3) Stellen Sie Michaels Biografie stichwortartig dar.
- wird 1943 geboren
- hat eine jüngere und eine ältere Schwester und einen älteren Bruder
- Mutter ist Hausfrau und der Vater ist Philosophieprofessor
- Mit 15 (1958) bekommt er im Oktober Gelbsucht
- im Februar 1959 beginnt das Verhältnis zwischen ihm und der wesentlich älteren Hanna Schmitz
- April 1959 Fahrradtour mit Hanna
- Sommer 1959 Hanna verschwindet spurlos, Ende der Beziehung
- 1966 beginnt er sein Jurastudium und trifft Hanna zufällig wieder (Beginn der Gerichtsverhandlungen)
- Michael weiß, dass Hanna Analphabetin ist, sagt es aber nicht den Richtern, was möglicherweise strafmildernd hätte sein können. Hanna bekommt lebenslänglich
- 1967/86 lernt er Gertrud kennen, heiratet sie ein Jahr später und bekommt mit ihr eine Tochter (Julia)
- Er vergleicht Gertrud mit Hanna, kann diese nicht vergessen und läßt sich von Gertrud scheiden, als Julia fünf Jahre alt ist.
- Michael nimmt Kassetten für die inhaftierte Hanna auf
- Hanna ist sehr dankbar, lernt mit Hilfe der Bänder lesen und schreiben und schreibt ihm einen Brief
- er hat nur durch die Tonbänder noch indirekten Kontakt zu ihr (schreibt nicht zurück)
- 1984 Brief von der Gefängnisleitung: Michael soll Hanna nach der Entlassung betreuen
- Hanna begeht am letzten Tag der Haft Selbstmord
- Hanna hat auch als sie nicht da war Michaels Leben bestimmt. Er wurde sehr stark geprägt von ihr. Er konnte nicht ohne sie glücklich werden und ihr Verschwinden und dann der Tod haben tiefe Wunden hinterlassen.
4) Die Beziehung zwischen Hanna und Michael ist ungewöhnlich, was bedeutet der eine für den anderen? Wie beurteilen Sie das Verhältnis der beiden zueinander.
Die Beziehung zwischen Hanna und Michael ist geprägt durch die Dominanz Hannas. Sie ist die, die Michael zeigt wo es langgeht und ihn führt. Hanna ist für ihn eine Autoritätsperson. Er ist ihr hörig und unterwürfig. Wenn sie sich streiten ist er der, der nachgibt, weil Hanna ihn sonst mit Ignoranz und Liebesentzug straft. Dieser Liebesentzug trifft ihn sehr. Da man Hanna auch als eine Art Mutterersatz sehen kann, ist es vergleichbar mit einer Mutter, die ihrem Sohn die Zuneigung verweigert. Michael sucht die Schuld bei sich, denn er kann auf die sexuelle Befriedigung und die Geborgenheit, von der er glaubt, dass Hanna ihm sie gibt, nicht verzichten.
Da Hanna 21 Jahre älter ist als er stellt sie einen Mutterersatz dar. Sie sorgt dafür, dass Michael sich in der Schule anstrengt und das Schuljahr, von dem er so viel durch seine Krankheit verpaßt hat, noch schafft. Sie möchte nicht das Michael so endet wie sie selbst ( bezogen auf ihren Analphabetismus). Ich denke Hanna gebraucht Michael als Vorleser und vielleicht verleiht es ihr auch Selbstbewußtsein, weil sie mit einem jüngeren "Mann" schläft. Für Hanna ist Michael eigentlich nur eine Belastung, da sie ihren Analphabetismus vor ihm verheimlichen muß, was sicherlich nicht besonders leicht ist. Vielleicht ist Hanna auch nur mit Michael zusammen, weil auch sie diese sexuelle Befriedigung braucht und es mag die dominante, herrschende zu sein. Bei einem Mann in ihrem Alter wäre das sicher nicht so leicht möglich gewesen, denn er hätte gewußt, was ihm zusteht, wie Liebe und Beziehung funktioniert. Er hätte viel mehr eingefordert als Michael. Dieser hat sich zum Beispiel nie getraut, Hanna zu fragen, was sie in der Zeit macht, in der sie sich nicht sehen. So wäre es für Hanna nicht so einfach gewesen ihren Analphabetismus zu verbergen.
Für Michael ist Hanna seine einzige Bezugsperson, denn zu seiner Familie und seinen Klassenkameraden sucht er keinen engeren Kontakt. Meiner Meinung nach war die Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Hanna kann ihre Gefühle nicht zeigen, aber Michael braucht jemanden, der ihm zeigt was Liebe ist. Er wünscht sich Zuneigung und Geborgenheit und hofft oder glaubt sie von Hanna zu bekommen. Um dieses zu erreichen, läßt er sich erniedrigen und demütigen. Michael hat sich durch Hanna von seinem Elternhaus getrennt und sie führt ihn in einen neuen Abschnitt seines Lebens: der des Erwachsenseins. Gerade weil dieser Abschnitt neu für Michael ist prägt Hanna sein Verhalten in dieser Zeit. Er wird von ihr abhängig, so wie kleine Kinder von ihren Eltern abhängig sind.
Hanna hat kein Problem damit, dass sie sich nicht in der Öffentlichkeit zusammen sehen lassen. Ganz im Gegenteil sie will dies sogar. Auch Michael erzählt nie was von Hanna, er verleugnet sie sozusagen. Beide treffen sich nur zum Lesen, Duschen und Lieben aber dann trennen sich die Wege wieder. Was Hanna neben ihrem Job bei der Straßenbahn macht, weiß man nicht. Michael geht in die Schule und trifft sich mit seinen Freunden im Schwimmbad. Später macht er sich Vorwürfe, weil er meint Hanna, verraten zu haben.
Als Hanna dann Jahre später aus der Haft entlassen werden soll bringt sie sich um. Vielleicht, weil sie es nicht ertragen hätte abhängig von Michael zu sein. Es wäre demütigend für sie gewesen, weil sie nur die dominante Rolle kennt.
5) Lesen Sie nochmals die Episode über den Streit im Hotelzimmer. Hanna zittert vor Wut und ist weiß im Gesicht. Welche Gedanken mögen ihr durch den Kopf gegangen sein, als sie Michael beim Aufwachen nicht im Hotelzimmer sieht? Entwerfen Sie dazu einen inneren Monolog Hannas.
Wo zum Teufel ist der Junge? Er hat mich einfach verlassen! Schämt er sich etwa für mich? Bestimmt bin ich ihm plötzlich zu alt... oder hat er es etwa rausgefunden?? Ist der Zettel nur noch aus Hass geschrieben und er weiß wie es mich wütend macht ihn nicht lesen zu können. Er muss mich wirklich hassen, weil er mich wohl wirklich gern hat und ich ihn sehr verletzt habe. Aber er muß doch verstehen, dass ich so etwas für mich behalten habe! Das geht ihn überhaupt nichts an. Wie kann er mich hier einfach alleine sitzenlassen?! Ich habe keine Ahnung, wo wir überhaupt sind, hätte ich ihm doch nur zugehört als er die Stadt- und Dorfnamen auf den Schildern oder der Karte vorgelesen hat. Ich bin so unendlich wütend auf den Jungen! Wie kann er das nur tun? Ich will ihn nicht mehr wiedersehen! Das hat man nun davon, wenn man sich einmal auf jemanden verläßt und selber keinen Einfluss hat!
6) Inwiefern prägt die Beziehung zu Hanna Michaels gesamtes späteres Leben?
Hanna ist die Frau seines Lebens gewesen und das Loch, welches sie hinterlassen hat, als sie so einfach aus seinem Leben verschwand konnte niemand und nichts mehr füllen. Er hat sich bei ihr sehr wohl gefühlt und ich denke, dass das an der
Routine in der Beziehung lag: Nach dem Motto "Gewohnheit schafft Geborgenheit" Als Hanna dann ohne Abschied verschwand hat sie ihm sehr gefehlt. Sie hat ihn lange Zeit geführt und war eine Art Mutterersatz für ihn. Zum Beispiel kümmerte sie sich darum, dass Michael das Schuljahr schafft.
Michael hat große Angst, sich wieder so zu verlieben, so dass verlieren weh tut und ist deshalb sehr arrogant und kaltherzig geworden. (Zitat S.84: "Freundschaften, Liebschaften und Trennungen fielen mir nicht schwer, nichts viel mir schwer.") Mit dieser Arroganz verletzte er Menschen, denen er viel bedeutete. Zum Beispiel traf er nach ein paar Jahren seine alte Schulfreundin Sophie wieder. Sie hatte Tuberkulose, war dann drei Jahre im Sanatorium gewesen und suchte nun den Kontakt zu alten Freunden wieder. Michael schläft mit ihr und läßt sie danach eiskalt abblitzen. Ein zweites Beispiel ist, dass sein Großvater Michael kurz vor seinem Tod segnen wollte und er sagte, dass er an so etwas nicht glaube und keinen Wert drauf lege.(S.85)
Auch seine spätere Ehe mit Gertrud war von Anfang an belastet durch Michaels Vergangenheit mit Hanna und wurde schon nach fünf Jahren geschieden. (Zitat S. 164/165 :"Ich habe nie Aufhören können, das Zusammensein mit Gertrud mit dem Zusammensein mit Hanna zu vergleichen (...) ich hatte das Gefühl, dass es nicht stimmt, dass sie nicht stimmt, dass sie sich falsch anfaßt und anfühlt, das sie falsch riecht und schmeckt." Michael kommt einfach nicht von Hanna los und kommt dann zu der Einsicht, dass seine Frauen sehr viel Ähnlichkeit mit Hanna haben müssen, damit er mit ihnen zusammensein kann. Er beginnt den Frauen nach der Ehe mit Gertrud von Hanna zu erzählen, aber diese nehmen die Rollen Hannas in Michaels Leben nicht so ernst und wichtig. Michael denkt ständig an Hanna und das sein ganzes Leben lang. Sie verfolgt ihn wie ein Schatten.
Ein ganz anderer Punkt ist, dass Michael beginnt sich mit der Nazivergangenheit auseinanderzusetzen. Er möchte verstehen was Hanna getan hat und was damals passiert ist.
7) Der Prozess: Was gefällt, was missfällt Ihnen am Vorgehen der Justiz?
Die Richter haben Hanna verurteilt, weil sie sich selber direkt oder indirekt am meisten schuldig gesprochen hat. Sie hat kaum etwas zu ihrer Verteidigung gesagt. Zum Beispiel, dass sie den paar Gefangenen, die ihr Vorlesen mußten, die letzten Wochen ein wenig angenehmer machen wollte und sie von der schweren Arbeit
befreite. Sie konnte auch nicht verhindern, dass sie dann im Endeffekt doch nach Auschwitz transportiert wurden.
Die Richter beurteilten das, was sie erfahren haben. Sie können nicht ahnen, was in den Köpfen wirklich vorgeht.
8) Wie beurteilen Sie die Frage der Schuld Michaels?
Ich denke nicht, dass Michael, bezogen auf die Frage, ob er dem Richter etwas von Hannas Analphabetismus hätte erzählen müssen, im eigentlichen Sinne Schuld ist. Hanna ist für ihr Leben selber verantwortlich und muß die Konsequenzen für ihr Handeln selber tragen. Die Frage ist nur, ob Michael die Frage nichts zu sagen mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Er war immerhin der einzige der etwas davon wußte. Und hier denke ich schon, dass Michael in gewisser Weise schuldig ist. Hanna hatte ein großes Problem mit ihrem Analphabetismus und konnte das nicht zugeben. Ihr ganzes Leben drehte sich darum und dieses Gerüst wäre dann zusammengestürzt. Sie ist lieber ins Gefängnis gegangen als sich vor anderen einzugestehen, dass sie schwach ist und angewiesen ist auf die Hilfe anderer. Michael ist hin und her gerissen, weil er nicht weiß, ob er über Hannas Kopf hinweg über ihr Leben entscheiden kann und auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob er ihre Würde verletzten würde, wenn er ihre Schwäche auffliegen läßt. Er sucht Rat bei seinem Vater, was zeigt, dass er sich wirklich Gedanken darüber macht, was für Hanna das beste wäre.
Er deutet den Rat des Vaters so, dass er nichts sagen soll, um Hannas Würde zu waren. Zunächst fühlt er sich mit dieser Entscheidung gut, denn sie entbindet ihn kurzfristig von der Verantwortung. Er ist vielleicht schuldig, weil er nicht mit Hanna über die Konsequenzen gesprochen hat. Er hätte ihr möglicherweise klarmachen können, was sie mit ihren Aussagen anrichtet. Zumindest hätte er dann alles getan, was er hätte tun können. Ich denke, dass er seine Schuld wieder gutmachen will, indem er Hanna Kassetten bespricht und ins Gefängnis schickt.
Schuldig gemacht hat er sich Hanna gegenüber, als er sie in der Öffentlichkeit, wenn seine Freunde in der Nähe waren nicht beachtet hat. Vielleicht wollte Hanna ihm am Ende des ersten Teils im Schwimmbad nur erklären was sie machen will und warum. Was wollte sie sonst im Schwimmbad?!
Auch seiner Tochter gegenüber hat er sich schuldig gemacht. Er hat ihr keine Liebe geben können.(S.165) Er verweigerte ihr die Geborgenheit, die sie sich spürbar wünschte. (Zitat: S. 165) „Wir haben sie um ihr Recht betrogen(...),dass wir es gemeinsam taten, hat die Schuld nicht halbiert“
Auswahlaufgaben:
9) Erläutern Sie Michaels Verhältnis zu seiner Familie, besonders das zu seinen Eltern. Welche Bedeutung mag es für Michaels persönliche Entwicklung haben?
Michael hat zu seiner Familie ein distanziertes Verhältnis. Er spricht mit keinem über Hanna und über seine Probleme. Über seine ältere Schwester und seinen Bruder findet man nicht sehr viel in dem Buch. Michael ist allerdings oft genervt von den Sticheleien seines Bruders.
(Zitat S. 30 "Als kleine Jungen hatten mein Bruder und ich uns ständig geprügelt, später verbal bekämpft. Drei Jahre älter, war er mir im einen so überlegen wie im anderen. Irgendwann hab ich aufgehört zurückzugeben und seinen kämpferischen Einsatz ins Leere laufen zu lassen. Seit dem beschränkt er sich aufs Nörgeln.") Für mich klingt das wie eine normale Geschwisterbeziehung. Über die genaue Beziehung zwischen den beiden ist nichts genaueres geschrieben, da sie für den Kern der Handlung keine Rolle spielt. In der Erzählung geht es nur um die Beziehung zwischen Hanna und Michael und die Familie spielt nur eine kleine Randrolle, die nicht weiter von Bedeutung ist. Seine Mutter spielt auch keine große Rolle in der Entwicklung Michaels. Vielleicht ist ihm Hanna als Mutterersatz lieber. Als sie die Radtour gemacht haben gibt er sich von selber als Hannas Sohn aus. Als Michael aber einen Rat braucht, hat er als einzigem in der Familie mit seinem Vater gesprochen. Zu ihm hatte er meiner Meinung nach auch das engste Verhältnis. Michael beschreibt ihn als Menschen, der ganz in seiner Arbeit versinkt und seine Gedanken auch z.B. bei Gesprächen mit der Familie nicht von der Arbeit lassen kann.
(Zitat S. 31 : Manchmal hatte ich das Gefühl, wir, seine Familie, seien für ihn wie Haustiere. Der Hund mit dem man spazierengeht, und die Katze, mit der man spielt, auch die Katze, die sich im schoß kringelt und schnurrend streicheln läßt - das kann einem lieb sein, man kann es in gewisser Weise sogar brauchen, und trotzdem ist einem das Einkaufen des Futters, das Säubern des Katzenklos und der Gang zum Tierarzt eigentlich schon zu viel, denn das Leben ist anderswo. Ich hätte gerne gehabt, dass wir, seine Familie, sein Leben gewesen wären.") Dieses Zitat macht deutlich, dass Michael die Liebe und Aufmerksamkeit seines Vaters vermisst. Er denkt wahrscheinlich, dass sein Vater nur was von Philosophie versteht und sich für seine alltäglichen Probleme nicht interessiert. Mit seinen Studenten redet er jedenfalls lange und leidenschaftlich. Michael vermisst diese Leidenschaft in der Erfüllung der Vaterrolle. Er tut nur das nötigste für die Familie. Katzen kommen auch von selber und wollen gestreichelt werden, ansonsten hat man oft wenig Zeit und streichelt ihnen vielleicht nur kurz über den Rücken. Michael hatte bestimmt auch das Gefühl, dass sein Vater niemals von selber auf ihn zukommen würde. Auch das vermisst er. Er und seine Geschwister müssen immer auf ihn zukommen und sich sogar, wie seine Studenten, Termine holen, wenn sie mit ihm sprechen wollen.
Als Michael als Student seinen Vater besucht, um ihn um Rat zu fragen, beschreibt er seinen Vater als verschlossenen Mann, der seinen Kindern keine Gefühle
entgegenbringen kann und auch mit den Gefühlen der Kinder nichts anfangen kann. Er vermutet, dass seine Gefühle mit der Zeit ausgedörrt sind. Er besucht seinen Vater auch nicht, um einen väterlichen Rat zu bekommen, sondern um einen Rat von dem Philosophen, der sich mit moralischen Fragen beschäftigt hat, zu bekommen (S.134)
Sein Vater erzählt ihm ausführlich was er dazu zu sagen hat und kommt am Ende zu dem Schluss, dass er ihm nicht helfen kann. Man merkt an dem was der Vater dann sagt und tut, dass es ihm unendlich Leid tut, dass er sich nicht um seine Kinder gekümmert hat. Er versucht was er kann. (S.139 : "Ich kann nicht sagen, dass es mir leid tut, dass ich dir nicht helfen kann. Als der Philosoph meine ich, als den du mich gefragt hast. Als Vater finde ich die Erfahrung, meinen Kindern nicht helfen zu können schier unerträglich. (...) du kannst jederzeit kommen.") Michael begreift es zunächst nicht, dass sein Vater unter seiner "Kaltherzigkeit" leidet und jetzt versucht, jedenfalls etwas wieder gut zu machen. Erst später hat er die nötige Distanz, um sich über seinen Vater im Klaren zu sein. Er hat unter der mangelnden Fürsorge sehr gelitten und das konnte sein Vater nicht mehr gutmachen. Er akzeptiert, dass das Interesse seines Vaters in einem anderen Bereich liegt und findet sich damit ab.
Später spiegelt sich das Verhalten seines Vaters in der Beziehung zwischen Michael und seiner Tochter wieder. Er ist auch sehr kaltherzig ihr gegenüber und bestraft sie indirekt dafür, dass sie nicht Hannas Tochter ist sondern von Gertrud. Er erkennt, genau wie sein Vater, dass es falsch ist, seinem Kind keine Liebe entgegenzubringen und verhält sich trotzdem distanziert.
10) Deuten Sie Michaels „Hausträume“!
Für Michael hat das Haus, in dem Hanna wohnt eine sehr große Bedeutung. Er träumt des öfteren von ihm, allerdings gibt es zwei Versionen von einem ähnlichen Traum: In der einen träumt Michael von einem Haus, dass ihm sehr bekannt vorkommt. Er verbindet es aber nicht sofort mit der Bahnhofstraße, sondern zunächst mit einem Haus, das er zuvor in einem anderen Traum, wo es in einer anderen Stadt steht. Die Umgebung ist ihm jedesmal total fremd, aber wenn er das Haus sieht fühlt er sich sicher und geborgen. Er vergleicht es mit einem Freund, den man in einer anderen Stadt wiedertrifft.
In der anderen Variante des Traums fährt Michael auf dem Land mit dem Auto an dem Haus vorbei, dreht schnell um und fährt zurück mit der Angst "zu spät zu kommen", aber das Haus ist unbewohnt.
Die beiden Träume enden in dem Augenblick in dem er die Türklinke drückt und eintreten will.
Ich denke, dass dieser Traum zeigt, dass Michael sich nach einem Zuhause sehnt, es aber nie findet (er wacht immer auf bevor er in das Haus gehen kann). Er ahnt, dass sein Zuhause in der Bahnhofstraße ist, da wo Hanna gewohnt hat, aber er kann unmöglich in dieses Haus zurückkehren, weil Hanna nicht mehr dort ist, sondern im Gefängnis und später Selbstmord begeht.
Michael hat große Sehnsucht nach einem Zuhause, aber er findet keines, weil „Zuhause“ für ihn bedeutet mit Hanna zusammen zu leben. Da das Haus leer ist, denke ich, dass es bedeuten soll, dass auch Michael leer ist, er also niemanden mehr hat.
11) Welche Funktion erfüllt das Schreiben für Michael?
Durch das Schreiben verarbeitet Michael die Geschichte mit Hanna. Es sind einige Jahre vergangen und er hat nun den nötigen Abstand gefunden. Er möchte mit der Geschichte Frieden schließen.
Er wollte die Geschichte zunächst aufschreiben, um sie loszuwerden, hat dann aber das Gefühl, dass seine Erinnerungen das nicht wollen und sie entglitten ihm. Er hat versucht sie durchs schreiben wieder zum Leben zu erwecken, aber es klappt nicht. Dann hat er das Gefühl er müsse die Geschichte aufschreiben, um sie nicht zu vergessen, aber die Erinnerungen stellen sich immer noch nicht wieder ein. Er läßt die Geschichte ruhen und plötzlich kommen die Erinnerungen zurück. (Zitat S. 206: und sie ist zurückgekommen, Detail um Detail und in einer Weise rund, geschlossen und gerichtet, dass sie mich nicht mehr traurig macht. Was für eine traurige Geschichte dachte ich lange. Nicht dass ich jetzt dächte, sie sei glücklich. Aber ich denke, dass sie stimmt und dass daneben die Frage, ob sie traurig oder glücklich ist, keinerlei Bedeutung hat.")
Vielleicht hat Michael sich so sehr in seine Gefühle hineingesteigert, dass sie ihn beherrscht haben und nun sieht er, wenn er ließt, was er geschrieben hat, dass die Geschichte nicht mehr so eine große Bedeutung für seine Zukunft hat. Er erinnert sich gerne an die Zeit mit Hanna und natürlich hat sie ihn auch wahnsinnig geprägt. (S. 206:" Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf, dass uns im Späteren immer Früheres begegnet, nicht als Abgetanes und Erledigtes, sondern gegenwärtig und lebendig. Ich verstehe das. Trotzdem finde ich es manchmal schwer erträglich. Vielleicht habe ich unsere Geschichte doch geschrieben, weil ich sie loswerden will, auch wenn ich es nicht kann.") Er ist verletzt, wenn er enttäuscht oder verlassen wird und dann kommt auch der Schmerz wieder hoch, den er empfunden hat, als Hanna ihn verlassen hat. Michael hat durch das Aufschreiben seiner Geschichte gelernt, dass einem die Vergangenheit immer wieder begegnet. Man muß lernen damit zurechtzukommen und sich auf die Zukunft konzentrieren. Das Schreiben ist der einzige Weg, die Vergangenheit zu bewältigen.
12) ein paar Daten zum Autor Bernhard Schlink (zusätzlich!)
- 1944 geboren in Bielefeld, wächst aber in Heidelberg auf
- Jurastudium in Heidelberg und Berlin
- 1975 Promotion über die „Abwägung im Verfassungsrecht“
- Professor in Bonn, Frankfurt und seit 1992 Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie in Berlin
- 1989 erhält er den Autorenpreis, der Glauser, für deutschsprachige Kriminalliteratur
- 1992 deutscher Krimipreis für „Selbs Betrug“
- 1997 Hans - Fallada - Preis der Stadt Münster für „der Vorleser“
- 1997 italienischer Kliteraturpreis für „der Vorleser“
- 1997 Prix Laure Bataillon, den bestdotierten Preis für Übersetzte Literatur für „der Vorleser“
- 1999 den zum ersten Mal verliehenen Welt- Literaturpreis für „der Vorleser“
- der Vorleser wurde in 25 Sprachen übersetzt und erreichte als erstes deutsches Buch Platz eins der New York Times Bestsellerlisten
Arbeit zitieren:
Lena Schulz, 2001, Schlink, Bernhard - Der Vorleser, München, GRIN Verlag GmbH
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Daniel Müller
Eine sehr gute Ausarbeitung!!!.
Nicht schlecht!!!
am Sunday, January 13, 2002-
Anonym
Der Vrleser.
sehr gut
am Thursday, March 14, 2002-
Heini
Super.
Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ne gute Arbeit im net finden werde. respekt!
am Monday, April 15, 2002-
Jassi
Tolle Fragen.
Deinen Beitrag find ich echt klasse!! Deine Fragen, die du beantwortest, sind wirklich gut!! Ich fühl mich wie in einer Deutscharbeit!!! :)
am Friday, May 03, 2002-
heimlicher verehrer
Genial!!!.
Die Ausarbeitung ist spitze, Schatzi...
am Sunday, July 28, 2002-
Christian
gut, trotz mängel.
in deinem text sind einige hilfreiche stellen zu finden, jedoch wird manches unzureichend bzw. falsch erläutert, oft schweifst du auch von der fragestellung ab.
v.a. die hausträume sind falsch gedeutet. das haus symbolisiert hanna !
trotzdem gut !
am Thursday, December 18, 2003-
JoHn LoNg SiLvEr
15 Notenpunkte .
Danke genau die Aufgabe Nr 4. hatten wir in Deutsch und ham 15 punkte wegen dir bekommen.
Danke
am Wednesday, June 18, 2008-