Stadteinwohners, der sich sein Geld durch die Genussleidenschaften der anderen Bewohner vernährt und Marti der als Bauer immer noch versucht, seine Ernte zu verkaufen. Im Endeffekt leben jedoch beide unter ärmlichsten Verhältnissen und sind gezwungen zu Fischen um zu überleben.
Nun wird das Bild des reißenden Baches eingearbeitet, dessen Wellen stärker aufrauschen und somit die Flamme des Hasses zwischen den beiden Alten noch einmal auflodert. Marti fordert Manz zur Ruhe auf und wirft ihm vor, sein Leben zerstört zu haben. Das Bild des ausbrechenden Streites, verkörpert durch den Fluss, wird durch die rauschenden Weiden verstärkt und Manz muss seine Stimme noch mehr erheben, damit er auf dem anderen Flussufer verstanden wird. Jetzt wird deutlich, dass Sali’s Vater nicht um die Lebensumstände von Marti und Vrenchen weiß, indem er sagt: „Wenn dem nur so wäre,..“ - er erachtet also derer Leben nicht als zerstört , obwohl es das bei weitem ist. Auch Marti, ahnungslos, dass es sich nicht bis in das Wirtshaus rumgesprochen hat, wie ärmlich er haust, fragt wie „dumm“ der andere „tun würde“, also dass sich Manz im Moment verstellen und eigentlich Bescheid wissen würde. Die alten Männer bezeichnen sich gegenseitig laufend mit Tiernamen, was von ihrer Argumentlosigkeit zeugt, sie wissen sich nicht anders zu helfen, als sich gegenseitig zu beleidigen. Jetzt reicht auch die Aggression der Väter aus, einen Weg zueinander zu suchen und Marti springt wie ein „Tiger“ am Fluss entlang, er wird diesmal von Keller mit einem Tier verglichen und zur Zeit verhält er sich mit seiner aufkochenden Wut auch dementsprechend - auf seiner Seite liegt in dem Moment auch der größere Groll, da Marti immer noch die Ansicht vertritt, dass es Manz mit seinem Wirtshaus wesentlich besser ginge als ihm, er genügend Essen und Trinken habe und er auch ein „kurzwelligeres“ also amüsanteres oder belebteres Leben führe .
Sali hingegen ist im Moment nur an Vrenchen interessiert und möchte natürlich wissen, was denn aus ihr geworden sei. Er betrachtet es eifrig, doch das Mädchen versteckt sich, „vor Scham in die Erde sehend“, hinter ihrem Vater. Vrenchen ist es einerseits peinlich, dass sie so verarmt ist und gezwungen ist, von Sali mit schäbiger Kleidung und beim Fischen gesehen zu werden, andererseits schämt sie sich aber sicher auch für das sehr kindische, störrische und vor allem fehlerhafte Verhalten ihres Vaters. Sie quält sich ungemein mit der Situation und dadurch, dass sie nicht aufblickt, wird ihr Unwohlsein auch nicht durch Salis gleichen Schicksalszustand gemildert. Vrenchen sieht nicht, dass es Sali im Moment ähnlich schlecht geht und sie grämt sich für Zustände, an denen sie keine Schuld trägt. Sicher hängt das auch mit ihrer Erziehung zusammen, in der das Ansehen vor anderen Leuten immer eine große Rolle gespielt hat. Während Sali voller Entzücken „die anmutige und schlanke Gestalt Vrenchen’s“ betrachtet und dieses immer noch mit gesengten Haupt den Fluss entlang läuft, bemerken beide nicht, dass die beiden Alten sich zunehmend nähern. Nun fügt Keller noch ein Naturbild ein, dass das einsetzende Gewitter mit all seiner Dunkelheit und Nässe schildert. Die beiden begegnen sich auf dem Steg und beginnen sich mit dem einsetzenden Krachen und Grollen des Donnern und Blitzens zu prügeln. Wie zwei Tiere, also wie sich am Szenenanfang beschimpft hatten, gehen sie aufeinander los und Keller schildert den Zorn und die Wut in den bleichen Gesichtern. Sogleich nimmt er, wie sehr selten in diesem Werk eine Wertung vor. In einem Erzählerkommentar äußert er sich wie folgt: „Es ist nicht Anmutiges und nichts weniger als artig, wenn sonst gesetzte Menschen noch in den Fall kommen, aus Übermut, Unbedacht oder Notwehr unter ..., Schläge auszuteilen oder welche zu bekommen; allein dies ist harmlose Spielerei gegen das tiefe Elend,.., wenn diese aus innerster Feindschaft und aus dem Gange einer ganzen Lebensgeschichte heraus sich mit nackten Händen anfassen und mit Fäusten schlagen.“. Keller erachtet es als tiefste Demütigung und Erniedrigung, wenn sich zwei erwachsene , gesittete Menschen prügeln und er lässt erstaunlicherweise eine Kritik verlauten, die auf seine eigene Meinung schließen lässt. Er kommentiert und wertet das Verhalten der beiden Alten und beschreibt damit, wie tief sie eigentlich, auch moralisch gesunken sind. Vor zwölf Jahren als beide noch Freunde und Besitzer von Land und
Eigentum waren, hätte sich eine solche Schlägerei nie ereignet, verdeutlicht wird also die enorme Veränderung im Denken der beiden Bauern. Keller bezieht demnach Stellung und rückt die Schlägerei in Leseraugen von einem neutralen in ein sehr negatives Licht. Jetzt nimmt der Autor einen Rückblick vor, in dem er das „Anfassen mit nackten Händen“ mit Schlägereien beider als Kinder und Händeschütteln zum Gruße in der„guten Zeit“ - diese steht bezeichnend für die positive Vergangenheit und die negative Veränderung in dem Leben der Bauern. Doch auch das Reichen der Hände, wäre eher selten gewesen wegen Manz’ und Marti’s „trockenen und sicheren Wesen“, diese Beschreibung ist ebenfalls gegenteilig, da beide jetzt beide weder das eine noch das andere sind, außerdem spielt Keller wieder auf das „Gehen lassen“, wie in seiner Autorenkritik bemerkt, an.
Die Rangelei beschreibt Keller nun als sehr behäbig, er nutzt Partizipien wie „aufstöhnend“ und „elendig knirschend“, durch ihr hohes Alter haben beide nicht mehr viel Kraft und die Prügelei wirkt eher lächerlich als sinnbringend. . Es besteht Parallelität zur Anfangssituation des Stückes, Manz und Marti sind wie in der ersten Szene wieder völlig gleichgesetzt, sie begegnen sich an gleicher Stelle für die gleiche Aktivität, sind beide verarmt und keiner schafft es so richtig, den anderen im Kampf zu besiegen.
Die Kinder eilen nun herbei und mit der Bezeichnung als „erbärmlichen Auftritt“ gibt Keller erneut ein Urteil über das Verhalten Manz’ und Marti’s. Sali folgt seinen ganz natürlichen Instinkten und ist sofort auf der Seite seines Vaters um ihm beizustehen und gegen den gemeinsamen Feind vorzugehen, auch Vrenchen eilt zu ihrem Vater, da gegen Sali und Manz Marti gar keine Chance hätte und sowieso gerade zu unterliegen schien. Die Tochter stellt sich schützend vor Marti und ist so eigentlich eher Belastung für den Vater als dass sie ihm beim Gewinnen der schlägerischen Auseinandersetzung hilft, sie wirft sich an ihren Vater und weint. Statt weiter auf Vrenchen’s Vater loszugehen, hält Sali hingegen seinen eigenen auf, dies geschieht unwillkürlich, was heißt, das es nachvollziehbar und sogar absehbar ist, da sich der junge Mann schon längst in das Mädchen verliebt hat und natürlich Rücksicht auf sie nimmt und sie schützen will. Damit, dass er Vrenchen in dem Moment hilft, überreicht Sali ihm ein Friedensangebot und es ist ganz klar, dass die Feindschaft nur zwischen den Vätern und nicht ihnen beiden besteht. An dieser Stelle erfolgt die erste Geste des Ausdruckes seiner Liebe zu Vrenchen und sein Mitleid mit ihm, in der Situation ist es ihm vorbestimmt keinesfalls gegen Marti vorzugehen und damit auch seiner Tochter seelischen Schmerz zuzufügen, sondern seinem Gefühl und seinem Verstand zu folgen und sowohl Marti, als auch Manz und vor allem das zarte Vrenchen zu schützen, er ist in diesem Moment eigentlich die Person, der die Gewalt über das Schicksal aller drei Anderen und seines eigenen obliegt, da er klar bei Verstand und nicht vom Zorn verblendet und auch körperlich am besten statuiert ist. Vorrangig ist dafür aber hauptsächlich Vrenchen, es ist zu bezweifeln, ob ohne jenes Sali ebenso gehandelt hätte, Tatsache ist, dass sich in dieser Szene Manz und Marti sprichwörtlich zu ewigem gegenseitigen Hass verschwören, die positive Beziehung zwischen den beiden Kindern aber ersichtlich ist, sie halten in dem Moment zusammen, beziehungsweise Sali hält zu Vrenchen, was zeigt, dass sie über dem Streit ihrer Eltern stehen und dieser keinen Einfluß auf die Entwicklungsnahme ihres Verhältnisses zueinander hat. Es wird unvorstellbar, dass sich Sali und Vrenchen in solch’ bösen Streit verfallen wie Manz und Marti, sie vertreten eine Opferrolle und leiden an den sie umgebenden Umständen enorm, so dass sie aber wenigstens durch ihr momentanes Zusammenhalten etwas erreichen können. Sie befinden sich nun nämlich zwischen ihren Vätern und verhindern so, dass Manz und Marti aufeinander losgehen - diese Geste steht nicht nur körperlich, nein auch ideell für die Position Vrenchen’s und Sali’s zwischen ihren beiden Elternteilen, dabei kommen sie sich näher und berühren sich. Keller baut nun wieder einmal ein Naturbild ein, um die nahe Begegnung der sich gerade Verliebenden zu untermalen. Er beschreibt mit einem Wolkenriss und durchbrechenden Sonnenstrahlen das Umweltschauspiel, verdeutlichend für die aufkeimenden Liebe zwischen dem jungen Mann und dem Mädchen. Sie schauen sich an und Sali ist überrascht über die
Schönheit des Mädchens, was diese bemerkt und ihn anlächelt zwischen Schrecken und Tränen. Sie vergisst für einen Moment die missliche Lage, in der sie sich befindet und diese Stelle ist auch der Punkt , an dem sie sich ineinander verlieben und der Anfangspunkt ihres zwar misslich verlaufenden gemeinsamen Schicksals, das aber in der einzig vorstellbaren Lösung, in der beide glücklich sind, endet.
„Geweckt durch die Anstrengungen seines Vaters“ ist Sali jedoch gezwungen, Abstand von Vrenchen zu nehmen und ihn wegzuschieben. Auch Manz und Marti scheinen allmählich aufzugeben, beschimpfen sich zwar noch und schreien sich an, lassen sich aber dazu bringen, den Ort zu verlassen. Vrenchen und Sali reichen sich während dieser Trennung noch einmal die „nassen, feuchten Hände“. Diese Geste besiegelt die aufgekommenen Gefühle und verdeutlicht einen gewissen Frieden. Es ist absehbar, das dies nicht die letzte Begegnung Sali’s und Vrenchen’s ist und in dieser Szene die Liebesbeziehung ihren Anfang findet. Manz und Marti haben hingegen Versieglung ihrer Feindschaft vorgenommen, da sie diesmal sogar soweit gegangen sind sich zu schlagen, was unter ihrer Würde und ihrem Niveau liegt und verdeutlicht, wie groß der Hass sein muss.
Keller verwendet etliche Naturbilder und nutzt diese zur Untermalung der jeweiligen Situation: tosende, dunkle Fluss und das aufkommende Gewitter für die Feindschaft der Väter und die durchbrechende Sonne und das Licht für die Liebe zwischen den Kindern. Besonders ist auch der Erzählerkommentar in der Mitte der Szene, in der Keller seine eigene Meinung einbaut und dem Verhalten Manz’ und Martis’ eine negative Würze verleiht. Die Situation ist die erste Begegnung und der Anfang der Liebschaft zwischen Vrenchen und Sali und das letzte Aufeinandertreffen der verfeindeten Väter. Zwar endet die Novelle wie im Original-Romeo-und-Julia-Stoff mit dem Tod der beiden Liebenden, jedoch ist dies in dem Sinne nicht tragisch, da beide dies als einzige Lösung gemeinsamen Glückes sehen und auch für den Leser dieser Ausschied als vorabsehbar und damit nicht abrupt oder überraschend erfolgt. Auch wird hier erneut das Ziel Gottfried Kellers mit „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ deutlich, die Gesellschaftskritik, speziell an der Sturheit und Uneinsichtigkeit der Menschen, die ihre Fehler lieber bis ins Verderben an anderen Menschen suchen statt sie sich selber einzugestehen. 2342 Wörter
Arbeit zitieren:
Stefanie Mauksch, 2000, Keller, Gottfried - Romeo und Julia auf dem Dorfe - Interpretation der Brückenszene, München, GRIN Verlag GmbH
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Gottfried Keller
Romeo und Julia auf dem Dorfe. Mit Materialien
Gottfried Keller, Johannes Diekhans, Helge Wilhelm Seemann
ELLAS
SCHEISSE LANG.
Moin steffi,
zwar verdammt grandios, solch Interpretation ins Netz zu stellen, leider jedoch saehr unbrauchbar, da viel zu lang+muehselig zu lesen.Kannste mir vielleicht ne Kurzfassung mailen? Aber bitte zuegig!! DANKE Ella
am Saturday, April 06, 2002-