In diesem Gleichnis geht Platon von einer grundlegenden Existenz der alltäglichen Erfahrungen aus. Wie die Höhlenmenschen des Gleichnisses leben die Menschen, die unkritisch in der alltäglichen Erfahrung stehen, in einer Scheinwelt und erahnen nicht vom eigentlichen Sein. Die Philosophie erst befreit die Menschen aus dieser Höhle des Scheins und führt sie hin zur Sonne der Wahrheit. Damit ist für Platon die Unterscheidung zwischen bloßem Schein und wahren Sein zu ziehen. Versuchen wir nun uns an einem Beispiel zu verdeutlichen, was Platon unter sinnlicher Wahrnehmung versteht. Stellen wir uns dazu vor, dass wir einen bellenden Hund betrachten. Wir sehen die Farbe des Fells, die Gestalt des Körpers, hören das Gebell und vielleicht riechen wir noch einen typischen Hundegeruch. Diese Wahrnehmung der Sinne, nannte Platon Erscheinung (phainómenon). Diese Erscheinungen bleiben aber nicht konstant sonder befinden sich in ständiger Veränderung, selbst wenn wir den selben Gegenstand - den bellenden Hund- betrachten. Der Hund kann sich bewegen, er kann sich aufrichten, die Farbe des Fells kann sich durch Veränderung des Lichtes verändern und er kann sogar aufhören zu bellen. Trotz der ständigen Veränderung der Erscheinung, gibt es aber etwas, das sich konstant verhält und den Wechsel der Erscheinungen durchhält, der Hund bleibt ein Hund. Wir können also durch den Wechsel der Erscheinungen hinweg sagen: „Vor mir steht ein Hund“, weil wir wissen, dass all diesen wechselnden Erscheinungen etwas konstantes zugrunde liegt, dass bestehen bleibt und das wir als „Wesen des Hundes“ bezeichnen können. Zwar bleibt dieses Wesen gleich, aber wie können wir es erfahren? Wir sehen dieses Wesen nicht, noch hören wir es, noch können wir es an irgendwelchen anderen sinnlichen Wahrnehmungen festmachen, denn auch ein Hund der zum Beispiel nicht bellt bleibt ja dem Wesen nach ein Hund. Das Wesen ist also selbst keine sinnliche Erscheinung, sondern es liegt der Gestammtheit der Erscheinungen zugrunde und kommt in ihnen zum Ausdruck. Zusammenfassend kann man folgende Unterscheidung machen:
• Der Bereich des Scheins: Er ist der Bereich der Sinnlichkeit. Die Sinnlichkeit gehört zur materiellen, körperlichen Welt. Sie vollzieht sich durch unsere körperlichen Sinne und hat mit den sinnlichen Erscheinungen zu tun, den Phänomenen der Erfahrungswelt. Die Sinne nehmen in den Erscheinungen
einen Fluß ständiger Veränderung wahr, ein ständiges Entstehen, Sich-Wandeln und Vergehen.
• Der Bereich des wahren Seins: Er ist der bereich der geistigen Welt. Mit den „Augen des Geistes“ vollzieht sich die wahre, eigentliche Erkenntnis. Sie hat es nicht mit dem Schein wandelbarer Erscheinungen zu tun und vollzieht sich nicht in der Sinnlichkeit, sondern sie bezieht sich auf das wahre Sein, das unwandelbar ist, immer gleich bleibt und den Erscheinungen zugrunde liegt.
Diese Unterscheidung führt in eine problematische Lage, die es zu lösen gilt. Auf der einen Seite kann unsere Erkenntnis nicht allein durch die Sinnlichkeit erklärt werden. In der Sinnlichkeit erweist sich unser Leib, durch die Sinnesorgane, mit den Sinndingen (den Erscheinungen). Er ist mit ihnen ähnlich und mit ihnen verwandt. Auf der anderen Seite unterscheidet sich aber unser erkennender Geist, den Platon auch die Seele nennt, von der Sinnlichkeit in gleicher Weise, wie das wahre Sein, das ja den sinnlichen Erscheinungen unveränderlich zu Grunde liegt. Dies wirft nun zwangsläufig die Frage auf, wie unser Geist das wahre Sein erkennen kann, ja ob solch eine Erkenntnis überhaupt möglich ist. Diese Frage können wir in der platonischen Bildersprache noch besser verdeutlichen. Unser Geist (Seele) ist gleichsam in unserem leib eingeschlossen und somit vom wahren Sein getrennt. Zwischen dem Geist und dem wahren Sein liegt die materielle Scheinwelt des Sinnlichen. Die Sinnlichkeit kann aber nun keine Verbindung zwischen Geist und Sein schaffen. Trotz dieser Beschaffenheit nehmen wir nicht nur sinnlich wahr (wie Tiere dies tun), sondern sind auch in der Lage zu erkennen. Wie ist dies möglich? Platon beantwortet diese Frage, indem er dem menschlichen Geist auf der einen Seite und dem wahren Sein der Dinge, das den Erscheinungen zugrunde liegt, auf der anderen Seite, ein Drittes gegenüber stellt, die Ideen. Diese sind die reinen Wesenheiten an sch, sind ewig und unvergänglich. Diese Ideen stehen bei Platon der Seele und den physischen Dingen abgetrennt und jenseitig gegenüber.
Die Ideen sind also ewige Urbilder der Wesenheit der Dinge. Die Gestammtheit aller Idee wird vereinigt und überhöht in der einen Idee des guten und Schönen, der Idee der Ideen., die in Platons Denksystem gleichsam als absolutes und göttliches Element fungiert. Wenn wir uns noch einmal an das Höhlengleichnis erinnern, bildet die Sonne darin diese Idee der Ideen und die Gegenstände, welche die Schatten auf die Höhlenwand werfen, bilden die Ideen. Diese Ideenlehre fasst Platon in zwei Mythen zusammen:
• Der Anamnesis-Mythos: Seele und Ideen sind letztlich ihrem Wesen nach ähnlich uns verwandt. Bevor die Seele den materiellen Körper bezogen hat, hat sie die Ideen gesehen. Beim Eintritt der Seele in den vergänglichen Körper aber wurden die Erinnerungen an das geistig Geschaute verschüttet. Sie bleiben so lange verschüttet bis sich der der Geist von den sinnlichen Verstrickungen reinigen kann. Dies entspricht dem Verlassen der Höhle im Höhlengleichnis. Nur durch diese Wiedererinnerung (=anamnesis) ist wahrhafte Erkenntnis möglich.
• Der Methexis-Mythos: Der Kosmos wurde durch einen Weltenbilder erschaffen. Dieser bildete die Naturdinge aus einem Urstoff den Ideen entsprechend. Als
abbilder der Ideen haben somit die Naturdinge Anteil an ihnen und so entsteht eine teilhabe (=mathexis) der der Naturdinge an den Ideen.
Für Platon ist somit die wahrhafte Erkenntnis ein Prozess des wieder Erinnerns. Beim attributiven Gebrauch von Wahrheit existiert also oftmals eine metaphysische Welt, der die reine Wahrheit anheim fällt. Der prädikative Gebrauch eines Wahrheitsbegriffes dient mehr zur Bestimmung von Urteilen, Aussaugen und Sätzen und wird von den meisten Wahrheitstheorien untersucht. Der Begriff Wahrheitstheorie genügt allerdings häufig nicht den strengen Regeln, welchen für gewöhnlich naturwissenschaftliche Theorien unterworfen sind, im Kontext der Wahrheitsthematik wird der Begriff „Theorie“ in einem Sehr weiten, unspezifischen Sinn verwendet. Er kann also oft auch ohne weitere Schwierigkeiten durch Begriffe wie „Konzeption“ oder „Auffassung“ ersetzt werden. Diese eher legere Handhabung des Begriffes Theorie birgt natürlich die Gefahr, dass, ob der Menge an heterogenen Fragestellungen, welche die Wahrheitstheorien zu beantworten suchen, solche Theorien in eine eher unsystematische Konzeption verfallen. Puntel schlägt daher in der Einleitung zu seinem Werk „Der Wahrheitsbegriff“ eine weitere Unterteilung einer solchen Theorie in mindesten fünf Teiletheorien: 1. Die erste Teiltheorie befasst sich maßgeblich um die Klärung des Wahrheitsbegriffes, und Puntel schlägt für diesen Teil die Bezeichnung explikativ-definitionale Wahrheitstheorie vor.
2. Die zweite Teiltheorie sollte sich nach Puntel mit der Problematik des Wahrheitskriteriumsbefassen. Ein Wahrheitskriterium ist ein besonderes Kennzeichen, welches wahre Urteile kennzeichnet und durch das deren Wahrheit festgestellt werden kann. Der in Deutschland geborene und 1938 emigrierte Philosoph Nicholas Rescher hat diese Wahrkriterien in zwei Gruppen unterteilt: Er unterscheidet dabei absolute und zureichende Wahrheitskriterien. Ein zureichendes Kriterium liegt vor, wenn ihm zwar die Wahrheiten legitim werden, aber nicht mit logischer Notwendigkeit folgt. Mit einem absoluten Wahrheitskriterium lässt sich auch die logische Notwendigkeit zeigen. Einen Satz der einer logischen Notwendigkeit folgt wird gemeinhin als Tautologie bezeichnet.
3. In einer dritten Teiltheorie soll es nach Putel um eine Typologie der Wahrheit bzw. der Wahrheitsrede gehen. Er unterscheidet hierbei noch einmal zwei Typen von Klassifizierung: ein formaler und ein materialer. Zum ersten Typus zählt er Differenzierungen wie notwendige - kontingente Wahrheit, Vernunftwahrheit - Tatsachenwahrheit, apriorische - aposteriorische Wahrheit. Wahrheiten, die durch die thematische Ausrichtung der Kontexte, in denen die als „wahr“ gewerteten Aussagen formuliert sind, geprägt sind , also zum Beispiel naturwissenschaftliche Wahrheit oder geisteswissenschaftliche Wahrheit, fasst er unter dem materialen Typus zusammen. 4. Die vierte Teiltheorie soll vor allem die Wahrheisparadoxie bilden 5. Die fünfte Teiltheorie sollte den Stellenwert der vier genannten Teiltheorien im Rahmen der Gesamtwissenschaften und speziell der Philosophie klären.
Ein weiterer Punkt, der von den verschiedenen Wahrheitstheorien untersucht wird, dem die verschiedenen Theorien allerdings einen unterschiedlichen Stellenwert
beimessen, ist das sogen. Äquivalenzschema. Dieses Schema besagt: „Es ist, dass p genau dann wenn p“. Das bedeutet nun, dass wenn man von einer Aussage behauptet, sie sei wahr, dann ist die auf diese Weise gebildete Aussage genau dann wahr, wenn die Ausgangssaussage wahr ist. Dieses Schema lässt sich auch schon bei Aristoteles finden, der formuliert: „Zu sagen nämlich, das Seiende sei und das Nicht-Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht-Seiende sei nicht, ist wahr.“ Dies bedeutet nun, dass eine Aussage, welche behauptet, das Seiende sein nicht oder das Nicht Seiende sei ist falsch, richtig ist dagegen eine Aussage, welche vom Seienden behauptet, dass es sei und vom Nicht-Seienden es sei nicht. Somit bezieht sich die Wahrheit oder Falschheit einer Aussage immer auf das Sein bzw. das Nichtsein.
Unter den Wahrheitstheorien spielen vor allem die sogen. Korrespondenztheorien eine große Rolle. Korrespondenz meint in diesem Zusammenhang Übereinstimmung. Vereinfacht gesagt ist in der Korrespondenztheorie etwas wahr, wenn es dem entspricht oder mit dem übereinstimmt, von dem es ausgesagt wird. Diese Vereinfachung klärt allerdings nicht hinreichend, was es genau bedeutet, wenn etwas mit etwas anderem übereinstimmt. Allerdings trifft diese Definition das sehr gut, was Menschen allgemein hin intuitiv mit Wahrheit in Verbindung bringen. Ein Problem besteht aber darin, dass Korrespondenz verneinenden Aussagen von der Art „Es gibt keine Eisbären in der Sahara“ nicht oder nur ungenügend berücksichtigt. Ein weiteres schwerwiegenderes Problem ist die Findung von Wahrheit. Zwar klärt die Korrespondenz sehr gut das Wesen von Wahrheit, aber zur Findung der Wahrheit einer Aussage benötigt man trotz allem noch die Übereinstimmung von Aussage und Wirklichkeit. Dies kann sich aber leicht zu einem Teufelskreis entwickeln, denn man muss sich der Wahrheit dieser Übereinstimmungsrelation erst gewiss sein, was also eine weitere zu untersuchende Aussage ergibt, die ihrerseits ja dann auch wieder über eine Übereinstimmungsrelation als wahr zu zeigen ist. Die führt dann aber in einen unendlichen Wiederholung und unendlichen Aussagen.
Eine besondere Korrespondenztheorie ist die semantische Wahrheitstheorie des 1902 geborenen polnischen Philosophen Alfred Tarski. Mit seiner Wahrheitstheorie versucht er Schwierigkeiten von Wahrheitsprädikaten in natürlichen Sprachen zu umgehen. Solche Wahrheitsprädikate bergen nämlich das Problem, dass sich mit ihnen Paradoxien der Form :P: Der mit ‚P’ bezeichnete Satz ist falsch bilden lassen. Ein solches Paradoxon ist zum Beispiel das sogenannte Lügner-Antinomie: „Der Kreter Epimenides behauptet, dass alle Kreter lügen“ Ist diese Behauptung wahr, dann lügt er als Kreter auch, daher muss die Behauptung auch gelogen und folglich falsch sein. Dagegen folgt die Wahrheit der Behauptung nicht aus der Annahme ihrer Falschheit, daher handelt es sich streng genommen nicht um eine wirkliche Antinomie. Trotzdem ist diese Aussage falsch, ungeachtet dessen, ob man sie für wahr oder falsch hält, was sie zu einem Paradoxon macht. Solche Paradoxien beruhen nach Tarski auf der semantischen Geschlossenheit natürlicher Sprachen, d.h. darauf, dass natürliche Sprachen semantische Prädikate wie „wahr“ oder „bedeutet“ enthalten. Solche semantischen Prädikate betreffen aber das Verhältnis der Ausdrücke einer Sprache zu den mit den Ausdrücken dieser Sprache bezeichneten Gegenständen. Um nun die entstehenden Paradoxien zu umgehen, schlägt Tarski vor semantische Prädikate wie Ausdrücke einer anderen Sprache zu behandeln. Diese Sprache wird dann Metasprache genannt. Durch die Unterscheidung der Sprachebenen lassen sich dann
Paradoxien vermeiden. Es stellt sich nun natürlich die Frage, wie sich die Wahrheitsprädikate adäquat in eine Matesprache transferieren lassen. Tarski schlägt vor, dass die Definition eines Wahrheitsprädikates in einer Metasprache dann adäquat ist, wenn aus ihr alle Sätze der Form x ist wahr genau dann wenn p, wobei x durch einen Satz der natürlichen Sprache und p durch die Übersetzung des Satzes in die Metasprache zu ersetzten ist. Solch einen Solch einen Satz betrachtet Tarski als partielle Definition des Wahrheitsprädikates der betreffenden Sprache. So interessant und auch sinnvoll dieses Theoriegebäude auch immer ist, birgt sie jedoch immer noch die Schwierigkeit der Übersetzung von Objekt- zur Metasprache. Deshalb scheint auch eine Übertragung der Idee Tarskis auf natürliche Sprachen sinvoll. Dies wird in der Disqutationstheorie (Zitat-Tilgung) versucht. Betrachtet man nämlich objektsprachliche Sätze etwa der Form: „Es regnet ist wahr“ sieht man, dass der Satz nicht mehr behauptet, als dass es eben regnet. Das Prädikat wahr dient hier nur zum semantischen Aufstieg von der Objekt zur Metasprache, um mit Hilfe des Namens eines Satzes (Es regnet), dasselbe zu sagen wie mit dem benannten Satz. Man sieht also, dass man für natürliche Sprachen keine vollständige Definition des Wahrheitsprädikates hat.
1950 veröffentlichte der englische Philosoph John Langshaw Austin eine linguistisch überarbeitete Korrespondenztheorie der Wahrheit. Er betrachtet darin Philosophie als linguistische Analyse, durch welche die Mannigfaltigkeit sprachlicher Funktionen klargemacht wird. Bei ihm hat eine Aussage noch andere Funktionen als nur wahr oder falsch zu sein. Auch sind bei ihm, nicht wie bei Tarski die Sätze, sondern viel mehr die Aussagen Träger der Prädikate wahr und falsch. Die Korrespondenz ist beim ihm von linguistischer Natur. Eine Aussage ist dann wahr, wen sie durch Beschreibungskonventionen bezüglich der Worte mit dem Typus der Situationen, der Dinger oder Ereignisse verbunden sind, und wenn diese Worte durch Referenzkonventionen mit den vorgefundenen historischen Situationen oder Ereignissen korrespondieren.
Eine mehr pragmatische Korrespondenztheorie entwirft der amerikanische Philosoph William James. Entsprechend der für Pragmatismus kennzeichnenden Auffassung, nämlich dass etwas wahr ist, wenn es in der Praxis fruchtbar bzw. nützlich ist, nimmt er die Nützlichkeit einer Aussage als Kriterium für ihre Wahrheit. Wahrheit betrachtet er wiederum als Eigenschaft unserer Ideen, als ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Weiterhin ist für in absolute Wahrheit ein idealer zukünftiger Konvergenzpunkt, in dem unsere relativen Wahrheiten aufgrund vervollständigter Erfahrung zu umfassender Weisheit aufgehoben sind. Der Begriff absolute Wahrheit kann aber mehrere Bedeutungen haben:
• Absolute Wahrheit ist absolutes Wissen über die Wirklichkeit insgesamt, d.h. über die ganze Welt.
• Absolute Wahrheit ist der Teil der relativen Wahrheiten, die erhalten bleiben und im Prozess der Erkenntnisetwicklung anwächst.
• Absolutes Wissen ist ein endgültiges Wissen über bestimmte Aspekte der Wirklichkeit.
Mit diesem Begriff der absoluten Wahrheit ist der Begriff der objektiven Wahrheit eng verwandt. Objektiv wahre Behauptungen sind solche, deren Inhalt der Wirklichkeit, der objektiven Welt entspricht. Im Gegensatz dazu sind subjektiv wahre Behauptungen
solche, die vom Wollen und Wünschen der erkennenden Person abhängig sind. Ein Begriff der mit beiden, der absoluten Wahrheit und der objektiven Wahrheit auch sehr eng verwandt ist, ist der eher religiös metaphysisch motivierte Begriff der ewigen Wahrheit. Dieser geht von einer ewig bestehenden unveränderbaren göttlichen Wahrheit aus. Diese Wahrheit ist für den Menschen nie voll auf rationalem Wege erschließbar, sondern für die Erkenntnis ist eine Offenbarung dieser Wahrheit (=Gott) selbst notwendig.(siehe [3] )
Eine mehr faktisch fundierte Korrespondenztheorie stammt von dem englischen Philosophen und Mathematiker Bertrand Russel. Zunächst stell er - ähnlich einer mathematischen Theorie - axiomatisch drei Forderungen auf, welchen jede Theorie der Wahrheit genügen müsse:
1. Es muss Falschheit geben können.
2. Wahrheit und Falschheit sind Eigenschaften von Glaubensüberzeugungen oder Aussagen.
3. Die Wahrheit oder Falschheit hängt immer von etwas ab, das jenseits des Glaubens liegt.
Ausgehend von diesen Axiomen baut er nun seine Theorie der Wahrheit auf, die den Axiomen gerecht werden soll. Um die Falschheit zu ermöglichen muss vermieden werden, dass das, mit dem der wahre Glaube übereinstimmt, ein einzelnes Objekt ist. Der Glaube ist für ihn ein Verhältnis zwischen Bewusstsein und Faktum. Dieser Glaube ist dann wahr, wenn er mit dem zugehörigen Faktum übereinstimmt, ansonsten ist er falsch.
Allen bisherigen Theorien war allerdings gemein, dass sie zwar sehr gut in der Lage waren zu klären, was Wahrheit bedeutet, bergen sie alle bei der Findung dieser Wahrheit das Problem der Korrespondenz, welches, wie schon angesprochen, meistens in einem Teufels Kreis aus Behauptungen und deren Korrespondenz als neue zu untersuchende Behauptungen mündet. Diese Feststellung lässt den deutschen Philosophen und katholischen Priester Franz Brentano zu dem Schluss kommen, lässt, dass es nicht möglich ist, eine Theorie der Wahrheit zu entwickeln, welche nicht in einen Zirkelschluss mündet. Um eben diesem Zirkelschluss zu entgehen schlägt er Evidenz (heraussehen) als Mittel zur Wahrheitsfindung vor. Die Evidenztheorie der Wahrheit, betrachtet dasjenige als wahr, was aus der Sache heraus einleuchtet und sich uns entweder unmittelbar intuitiv als wahr zeigt oder von uns in seiner Wesenheit ganzheitlich erschaut wird. Brentano unterscheidet bei den unmittelbaren Evidenzen zwei Arten:
1. Urteile der inneren Wahrnehmung, also darüber, wie ich selbst etwas erlebe (z. B. „Jetzt sehe ich etwas Rotes“);
2. Verstandeserkenntnisse (z. B. Zwei Dinge sind mehr als eins). Weiter bemerkt Brentano über Evidenzen, dass zwar alle evidenten Urteile wahr sind, aber nicht alle wahren Urteile evident sind. Wahrheit enthält allerdings einen Hinweis auf Evidenz; denn ein wahres Urteil behauptet genau das, was eine Person mit Evidenz behaupten würde. Zwar schafft es die Evidenztheorie einerseits den Teufelkreis von immer neu entstehenden Behauptungen, welche zur Verifikation ihrerseits wieder neue Behauptungen aufwerfen ganz einfach durch die Evidenz, die das Ende solch eines
Teufelskreises markieren kann, auf der anderen Seite bleibt auch hier der Begriff der Evidenz zu vage Vor allem Rusell wendet sich gegen diesen Evidenzbegriff, weil bei ihm Wahrheit und Falschheit eines Glaubens nicht, wie von ihm gefordert, von etwas abhängt, was jenseits des Glaubens liegt, sondern von internen Qualitäten wie Klarheit oder Bestimmtheit.
Einen ganz anderen Weg der Wahrheitsfindung geht die Konsensustheorie der Wahrheit. Sie bestimmt Aussagen dann als wahr, wenn eine potentiell unendlich große Menge von Menschen unter idealen Kommunikationsbedingungen dieser Aussage allgemein zustimmen würde. Es wird weiterhin davon ausgegangen, dass beim Prozess des Bilden dieses Konsenses alle Beteiligen gutwillig, sprachkundig, normalsinnig und vernünftig sind. Ein Beispiel für eine Konsensustheorie ist die Wahrheitstheorie der Erlanger Schule. Hierin hängt es nicht von der Aussage selbst ab, ob diese wahr oder falsch ist. Die Aussage „Schnee ist weiß“ ist dann wahr, wenn jeder kompetente Sprecher der Sache „Schnee“ eben das Prädikat „weiß“ zusprechen würde. Somit ist die Verifikation einer Aussage zu einer intersubjektiven Aufgabe, zur Konsensbildung, geworden. Die Kompetenz, welche vom Sprecher gefordert wird beinhaltet die bereits oben erwähnte Sach- und Sprachkundigkeit, die Gutwilligkeit. Sie beinhaltet aber auch die Forderung jedem Gesprächspartner aufgeschlossen zu sein und die Überlegungen von jeder Emotion, Tradition und Gewohnheit loszulösen. Ein unter solchen umständen entstandener Konsens wird dann berechtigter Konsens genannt. Durch einen berechtigten Konsens sind die diskutierten Aussagen verifiziert und können wahr genannt werden. Bei der Konsensustheorie besteht im Gegensatz zur Korrespondenztheorie die Übereinstimmung zwischen vernünftigen Gesprächspartnern, die zu einem berechtigten Konsens kommen, nicht jedoch zwangsläufig mit der Wirklichkeit. Die Schwierigkeit eben dieses Weges der Wahrheitsfindung über den Konsens besteht zum einen im Kriterium der Vernünftigkeit der Konsenspartner. Außerdem kann nirgends gesichert werden, dass dieser Konsens zustande kommt. Eine andere Schwierigkeit liegt in der möglichen Diskrepanz zwischen Realität und Konsens. Eine Tatsache auf die Armin Kreiner in seinem Werk[2] ausdrücklich hinweist. Vor allem bei schon vergangenen Ereignissen erweißt sich der Konsens als unbrauchbar, weil er die vergangene Realität nicht abändern kann. Wird zum Bespiel der Satz „Columbus erreichte 1492 Amerika“ diskutiert, so kann die Tat des Columbus nicht von irgend einem Konsens oder Dissens abhängen, den heutige vernünftige Sprecher, wobei hier nicht einmal das Kriterium der Vernunft hinterfragt wird, treffen. Eine zweite Schwierigkeit liegt wohl auch in der zeitlichen Begrenztheit eines Konsenses. Herrscht über eine Aussage zum Beispiel über eine Zeit hinweg reger Konsens und wird dieser dann nach einer Zeit verworfen, so kann sich zwar der Zustand, welchem die Aussage zugrunde liegt ändern, oder er tut es aber nicht, so war entweder der vorherige Konsens falsch oder der nun getroffene Dissens ist es. Nur weil beispielsweise über Jahrhunderte hinweg die Erde für eine Scheibe gehalten worden ist heißt das nicht, dass es so war, noch dass sich dieser Zustand mit dem Fällen des Konsens über die Kugelgestallt der Erde geändert hätte. Dies hängt natürlich auch mit dem Problem der Vernünftigkeit zusammen. Aus dieser Situation gibt es meiner Meinung nach nun zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man eine absolut Vernünftige metaphysische Größe wählen (Gott), welcher man den die Einsicht über die absolute objektive Wahrheit zuspricht. Jedem anderen Subjekt verbleibt dann noch eine relative Vernünftigkeit,
also die Fähigkeit zu einer begrenzten Kompetenz in obigem Sinne. Die Wahrheiten, die jedes Subjekt über seine relative Vernünftigkeit kommt, in einer Art von Selbstkonsens, wird dann relativer Subjektkonsens genannt. Ein Konsens zwischen allen Subjekten besteht dann in einer Vereinigung dieser Subjektkonsense. Ein totaler Konsens besteht nun dann, wenn alle Subjektkonsense übereinstimmen. Eine Abweichung des totalen Konsenses von der absoluten Realität, das heißt von einer durch die Mannigfaltigkeit aller mit absoluter Vernunft gefundenen Erkenntnisse, besteht in solch einem Fall wohl kaum. Es besteht nun also eine Übereinstimmung des totalen Konsenses mit der absoluten Realität, eine Aussage kann also als absolut wahr bezeichnet werden, wenn über sie ein totaler Konsens herrscht. Betrachtet man allerdings die Forderung der Übereinstimmung aller Subjektkonsense (das wären, betrachten wir nur die Erde, schon 6 Mrd.) sieht man, dass es zu solch einem totalen Konsens wohl nicht kommen kann. Besteht eine Übereinstimmung der meisten (wobei jetzt keine Gedanken an eine Mengenlehre verschwendet werden sollen), so soll der Konsens ein bedingter Konsens sein. Die Menge der Subjekte, welche sich aufgrund ihrer relativen Subjektkonsense dem bedingten Konsens anschließen, heißt, konsensbildende Gruppe. Seine Übereinstimmung findet der bedingte Konsens in einer bedingten Wahrheit. Bedingt wahr bedeutet nun für eine Aussage, dass sie in einer subjektiven Realität, das heißt in der Mannigfaltigkeit der subjektiven Erfahrungen eines jeden Mitgliedes der konsensbildenden Gruppe, eine Gültigkeit besitzt. Wichtig ist, dass bedingte Wahrheiten zeitlich sind und keinen bezug zur absoluten Realität haben müssen, sondern nur für eine, durch die am Konsensbeteiligen Subjekte bestimmten, subjektiven Realität gilt.
Zwar würde dieser Weg auch die teilweise Preisgabe der Wahrheit bedeuten, jedoch nicht vollkommen. Einerseits bleibt die absolute Wahrheit bestehen. Sie ist die Übereinstimmung von Aussage und absoluter Realität. Hier herrscht also eine Korrespondenz. Dem mag nun eingewendet werden, dass ja die bedingten Wahrheiten keinen Bezug zur absoluten Realität mehr haben. Dem kann zugestimmt werden. Dies bedeutet aber nicht, dass es nun keine Wahrheit mehr gibt. Wir haben nun nämlich andererseits eine zweite Korrespondenz, nämlich die der Aussage mit der subjektiven Realität. Nun mag eingewendet werden, dass diese Korrespondenz ja nun auch nur bedingt sein könnte, weil ja sie ja einer bedingten Wahrheit zugehört. Dies trifft aber nicht zu, denn da sich die subjektive Realität als Mannigfaltigkeit aller relativen Subjektkonsense definiert, geht sie auch sie wieder in eine neue subjektive Realität über, sobald sich auch nur ein relativer Subjektkonsens ändert. Was bedeutet das nun aber? Es bedeutet, das Wahrheit einerseits zur individuellen subjektabhängigen Sache wird, es also mehrere Wahrheiten nebeneinander geben kann. Jede dieser subjektiven Wahrheiten beschreibt allerdings nicht die absolute Realität sondern auch wieder nur eine individuelle Realität, welche sich auch ändern kann. Wie und wie weit nun diese individuellen subjektiven Wahrheiten zu einer Korrespondenz mit der absoluten Realität gebracht werden können ist allerdings noch fraglich. Prinzipiell lässt das Gedankenmodell dafür jede Möglichkeit offen, denn es spricht die Existenz einer absoluten Wahrheit nicht ab, sondern verbannt sie nur aus dem subjektiven Umfeld. Noch einen Schritt weiter geht hier dann der sogenannte Skeptizismus. Er stellt die universale Bestreitung jedweder wahren Erkenntnis dar. Während das eben entworfene Modell prinzipiell noch Raum für eine noch genauer zu denkende absolute (bzw. auch ewige) Wahrheit ließe, wird solche Möglichkeit von der Skepsis vollkommen
ausgeschlossen. Der Skeptizismus bedeutet also in letzter Konsequenz ein Ende von Wahrheit also auch Erkenntnis und lässt jedwede Form menschlichen Bemühens um solche Erkenntnis lächerlich erscheinen.
Hier endet nun diese kleine Arbeit über den Wahrheitsbegriff. Ziel der Arbeit war es in erster Linie einen kleinen Überblick über einige Möglichkeiten und auch deren Schwierigkeiten bei der Definition und Findung von Wahrheit aufzuzeigen. Dabei hoffe ich auch, dass der am Schluss gezeigte bescheidene Versuch einer eigenen „kleine Wahrheitstheorie“ in der Lage war, die Spannung, welche zwischen sinnvoller Definition von Wahrheit und andererseits pragmatischer Verifikation von Urteilen liegt. Vor allem zeigt er wohl auch, den unbedingten Zusammenhang zwischen den Begriffen Realität und Wahrheit, deren Definition sich wohl immer gegenseitig bedingt und wohl auch immer einen Teil einer religiösen oder metaphysischen Gedankenwelt berühren muss - auch wenn diese Berührung nur in eben der Leugnung der Existenz solch einer Gedankenwelt beruht.
Literatur
[1] Lorenz Bruno Puntel: Der Wahrheits Begriff , 1987
[2] Armin Kreiner: Ende der Wahrheit?, 1992 [3] Johannes Paul II: Wir fürchten die Wahrheit nicht, 1997 [4] G. Skirbekk: Wahrheitstheorien, 1977
[5] Von Peter Kunzmann, Franz-Peter Burkard: dtv-Atlas Philosophie,2001
Arbeit zitieren:
Cordian Riener, 2001, Der Begriff der Wahrheit, München, GRIN Verlag GmbH
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