Dadurch kann die Gesellschaft insofern verändert werden, als dass die Jugendlichen über die Bindungen innerhalb der Gesellschaft aufgeklärt werden. Die nachfolgenden Generationen, also die jetzt jugendlichen, können problembewußt, bedürfnisorientiert und emanzipatorisch sozialisiert werden.
Diese Ziele ergeben sich selbstverständlich aus dem aktuellen Verständnis und Aufbau der Gesellschaft, bedeutet dass aktuelle Trends sich auch in der Jugendarbeit wiederspiegeln.
Diese Trends wurden von verschiedenen Wissenschaftlern in verschiedene Theorien verbaut und publiziert. So z.B. um 1975 wurden durch Hollstein und Meinhold die Lösung von beruflichen, persönlichen und gesellschaftlichen Problemen der Jugendlichen, vor allem der Lehrlinge und Jungarbeiter, in den Mittelpunkt der Jugendarbeit gestellt.
Das Ziel, dass Müller 1977 als wichtigstes Ziel der Jugendhilfe verstand, war Autonomie des jungen Menschen, wofür er durch die Begleitung der Sozialpädagogen lernen sollte ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Schon um 1983 wurde die Jugendarbeit als aktives Mittel zur Gestaltung der Gesellschaft verstanden. Die Jugendlichen sollten emanzipiert werden, also gesellschaftliche Zusammenhänge der Gesellschaft erkennen können und durch Partizipation, also mitwirken, mitdenken, mitbestimmen mitverantworten. Dies wurde durch Giesecke gefordert und umgesetzt.
Bei diesen Forderungen wurde jedoch eine politische Schiene völlig aus den Augen verloren. Diese wurde jedoch schon 1971 durch Leibel in seiner anti-kapitalistischen Jugendarbeit gefordert. Den Jugendlichen soll dabei die Diskrepanz zwischen Arbeit und Kapital nahegebracht und verständlich gemacht werden. Durch eine weite Verbreitung dieser Aufklärung sollen die Jugendlichen in die Lage versetzt werden, die kapitalistische Klassengesellschaft zu vernichten.
Jedoch musste er 1978 seinen politischen Ansatz erweitern, da er ein pädagogisches Defizit in der Vorbereitung auf das Leben der Jugendlichen sah. Dazu forderte er die Pädagogen auf, die Jugendlichen dahingehend solidarisch zu erziehen, dass sie eigenständig und gemeinschaftlich ihre Probleme lösen können.
Diese Eigenständigkeit der Jugendlichen wurde in der Zeit der antiautoritären Protestbewegung erweitert. Die Jugendlichen sollen ihre Freizeit selbst bestimmen und selbst organis ieren. Dies bedeutet, dass die Jugend- Zentren in eigener Regie der Jugendlichen geführt und organisiert werden. Hier steht der Jugendliche im Mittelpunkt und der Jugendleiter wird als Helfer verstanden.
Dieses Konzept wurde 1986 von Damm in der „bedürfnis orientierten Jugendarbeit“ erweitert. Die Jugendlichen sollen lernen ihre Bedürfnisse zu formulieren und in die Tat umzusetzen. Hieraus folgt eine ergänzende oder korrigierende Funktion der Jugendarbeit zu der wenig emanzipatorischen Erziehung der Schule.
1990 formulierten Böhnisch und Münchmeier das Konzept der sozialräumlich orientierten Jugendarbeit, in der nicht die Jugendarbeit als Mittelpunkt der Jugendarbeit verstanden wird, sondern nur als Mittel zur Eigenständigkeit der Jugendlichen verstanden wird.
Träger der Jugendarbeit
Die hohe Zahl der Anbieter (träger) der Jugendarbeit steigert die Qualität der Jugendarbeit, wobei die grösste Zahl der Jugendeinrichtungen von Jugendverbänden (ca. 20.000 Freizeitstätten) unterhalten wird.
Das Programm der Einrichtungen wird massgeblich durch den Träger geprägt, z.B. kirchliche, politische, fach- verbandliche oder gewerkschaftliche Trägerschaft.
Seit den 80er Jahren wollen Jugendliche nicht mehr die Form der Dauerbindung zu einer Einrichtung, sondern sind vielmehr angebotsorientiert, d.h. sie besuchen die Einrichtung die ihnen am ehesten zusagt. Interessant wird die These der Autoren, dass die Jugendeinrichtungen unter kommunaler Trägerschaft oftmals offene Arbeit anbieten, die sich stärker mit den Problemen der Gesellschaft auseinandersetzen, wie z.B. Drogen- konsum, Obdachlosigkeit oder Integration von Ausländern.
Praxisfelder
Unter der politischen Bildung in der Jugendarbeit wird nicht der schulische Politikunterricht verstanden, sondern vielmehr das erlangen praktischer Handlungskompetenz um die eigenen Interessen und Bedürfnisse durchsetzen zu können. Dieses wird auch als Handlungsrahmen vom Gesetzgeber an die kommunalen Träger übergeben. Dies ist jedoch ein Ziel, das insgesamt in der Sozialarbeit verfolgt wird. Wichtiges Ziel ist es fernen, den Jugendlichen deutlich zu machen, dass bestimmte politische Ziele, z.B. Misstandbeseitigung in der Kommune, Flugblattaktionen o.ä. nur durch die Bildung von Interessengruppen zu erreichen sind. Dieser Zusammenschluss gleichgesinnter Jugendlicher ist effektiver als die Aktionen einzelner.
Diese Aktionen sind besonders weit vertreten in der Bearbeitung politisch und gesellschaftlich bedeutender Themen, wie z.B. Ökologie und Umweltschutz oder den Friedensbewegungen.
Jugendfreizeitstätten:
Jugendfreizeitstätten sind der Produktionsort von offener Jugendarbeit, die im Wesentlichen in der Nachkriegs- zeit durch die Amerikaner in sogenannten „Reeducation Programs“ geprägt wurden. Deren Ziel war es, den deutschen Jugendlichen vor allem die Demokratie und die politische Eigenverantwortung näher zu bringen. Nach dem Rückzug de Amerikaner wurden diese Einrichtungen von den Städten übernommen und die Ziel- setzung beibehalten. Im Mittelpunkt standen aber auch der Jugendschutz und das Angebot an die Jugend zur selbstsändigen, krerativen Arbeit.
In der heutigen Zeit veranlassen die Folgen der leeren Kassen in der Kommune, z.B. schlechte Ausstattung der Einrichtungen die Jugendlichen eher auf kommerzielle Anbieter der Jugendarbeit, z.B. Diskotheken, Spielhöllen etc, zurückzugreifen. Dies soll für die kommunale Jugendarbeit nicht bedeuten, dass solche Angebote kopiert werden sollen, sondern die Vorstellung und Bedürfnisse der Jugendlichen sollen, im Rahmen einer Mitwirkung, beachtet werden. Dies ist auch unter politischer Bildung zu verstehen.
Ein weiterer Nachteil der Jugendeinrichtungen ist im Regelfall das geringe Angebot für Kinder und Mädchen, da in den Einrichtungen besonders viele männliche Jugendliche und junge Männer vertreten sind und diese auch die Einrichtung und das Angebot nicht unerheblich prägen.
Der Autor stellt folgende Forderungen zur Mängelbehebung in Jugendeinrichtungen auf: 1.) bessere personelle und sachliche Ausstattung und flexiblere organisatorische Ausgestaltung der Einrichtungen, 2.) klare Zielsetzung und Aufgabenbestimmung, die für Überprüfung und Korrektur durch die Benutzer offen sein müssen,
3.) Schaffung von Entscheidung- und Hanlungsspielräumen für die Jugendlichen, die über den engen Rahmen des Heimes hinausweisen und auf die weitgehend freier Verfügung über die einzusetzenden Finanzen und Mittel beruhen, deren Zielsetzung und Wirkung jedoch zum Gegenstand rationaler Auseinandersetzung und kritischer Stellungnahme werden müssen. (ZITAT Grauer, 1973, S. 267 f.) 4.) Risiko- und Konfliktbereitschaft der Träger und Mitarbeiter/innen.
Dies bedeutet, dass die Kommunen nicht den Kopf in den Sand stecken sollen, sondern sich vielmehr herausge- fordert fühlen sollen, die Schwierigkeiten zu beheben, z.B. durch Motivation und Schulung der Mitarbeiter, bessere Ausstattung, rechtliche Absicherung oder politische Unterstützung.
Gleichzeitig sind die Träger auch gefordert, ein Konzept zu erstellen, die als Existenzrechtfertigung der Ein - richtung und der Mitarbeiter dienen soll.
Durch die Steigerung der Jugendarbeitslosigkeit konnte man in den Einrichtungen erleben, dass oftmals ziel- gruppenorientierte Angebote, z.B. Werken, Berufsfindungsprogramme oder Bewerbungstraining etc sngeboten wurden. Diese Angebote sollten sich nicht an alle Jugendliche wenden, sondern nur an einzelne. Diese Beobachtung löste auch die Diskussion um mädchenorientierte Jugendarbeit aus.
Ferienpädagogik:
Die Besonderheit der Ferienpädagogik ist das Verlassen des gewohnten Lebensraumes, z.B. Familie, Freundes- kreis etc für eine bestimmte Zeit, im Regelfall 3 Wochen. Dies fordert den Jugendlichen heraus, sich mit neuen Jugendlichen zusammenzufinden und Teil der Gruppe zu werden. Hierbei treten oftmals pädagogische Probleme auf, die im gewohnten Umfeld nicht oder nur stark vermindert auftreten. Es ist eine Herausforderung für den Jugendlichen, den Betreuer und den Rest der Gruppe, mit diesen Problemen fertig zu werden. Andersherum werden bestehende Jugendgruppen in Verbänden durch diese Massnahmen gestärkt und gefestigt. Diese Verfestigung wird noch verstärkt durch die zahlreichen Vorarbeiten, die geleistet werden können, bis die Reise losgehen kann. Durch festgelegte Aktionen und Aktivitäten der gesamten Gruppe ist eine Unterscheidung zum kommerziellen Jugendtourismus in jedem Fall gegeben.
Kulturelle Jugendarbeit:
Unter dieser Form der Jugendarbeit versteht man vor allem das kreative Einbringen der Jugendlichen in einen festgelegten Handlungsablauf, z.B. Sketche, Theaterstücke, Strassentheater oder Videoverfilmung. Dies steigert nicht nur die Kreativität der Jugendlichen, sondern verleiht auch einen kritischen Einblick in die welt der Medien und die daraus folgende Differenzierung der eigenen Wahrnehmung.
Diese Methode wird von den Jugendlichen oftmals als ein Gegenpol zum eigenen Leben verstanden.
Mobile Jugendarbeit:
Mobile Jugendarbeit beschäftigt sich vor allem mit schwierigen Jugendlichen, die vom Normalverhalten abweichen, z.B. sozail auffällige, straffällige oder aggressive.
Es handelt sich um einen offensiven zielgruppen- und lebensfeldorientierten Ansatz, der vor allem mit diesen gefährdeten Jugendlichen einen Beratungs- und Hilfsangebot entwickelt.
Arbeit zitieren:
Götz Barkey, 1999, Jugendarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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