1.3. Wirkung / Ziel
Ziel der nationalsozialistischen Regierung war es, Gebäude zu errichten, die Jahrhunderte überdauern, die monumental stellvertretend für das Regime stehen, Anhaltspunkt und Identifikation für die Bürger des „Neuen Reichs“ darstellen und Zweckmäßigkeit erfüllen.
In Speer hatte Hitler einen Architekten gefunden, der seine Vorstellungen für die Errichtung von Steinmonumenten als Symbol für germanische Architektur in die Realität umzusetzen vermochte. Man fand, daß es den Städten zu jener Zeit an gesellschaftlichen Wahrzeichen fehlte und wollte eben jene als Emblem errichten, vor allem, um das Nationalgefühl zu stärken. Die einfachen Gebäude sollten ebenso das „klare Denken“ inspirieren.
1.4. Beispiele für nationalsozialistische Architektur
Flughafen Tempelhof, Berlin
Er wurde durch den Entwurf Ernst Sagebiels zeitgemäß im sachlich - modernen Stil errichtet. Er sah 49 zum Komplex gehörende Einzelbauten vor, die Form des Rollfeldes ist fast elliptisch. Es folgt ein Zitat einer Website (Geschichte und Zukunft des Flughafen Tempelhofs):
“Der Bogen beinhaltet den 380 m langen und 49 Meter tiefen, überdachten Flugsteig und an den Enden sieben Flugzeug- und Werkstatthallen, die gesamte Länge der Front betrug 1.230 Meter. Zur Stadtseite hin gruppieren sich Flügelbauten um einen rechtwinkligen Gebäudekomplex, dessen Herzstück die Abfertigungs- und Empfangshalle darstellt. Vor dieser befindet sich ein großer nach Nordwesten offener Hof. Die Seitenflügel selbst schließen an die Randbebauung eines runden Platzes in der Kreuzung der zum Rollfeld tangentialen Straße an. Sagebiel versuchte mit seiner Konzeption des Flughafengebäudes, die zeitgenössischen Ansprüche ans Monumentale und die städtebaulichen Vorstellungen der Neugestaltung der Reichshauptstadt zu realisieren sowie der künftigen Entwicklung der Luftfahrt Rechnung zu tragen. Ihm ist deutlich der Einfluß nationalsozialistischen Stilempfindens anzumerken, gepaart jedoch mit Zügen der modernen Architektur der frühen 30er Jahre, die sich der Sachlichkeit verpflichtete. Deutlich wird dies bspw. in der Konstruktion der Kragarme für die Flugsteig- und Wartungshallen, sie reichen 40 Meter über das Flugfeld und 9 Meter über den Flugsteig. Gerade dieser Gegensatz von nationalsozialistischem Pathos, wie die Front der Eingangshalle es zeigt, und den baukonstruktiven Innovationen macht die Besonderheit des Gebäudes, seine Denkmalwürdigkeit aus.
Die gesamte Anlage ist an einer Achse orientiert, die über die Ellipse des Rollfeldes, die zentrale Haupthalle, den Vorhof und den runden Platz führt und den Flughafen symmetrisch teilt. Sie sollte durch eine architektonisch gestaltete Parkanlage bis hin zum Kreuzbergdenkmal fortgesetzt werden.
Der gesamte Flughafen war auf das dreißigfache seines tatsächlichen Bedarfs ausgelegt und stellte hinsichtlich der Erschließung und inneren Organisation die großzügigste und modernste Anlage seiner Zeit in Europa dar. Sagebiel trennte Besucherebene, Passagierebene und die Frachtebene voneinander, ein Eisenbahntunnel reichte bis unter die Abfertigungshalle heran, um Schienen- und Flugverkehr miteinander zu verbinden. Zudem sollte das Flughafenareal nicht allein für Flugverkehr genutzt werden können, sondern auch zur Abhaltung von Flugtagen und den jährlich stattfindenden Reichsflugtagen. Dazu waren auf dem Dach des Flugsteiges riesige Tribünen vorgesehen. Der Flughafen insgesamt hatte eine Fläche von ca. 4 km², wovon 147.500 m² überbaut waren. Das befestigte Hallenvorfeld nahm 671.400 m² ein. Die Fertigstellung des Flughafens war für 1939 geplant, doch machte der 2. Weltkrieg dies unmöglich, der Bau wurde 1942 eingestellt, währenddessen seine Gebäude teilweise zu Kriegszwecken genutzt wurden, der Flugverkehr wurde in dieser Zeit auf dem alten Flughafen von 1923 abgewickelt.”
Die Alte und Neue Reichskanzlei, Berlin
1934 hatte sich Hitler laut einer Primärquelle (einem Aufsatz aus „Die Reichskanzlei“, 2001) dazu entschlossen, das Haus, das Bismarck bereits als Reichskanzlerpalais (Palais Radziwill) kaufte, zu beziehen. Da es aber etwas verkommen zu sein schien, entschied sich Hitler zur allgemeinen Renovierung.
„So war das Gebäude 1934 im vollen Verfall begriffen. Decken und Böden vermodert, Tapeten und Fußböden verfault, das Ganze von einem kaum erträglichen üblen Geruch erfüllt. Der unterdes erfolgte Neubau der Reichskanzlei als Bürobau am Wilhelmplatz, der von außen den Eindruck eines Warenspeichers oder eines städtischen Feuerwehrgebäudes macht, glich im Inneren einem Sanatorium etwa für Lungenkranke, was allerdings auch wieder nicht zur Krankheit derer paßte, die in diesem Hause damals ihre Tätigkeit ausübten.“(A. Hitler, Aufsatz)
Zum Umbau der Reichskanzlei nach Prof. Troost, der nach seinem Tod von dem jungen Speer ersetzt wurde, gehörten das Verlegen der Wohn- und Empfangsräume in die Tiefparterre während der erste Stock für die praktischen Aufgaben in der Reichskanzlei vorgesehen war. Der Kongressaal wurde zum Kabinettssitzungssaal. Ein gewisser Prof. Gall entwarf dann einen Saal für Staatsempfänge, der 200 Personen fassen konnte.
Aus dienstlichen und vor allem repräsentativen Gründen beauftragte Hitler Speer am 11. Januar 1938 mit dem Neubau der Neuen Reichskanzlei in der Voßstraße. Er hatte als Endtermin den 10. Januar 1939 ausgesetzt, was hieß, daß Speer nur ein einziges Jahr für den Bau (plus Abriss und Planung) hatte.
Daß es Speer trotz der kurzen Frist geschafft hat, begründet Hitler mit Speers Genie und Planungseifer und mit der Zähigkeit und Leistung der Arbeiter. Die Ausstattung der Räume erfolgte durch Bildhauer, Maler und Innenraumgestalter.
Durch die Bombardements im 2. Weltkrieg stark beschädigt und von den kommunistischen Befreiungsmächten abgerissen ist von der Neuen Reichskanzlei heute nicht mehr viel übrig.
An ihrer Stelle in Treptow / Vosstraße stehen nun Wohnblöcke.
2.
2.1. Albert Speer (1905-1981)
Albert Speer, 1905 als Sohn eines wohlhabenden Architekten in Mannheim geboren, war Hitlers Architekt und von 1942 bis 1945 deutscher Rüstungsminister.
Er studierte an technischen Hochschulen in Karlsruhe, München und Berlin und bekam seine Lizenz als Architekt im Jahre 1927. Nachdem er 1930 in Berlin eine Ansprache Hitlers gehört hatte, trat er im Jahr 1931 der NSDAP bei und hatte damit einen Weg gefunden, sein Talent bei Hitler unter Beweis zu stellen. Kurz nachdem Hitler Reichskanzler wurde, ernannte er Speer als seinen persönlichen Architekten.
Belohnt wurde Speer mit zahlreichen Prestige fördernden Aufträgen, beispielsweise dem Ablauf des Programmes beim Nürnberger Kongress von 1934, von Leni Riefenstahl gefilmt, bei dem er unter anderem die Lichteffekte und Banner designte.
Da Hitler erkannte, daß in Speer ein großer Organisator steckte und er ihn inzwischen einen Vertrauten nennen konnte, ernannte er ihn 1942 zum Rüstungsminister. Unter seiner Direktion erlangte die ökonomische Produktion 1944 ihren Höhepunkt, trotzdem Deutschland von den Alliierten Mächten bombardiert wurde. In den letzten Monaten wandte sich Speer entschieden gegen Hitler und seinen Plan, die Industrieanlagen und lebenswichtige Einrichtungen zu zerstören. 1946 nach Ende des Krieges wurde Speer bei den Nürnberger Prozessen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er schrieb während seiner Zeit im Gefängnis seine Memoiren, wurde wohlhabend und präsentierte sich später gerne als jemand, der alles gewußt haben müßte, was passiert war, aber tatsächlich von nichts eine Ahnung hatte. In einem Anflug von Drolligkeit behauptete er sogar, er habe versucht, Hitler zu ermorden, was allerdings höchst unwahrscheinlich ist. 1966 wurde er aus dem Gefängnis in Spandau entlassen, 1981 verstarb er.
3. Quellen
Paul Schmitthenner; Die Baukunst im neuen Reich; München 1934 Albert Speer; Erinnerungen; Frankfurt/M, Berlin 9. Aufl. 1971
J. J. White; Albert Speer. The Hitler Years. Views of a Reich Minister; Diss Ball State University 1987 Anna Teut; Architektur im Dritten Reich 1933 - 1945; Berlin, Frankfurt/M, Wien 1967 diverse Internetressourcen
© k. doil 2001
Arbeit zitieren:
Karoline Doil, 2001, Architektur im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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