Otto - Friedrich Universität Bamberg Lehrstuhl für Politikwissenschaft I Proseminar: Modelle politischer Souveranität
'LHDEVROXWH9RONVVRXYHUlQLWlW
-HDQ-DFTXHV5RXVVHDX
Christian Weber
Semesterzahl: 03
Hauptstudienfach: Dipl.-Germanistik/Journalistik Nebenfach: Politik
2
,QKDOWVYHU HLFKQLV
1. Einleitung 3
2. Das Leben von Jean-Jacques Rousseau
und seine Grundauffassungen 4
3. Der Naturzustand 5
3.1. Der ursprüngliche gute Zustand 5
3.2. Umwandlung des Naturzustandes 6
3.3 Der Betrugsvertrag der Reichen 7
4. Der Gesellschaftsvertrag (contrat social) 8
4.1. Die Struktur des Gesellschaftsvertrages 8
4.2. Freiheit im Gesellschaftsvertrag 10
5. Der Gemeinwille (volonté générale) 10
5.1. Was Rousseau mit dem Gemeinwillen meint 10
5.2. Eigenschaften des Gemeinwillens 11
6. Gesetze 13
7. Die Regierung 15
8. Zusammenfassung 16
9. Literaturangaben 18
3
1. Einleitung
Jean-Jacques Rousseau vertrat in seiner Zeit eine revolutionäre Ansicht. Vom Volk solle alle Staatsgewalt ausgehen. Mit seinem „Contrat social“ stellte er ein Modell vor, wie nach seiner Vorstellung ein legitimer Staat begründet sein kann. Das Ziel der Theorie Rousseaus war es, die gewordene Ungleichheit der Menschen durch einen Zustand der gesellschaftlichen Gleichheit zu ersetzen. Rousseaus Intention ist darauf gerichtet, dem Individuum als Teil der Gemeinschaft eine echte neue politische Freiheit zu geben und es an allen Aktivitäten des Gemeinwillens mitwirken zu lassen. Zunächst beschäftige ich mich in dieser Arbeit mit der Person von Jean-Jacques Rousseau. Ich werde in einem kurzen Einleitungsteil auf das Leben von Rousseau eingehen, dabei darlegen, welche Grundauffassungen er gehabt hat, die sich dann später auch in dem „contrat sociale“ widerspiegeln. Danach untersuche ich sein Modell der absoluten Volkssouveranität, die er in dem „contrat sociale“ begründet. Um seine Erläuterungen nachvollziehen zu können, ist es wichtig, auf die Ausgangsposition seiner Überlegungen zurückzugehen. Deshalb stelle ich Rousseaus Vorstellungen vom Naturzu-stand vor, aus dem der Mensch sich erst in eine Gesellschaft begeben hat. Wie stellt sich Rousseau die Urgesellschaft vor, und wie sieht er deren Wandel? Was veranlaßt die Urmenschen überhaupt dazu, sich vertraglich in einer Gemeinschaft zusammenzuschließen?
Danach zeige ich, wie sich Rousseau die Struktur des Gesellschaftsvertrages vorstellt und wie er in einem gesellschaftlichen Zustand dennoch die individuelle Freiheit wahren will. Besonders wichtig ist auch der Begriff des Gemeinwillens, der bei Rousseau ein ganz zentraler ist. Als besonders interessant habe ich es empfunden, wie sich Rousseau, nachdem er sein politisches Modell vorgestellt hat, die konkreten politischen Abläufe in „seiner“ Republik vorstellt. Also wie es zu Gesetzen kommt, und welche Aufgaben der Regierung überhaupt noch bleibt?
4
2. Das Leben von Jean-Jacques Rousseau
und seine Grundauffassungen
Geboren wurde Jean-Jacques Rousseau am 18. Juni 1712 in Genf, gestorben ist er am 2. Juli 1778 in der Nähe von Paris. Er wuchs als Halbwaise bei Verwandten auf. Seine Mutter starb wenige Tage nach seiner Geburt und er erlebte eine unglückliche Kindheit. So riß er mit 16 Jahren von zu Hause aus. Auch sein weiteres Leben war geprägt von einer anhaltenden Unruhe, immer wieder erlitt er echtes und eingebildetes Unglück. Mit seinen Freunden und Gegner lieferte er sich immer wieder heftige Auseinandersetzungen. Entweder arbeitet Rousseau fieberhaft, oder er versinkt in Träume und bloßes Dahinleben oder bricht wegen der „ bösen“ Welt zusammen. 1742 zieht er nach Paris, wo er seinen Lebensunterhalt unter anderem als Hauslehrer bestreitet. Zeitweise war er auch Gesandtschaftssekretär in Venedig. „ Zurück zur Natur“ ist ein berühmter Satz von Rousseau. Damit meint er die Natur des Menschen. Der Fortgang der Wissenschaft und der Künste ist für ihn Verfall im Menschlichen. Seiner Ansicht nach widerspreche es der Natur, wenn wenige Menschen im Überfluß lebten, und anderen das Notwendigste fehlt.
Er ist der Meinung, jeder Mensch hat in der Seele ein angeborenes Prinzip der Gerechtigkeit und der Tugend, denen der Mensch sein eigenes Handeln und das gegenüber anderen Personen unterzieht. Dieser Teil der Seele ist für ihn das Gewissen. Rousseau war auch Theoretiker der Erziehung. Man solle die guten Anlagen der Kinder fördern und die schlechten Einflüsse der Gesellschaft von ihnen fernhalten. Selbst hatte Rousseau sechs uneheliche Kinder, die er aber nicht selbst erzog, sondern die er in einem Waisenheim aufziehen ließ.
1756 verließ Rousseau Paris und zog in die Abgeschiedenheit von Montmorency, wo er 1762 den einflußreichen Erziehungsroman „ Emil, oder über die Erziehung“ schrieb. Dadurch geriet Rousseau in Konflikt mit französischen und schweizerischen Behörden, woraufhin er 1762 zunächst nach Preußen und dann nach England floh. Seine Bücher wurden öffentlich verbrannt und
5
er witterte eine allgemeine Verschwörung gegen sich. 1768 kehrte er unter dem Decknamen „ Renou“ nach Frankreich zurück und stirbt am 2. Juli 1778 in Ermenonville (Frankreich).
Schon 1755 schrieb er den Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen. 1762 schließlich folgte die politische Abhandlung „ Der Gesellschaftsvertrag oder die Grundregeln des allgemeinen Staatsrechts“ , in dem er begründet, warum die politische Organisation auf einem Gesellschaftsvertrag gründet. 1
3. Der Naturzustand
3.1 Der ursprüngliche gute Zustand
Wie schon vor ihm Hobbes, so geht auch Rousseau vom herrschaftslosen Zustand aus - dem Naturzustand. Von diesem fiktiven Zustand aus kann er die geschichtliche Entwicklung des Gesellschaftsvertrages erklärbar machen. In den frühen Formen des Menschendaseins gab es nach Rousseau keine Sprache und keine Gesellschaft.
Ä(U>5RXVVHDX@GHQNWVLFKYRP]HLWJHQ|VVLVFKHQ0HQVFKHQDOOHVGDV ZHJZDVDXVGHP/HEHQLQGHU*HVHOOVFKDIWXQGGXUFKGLH*HVHOO VFKDIWDOOHUHUVWHQWVWDQGHQVHLQNDQQVRJHODQJWHU]XPLVROLHUWOH EHQGHQKRPPHQDWXUHO³
Der Mensch im Naturzustand wurde nach Rousseau nur von Instinkten und Trieben geleitet und hatte keine Vernunft, die erst im späteren menschlichen Zusammenleben entstanden seien. Der stärkste natürliche Trieb sei der der Selbsterhaltung gewesen. Der Naturzustand bedeutete Freiheit für die Menschen. Sie waren unabhängig voneinander, stellten die Güter, die benötigten, selbst her und lebten nach Rousseau glücklicher als in der heutigen Kulturgesellschaft. Daß der Naturmensch auf niemand anderes angewiesen war außer auf sich selbst, kennzeichnet nach Rousseau seine Freiheit. Er zeich- 1 BiographischeDaten entnommen aus „ Encarta Enzyklopädie 98“ von Microsoft (CD-
Rom), Stichwortverzeichnis „ Jean-Jacques Rousseau - Politische Schriften“ .
2 Fetscher, Iring: Rousseaus politische Philosophie. Zur Geschichte des demokratischen
Freiheitsbegriffs. Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied 1960, S. 9.
Arbeit zitieren:
Diplom-Germanist Christian Weber, 1999, Die absolute Volkssouveränität: Jean-Jacques Rousseau, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 15 Seiten
Legitimität und rationale Diskurse - Öffentliche Kommunikation in der ...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 12 Seiten
Rolle der regionalen Interessen im Rahmen der EU-Haushaltsverhandlunge...
VWL - Internationale Wirtschaftsbeziehungen
Seminararbeit, 17 Seiten
Karl Marx - der größte Denker des Industriezeitalters?
Das Gesellschaftsmodell von Ka...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 20 Seiten
War Rousseau ein Befürworter der Demokratie?
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Das Menschenbild Marx´ und seine Relevanz für das Konzept der menschli...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 12 Seiten
Kommentar zu Jürgen Habermas "Die postnationale Konstellation&quo...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Rezension / Literaturbericht, 7 Seiten
Gemeinwille und Staat bei Rousseau
Überlegungen zu den praktische...
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Seminararbeit, 28 Seiten
Die Entwicklung des EU-Haushaltssystems – Eine kritische Analyse
VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik
Seminararbeit, 29 Seiten
Grundzüge der Marxschen Theorie
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Referat (Ausarbeitung), 20 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine juristische Hausarbeit für OpenOffice...
Ausarbeitung, 24 Seiten
Jean-Jacques Rousseau in der Kritik
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 20 Seiten
Jean-Jacques Rousseau – theoretischer Vordenker des Totalitarismus? D...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Ist "A theory of justice" nur eine Utopie?
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Mobbing- Ein Einblick in das Mobbing in der Schule
Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft
Hausarbeit, 35 Seiten
Mobbing in der Schule - Eine Herausforderung für Lehrer und Schüler
Examensarbeit, 93 Seiten
Ch. W. hat den Text Die absolute Volkssouveränität: Jean-Jacques Rousseau veröffentlicht
Ch. W. hat einen neuen Text hochgeladen
Jean Jacques Rousseau: Emile: His Educational Theories Selected from E...
Jean Jacques Rousseau, R. L. Archer, S. E. , Jr. Frost
Jean Jacques Rousseau Political Writings: Containing the Social Contra...
Jean Jacques Rousseau, Patrick Riley, Frederick Mundell Watkins
0 Kommentare