GLIEDERUNG
1 Einleitung
2 Grundelemente und Merkmale von Globalisierung
2.1 Begriffliches
2.2 Dimensionen ökonomischer Globalisierung
2.2.1 Standortfaktoren
2.2.2 Arbeitskosten und Produktivität
2.2.3 Finanzmärkte
2.2.4 Direktinvestitionen
3 Auswirkungen ökonomischer Globalisierung auf staatliche Politik
3.1 Souveränitätsverlust in der Makroökonomie?
3.2 Einschränkung sozialpolitischer Gestaltungsfähigkeit?
3.4 Fraktionierung und Regionalisierung?
3.5 Fazit zu staatlicher Politik
4 Schlussbetrachtung
5 Literatur
2
1 EINLEITUNG
Die Diskussion der Konsequenzen von Globalisierung findet vor dem Hintergrund einer radikalen Herausforderung durch ein neu erstarktes marktwirtschaftliches Lager in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik statt, das die Globalisierung der Wirtschaft als drastischen Einschnitt darstellt und als einzige mögliche Reaktion eine ebenso drastische Befreiung des Marktes und der Marktkräfte von politischer und institutioneller Regulierung proklamiert und in Angriff nimmt. Nun sind liberale Forderungen nach Wiedereinsetzung des Marktes alles andere als neu, was den Verdacht fördert, dass Globalisierung als neue Rechtfertigung für die Verfolgung alter Interessen vorgeschoben werde. Ebenso wenig neu ist die Behauptung, dass freie Märkte nicht nur die effizientesten, sondern zugleich auch die sozial gerechtesten Allokations-mechanismen seien, weshalb Deregulierung allen nutze, einschließlich denjenigen, die durch Regulierung geschützt werden sollen. Neu ist jedoch, dass das liberale Lager heute zunehmend die von ihm schon immer unterstellte technische und normative Ineffizienz regulative Eingriffe in den Markt auf ihren nationalen Charakter zurückführt. Politische Interventionen in den Markt müssen angeblich zu nicht optimaler Faktorenallokation wie beispielsweise Wachstumsverluste und Rückgang der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, die auf dem nationalen Territorium produzieren sowie zu sozialer Ungerechtigkeit mit einhergehender hoher Dauerarbeitslosigkeit und wachsender Ungleichheit zwischen Arbeitslosen und Arbeitsplatzbesitzern führen, während die Wirtschaftssubjekte zunehmend international agierten und sich deshalb nationalstaatlichen Regulierungen notfalls zum Schaden der jeweiligen Volkswirtschaft entziehen könnten. Dies führe dazu, dass soziale Standards unter dem Druck zunehmenden wirtschaftlichen Wettbewerbs ebenso zusammenbrechen müssten wie die Institutionen und Organisationen, die derartige Standards bisher gegen den Markt durchgesetzt haben.
Andere Positionen schätzen die Rolle nationaler Politik im Standortwettbewerb dahingehend anders ein, als dass nationale wirtschaftspolitische Interventionen in
3
einer internationalisierten Ökonomie die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Volkswirtschaft erhöhen können, und zwar sowohl durch infrastrukturbildende Industriepolitik, als auch durch eine den sozialen Ausgleich sichernde Sozialpolitik mit dem Hinweis darauf, dass sozialer Friede ein entscheidender Produktionsfaktor sei. Dies erfordere politische
Interventionen und Investitionen beispielsweise in Forschung und Technologie über Bildungs-, Arbeitsmarkt- und soziale Sicherungspolitik, um social dumping entgegen zu wirken.
In dem Maße, wie die Möglichkeiten des Kapitals wachsen, aus nationalen Zusammenhängen bei nichtgefallen auszutreten, schwinden die Möglichkeiten der Organisation der weniger mobilen Arbeit ebenso wie die Möglichkeiten von auf nationaler Basis konstituierten korporatistischen und staatlichen Institutionen, dem Kapital Bedingungen für die Kooperation der Gesellschaft mit seinen Gewinninteressen aufzuerlegen. Damit verändern sich die politischen terms of trade, die in dieser Arbeit untersucht werden sollen.
Dazu werden nachfolgend im ersten Teil der Arbeit Grundelemente und Merkmale von Globalisierung geschildert. In diesem Zusammenhang wird versucht Globalisierung historisch und begrifflich zu fassen sowie Dimensionen ökonomischer Globalisierung mit Standortfaktoren, Finanzmärkte und Direktinvestitionen zu erläutern.
Danach wird im zweiten Teil der Frage nachgegangen, ob ökonomische Globalisierung Auswirkungen auf staatliche Politik im Kontext von
Standortwettbewerb hat. Ein möglicher Souveränitätsverlust in der Makroökonomie mit einhergehender Einschränkung sozialpolitischer Gestaltungsfähigkeit wird dazu ebenso beleuchtet wie die Tendenz zu Fraktionierung und Regionalisierung. Hierbei wird ein Fazit zu den Auswirkungen ökonomischer Globalisierung auf staatliche Politik gegeben.
Abschließend wird beurteilt ob es Staaten gelingt den internationalen Konkurrenzdruck mit nationalen Strategien abzufangen, oder ob nicht angesichts der bisherigen Konsequenzen makroökonomische Elemente stärker zwischen ihnen abgestimmt werden müssten.
4
2 GRUNDELEMENTE UND MERKMALE VON GLOBALISIERUNG
2.1 BEGRIFFLICHES
Nohlen (2001: 181ff) verweist, dass der Terminus Globalisierung ursprünglich im ökonomischen Bereich verwendet wurde, um zunehmende globale Verflechtung der Ökonomien, insbesondere der Finanzmärkte auf den Begriff zu bringen. Bedingt durch seine breite Verwendungspraxis ist der Begriff nicht einheitlich zu definieren. Im Kern besagt er die rapide Vermehrung und Verdichtung grenzüberschreitender gesellschaftlicher Interaktionen, die in räumlicher und zeitlicher Hinsicht die nationalen Gesellschaften immer stärker miteinander verkoppeln. Damit sind in bestimmten Sachfeldern globale Phänomene, die häufig von den
Interaktionspartnern der Globalisierung gemeinsam hervorgerufen werden, von weitreichender Bedeutung für die Ebenen geringerer territorialer Reichweite.
Beck (1998: 19) weist zurecht in der Kontroverse um Globalisierung darauf hin, ÄGD GHU*UDGZHOWZLUWVFKDIWOLFKHU9HUIOHFKWXQJHQKHXWHHWZDGHPHQWVSULFKWGHUEHUHLWVYRUGHP (UVWHQ :HOWNULHJ ]XU =HLW GHV 3D[ %ULWDQQLFD HUUHLFKW ZDU³ Globalisierung meint in
diesem Kontext zunehmende blockgebundene Wirtschaftsverflechtungen, die sich vor allem auf die großen kontinentalen Wirtschaftsblöcke Europa, Asien und Amerika, also innerhalb der OECD-Welt, konzentrieren. Globalisierung bezieht sich nach Hirst/Thompson (1998: 93f). also demnach auf eine zunehmende Interaktionsdichte des internationalen Handelns, die globale Vernetzung und enorme Beschleunigung der Finanzmärkte und die daraus entstehenden globalen Risiken sowie den Machtzuwachs transnationaler Konzerne. Die Bedeutung der Globalisierung für den einzelnen, Gruppen, Ländern wechselt, etwa aufgrund der Art der Integration eines Landes in die internationale Arbeitsteilung. Neben der Globalisierung verlaufen Prozesse der Regionalisierung und kleinräumigen Fragmentierung. Innerhalb der Gesellschaften, auch in denen, die auf der ’Gewinnerseite’ stehen, gibt es demnach Gewinner und Verlierer der Globalisierung. Die territoriale Entgrenzung ist folglich begleitet von nationaler und
sozialer Ausgrenzung und ÄNULWLVFKH 6WLPPHQ EHVFKZ|UHQ QLFKW ]X XQUHFKW GDVV XQWHU
5
GHP 'HFNPDQWHO GHU *OREDOLVLHUXQJ GHU 6R]LDOVWDDW GHPRQWLHUW GHU 8PZHOWVFKXW] NOHLQ JHVFKULHEHQ XQG GLH 6ROLGDULWlW ]ZLVFKHQ GHQ 9|ONHUQ ]XU /HHUIRUPHO GHJUDGLHUW ZLUG³ 1RKOHQ Damit droht eine Entgrenzung der wirtschaftlichen Prozesse die
bestehenden sozialen Integrationsmechanismen zu überfordern und die demokratischen Kontrollverfahren auszuhebeln, denn diese besitzen nach Beck (1998: 10ff) nur nationale Wirkungshorizonte. Der Begriff der Globalisierung weist also auch in die Richtung, dass die Räume des Wirtschaftens größer werden. Sie überschreiten nationale Grenzen und damit werden folglich auch die Räume relevanter politischer Regelungen weiter (Dahrendorf 1998:50). Ferner erscheint die Globalisierung in der Literatur häufig als eine vom Westen ausgehende, durch die gleichzeitige und gleichgerichtete Entwicklung von Technologie, Wirtschaft und Kultur vorangetriebene weltweite Vereinheitlichung oder Standardisierung. Im Kontext von Globalisierung geht es also nicht um Naturgewalten, die plötzlich auf die erstaunte Welt losgelassen wurden (Simons/Westermann 1997: 17). Die Bedingungen der Umsetzung neuer technischer Möglichkeiten in Realitäten werfen somit die Frage auf wer ein Interesse an der Globalisierung hat und wer davon profitiert:
Ä:DVYRUZHQLJHQ-DKUHQ DOV¶,QWHUQDWLRQDOLVLHUXQJ¶QRFKHLQHGHXWOLFKSRVLWLYHQ=XQJHQVFKODJ EHVD ZLUG KHXWH XQWHU GHP 6WLFKZRUW ¶*OREDOLVLHUXQJ¶ ]XU DUJXPHQWDWLYHQ .HXOH JHJHQ DOOHV ZDVVLFKGHQJHIRUGHUWHQ(LQVFKQLWWHQLQQDWLRQDOH/HLVWXQJVVWDQGDUGVZLGHUVHW]W/|KQHVR]LDOH 6LFKHUXQJVV\VWHPH XQG JHVHOOVFKDIWOLFKHU .RQVHQV VFKHLQHQ VR ]XU 'LVSRVLWLRQ ]X VWHKHQ³ 6LPRQV:HVWHUPDQQ
2.2 DIMENSIONEN ÖKONOMISCHER GLOBALISIERUNG
Bis zu den siebziger Jahren bezogen sich die ökonomischen Analysen auf die nationalen Volkswirtschaften als Basiseinheiten. Der Vergleich ihrer
Leistungsfähigkeit lieferte den Maßstab für wirtschaftlichen Erfolg. Die Prämisse lautete, dass für die Volkswirtschaften die entscheidenden Initiativen von den Regierungen ausgingen, auch wenn ihre Politik einer freien Marktwirtschaft
verpflichtet war, ÄGHQQGLH%HWULHEVZLUWVFKDIWEHKDQGHOWH8QWHUQHKPHQXQG,QGLYLGXHQDOV VXEVLGLlUH(LQKHLWHQDXIGHU$QJHERWVVHLWHHLQHUQDWLRQDOHQ9RONVZLUWVFKDIW³$OEURZ Nicht alles fügte sich nahtlos diesem Bezugsrahmen. Die nationalen
6
Arbeit zitieren:
Martin Würfel, 2003, Auswirkungen ökonomischer Globalisierung auf staatliche Politik: Die Rolle nationaler Politik im Standortwettbewerb, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Comparing Euroscepticism in Poland and the Czech Republic
Politik - Internationale Politik - Region: Osteuropa
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Das Priming-Konzept in 'Agenda-Building, Agenda-Setting, Priming, ...
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Hausarbeit, 16 Seiten
Ersatzteillogistik: Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Seminararbeit, 20 Seiten
Untersuchungen der deutschen Mediendebatten um den möglichen EU-Beitri...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Forschungsarbeit, 55 Seiten
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Wechselbeziehungen von Politik und Medien
Politik - Internationale Politik - Thema: Sonstiges
Seminararbeit, 13 Seiten
Das Verhältnis von Politik und Moral bei Machiavelli
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 21 Seiten
Industrieparks in der Automobilwirtschaft, Konzeption und Zukunftpersp...
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Konjunkturpolitik als Rüstungspolitik - Eine Betrachtung der deutschen...
Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 37 Seiten
Die doppelte Ablehnung des europäischen Verfassungsvertrags - Konseque...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 15 Seiten
Das VW-Modell als Beispiel beschäftigungssichernder Arbeitszeitverkürz...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Dateisysteme in verteilten Rechnerumgebungen - Coda und InterMezzo
Informatik - Technische Informatik
Seminararbeit, 9 Seiten
Martin Würfel hat den Text Auswirkungen ökonomischer Globalisierung auf staatliche Politik: Die Rolle nationaler Politik im Standortwettbewerb veröffentlicht
Martin Würfel hat einen neuen Text hochgeladen
Auswirkungen der demographischen Alterung und der Bevölkerungsschrumpf...
Plenarvorträge der Jahrestagun...
Herwig Birg
Nationalsozialismus und radika...
Mathias Schütz, Gerd Langguth, Tilman Mayer
Auswirkungen des technologischen Fortschritts und des Klimaschutzes au...
Analysen mit einem Allgemeinen...
Marcel Zürn
Politik und wirtschaftlicher Wettbewerb in der Globalisierung
Kritik der Paradigmendiskussio...
Hendrik Hansen
0 Kommentare