Die Bestandteile der Einschulungsuntersuchung
✒ In der Schulärztlichen Untersuchung wird festgestellt, ob das Kind physische Rückstände und Defizite aufweist, die einen Schulbesuch (noch) nicht gestatten. Die Einschulungsuntersuchung hat die vorrangige Aufgabe, die Schulfähigkeit eines Kindes aus medizinischer Sicht zu beurteilen. Die Untersuchung sollte nicht nur punktuell sein, sondern einen Entwicklungsabschnitt von der Kindergartenzeit erfassen. In der Einschulungsuntersuchung werden der körperliche und der geistige Entwicklungsstand des Kindes bestimmt. Das Kind wird auf seine Belastungsfähigkeit, seine sozialen Fähigkeiten, seine Selbständigkeit und die Aufnahmebereitschaft in der Schule untersucht. Bei der Einschulungsuntersuchung werden zunächst ein Hör- und Sehtest einschließlich Überprüfung des räumlichen Sehvermögens durchgeführt. Außerdem werden das Gewicht und die Größe ermittelt. Der Impfausweis wird eingesehen und Hinweise zu evtl. notwendigen Impfungen werden gegeben. Im Anschluss hieran erfolgt die ärztliche Untersuchung, die sich im Wesentlichen auf folgende Untersuchungsbestandteile erstreckt:
Die Eltern sollten ihre eigenen Beobachtungen und Einschätzungen dem untersuchenden Arzt mitteilen, auch die Hinweise der Erzieherinnen des Kindergartens sind für die Gesamtbeurteilung von Bedeutung. Im Anschluss an die Untersuchung erfolgt ggf. ein beratendes Gespräch mit den Eltern. Die medizinische Untersuchung beinhaltet jedoch nur einen Aspekt hinsichtlich der Beurteilung der Schulfähigkeit eines Kindes. Weitere Elemente liegen im pädagogischen und psychologischen Bereich. Letztlich bleibt es die Aufgabe des Pädagogen, die endgültige Beurteilung über die Schulfähigkeit des Kindes unter Berücksichtigung aller Aspekte in jedem Einzelfall zu treffen. Die Untersuchung durch den Schularzt soll hierzu eine fundierte Hilfestellung erbringen. ✒ Wichtig sind Beobachtungen und Gespräche der Kindergärtnerin, die sich ein Bild vom Entwicklungsstand des Kindes und von den fördernden und hemmenden Einflüssen seiner Lernumwelt macht, sie beobachtet soziales und emotionales Verhalten, Spielverhalten, Sprachverhalten und Arbeitsverhalten. Es muss sichergestellt werden, daß ihre Erfahrungen und Wertungen der Schule so zugänglich gemacht werden, daß sie eine Hilfe bei der Einschulungsentscheidung sein können.
✒ Der Beurteilungsbogen für Erzieherinnen zur Diagnose der Schulfähigkeit (BEDS) kann bei der Beobachtung behilflich sein. Der BEDS soll der Empfehlungsbeschreibung nach, die Möglichkeit geben, die von den Erzieherinnen vorgenommenen Beobachtungen in strukturierter Form zusammenzufassen und für die Beurteilung der Schulfähigkeit nutzbar zu machen. Er verbessert damit einerseits die Beurteilungskompetenz der Erzieherinnen und macht andererseits wichtige Informationen für die individuell orientierte Förderung des Kindes im Anfangsunterricht der Schule in übersichtlicher Form zugänglich. Da der BEDS nicht nur die kognitive Entwicklung erfaßt, sondern auch das Sozial- und Arbeitsverhalten, ist er vor allem zur Unterstützung von Einschulungstests geeignet. Die Skala 3 kann als Kurzform zur Diagnose der allgemeinen Schulfähigkeit sehr ökonomisch eingesetzt werden.
✒ Es folgt die Durchführung eines Einschulungstests für Kinder ohne Kindergartenerfahrung, in allen Zweifelsfällen und bei vorzeitig einzuschulenden Kindern.
✒ Schulpsychologen kümmern sich um die Verhaltensbeobachtung während der Durchführung des Einschulungstests, zu denen es, wenn auch wenige, Beobachtungsanleitungen gibt. ✒ In allen Zweifelsfällen muss mit den Erziehungsberechtigten über die bisherige Entwicklung und die Lernumwelt des Kindes gesprochen werden.
Für die letztliche Entscheidung müssen alle verfügbaren Informationen herangezogen und nach Gültigkeit und Relevanz der Daten gewichtet werden. Ebenso muss geprüft werden, welche pädagogischen Angebote verfügbar sind und welches davon dem Kind in seiner Entwicklung am meisten hilft. Was ist ein Schulfähigkeitstest?
Definition: Prüfverfahren, das unter gleichbleibenden Bedingungen objektiv, zuverlässig und ■
gültig Aufschluss über den Entwicklungsstand des künftigen Schulanfängers liefern und den zu erwartenden Schulerfolg prognostizieren soll. Testgütekriterien:
Ein Test ist dann objektiv, wenn die Ergebnisse unabhängig von der Person sind, die den Test durchführt, d.h. Durchführung, Auswertung und Interpretationen müssen bei verschiedenen Untersuchern zu gleichen Ergebnissen führen.
Die Reliabilität bezeichnet den Grad der Genauigkeit, die Treffsicherheit. Es gilt, Merkmale, die der Test messen soll, genau misst, d.h. das Verfahren soll von möglichst wenig Messfehlern belastet sein und unter gleichen oder vergleichbaren Bedingungen zu demselben oder annähernd übereinstimmenden Ergebnis führen. Bei optimaler Zuverlässigkeit müsste man dasselbe Merkmal mit ein und demselben Test bei einer Person zu verschiedenen Zeitpunkten messen können und immer zu dem gleichen Testergebnis kommen.
Die Validität zielt auf die Frage, ob das Messinstrument auch tatsächlich das misst, was es messen soll. Für Schulfähigkeitstests bedeutet das, dass Aussagen über die Schulfähigkeit und damit eine Vorhersage des Schulerfolgs möglich sein müssen. Validität misst sich also daran, ob das gewählte Verfahren dem Zweck überhaupt angemessen ist und gültige Ergebnisse bringen kann. Einteilung der Schulreifetests 1. Nach Art der Durchführung
Manche Tests sind so konzipiert, daß sämtliche Aufgaben von einer größeren Zahl von Kindern gleichzeitig bearbeitet werden können (Gruppentests). Andere lassen nur eine individuelle Durchführung zu. Eine mittlere Gruppe kombiniert Gruppentests mit Individualtests 2. Einteilung nach Strukturiertheitsgrad- eindimensional oder mehrdimensional Mit dem Testen einer Dimension glaubt man, eine komplexe Fähigkeit zu erfassen, die für die Lernprozesse in der Eingangsstufe wichtig sind. Ein solcher eindimensionaler Test ist der Grundleistungstest von Kern, bei dem diese eine Dimension die Gliederungsfähigkeit ist, also die Differenzierung optischer Gestalten, die allein Aufschluss geben soll, ob ein Kind schulfähig ist. Die Mehrzahl der gegenwärtig verfügbaren Schulfähigkeitstests sind als mehrdimensionale Verfahren konzipiert. In Analogie zu traditionellen Intelligenztests versuchen sie das Konstrukt der „Schulreife“ in verschiedene Dimensionen einzuteilen, wobei jede Dimension mit eigenen Untertests gemessen wird. Ein typisches Beispiel ist der Göppinger Schuleignungstest. Er untergliedert sich in folgende Untertests: 1. Formauffassung, Unterscheidungsvermögen; 2. Feinmotorik, 3. Erfassen von Größen-, Mengen- und Ordnungsverhältnisse; 4. Beobachtungsaufgabe, 5. Kritisches Beobachten, 6. Konzentrationsfähigkeit, 7. Merkfähigkeit, 8. Bildliche Gestalterfassung und Situationsbeurteilung, 9. Sprach- und Inhaltserfassung, 10. Hinweis auf allgemeine Entwicklungshöhe
Kritik:
Mit dem Ziel, Schulversagen durch Zurückstellung zu vermeiden, werden nun alljährlich die Kinder den Schulfähigkeitstests unterzogen. An diesen Tests ist jedoch, trotz ihrer Verbesserung in den letzten Jahrzehnten (hinsichtlich der Objektivität, Angaben zur Validität und Untersuchungen zur Reliabilität) einiges zu kritisieren. Sie sollten nämlich nicht mehr, wie es Rüdiger, 1990 bezeichnete, als „Ausleseinstrumente“ dienen, sondern zur Ermittlung der individuellen Lernausgangslage für die Förderung in der Schule. Das gilt auch für schulärztliche Untersuchungen. Wie können sie sich, bei aller Fachkompetenz, innerhalb von 10 bis 30 Minuten darüber ein Urteil erlauben, ob ein Kind die Schule schaffen könnte oder nicht. Erfolg oder Misserfolg hängt von so vielen Faktoren ab, von der inneren Motivation, von den Anforderungen der Schule, von der Lehrperson, vom Entwicklungsstand der anderen Kinder in der Klasse, von der häuslichen Situation, von vorschulischen Erfahrungen und, und, und,...
So kann ein Teil der Kinder, die im Vorfeld der Schule als „nicht schulreif“ eingestuft werden, in einigen Wochen in der Schule mit den als „schulreif“ diagnostizierten Kindern gleichziehen. Hier hat dann eine Entwicklung stattgefunden, die nicht im Vorfeld zu diagnostizieren ist, weder mit schlechten, noch mit verbesserten Tests. Gleich zeitig kann ein Kind, das nach bestandenem Einschulungstest vorzeitig eingeschult wurde, durch emotionale oder soziale Überforderung scheitern, durch Faktoren also, die mit Schulfähigkeitstests nicht erfassbar sind.
Fazit: Unter prognostischem Gesichtspunkt sind Schulfähigkeitstests nicht geeignet, eine wie auch immer definierte Schulfähigkeit zu prognostizieren. Im Handbuch Schultests (!992, 13) wird die Zurückstellung bzw. die Wiederausschulung auf Grund dieser Verfahren als „unverantwortliches Experiment mit der kindlichen Psyche“ bezeichnet. Die Verwendung diagnostische Verfahren am Schulanfang ist dann zu rechtfertigen, wenn mit ihnen Hinweise für die optimale Gestaltung des Anfangsunterrichts für die einzelnen Kinder gewonnen werden sollen. Dazu bedarf es aber Verfahren, die nicht an einem Defizitmodell orientiert sind, sondern die das Erkennen besonderer Stärken ermöglichen.
Bibliographie:
Burgener Woeffray, Andrea: Grundlagen der Schuleingangsdiagnostik.- Bern, Stuttgart, ■ Wien:1996
Birkel; Ingenkamp: Hilfen zur Auswahl von Schultests.-Weinheim; Beltz:1976 ■
Ingenkamp, Karlheinz: Lehrbuch der Pädagogischen Diagnostik.- Weinheim und Basel; Beltz, ■ 1997
Krapp, Andreas, heinz Mandl: Einschulungsdiagnostik: e. Einf.in die Probleme u. Methoden d. ■
pädag.-psychol. Diagnostik.- Weinheim, Basel; Beltz: 1977 Richter, Sigrun: „Schufähigkeit des Kindes“ oder „Kindfähigkeit der Schule“?.-aus ■
Jahrbuch Grundschule 1999. Fragen der Praxis- Befunde der Forschung
Witzlack, Gerhard: Zur Diagnostik und Entwicklung der Schulfähigkeit.- Berlin, 1972 ■
http://www.kreis-steinfurt.de/gesundheit/a-z/einschulung.html ■
http://www.garmisch-partenkirchen.com/gesundheitsamt/gap/index.htm ■
Arbeit zitieren:
Sina Zerbst, 2001, Überblick über Verfahren zur Feststellung des Entwicklungsstandes des künftigen Schulanfängers, München, GRIN Verlag GmbH
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Papa
Dipl.Ing (FH).
Ich hoffe dieses Super-Referat hilft, damit mein Sohn, der unbedingt in die Schule will, vorzeitig eingeschult wird (er ist "leider" 4 Wochen zu spät geboren!). Die Lehrer an unserer Grundschule sind alle Befürworter eines späteren Einschulens.
am Wednesday, April 09, 2003-