inflation beschreiben.
1.) schleichende Inflation: jährlich 3 - 5 % Preissteigerung 2.) trabende Inflation
3.) und galoppierende Inflation oder auch Hyperinflation > 50% Preissteigerung
4.) Ursachen der Inflation
Die Preise für ein Gut bilden sich durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Da bei der Preisbildung beide Marktseiten beteiligt sind können Preissteigerungen auch von beiden Seiten ausgehen. Entsprechend wird zwischen nachfrageinduzierten und angebotsinduzierten Inflationsursachen unterschieden.
5.)Nachfrageinflation
5.1) Monetaristische Inflationserklärung
Aus monetaristischer Sicht geht der Inflationsimpuls von einer zu starken Erhöhung der Geldmenge aus. Die monetaristische Inflationsursache weicht nicht stark von Nachfrageinflation ab. Durch die Erhöhung der Geldmenge kommt es zu einer stärkeren Nachfrage nach Konsumgütern oder Investitionsgütern, dadurch verschiebt sich die
Nachfragekurve nach rechts und es kommt zu einer Preissteigerung.
Ursachen können unkontrolliertes Drucken von Notengeld durch die Zentralbank sein, aber auch das hemmungslose Schöpfen von Giralgeld durch die Geschäftsbanken. Als weiterer Möglichkeit einer Geldmengenerhöhung kommt ein Anstieg der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes in Betracht. Dies ist mit der Fisher´schen-Verkehrsgleichung nachweisbar P = G * U / H
- Bei unterbeschäftigter Wirtschaft wird eine Erhöhung der nachfragewirksamen Geldmenge zur Anhebung des Angebots bei mäßigen Preissteigerungen führen.- Bei Vollbeschäftigung verhindert die Kapazitätsgrenze ein Ansteigen von H, so dass eine Anhebung des Preisniveaus erfolgt.
5.2) nicht monetäre Nachfrageinflation
Der Ansatz der den Inflationsimpuls auf der Nachfragerseite sieht, gilt als der älteste Ansatz der modernen Inflationserklärungen. Ausgangspunkt ist die autonome Erhöhung der Gesamtausgaben, die auf ein völlig unelastisches Angebot trifft. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage(Bild 2) besteht aus der Konsumnachfrage der privaten Haushalte, Investitionsnachfrage der Unternehmen, Nachfrage des Auslands und den Staatsausgaben, dadurch verschiebt sich die Nachfragekurve nach rechts.
Bild 2
Bild 3
Aufgrund von Angebot und Nachfrage ergibt sich das Preisniveau p 1 . Durch die Erhöhung der Nachfrage kommt es zu einem neuen höheren Preis p 2 . Der dabei entstandene Nachfrageüberhang wird auch als „inflatorische Lücke“ bezeichnet.
Sind die Kapazitäten nicht voll ausgelastet wird die Angebotsseite ihre Güterproduktion nach und nach anpassen, so dass sich nach einer zeitlichen Verzögerung die ursprünglichen Preise wieder bilden.
Geht der Nachfrageschub von den 3 Binnenfaktoren aus (Bild 2) wird auch von Binnennachfrage gesprochen. Die Nachfrager sparen zu wenig oder nehmen Kredite auf um ihre Ansprüche zu finanzieren.
5.3) importierte Nachfrageinflation
Im Ausland wird in der Regel eine weniger stabilitätsgerechte Geld-, Finanz-, und Lohnpolitik betrieben, als in Deutschland. So sind dort die Inflationsraten regelmäßig höher als im Inland. Folge ist, dass in Deutschland die Exporte stark steigen und die Importe aus dem Ausland zurückgehen. Beschäftigungspolitisch ist die Zunahme der
Exporte positiv zu bewerten. Übersteigen die Exporte die Importe, strömt im Umfang des Exportüberschusses zusätzlich Geld in die Wirtschaft. Werden die Einnahmen an ausländischen Zahlungsmittel aus den Exporten, die nicht wieder für Importzwecke benötigt umgetauscht (in die Inlandswährung), so steht der zusätzlichen Inlandswährung keine inländischen Güterangebote mehr gegenüber. Wird das zusätzliche Einkommen dann nicht gespart, sondern zur Güternachfrage verwendet erhöht sich die Binnennachfrage und verstärkt - bei Vollbeschäftigung - inflationäre Tendenzen.
5.4) Bekämpfung der Nachfrageinflation
Zum einen kann die europäische Zentralbank durch ihre geldpolitische Instrumente, wie Offenmarktgeschäfte, Ständige Fazilitäten und der Mindestreseve Liquidität vom Markt abschöpfen und die Zinsen erhöhen. Dadurch geht das Interesse an den Krediten verloren und die Geldmenge sinkt. Als Folge wird die Nachfrage nach Konsumgütern oder Investitionsgütern zurückgehen, wodurch die Preise stabil werden oder sogar fallen.
Wie die Bundesbank kann auch die Regierung über die Fiskalpolitik in die Nachfrage eingreifen. So kann sie die Staatsausgaben drosseln und die Steuern erhöhen. Die zusätzlichen Einnahmen werden in den Konjunkturausgleichsrücklagen stillgelegt. Darüber hinaus ist sie in der Lage die Exporte zu erschweren. Allerdings sind die Möglichkeiten den Außenbeitrag wirkungsvoll zu beeinflussen sehr beschränkt. (EU keine Zölle mehr). In gleiche Richtung zielt auch der Abbau von Importhemmnissen, allerdings ist hier mit enormen Widerständen seitens der betreffenden Branchen zu rechnen.
6.) Angebotsinflation
Die Inflationsverursachenden Impulse können nicht nur von der Nachfragerseite ausgehen, sondern ebenfalls von der Angebotsseite. Zu Preissteigerungen kommt es hier, wenn Kostensteigerungen über preise an die Nachfrager weitergegeben werden oder wenn Anbieter einen höheren Gewinnaufschlag durchsetzen. Daraus ergeben sich die beiden „Grundtypen“ der Angebotsinflation à Kostendruckinflation und Gewinninflation
6.1) Kostendruckinflation
Der Auslöser bei der Kostendruckinflation sind Preissteigerungen bei den Faktorleistungen, die von den Unternehmen nicht durch Produktivitätssteigerungen aufgefangen werden können. Um Gewinneinbußen oder gar Verluste zu vermeiden werden die Produktpreise erhöht. Kostensteigerungen können folgende Ursachen sein:eine über dem Prozentsatz der Produktivitätssteigerung
Dadurch verschiebt sich die Angebotskurve nach links, wodurch die Preise steigen.
Handelt es sich dabei um importierte Rohstoffe, deren preise gestiegen sind spricht man wiederum von einer importierten Inflation. Beispiel Erdöl
* Wenn die Löhne schneller steigen als die Produktivität, erhöht sich die Lohnkostenbelastung der Unternehmen. Dadurch kommt es aufgrund des Kostendrucks zu Preissteigerungen
(Angebotsinflation). Dies bewirkt wiederum eine Minderung des Realeinkommens, was dann eine erneuten Lohnerhöhung bewirkt.
Bei der Angebotsinflation gibt es 2 Möglichkeiten: 1.) Kostenüberwälzung gelingt, so kommt es zu einer Kosteninflation 2.) Kostenüberwälzung gelingt nicht à Gewinnrückgang àInvestitionsrückgang Produktion und Beschäftigung sinken
Stagflation
Bezeichnet eine gesamtwirtschaftliche Situation, in der das Preisniveau steigt (Inflation), gleichzeitig die Produktion stagniert und Arbeitslosigkeit herrscht
6.1) Gewinninflation
Sie kommt zustande, wenn die Unternehmen versuchen ihren Gewinnanteil zu erhöhen. So kommt zu einer Verschiebung der Angebotskurve nach links, aufgrund der höheren Preisen. So kommt es wieder zu einer Erhöhung des Preisniveaus trotz einer bestehenden Unterbeschäftigung und zum Rückgang des realen Sozialproduktes. Vorraussetzung: Nur bei oligopolistischen und monopolistischen Märkten(Preis selbst bestimmen). Also Marktmacht wird verlangt.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Inflation nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden kann. Vielmehr ergänzen sich die verschiedenen Erklärungsansätze gegenseitig.
7.) Wirkungen der Inflation
Bei jeder Inflation gibt es immer Gewinner sowohl als auch Verlierer. Auch wenn der eine oder andere in Deutschland nur mit Schrecken an Inflation denkt. Die Inflation kann auf unterschiedliche soziale Schichten auch unterschiedliche Konsequenzen
haben. In den folgenden Erläuterungen werde ich versuchen die Konsequenzen zu erörtern.
7.1) Beschäftigungswirkungen
Die Frage ob die Inflation die Beschäftigung fördert lässt sich wie folgt vereinfacht darstellen. Der Staat erhöht bei Arbeitslosigkeit seine Nachfrage, wodurch ein höheres Volkseinkommen und eine höhere Beschäftigung geschaffen wird. Je mehr sich allerdings die Volkswirtschaft der Vollbeschäftigung nähert, desto mehr wird es zu Engpässen in der Produktion kommen, was Preissteigerungen zur folge hat. (Phillips-Kurve)
7.2) Einkommens und Vermögensverteilung
Die Einkommensbezieher sind, wenn sie Kaufkraftverluste vermeiden wollen, darauf angewiesen, dass das Einkommen erhöht wird, da sonst das Realeinkommen sinkt. Somit sind sie stark von den Interessenverbänden abhängig. Allerdings erfolgt eine Lohnerhöhung meist erst nach einer Preissteigerung, wodurch die Arbeitnehmer zeitweise Inflationsverlierer sind. Am schlechtesten sind die Empfänger von Sozialleistungen gestellt ( Wohngeld, Kindergeld, Rentenzahlungen..), da die Transferzahlungen nicht im gleichen Maße erhöht werden, wie die Preise.à Kaufkraftverlust
7.3) Vermögen
Geldvermögen wachsen durch Zinsen. Liegt der Zinssatz unter der Inflationsrate, nehmen Geldvermögen real ab. Inflation beeinträchtigt also die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes. Somit kommt es zu einer Flucht in Sachwerte „Betongold“, da die Sachvermögensbesitzer durch die Inflation kaum benachteiligt werden.
7.4) Schulden
Für Schulden gilt das Nominalwertprinzip. D.h. 1000 € Schulden bleiben auch bei hoher Inflation 1000€ Schulden. Schuldner profitieren und Sparer verlieren durch eine Inflation, wenn kein Inflationsaisgleich durch Zinsanpassung stattfindet.
7.5) Staat
Der Staat wird oft als der Inflationsgewinner bezeichnet. Haupteinkommensquellen des Staates sind die einkommensabhängigen Steuern und die Mehrwertsteuer. Durch eine Inflation steigen die Einkommen stärker. Dadurch steigen die Staatseinkommen gleich zweifach, da durch ein höheres Einkommen der Arbeitnehmer in eine höhere Steuerklasse rutscht(Progressionseffekt: höheres Einkommen führt zu einer höheren Besteuerung). Auch die Einnahmen durch die Mehrwertsteuer steigt, da sie über die Nettoverkaufspreise der Güter berechnet wird. Außerdem nimmt der Realwert der enormen Staatsschulden durch die Inflation ab. Anderseits muss der Staat aber auch höhere Preise für seine nachgefragten Güter bezahlen und auch für seine beschäftigten höhere Löhne bezahlen. Somit hängt es also vom Verhältnis der Mehreinnahmen zu den Mehrausgaben ab, ob der Staat zu den Verlieren oder Gewinnern gehört.
7.6) Negative Allokations- und Wachstumseffekte
In einer Marktwirtschaft übernehmen die Preise eine Steuerungs- und Signalfunktion. So sorgt der Preismechanismus dafür dass die nachgefragten Güter produziert werden und die Produktionsfaktoren in ihren effizientesten Einsatzort gelenkt werden.
Steigen jetzt aber die Preise stark an, so wird nicht mehr erkennbar, welche Güter wirklich knapp sind. Insbesondere bei hoher Inflation können die Anbieter und Nachfrager nicht mehr zutreffend beurteilen, ob die Güter deshalb teuer geworden sind, weil das Angebot gemessen an der Nachfrage zu knapp ist oder ob die Preissteigerungen lediglich Ausdruck der Inflation sind. Die Preise verlieren also ihre Signalfunktion. Die Folge sind fehlerhafte Investitions- und Produktionsentscheidungen, also eine Fehlallokation der Produktionsfaktoren. Dies bedeutet eine Hemmung des Wachstums der Wirtschaft und somit auf Dauer eine geringere Beschäftigung. Darüber hinaus führt eine Inflation zu einer Flucht in Sachanlagen, wie bereits in 7.3 beschrieben. Die Folge ist, dass Sparkapital nicht dorthin wandert, wo es am effizientesten ist, nämlich in Erweiterungen von Kapazitäten um so Arbeitsplätze zu schaffen.
7.7) Beeinträchtigung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Infolge der steigenden Güterpreise sinkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit, wenn die Preise im Inland schneller steigen, als die Preise im Ausland und die Wechselkurse stabil gehalten werden. Die Ausländer müssen dann mehr für die deutschen Waren bezahlen.
Zusätzliches Material für Folien:
I. Inflationsberechnungen:
Aufgabe 1.) Verbrauchsindex
Inflation im Jahre 2000 = prozentuale Veränderung zum Vorjahr
103,8 = 100
x = 102,6 à Preissteigerungsrate von 2,6 % 106,5 = x
Aufgabe 2.)
1998 1999
a.) BIP in jeweiligen Preisen 3.784,2 Mrd. 3.877,1 Mrd.
b.) BIP in Preisen von 1995 3.678,6 Mrd. 3.732,3 Mrd.
Prozentuale Veränderung zum Vorjahr
a.) 3.784,2 = 100 % 3.877,1 = x x (nominales Wachstum) = 2,5 %
b.) 3.678,6 = 100 % 3.732,3 = x x (reales Wachstum) = 1,5 %
à 1 % Inflation = nominales Wachstum - reales Wachstum
Arbeit zitieren:
Felix Hug, 2001, Inflation, München, GRIN Verlag GmbH
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