Aufgaben für den Roman ,,Der Untertan” von Heinrich Mann
In der Bestrafung zeigt sich für Diederich die unumschränkte Autorität seines Vaters. Aber auch seine Mutter übt großen Einfluß auf seinen Charakter aus. In gleicher Weise hat sie Angst vor ihrem Mann, liebt Märchen und Sagen und liest Romane. Genau diese Ähnlichkeit läßt Diederich aber die Achtung vor seiner Mutter verlieren, ,,denn er achtet sich selbst nicht". Die Mutter verstärkt die empfindsamen Seiten ihres Sohnes und überträgt ihre Ängste auf das Kind.
b) -Schule
Die Schule ist für Diederich die Spitze seiner Ängste. Zu Beginn kann er sich nicht beteiligen, weil er weinen muß. Er lernte sehr schnell ,,den Drang zum Weinen gerade dann auszunützen wenn er nicht gelernt hatte...", ,,...dem ersten, der es durchschaute, schenkte er seine ganze Achtung...". Die ganze Schulzeit hindurch gilt sein Respekt den strengen Lehrern, die ihre Gewalt auch wirklich ausüben, indem sie zum Stock greifen. Es erfüllt ihn mit Stolz auch ein Teil der Macht zu sein es erfreut ihn ,,zu diesem unerbittlichen, menschenverachtenden Organismus, der das Gymnasium war..." dazuzugehören. Die eigene Macht spielt Diederich aber nur gegenüber seinen jüngeren Geschwistern aus, doch ,,...recht geheuer und seiner Sache gewiß fühlte er sich nur, wenn er selbst die Prügel bekam." Schon hier kann man deutlich das zwiespältige Verhältnis von Diederich zur Macht, als Untertan und als Machthaber, erkennen.
c) -Studium
Sein Studium soll Diederich in Berlin absolvieren. Am Anfang fühlt er sich einsam und weint ,,...vor Heimweh...". Nach vier Wochen aber entschließt er sich aber den Zellulosefabrikanten und Belieferer seines Vaters, Herrn Göppel zu besuchen. Dort macht er die Bekanntschaft von Agnes die ,,...ihm auf den ersten Blick durch Schönheit und Eleganz gleich furchtbar erschien." Doch Mahlmann, der Zimmerherr bei Göppels ist, funkt ihm dazwischen und bietet ihm an Agnes nach seinem Semester in Berlin freizugeben ,, Ich bin nur noch ein Semester in Berlin: dann können Sie mich beerben."
Diederich möchte Chemie studieren, eine Wissenschaft die nicht sehr anerkannt ist und oft, zum Ärger von Diederich, zur Physik gezählt wird.
Auf Anraten der Mutter, die ,, befremdet und eifersüchtig" eine Veränderung bei ihrem Sohn feststellt und diese auf die ungünstigen Einflüsse der Großstadt Berlin zurückführt, möchte Diederich an einer kleinen Universität studieren. Sein Schulfreund Hornung überredet ihn jedoch, wieder nach Berlin zurückzukehren. Durch Hornung findet Diederich Anschluß an die Neutonen, eine ,,hochfeine Korporation" mit klaren Regelungen die Diederichs Denkweise entgegen kamen. (,,Er sah sich in einem großen Kreis von Menschen versetzt, deren keiner ihm etwas tat oder etwas anderes von ihm verlangte, als daß er trinke....Er war untergegangen in der Korporation, die für ihn dachte und wollte. Und er war ein Mann, durfte sich selbst hochachten und hatte eine Ehre, weil er dazu gehörte.")
Während seines Studiums geht Diederich es an seinen Militärdienst in Berlin zu leisten. Nachdem Diederich sein Examen bestanden hat reist er sofort nach Netzig ab um die Fabrik seines verstorbenen Vaters zu übernehmen.
d) -Militärdienst
Nach dem Tod seines Vaters überkommen Diederich ,,wilde Freiheitsgefühle" und er entschließt sich seinen einjährigen Militärdienst abzuleisten. Bei der Musterung wird er trotz seiner Korpulenz für tauglich befunden. Obwohl er gegenüber einem Unteroffizier betont, daß er froh sei, Soldat zu sein, versucht er, von seinem Netziger Hausarzt Dr. Heuteufel ein Attest zu erhalten, das bescheinigen soll, daß ,,er skrofulos und rachitisch sei". Da Heuteufel es ablehnt dies zu tun, muß Diederich in die Kaserne einziehen. Die militärische Ausbildung ist darauf ausgerichtet, die Soldaten umherzuhetzen. Diederich erkennt sehr schnell, ,,daß alles hier, die Behandlung, die geläufigen Ausdrücke, die ganze militärische Tätigkeit vor allem darauf hinzielte, die persönliche Würde auf ein Mindestmaß herabzusetzen. Das imponiert ihm." ,,Freudige Unterwerfung" und ein Gefühl, ,,man sei da in einem großartigen Betrieb, ein Teil der Macht sozusagen, und wisse immer, was man zu tun habe" hindern Diederich nicht daran , sich vor dem Geländedienst zu drücken. Ein leicht verstauchter Fuß veranlaßt ihn einen Geheimen Sanitätsrat aufzusuchen, der sich für ihn bei dem Oberarzt der Kaserne einsetzt. Dieser ermöglicht schließlich seine vorzeitige Entlassung aus dem Militärdienst. Er heuchelt Bedauern und ,,wünsche sich nichts auf der Welt, als ganz dabeizubleiben."
e) -Auftreten als Fabrikbesitzer
Nachdem Diederich sein Studium beendet hat, kehrt er nach Netzig zurück und übernimmt dort die offizielle Leitung der, vom Vater vererbten, Papierfabrik. Er hält eine Ansprache an die Belegschaft. ,,Leute! Da ihr
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meine Untergebenen seid, will ich euch nur sagen, das hier künftig forsch gearbeitet wird. Ich bin gewillt, mal Zug in den Betrieb zu bringen." Diederich möchte die Machtposition, die des alleinigen Herr im Hause klar stellen und läßt verlauten: ,,Einer ist hier der Herr, und das bin ich." Weiterhin spricht er von der Rechenschaft vor Gott und dem eigenen Gewissen, vom Zerschmettern der Widerstrebenden und von den Sozialdemokraten als Betriebs- und Vaterlandsfeinde.
Diederich hatte große Pläne für die Erweiterung des Betriebes. Wo das Geld dafür hergenommen werden soll, ist aber noch ungeklärt. Trotzdem entschließt sich Diederich für den Kauf eines neuen Holländers, gegen den Einspruch von Sötbier und dem Maschinenmeister Napoleon Fischer.
Wieder einmal will Diederich beweisen, wer der Herr des Unternehmens ist und setzt sich durch, nebenbei kündigt er noch einen jungen Arbeiter, der sich mit seiner Braut hinter einem Haufen Säcke aufgehalten hat, sowie Napoleon Fischer, weil er Sozialdemokrat ist. Die Entlassung von Fischer kann aber nicht aufrecht erhalten werden, weil dem Betrieb sonst der Streik droht. (,,Sötbier setzte auseinander, daß das nicht gehe, weil dann alle die Arbeit niederlegen würden.")
Im Laufe der Zeit gewinnt Diederich mit Hilfe von Sötbier und Fischer einen besseren Überblick über die Firmengeschäfte und schlägt nach und nach Kapital aus seinem Unternehmen.
f) -Frauen
Diederichs Verhältnis zu Frauen läßt sich in drei Spalten unterteilen: Diederich und seine Mutter, das Verhältnis von Diederich zu Agnes und sein Verhältnis zu Guste und Käthchen.
Diederichs Mutter stellt keinen Gegenpol zum Vater dar, sondern unterstützt eher die Macht ihres Mannes aus einer schwachen Position heraus. Diederich erfasst diese Schwäche sehr bald, es wird seine eigenen Schwäche, Diederich fühlt keine Achtung vor seiner Mutter, denn er achtet sich selbst nicht. Sentimentalität ist ihr Schutz vor der Wirklichkeit und diesen Schutzmechanismus gibt sie an ihren Sohn weiter, der auch später als Erwachsener noch versucht so vor der Wirklichkeit zu fliehen. ,, ,,Ich passe nicht in diese harte Zeit" dachte Diederich, aß Marzipan von seinem Teller und träumte in die Lichter des Weihnachtsbaumes. ,,Ich bin doch gewiß ein guter Mensch. Warum ziehen sie mich in so häßliche Dinge hinein wie dieser Prozeß, und schaden mir dadurch auch geschäftlich, so daß ich, ach lieber Gott!, den Holländer, den ich bestellt habe, nicht werde bezahlen können." Dabei schnitt es ihm kalt durch den Leib, Tränen traten ihm in die Augen....Er öffnete das Klavier....Aus Volksliedern, Beethoven und dem Kommersbuch klang es durcheinander in der Dämmerung, die sich traulich davon erwärmte, so daß einem wohlig dumpf im Kopf ward."
Die Mutter versucht ihren Sohn kindlich- hilflos und abhängig zu halten und es gefällt ihm in dieser Rolle Geborgenheit und Sicherheit zu finden.
Das erste Zusammentreffen mit Agnes ist gekennzeichnet durch die Angst, die Diederich vor menschlichen Beziehungen entwickelt hat. Er fühlt sich von ihr angezogen und gleichzeitig wieder abgestoßen. ,,Wenn man nur nicht immer ihre Haut anfassen müßte! Sie ist widerlich weich.
Seine Gefühlsunsicherheit, die mitbegründet ist in seiner Ich-Schwäche, ist für das vorläufige Scheitern seiner Beziehung verantwortlich. Aus Angst vor Mahlmann gibt Diederich sein Verhältnis zu Agnes auf und flüchtet nach Hause. Dabei lastet er sein eigenes Versagen Agnes an und versucht zum Selbstschutz die Realität umzudrehen. ,,Er war ihr auf den Leim gegangen. So machen es die Mädchen: daß sie manchmal mit einem so taten, und dabei wollten sie einen nur mit einem Kerl auslachen. Diederich war sich tief bewußt, daß er es mit so einem Kerl nicht aufnehmen könne." Da ihn somit keine Schuld am Scheitern der Beziehung trifft, kann er in Selbstmitleid versinken.
Mit neuem Selbstbewußtsein und Ordnung durch Militär und Neutonen trifft er später ein zweites Mal auf Agnes. Wieder gelingt es Agnes in Diederich menschliche Gefühle zu wecken, doch deutlicher als früher möchte sich Diederich auf seien überlegenen Prinzipien zurückziehen. Die ,,anfängliche Beklommenheit, wie auf seinem letzten Spaziergang mit Agnes" macht einer gewissen Machtposition Platz, als er Agnes ,,flehenden Blick" wahrnimmt, mit dem sie ihm ihre Liebe gesteht. Für kurze Zeit ermöglicht auch die Liebe von Agnes, daß Diederich seine Gefühle offen darlegt und sich menschlich zeigt, doch als sie sich ihm hingibt, flüchtet er zurück in seine vertraute Ordnung. ,,Ich bin mir der übernommenen Verantwortung vollkommen bewußt." Zugleich ist durch das Geständnis von Agnes, daß sie Diederich liebt, das Ende der Beziehung sicher, denn ,,Agnes schien ihm verkleinert und sehr im Wert gesunken, seit er den Beweis hatte, daß sie ihn liebte. Auch sagte er sich, einem Mädchen, das so etwas tat, dürfe man nicht alles glauben." Dies zeigt seien Angst vor Nähe, er kann sich das Geliebtwerden nur als Abhängigkeit vorstellen. Seine echten Gefühle, sein augenblickliches Glück versucht Diederich zu unterdrücken, indem er Agnes Verhalten negativ umdeutet ,,So ein Weib ist scheußlich raffiniert. Lange tu ich da nicht mit." Trotzdem kann er seine Gefühle nicht ganz abstellen, ,,er fühlt sich verwandelt, leicht, wie vom Boden gehoben. ,Ich bin ganz furchtbar glücklich' dachte er." In diesem Moment wird ihm bewußt, daß er sich selbst nicht kannte bis Agnes kam.
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Durch sein Verhalten zu Agnes läßt sich beweisen, daß wahre Gefühle den Untertanen nur verunsichern, er versucht sie aus seinen Normen zu erklären: ,,Auf den ganzen Trick war sie doch nur verfallen, weil sie durchaus geheiratet werden wollte. Verlogen und zynisch fertigte er auch den Vater von Agnes ab: ,,Mein moralische Empfinden verbietet es mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir seine Reinheit nicht mit in die Ehe bringt." Diederich war es somit gelungen, seine Gefühle zu unterdrücken, sie umzuwerten und sein Verhalten gut zu heißen, ,,man mußte stark sein, ...ein Mädel wie Agnes, die gerade so verrückt war wie seine Mutter, würde ihn ganz untauglich gemacht haben für diese harte Zeit."
Guste Daimchen und Käthchen Zillich sind sich äußerlich sehr ähnlich, so daß es Diederich sehr schwer fällt sich zwischen ihnen zu entscheiden. Beide sind sehr selbstbewußt und zielstrebig. Schon bei der ersten Begegnung erhält Diederich von Guste eine Ohrfeige, die ihm Respekt vor ihr einflößt. Käthchen hingegen erstaunt ihn mit ihrem ,,Gelächter, ganz frei aus dem Herzen", und er muß erkennen, daß ,,es...also noch andere Welten außerhalb der bürgerlichen" gab.
Guste ist eingebunden in die bürgerliche Ordnung, ihr Erbe macht sie zur begehrten Heiratskandidatin. Käthchen hingegen stellt sich gegen die bürgerlichen Normen und regt Diederichs sexuelles Verlangen an. Erst die finanziellen Überlegungen lassen Diederich erkennen, daß eine Heirat mit Guste am günstigsten für ihn ist. Damit öffnet sich gleichzeitig das Angebot Käthchens käufliche Liebe zu nutzen. Hierbei entlarvt sich seine Scheinmoral zwischen käuflicher Liebe und Familienleben. ,,Seine Auffassung war die strengste. ...Die Frauen waren der Kinder wegen da."
Guste hat sich ihrem Mann unterzuordnen und dient vorwiegend dem Zweck, ,,...seiner Majestät ...tüchtige Soldaten (zu) liefern." Nur gelegentlich darf Guste ihm befehlen: ,,Du sollst meine herrliche Gestalt anbeten!". Diese Macht ist aber nur von sehr kurzer Dauer und gerade diese Momente des Machtverlustes in seiner Ehe versucht er durch Bordellbesuche auszugleichen. Käthchen ist für ihn die Verlockung des ,,entfesselten Weibes, ...so fremd der Biederkeit, die Diederich am Grunde seines eigenen Herzens wußte"
3. Untersuchen Sie Aufbau und künstlerische Gestaltungsmittel des Romans!
Der Roman ,,Der Untertan" von Heinrich Mann ist in 6 Kapitel unterteilt.
Man kann bei diesem Buch nicht von einer Trennung zwischen Rahmen- und Binnenhandlung sprechen. Das ganze Buch über erzählt ein auktorieller Erzähler über das Leben von Diederich Heßling, über die Entwicklung zum Untertanen. Allerdings muß man auch sagen das der auktorielle Erzähler auf jegliche Einmischung, er erzählt den Roman lediglich.
Es handelt sich hier um Umgangssprache mit Monologen und Dialogen. Das Buch ist geprägt durch viele künstlerische Mittel, als allererstes fällt dem Leser aber die Satire auf, die Heinrich Mann in seinem Roman in vielfältiger Weise zum Einsatz brachte.
Das erste satirische Merkmal sind die Eigennamen. Der Name Diederich Heßlings läßt sich einerseits mit dem Adjektiv häßlich verbinden, gleichzeitig kann man aber auch einen Bezug zu Haß finden. Napoleon Fischer, der Gegenspieler und heimliche Verbündete von Heßling, entspricht weder im Äußeren noch im Verhalten seinem Namensvetter, er ist vielmehr ein engstirniger, intriganter Funktionär, den Diederich voller Abscheu betrachtet: ,,die Vorderflossen hängen ihm bis an den Boden. Gleich wird er auf allen vi eren laufen und Nüsse fressen. ... Napoleon! So ein Name ist allein schon Provokation." Guste Daimchen, deren Finger ,,rosigen Würstchen glichen" und die Diederich ,,kolossal appetitlich...wie ein frischgewaschenes Schweinchen" findet wohnt sinnentsprechend in der ,,Schweinchenstraße". Die Namen Jadassohn, Nothgroschen, Kühnchen, Heuteufel etc. reihen sich in die Serie der entsprechenden und bezeichnenden Namen ein, wobei hier auch die Umbenennung der Wucherstraße in Kaiser- Wilhelm- Straße erwähnt werden sollte.
Aufgaben für den Roman ,,Der Untertan” von Heinrich Mann
Mit besonderer Vorliebe greift Diederich in seinen Reden, Dialogen, und Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern zu klischeehaften Adjektiven die die Inhaltsleere seiner Phrasen unterstreichen. Die Wiederholungen verstärken den Eindruck der Klischeehaftigkeit des Denkens. Am häufigsten werden die Adjektive ,,national" (ca. 140 mal), ,,deutsch" (ca. 80 mal), ,,kaisertreu" und ,,treudeutsch" (jeweils ca. 40 mal) verwendet. (Quelle2)
An einigen Stellen entlarven der fehlerhafte Gebrauch von Fremdwörtern die nur vorgetäuschte Bildung. Magda schimpft über ,,Popismus", ihr Bruder verbessert: ,,Nepotismus heißt es". Zur Karikatur wird der Gymnasialprofessor Kühnchen nicht nur durch seinen sächsischen Dialekt, den er auch auf französische Wörter überträgt, sondern zugleich durch seine vulgäre Sprache überträgt, die zum krassen Widerspruch zu seiner Funktion als Lehrer und zu den Kriegsepisoden steht, von denen er berichtet: ,,Und wie`s erscht gebrannt hat, nu, versteht sich, da hamse an der Verteidchung des Vaterlandes keen Geschmack mehr gefunden, und bloß noch raus, bloß noch Soofgipöh. Da hätten Se nu aber uns Deutsche sehen sollen. Von der Mauer hammer sie weggeschossen, wie sie runterkrabbeln wollten! Luftsprünge hamse gemacht wie die Garniggel!"
Die Wiederaufnahme und die spielerische Abwandlung des Wortes, also das Wortspiel, kann eine Situation entlarven und ins lächerliche ziehen. Guste beklagt sich bei Diederich über ihren Verlobten, der sie verlassen hat: ,,ihm (war) immer alles wurscht, sogar mein Geld". ,,Erschüttert" stellt Diederich fest: ,,Wem das Geld wurscht ist, der versteht das Leben nicht." Gustes Antwort deckt Diederichs eigentliches Interesse auf: ,,Dann verstehen sie es glänzend!" Wenn Diederich das Leben also glänzend versteht, kann ihm auch Gustes Geld nicht ,,wurscht" sein.
Der alte Buch verkündet am Ende seines Prozesses noch einmal sein Lebensziel. Seit fünfzig Jahren habe sein Leben einem Gedanken gehört: ,,der Gerechtigkeit und dem Wohle aller". Diederich ,,blitzte den Alten ... einfach nieder, und diesmal endgültig, mitsamt der Gerechtigkeit und dem Wohle aller. Zuerst das eigene Wohl- und gerecht war die Sache, die Erfolg hatte." Diederich verkehrt das von Buck gemeinte ins Gegenteil und beweist damit seinen zynischen Realismus, den er nach dem Tode Bucks noch einmal mit einem Wortwitz unterstreicht: ,,Verblendung jeder Ehrgeiz, der nicht Fäuste hatte und Geld in den Fäusten." Einen andere Form des Wortspiels findet sich, als über den Tod des Korpsstudenten Delitzsch berichtet wird, die Übertragung eines Bereiches auf einen anderen: Das exzessive Trinken wird als ,,Pflichterfüllung" gewertet, der Tod durch Alkohol wird mit dem ,,Tod auf dem Felde der Ehre" gleichgesetzt. Das Trinken fordert ,,Opfer" und es übt ,,im männlichen Ertragen des Schmerzes". Durch seinen Tod im Suff hat Delitzsch ,,in der Schule der Mannhaftigkeit und des Idealismus den höchsten Preis errungen". Die Einfachheit des Todesgrundes entlarvt zugleich den Euphemismus, daß das Schlachtfeld im Krieg das ,,Feld der Ehre" sei. Die Übertragung des einen Bereiches auf den anderen, trifft somit beide, und die unmittelbare Nähe zueinander rächt sie: sinnlos ist das eine sowie das andere.
Ein besonderes Wortspiel ergibt sich aus Diederichs Rohstoff, den Lumpen. Es wird mit der Doppeldeutigkeit des Begriffes gespielt: ,,Diederich ließ sich seinen Entwurf nicht verderben. ,Unter meinen Lumpen darf kein Umsturz vorkommen. Mit ihren Lumpen, ich meine in der Politik, ist s anders. Da können wir den Umsturz brauchen, damit aus den freisinnigen Lumpen weißes, kaisertreues Papier wird.' " Ein typisches Verfahren satirischer Darstellung ist die Verbindung sich scheinbar widersprechender oder gegenseitig ausschließender Begriffe bis zum Paradoxon, also bis zur Vereinigung gegensätzlicher Aussagen und Begriffe.
Nach Diederichs Wahlkampfrede wird die bierselige Atmosphäre durch die pointierte Verbindung zwei sich logisch ausschließender Begriffe gekennzeichnet. Diederich wankt ,,unter dem Ansturm treudeutscher Hände, die die seinen schütteln wollten, nationaler Biergläser, die mit ihm anstießen" Als Diederich Guste seine Fabrik zeigt, kommt es zu einer kurzen Auseinandersetzung mit Napoleon Fischer, und Diederichs ,,geheime Angst sah in dem dünnen Bart des Maschinenmeisters immer das gewisse Grinsen ... Je heftiger Diederich sich gebärdete, desto ruhiger ward der andere. Diese Ruhe war Aufruhr!" Das Paradoxon, daß die Ruhe des Maschinenmeisters bedrohlich ist, daß Diederich in der Ruhe Aufruhr verspürt, kennzeichnet seine Verfassung. Er ist nicht Herr der Situation, wie er es gegenüber Guste gern gewesen wäre, weil Napoleon Fischer durch sein Wissen um die Manipulation der Maschine seinen Arbeitgeber in der Hand hat.
Die Erschießung des Arbeiters kommentiert Diederich mit den Begriffen, die dieses Ereignis zynisch als etwas ,,direkt großartiges, sozusagen Majestätisches" verherrlichen. Das Paradoxon leitet sich hier aus ,,der Verwendung unangemessener Vokabeln auf einen bestimmten Vorfall her" (Quelle2). Stellenweise wirken auch Aufzählungen satirisch, vorwiegend dann, wenn ,,kategorial unterschiedliche Begriffe miteinander in eine Reihe gestellt werden; die Zuordnung von Bereichen, die normalerweise getrennt werden, verweist auf die Abweichung des Denkens von den üblichen Maßstäben" (Quelle2) Als Kind fühlt Diederich sich von den erfundenen Figuren, realen Personen, anonymen Institutionen, überirdischen Mächten gleichermaßen verfolgt und eingeschüchtert. Phantasie und Wirklichkeit greifen ineinander, wenn Diederich sich den ,,vielen furchtbaren Gewalten, ... den Märchenkröten, dem Vater, dem lieben Gott, dem Burggespenst und der Polizei, ... dem Schornsteinfeger ... und dem Doktor" unterworfen
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fühlt.
Dem mißlungenen Weihnachtsfest entflieht Diederich, indem er Zuflucht zur Musik sucht. ,,Aus Volksliedern, Beethoven und dem Kommersbuch klang es durcheinander in der Dämmerung", ,,Schubert, weiche Biederkeit, Gemüt der Heimat". Diesem Nebeneinander so unterschiedlicher Musik entspricht Diederichs mangelndem ästhetischen Empfinden, hat er doch schon früher gegenüber Agnes geäußert: ,,Ich gehe nur in Konzerte, wo ich Bier trinken kann."
4. Interpretieren Sie diejenige Szene des Romans, die Sie besonders beeindruckt hat, unter subjektivenwerkimmanenten und literaturgeschichtlichem Aspekt!
Szene S.78/79/80
,,Ich denke nicht ans Heiraten. Dazu wären zu große Geldmittel nötig.“ Herr Göppel sagte mit angstvollen Augen und lachte dabei: „Ich kann noch ein übriges tun ...“ „Lassen Sie nur“, sagte Diederich, vornehm abwehrend. Göppel ward immer ratloser. „Ja, was wollen Sie dann überhaupt?“ „Ich? Gar nichts. Ich dachte, Sie wollten was, weil Sie mich besuchen.“ Göppel gab sich einen Ruck. „Das geht nicht, lieber Heßling. Nach dem, was nun mal vorgefallen ist. Und besonders, da es schon so lange dauert.“ Diederich maß den Vater, er zog die Mundwinkel herab. „Sie wußten es also?“ „Nicht sicher“, murmelte Göppel. Und Diederich, von oben: „Das hätte ich auch merkwürdig gefunden.“ „Ich habe eben Vertrauen gehabt zu meiner Tochter.“ „So irrt man sich“, sagte Diederich, zu allem entschlossen, womit er sich wehren konnte. Göppels Stirn fing an, sich zu röten. „Zu Ihnen hab ich nämlich auch Vertrauen gehabt.“ „Das heißt: sie hielten mich für naiv.“ Diederich schob die Hände in die Hosentasche und lehnte sich zurück. „Nein!“ Göppel sprang auf. „Aber ich hielt sie nicht für den Schubjack, der Sie sind!“ Diederich erhob sich mit formvoller Ruhe. „Geben Sie Satisfaktion?“ fragte er. Göppel schrie: „Das möchten Sie wohl! Die Tochter verführen und den Vater abschießen! Dann ist ihre Ehre komplett!“ „Davon verstehen Sie nichts!“ Auch Diederich fing an, sich aufzuregen. „Ich habe Ihre Tochter nicht verführt. Ich habe getan, was sie wollte, und dann war sie nicht mehr loszuwerden. Das hat sie von Ihnen.“ Mit Entrüstung: „Wer sagt mir, daß Sie sich nicht von Anfang an mit ihr verabredet haben. Das ist eine Falle!“ Göppel hatte ein Gesicht, als wollte er noch lauter schreien. Plötzlich erschrak er, und mit seiner gewöhnlichen Stimme, nur daß sie zitterte, sagte er: „Wir geraten zu sehr in Feuer, dafür ist die Sache zu wichtig. Ich habe Agnes versprochen, daß ich ruhig bleiben will.“ Diederich lachte höhnisch auf. „Sehen Sie, daß Sie schwindeln? Vorhin sagten Sie, Agnes weiß gar nicht, daß Sie hier sind.“ Der Vater lächelte entschuldigend. „Im guten einigt man sich schließlich immer. Nicht wahr, mein lieber Heßling?“ Aber Diederich fand es gefährlich, wieder gut zu werden. „Der Teufel ist Ihr lieber Heßling!“ schrie er „Für Sie heiß ich Herr Doktor!“ „Ach so“, machte Göppel, ganz starr. „Es ist wohl das erstemal, daß jemand Herr Doktor zu Ihnen sagen muß? Na, auf die Gelegenheit können Sie stolz sein.“ „Wollen Sie vielleicht auch meine Standesehre antasten?“ Göppel wehrte ab. Diederich fühlte sich erröten. Um so entschlossener ging er vor. „Wenn Sie es durchaus hören wollen: Mein moralisches Empfinden verbietet es mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe bringt.“ Sichtlich wollte Göppel sich nochmals empören; aber er konnte nicht mehr, er konnte nur noch das Schluchzen unterdrücken.
Diese Szene befindet sich am Ende des zweiten Kapitels.
Diederich und Agnes lernen sich kurz nach Diederichs Ankunft in Berlin kennen, wo er sein Studium absolvieren soll. Agnes, die Tochter von Göppel, einem Geschäftsfreund des Vaters, ist sofort von Diederich fasziniert. Diederich dagegen würde sich am liebsten nicht mehr bei Göppel blicken lassen. Trotzdem gibt Diederich zum ersten Mal Geld für einen Menschen aus und besorgt Agnes eine Eintrittskarte für ein Konzert. Nach Mahlmanns Drohung, sich von Agnes abzuwenden, siegen seine Feigheit und seine Selbstverachtung und er distanziert sich von Agnes.
Noch ganz erfüllt von einer Begegnung mit dem herrlichen jungen Kaiser, trifft er nach langer Zeit unerwartet Agnes wieder. Begünstigt durch die gestörten Verkehrsverbindungen des Demonstrationstages gelangen beide in Diederichs Wohnung, in der sie ein sexuelles Abenteuer erleben. Agnes bekennt, ihn schon immer geliebt zu haben, und Diederich, sexuell befriedigt, spricht von Verantwortung. Das Liebesverhältnis setzt sich zunächst auf sehr angenehme Weise fort, wenn Diederich sich auch öfters durch die Gefühlsausbrüche von Agnes gestört fühlt. Im Laufe der Zeit kühlt sich die Beziehung auf Diederichs Seite gefühlsmäßig ab, weil er sich von Agnes und ihrer Familie bedrängt, die Beziehung ist aber sexuell immer noch intakt. Dennoch unternehmen sie eine gemeinsame Reise nach Mittenwalde. Das entspannende Landleben und das ständige Zusammensein schafft für Diederich unbeherrschbare Situationen, und er steht kurz davor,
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Agnes ein Eheversprechen zu geben, hält sich aber zurück. Bei einer Kahnfahrt wird er fast von den Gefühlen übermannt und würde in diesem Augenblick mit Agnes in den Tod gehen, er besinnt sich aber noch. Nach dieser Reise hält er sich vorläufig von Agnes fern, und wechselt sogar seinen Wohnsitz. In der Szene die ich interpretieren möchte, erscheint nun Herr Göppel bei Diederich und bittet ihn um ein Gespräch. Der Vater von Agnes apelliert an Diederichs Freundschaft, an seine Ehrenhaftigkeit, doch er erntet nur kalte Ablehnung. Diederich ist aber nicht bereit, feste Zusagen zu machen und sich zu binden, für ihn scheint Agnes nur eine flüchtige Beziehung gewesen zu sein. Er verzichtet sogar auf eine Mitgift von 12000 Mark und auf eine unbegrenzte Menge Zellulose, nur um seine Machtposition nicht zu gefährden. Er zeigt Herrn Göppel damit deutlich, daß für ihn eine Heirat mit Agnes nicht in Frage kommt. Diederich verläßt Berlin und bricht jeden Kontakt zu der Familie Göppel ab.
Der Roman entstand in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg und erschien 1918 erstmalig. Damit spiegelt er die in seiner Entstehungszeit typische Kaiserverehrung und den deutschen Untertanengeist wieder und kritisiert diese Charakterzüge des deutschen Volkes ganz offen. Diese Kritik wird auch in dieser Szene deutlich. Diederich vergißt in seinem überschwenglichen Kaiserwahn seine früher gefassten Vorsätze. Er hatte sich von Mahlmann soweit einschüchtern lassen, daß er sogar einen Menschen aufgibt und sich von ihm abwendet. Wieder einmal hatte seine Feigheit über ihn gesiegt. Doch all die Bemühungen, Agnes zu vergessen und sich von ihr zu lösen, gibt er nach der Begegnung mit dem Kaiser auf. In dieser Szene kommt die Abhängigkeitdes bzw. der Untertanen zu ihrem „hohen“ Kaiser zum Vorschein. Diederich ist wie benebelt und tief beeindruckt von der Begegnung mit seinem Vorbild. Jetzt ist ihm sogar egal, mit welcher Frau er schläft. Selbst nach dem Sex fühlt er sich zu seinem Kaiser hingezogen und spricht von Verantwortung, die er gegenüber Agnes, seinem „Untertan“ hat.
In meiner ausgesuchten Szene zeigt Diederich Heßling sehr deutlich seine Charakterzüge. Er möchte keine Beziehung, besser er möchte keine Ehe mit Agnes eingehen. Für ihn war sie nur ein Spielzeug, das er bei Gebrauch herausholen kann und wenn er keine Lust mehr hat damit zu spielen, räumt er sie einfach aus dem Weg. Aber Diederich hat keinen Mut das Herrn Göppel zu gestehen, er traut sich nicht zuzugeben, wie link seine ganze Beziehung zu Agnes eigentlich war. Er verschanzt sich lieber hinter seiner Aussage: ,,Mein moralisches Empfinden verbietet es mir, ein Mädchen zu heiraten, das mir ihre Reinheit nicht mit in die Ehe bringt.“ Er selbst hat Agnes ,,beschmutzt”, er selbst war es, der es dazu gebracht hat, dass Agnes nicht rein in die Ehe gehen kann. Vielleicht war auch das sein Ziel, bei seinem sexuellen Kontakt mit ihr. Zu seinem Charakter würde es durchaus passen, die ganze Zeit mit diesem Hintergedanken gespielt zu haben. So kann er sich leicht und elegant aus der Affäre ziehen, ohne Herrn Göppel lang erklären zu müssen, das er eigentlich bloß Agnes Körper wollte. Das gehört sich eben auch nicht für einen kaisertreuen Mann wie es Diederich nun mal ist. Sein Hauptziel sollte es schließlich nur sein, neue Soldaten in die Welt zu setzen um den Kaiser zu dienen und seine Macht zu unterstützen. Seinen Trieben zu folgen ist einfach keine großen Worte wert. Entweder man ist verheiratet und praktiziert sexuelle Handlungen nur um Kinder zu zeugen oder man läßt sich eben nicht erwischen. Doch gerade das konnte Diederich nicht verhindern. Herr Göppel hat die ganze Beziehung schnell durchschaut und hofft nun auf eine Verheiratung seiner Tochter. Doch Diederich macht ihm einen Strich durch die Rechnung, er läßt ihn eiskalt abblitzen. Selbst das Angebot der Mitgift, die für Diederich viel zu gering ausfällt um überhaupt über eine Hochzeit nachzudenken, und die Zellulose interessieren ihn nicht. Einen feste Bindung will er nicht. Er ist bindungsunfähig. Kaum Freundschaften kennzeichnen sein Leben und wenn, dann sind es meist nur Zweckbeziehungen um einen besseren Stand zu haben und sich einige Vorteile zu verschaffen. Agnes passt nicht in das Lebenskonzept von Diederich, er will reich heiraten um gesellschaftlich einen guten Stand zu haben. Er kann sich gegen Klatsch nicht wehren und so liegt es ihm fern jemanden zu heiraten, der nicht sehr angesehen ist. Er möchte kein schlechtes Gerede über seine Person, er möchte nicht das jemand schlecht über ihn denkt. Er kann sich keinen schlechten Ruf leisten.
Diederich zeigt in dieser Szene sehr deutlich seine Feigheit, die er mit schlauen Sprüchen und großen, aber inhaltslosen Sätzen zu überspielen versucht. Er hat einfach keinen Mut die Wahrheit zu sagen und sich dadurch bloß zu stellen. Sein Bild des kaisertreuen Diederich Heßlings wäre zerstört und seine Chancen auf ein Leben wie er es sich vorstellt wären vergeben.
Agnes hat ihm in dieser Beziehung nur gezeigt, das auch er Gefühle haben kann, doch Diederich möchte, zumindest nach außen hin, den unnahbaren und starken Mann markieren. Das ihm das in seinem Leben gelungen ist, zeigt sein weiterer Lebenslauf. Doch für mich als Leser hat sich spätestens in dieser Szene gezeigt, dass Diederich nicht der Mensch ist, den er vorgibt zu sein.
Arbeit zitieren:
Birgit Großmann, 2001, Mann, Heinrich - Der Untertan, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
Brechts Dramentheorien - Analyse am Beispiel "Der gute Mensch von...
Hausarbeit, 20 Seiten
Diederich Heßling - Charakteri...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hauptseminararbeit, 22 Seiten
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Melanie
Gelungener Beitrag.
Dieser Beitrag ist dir echt gelungen.Ich muss ein Referat über Guste und Käthchen halten.Der Abschnitt über Diederichs Verhältnis zu Frauen hat mir sehr geholfen.Danke schöööön!
am Wednesday, April 24, 2002-