II
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis. III
Abbildungsverzeichnis V
1. Einleitung - „Mittelständler werden abserviert“ 1
2. „Konjunkturmotor“ Mittelstand 4
2.1. Der Begriff des Mittelstands 4
2.2. Volkswirtschaftliche Bedeutung 6
2.3. Aktuelle Rahmenbedingungen 7
2.4. Problem der Kapitalversorgung? 10
3. Baseler Akkordabkommen. 13
3.1. Hintergrund - Von Basel I nach Basel II 13
3.2. Basel II - Neue Eigenkapitalvereinbarung. 15
3.3. Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung 22
4. Rating der mittelständischen Wirtschaft 28
4.1. Rating - Was verbirgt sich dahinter ? 28
4.2. Der Standardansatz - Externes Rating 30
4.3. IRB - Ansatz - Internes Rating. 31
4.4. Vor- und Nachteile externer und interner Ratings 32
5. Zukünftige Möglichkeiten der Mittelstandsfinanzierung. 35
5.1. Künftige Anforderungen 35
5.2. Alternative Finanzierungsmittel. 36
6. Basel II - Auswirkungen für die Kömmerling Kunststoff GmbH. 39
7. Fazit 44
Anlagenverzeichnis. V
Literaturverzeichnis VI
Internetverzeichnis.............................................................................................. XIII
Erkl ärung XVI
III
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
Abk ürzungsverzeichnis
a.a.O. an angegebenen Ort
AG. Aktiengesellschaft
BaKred Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BIZ. Bank für internationalen Zahlungsaus gleich
BRD Bundesrepublik Deutschland
bspw. beispielsweise
BVMW Bundesverband mittelständische Wirtschaft
bzw. beziehungsweise
ca. circa
D B. Dun Bradstreet
d.h. das heißt
DM Deutsche Mark
DV. Datenverarbeitung
Euro
EAD exposure of default
EDV Elektronische Datenverarbeitung
etc. et cetera
evtl. eventuell
f folgende
ff. fort folgende
GA.U Größter anzunehmender Unfall
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GuV. Gewinn- und Verlustrechnung
HGB. Handelsgesetzbuch
Hrsg. Herausgeber
IBA Interner Bemessungsansatz
IfM Institut für Mittelstandsforschung
IRB........................................ Internal Ratings-Based Approach
IT........................................... Informationstechnologie
KMU Kleine und Mittlere Unternehmen
K ö Kömmerling Kunststoff GmbH
IV
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
KonTraG Kontraktionsgesetz
LGD loss given default
M. magurity
min mindestens
Mio. Millionen
o.g. oben genannten
o.S. ohne Seitenangabe
o.V. ohne Verfasser
PD probalibility of default
S.
SME Small and medium-sized Enterprises
u.a. unter anderem
u. ä. und ähnliches
USA United States of America
usw. und so weiter
vgl.. vergleiche
z.B. zum Beispiel
z.T. zum Teil
z Z zur Zeit
V
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Klassifikation kleiner und mittlerer Unternehmen nach IfM Bonn.
Abbildung 2: Der Weg von Basel I zu Basel II
Abbildung 3: Die Drei Säulen der Neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
1. Einleitung - „Mittelständler werden abserviert“ 1
Mögliche Auswirkungen des 2. Konsultationspapiers des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht zur Revision der internationalen Eigenkapitalregeln für das Kreditgewerbe - kurz Basel II bzw. Neuer Baseler Akkord genannt - werden in letzter Zeit nicht selten mit solch drastischen Schlagzeilen betitelt.
Insbesondere der deutsche Mittelstand rückt immer wieder ins Zentrum kontrovers geführter Diskussionen.
Basel II und das damit eng verbundene Stichwort des Ratings, rufen heutzutage zur Solidarität mit dem Mittelstand auf. Das „Herzstück“ der deutschen Volkswirtschaft gewinnt während den anhaltenden Diskussionen immer mehr Freunde, die den Mittelstand aktiv vor Basel II und den sich daraus ergebenen Konseque nzen für ihre Finanzierung schützen wollen. 2
Auslöser dieser „angeblichen“ Schutzbedürftigkeit des Mittelstands, sind die sich vollziehenden Veränderungen in der Kreditpolitik der Banken, hinsichtlich g eschäftsstrategischer Überlegungen. 3 Unter Berücksichtigung ihres Risikos legen die Kreditinstitute neue Verschuldungsgrenzen fest und passen ihre Margen mit dem Hinweis auf bestehe nde Risikopositionen an. Zudem dringen sie auf eine substantielle Verbesserung der Eigenkapitalquote ihrer mittelständischen Kunden. 4 Aufgrund der sinkenden Erträge im Firmenkundengeschäft, was mit Blick auf das Share-Holder-Value nicht mehr hingenommen werden kann, wechseln die Banken ihre Geschäftsfelder, d.h. weg vom risikoreichen und ertragsschwachen Firmenkundengeschäft, hin zum risikoärmeren und ertragsstärkeren Provisionsgeschäft. 5
Bedingt durch Basel II wird sich künftig die Kreditgewährung stärker als bisher an der Risikoeinschätzung des kreditsuchenden Unternehmens ausrichten. Als Instrument zur Bewertung des Risikos wird zukünftig das Rating eingesetzt. Auf-grund der verschärften Bonitätsprüfung befürchtet man, daß sich die Kredite verteuern bzw. diese Kapitalquelle gänzlich versiegt.
1 Vgl. o.V. (2001a).
2 Vgl. Lüdke (2001), S. 32.
3 Vgl. Sultze (2000).
4 Vgl. Mendel (2001), S. 38.
5 Vgl. Reich/Jambor (2000), S. 1.
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
Die bekannte Finanzierungsproblematik des Mittelstands unterlag in den letzten Jahren kaum Veränderungen. Schon aus Tradition erhielten die Unternehmen notwendiges Kapital, durch zumeist günstige Bankkredite, von ihren Hausbanken. Die mittelständische Wirtschaft sieht sich deswegen ihrer Hauptfinanzierungsquelle beraubt und vermutet, daß ihre Finanzierung in der Zukunft nicht mehr gewährleistet ist. 6
Mittelstandsvertreter sprechen von einem „schleichenden Todesurteil“ 7 für viele mittlere Betriebe und bezeichnen Basel II als „tickende Zeitbombe“, die die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands ernsthaft gefährde. 8 Von den Banken vernachlässigt, laut einer Studie der Universität Hamburg, verschlechtern sich die Beziehungen der mittelständischen Unternehmen zu ihren Banken zusehends 9 , und bei der Kreditvergabe diskriminiert, regt sich teilweise heftiger Unmut und starke Kritik gegenüber den Banken und Basel II.
Bankenvertreter versuchen das „Schreckgespenst“ 10 Basel II zu domestizieren und versichern mehrheitlich, daß die Kreditversorgung der mittelständischen Wirtschaft durch den Neuen Baseler Akkord nicht beeinträchtigt wird. Es käme allenfalls zu einer größeren Spreizung der Kreditkonditionen aufgrund der stärkeren Ausrichtung an der Bonität der Kreditnehmer. Die Banken empfinden Basel II allenfalls als eine Beschleunigung eines generellen Trends hin zu mehr Transparenz und Individualität bei der Kreditvergabe. 11 Dem Vorwurf der Vernachlässigung des Mittelstands treten sie mit Vehemenz entgegen und versichern die Kapitalbeschaffung verstärkt über Börsengänge und andere Beteiligungsfinanzierungen zu unterstützen. 12
Ist Basel II wirklich der befürchtete Mittelstandskredit-GAU? 13
6 Vgl. Schmidt 2001, S. 2 ff.
7 Vgl. o.V. (2001b).
8 Vgl. Obhoven (2001).
9 Vgl. Internetquelle 1 und Internetquelle 2.
Die Studie der Universität Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Unternehmens- und
Arbeitgeberverband AGA (Autor Prof. Dr. Karl-Werner Hansmann vom Institut für Industrie
und Organisation der Universität Hamburg) basiert auf einer Umfrage bei 2500 Unternehmen
des Groß- und Außenhandels in Norddeutschland, von denen sich mehr als 500 beteiligten (vor-
gestellt am 10.01.2001).
10 Vgl. Hutter (2001).
11 Vgl. Wambach/Rödl (2001), S. 9 ff.
12 Vgl. Internetquelle 3.
13 Vgl. Wambach/Rödl (2001), S. 13.
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
Die Beantwortung dieser Frage zum Ziel, will vorliegende Arbeit einen Eindruck über, die grundlegenden Veränderungen für den Mittelstand und der Kreditinstitute, die möglichen Ursachen und die zukünftigen Finanzierungsformen vermitteln. Dabei sollen insbesondere die Chancen und Risiken der Hauptbeteiligten - Kreditinstitute 14 und Mittelstand - im Zentrum dieser Ausarbeitung stehen.
Aufgrund der starken Gewichtung der mittelständischen Wirtschaft, soll in folgendem Kapitel der Begriff Mittelstand mitsamt seinen Rahmenbedingungen und seiner Finanzierungsproblematik dargestellt werden.
Im Mittelpunkt des dritten Kapitels steht der Neue Baseler Akkord. Angefangen mit der Historie, über den jetzigen Stand der Dinge, bis hin zu den möglichen Auswirkungen für den Mittelstand und die Kreditinstitute.
Das mit Basel II einhergehende Rating wird in Kapitel vier ausführlich betrachtet, wobei vor allem die unterschiedlichen Verfahrensansätze sowie ihre Vor- und Nachteile aufgezeigt werden sollen.
Da sich Basel II und das Rating unmittelbar auf die Finanzierungsmöglichkeiten des Mittelstands auswirken, werden im fünften Abschnitt die künftigen Anforderungen, sowie beispielhaft das „eigenkapitalähnliche“ Finanzierungsmittel Mezzanine-Kapital, präsentiert.
Abschließend sollen am Beispiel der Kömmerling Kunststoff GmbH, die Auswirkungen von Basel II auf die jeweiligen Geschäftsbeziehungen, und das Forderungsmanagement aufgezeigt werden.
Da das Thema Basel II zur Zeit sehr aktuell ist, wird versucht in dieser Arbeit aktuelle Tendenzen sowie Entwicklungen zu berücksichtigen. Aufgrund der heftigen Diskussionen die mit Basel II und der mittelständischen Wirtschaft verbunden sind, wurde überwiegend mit Artikeln aus Fachzeitschriften, sowie Internetque llen gearbeitet.
14 Die Begriffe Kreditinstitut und Bank dienen in vorliegender Arbeit zur Umschreibung des
deutschen Bankenumfelds und beinhalten die drei Säulen, Kreditbanken, Genossenschaftsban-
ken und Sparkassen gleichermaßen. Sie sind somit synonym zu verstehen.
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
2. „Konjunkturmotor“ 15 Mittelstand
2.1. Der Begriff des Mittelstands
„Der Mittelstand kann materiell in seiner Bedeutung nicht voll ausgewogen werden, sondern er ist ... viel stärker ausgeprägt durch eine Gesinnung und eine Haltung im gesellschaftswirtschaftlichen und politischen Prozeß“ 16
Die 1956 vom damaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard beschriebene Wichtigkeit des Mittelstands für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft, besitzt heute noch Gültigkeit. Seiner Meinung nach, kann eine Definition des Mittelstands nicht auf einige Bestimmungsfaktoren, wie z.B. den Wert des Vermögens, Umsatz oder Mitarbeiterzahl etc., herunter gebrochen werden. Kennzeichnend für den Mit-telstand seien vielmehr seine grundlegenden Überzeugungen und Wertvorstellungen, seine Tradition und seine Haltung im sozioökonomischen und politischen Prozeß. In seiner Gesamtheit umfaßt der Mittelstand ökonomische, gesellschaftliche und psychologische Aspekte. Diese qualitativen Merkmale sind ausschlaggebend für das Verständnis von Motiven, Besonderheiten und Auswirkungen der wirtschaftlichen Tätigkeit. 17
Quantitativ gesehen ist der Mittelstand die Gesamtheit von Unternehmen und „Freien Berufen“, soweit sie eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Als Be-stimmungsfaktoren nimmt man im allgemeinen die Größe des Umsatzes, sowie die Anzahl der Mitarbeiter. Abbildung 1 zeigt die Einteilung der Unternehmen nach der Arbeitsdefinition des Bonner Institutes für Mittelstandsfo rschung.
Abbildung 1: Klassifikation kleiner und mittlerer Unternehmen nach IfM Bonn Quelle: In Anlehnung an: Hauser (2000), S. 3.
15 Vgl. Uhlig (2001).
16 Erhard (1956), S. 54.
17 Vgl. Rauen (2001), S. 7 ff.
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
Der Begriff Mittelstand, als Sammelbegriff für kleine und mittlere Unternehmen, gilt im Ausland als typisch deutsches Phänomen. 18 In den meisten Ländern ist die Bezeichnung KMU (Kleine und Mittlere Unternehmen), bzw. SME (Small and medium-sized enterprises) gebräuchlich, um diesen Teil der Gesamtwirtschaft zu erfassen und zu beschreiben.
Entscheidend für den deutschen Mittelstand, sind das persönliche Engagement des Inhabers, die schnelle Reaktion auf Marktveränderungen, die flachen Hierarchien, die hohen Entwicklungskompetenzen, sowie das erfolgreiche Agieren in Marktnischen. Diese besonderen qualitativen Merkmale des Mittelstands, wie sie in der engen Verbindung von Unternehmen und Inhaber, bzw. in der Einheit von Eige ntum und Haftung zur Geltung kommen, beeinflussen neben der Wahl der Unter-nehmensrechtsform, das Finanzierungsverhalten, die Innovationstätigkeit und die Einstellung zur Anwendung betriebswirtschaftlicher Methoden. Die Definition des Mittelstands ist daher nicht allein mit dem Hinweis auf die „Größe“ zu beant-worten, sondern vielmehr anhand des unternehmerischen Handelns darzustellen.
Innovationskraft und Flexibilität zählen zu den wesentlichen Stärken des Mit-telstands. So haben 80 % aller technischen Neuerungen und Erfindungen ihren Ursprung in mittelständischen Unternehmen. Bedingt durch die Struktur, kann der Unternehmer alle Entscheidungen ohne Instanzenweg treffen und damit neue Ideen schnell umsetzen. 19
Zu den Schwächen des Mittelstands, zählt die mangelnde Informatio ns- und Publizitätsbereitschaft. Der mittelständische Unternehmer pflegt Geheimnisse, hat Angst vor Imitationen und will sich vor allem nicht reinreden lassen. Laut der aktuellen Mittelstandsstudie „Mind“ der Dresdner Bank und des Wirtschaftsmagazins Impulse präsentiert sich der typische „Mittelständler“ eurofeindlich, beratungsresistent und selbstzufrieden. 20
Zumeist fallen im Mittelstand Entscheidungshoheit und Eigentum zusammen, d.h. wirtschaftliche Existenz und Leitung des Unternehmens stehen im Einklang zu-einander. Zweidrittel der Unternehmen werden von einem Inhaber oder geschäftsführenden Gesellschafter allein geführt. In knapp 90 % der Unternehmen sind
18 Vgl. Internetquelle 4.
19 Vgl. Windau/Kreutzberg (2000), S. 16.
20 Vgl. Benninghoff (2001).
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
neben dem Inhaber keine weiteren Anteilseigner beteiligt. Der unmittelbare Einfluß der Unternehmer/Inhaber, die alleinige Verantwortlichkeit für alle unterne hmensrelevanten Entscheidungen, die persönliche Haftung und sein persönliches Verhältnis zu seinen Arbeitnehmern sind prägend für den deutschen Mittelstand. Bei den Rechtsformen dominiert mit ca. 56 % das Einzelunternehmen, unter Einschluß der BGB-Gesellschaften. Es zeichnet sich aber ein Trend, weg von der Einzelunternehmung hin zu Kapitalgesellschaften, ab, denn der Anteil der Einzelunternehmen ging um rund 4 % gegenüber 1999 zurück. Bei den Wirtschaftsbereichen liegt mit 43,3 % der Dienstleistungssektor vor den Handwerksbetrieben mit ca. 25 %, gefolgt vom Handel (20 %) und der Industrie mit rund 10 %. 21
2.2. Volkswirtschaftliche Bedeutung
Die deutsche Volkswirtschaft ist wie kaum eine andere durch kleinere und mittlere Betriebe geprägt. Nach dem IfM gibt es in Deutschland etwa 3,2 Millionen mittelständische Unternehmen, was in etwa 99 % aller Unternehmen in der BRD entspricht. Förderlich für die Entwicklung von kleinen und mittleren Betrieben, war das dezentralistische Staatsgebilde und die von den Zünften ausgehende handwerkliche Kultur. Von daher konnte sich die Tendenz zum Unternehmenszusammenschluß nicht so ausprägen wie z.B. in unseren Nachbarstaaten Frankreich und Großbritannien
Mittelständische Unternehmen stellen 80 % der Ausbildungsplätze, erwirtschaften 44 % aller steuerpflichtigen Umsätze, tragen 57 % zur Bruttowertschöpfung bei, tätigen 40 % aller Bruttoinvestitionen und beschäftigen 69 % aller Arbeitnehmer. Der Mittelstand bereichert nicht nur das individuelle Güter- und Leistungsangebot, sondern steht als Garant für den Wettbewerb, indem er die Vorteile der sozialen Marktwirtschaft für jeden Bürger sichert. 22
Der Mittelstand ist die „tragende Säule“ 23 bzw. das „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ 24 . Er stabilisiert die wirtschaftliche Konjunktur, weil er mit Verzögerungen und vor allem weniger heftig auf Rezessionen reagiert.
21 Vgl. Dresdner Bank und Impulse (2002), S. 13 ff.
22 Vgl. Rauen (2001), S. 11ff.
23 Vgl. Internetquelle 5.
24 Vgl. Mendel (2001), S. 38.
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
„Denn nur eine Mischung aus kleinen, mittleren und größeren Unternehmungen sorgt für einen Wettbewerb, der ausreicht, um die Verbraucher vor monopolistischer Ausbeutung zu schützen. Nur eine Vielzahl von Unternehmungen gewährt auch den Arbeitnehmern genügend Auswahl bei der Suche nach einem zusagenden Arbeitsplatz und verhindert es, daß sie einem bestimmten Arbeitgeber vollständig ausgeliefert sind“. 25
Dieses Zitat zweier Väter der sozialen Marktwirtschaft, belegt noch mal eindeutig die Unentbehrlichkeit von mittelständischen Unternehmen für eine funktionierende Marktwirtschaft.
2.3. Aktuelle Rahmenbedingungen
Momentan steht für einen Unternehmer in Deutschland die erzielbare Rendite in keinem befriedigenden Verhältnis mehr zu den Risiken. Durch die enorm hohe Steuer- und Abgabenlast, sowie der zunehmenden wirtschaftlichen Betätigung der öffentlichen Hand, kann keine Risikokultur wie i n den USA gedeihen. 26 Hinzu kommen konjunkturdämpfende Wirkungen von Terroranschlägen und Kriegsängsten und die „mittelstandsfeindliche“ Politik der Regierung. Die seit Anfang des Jahres 2001 geltende Unternehmenssteuerreform, die eine Verringerung der Einkommensteuerlast für Personengesellschaften ab 2005 auf 42 % in der Spitze vorsieht, ging am Mittelstand weitgehend vorbei. Da für Kapitalgesellschaften die Körperschaftssteuer einschließlich der Gewerbesteuer bereits 2001 auf 25 % abgesenkt wurde, sehen sich mittelständische Unternehmen diskriminiert, denn wie bereits erwähnt, werden 56 % der mittelständischen Betriebe in der Rechtsform einer Einzelunternehmung bzw. BGB-Gesellschaft geführt. 27 Zudem drängen die Unternehmen schon seit geraumer Zeit auf die Abschaffung der international unüblichen Gewerbesteuer. 28 Zusätzlich zu der Unternehmenssteuerreform wurden die Abschreibungsbedingungen verschärft. So wurden für betriebliche Anlagen die Abschreibungen von 30 % auf 20 %, sowie die Abschreibungen für Betriebsgebäude von 4 % auf 3 % gesenkt. 29 Da ein Großteil der Investitionen über die Abschreibungen finanziert wurden, kann es von daher bei vielen Mittelständlern
25 Erhard/Müller-Armack (1972), S. 267.
26 Vgl. Rauen (2001), S. 13 ff.
27 Vgl. Ramthun (2000), S. 19.
28 Vgl. Geng/Plehn (2000), S. 6.
29 Vgl. Internetquelle 6.
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
zu Liquiditätsengpässen kommen. Diese Unternehmen sind dann zukünftig verstärkt auf Fremdfinanzierung angewiesen. 30 Die Aussicht des Mittelstands auf geringfügige Steuerentlastungen, reichen nicht aus um die negativen Auswirkungen der Ökosteuer, der Unternehmenssteuerreform und des 630 DM-Chaos usw., auszugleichen. 31
Die Wirtschaftspolitik wird der heraus ragenden Bedeutung mittelständischer Unternehmen nicht gerecht. Es muß zukünftig die Aufgabe sein, ein günstiges Umfeld für selbstständige unternehmerische Tätigkeiten zu schaffen. So sollten, neben dem Abbau von Überregulierungen und Bürokratie und einer evtl. Neugestaltung des Wettbewerbsrechts, die Finanzierungsmöglichkeiten für mittelständische Unternehmen, durch entsprechende Steuerpolitik, verbessert werden.
Neben den politischen Rahmenbedingungen, nimmt auch das Umfeld des Unternehmens wesentlichen Einfluß auf den Gestaltungsspielraum unternehmerischen Handelns. 32
So bringen die Ausrichtung des Unternehmens auf die prägende Unternehmerpersönlichkeit sowie die flachen Organisationsstrukturen, neben den Vorteilen des Innovationspotentials und der Flexib ilität, auch Probleme mit sich. In mittelständischen Unternehmen sind traditionell schon die Managementkapazitäten knapp. Es fehlt die zweite Managementebene und die Nachfolgeregelungen sind vielfach noch ungeklärt. 33 Experten schätzen das in den nächsten fünf Jahren 300.000 Unternehmensnachfolgeregelungen im deutschen Mittelstand zu klären sind. Nur in 50 % der Fälle kommt der Nachfolger aus der Eigentümerfamilie. 34 Die rechtze itige Klärung der Nachfolgeregelung gestaltet sich allerdings recht schwierig, da Managementnachwuchs, insbesondere junge Akademiker, mit der Aussicht auf rasche Verantwortungsübernahme und dem Vorfinden eines vielfältigen Aufgabenspektrums, heutzutage kaum noch zu rekrutieren sind. Jungen angehenden Führungskräften geht es vielmehr um die zusätzliche „Wertschöpfung“ des Mit- 30 Vgl.Ramthun (2000), S. 20.
31 Vgl. Doss (2001), S. 1 ff.
32 Vgl. Dresdner Bank und Impulse (2002), S. 50 ff.
33 Vgl. Windau/Kreutzberg (2000), S. 16.
34 Vgl. Floegel (2000).
Basel II und die Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung
telstands, wie erfolgsabhängige Entlohnung, innovatives Arbeitsklima, Einsatz moderner IT-Strukturen und DV-Systemen, Mitarbeiterbeteiligungen usw. 35
Durch die zunehmende Verflechtung der Güter- und Dienstleistungsmärkten werden deutsche Mittelständler im Zuge der Europäisierung und Internationalisierung zu großem Wachstum gezwungen werden. Der sich damit erhöhende Wettbewerbsdruck, sowie die notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen um seine eigene Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig und langfristig zu sichern, induzieren einen hohen Kapitalbedarf. Bei den Überlegungen der mittelständischen Unternehmen spielen die Anforderungen des Kapitalmarktes kaum eine Rolle, denn von mehr als zwei Drittel der Unternehmen wird der Gang an die Börse kategorisch abgelehnt, und nur 12 % erwägen strategische Investoren bzw. Finanzinvestoren als echte Finanzierungsalternative. 36
Zudem zwingt die relativ niedrige Eigenkapitalquote des Mittelstands, schon immer zur Aufnahme von Fremdkapital, vorzugsweise in Form eines Bankkredits. Bei mittelständischen Unternehmen mit 100 bis 1.000 Mitarbeitern liegt die durchschnittliche Eigenkapitalquote unter 20 % 37 , bei einem Viertel der Unternehmen liegt sie sogar unter 10 %. Im Vergleich dazu haben Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern in den USA eine Eigenkapitalquote von etwa 50 %. 38 Die schlechte Eigenkapitalquote verringert die Möglichkeiten für weitere Fremdfinanzierungen. Der durch den hohen Verschuldungsgrad verursachte Zinsaufwand, steht somit auch nicht zur Selbstfinanzierung zur Verfügung. Unter den Ursachen für Unternehmensinsolvenzen findet man demzufolge auch „Zu wenig Eigenkapital“ auf Platz drei. 39
Vor dem Hintergrund von Basel II wird die Finanzierungsproblematik des Mit-telstands intensiv diskutiert und verstärkt das Verhalten der Banken gegenüber ihren mittelständischen Kunden diskutiert.
35 Vgl. Windau/Kreutzberg (2000), S. 16.
36 Vgl. Haas (2001).
37 In Relation zur Bilanzsumme.
38 Vgl. Heller (2001), S. 1.
39 Vgl. Internetquelle 7, sowie Anlage 1.
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Andreas Höh, 2002, Basel II -Konsequenzen für die Mittelstandsfinanzierung-, München, GRIN Verlag GmbH
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