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Universität des Saarlandes
Fachbereich 5.3 Psychologie Angela Leiser
Proseminar : „ Sucht“, Sommersemester 1998 Seminarleitung: Dr. Ulrike Schneider
HAUSARBEIT
THEMA :
DAS „EMPATHOGEN“ MDMA : ECSTASY
I. Chemische und pharmakologische Einordnung
Die Abkürzung MDMA steht für die chemische Bezeichnung N, alpha-Dimethyl-1,3-Benzodioxyl-5-Ethanamin oder auch abgekürzt 3,4 Methylendioxyamphetamin genannt (Summenformel : C11 H15 NO 2). MDMA ist eine synthetische Substanz, die in ihrer chemischen Struktur dem Myristicin und Safrol sehr ähnlich ist, welche auch in psychogenen Pflanzen wie der Muskatnuß und Sassafras vorkommen.(Eisner, 1989, S.139) Chemisch ordnet man das MDMA einer größeren Gruppe, den Phenylalkylaminen zu, in die auch Amphetamine oder Methymphetamin oder aber auch halluzinogene Derivate wie das DOB gehören. Die Besonderheit von MDMA im Vergleich zu andern Stoffen besteht darin, daß es ohne Wahrnehmungsverzerrungen und ohne die stark aufputschende Wirkung, die durch Amphetamine bewirkt werden, einen veränderten Bewußtseinszustand ermöglicht, der zur Selbsterfahrung genutzt werden kann. Aufgrund dieser Eigenschaften wird MDMA einer neuen Gruppe zugeordnet, die von verschiedenen Autoren unterschiedlich benannt wird. Nichols (1986) nennt sie „Entaktogene“, weil der Kontakt zu allerinnersten Gefühlen möglich wird. Metzner schlägt den Namen „Empathogene“ vor, weil durch die Einnahme von MDMA die Kommunikationsfähigkeit verbessert wird und somit der zwischenmenschliche Kontakt positiv beeinflußt wird. Auch von Eisner und Widmer wird dieser Begriff in ihren Publikationen verwendet. Verschiedene tierexperimentelle Untersuchungen haben ergeben, daß MDMA im Gehirn kurzfristig eine reversible Entleerung des Neurotransmitters Serotonin bewirkt, die für den psychologischen Effekt verantwortlich gemacht wird.
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II. Zur Geschichte von MDMA
• Von der Entdeckung bis zum Verbot
Folgt man der klassischen Begriffsdefinition von Dr. Gary Henderson (University of California), so handelt es sich bei (reinem) MDMA -entgegen einer weit verbreiteten Meinung - nicht um eine „Designerdroge“. Der Erfinder dieses Begriffs versteht nämlich unter einer „Designerdroge“ solche „Substanzen, welche psychoaktive Eigenschaften einer Droge enthalten, deren Molekularstruktur jedoch verändert wurde, um eine strafrechtliche Verfolgung zu umgehen“ (zit. n. Saunders 1994, S. 128f.). Das MDMA aber ist eine semisynthetische Droge, eine chemische Substanz, die einige pflanzliche Verwandtschaft vorzuweisen hat. Ein ähnlicher Molekülaufbau findet sich nämlich in Dill, Muskat und Krokussen.
Als eigenständige Substanz wurde es schon 1912 von den Chemikern der Firma Merck in Darmstadt entdeckt, und zwar als eine neue Variante des Öls der Sassafras-Staude und nicht ursprünglich als Appetitzügler, wie so oft in der amerikanischen Presse berichtet wurde. Erst später dachte man über eine mögliche Anwendung als Appetitzügler nach, wobei die Idee aber bald auch wieder verworfen wurde, wegen der seltsamen Nebenwirkungen. Die Firma Merck patentierte die Substanz dann beim kaiserlichen Patentamt des Deutschen Reiches am 24. Dezember 1912. Sie wurde jedoch nie vermarktet und im Patent sind keinerlei Anwendungen erwähnt. Da die Wirkung der Substanz nicht nutzbar und wirtschaftlich gewinnbringend zu sein schien, verschwand die Chemikalie dann bald in der Versenkung und geriet dann für lange Zeit vollständig in Vergessenheit. Erst im Jahre 1953 tauchte sie wieder auf, als die amerikanische Armee einige Drogen in serienmäßigen Tierversuchen für militärische Zwecke untersuchen ließ. Allerdings lieferte das MDMA nicht die erhoffte Wahrheitsdroge und war auch sonst wegen seiner „herzöffnenden“ Wirkung wohl kaum als eine Droge für Soldaten geeignet. Als Vater des MDMA gilt der amerikanische Biochemiker Alexander Shulgin. Dieser hatte es 1965 im Labor hergestellt und getestet. Richtig interessiert wurde er aber erst, als er von begeisterten Berichten anderer hörte, die es ebenfalls synthetisiert und versucht hatten. In der Öffentlichkeit war von der Existenz der Droge allerdings immer noch nichts bekannt, was mitunter den ersten Psychotherapeuten zu verdanken war, die mit MDMA arbeiteten und sich bewußt waren, daß sie hier ein wertvolles, neues Werkzeug gefunden hatten. Sie wußten aber auch, daß die amerikanische Regierung das MDMA wie LSD behandeln und kriminalisieren würde, wenn es eine weit verbreitete Droge würde. Deshalb beschlossen sie, die Droge so viel wie möglich zu erforschen, ohne aber öffentlich darauf aufmerksam zu machen. Dies gelang ihnen auch recht gut, denn MDMA verbreitet sich nur sehr langsam als Genußmittel und wurde erst nach 1984 richtig bekannt. In dieser Zeit war die Droge auch immer
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noch legal und wurde in den USA von Studenten unter ihrem neuen Namen „Ecstasy“ gern konsumiert. In Texas konnte Ecstasy teilweise sogar in Bars gekauft werden. Es ersetzte den Yuppies ihr Kokain und wurde sogar von Leuten genommen, die normalerweise keine Drogen konsumierten. Dieses Publikum und die rasend schnelle Ausbreitung des Konsums waren es dann, die schließlich zum Verbot der Droge in den USA führten. Im Jahre 1985 verklagte eine kleine Gruppe von Leuten die US-Behörde DEA (Drug Enforcement Agency), weil diese Ecstasy verbieten wollte. Die Kontroverse wirkte dann wie Gratiswerbung, denn Ecstasy verbreitete sich von nun an wie ein Lauffeuer über ganz Amerika. Aber der US-Kongress erließ dann ein Gesetz, das der DEA erlaubte, jede Droge, die sie als Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung erachtete, einstweilig zu verbieten. Das Gesetz wurde dann auch umgehend angewandt und ab dem 1.Juli 1985 war MDMA illegal. Das Verbot beschränkte jedoch lediglich jede weitere Erforschung der Droge, das Konsumverhalten der Gelegenheitskonsumenten wurde dadurch aber nicht beeinträchtigt. In aufgebauschten Schauergeschichten wurde in der Presse von Tierversuchen berichtet, welche die Gefährlichkeit der Droge belegen sollten. So hatte man Ratten hohe Dosen MDMA injiziert (gewöhnlich wird die Droge ausschließlich oral eingenommen), woraufhin die Tiere natürlich starben oder zumindest große Hirnschäden aufwiesen. Nicht erwähnt wurde in den Berichten, daß man den Ratten Dosen von mehreren Gramm (!) verabreichte - die normale Einzeldosis für Erwachsene beträgt dagegen nur durchschnittlich 125 mg der Substanz. Andererseits berichteten Psychotherapeuten vom vermuteten großen therapeutischen Nutzen der Substanz und erbaten, daß das MDMA zumindest als Medikament für die Psychotherapie eingesetzt werden solle und daß es auch weiter erforscht werden dürfe. Aber die DEA ignorierte diese Forderungen und weigerte sich nachzugeben : sie ordnete MDMA dauerhaft in die strengste Kategorie (Schedule 1) ein. Bis heute ist es praktisch gleichgestellt mit potentiell gefährlichen Drogen wie Heroin und Kokain. Auch in England sind psychedelische Amphetamine wie MDA, MDEA und das MDMA seit 1977 illegal und der Kategorie von Drogen zugeordnet, die am schärfsten geahndet wird.
Alle Mitgliedsstaaten der UN haben die Internationale Konvention über Psychotrope Substanzen ICPO unterzeichnet und folgen dabei den Empfehlungen des Expertenkomitees für Drogenabhängigkeit der WHO. Die amerikanische DEA ersuchte die Weltgesundheitsorganisation, MDMA in die ICPO aufzunehmen und unter dem Druck der USA forderte die ICPO 1985 ihre Mitgliedsstaaten auf, MDMA international unter strengste Kontrolle zu stellen. Die Vereinten Nationen folgten dann auch diesen Empfehlungen trotz erhobener Einwände durch den Vorsitzenden des WHO-Expertenkommitees, der mit diesem Entscheid nicht einverstanden war und die Mitgliedsstaaten aufforderte, „die Erforschung dieser interessanten Substanz zu fördern“. Dies wäre in Anbetracht des immer größer werdenden Massenkonsums in Bezug auf die
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Erforschung von möglichen Spätfolgen wohl auch sinnvoll und bedenkenswert. Sein Anliegen blieb jedoch weitgehend unbeachtet.
• Rechtslage in der BRD
In der Bundesrepublik Deutschland ist MDMA seit dem 1. August 1986 eine illegale Substanz. Der Grund für seine Aufnahme in das Betäubungsmittel-Gesetz (BtMG) der BRD geht auf internationale Verpflichtungen zurück (s.o.). Somit wurde die Substanz dann in die Anlage 1 des BtMG aufgenommen. Anlage 1 umfaßt nicht verkehrsfähige und nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel, d.h. sie sind medizinisch bedeutungslos und kommen für den legalen Betäubungsmittelverkehr nicht in Betracht. (Im BtMG gibt es außerdem noch die Anlagen 2 und 3 für verkehrsfähige aber nicht verschreibungsfähige bzw. für verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel.) Die jeweilige Einstufung der Betäubungsmittel in der vom Bundeskabinett verabschiedeten Verordnung richtet sich nach den internationalen Kriterien. Das BtMG stellt sicher, daß die unterschiedlichen internationalen Kontrollerfordernisse auch im nationalen Recht in vollem Umfang erfüllt werden. Somit wurde das MDMA, das international den strengsten Kontrollvorschriften unterliegt, auch im BtMG der Bundesrepublik als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel der Anlage 1 eingestuft. Ein damaliger Bundestagsabgeordneter, Herbert Rusche, reichte daraufhin die folgende Anfrage an die Bundesregierung ein : „1. Welche profunden Erkenntnisse bewegten die Bundesregierung dazu, MDMA unter Anlage 1 des BtMG einzuordnen?“ Die Antwort darauf lautete : „Bei MDMA handelt es sich um einen Meskalin-Amphetamin-Analogstoff, der zu den sogenannten Designer-Drugs gehört. MDMA wurde durch einstimmigen Beschluß der Suchtstoff-Kommission des Wirtschafts- und Sozialrates der UN vom 11.Februar 1986 in den Anhang 1 des Übereinkommens von 1971 über psychotrope Stoffe aufgenommen. Für die BRD ergab sich hieraus die Verpflichtung, MDMA in gleicher Weise als Suchtstoff zu kontrollieren. Diese Verpflichtung hat die Bundesregierung durch die Einstufung von MDMA in die Anlage 1 des BtMG erfüllt.“
Erwähnenswert ist dazu noch, daß Amphetamin in Anlage 3 zum BtMG enthalten und damit als verkehrsfähig und verschreibungsfähig eingestuft wird, wohingegen die sehr verwandten Stoffe DOB und DOM ( Gruppe der Methoxyamphetamine mit der Stammsubstanz Meskalin), MDA und MDMA (Methylendioxyamphetamine) alle in der Anlage 1 aufgeführt und somit interessanterweise nicht verkehrsfähig sind.
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• Auswirkungen der Kriminalisierung von MDMA
Die Kriminalisierung von MDMA zog weitreichende und zum Teil sehr bedenkliche Konsequenzen mit sich :
Erstens wurde somit verhindert, daß die Droge von professionellen Therapeuten genutzt werden konnte, die sich von der Substanz einen großen therapeutischen Nutzen erhofften. Die Schweiz bildet dabei die einzigste Ausnahme. Aber auch in der Schweiz wurde die Erlaubnis für Psychiater und Psychologen, MDMA therapeutisch und kontrolliert zu nutzen, zunehmend eingeschränkt. Somit liefen die irgendwann ohnehin nur noch sehr wenigen Ausnahmebewilligungen für psycholytische Therapiemethoden - mit denen viele der so behandelnden Ärzte und Psychologen positive Erfahrungen gemacht und auch beachtliche Erfolge erzielt haben - auch dort 1993 aus. Ob irgendwann neue Bewilligungen unter noch strengerer Kontrolle nach 1993 erteilt werden, ist bis heute fraglich.
Ein zweiter, nicht zu unterschätzender Punkt ist die Frage, ob es tatsächlich sinnvoll und im Interesse der „Gesundheit der Bevölkerung“ ist, weltweit jegliche weitere Erforschung der Substanz und ihrer Auswirkungen auf den Menschen, zu verbieten. Nicht zu bestreiten ist die Tatsache, daß nach dem Verbot die Anzahl der Konsumenten weltweit nicht abgenommen, sondern beachtlich zugenommen hat - Tendenz : steigend !!! Besonders beunruhigend ist dabei, daß die größte Konsumentengruppe die Jugendlichen im Alter von 15-25 Jahren sind, wobei die Erstkonsumenten immer jünger werden. Gerade weil das Fundament der Gesellschaft, die Kinder, in so zahlenmäßig großem Ausmaß betroffen sind, müßte es gerade ein Anliegen der Politik sein, etwas mehr über diese Droge und vor allem ihre eventuellen Spätfolgen, herauszufinden, um dann adäquat reagieren zu können. In diesem Zusammenhang wird oftmals das „Argument“ vorgebracht, Versuche an Menschen seien nicht durchführbar. Dies ist wohl richtig, aber „Versuche“ an Menschen sind auch gar nicht nötig. Es gibt mittlerweile genug Langzeitkonsumenten, die Ecstasy schon über einen Zeitraum von vielen Jahren nehmen. Aber selbst Studien, die mit solchen Freiwilligen arbeiten könnten, werden durch die Rechtslage verhindert, weil für etwas, das es laut Gesetz gar nicht geben dürfte, niemand Geld ausgeben will.
Der dritte zu kritisierende Punkt betrifft den Schutz der Konsumenten. Denn nach dem Verbot nahm auch die Qualität der Droge zunehmend ab. Illegale Labors deckten ab jetzt die Nachfrage. Tatsächlich enthalten die wenigsten der heute auf dem Schwarzmarkt vertriebenen „Pillen“ noch eine Spur von MDMA, strenggenommen gerade mal ein Drittel (Drobs-Statistik Mai 1996). MDMA, also die Substanz, die eigentlich Ecstasy sein soll, ist von Amateurchemikern nicht so leicht herzustellen. Der User geht also beim Kauf ein zusätzliches
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Risiko ein, denn er kann als Laie die Tablette nicht auf ihre Inhaltsstoffe überprüfen. Als Folge der Illegalisierung haben es die Konsumenten heute also doch mit „Designer-Drogen“ zu tun, die alle möglichen Substanzen unbekannter Zusammensetzung und Dosierung enthalten. Der Konsument kann auch nicht nach äußerlichen Merkmalen abschätzen, ob die Pille, die er gerade gekauft hat, auch wirklich Ecstasy ist. Denn die verwendeten Ersatzentaktogene, die als MDMA verkauft werden, unterscheiden sich weder in Farbe noch in Form von der Ursprungssubstanz. Dem User bleiben als einzigste Anhaltspunkte nur noch der Geschmack : MDMA besitzt einen ganz eigentümlichen, extrem bitteren Geschmack; die Ersatzsubstanzen dagegen sind auf jeden Fall weit weniger bis gar nicht bitter. Unerfahreneren Konsumenten und Neueinsteigern bleibt diese Möglichkeit der Identifizierung aber schon einmal verwehrt, viele von ihnen hatten gerade in jüngster Zeit vermutlich noch nie eine „echte“ Ecstasy, die in der Szene immer mehr zur Rarität wird, in der Hand. Folglich fehlen ihnen auch alle Differenzierungsmöglichkeiten. Und selbst dem erfahrenen Konsumenten werden dann die sogar in den „echten“ Pillen möglicherweise noch zusätzlich enthaltenen, schädlichen Verunreinigungen durch eine reine Geschmacksanalyse wohl kaum auffallen. Ebensowenig sagt dieser Test über die Dosierung eines „E`s“ aus, womit die Möglichkeit einer unerwünschten Überdosierung besteht. Neben dem Indiz des Geschmacks bleibt dann letztendlich als Identifikationsmöglichkeit nur die Eigenarten des „Turn“ selbst. Auch hier wird den weniger erfahrenen Usern eine richtige Unterscheidung meist sehr schwer fallen, denn die als Ersatz für das MDMA verwendeten Entaktogene sind oft sogar in ihrer Wirkung nur sehr schwer von der des MDMA unterscheidbar. Die am häufigsten bei einer chemischen Analyse festgestellten MDMA-Substitutionen, die der Gruppe der Entaktogene angehören, sind MDEA, MBDB, MDOH und Entaktogengemische. Sie sind meist kürzer in der Wirkungsdauer und weit weniger intensiv als MDMA, User berichten auch über einen „matschigeren Kopf“, wenn die Wirkung der Pille nachläßt. Auch das so erhoffte, intensive Glücksgefühl kann dabei in weit abgeschwächterer Form auftreten oder auch ganz ausbleiben, was dann eine große Unzufriedenheit beim Konsumenten bewirkt, mit der Folge, daß er sich schnell noch eine oder (meist) mehrere Pillen „nachwirft“.
Neben weiteren bei Analysen festgestellten Verunreinigungen erscheinen aber diese Entaktogene beinahe noch harmlos. Wenn Pillen kein MDMA, MDEA oder ähnliches enthalten, können Halluzinogene oder Amphetamine enthalten sein (immerhin bis zu 25% nach Drobs-Statistik Juni bis November 95). Vor allem für einen psychisch labilen User kann die unbeabsichtigte (meist bewußt vermiedene) Einnahme eines Halluzinogens anstatt eines Metamphetamins katastrophale Folgen haben. Die schlimmsten Entdeckungen aber machte man dann bei der Prüfung auf weitere Drogen, Medikamentenwirkstoffe und andere giftige Substanzen. Mittels eines HPLC-Breitenscreening konnten Opiate, Kokain, LSD, Phencyclidin, Barbiturate, Benzodiazepine, alle wesentlichen Arten von Psychopharmaka und andere übliche Medikamentenstoffe sowie
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toxische Verunreinigungen und starke Gifte (Strychnin) festgestellt werden (Analyse nach „Drugchecking-Programm von EVE & RAVE, Berlin). Eine weitere Variante des Betrugs, der ein Konsument ausgesetzt ist, ist das ebenfalls immer häufiger werdende Auftauchen von Imitaten, in der Szene „Blender“ genannt. Diese schlechten Nachahmungen (Plagiate) enthalten in der Tat keine Spur auch nur eines einzigen Wirkstoffs, der in irgendeiner Weise berauschen könnte. Taucht auf dem Markt heute eine („gute“) Pille mit spezifischem Namen und Prägung auf (z.B. „Playboys“ mit eingestanzter Abbildung des Playboyhasens) , so kann man, oft nur wenige Tage später, beim Kauf einer optisch identisch erscheinenden Pille einem solchen „Looklike“ auf den Leim gehen. Wenigstens können profitgierige Hersteller durch einen solchen Vertrieb von Imitaten die Konsumenten nicht derart gefährden und schädigen, wie bei einer willkürlichen Mischung irgendwelcher unkontrollierten Stoffkombinationen mit nicht absehbaren (Aus-)wirkungen. Den User tröstet dies wenig, er wird sich aber dadurch eventuell bewußt werden, wie wenig Kontrolle er über den tatsächlichen Inhalt seines „E´s“ hat. Meist ist er jedoch nur verärgert und fühlt sich hilflos ausgeliefert und deprimiert, wenn er anstatt seiner ersehnten Droge immer häufiger Paracetamol kauft.
• Deutschland, Ecstasy und die 90er Jahre
Unterstützt wurde der Boom in erster Linie durch die zunehmende Kommerzialisierung der Techno-Kultur, die in der Mitte der 90er Jahre ihren Höhepunkt erreichte und auch jetzt immer noch kaum abflaut. Die neue Bewegung spielte sich in der BRD ungefähr zu Beginn der 90er Jahre (lokale Unterschiede möglich, im Saarland um 91/92) noch fast ausschließlich in einer unscheinbaren Szene im „Underground“ ab. Nur sehr wenige Jugendliche gehörten dieser Szene an, auch die Anzahl von Dealern, die Ecstasy anboten, war gering. Die „Pille“ war infolgedessen noch sehr teuer, der Grad an Verunreinigungen eher gering. Zu dieser Zeit lag das Problem nicht bei der mangelnden Qualität der „E´s“, sondern umgekehrt in der zu hohen Qualität. Häufige Überdosierungen mit Eskalationen waren die Folge. All dies lief noch unbemerkt von der Öffentlichkeit ab.
Als man dann aber in der Industrie begann, den neu entdeckten Trend in großem Stil zu vermarkten, war es nicht mehr länger nur eine gesellschaftliche Randgruppe mit wenigen Anhängern, die mit Ecstasy und den in dieser Szene ebenso beliebten Amphetaminen („Speed“ / „Pep“) in Kontakt kam. Zunehmend mehr Jugendliche wurden von der neuen Techno-, Party- und Drogenkultur mitgerissen. Die Polizei stand lange Zeit hilflos daneben, während ganz Deutschland mit Drogen praktisch überschwemmt wurde : „Beschlagnahmungsmenge wie Deliktzahlen zeigen, daß Amphetamine bis Mitte der 80er Jahre praktisch keine Rolle auf dem Drogenmarkt gespielt haben. Die Fallzahlen zu Ecstasy, das bis vor zwei Jahren von der Kriminalstatistik noch unter der Rubrik Amphetamine subsumiert wurde, haben sich dabei
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insbesondere in den letzten Jahren explosionsartig vergrößert. Doch auch die Zahl der Handelsdelikte im Amphetaminbereich hat sich von 1994 nach 1995 fast verdoppelt.“(Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS),“Suchtbericht Dtl. 1997“) Auch die steigende Anzahl der Beschlagnahmungen von Ecstasy spricht für sich: wurden im Jahre 1990 und zuvor noch gar keine Pillen beschlagnahmt, waren es 1993 schon 77.922, ein Jahr später schon 238.262 und 1995 dann stieg die Zahl auf 380.858 beschlagnahmte Pillen. (Nach Rauschgiftjahresbericht (RJB)´95, aus „Suchtbericht Dtl. 1997“, S. 60f) Leider ist ansonsten die Anzahl und Vielfalt von Untersuchungen und statistischen Erhebungen bislang nur sehr mager. Da Ecstasy in Deutschland erst seit relativ kurzer Zeit eine weite Verbreitung gefunden hat, mußten die Erhebungssysteme von Polizei und Behandlungseinrichtungen, sowie Umfragen erst einmal umgestellt werden. Somit gibt es zwar schon Einzelinformationen über Ecstasy aus verschiedenen Quellen, jedoch ist mit genaueren Zahlen und mit Trends erst in den folgenden Jahren zu rechnen, da einfach eine Vergleichsmöglichkeit mit früheren Jahren fehlt. Daher lassen sich bis dahin oft nur die Zahlen über Amphetamine allgemein, unter die MDMA ja sowieso noch bis 1994/95 subsumiert wurde, zu einer Analyse heranziehen.
- Was passierte da nun ab 1992/93 ?
Die Zahl der Ecstasy-Erstkonsumenten stieg rapide an. Langsam wurde aus der Underground-Bewegung eine Massenbewegung : Diskotheken mutierten zu Großmärkten für den Drogenhandel und die Zahl der Kleindealer stieg ins Unermeßliche (kaum ein User “vercheckte“ nicht, um seinen Eigenbedarf zu finanzieren), wodurch auch die Schwarzmarktpreise für Ecstasy, „Pep“ und LSD rapide fielen (Bsp.: Amphetamine - während 1993 der durchschnittliche Preis für Kleinmengen noch bei ca. 55DM/g lag, betrug er 1994 nur noch ca. 12DM/g und 1995 ca. 20DM/g; Angaben nach BUND´95 in „Suchtbericht Deutschland 1997“).
Eine nahezu gigantisch gewordene Anzahl von jungen Menschen, die gegen das Betäubungsmittelgesetz jedes Wochenende erneut verstießen, machte so ein direktes Eingreifen der Polizei fast unmöglich. Somit dauerte es eigentlich recht lange, bis die Behörden spürbar eingreifen konnten. Man mußte versuchen, das riesige Netz von der Basis aus zu zerstören, also von den Kleindealern und von den Konsumenten selbst aus, um nach und nach an die Großdealer heranzukommen. Es wurden lange Zeit massive Großeinsätze durchgeführt, es gibt wohl kaum eine Techno-Diskothek, in der noch keine Razzia stattgefunden hat. Es wurden auch zunehmend mehr „kleine Fische“ unter den Dealern polizeilich überwacht und aus dem Verkehr gezogen. Der Gesetzgeber setzte also auf eine massive Repressionspolitik.
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• Kritik an der Repressionspolitik in der BRD
Viele User verwunderte damals auch die recht auffällige Zurückhaltung der Presse zum Thema „Ecstasy“, denn angesichts des Ausmaßes des Techno -und Drogenbooms, hätten viele wohl eher mit einer großen Aufklärungskampagne gerechnet. Statt dessen blieb v.a. im Fernsehen die Berichterstattung recht spärlich. „Wenn überhaupt berichtet wurde, handelte es sich meist um Einzelfälle, ausgebaut zu verallgemeinerten Katastrophen“, erinnert sich ein User und seine Freundin bemerkt : “Eine sachliche Berichterstattung, die man hätte ernst nehmen können, gab es nicht, sondern nur einseitige, die negativen Aspekte betonende Reportagen. Die Reporter suchten sich Extrembeispiele aus und zogen z.B. an der Seite eines „Ravers“, der damit prahlte, in einer Nacht 15 „E´s“ zu schlucken ohne zu sterben, mit ihrer Kamera durch das Wochenende. Dieser offensichtlich ziemlich kranke „Raver“ wurde dann aber als Prototyp eines jeden Ecstasy-Konsumenten dargestellt. Das es solche Leute zwar gibt, diese aber wohl immer noch die Ausnahme bilden, wurde nicht erwähnt. Anstatt die Leute korrekt zu informieren, wird v.a. bei Eltern eine Panik hervorgerufen, die eine sachliche Diskussion verhindert. Die Folge davon ist, daß die Kinder dann auf stur schalten und den Respekt vor der realitätsfremden Meinung ihrer Eltern, die offenbar nur auf Vorurteilen basiert verlieren und sich noch mehr entfremden. Daran sind die Presse und die Politik größtenteils schuld.“
Zieht man heute eine Bilanz unter die Erfolge der Repressionspolitik, so sieht es mancherorts (schließt man die Großstädte dabei mal aus) nach einem großen Erfolg der polizeilichen Bemühungen aus, denn die Massenbegeisterung hat sichtlich etwas nachgelassen. Wenn man sich nun aber bemüht, auch hinter die Fassade zu sehen, so erkennt man dann aber sehr schnell, daß sich die Parties heute einfach eher privat im Hinterhof abspielen. Wiederum konnte man mit einer solchen Vorgehensweise das Konsumverhalten der Menschen kaum beeinflussen. Zwar konnte man öffentliche Diskotheken von ausschweifenden Parties weitgehend säubern, aber die „Party“ geht zuhause im Wohnzimmer weiter. Die meisten Konsumenten haben keineswegs damit aufgehört, Drogen zu nehmen. Sie haben sich einfach nur zurückgezogen und sind etwas leiser geworden, als zu der Zeit, in der man sich schon gar nicht mehr darum bemühte, das Offensichtliche noch irgendwie zu tarnen, weil man sich in der großen Masse sicher fühlte. Die große „Party“ ist heute endgültig vorbei, die Sucht dagegen aber oft geblieben.
Wenn man eine erfolgreichere Suchtprävention als bisher erreichen will und den Süchtigen wirklich helfen will, so ist es an der Zeit alternative Konzepte im Bereich der Drogenberatung zu durchdenken. Ein Drogenabhängiger wird niemanden ernst nehmen und sich auch selbst nicht ernst genommen fühlen von jemanden, der die Drogen verteufelt und mutwillig Fehlinformationen verbreitet, so wie dies immer noch durch Staat und auch durch kirchliche Institutionen
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gehandhabt wird. Ein wirklich innovatives Projekt zur Verminderung der Drogenproblematik in der Techno-Szene wurde von dem Verein „EVE & RAVE“ umgesetzt. Dort setzt man auf Aufklärung statt Fehlinformation oder Totschweigen und Kriminalisierung. Der Utopie, „Abstinenz durch Strafe und Therapie“ herzustellen, setzt EVE & RAVE das Prinzip „Eigenverantwortung“ entgegen. Man hat eingesehen, daß die wenigsten Leute wirklich daran interessiert sind, ganz mit den Drogen aufzuhören und toleriert andere Lebenskonzeptionen. Anstatt mit erhobenem Zeigefinger den Leuten zu sagen „Du mußt aufhören“, folgt man lieber der Devise „wenn Du unbedingt Drogen nehmen willst, dann nimm sie, aber gehe risikobewußt und eigenverantwortlich damit um“. Dieses Konzept wird von den Usern auch sehr positiv aufgenommen, sie sind viel eher bereit, mal eine solche Drogenberatungsstelle aufzusuchen und sich informieren zu lassen. Zum Programm von EVE & RAVE gehören Partydrogenbroschüren, Info-Busse auf großen Raves und vor allem das „Drugchecking-Programm“, das einen unverzichtbaren Verbraucherschutz darstellt. Die Organisation gibt regelmäßig Analysen der ja nur unter Schwarzmarkt-Bedingungen erhältlichen Ecstasy-Tabletten heraus. Die Qualität solcher Zubereitungen wird im Labor überprüft und die Auswirkungen der veröffentlichten Testergebnisse auf das Konsumverhalten evaluiert. Selbstverständlich enthält eine solche Liste nur Testergebnisse von Stichproben und hat insofern nur einen rein informativen, den Konsum reflektierenden Charakter. Sie ist weder für die Risikoabschätzung geeignet noch kommen die veröffentlichten Testergebnisse einer Garantie- oder Unbedenklichkeitsbescheinigung für risikolosen Konsum gleich. Zumindest aber kann sich ein User einmal eine Vorstellung davon machen, was in seiner Pille alles an Verunreinigungen und gefährlichen Stoffen enthalten sein könnte und sich dann zweimal überlegen, ob er dies riskiert.
III. Wirkungsweise des MDMA
„Wie wirkt eigentlich MDMA?“
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Bruce Eisner : „Auf diese Frage weiß man noch keine definitive Antwort. Höchstens mehr Fragen. Welche Prozesse setzt MDMA im Gehirn in Gang? Welchen Ursprung hat die typische Wirkung, daß bislang anscheinend ungenutzte Kapazitäten des Gehirns freigesetzt werden? Was verursacht die emotionale, mentale und körperliche Streßreduzierung? Wie öffnet MDMA das Herz?“
• Allgemeines zur Neurochemie
Um die Wirkungsweise psychoaktiver Substanzen überhaupt verstehen zu können, ist es zunächst einmal notwendig, einige grundlegende Kenntnisse über die Funktion unseres Nervensystems zu besitzen, um dann allgemeine
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Überlegungen anstellen zu können, wie Psychopharmaka auf zellulärer, neurochemischer bzw. neurophysiologischer Ebene wirken. Jede Nervenzelle (Neuron) überträgt ihre Informationen entlang ihres unglaublich langen Fortsatzes (Axon) in Blitzesschnelle auf elektrischem Wege. Um diesen elektrischen Impuls auf eine andere Nervenzelle oder zum Erfolgsorgan (z.B. Muskel) zu übertragen, werden chemische Überträgerstoffe, sog. Neurotransmitter, eingesetzt. Solch ein Neurotransmitter wird am Ende der Nervenzelle chemisch hergestellt, in Bläschen (Vesikeln) bereitgehalten und auf einen elektrischen Reiz hin in den sog. synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenendigungen freigesetzt. Wenn dieser Neurotransmitter auf den Empfänger (Rezeptor) wie ein Schlüssel zum Schloß paßt, so wird die Erregung auf einen anderen Nerven übertragen. Um eine Dauererregung des Rezeptors zu verhindern, wird der Neurotransmitter dann wieder in die Bläschen zurückgenommen und bis zur nächsten Erregung gespeichert. Dies ist - in sehr vereinfachter Form- die Funktion der Schaltstellen zwischen den Nervenendigungen, der sog. Synapsen, mit denen jede einzelne Nervenzelle an 1.000 bis 10.000 Stellen mit anderen Neuronen in Kontakt steht und von denen sie erregende oder hemmende Impulse erhält.
Das Gehirn besteht aus ca. 100 Milliarden solcher Neuronen. Zusammen bilden sie ein kompliziertes Netzwerk, das noch dadurch komplizierter wird, daß es, wie man heute weiß, etwa 10 solcher Transmittersubstanzen gibt, die in ganz verschiedenen Gehirngebieten anregend, in anderen wieder hemmend wirken können.
Transmitter sind also Substanzen, die in einem Neuron synthetisiert und gespeichert werden, durch Nervenaktivität ausgeschüttet, von der postsynaptischen Membran spezifisch gebunden werden (= Rezeptor) und dort dann die Aktivität der postsynaptischen Zelle im Sinne einer Erregung oder Hemmung beeinflussen. Die wichtigsten Transmittersubstanzen, die bei der Wirkung von psychoaktiven Drogen eine Rolle spielen, sind Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin, GABA und Glutamat. Für die wichtigsten Transmitter Serotonin, Acetylcholin, Dopamin und Noradrenalin sind mindestens zwei verschiedene Rezeptoren bekannt, die unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Noch weiter kompliziert wird dieses System dadurch, daß alle Transmitterstoffe und -systeme auch noch tages- und jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen sind und sich immer im Gleichgewicht befinden müssen. Das bedeutet also, daß selbst wenn nur ein einziger Transmitter beeinflußt wird, dies Auswirkungen auf viele andere nach sich zieht, die sich dann wieder einpendeln müssen.
Die Kompliziertheit dieses Netzwerkes erklärt dann auch, warum man heute noch weit davon entfernt ist, sämtliche Zusammenhänge über die Wirkungsweise von psychoaktiven Substanzen zu verstehen. Was man aber weiß ist, daß Substanzen, die einen Einfluß auf das Nervensystem haben sollen, bestimmte Bedingungen erfüllen müssen, um eine Wirkung zu erzielen. Sie müssen nämlich über die Blutbahn an den Wirkungsort transportiert werden und
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die Blut-Hirn-Schranke überwinden. Erst dann können sie auf vielfältige Art wirken, z.B. indem sie selbst chemisch mit einem Transmitterstoff verwandt sind und vom Rezeptor mit diesem verwechselt werden, oder daß sie die Herstellung eines Neurotransmitters bzw. seinen Abbau im synaptischen Spalt hemmen oder indem sie eine Wiederaufnahme in die Bläschen verhindern. Wendet man sich nun der Wirkung psychoaktiver Drogen zu, so kann man diese zunächst nach der Ähnlichkeit mit Neurotransmittern einteilen. So gehören z.B. Psilocybin und andere Tryptamine, ebenso LSD, in die Serotoningruppe, während die Amphetamine und Meskalin der Dopamingruppe angehören. Allerdings, betrifft selbst eine isolierte pharmakologische Wirkung eines Transmittersystems, wie oben bereits erwähnt, aber indirekt ja auch alle anderen Systeme, was Wirkungsüberschneidungen erklärt. (Nach Dr. Peter Hess „Zur Pharmakologie von MDMA“, aus „MDMA“, S.46ff, 4. Erweiterte Aufl., Der Grüne Zweig 103, Nachtschattenverlag)
• Spezielle Neurochemie des MDMA
Das MDMA ist chemisch mit Dopamin verwandt und gehört zu den Phenylisopropylaminen. Es ist oral aktiv und weist eine hohe pharmakologische Potenz auf. Strukturchemisch weist MDMA auch mit Adrenalin eine große Ähnlichkeiten auf, jedoch wirkt es länger als das Adrenalin selbst, da es von der Monoaminooxydase nicht so schnell abgebaut werden kann. Betrachtet man nun die Wirkung des Adrenalin, dem körpereigenen Hormon der Nebenierenrinde, so kann man die körperlichen Nebenwirkungen des MDMA besser verstehen :
Das Adrenalin ist der Hauptakteur im sympatho-vegetativen Nervensystem und wirkt erregend mit allgemeiner Leistungssteigerung des Organismus. Es versetzt den Körper praktisch in Alarmbereitschaft und wird normalerweise ausgeschüttet bei Streß, Angst, aber auch bei intensiver Freude. Es kommt dann zu einer Blutdrucksteigerung, Pupillenerweiterung, gesteigerter Herzfrequenz, Bronchialerweiterung, gedrosselter Darmtätigkeit, Verengung der Hautgefäße, erhöhter Wachheit, motorischer Unruhe, Tremor, verstärktem Atem und einer Erhöhung des Grundumsatzes des Stoffwechsels und des Sauerstoffbedarfs der Gewebe. (Dies entspricht im wesentlichen auch den deutlich spürbaren Nebenwirkungen bei einer Einnahme von MDMA.) Das Amphetamin und seine zahlreichen Abwandlungen, zu denen auch MDMA gehört, sind Verwandte des Adrenalins. Neben der oben beschriebenen peripheren Nebenwirkungen stimulieren diese oft auch als „Weckamine“ bezeichneten Stoffe das Zentralnervensystem, in das sie im Gegensatz zu körpereigenen Sympathomimetika gut eindringen können. Sie setzen aus den Speichern (Bläschen) adrenerger Nervenenigungen Noradrenalin und auch Dopamin frei, was den psychogenen Effekt erklärt und auch, daß es nach längerem Amphetaminmißbrauch zu Symptomen ähnlich der Schizophrenie kommt (Dopaminwirkung). Bei psychomimetischen Amphetaminen, z.B. bei
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MDA, sind normalerweise die linksdrehenden Moleküle die Träger der Hauptwirkung, bei MDMA aber sind es die rechtsdrehenden. Dadurch unterscheidet sich das MDMA pharmakologisch, trotz der großen chemischen Ähnlichkeit, deutlich von seiner Muttersubstanz MDA. Bei einem Tierversuch mit Ratten konnte man herausfinden, daß das linksdrehende Isomer von MDMA einen direkten Effekt am Rezeptor hat, während das rechtsdrehende Isomer einen Transmitter in den Spalt freisetzt und zwar überraschenderweise das Serotonin. Noch weiß man aber nicht genau, wie die spezifische psychogene Wirkung, die MDMA vom Amphetamin und vom Adrenalin unterscheidet, zustande kommt. Primär sind für die Wirkungsweise des MDMA jedenfalls adrenerge und serotonerge, weniger aber dopaminerge Effekte im Zentralnervensystem und in der Peripherie verantwortlich.
• Neurotoxizität
Was die Auswirkungen des Konsums (Mißbrauchs) von Ecstasy auf das Nervensystem und das Gehirn betrifft, so gibt es bislang keine gesicherten Befunde, zumindest was den Humanbereich betrifft. Alles, was man bislang weiß, sind Ergebnisse aus Tierversuchen, deren Übertragbarkeit auf den Humanbereich jedoch bekannterweise äußerst fragwürdig und problematisch ist. Ende der 80er Jahre berichteten US-Wissenschaftler (z.B. Ricaurte, Battaglia u.a.) bei bestimmten Tierarten, hauptsächlich bei Ratten, von Nervenzelluntergängen im Serotoninsystem. Später konnten Ricaurte et al. (1988) solche Effekte (Serotonindefizite im Hypothalamus und Thalamus) auch bei Primaten nachweisen, sogar bei einer einmaligen oralen Dosis. Man schloß auf eine irreversible toxische Schädigung. Kritisch sei hierzu aber anzumerken, daß diese Untersuchungen von amerikanischen Gesundheitsbehörden zu dem Zweck in Auftrag gegeben wurden, die Gefährlichkeit des MDMA zu beweisen und dessen Verbot von 1985 zu unterstützen. Die verwendeten Dosierungen waren nämlich sehr hoch, Nachuntersuchungen zu kurz bemessen und die Interpretation der Ergebnisse zu scharf formuliert. Man sprach etwas vorschnell von irreversibler Schädigung und übertrug die Ergebnisse direkt auf den Menschen, obwohl bekannt ist, daß gerade MDMA bei verschiedenen Tierarten extrem unterschiedlich giftig ist. Spätere Untersuchungsergebnisse konnten nämlich beweisen, daß sich die Neuronen nach einem Zeitraum von 6 Monaten bis zu 1 Jahr teilweise wieder erholten, also doch nicht ganz abgestorben sein konnten. (Hess, „MDMA“, S.48f)
Hinsichtlich des dopaminergen Systems konnte man noch nachweisen, daß MDMA im Rattenhirn zu einer vermehrten (präsynaptischen) Freisetzung von Dopamin in bestimmten Hirnregionen, v.a. im sog. Nucleus accumbens, führt. MDMA verhält sich dabei in seiner Wirkung auf das dopaminerge System wie ein indirekter Dopaminrezeptor-Agonist. Allerdings ist die dopaminerge Komponente im Wirkungsspektrum von MDMA wesentlich geringer als die
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serotonerge und vermutlich führt die durch MDMA hervorgerufene Serotoninfreisetzung auf indirektem Wege zu der erhöhten Dopaminfreisetzung.
Zusammenfassend weisen nun die bisherigen (tierexperimentellen) Untersuchungsergebnisse in folgende Richtung :
• MDMA verursacht bei nichtmenschlichen Primaten stärkere neurotoxische Effekte als bei Ratten, wobei es zu einer Verarmung des Hirngewebes an Serotonin und dessen Abbauprodukten kommt; histologisch imponieren Degeneration und Zerfall serotogener Axonendigungen.
• Das Ausmaß der Neurotoxizität ist allerdings stark dosisabhängig.
• Bemerkenswert ist, daß die Veränderungen im Transmittergleichgewicht und in der Hirnmorphologie der Versuchstiere kein nachweisbares Korrelat auf der Verhaltensebene haben (selbst bei 73prozentiger Erschöpfung der neokortikalen Serotoninkonzentration kam es bei der Ratte zu keinen feststellbaren Verhaltensabweichungen)
• Möglicherweise können die durch MDMA herbeigeführten strukturellen Veränderungen durch andere Hirnareale über einen gewissen Zeitraum kompensiert werden ! (Battaglia et al., 1988 a und 1988 b, Pierce & Peroutka, 1988, Ricaurte et al., 1992, Robinson et al.., 1993) In der wissenschaftlichen Literatur gibt es aber bis jetzt auch keinen einzigen erwiesenen Fall, der die Neurotoxizität von MDMA definitiv mit verhaltensbestimmten oder funktionalen Auswirkungen verknüpft. Auch in psychologischen Tests mit MDMA-Konsumenten konnten keine Schäden nachgewiesen werden, und Psychiater, welche die Droge bei Patienten anwenden, haben ebenfalls keine Schäden beobachten.
• Wirkungsweise auf den Menschen
Zuerst setzt die Wirkung peripher mit einer Erregung des sympatho-vegetativen Nervensystems, vorwiegend in Herzhöhe ein. Die Wirkung setzt nach oraler Einnahme oft bereits nach ca. 20-30 Minuten abrupt ein, sie kann jedoch auch erst nach 1 Stunde und mehr einsetzen, wenn etwa unbewußte oder bewußte Blockaden vorliegen.
Man spürt nun eine Beklemmung über der Brust und ein Druck, begleitet von schnellerem Herzschlag und Atem und leichter motorischer Unruhe. Es ist möglich, daß sich diese Symptome zu einem Hyperventilationssyndrom ausweiten, wenn man auf sie mit großer Angst reagieren sollte. Andernfalls gelangt man in einen Zustand der Ruhe und des inneren Friedens, „das Herz geht einem auf“; man empfindet zu sich selbst und zu seiner Umwelt ein Gefühl tiefster Liebe. Man glaubt, alles erreichen zu können, was man nur will, das Selbstwertgefühl steigt in hohem Maße.
Das Wachbewußtsein ändert sich meist in Richtung Absinken der Vigilanz bis zu einem tranceartigen passiven Zustand, der aber auch übergehen kann in eine Vigilanzsteigerung und Aktivität, sowohl geistig, als auch körperlich. Ob man
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nun in einen extrem passiven oder in einen extrem aktiven Zustand verfällt, ist von Individuum zu Individuum verschieden, z.T. abhängig vom „Setting“, also wo und wie die Droge eingenommen wird (in der Disco oder zu hause/allein oder in Gesellschaft), und auch persönlichkeitsabhängig. Sonst eher zu depressiven Gemütszuständen neigende Menschen tendieren dann häufig eher zum Passiven und leben den Rausch nur im Kopf aus, wohingegen andere den Rausch dann aktiv -meist beim Tanzen- ausleben. Es kann aber auch vorkommen, daß ein normalerweise eher depressiver Mensch nun gerade durch eine solche Erfahrung zum Gegenteil gewendet wird. Die Sinneswahrnehmungen werden nur quantitativ, nicht aber qualitativ verändert. Meist nimmt das Hörvermögen ab, ist weniger präzise, ähnlich als ob man unter Wasser wäre. Ebenso wird auch das Sehvermögen etwas verschlechtert in Form von verschwommenem Sehen, es wird einem unmöglich länger auf eine bestimmte Stelle zu sehen. Oft erscheint es, als würden sich die Augen selbständig machen; ohne die Möglichkeit einer willentlichen Beeinflussung zittern sie wild umher. Solche zuckenden Augenfolgebewegungen (Nystagmus) können auf einen Beobachter mitunter erschreckend wirken. Auch Geruchssinn und Geschmack werden leicht vermindert, bei völliger Appetitlosigkeit und ausgetrocknetem Mund. Das Berührungsempfinden dagegen nimmt in starkem Maße zu, bei gleichzeitiger Abnahme der Schmerzempfindlichkeit (analgetischer Effekt). Streicheln wird dann als äußerst angenehm empfunden, jede kleinste Berührung wirkt wie elektrisierend. Dies kann auch eine Veränderung des sexuellen Empfindens bewirken : Ein Gefühl des (Neu-) Verliebtseins mit verstärkter Berührungsempfindung läßt eine intensive Begegnung zweier Menschen zu, wobei Zärtlichkeit die dominierende Rolle spielt. Der eigentliche sexuelle Akt ist dabei eher zweitrangig, da bei den meisten Menschen durch MDMA ein Orgasmus und eine Ejakulation nicht oder nur sehr selten möglich ist. Trotzdem ist eine körperliche Vereinigung meist sehr beglückend und wird als besonders intensiv und nah erlebt.
Während der Hauptwirkung, die ca. 2-4 Stunden anhalten kann, treten charakteristische Veränderungen des Gedächtnisses auf, wobei das Kurzzeitgedächtnis eher etwas verschlechtert wird, wohingegen das Langzeitgedächtnis enorm verstärkt wird. Neben dem Verlust des Zeitgefühls war die am häufigsten beobachtete Wirkung der offenere, mit weniger Angst oder Abwehr verbundene Umgang mit anderen Personen wie auch mit sich selbst. Gedächtnisinhalte werden aktiviert und gleichzeitig kommentiert. Fehler, die man selbst gemacht hat, oder Ungerechtigkeiten, die man z.B. von den Eltern erfahren hat, werden deutlich erinnert und können leicht verziehen werden, sowieso könnte man „die ganze Welt umarmen“. In der Tatsache, daß traumatische Erinnerungen, die jahrelang unterdrückt wurden, da die Auseinandersetzung mit ihnen zu schmerzhaft war, nun ohne Angst betrachtet und zugelassen werden können, liegt die Hoffnung einiger Psychotherapeuten auf einen therapeutischen Nutzen der Droge begründet. Schmerz kann
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schwächer werden, vor allem, wenn er auf Angst beruht. Viele Benutzer berichten von einer dauerhaften, positiven Wirkung, die die Droge auf ihr soziales/interpersönliches Leben gehabt hat, wobei die meisten Veränderungen ihre geistigen Auffassungen und Werte betreffen. Die meisten Konsumenten fühlen sich enthemmter, befreit, zufrieden mit sich selbst und fähig, Gefühle klarer wahrzunehmen und auch besser in Worte fassen zu können. Nur ganz wenige fühlen sich depressiv.
Zum Auftreten von Wahnvorstellungen oder Zwangshandlungen kommt es nicht, Halluzinationen treten nur auf, wenn die Ecstasy noch andere Empathogene (z.B. MDEA) enthält.
Während der gesamten Sitzung verbleibt man in einem Zustand wohliger Wärme, zuweilen auch unglaublicher Hitze, verbunden mit verstärkter Transpiration. Sowohl durch das Schwitzen als auch durch verstärkte Diurese tritt eine Dehydration (Entwässerung) auf, der durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr unbedingt entgegengewirkt werden sollte.
• Nebenwirkungen/Negative Auswirkungen
Die am häufigsten auftretenden, unangenehmen Nebenwirkungen sind ein trockener Mund und Appetitverlust. Auch kann es zu verschiedenen Muskelreaktionen kommen. Hierzu gehören Nebenwirkungen wie ein verkrampfter Kiefer, Zähneklappern, Augenzittern, Muskelzucken, Übelkeit und Krämpfe sowie Verkrampfung der Beinmuskulatur, vor allem zu Beginn der Wirkung. Bei häufigerem Gebrauch werden einige der Nebenwirkungen schwächer oder treten gar nicht mehr auf (z.B. das Zähneklappern). Die gefährlichsten Nebenwirkungen sind Überhitzung und Dehydration, was unter Umständen dazu führen kann, daß der Kreislauf kollabiert oder ein Nierenversagen auftritt. Eine Langzeit-Nebenwirkung ist Gewichtsverlust, für einige Frauen kann dies sogar der Grund zur Einnahme der Droge werden.
IV. Psychische und psychosoziale Folgen eines dauerhaften MDMA-Konsums
Eine häufig beobachtete negative Konsequenz eines längeren Ecstasy- Konsums liegt in der sozialen Isolation, in welche sich die Konsumenten bringen können. Dieses Phänomen ist auch bei Konsumenten anderer Drogen allgemein häufig zu beobachten. Es entsteht durch das Gefühl „anders“, womöglich sogar „besser“ zu sein, als die „normalen“ Nicht- Drogenkonsumenten. Man glaubt, weitere Horizonte zu haben als die anderen Menschen und die Kommunikation mit ihnen wird immer schwieriger. Da Drogen und Parties in der Szene meist die beliebtesten und oft auch einzigsten Gesprächsthemen sind, weiß man schlichtweg nicht mehr, über was man sich nun unterhalten soll, denn die „Normalen“ („Straight Edger“) können hier ja nicht mitreden. Als Konsequenz
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ergibt sich dann, daß der Freundeskreis irgendwann nur noch aus „Partypeople“ besteht und hieraus resultiert dann die größte Problematik, wenn man irgendwann mal wieder aussteigen möchte. Wer dann mit den Drogen aufhören möchte, muß nämlich zunächst einmal aus der Szene raus oder braucht einen unmenschlich starken Willen, denn die Versuchungen sind dort zu groß. Blickt man sich dann um, sind häufig keine Freunde mehr von früher geblieben bzw. man hat sich zu weit voneinander entfernt und steht nun allein dar. Ein weiteres Problem besteht darin, daß viele der Ecstasy- Konsumenten den normalen Alltag als zunehmend langweilig empfinden. Man lebt lange Zeit nur für das nächste Wochenende und kann so seine Motivation verlieren. Alle anderen Lebensinhalte verlieren zunehmend an Attraktivität. Ein vorprogrammierter sozialer Abstieg muß jedoch keineswegs die unmittelbare Folge eines (auch dauerhaften) Ecstasy- Konsums sein. Hier gibt es doch sehr starke interindividuelle Unterschiede. Zu Beginn der Ecstasy„Karriere“ verfallen wohl die meisten Konsumenten in ein recht exzessives Partyleben, die meisten holt aber dann irgendwann doch die Vernunft wieder ein und sie merken, daß dies nicht auf Dauer möglich ist. Um sozialen Streß in Familie und Schule/Beruf zu vermeiden, entwickeln die meisten ein sehr gut organisiertes Doppelleben und beschränken den Drogenkonsum auf das Wochenende. Leider bestätigen Ausnahmen auch hier die Regel und einige „Raver“ bemerken nicht, daß sie sich nur selbst schaden, wenn sie nicht mehr zur Schule gehen, zuhause rausfliegen, den Job verlieren und das Sparbuch ihrem Dealer überschreiben. Die psychologischen Langzeitnebenwirkungen sind also stark persönlichkeitsabhängig (und natürlich auch milieuabhängig), für psychisch labile Personen kann der Ecstasy- Konsum aber potentiell gefährlich werden.
Eine in der Szene am häufigsten beobachtete negative Begleiterscheinung des Konsums von Ecstasy ist die dort sehr oft auftretende Polytoxikomanie. Dies bedeutet, daß es nur bei den wenigsten Usern beim ausschließlichen Gebrauch einer Droge bleibt. Der Regelfall ist eher, daß neben den „Pillen“ auch andere Drogen, zumeist auch gleichzeitig, eingenommen werden : Amphetamine, damit man (noch) länger tanzen kann und auch bis zur letzten „After- Hour“ am Montagmorgen durchhält; LSD, um dem Turn noch etwas Farbe zu verleihen; Haschisch, wenn man dann doch zu aufgedreht ist und am Schluß noch ein paar Tranquilizer, wenn auch das beste THC nicht mehr reicht, um endlich einzuschlafen und einen „Abturn“ zu vermeiden. Zumindest ist der Konsum von Heroin in der „Szene“ eher verpönt und wird deutlich abgelehnt.
- Erzeugt Ecstasy eine Sucht?
Eine Droge wird dann als suchterzeugend betrachtet, wenn körperliche Entzugserscheinungen auftreten, wenn ein regelmäßiger Konsument sie nicht mehr nimmt. Nach dieser Definition wäre MDMA also nicht suchterzeugend. Die Möglichkeit, daß jemand über einen längeren Zeitraum hinweg täglich
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MDMA konsumiert, wird außerdem durch die sehr rasche Toleranzentwicklung beschränkt. Denn würde man es täglich konsumieren, würde man nach einer Woche schon nicht mehr die gewünschte Wirkung verspüren. Es kann dann mehrere Wochen dauern, bevor wieder die volle Wirkung eintritt. Die meisten Konsumenten nehmen es sowieso nur als „Freizeitdroge“ an den Wochenenden, viele aber regelmäßig jede Woche. Leider muß man aber davon ausgehen, daß Ecstasy doch definitiv eine psychische Abhängigkeit erzeugt. Viele der Konsumenten finden das Leben einfach eintönig, wenn sie nicht auf „E“ sind, sind oft niedergeschlagen und antriebslos. Das enorme Glücksgefühl, das man einmal auf der Droge erfahren hat, will man nie wieder missen, zumal man im „normalen“ Leben zwar ebenfalls Glück erfahren kann, aber niemals so lange und derart intensiv wie bei der Einnahme von MDMA. Ist die Droge dann nicht da, fühlt man unter Umständen eine Leere in sich. Man wird dann als nächstes versuchen, diese Leere mit anderen Drogen, meist Amphetaminen, zu kompensieren, stellt aber schon sehr bald fest, daß dies nur ein sehr mäßiger, unbefriedigender Ersatz darstellt. Die Folge können Depressionen und ein Gefühl der Hilflosigkeit sein. Da man die Droge auch meist als Freizeitgestaltung eingesetzt hat, weiß man nun nichts mehr mit seiner Freizeit anzufangen. Alle anderen Beschäftigungen wirken farblos und langweilig, einfach unbefriedigend im Vergleich. Dies stellt wohl den negativsten Aspekt dar, den man im Zusammenhang mit Ecstasy anführen kann, er überwiegt auch alle möglichen körperlichen Nebenwirkungen.
LITERATUR :
• Simon, Roland u.a.: „Suchtbericht Deutschland 1997“, Schneider-Verlag
• N. Saunders : „Ecstasy“ (1996), Verlag Ricco Bilger, Zürich
• S. Widmer : „Ins Herz der Dinge lauschen- Über MDMA und LSD : Die unerwünschte Psychotherapie“ (1989), Nachtschatten-Verlag, Solothurn
• M. Rabes, W. Harm (Hg.) : „XTC und XXL Ecstasy“ (1997), Rowohlt-Verlag, Hamburg
• C. Weigle, R. Rippchen (Hg.) : „MDMA- Die psychoaktive Substanz für Therapie, Ritual und Rekreation“ (1992), Werner Pieper’s MedienXperimente & Nachtschatten Verlag
• J. Neumeyer, H. Schmidt-Semisch (Hg.) : „Ecstasy- Design für die Seele?“, Lambertus-Verlag
• A. und A. Shulgin : „PIHKAL- A Chemical Love Story“ (1995), Transform Press, Berkeley (California)
Arbeit zitieren:
Angela Leiser, 1998, Das "Empathogen" MDMA: Ecstasy, München, GRIN Verlag GmbH
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