Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich
In nur sieben Tagen, vom 9. März bis 15. März 1938 vollzog sich das Schicksal der ersten Republik Österreich. Die Einverleibung Österreichs war der erste Griff Hitlers über Deutschlands Grenzen hinaus. Als deutsche Truppen in der Nacht vom 11. auf den 12. März die österreichische Grenze überschritten. Stießen sie auf keinen Widerstand, vielmehr schlug ihnen eine Welle der Begeisterung entgegen. Auf Drängen Hermann Görings hin und dem überschwänglichen Jubel der Bevölkerung begrub Hitler seine Pläne die Österreich eine gewisse Selbstständigkeit gelassen hätte und schloss es gleich an das Deutsche Reich an. Das Ausland sah tatenlos zu. Jugoslawien und Rumänien schickten sogar Glückwunschtelegramme nach Berlin. Einzig und alleine Mexiko legte im Völkerbund Protest ein. Auf dem Hedenplatz standen mehr als eine Viertelmillionen Menschen und in den Strassen durch die Hitler kommen sollte, warteten noch mal Hunderttausende am 15. März 1938. Um 11 Uhr dann begann Hitler mit seiner Rede zu der jubelnden Masse: „Deutsche! Männer und Frauen!
In wenigen Tagen hat sich innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft eine Umwälzung vollzogen, die wir heute wohl in ihrem Umfange sehen, deren Bedeutung aber erst spätere Geschlechter ganz ermessen werden.
Es ist in den letzten Jahren von den Machthabern des nunmehr beseitigten Regimes oft von der besonderen "Mission" gesprochen worden, die in ihren Augen dieses Land zu erfüllen hätte. Ein Führer der Legitimisten hat sie in einer Denkschrift genau umrissen. Nach ihr war es die Aufgabe dieser sogenannten Selbständigkeit des Landes Österreich, die in den Friedensverträgen fundiert und von der Gnade des Auslandes abhängig war, die Bildung eines wahrhaft großen Deutschen Reiches zu verhindern und damit den Weg in die Zukunft des deutschen Volkes zu verriegeln. Ich proklamiere nunmehr für dieses Land seine neue Mission. Sie entspricht dem Gebote, das einst die deutschen Siedler aus allen Gauen des Altreiches hierher berufen hat: Die älteste Ostmark des deutschen Volkes soll von jetzt ab das jüngste Bollwerk der deutschen Nation und damit des Deutschen Reiches sein. Jahrhunderte lang haben sich in den unruhevollen Zeiten der Vergangenheit die Stürme des Ostens an den Grenzen der alten Mark gebrochen. Jahrhunderte lang, für alle Zukunft soll sie nunmehr ein eiserner Garant sein für die Sicherheit und Freiheit des Deutschen Reiches und damit ein Unterpfand für das Glück und für den Frieden unseres großen Volkes.
Und ich weiß: die alte Ostmark des Deutschen Reiches wird ihrer neuen Aufgabe genauso gerecht werden, wie sie die alte einst gelöst und gemeistert hat. Ich spreche im Namen der Millionen dieses wunderschönen deutschen Landes, im Namen der Steirer, der Nieder- und Oberösterreicher, der Kärntner, der Salzburger, der Tiroler und vor allem im Namen der Stadt Wien, wenn ich es den in diesem
2
Augenblick zuhörenden 68 Millionen übrigen deutschen Volksgenossen in unserem weiten Reich versichere:
Dies Land ist deutsch, es hat seine Mission begriffen, es wird diese erfüllen, und es soll an Treue zur großen deutschen Volksgemeinschaft von niemandem jemals überboten werden.
Unsere Aufgabe aber wird es nun sein, durch Arbeit, Fleiß und gemeinsames Einstehen und Zusammenstehen die großen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aufgaben zu lösen, vor allem aber Österreich immer mehr zu einer Trutzburg nationalsozialistischer Gesinnung und nationalsozialistischer Willenskraft zu entwickeln und auszubauen.
Ich kann diesen Appell an Sie aber nicht schließen, ohne nun der Männer zu gedenken, die es mir mitermöglicht haben, die große Wende in so kurzer Zeit mit Gottes Hilfe herbeizuführen.
Ich danke den nationalsozialistischen Mitgliedern der Regierung, an ihrer Spitze dem neuen Reichsstatthalter Seyß-Inquart. Ich danke den zahllosen Parteifunktionären, ich danke aber vor allem den ungezählten namenlosen Idealisten, den Kämpfern unserer Formationen, die in den langen Jahren der Verfolgung bewiesen haben, dass der Deutsche, unter Druck gesetzt, nur noch härter wird. Diese Jahre der Leidenszeit haben mich in meiner Überzeugung vom Wert des deutschösterreichischen Menschen im Rahmen unserer großen Volksgemeinschaft nur bestärkt. Die wunderbare Ordnung und Disziplin dieses gewaltigen Geschehens ist aber auch ein Beweis für die Kraft der diese Menschen beseelenden Idee. Ich kann somit in dieser Stunde dem deutschen Volke die größte Vollzugsmeldung meines Lebens abstatten:
Als Führer und Kanzler der deutschen Nation und des Reiches melde ich vor der Geschichte nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich! Deutschland und sein neues Glied, die Nationalsozialistische Partei und die Wehrmacht unseres Reiches - Sieg Heil!“
Der nicht enden wollende Jubel der Masse war ein bestürzendes und beschämendes Zeugnis dafür, auf welch furchtbaren Boden die nationalsozialistische Propaganda in Wien gefallen war.
Ernst Jandl schrieb einen Zeitungsbericht der am 16. März 1938 in der Klagenfurter Zeitung veröffentlicht wurde über die Tage vor Hitlers Auftritt auf dem Heldenplatz. Ich denke dass gerade solche Berichte am besten wiedergeben können was damals die Wiener gefühlt und gedacht haben:
3
Aber die Zeit bleibt! Die große, die herrliche Zeit deutscher nationaler Erhebung! Sie ist es wert, die Bitterkeit miterlebt zu haben, denn dadurch ist sie vor aller Welt geheiligt worden.“
Als es keinen Hitler mehr gab und die Wiener sich in der Kunst des Verdrängens übten, meinten ein paar hiesige Erinnerungskünstler, Hitler hätte ja bloß ein paar Genossen aus dem Altreich sowie vor ein einigen zufällig des Weges gehenden Wienern gesprochen.
Das dem nicht so war, kann man ja schon anhand der Photos sehen. Doch nicht alle Österreicher jubelten tatsächlich. Zehntausende wurden Opfer erster Verhaftungswellen, die unmittelbar nach dem Einmarsch durch die Geheime Staatspolizei vorgenommen wurden. Und acht Jahre später war Wien von den Zerstörungen des Krieges schwer gezeichnet.
Quellen:
- „Wien Heldenplatz- Mythen und Massen“ von Alisa Douer
- „Wien- Literarische Spaziergänge durch die Vergangenheit und Gegenwart“ von Richard Miklin
- „Ein Volk, ein Reich , ein Führer! - der Anschluss Österreichs 1938“ von Gerhard Tomkowitz und Dieter Wagner
- „Wien und Umgebung“ von Bepp Beyerl Rebecca Manz EG 12/1
6
Arbeit zitieren:
Rebecca Manz, 2001, Der Heldenplatz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Bernhard, Thomas - Heldenplatz - Die Politisierung des Theaters im Stü...
Referat / Aufsatz (Schule), 11 Seiten
Über Thomas Bernhards „Heldenplatz“
Konfrontation der österreichis...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Rebecca Manz hat den Text Der Heldenplatz veröffentlicht
Rebecca Manz hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare