Inhaltsverzeichnis
1. Kindheit, Jugend und Anfänge bei der KPD
- Sozialistische Arbeiterjugend-Bildungsverein (1908)
- Eintritt in die SPD (1912)
- Einsatz im 1.Weltkrieg (1915-1918)
- Eintritt in die KPD (1920)
- Wahl in sächsischen Landtag und Reichstag (1926/28)
- Mitglied des Politbüros des ZK der KPD (1929)
2. Moskauer Exil und Führungsposition in der DDR
- Beschluss für Moskauer Exil (1938)
- Nationalkomitee Freies Deutschland (1943)
- Rückkehr nach Deutschland (1945)
- „Gruppe Ulbricht“ (1946)
- Gründung der DDR (1949)
- Generalsekretär des ZK der SED (1950)
- Volkserhebung (1953)
- Oberster Befehlsgewalt über NVA (1960)
- Mauerbau (1961)
3.Entmachtung
- Parteiinterne Kritik (1965)
- Rücktritt als 1. Sekretär des ZK (1971)
- Ehrenvorsitzender der SED
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“
Diese bekannte Zitat stammt von einem Mann, der zweiundzwanzig Jahre der deutschen Zeitgeschichte tiefgehend geprägt hatte.
1. Kindheit, Jugend und Anfänge bei der KPD
Sein Lebensweg beginnt am 30.06.1893 als Walter Ernst Paul Ulbricht, als Sohn des Schneiders Ernst August Ulbricht und dessen Frau Pauline Ulbricht, geboren wird. Beide Eltern sind sozialdemokratisch engagiert und ebnen somit den Weg ihres Sohnes als späteren Führer eines sozialistischen Staates. Bereits in jungen Jahren beginnt Ulbricht, parallel zu seiner Tischlerlehre, mit dem Studium sozialistischer Literatur. Als 15- Jähriger wird Walter Ulbricht Mitglied im 1906 gegründeten sozialistischen Arbeiterjugend- Bildungsverein (SAJ). Diese Vereinigung hatte es sich zum Ziel gesetzt die arbeitende Jugend entsprechend der Ideologie der Arbeiterbewegung und der SPD auszubilden und zu beeinflussen. Walter Ulbrichts Eintritt in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 1912 war demnach nur eine logische Konsequenz für den jungen nach der Gerechtigkeit strebenden Mann. In der Partei bezeichnete man ihn als ein sehr aktives und positives engagiertes Mitglied. Gefördert wurde sein Eifer durch die Teilnahme an einem politischen Grundkurs and der Leipziger Parteischule.
Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, wird auch Ulbricht zum Dienst am Balkan und an der Westfront einberufen. Nach Genesung einer Malaria- Erkrankung wird er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates des XIX- Armeekorps. November 1918 kehrt er zurück in seine Heimatstadt und schließt sich dem Spartakusbund an. Die 1916 gegründete Vereinigung stellte einen Zusammenschluss revolutionärer Sozialisten dar und bildete im weiteren Verlauf den Kern der KPD. Am 4. Dezember 1920 tritt Ulbricht der KPD bei, wobei er schon zuvor im Umfeld der KPD agierte. Ulbricht wird in die Bezirksleitung Westsachsen gewählt und beginnt seine Karriere als Funktionär. Marion Frank bezeichnet die Arbeit Ulbrichts als einen „verbissenen Einsatz für die Partei“, Ulbricht hätte die „Kärrnerarbeit an der Basis“ geleistet, für die sich „andere zu schade waren“. 1 Stets der Gefahr einer Verhaftung ausgesetzt, operierte Ulbricht vorwiegend im Untergrund. Infolge der schweren Krise der Weimarer Republik wird die KPD verboten. Walter Ulbricht erhält am 23. November 1923 einen Schutzhaftbefehl wegen Hochverrat. In den Jahren von 1924 bis 1925 hält er sich in Moskau auf, nimmt an einem Lehrgang an der Lenin Schule der Kommunistischen Internationale teil und ist anschließend als Parteiinstrukteur in Wien und Prag tätig. 1926 wird Ulbrich als
1 Mario Frank: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biographie, Berlin 2001, S. 62
Abgeordneter in den Sächsischen Landtag gewählt. Die Immunität des Amtes ermöglicht es ihm, ohne Gefahr strafrechtliche Verfolgung wieder öffentlich aufzutreten. Zu seinen Vorträgen vor dem Plenum war er allzeit gut vorbereitet, seine Argumentation zeugte von Fachwissen. Immer wieder bezichtigte er in seinen Reden die Sozialdemokraten einer arbeiterfeindlichen Parteiführung. Bei den Reichstagswahlen 1928 wird Ulbricht zum Abgeordneten gewählt. Seine Reden sind gekennzeichnet durch eine Grundhaltung, die sich uneingeschränkt der politischen Linie Moskaus verpflichtet. Mit der Machtübernahme der NSDAP, der Auflösung des Reichstages und den Maßnahmen der Nazis gegen KPD-Mitglieder ist Ulbricht gezwungen, sich ein weiteres Mal in den Untergrund zurückzuziehen und von dort aus die Partei auf die geheime Arbeit vorzubereiten, denn seit 1929 ist er Mitglied des Politbüros des ZK der KPD und politischer Leiter einiger KPD- Bezirke. Nach Angaben des Hausbesitzers, bei dem Ulbricht sich in Berlin versteckt gehalten hat, sei dieser ein „äußerst verschlossener Mensch [gewesen, L.K], der meist zurückgezogen in seinem Zimmer lebte und dessen abweisende Miene jeden Versuch ausschloss, sich mit ihm zu unterhalten.“ 2
2. Moskauer Exil und Führungsposition in der DDR
Ein Beschluss des Politbüros zwingt Ulbricht im Oktober 1933, Deutschland zu verlassen und im Moskauer Exil weiterzuarbeiten. Interne Machtkämpfe führten indes zu einer Auflösung der Kommunistischen Internationale. 1943 beschließen die Parteispitzen Dimitroff, Manuilski, Pieck und Ulbricht die Bildung einer antifaschistischen deutschen Vereinigung mit der späteren Bezeichnung Nationalkomitee Freies Deutschland. Ulbrichts Aufgabe bestand darin, die Gründung des Nationalkomitees zu organisieren, deutsche Kriegsgefangene als Rekruten zu gewinnen und im weiteren Verlauf die operative Abteilung des NKFD zu leiten. Mit der Berufung ins Auslandsbüro der KPD endete jedoch seine Tätigkeit beim Komitee. Erst im Jahre 1945 kehrt Ulbricht nach Deutschland zurück und organisiert mit der „Gruppe Ulbricht“ den Wiederaufbau der KPD. Nach der Wahlniederlage 1946 in Ungarn und Österreich verfolgt man im neuen Parteiführungskonzept eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten. Auf Weisung von Stalin findet am 21.4.1946 die Vereinigung von der KPD und der SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) statt. Am Vereinigungstag der beiden Parteien stellt Ulbricht klar, dass es nicht nur um eine „einfache Vereinigung von Sozialdemokraten und Kommunisten,“
2 Carola Stern: Ulbricht. Eine Biographie, S. 66.
sondern um „die Neugeburt der deutschen Arbeiterbewegung“ 3 gehe. Zusammen mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl reist Ulbricht im September 1949 nach Moskau, um dort von Stalin die endgültige Erlaubnis zur Gründung der Deutschen Demokratischen Republik zu erhalten. Seinem Vorsatz, in Deutschland den Sozialismus zu etablieren, kommt Ulbricht nun um einiges näher. Ein weiterer Schritt in diese Richtung bedeutet die Wahl zum Generalsekretär des ZK am 3. Parteitag der SED (Juli 1950), zweifellos übernahm er damit die Führung der Partei und konnte nun damit beginnen, seine politischen Widersacher schrittweise auszuschalten. Die Volkserhebung am 17. Juni 1953, welche sich eindringlich gegen die SED- Führung richtete, bedeutet für Ulbricht lediglich eine Erweiterung seiner Machtposition. Zwar sollte es damit zu einer Entmachtung des Partei- Oberhaupts kommen, jedoch geht Ulbricht als Gewinner aus dem Geschehen hervor, da „seine Gegner nicht entschlossen und hart genug“ 4 vorgegangen sind.
Im Jahre 1960 übernimmt Ulbricht die oberste Befehlsgewalt über die Nationale Volksarmee (NVA), die zu Beginn des Bestehens der DDR aufgrund eines Befehls Stalins gegründet und aufgerüstet wurde. Noch im gleichen Jahr stirbt Wilhelm Pieck, das Amt des Präsidenten wird abgeschafft und Ulbricht übernimmt den Vorsitz des Staatsrates. Mit dem Amt des Generalsekretärs und das des Vorsitzenden des nationalen Verteidigungsrates vereint Ulbricht nun alle entscheidenden Machtpositionen in einer Person 3. Entmachtung
Die Stimmung im Volk wird zunehmend kritischer. Viele sehen die Widersprüchlichkeit in den Ansprüchen und der Wirklichkeit der DDR. Zwar ist der Staat im Sozialen reichlich engagiert, jedoch kann dies nicht davon ablenken, dass die Regierung ihr Ziel, die Bundesrepublik wirtschaftlich einzuholen noch lange nicht erreicht hat. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung äußert sich besonders in der zunehmenden Flüchtlingszahl in den Westen. „Am 16.3.1961 konfrontierte Ulbricht erstmals das ZK der SED mit seinem Vorhaben, die Berliner Sektorengrenze zu schließen. [...] Am 15.6.0961 gab der SED Chef anlässlich einer Pressekonferenz [...]ungewollt einen wichtigen Hinweis auf den bevorstehenden Bau der Mauer. Auf die Frage einer Reporterin der Frankfurter Rundschau [Annemarie Doherr, L.K.], ob er beabsichtige, die Staatsgrenze der DDR [...]zu errichten, erwiderte Ulbricht: ´Ich verstehe ihre Frage so, dass es in Westdeutschland Menschen gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der DDR dazu mobilisieren, ein Mauer aufzurichten. Mir ist nicht bekannt, dass
3 Protokoll des Vereinigungsparteitages der SPD und der KPD am 21./22.4.1946 in der Staatsoper in Berlin, S.158 ff. In: Mario Frank. Walter Ulbricht. Eine deutsche Biographie, Berlin 2001
4 Mario Frank: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biographie, Berlin 2001
eine solche Absicht besteht. [...]Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.´ Der letzte Satz sollte zum geflügelten Wort Ulbrichts werden. Niemand hatte nach einer Mauer gefragt.“ 5 Der geheime Mauerbau erfolgt in der Nacht vom 12.auf den 13. August 1961. Binnen weniger Stunden werden die Zugänge zwischen Ost- und West- Berlin gesperrt. Den Grenzschutzbeamten der DDR wird der Befehl gegeben, flüchtende DDR- Bürger zuerst laut zum Stehen zu mahnen und dann, im Falle einer Verweigerung, auf sie zu schießen. Eine konkrete aussagekräftige Stellungnahme zum Mauerbau gibt Ulbricht am 29.8.1961 in der Zeitung „Neues Deutschland“: “Konterrevolutionäres Ungeziefer, Spione, und Diversanten, Schieber und Menschenhändler, Prostituierte, verdorbene Halbstarke und andere Gegner der volksdemokratischen Ordnung saugten sich an unserer Arbeiter- und Bauern- Republik wie Blutegel oder Wanzen am gesunden Körper fest. [...]Wenn man das Unkraut nicht bekämpft, dann erstickt es die junge Saat [...]. Deshalb haben wird die Risse in unserem Haus dichtgemacht, die Schlupflöcher für die ärgsten Feinde des deutschen Volkes geschlossen.“ Ulbricht hat sein Ziel erreicht, der Flüchtlingsstrom ist gestoppt, die potentiellen Arbeitskräfte bleiben im Land und können so am wirtschaftlichen Aufschwung der DDR mithelfen. Doch zeitgleich mit dem Aufschwung der DDR- Wirtschaft verliert Ulbricht an Einfluss innerhalb der eigenen Partei. Ulbrichts großes Engagement für die Jugend, welches sich insbesondere in der Bildungspolitik niederschlägt, findet bei vielen SED- Mitgliedern keinen Anklang. Erich Honecker, Gründer der Freien Deutschen Jugend (FDJ) opponiert im Geheimen gegen seinen politischen „Zieh- Vater“. Ende 1965 kritisiert Honecker erstmals öffentlich auf einer Wirtschaftstagung die Jugend- und Kulturpolitik Ulbrichts. Für den Parteichef ist die schwerwiegende Kritik ein Tiefschlag. Nachdem für kurze Zeit der vorsichtige Versuch einer Liberalisierung in der DDR stattgefunden hat, kommt es nun zu strikten Maßnahmen. Ulbricht muss mit ansehen, wie er selber an Macht verliert und Erich Honecker diese vereinnahmt. Ihm gelingt, die Mehrheit des Politbüros auf seine Seite zu ziehen und Ulbricht schließlich in einem Schreiben, unterstützt von den Sowjets, dazu zu veranlassen, „aus gesundheitlichen Gründen“ am 27.4.1971 freiwillig zurückzutreten. Entschädigend dafür erhält U. den Titel des Ehrenvorsitzenden der SED und darf zum Schein den Vorsitz des Staatsrates beibehalten. W.U. stirbt am 1.8.1973 in Döllnsee bei Berlin. Walter Ulbrich hat für seine Arbeit gelebt, er hat gekämpft für die Durchsetzung seiner Ideen, errichtete einen Staat, in dem dies alles verwirklicht war. Der Mauerbau steht sinnbildlich für sein Lebenswerk. Die Person Walter Ulbricht wird in den Köpfen den vieler Menschen nicht vergessen.
5 Mario Frank: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biographie, Berlin 2001, S. 347ff
Literaturliste
Mario Frank: Walter Ulbricht. Eine deutsche Biographie, Berlin 2001 Norbert Podewin: Walter Ulbricht. Eine neue Biographie, Berlin 1995 Carola Frank: Walter Ulbricht. Eine politische Biographie, Köln/ Berlin 1963 Taschenhandbuch zur Geschichte, hg. v. Ferdinand Schöningh, Paderborn 1991
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Könnecke Linda, 2001, Ulbricht, Walter - eine Kurzbiographie, München, GRIN Verlag GmbH
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