Cornelia Strobl Arthur Miller, Hexenverfolgung
BIOGRAPHIE - ARTHUR MILLER (1915 - 1995)
uraufgeführten Stück „The Man who had all the Luck“ ebenso zugrunde wie dem 1945 erschienenen Roman „Focus“. Während des zweiten Weltkrieges diente A. Miller in der US-Marine. 1945 ging er nach Hollywood, wo er ab 1947 seine ersten Bühnenerfolge feierte.
Verheiratet war Arthur Miller insgesamt dreimal. Miller heiratete 1940 ein katholisches Mädchen, Mary Slattery, mit dem er zwei Kinder hatte. Seine zweite Frau, Marilyn Monroe, heiratete er 1956, aber schon nach fünf Jahren zerbrach diese Ehe. Ein Jahr nach seiner Scheidung heiratete Miller die schwedische Fotografin Inge Morath.
Weltruhm errang er 1949 mit der Verarbeitung seiner eigenen sozialen Erfahrungen in "Death of a Salesman", der Tragödie eines von falschen Werten seiner Gesellschaft Verführten. Mit "The Crucible", auf deutsch "Hexenjagd" (1953), einer Dramatisierung der Salemer Hexenprozesse von 1692, griff er indirekt den McCarthyismus und den modernen Massenwahn an. 1956 weigerte er sich vor dem Ausschuss für unamerikanische Umtriebe, seine Verbindungen und Sympathien für die Kommunistische Partei zuzugeben. 1956 wurde ihm der Ehrengrad an der Universität von Michigan zugesprochen.
Zuletzt hat Arthur Miller „Hexenjagd“ für den gleichnamigen Film mit Winona Ryder und Daniel Day-Lewis in den Hauptrollen überarbeitet und eine Drehbuchfassung erstellt.
Im Ehedrama "After the Fall" rückt die Frage nach individueller Schuld in den Vordergrund. Für sein Schauspiel „A view from the bridge“ (Blick von der Brücke) erhielt er den Pulitzerpreis. Arthur Miller starb 1995.
Zur Hexenjagd schreibt Miller:
"Ich wünsche mir die Möglichkeit, ein aggressives Stück zu schreiben. Es sollte aus dem Morast des Subjektivismus jenen einen, ganz bestimmten, schleichenden Prozess ans Licht bringen, durch den sich erweist, dass die Sünde des gesellschaftlichen Terrors darin besteht, den Menschen seines Gewissens zu berauben und damit seiner Persönlichkeit."
Die Uraufführung war am 22. Jänner 1953 am Broadway. Es war eine Erwiderung der Panik, die durch die übertriebene Furcht vor dem Kommunismus während des kalten Krieges herrschte.
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Weitere Werke: „Tod eines Handlungsreisenden“ „Zeitkurven. Ein Leben“ „Lasst sie bitte leben“ (Short Stories) „Hexenjagd“ (das Buch zum Film)
„Neue Stücke. Talfahrt. Der letzte Yankee. Scherben.“ (Drei Dramen) „A memory of two mondays“ „Collected plays“ „After the fall“ „Incident at Vichy“ „The Price“ „I don‘t need you anymore“ „Monte Sant Angelo“
„Nicht gesellschaftsfähig“
Der US-amerikanische Senator begann 1950 mit einem Geldzug gegen eine angebliche Unterwanderung hoher und höchster US-amerikanischer Staatsämter durch Kommunisten und deren Agenten. Es begann mit einer Rede, bei der McCarthy behauptete, im Besitz einer Liste mit Namen von 250 bekannten Kommunisten zu sein, die zur Zeit in der Zustandabteilung arbeiteten. McCarthy und seine Adjutanten, Roy Cohn und David Schine, erhoben wilde Anklagen. Für einige Jahre terrorisierte Mc-Carthy das amerikanische Allgemeinleben. McCarthy verdächtigte zunächst Intellektuelle, besonders Hochschullehrer, Schriftsteller und Angehörige des Außenministeriums, „rosarot“ oder links zu sein. Er war von 1953-1955 Vorsitzender des ständigen Untersuchungsausschusses des Senats für Fragen der inneren Sicherheit. Seine Laufbahn endete, als er auch die Armee in seine Untersuchungen mit einbeziehen wollte.
DIE HEXENPROZESSE VON 1692 IN SALEM
Im Januar 1692 wurden die Tochter und die Nichte von Reverend Samuel Parris aus Salem Village krank. Der Dorfarzt, William Griggs, wurde gerufen, weil sich ihr Zu- stand nicht besserte. Es war seine Diagnose, dass die beiden verhext seien. Diese
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Diagnose führte schließlich zum Tod von 19 Frauen und Männern, die der Hexerei bezichtigt wurden. Außerdem wurde ein Mann zu Tode gequetscht und weitere Angeklagte starben im Gefängnis.
Ein starker Glaube an den Teufel, Unstimmigkeiten zwischen Familien aus dem Salem Village, Rivalitäten mit der nahe gelegenen Salem Town, eine kurz vorher aufgetretene Pocken-Epidemie und die Angst vor den Angriffen kriegerischer Indianerstämme waren gute Grundlagen für Angst und Aberglauben. Man brauchte jemand Verantwortlichen und da kam Hexerei als Ursache für all das Leid gerade recht. Man brauchte Sündenböcke. Innerhalb kürzester Zeit waren die Gefängnisse voll mit mehr als 150 Männern und Frauen aus dem Umkreis von Salem. Sie wurden von jungen Mädchen beschuldigt, an ihren Schmerzen Schuld zu sein. Die Inhaftierten sahen der Todesstrafe entgegen - wegen angeblicher Hexerei.
Im Juni 1692 tagte ein Sondergericht (Court of Oyer and Terminer) zwecks Anhörung der Fälle von Hexerei in Salem. Unter der Leitung des obersten Richters William Stoughton bestand das Gericht aus Schiedsmännern und Geschworenen. Die erste Verhandlung galt Bridget Bishop aus Salem, der für schuldig befunden und am 10. Juni gehängt wurde. 13 Frauen und 5 Männer folgten ihm an drei aufeinander folgenden Tagen an den Galgen, bevor das Gericht von Gouverneur William Phipps im Oktober aufgelöst wurde. Das Hexengericht wurde ersetzt durch das Superior Court
of Judicature. Dieses ließ keinen Geisterglauben als Beweis mehr zu. Das neue Gericht ließ alle noch Inhaftierten frei und begnadigte diejenigen, die auf die Vollstreckung des Urteils warteten. Damit waren die Salem Witch Trials vorbei. Im Laufe der folgenden Jahre wurden Entschuldigungen gemacht und den Familien der Opfer kamen Entschädigungen zu. Historiker und Soziologen haben diese sehr komplexe geschichtliche Episode untersucht, um die extremen Vorkommnisse jener Zeit besser verstehen zu können. Und es finden sich Parallelen zur Hexenmanie im Salem des späten 17. Jahrhunderts auch in jüngerer Vergangenheit, z.B. in der Mc-Carthy-Ära in den 50er Jahren.
INHALTSANGABE
Abigail und einige andere Mädchen aus der Stadt Salem, darunter die Tochter des Pfarrers Parris, tanzen in einer Vollmondnacht im Wald. Abigail wünscht sich während dem Tanzen John Proctor als Geliebten. Bei dessen Familie hatte sie bis vor einem Jahr gearbeitet. Abigail hatte ein Verhältnis mit John und als seine Frau das erfuhr, warf sie Abigail aus dem Haus. Doch die Mädchen werden während dem Tanzen von Parris beobachtet. Dieser möchte am liebsten gar nichts der Öffentlichkeit davon erzählen und seinen Ruf bewahren. Er kann sich keine Hexe als Tochter leisten. Aber das Gerücht der Hexerei dringt doch durch. Bald ist ganz Salem in Aufruhr, weil jeder denkt der Teufel sitze in ihrer Stadt.
Die Mädchen ziehen sich aus der Affäre indem sie Anfälle vortäuschen, in denen sie bestimmte Menschen mit dem Teufel sehen. Da man ihnen glaubt, können sie jeden, den sie wollen, der Hexerei anklagen. Das nützen auch viele andere Bewohner der
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Stadt aus, denn nun können sie alle loswerden, die ihnen im Weg stehen. Niemand ist mehr sicher und alle leben in Angst.
Ein Gericht wird einberufen und nach der Reihe Haftbefehle ausgegeben. Dutzende Menschen landen im Kerker. Darunter auch Freunde John Proctors, sowie seine Frau Elizabeth, da Abigail sie aus dem Weg schaffen möchte. Elizabeth hat nämlich Abigail aus ihrem Haus geworfen, nachdem sie von Abigails Affäre mit ihrem Mann erfahren hatte.
Parris lässt den Exorzisten Hale holen, der ihnen helfen soll. Zunächst hält sich dieser nur an seine Schriften. Doch Proctor sagt ihm, dass alles nur Vortäuschung der Mädchen ist. Hale glaubt ihm und schließt sich ihm an. Eines der Mädchen, Mary Warren, arbeitet seit Abigails Entlassung bei den Proctors. John zwingt sie, Vernunft anzunehmen und bei Gericht gegen ihre Freundinnen auszusagen. Sie bezeugt, dass alles nur ein Streich, eine Vortäuschung ist. Der Richter ist geneigt Mary zu glauben. Als Abigail das merkt, täuscht sie mit ihren Mädchen neuerlich einen Anfall vor. Mary bekommt panische Angst und glaubt wirklich an das, was sie alle vorgetäuscht haben. So sie schließt sich wieder Abigail an.
Da erzählt John Proctor dem Gericht von dem begangenen Ehebruch. Dies sieht er als letzte Möglichkeit, seine Frau zu retten. Er will Abigails wahre Persönlichkeit ans
Licht bringen und dem Gericht beweisen, dass alles nur auf einem Racheakt eines Mädchens beruht. Da lässt das Gericht Elisabeth Proctor befragen. Doch da sie vom Geständnis ihres Mannes nichts weiß, leugnet sie den Ehebruch ihres Mannes, um seinen Ruf und seine Ehre zu schützen. So wird auch Proctor ins Gefängnis gesperrt. Monate vergehen und die Hinrichtungen der angeblichen Hexen beginnen. Den Angeklagten bleibt nur eine Möglichkeit dem Galgen zu entgehen, nämlich dem Gericht zu sagen, mit dem Teufel im Bunde zu sein.
Noch während die letzten Urteile verkündet werden, flüchten Abigail und ihre Freundinnen. Viele zweifeln an den Urteilen und Pastor Parris packt die nackte Angst um seine Sicherheit. Nur ein Geständnis Proctors könnte die Massen wieder beruhigen, da damit die Hexerei als Tatsache gelten würde. John wünscht nichts sehnlicher als zu leben und er wäre eigentlich bereit alles zuzugeben, um frei zu sein. Als er jedoch merkt, dass der Richter, Parris und der stellvertretende Gouverneur ihn nur missbrauchen wollen, um der Stadt ihre Macht und Unfehlbarkeit zu demonstrieren, wählt er den Weg des Märtyrers. Er könnte nicht mit einem befleckten Namen leben und geht freiwillig in den Tod. Seine Frau hat noch eine Frist von einem Jahr, da sie schwanger ist.
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Weitere: Reverend John Hale Richter Hathorne Danforth, Stellvertreter des Gouverneurs
CHARAKTERISTIK
John Proctor:
Er ist ein angesehener und ehrlicher Farmer in Salem, verheiratet mit Elisabeth, Vater von zwei kleinen Kindern. Er lässt sich in ein Verhältnis mit dem damaligen Hausmädchen Abigail ein. Da er keinen klaren Schlussstrich zieht, nährt er Abigails Hoffnung auf eine dauerhafte Bindung.
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Im Grunde ist er jedoch ein sehr charakterstarker Mann, der sowohl in Glaubensfragen, als auch in der Beurteilung von Menschen ein eigenes Gespür besitzt. So ist ihm von Anfang an der Pastor Parris nicht sympathisch.
Er denkt, da er Hurerei begangen hat, ist er kein ehrenwerter Mensch mehr. Er hält sich nicht für gut genug, mit andern ehrlichen Menschen als Märtyrer am Galgen zu enden. Außerdem liebt er das Leben und seine Frau. Darum erklärt er sich zuerst bereit, sich selbst der Hexerei zu beschuldigen. Die Richter wollen ihn aber nur benutzen, um die vielen bereits begangenen Morde zu rechtfertigen, da im Volk schon Unmut aufkommt. Sie müssen beweisen, dass es Geister und Hexen gibt und es wäre ihnen eine Genugtuung, ihn durch ein schriftliches Geständnis öffentlich zu blamieren. Doch er möchte nicht mit einem solchen Namen weiterleben, nimmt das Geständnis zurück und wird am Ende gehängt. Zitat:
Proctor: Gilt denn Reue nur, wenn man sie öffentlich macht? Gott braucht meinen Namen nicht an der Kirchentür angenagelt. Gott sieht meinen Namen, Gott weiß, wie groß meine Sünden sind! (S. 118)
Abigail Williams:
Abigail ist um die zwanzig Jahre alt. Zuerst arbeitet sie einige Zeit bei den Proctors. Als sie aber eine Affäre mit John Proctor hat und dessen Frau das erfährt, wird sie hinausgeworfen. Abigail hasst Elisabeth, da sie zwischen Abigail und John steht. Sie setzt alles daran, John wieder zubekommen. Darum trifft sie sich in der Nacht mit den anderen Mädchen. Sie möchte die Geister beschwören, ihr John zu geben. Als der Pastor sie dabei sieht und das Tanzen an die Öffentlichkeit gelangt, denkt jeder sie hätte den Teufel beschworen.
Doch sie wendet das Blatt geschickt, und sagt, sie sei verhext worden und beginnt Namen von Personen zu nennen, die ihr einfallen, und die in der Stadt nicht sehr beliebt sind. Abigail klagt jeden der Hexerei an, der ihr im Weg steht und nicht ihr passt. Als auch Elisabeth verhaftet wird, fühlt sie sich dem Sieg schon nahe. John Proctor will aber nichts mehr von Abigail wissen. Beinahe wäre Abigails schmutziges Spiel durch Proctor aufgeflogen, sie kann sich aber durch einen Anfall, in dem sie John mit dem Teufel sieht, retten und auch John landet im Kerker. Nun hat sie das ganze soweit getrieben, wie sie es nie hatte wollen. Doch sie kann nicht mehr zurück.
Als in der Stadt Unruhen ausbrechen, da immer mehr angesehene Menschen ins Gefängnis kommen, nimmt Abigail das Geld ihres Onkels und flüchtet.
Pastor Parris:
Der Tanz der jungen Mädchen im Wald wird vom Puritaner Parris sofort falsch interpretiert. So etwas passt nicht in sein enges Weltbild. Er ist es, der den Mädchen und der Gemeinde einsuggeriert, dass hier der Teufel am Werk sei. Er ist es auch, der den Exorzisten Hale bestellt, bevor noch sonst jemand aus der Gemeinde an Böses denkt.
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Elizabeth Proctor:
Sie ist eine einfache Frau, sehr in sich geschlossen und introvertiert. Daher zeigt sie ihre Gefühle für ihren Mann John nicht offen. Infolge dieser Gefühlskälte beginnt ihr Mann Ehebruch und sie fühlt sich schuldig dafür, da sie weiß, dass John ein guter und ehrlicher Mann ist. Sie wird nicht als Hexe hingerichtet, da sie schwanger ist und man ihr daher noch ein Jahr Zeit gibt.
Die Massen:
Sie haben Angst, selbst als Hexen beschuldigt zu werden. Es bricht Panik aus, jeder versucht, sich aus der Situation herauszumanövrieren, und beschuldigt die, die einem im Weg stehen, oder auch einfach nur, um besser dazustehen.
DEUTUNG
In Arthur Millers Stück steht ein nächtlicher Jungmädchenstreich am Beginn einer
dramatischen Entwicklung. Die Mädchen wittern sofort ihre Chance sich aus der Affäre zu ziehen und beginnen alle möglichen Leute auszurufen, die sie angeblich im Pakt mit dem Teufel sehen können. Abigail ist diese Entwicklung mehr als recht, hat sie so doch ganz einfach die Möglichkeit, ihrer Rache freien Lauf zu lassen. Seit Elizabeth, John Proctors Frau sie aus ihrem Haus geworfen hat, sinnt Abigail auf Rache. Bevor Proctor sich getraut, von seiner Affäre zu erzählen, hat der Prozess der Hexenverurteilungen eine Eigendynamik bekommen. Die Gerichtsbarkeit mit ihrem absoluten Anspruch auf Wahrheit und Recht beraubt die Verurteilten aller Möglichkeiten sich zu verteidigen.
Einmal der Hexerei angeklagt, auch wenn der Ankläger nur ein hysterisches Mädchen ist, gelingt es niemandem seine Unschuld zu beweisen. Die Maschinerie der Gerichtsbarkeit stellt die Ankläger als Heilige hin, während alle anderen, ob Beschuldigte oder Zeugen, chancenlos sind, denn keiner kann vorzeigen, dass der Teufel nicht da ist, der Teufel ist nicht sichtbar. Untadeliges Leben, Frömmigkeit, Rechtschaffenheitnichts von alledem zählt, wird der Name nur einmal im Zusammenhang mit Hexerei erwähnt. Die allerletzte Möglichkeit dem Galgen zu entgehen besteht darin, einfach das zuzugeben, was das Gericht hören will. Das heißt aber für jeden Betroffenen, alles, woran er sein Leben lang geglaubt und festgehalten hat, zu verleugnen, seinen Ruf, sein Gewissen zu opfern und sich selbst der Besessenheit zu beschuldigen. Und über all diesen Terror wird Gott gestellt. Selten liest man „Gott“ so oft wie in diesem Stück Millers. Die Gerichtsbarkeit leitet sich absolut jedes Recht aus diesem Namen ab. Die Angeklagten werden danach bewertet, wie fix sie die Gebote Gottes auswendig können. In dieser Hinsicht nämlich, in der Oberflächlichkeit des Glaubens, ist Pastor Parris ein würdiger Vertreter der Geistlichen, die nur interessiert, dass die Kasse stimmt oder wie oft jemand zur Sonntagsmesse erscheint. Die Bewohner Salems wiederum leben tatsächlich gottesfürchtig. Für sie ist die Be- ziehung zu Gott ein Teil ihrer Persönlichkeit. Gott und seine Gebote sind die Basis
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ihrer Werte und ihres Gewissens. Umso schwerer ist es für diese Menschen Gott zu verleugnen, um das nackte Leben zu retten. Und umso weniger können sie den ichbezogenen Pastor Parris leiden.
Ein Anlass, die außereheliche Beziehung des John Proctor, und eine rachsüchtige junge Frau stehen am Beginn, und das nach außen hin intakt erscheinende Gefüge der Gemeinde von Salem wird durch und durch erschüttert. Ein Freund wird plötzlich zum Gerichtsdiener, ehrbare Frauen werden wie Schwerverbrecher in Ketten abgeführt, Opportunisten ist Tür und Tor geöffnet, Menschen werden gezwungen sich selbst aufzugeben, um nicht einen absolut sinnlosen Tod sterben zu müssen. Es geht in diesem Drama sicherlich nicht so sehr um Gut und Böse des Mittelalters, indem das Vorhandensein beider Eigenschaften in einer Person nicht denkbar war. Hier steht im Vordergrund, wie leicht Menschen für etwas gewonnen werden können, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt, wie schnell etwas eine Eigendymanik bekommt, die keiner will, und wie leicht etwas eine andere Richtung bekommt, die man gar nicht wollte. Aufrechten Menschen das Rückgrad zu brechen ist das Ziel vieler Mächtiger, denn Leute ohne Rückgrad sind leicht zu manipulieren. „Salem, Frühjahr 1692“, siedelt Miller sein Drama an. Doch gab und gibt es so etwas immer wieder. Ob die Machthaber sich ihre Gesetze und Rechte aus heiligen Büchern
ableiten oder aus ihrer ethnischen und ideologischen Überzeugung, bleibt für die Opfer einerlei. Immer ist es die Aufgabe der eigenen Meinung, der eigenständigen Persönlichkeit, der Möglichkeit sich zu verteidigen und seine Unschuld zu beweisen, die den wahren Terror in der Welt ausmacht.
Die Mutter von Betty Parris war zu dem Zeitpunkt noch nicht tot. Sie starb 1696, vier Jahre nach der Hexenverfolgung. Betty wurde zur Familie Stephen Sewalls gebracht und nahm an den meisten Verfahren gar nicht teil. (Stephen war der Bruder des Richters Samuel Sewall.
Die Sklavin von Reverend Parris war nicht, wie angenommen, schwarz, sondern wird in allen Dokumenten als Indianerin ( südamerikanische Arawak) erwähnt. Wäre sie schwarz gewesen, wäre das besonders erwähnt gewesen.
Die Familie Parris hatte noch zwei andere Kinder - ein älterer Bruder, Thomas und eine jüngere Schwester, Susannah - nicht gerades Betty und ihr Vetter Abigail.
In dem Buch ist Abigail 17, in Wirklichkeit war sie aber erst 11. John Proctor war bereits 60. Seine Frau Elizabeth, zu dem Zeitpunkt 41, war bereits seine dritte Frau.. Proctor war kein Landwirt sondern Wirt. Bei den Proctors gab es noch eine 15jährige Tochter, einen 17jährigen Sohn und einen 33 Jahre alten Sohn aus Proctors erster Ehe. Jeder in der Familie wurde der Hexerei beschuldigt. Elizabeth Proctor war in der Tat schwanger und ihr wurde eine Frist von einem Jahr gege-
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ben. Sie überlebte die Verfolgung, denn nach dem einem Jahr war bereits alles vorüber.
Die Mädchen tanzten nie im Wald und Reverend Parris konnte sie also nicht dabei erwischen.
Die Tochter des Putnams Ruth sondern Ann, wie ihre Mutter. Miller änderte wahrscheinlich den Namen um das Publikum nicht zu verwirren.
Ann/Ruth war nicht das einzige Kind der Putmans. Außer den 8 Totgeburten gab es sechs lebende Kinder. Ann (die Mutter) und ihre Schwester, verloren beide viele Kinder und gleichzeitig verlor die Krankenschwesterfamilie wenige während dieser Zeit.
Reverend Parris behauptete gegenüber Giles Corey, er habe die Harvard Universität absolviert. Aber tatsächlich hatte er sie nach kurzer Zeit bereits wieder verlassen.
Krankenschwester
Rebecca wurde am 19. Juli, John Proktor am 19. August und Martha Corey am 22. September - nicht alle am gleichen Tag auf den gleichen
Galgen - gehangen. Reverend Hale hat keine Todeserurteile unterzeichnet.
George Jacobs wurde nicht beschuldigt seinen Geist durch das Fenster gesendet zu haben, um auf der Tochter des Putnams zu liegen. Tatsächlich war es normalerweise durchaus der entgegengesetzte Fall: Frauen wie Bishop Bridget wurden des Schicken ihres Geistes ins Schlafzimmer verschiedener Männer beschuldigt.
Der Hysterie endete nicht, als immer mehr Menschen gehängt wurden, die nicht gestanden. Was die Jagd beendete, war die Intervention von William Phips. Über 200 Leute waren im Gefängnis und wurden erst freigelassen, wenn sie die Gefängnisgebühren bezahlten.
Abigail Williams konnte Samuel Parriss nicht 31 Pfund gestohlen haben, da sein Gehalt laut Vertrag 66 Pfund war, er aber nur ein Drittel davon bekam. Der Rest sollte als Nahrungsmitteln und anders bezahlt werden, aber er sogar dann hatte er immer wieder Debatten mit den Dorfbewohnern über das Liefern.
Bestimmte Schlüsselleute erscheinen nirgendwo im Buch Millers: Titubas Mann, Rev. Nicholas Noyes, Sarah Cloyce.
Giles Corey wurde nicht wegen verweigerter Aussage gefangen genommen. Er wurde auch der Hexerei beschuldigt und als er nicht gestehen wollte, wollte man ihn durch Steine auf seiner Brust zur Aussage zwingen. Diese erdrückten ihn.
Verhext wurden nicht nur die Mädchen, sondern auch einige andere, wie zum Beispiel Ann Putman und Sarah Bibber.
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Es stellt sich die Frage, was passiert wäre, wenn man Tituba nicht als typische schwarze Sklavin, die Wudu praktiziert, im Film dargestellt hätte, sondern das, was sie wirklich war: eine zum Christentum bekehrte Indianerin, deren einzige Verwendung von Zauberei europäische Weiße Magie war, die sie von ihren englischsprachigen Nachbarn gelernt hatte?
HEXEREI
Das Wort
Hexe
kommt aus dem Althochdeutschen (hagazussa) und bedeutet Zaunreiterin. Hexen waren im Volksglauben weibliche, meist hässliche, manchmal auch verführerisch schöne, mit dem Teufel im Bunde stehenden Gestalten mit dämonischen Kräften. Die Hexen reiten auf Besen durch die Luft und versammeln sich auf abseits gelegenen Plätzen zum Hexensabbat. Die narkotisierenden Bestandteile der Hexensalbenrezepte des 15. und 16. Jahrhunderts erzeugen Flug - und Wahnvorstellungen. Der Veröffentlichung des Hexenhammers folgten jahrhundertelang Hexenprozesse; den Hexenverfolgungen fielen zahllose als Hexen verdächtigte Frauen zum
Opfer. Auch im heutigen Volksglauben spielen Hexen noch eine Rolle, z.B. das angebliche Verhexen des Viehs, wenn es keine Milch gibt. Der Hexenglaube kommt seit den ältesten Zeiten in der Religionsgeschichte vor und ist vor allem bei den Babyloniern und Assyrern ausgeprägt gewesen. Chaldäa gilt als das Ursprungsland der Hexerei. Schon der Codex Hammurapi setzte für Hexen und Hexenmeister die Wasserprobe fest; in Israel und im Christentum wurde der Hexenglaube immer wieder bekämpft, tauchte seit dem 13. Jahrhundert aber verstärkt wieder auf und veranlasste die Kirche zu furchtbare Hexenprozessen. Der Hexenhammer (lateinisch: Malleus Maleficarum) wurde von den Inquisitoren Heinrich Institoris und Jakob Sprenger verfasst und ist ein Inquisitionshandbuch für Hexenprozesse gewesen. Er wurde 1487 erstmals in Straßburg gedruckt. Er ist in drei Teile unterteilt:
• Hexerei
• Wirkung der Hexerei und Gegenmittel
• Hexenprozessrecht.
Die Hexenprozesse, Verfolgung und Verurteilung von vermeintlichen Hexen, dauerten von ca. 1400 bis 1700. Die Hexenprozesse entwickelten sich zu Beginn der Ketzerverfolgung als besonderes Verfahren der Inquisition. Es wurden vorwiegend Frauen verfolgt. Die Grundlage für die Prozesse bildete die Dämonenfurcht. Aufbauend auf der Theorie von Incubus und Succubus des Thomas von Aquin, begannen die mit der Inquisition beauftragten Dominikaner die Hexenprozesse in großem Stil. In Deutschland beauftragte Papst Innozenz VIII. die Inquisitoren H. Institoris und J. Sprenger alle Hexen aufzuspüren und auszurotten. Maßgeblich für die Durchführung der Prozesse wurde das von den Genannten 1487 in Straßburg in Druck gegebene Buch Hexenhammer. Das besondere Augenmerk der richterlichen Untersuchung galt der Teilnahme am Hexensabbat, der in allen Feinheiten ausgemalt wurde, um Be-
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weiszeichen für die Hexenprozesse zu liefern. Zudem wurden Folter, Wasserprobe und anderes angewandt. In England betätigte sich Jakob I. schriftstellerisch für die Hexenprozesse und zahlte Geldprämien für die Auffindung von Hexen. Ende des 1s6. Jahrhunderts verurteilte z.B. ein einziger Richter in Lothringen 800 Hexen zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Auch die protestantischen Länder beteiligten sich an den Hexenprozessen und Theologen wie Juristen untermauerten sie. Die Prozesse hatten überwiegend den Charakter obszöner Schauveranstaltungen; die Vermischung von religiösem Fanatismus und aufgestauter Sexualität war nicht zu übersehen. Doch sowohl auf evangelischer, als auch auf katholischer Seite nahmen dann einige entschieden gegen die Verfolgung Stellung; besonders wirksam war der Jurist Christian Thomasius. Der letzte der offiziellen Prozesse in Deutschland fand 1793 in Posen statt, doch noch 1836 wurde eine angebliche Hexe auf Hela der Wasserprobe unterzogen und ertrank.
Der Hexensabbat ist nach mittelalterlichen Vorstellungen ein Treffen der Hexen mit dem Teufel, meist am 1. Mai (Walpurgisnacht). Die Hexen pflegten auf Gabeln, Besen, Hunden und ähnlichem zu reiten, dem hofhaltenden Teufel zu huldigen, und nach Tänzen und Vergnügungen mit dem Buhlteufel erhielten sie vor dem Abflug Hexenpulver und -salben. Das peinlichst genau ausgemalte Zeremoniell des Hexensabbats spielte bei den Hexenprozessen eine Rolle, da Zeichen wie Leberflecken,
Muttermale u.ä. zur Überführung der Hexen dienten.
In verschiedenen Teilen Afrikas ist die Hexerei etwas Alltägliches. So haben in Südafrika Medizinmänner große Macht, und die Leute nehmen sie sehr ernst. Vor kurzem wurde in der Presse berichtet, dass ein Pöbelhaufen Menschen bei lebendigem Leibe verbrannte. Man hatte sie beschuldigt, Blitze verursacht zu haben, die Mitbewohner des Dorfes treffen sollten. Die Medizinmänner des Ortes hatten die unschuldigen Opfer angeklagt, diese „unnatürlichen“ Handlungen begangen zu haben; daher wurden sie an einen Baum gefesselt und verbrannt. Ein solcher Glaube an Hexerei oder Magie ist nichts anderes als die Anbetung von Dämonen.
Hexerei ist allerdings nicht auf Afrika beschränkt. Im Jahre 1985 wurde Herbert D. Dettmer, der in einem Gefängnis in Virginia eine Haftstrafe verbüßte, das Recht gewährt, sich Kleidungsstücke und Gegenstände zu beschaffen, damit er seine Religion im Gefängnis ausüben konnte. Gemäß dem Prozessbericht gehört er der „Wicca-Religion“ (von witchcraft [engl.] = Hexerei) an. Dettmer hatte somit das gesetzliche Recht, bei seiner Anbetung Schwefel, Meersalz bzw. nicht mit Jod versetztes Salz, Kerzen, Weihrauch, einen Wecker und einen weißen Umhang zu verwenden. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Hexerei in den westlichen Ländern weit verbreitet ist. Die britische Zeitung Manchester Guardian Weekly berichtete: „Vor fünf Jahren soll es in Großbritannien schätzungsweise 60 000 Hexen gegeben haben; heute [1985] sind einige der Ansicht, dass die Zahl auf 80 000 angewachsen ist. ‚Prediction‘, das monatliche Magazin für Astrologie und Okkultismus, hat eine Auflage von 32 000 Exemplaren.“
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Allein in den Vereinigten Staaten gibt es zwischen 50 000 und 300 000 Hexen oder „Wicca“, wie sich einige nennen.
In den sogenannten intellektuellen Kreisen ist in jüngster Zeit der Hexenkult sehr populär geworden. Hexenkult oder Zauberei ist selbstverständlich nichts Neues. Mystik, Zauberei und Okkultismus wirken auf die Jugend besonders anziehend. Sie sind auf dem Campus der Hochschulen heute eine ziemlich allgemeine Erscheinung. Nach den Untersuchungen eines Experten soll es auf jedem Campus „mindestens einen Hexenmeister und hin und wieder einen Hexensabbat oder eine organisierte Hexenversammlung“ geben. Obwohl sich nur eine Minderheit der Studenten an den Riten des Hexenkultes direkt beteiligt, befürworten ihn doch viele. Sie suchen angeblich nach etwas, was ihnen einen Halt gibt, und sie möchten anerkannt und geliebt werden. Sie spüren, wie sie sagen, das Bedürfnis zu einer „Rückkehr zum Heiligen“. Halloween ist ein wichtiger Tag für satanische Rituale. „Es ist ein religiöser Feiertag für die Unterwelt: Satanisten bringen Opfer dar, und Hexen feiern im Stillen mit Gebetszirkeln oder mit Totenmahlen“, schrieb die Zeitung USA Today. Sie zitierte den Washingtoner Hexer Bryan Jordan mit den Worten: „[Christen] ist das nicht bewusst, aber sie feiern unseren Feiertag mit uns. . . . Wir finden das gut.“ Die Zauberei wird auch für viele Mexikaner zu etwas Alltäglichem. Siete Días, eine
Wochenzeitschrift, berichtet, dass die Leute wegen der verschiedensten Probleme Hexen aufsuchen — von Kopfschmerzen und Erkältungen bis zu beruflichen Schwierigkeiten und Partnerschaftsproblemen. Die südlichen und zentralen Bundesstaaten Veracruz, Oaxaca, Morelos und Michoacán sind für ihre Hexen bekannt. Die Zeitschrift führt aus, dass „die Zauberei in Mexiko bis in die Zeit der Azteken zurückgeht. Nach der Ankunft der Spanier nahmen die Hexen und Heiler europäische Traditionen wie die des Katholizismus in ihre Bräuche mit auf.“ Eine berühmte Hexe in La Petaca empfängt ihre Kunden in einem Raum „voller Statuen von Jesus und der Jungfrau von Guadalupe, Fotografien von Johannes Paul II. und angezündeter Kerzen“.
HEXENVERFOLGUNG IN DER GEGENWART
Es ist zu beobachten, dass sich im Westen die Empfindungen gegenüber Hexen drastisch verändert haben, denn von der mittelalterlichen Einstellung, die die Menschen zu Hexenverbrennungen bewog, ist nicht viel übriggeblieben. Doch gelegentlich sind Hexen noch immer Zielscheibe roher Gewalt. So wurden zum Beispiel Anfang Oktober 1998 in Indonesien mehr als 150 Personen von Macheten schwingenden Banden gelyncht, weil man sie für Hexen hielt. Nach Berichten aus Südafrika kam es in der Zeit von 1990 bis 1998 zu über 2 000 Gewaltakten gegen Hexen, bei denen 577 getötet wurden.
Aus den selbstverwalteten Stammesgebieten Südafrikas sind in der letzten Zeit vermehrt Hexenverbrennungen bekannt geworden. Meist sind es Frauen, die von Weissagern als Hexen „ausgeschnüffelt“ und nach gültigem Stammesrecht bei lebendigem Leibe auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. (Auf diese Weise wollen die Eingeborenen einen „ruhelosen“ bösen Geist zusammen mit seiner „leiblichen Hülle“ für immer vernichten.) Gemäß einem Bericht im Kölner Stadt-Anzeiger bestätigte ein Sachverständiger, dass zum Beispiel keine einzige Sitzungsperiode des Gebietsge-
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richts von Nordtransvaal ohne wenigstens einen Fall von Hexenverfolgung vorübergehe und dass die Dunkelziffer noch viel höher liege. Die staatlichen Behörden versuchen durch Prozesse, dem Stammestreiben ein Ende zu bereiten, doch haben sie es schwer, gegen die Tradition und den tiefwurzelnden Aberglauben anzukommen. Selbst der „weiße“ Mann ist in Südafrika nicht selten in Aberglauben und Wahrsagerei verstrickt und sucht Rat bei Medizinmännern. In Europa gab es auf Betreiben kirchlicher Kreise bis ins 18. Jahrhundert hinein Hexenverbrennungen. Erst die Aufklärung habe „den Hexenverfolgungen großen Stils ein Ende gesetzt. Zwischen 1584 und 1784 seien dort wenigstens 300 000 Hexen hingerichtet worden, behauptete jetzt eine Johannesburger Tageszeitung — nicht ohne Hohn.“
Wie die India Today berichtet, wurden über ein Dutzend als Hexen gebrandmarkte Frauen innerhalb von zwei Monaten im von Stämmen bewohnten Hinterland Indiens vom rasenden Pöbel umgebracht. „Zahlreiche andere Frauen wurden geschlagen, gequält, nackt zur Schau gestellt, auf brutalste Weise gedemütigt und aus ihren Dörfern gejagt.“ Alles begann mit religiösen Prozessionen, die von Dorf zu Dorf zogen. Dieser Brauch führte zu einer sozialen Reformbewegung und zu einem Rückgang der Kriminalität. Doch dann bezeichneten einige an der Prozession beteiligte Frauen, die „besessen“ waren, bestimmte Dorfbewohnerinnen als Hexen, die für Probleme im
Dorf verantwortlich zu machen seien. Bestanden die Frauen den „Test“ der Unschuld nicht, der beispielsweise darin bestand, eine Person, die sie angeblich umgebracht hatten, wieder zum Leben zu erwecken, wurden sie sofort bestraft. Dem zugrunde liegt in Wirklichkeit der Glaube an Hexerei, der gemäß einem Anthropologen „von dem Drang der Stämme herrührt, das Übernatürliche zu kontrollieren, Gewalt über den bösen Blick zu haben, Ziele erreichen zu können und anderen den eigenen Willen aufzuzwingen“.
In Venda (nördliches Südafrika) glauben viele, dass die Menschen keines natürlichen Todes sterben. Wie die Zeitschrift Indicator South Africa feststellt, sind sie der Auffassung, der Tod trete durch Hexerei oder Einmischung der Ahnengeister ein. Andererseits sind viele Jugendliche der Venda, die auf einen Wechsel erpicht sind, entschlossen, traditionelle Glaubensansichten auszurotten. Sie haben eine Welle der Hexenverfolgung ins Rollen gebracht. „In einer immer gewaltvolleren Atmosphäre wurde jeder der Hexerei Beschuldigte trotz Unschuldsbeteuerungen auf der Stelle getötet. . . . Im März 1990 wurden allnächtlich Personen, die man der Hexerei beschuldigte, verbrannt. In einigen Dörfern verbrannte man jede Nacht mindestens vier Hexen oder verjagte sie aus ihrem Haus“, so der Indicator South Africa. Im Jahr 1994 rief der Papst die katholische Kirche auf, ihr historisches Gewissen zu erforschen. In der Tschechischen Republik wurde infolgedessen ein katholisches Gremium gebildet — das erste seiner Art —, das untersuchen soll, ob Hunderten von Menschen, die als Hexen bei lebendigem Leib verbrannt wurden, Gnade gewährt werden sollte. Als Folge der von der Kirche sanktionierten Hexenjagd kamen zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert in Europa viele Tausende von Menschen auf dem Scheiterhaufen oder durch Folter ums Leben. Nachdem Papst Innozenz VIII. 1484 seine Hexenbulle herausgebracht hatte, verstärkte sich die Hexenjagd, und es wurden über 30 Foltermethoden angewandt, um diejenigen zu identifizieren, die der Hexerei verdächtigt wurden. Sogar kleine Kinder verschonte man nicht, wenn es darum ging, belastendes Material gegen ihre Eltern zu finden. Die meisten Hexen wurden in
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Deutschland verbrannt; aber auch in Frankreich und England waren Hexenprozesse gang und gäbe. Wie der Londoner Sunday Telegraph schrieb, zieht die Kirche möglicherweise eine postume Entschuldigung in Betracht.
QUELLENANGABE
Primärliteratur:
• Arthur Miller, Hexenjagd, Verlag: Fischer Sekundärliteratur:
• Internet
• Mitschriften aus dem Unterricht
• Bertelsmann Lexikon
• Erwachet
Arbeit zitieren:
Cornelia Strobl, 2001, Miller, Arthur - Hexenjagd, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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