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I. Einleitung
Innerhalb der 1832 erschienenen Tragödie Faust II von Johann Wolfgang Goethe nimmt der zweite Akt eine besondere Stellung ein. Während Faust als Protagonist in den Hintergrund tritt, erscheint die Figur des Homunculus, deren kurze Existenz als künstliches Wesen den Handlungsverlauf des zweiten Aktes bestimmt. Als in sich abgeschlossener Bestandteil des Dramas trägt der zweite Akt zu einer eigenständigen Synthese philosophischer Grundgedanken bei, die sich aus der Gesamtheit des Faust ergibt. Diese werden in den einzelnen Charakteren der Figuren repräsentativ dargestellt, im äußeren Geschehen veranschaulicht und ihre Auseinandersetzung in logischer Folge als Handlung des Dramas inszeniert. Ziel dieser Arbeit ist es, die geistesgeschichtlichen Grundlagen zu analysieren, aus denen sich die Homunculushandlung ergibt und die Einbindung der Figur des Homunculus in das Drama darzustellen. Homunculus’ Weltsicht wird dabei als eine Möglichkeit der Beziehung von Individuum und Welt verstanden, die derjenigen Fausts kontrastiv und als positive Alternative gegenübergestellt ist. Im folgenden soll deshalb die Figur des Homunculus aus ihren Voraussetzungen gedeutet, die Logik ihres sich daraus ergebenen „Lebenslaufes“ nachvollzogen und in einem letzten Schritt ihre Bedeutung für Faust ermittelt werden.
II. Hauptteil
1.) Voraussetzungen der Existenz des Homunculus
a) Erschaffung
Die Figur des Homunculus tritt ausschließlich im zweiten Akt des Faust II auf. Ihre Existenz als künstliches Wesen beginnt in der Szene ‚Laboratorium’ und endet in der Szene ‚Klassische Walpurgisnacht’, die den zweiten Akt beschließt. Die Existenz des Homunculus ist bestimmt von zwei treibenden Kräften, dem Drang, tätig zu sein und dem sich daraus entwickelnden Wunsch, zu entstehen. Beide Kräfte beeinflussen den Handlungsverlauf des zweiten Aktes entscheidend: Nachdem Homunculus in Wagners Laboratorium erschaffen wurde, richtet der anwesende Mephistopheles seinen Tätigkeitsdrang auf den bewusstlosen Faust. Homunculus betrachtet Fausts Traum und schließt daraus auf dessen Bedürfnis nach der antiken griechischen Mythologie. Homunculus, Mephistopheles und Faust begeben sich in die ‚Klassische Walpurgisnacht’, eine Versammlung antiker mythologischer Gestalten. Dort erwacht Faust, und die Wege der drei Figuren trennen sich. Homunculus schließt sich den Philosophen Thales und Anaxagoras an
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und erhofft sich von ihnen Hilfe bei der Verwirklichung seines Wunsches, zu entstehen. Er wird Zeuge eines Krieges zwischen Pygmäen und Kranichen und des Entstehens eines neuen Berges. Anaxagoras bietet Homunculus die Herrschaft über die Pygmäen an, doch dieser wendet sich Thales zu, der ihm das Meer als Entstehungsort empfiehlt. Thales führt Homunculus zu Nereus, der sie an Proteus weiterleitet. Proteus schließlich fordert Homunculus auf, ihm in das Meer zu folgen. Als die Meernymphe Galatee erscheint, zerschellt sich Homunculus an ihrem Muschelthron und beendet auf diese Weise seine künstliche Existenz. Die treibenden Kräfte des Homunculus ergeben sich aus den Umständen seiner Erschaffung und dem Wesen seiner Existenz:
Der Homunculus ist ursprünglich geplant als ein künstlicher Mensch, den Wagner mit den Mitteln der Alchemie außerhalb des menschlichen Körpers erschaffen will. Das Motiv der Schaffung eines künstlichen Menschen findet sich bereits früher in der Literatur, zum Beispiel im sechzehnten Jahrhundert bei Theophrastus Paracelsus, der die Geburt eines Menschen im Reagenzglas durch Fäulung des Samens für möglich hielt. Diesen künstlichen Menschen nannte er „homunculus“, ‚Menschlein’, da er kleiner als gewöhnliche Menschen sei 1 .
Goethe wandelte das Motiv der Fäulung in Bezug auf die naturwissenschaftliche Forschung seiner Zeit in das der ‚Kristallisation’ um: Wagner will aus unorganischen „vielhundert Stoffen“ (V. 6849) den organischen „Menschenstoff“ (V. 6851) chemisch synthetisieren. Dieses Vorhaben schließt an die Diskussion an, ob die künstliche Erzeugung von Harnstoff, die dem Chemiker Wöhler 1828 geglückt war, zum Ausgangspunkt der Erzeugung komplexer organischer Strukturen werden könne.
Dem hinzukommenden Mephistopheles, der den bewusstlosen Faust in seine alte Studierstube gebracht hat, legt Wagner die Gründe für sein Experiment dar: Die natürliche Zeugung als Produkt animalischer Triebbefriedigung sei dem Menschen „mit seinen großen Gaben“ (V. 6846) nicht angemessen. Wagner will die Naturkräfte verstehen, um sie zu beherrschen. Der Mensch, genauer gesagt der „Denker“ (V. 6870) solle sich selbst in Zukunft selbst erschaffen, „ein Hirn, das trefflich denken soll“ (V 6869), unabhängig vom zufälligen Wirken der Natur. In gottgleicher Souveränität könne er sich wie ein Künstler ein „herrlich Werk“ (V. 6833) selbst „komponieren“ (V. 6851), also aus eindeutig identifizierbaren Teilen zusammen setzen. Wagner betrachtet die Erschaffung des Menschen aus dem Geist und ohne den Makel der Körperlichkeit als dessen angemessenen „höhern Ursprung“ (V. 6847), da er wie Paracelsus den Verstand als eine Gabe Gottes betrachtet, die dem Menschen seine Selbsterschaffung ermöglichen soll.
1 vgl. Paracelsus, Theophrastus: Werke -Band V. Darmstadt 1968. S.62 f.
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b) Ursprung
Doch was in der Phiole erscheint, ist kein wirklicher Mensch. Wagner selbst beschreibt die Erscheinung als ein „artig Männlein“ (V.6874) „in zierlicher Gestalt“ (V. 6873); somit verfügt Homunculus über ein menschliches Äußeres. Die Phiole leuchtet, und Homunculus kann als Quelle des Leuchtens dessen Intensität bestimmen. Direkt nach seiner Erscheinung spricht er bereits und beweist seinen voll ausgebildeten Intellekt. Er hat nicht nur eine natürliche Zeugung, sondern auch das Heranbilden des individuellen Geistes übersprungen. In a priorischer Selbsterkenntnis charakterisiert er sich, als er von Wagner mit den Worten „Komm, drücke mich recht zärtlich an dein Herz!“ (V. 6880) einen Beweis der Zuneigung fordert und diese Forderung sogleich einschränkt: „Doch nicht zu fest, damit das Glas nicht springe.“ (V. 6881). Mit dem folgenden Lehrsatz „Das ist die Eigenschaft der Dinge: / Natürlichem genügt das Weltall kaum, / Was künstlich ist, verlangt geschloßnen Raum.“ (V. 6882-84) definiert er seine eigene Beziehung zur Welt der Elemente, zur Natur: Homunculus ist auf den Raum innerhalb der Phiole beschränkt, da sie ihm, wie Thales später formuliert „allein Gewicht“ (V. 8251) verleiht. Thales erkennt auch, dass Homunculus nur aus „geistigen Eigenschaften“ (V. 8249) besteht und sieht darin einen Mangel: „Er ist, [...], / Gar wundersam nur halb zur Welt gekommen.“ (V. 8247-48).
Hieraus ergibt sich, dass Wagners Experiment fehlgeschlagen ist. Wagner wollte organischen „Menschenstoff“ herstellen, doch es ist nichts Organisches an Homunculus. Er verfügt über ein umfangreiches historisches Wissen, weshalb er auch den Zeitpunkt der ‚Klassischen Walpurgisnacht’ bestimmen kann (Goethe konzipierte ihn anfänglich vor allem als ‚Weltkalender’) und hat Einblick in das Wesen anderer Personen. So bezeichnet er z.B. Faust als „Ritter“ (V. 6984), eine Rolle, die dieser später im Drama einnehmen wird.
Homunculus’ körperlose Gestalt verleiht ihm zwar Sinneswahrnehmungen und die Fähigkeit, zu sprechen, doch kann er auf die Außenwelt nicht ‚greiflich tüchtighaft’ einwirken. Da er sich außerdem zum Beispiel beim Anblick von Fausts Traum erstaunt zeigt, ist er auch fähig, Gefühle zu empfinden. Er ist somit nicht allein Intellekt, sondern „des Menschen Herz und Geist“ (V. 586), die verstehen zu wollen Wagner bereits im Faust I angekündigt hatte.
Homunculus betont sein ‚freies Auge’, welches nicht durch Gewohnheit beschränkt ist, da er in keinen Körper und keine Kultur hineingeboren wurde. Diese freie Wahrnehmung lässt ihn an Fausts Traum teilhaben, während Wagner und Mephisto, beide beschränkt durch den mittelalterlichen „Wust“ (V. 6926), ihre kulturelle Prägung, nichts wahrnehmen. Fausts Traum, der die Zeugung Helenas durch Zeus und Leda in Anlehnung an das Gemälde Leda und Jupiter als Schwan von Correggio
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schildert, drückt Fausts Sehnsucht nach der geliebten Helena aus. Homunculus gibt das Geschehen begeistert und poetisch wieder und bezeichnet es als ‚bedeutend’ (V. 6903). Er bezieht sich dabei auf die Schönheit des Kunstwerks als „Erscheinungsgestalt der substantiellen Wahrheit der Wirklichkeit“, die „Natur und Menschheit zur »einen Welt« zuammenschließt“ 2 . Aus der Vereinigung der naturhaft vollendeten Schönheit Leda mit dem Gott Zeus im Element des Wassers geht Helena hervor, die Verschmelzung von Natur und Geist, Wirklichkeit und Idee. Homunculus fühlt sich von dieser Zeugung des Schönen angesprochen, da er als a priorisches Wesen oder `Entelechie’ (im aristotelischen Sinne verstanden als das, was ein Ziel in sich selbst habe) stärker als die ‚verdüsterten’ menschlichen Wesen mit der Schönheit des Ur-Einen verbunden ist.
Das Ur-Eine als Grundbegriff des Neuplatonismus bezeichnet das Absolute, welches konstitutiv für alles Endliche, zum Beispiel das Individuum, ist. Gemäß dieser Philosophie entstünden aus dem göttlichen Ur-Einen durch dessen Ausfließen in verschiedene Stufen der Realität zuerst der Geist als höchste Stufe, dann die Weltseele - das schöpferische Handeln -, welche die niedrigeren Seelen der Lebewesen beinhalte, und zuletzt die Materie. Die körperliche Existenz, die Bindung der Seele an die Materie, führe zur Abtrennung vom Ursprung und zur Überheblichkeit, da sie dem Individuum Unabhängigkeit vortäusche. Diese Vorstellung beinhaltet auch Platons Lehre von den göttlichen Ideen, deren unvollkommenes Abbild die Dinge der materiellen Welt seien. Helena ist demzufolge die Verkörperung der Idee des Menschen, sein göttliches Urbild, wohingegen es sich bei Homunculus um eine unverkörperte Seele handelt.
Dass diese Definition tatsächlich auf das Wesen des Homunculus zutrifft, ergibt sich aus seinem wahren Ursprung: Wagner ist Homunculus’ geistiger Vater, da er ihn erdenkt, doch er erschafft ihn nicht. Er ist nicht fähig, auf künstlichem Wege Organisches herzustellen; daraufhin deutet bereits die Beschreibung seiner Apparate als ‚unbehülflich’ und gemacht zu ‚phantastischen’, also wirklichkeitsfernen und unmöglichen Zwecken. Wagner will einen vollständigen Menschen mit Seele und Körper erschaffen, doch seine erste Frage an Homunculus ist die nach dem ihm unbegreiflichen Zusammenhang von Körper und Seele (V. 6893-96). Somit verlässt sich Wagner auf die alchemistischen und naturwissenschaftlichen Autoritäten, die davon ausgehen, dass mit der Erzeugung eines künstlichen Körpers auch ‚Herz und Geist des Menschen’ entstünden. Da Homunculus aber körperlos ist, kann Wagners Kristallisation nicht der Grund seines Erscheinens sein, und auch seine menschliche Gestalt muss anderen Ursprung haben.
Wagners Ausruf „O daß ich’s diesmal nicht verliere!“ (V. 6829) macht klar, dass er sein Experiment schon mehrmals erfolglos durchgeführt hat. Wagner jedoch ahnt,
2 Krings, Hermann; Baumgartner, Hans-Michael; Wild, Christoph (Hrsg.): Handbuch Philosophischer Grundbegriffe. München 1973. S. 839
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dass die Umstände dieses Mal andere sind, da er vom „Stern der Stunde“ (V. 6832), einem schicksalhaften Augenblick spricht. Auch das durchdringende Läuten der Glocke kündigt an, dass etwas Bedeutsames geschehen wird, und das Motiv des signalhaften Glockenläutens tritt bis zum Ende des zweiten Aktes immer wieder auf: Auch Homunculus’ Phiole ‚tönt’ und ‚dröhnt’ wie eine Glocke, und die Regieanweisung „Mond im Zenit verharrend.“ Am Beginn der Szene ‚Felsbuchten des Ägäischen Meeres’ verweist darauf, dass der gesamte zweite Akt auf einer einheitlich hohen Bedeutungsebene angesiedelt ist, die ihn aus dem normalen Zeitverlauf heraus hebt.
Homunculus spricht Mephistopheles als „Herr Vetter“ (V. 6885) an und dankt ihm dafür, ‚im rechten Augenblick’ (V. 6886) erschienen zu sein. Somit hängt sein Erscheinen mit der Anwesenheit Mephistos zusammen, und genau wie Mephistopheles in Bezug auf Wagner ankündigte „Ich bin der Mann, das Glück ihm zu beschleunen.“ (V. 6684), stellt Homunculus fest: „Du bist gewandt, die Wege mir zu kürzen.“ (V. 6890). Er bezieht sich damit auf Mephistos Kräfte, die ihn unter Überspringen der natürlichen Entstehung in der Phiole zur Erscheinung gebracht haben und nun seinem Tätigkeitsdrang behilflich sein sollen. Weitere Andeutungen des Einwirkens Mephistopheles’ finden sich im ersten Wortwechsel zwischen diesem und Wagner. Wagner bittet Mephisto: „Doch haltet Wort und Atem fest im Munde,“ (V. 6833); Wort und Atem aber sind im Alten Testament göttliche Mittel der Schöpfung. Auf Mephistopheles’ herablassendwohlwollende Frage „Was gibt es denn?“ (V. 6834) antwortet Wagner entsprechend seiner Anmaßung göttlicher Schöpferkraft „Es wird ein Mensch gemacht.“ (V. 6835), in Anlehnung an Gottes Ausspruch „Lasset uns Menschen machen.“ (1. Mose 1.2). Homunculus nun betitelt Mephisto als „Schalk“ (V. 6885), als welcher dieser sich immer wieder durch Täuschung der Menschen mit Trugbildern beweist. Schalk ist es auch, der Mephistopheles dazu veranlasst, Wagner glauben zu machen, er habe tatsächlich die göttliche Schöpfung ‚von ihrer Würde entsetzt’ (V. 6844) und ihn selbst die Schöpferrolle spielen lässt.
Auch nachdem Homunculus Wagner auf seine Beschränkung hingewiesen hat, gibt dieser nicht zu verstehen, dass er sein Experiment für fehlgeschlagen hält. Für ihn, der den Geist des Menschen als dessen wichtigstes Merkmal erachtet, ist das Experiment mit dem Erscheinen eines Geistwesens gelungen. Wagner sieht, was er sehen will, denn er bezeichnet Homunculus als einen ‚allerliebsten Knaben’ (V. 6902), sieht in ihm eine Art Sohn 3 , während Thales später feststellt: „Er ist, mich dünkt, hermaphroditisch.“ (V. 8256).
3 Wagners Beziehung zu dem scheinbaren Produkt seines Experimentes ist auffällig emotional. Seine Redebeiträge sind begleitet von Anmerkungen wie „immer in die Phiole schauend“ (er kann nicht genug vom Anblick seines ‚Kindes’ bekommen), „entzückt’“, „ängstlich“, „betrübt“ usw.. Er bezeichnet Homunculus als ‚artig’ und ‚allerliebst’, als habe er es mit einem Kleinkind zu tun und bemerkt Homunculus’ Ironie nicht. Auch ist seine Abneigung gegenüber Körperlichem so stark, dass
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Proteus’ Charakterisierung des Homunculus mit den Worten: „Du bist ein wahrer Jungfernsohn, / Eh du sein solltest, bist du schon!“ (V. 8253-54) deutet gemäß der stoischen Lehre von einer „zweckmäßige[n] und planvolle[n] Ordnung der Dinge und Ereignisse“ 4 auf einen in Unordnung gebrachten Schöpfungsplan. Das Durcheinanderwerfen von Naturgesetzen aber ist eine Eigenschaft des Mephistopheles. Er kann als Demiurg eine menschliche Seele in die Phiole sperren und ihre Erscheinung gestalten. Auf diese Weise will er Wagner in seiner Hybris und lebensverneinenden Forschung bestärken, denn diese entspricht seiner Überzeugung: „[...] besser wär’s, daß nichts entstünde.“ (V. 1341). Homunculus aber ist mehr als eine Täuschung Mephistopheles’, und so wird es später gerade sein größter Wunsch, zu „entstehn“ (V. 7831). Seine Halbexistenz ist künstlich, doch sein göttliches Wesen ist echt. Dies teilt er Wagner sofort mit: „[...] es war kein Scherz.“ (V. 6879).
Im weiteren Verlauf zeigt sich die Überlegenheit des Homunculus Wagner und selbst Mephistopheles gegenüber. Von Anfang an ist Homunculus’ Sprache geprägt von Ironie, wiederum ein Hinweis auf die Verwandtschaft mit dem ‚Vetter Schalk’. So sind der als Kosename für Wagner getarnte respektlose Diminuitiv „Väterchen“ (V. 6879) und Homunculus’ Aufforderung zu einem Beweis der Zuneigung eine Verspottung Wagners, da sie verdeutlichen, dass Künstliches (und generell jegliche Theorie als abgeschlossenes Gedankensystem) niemals emotionale Erfüllung bieten könne.
Homunculus verspottet auch Mephistopheles wegen seiner nordischen Beschränktheit und behandelt ihn wie einen Diener: „Den Mantel her,“ (V. 6983). Mephistopheles jedoch ist auf Homunculus’ Fähigkeiten angewiesen, denn nur dieser kann Fausts Bedürfnisse erkennen. So stellt Mephistopheles am Ende der Szene ‚Laboratorium’ auch fest: „Am Ende hängen wir doch ab / Von Kreaturen, die wir machten.“ (V. 7003-4). Mephistopheles hat Homunculus als Instrument für seine Zwecke erschaffen, da nur ein Geistwesen ihm Zugang zu Fausts Innerem verschaffen kann, und Homunculus nutzt seine Hilfe an Faust, um selbst nach seinem „Tüpfchen auf das i“ zu suchen.
Mephistopheles eine spöttische Bemerkung macht, die Wagners Gründe für seinen fanatischen Forschungseifer auf der zwischenmenschlichen Ebene vermuten lässt: „[...] ich wollte lieber fragen: / Warum sich Mann und Frau so schlecht vertragen? / Du kommst, mein Freund, hierüber nie ins reine.“ (V. 6897-99).
4 Kunzmann, Peter; Burkard, Franz-Peter; Wiedmann, Franz: dtv-Atlas Philosophie. München 2001. S.
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2.) Entwicklung der treibenden Kräfte
a) Ratsuche
Homunculus’ Drang, tätig zu sein, ist Eigenschaft des Seienden generell, denn er betont: „Dieweil ich bin, muß ich auch tätig sein.“ (V. 6888). Die Metaphysik Platons geht davon aus, dass die Tätigkeit der Seelen aus einer Sehnsucht nach dem wahren Sein entspringe, dem sie entstammten, und dass sie mittels dieser Tätigkeit danach strebten, sich wieder mit dem Ur-Einen, dem Absoluten, zu verbinden. Homunculus will Faust zur ‚Klassischen Walpurgisnacht’ bringen, weil er erkennt, dass diese dessen ‚Element’ (V. 6943) ist und ihn von seiner Handlungsunfähigkeit heilen kann. Diese Handlungsunfähigkeit ist verursacht durch die Erkenntnis seiner Seele von der Unmöglichkeit, Helena zu besitzen und sich auf diese Weise mit dem Absoluten zu verbinden.
In Homunculus’ Suche nach dem „Tüpfchen auf das i“ (V. 6994) zeigt sich bereits die bewusste Erkenntnis eines eigenen Mangels, auf den Fausts Traum ihn aufmerksam gemacht hat: Homunculus sehnt sich nach der Schönheit der Einheit von Geist und Element, die er in der Welt, der Realität der Elemente, zu finden hofft. Mit eingeschlossen in diese empirische Vorgehensweise ist die Hoffnung auf eine Behebung des Mangels, die Vervollkommnung des eigenen Seins. Die tätige Hilfe für Faust und das persönliche Vorhaben laufen dabei parallel, doch bei der Ankunft in der ‚Klassischen Walpurgisnacht’ muss sich jeder, wie Mephistopheles formuliert, „sein eigen Abenteuer“ (V. 7065) suchen. Demgegenüber wird Wagner in seine Studierstube verwiesen. Als er sich Homunculus aufdrängt: „Und ich?“ (V. 6988), befiehlt dieser ihm, seine alchemistischen Studien weiter zu verfolgen: „Eh nun, / Du bleibst zu Hause, Wichtigstes zu tun“ (V. 6988-89). Dabei drückt der Superlativ „Wichtigstes“ erneut Spott aus, da Homunculus ein „Stückchen Welt“ (V. 6993) durchwandern will und dieser Diminuitiv in ironischem Kontrast zum Superlativ steht. Schon ein kurzzeitiger direkter Kontakt zur Welt reiche aus, um zu erlangen, was lebenslange Beschäftigung mit Theorie nicht vermitteln könne: Die Erkenntnis des ‚irdischen Wesens’ (V. 7839). Mit dieser Bevorzugung eines empirischen Erkenntnisstrebens löst Homunculus sich von seiner durch Wagner vorgesehenen rein rationalistischen Bestimmung. Wagners „Wichtigstes“ hingegen wird von Homunculus karikiert: „Entfalte du die alten Pergamente,“ (V. 6689) veranschaulicht Wagners Glauben an falsche Autorität und geistige Uneigenständigkeit, „Und füge sie mit Vorsicht eins ans andre.“ (V. 6690) verweist wieder auf die Unmöglichkeit, durch bloßes Aneinanderkleben von Elementen zu einer organischen Einheit und somit Erkenntnis der Geheimnisse der Natur zu gelangen.
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Homunculus spricht auch von einem ‚großen Zweck’ (V. 6995), den es zu erreichen gelte. Dieser sei der Zweck eines ‚solchen Strebens’ (V. 6996), das „Gold, Ehre, Ruhm, gesundes langes Leben,“ (V. 6997) als Lohn verdiene. Der Begriff ‚Zweck’ ist in der aristotelischen Lehre eine der vier Ursachen der Entwicklung der Dinge, deren Wesen in diesem Werden zum Ausdruck komme. Bei Lebendigem sei der Drang zur Vervollkommnung die Zweckursache und die treibende Kraft die Seele, die sich in der Formung des Stoffes verwirkliche. Da Homunculus als bloße treibende Kraft nicht über Körperlichkeit verfügt, kann er sich auch nicht durch Formung verwirklichen. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich sein Wunsch, zu entstehen. Die Aufzählung von materiellen und ideellen Werten als Lohn des Strebens bedeutet nicht, dass Homunculus einen Lohn erwartet: Vielmehr zeichnet sich sein Streben gerade dadurch aus, dass es um seiner Selbst willen geschieht. Dies entspricht der neuplatonistischen Lehre, welche die Rückkehr der Seele in das Absolute nur mittels asketischer Enthaltsamkeit und Bescheidenheit für möglich hält. Ein Streben sei somit nur ‚gut’, wenn es die naturgemäße Bestimmung des strebenden Wesens erfülle. Allein ein ‚gutes’ Streben aber verdient auch den höchsten von Menschen vorstellbaren irdischen Lohn, welchen die inhomogene Aufzählung höchster materieller und ideeller Werte repräsentiert. Wissenschaft und Tugend, die ebenfalls als ‚Streben’ aufgeführt werden, sind nur dann auch eines Lohnes würdig, wenn sie ebenfalls allein als Mittel zur eigenen Vervollkommnung verwendet werden. Dass Homunculus tatsächlich keinen Lohn beansprucht, beweist sich zum einen darin, dass er aufgrund seiner Körperlosigkeit aus Werten wie „Gold“ oder ‚gesundem langen Leben’ gar keinen Nutzen ziehen kann; auch „Ehre“ und „Ruhm“ begehrt er nicht. So nimmt er die ihm von Anaxagoras angebotene Pygmäenherrschaft nicht an, und Anaxagoras stellt fest, dass Homunculus bislang ‚nie Großem nachgestrebt’ und ‚einsiedlerisch-beschränkt’ (V. 7877-78) gelebt habe, also bescheiden und asketisch gewesen sei. 5 Durch Herrschaft könnte er seinem Tätigkeitsdrang nachkommen und versuchen, seine Idee des Schönen schöpferisch in der Welt zu verwirklichen, Großes, d.h. Bedeutendes und Dauerhaftes zu bewirken. Dass Homunculus auf das Angebot nicht eingeht, verdankt sich seiner der
5 Otto Höfler, der den Homunculus als Satire auf A.W. Schlegel interpretiert (Homunculus -eine Satire auf A. W. Schlegel. Wien/ Köln/ Graz 1972), benutzt u.a. den Vers 7877 „Nie hast du Großem nachgestrebt,“ als unwiderlegbaren Beweis für seine Deutung: Aufgrund der kurzen Existenz des Homunculus ergebe das ‚nie’, welches eine lange Lebensspanne voraussetze, nur dann einen Sinn, wenn es auf die zurückgezogene Lebensweise Schlegels am Beginn seiner Karriere anspiele. Des weiteren aber deutet Otto Höfler die Aufzählung der Werte „Ruhm“, „Ehre“ etc. als tatsächliches Begehren des Homunculus und stellt ihn so als Abbild Schlegels dar, den er als negativen, oberflächlichen Charakter beschreibt.
Allerdings steht ein einsiedlerisches Leben, welches nicht nach ‚Großem’ strebt, in direktem Gegensatz zu einem Verlangen nach den materiellen Werten, die Otto Höfler in der Aufzählung des ‚Lohnes’ hervorhebt. Auch unterstellt eine derartige Interpretation des ‚nie’ Goethe einen Bruch in der Einheit des Dramas, da es ein Element enthalte, welchem nur in Bezug zur Rezipientenwirklichkeit, nicht aber aus dem logischen Zusammenhang des Dramas selbst Bedeutung zukomme. In Anbetracht der engen logischen Verknüpfung aller Teile des Dramas und ihres ständigen Verweises vom Besonderen auf das Allgemeine ist eine solche Inkohärenz unwahrscheinlich.
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Weisheit entspringenden Fähigkeit, den Rat von Autoritäten anzunehmen und sich daraus ein eigenes Urteil zu bilden. Die Angewohnheit, keinen Rat anzunehmen, ist für ihn ein Merkmal menschlicher Jugend, und da er diese übersprungen hat, kann er die Menschen auch aus der Distanz optimistisch charakterisieren: „Den Menschen laß ihr widerspenstig Wesen, / Ein jeder muß sich wehren, wie er kann, / Vom Knaben auf, so wird´s zuletzt ein Mann.“ (V. 6964-66). Gemeint ist mit „wehren“ in diesem Zusammenhang in Bezug auf Revolutionen und Kriege das Widerstreben des Menschen gegen die organische Entwicklung auch der gesellschaftlichen Verhältnisse, womit Homunculus bereits an früherer Stelle die Einstellung des Thales vorwegnimmt, die seiner eigenen nahe steht.
Auf Grund dieser Sichtweise des Homunculus gelingt es Mephisto auch nicht, ihn vom richtigen Weg abzubringen, indem er ihm empfiehlt, sich nicht den Philosophen anzuschließen, die kein wirkliches Wissen besäßen und nur darauf aus seien, dass man sich ihrer „Kunst und Gunst“ (V. 7845) freue. Homunculus solle den Weg zum Entstehen selbst suchen, denn „Wenn du nicht irrst, kommst du nicht zu Verstand!“ (V. 7847). Verstand aber gerade ist das, was den Homunculus auszeichnet, denn er will wissen, „[...] Wohin ich mich am allerklügsten wende.“ (V. 7841). Er weiß, dass er keine Wahrheit finden kann, die nicht schon früher entdeckt wurde, und deshalb kann er Mephisto abfertigen: „Ein guter Rat ist auch nicht zu verschmähn.“ (V. 7849).
Homunculus ist für Thales’ wie auch für Anaxagoras’ Theorien gleichermaßen offen, und er entschließt sich für Thales. Denn Thales rät Homunculus, die Krone der Pygmäen nicht anzunehmen, da man mit „Kleinen“ nur „kleine Taten“ tue (V. 7882). Bloße „Taten“, deren Ergebnisse außerdem nicht von Dauer wären, würden für die Entwicklung der treibenden Kraft des Homunculus einen Rückschritt bedeuten, denn er will nicht mehr nur ‚tätig sein’, sondern ‚entstehen’, und das kann er nur in direktem Kontakt zur Welt. In dem alternativen Vorschlag „Mit Großen wird der Kleine groß.“ (V. 7883) wird deshalb auch nicht parallel von ‚großen Taten’ gesprochen, sondern vom Anvertrauen des Ratsuchenden an große Autoritäten, womit sich Homunculus’ Ratsuche bei den Göttern Nereus und Proteus ankündigt. Dass Thales Homunculus das Meer als Entstehungsort empfiehlt, ist Ausdruck seiner philosophischen Lehre, des ‚Neptunismus’, welcher davon ausgeht, dass alles Leben aus dem Meer entstanden sei und die Natur in ihrer Schöpfertätigkeit keine Sprünge mache. Jedes Leben sei Ergebnis einer evolutionären Entwicklung durch „abertausend Formen“ (V. 8325) und nach „ewigen Normen“ (V. 8324). Anaxagoras hingen vertritt den ‚Vulkanismus’, die Lehre, dass Veränderungen in der Natur innerhalb kürzester Zeiträume und gewaltsam-eruptiv einträten und der Ursprung allen Lebens das Feuer sei. Wie Karl Eibl in seiner geistesgeschichtlichen Deutung des Faust feststellt, ist der Widerspruch dieser Lehren „asymmetrisch“ 6 . Sie
6 Eibl, Karl: Das monumentale Ich -Wege zu Goethes „Faust“. Frankfurt a.M. / Leipzig 2000. S. 219
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schließen einander nicht aus und werden auch am Ende des zweiten Aktes zusammengeführt (s.u.).
Diese Asymmetrie der Gegensätze erklärt auch, weshalb Homunculus trotz seiner Hinwendung zu Thales die Gewalt der Naturkräfte lobt, die durch das Aufwerfen von Gestein und das Herabfallen eines Steines aus dem Mond innerhalb einer Nacht einen Berg zustande bringen, obwohl der Komet dabei sowohl „Freund als Feind“ ‚quetscht und erschlägt’ (V. 7941). Was für Homunculus zählt, ist die schöpferische Kraft, die er als „Künste“ bezeichnet (V. 7942). Er setzt hier das göttliche Wirken der Natur mit dem des künstlerisch tätigen Geistes gleich, da beide die göttlichen Ideen gleichnishaft zur Anschauung bringen. Homunculus spürt beim Einschlag des Kometen ein „ungeheures Prallen“ (V. 7938), während Thales nichts von alledem wahrnimmt und wütend einwirft „Sei ruhig! Es war nur gedacht.“ (V. 7946). Wieder hat Homunculus Einblick in das Wesen einer Person, hier in das Wesen des Anaxagoras, dessen Verständnis Thales verwährt bleibt, da er vollkommen anders geartet ist.
Thales nun ist Homunculus bei seiner Suche nach dem richtigen Ort bzw. der richtigen Art, zu entstehen, behilflich. Homunculus sucht nach dem naturhaft Schönen, und er fühlt sich inmitten der furchteinflößenden, hässlichen Gestalten, die ihm anfänglich begegnen, nicht wohl. Dies bringen seine Kommentare „Schwebe noch einmal die Runde / Über Flamm- und Schaudergrauen; / Ist es doch in Tal und Grunde / Gar gespenstisch anzuschauen.“ (V. 7040-44) und „Allein, was ich bisher gesehn, / Hinein da möcht ich mich nicht wagen.“ (V. 7833-34) zum Ausdruck. Auch Mephistopheles bemerkt, dass Homunculus’ Licht inmitten all der ‚Lebensflammen’ der mythologischen Geister nur noch „gar bescheiden“ glüht (V. 7826), dass er von diesen eingeschüchtert ist. Dennoch steigert sich der Wunsch, zu entstehen zur Ungeduld, Homunculus will sein Glas ‚entzwei schlagen’ (V. 7832), denn so abschreckend die ihn umgebenden Gestalten auch sind, sie sind ‚Lebensflammen’, die Körperlichkeit besitzen und ihm seinen Mangel ständig vor Augen führen. Während Thales davon ausgeht, Homunculus wolle sich verkörperlichen und ihm rät, ‚von vorn die Schöpfung anzufangen’ (V. 8322), greift Proteus das Motiv des lebensspendenden Meeres zwar auf, doch seine Sichtweise des Entstehens ist eine andere:
„Im weiten Meere mußt du anbeginnen! Da fängt man erst im kleinen an Und freut sich, Kleinste zu verschlingen, Man wächst so nach und nach heran Und bildet sich zu höherem Vollbringen.“ (V. 8260-64) Einige Verse weiter erweitert er diesen Rat und formuliert ihn in eine direkte Aufforderung um: „Komm geistig mit in feuchte Weite, Da lebst du gleich in Läng und Breite,
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Beliebig regest du dich hier;
Nur strebe nicht nach höheren Orden: Denn bist du erst ein Mensch geworden, Dann ist es völlig aus mit dir.“ (V. 8327-32)
Thales betont das evolutionäre Prinzip der Entwicklung nach ewigen Normen, Proteus hingegen die Freiheit und Beliebigkeit der Existenz im Meer. Während bei Thales am Ende einer langen zielgerichteten Formwandlung irgendwann der Mensch als vernünftiges, sittliches Wesen steht, empfiehlt der Menschenverachter Proteus dem Homunculus, kein Mensch zu werden, da er den unbelehrbaren Menschen, der nichts aus seiner Geschichte lerne, für verblendet hält. Proteus als Geist der Verwandlung vertritt die individuelle Entstehung durch Aneignung des Fremden auf einer stets den eigenen Fähigkeiten angemessenen Ebene („Kleinste verschlingen“), und eine langsame Heranbildung zu höheren Fähigkeiten. Da ihm in jeder Form nur seine Individualität erhalten bleibt, ist diese für ihn wichtigstes Kriterium des Entstehens, während Thales als Mensch eingebunden ist in die evolutionäre Entwicklung, die seiner Ansicht nach den Menschen erst zu dem mache, was er ist. Proteus fordert Homunculus auf, „geistig“ mit ihm ins Meer zu kommen, „[...] sich also nicht auf die Gestaltwerdung einzulassen und schon gar nicht zum Menschen werden zu wollen.“ 7 Homunculus soll ohne die Einschränkung eines vergänglichen Leibes sein Streben allein auf den eigenen Geist konzentrieren und sich eine organisch gewachsene Identität aneignen.
b) Entstehen
Nun führen Thales und Proteus Homunculus tatsächlich zum Wasser, doch erst als die Meernymphe Galatee erscheint, verbindet Homunculus sich tatsächlich mit diesem. Dass er bei ihrem Anblick weiß, dass er sein Ziel erreicht hat, zeigt sich in der Beschreibung Nereus’ von der Ankunft seiner Töcher: „Aber Galateas Muschelthron / Seh ich schon und aber schon. / Er glänzt wie ein Stern / Durch die Menge“ (V. 8350-53). Das Motiv des ‚Sterns’ stellt einen Bezug her zum „Stern der Stunde“, der über dem gesamten Geschehen von der Erschaffung im Laboratorium bis zu dem nun eintretenden Augenblick steht. Nereus stellt fest, dass Geliebtes ‚durchs Gedränge leuchtet’ (V. 8454); kurz darauf vermutet er, Homunculus sei „von Pulsen der Liebe gerührt“ (V. 8468), weil dieser unaufhaltsam auf Galatee zusteuert. Inmitten des fremdartigen Gedränges der ‚Klassischen Walpurgisnacht’ hat Homunculus sein fehlendes Teil ausgemacht, und es ist die Liebe zum Schönen, der Eros, der ihm diesen Weg weist. Gemäß der Lehre des Neuplatonismus sei der Eros der Antrieb des Aufstieges zum Ur-Einen. Dieser bedeute die höchste Befreiung durch Extase, die unmittelbare Versenkung in der Betrachtung des Absoluten.
7 vgl. Eibl, Das monumentale Ich, S. 221
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So bescheinigt Proteus Homunculus: „In dieser Lebensfeuchte / Erglänzt erst deine Leuchte / Mit herrlichem Getön.“ (V. 8461-63). Zuvor wollte Homunculus sein Leuchten zurückhalten, um sein künstliches Behältnis nicht zu sprengen, nun hat er einen Ort gefunden, an dem er sich frei entfalten will. Zuvor wurde das Tönen der Phiole als gewaltig und machtvoll beschrieben, nun klingt sie ‚herrlich’, ist um den Aspekt der Schönheit bereichert, die Homunculus von allen Seiten umgibt: „In dieser holden Feuchte, / Was ich auch hier beleuchte, / Ist alles reizend schön.“ (V. 8458-60).
Auch Thales diagnostiziert an Homunculus die „Symptome des herrischen Sehnens“ (V. 8470) , des Eros. Thales „ahnet das Ächzen beängsteten Dröhnens“ (V. 8471), es scheint ihm, als werde Homunculus angesichts des drohenden Zerschellens von Angst ergriffen, die ihn jedoch nicht zur Umkehr bringt. Es ist die Angst vor dem fremden Element im Angesicht des Todes, der hier den Übergang in etwas vollkommen Anderes bedeutet. Offen bleibt jedoch, ob die Ahnung des Thales wahr ist, oder ob er sich Homunculus’ Angst einbildet, weil er den Sinn des Geschehens, die Entstehung durch den Tod, nicht begreift.
Die ‚Lebensflamme’ des Homunculus ergießt sich ins Meer, doch sie verlöscht dort nicht, sondern vermischt sich mit dem Wasser. Hier findet nicht nur eine Verschmelzung von Element und Geist statt, sondern auch eine Verbindung von Neptunismus und Vulkanismus: Tatsächlich wird das Wasser als lebensspendendes Element bestimmt, doch ist das Feuer schöpferische Kraft, die erst das Element zur organischen Entwicklung treibt. Auch die Sirenen stellen die besondere Qualität des ‚heiligen’ Feuers in ihrem Preislied heraus, welches die Welt ‚umzieht’ (V. 8480-83), gemäß der Lehre der Stoa, dass alles aus dem Feuer als Urelement hervorgegangen sei. Die Sphäre des Geistes als schöpferische Kraft ist somit eine Sphäre des Feuers, und auch Platon bezeichnet den Geist als ein Feuer, welches die Abbilder der göttlichen Ideen sehen lasse und dem göttlichen Licht der Welt der Ideen entspreche.
Das Zerschellen des Homunculus bedeutet das Ende seiner individuellen Existenz, den Verlust der Konzentration seines Geistes in einer künstlichen Gestalt. Er wählt nicht die körperliche Entstehung, denn diese hätte vor dem ‚Zerschlagen’ des Glases stattfinden müssen; auch auf die geistig-individuelle Entstehung verzichtet er. Stattdessen geht sein Bewusstsein in der vollkommenen Verschmelzung mit dem Element auf, und er erlangt ‚Totalitätskorrespondenz’ 8 , die nur durch Selbstaufgabe möglich ist. Indem Homunculus seinen Geist mit dem Element verbindet, vollzieht er auch die Erschaffung eines Kunstwerkes in der Realität nach, wie es sich ihm in Fausts Traum gezeigt hat. Die Sirenen bezeichnen dies als ‚feuriges Wunder’ (V. 8474) und ‚seltnes Abenteuer’ (V. 8483), da sich hier der seltene Moment künst-
8 vgl. Eibl, Das monumentale Ich, S. 223
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lerischer Schöpfung zeigt, in welchem sich dem Genius im Einklang mit der göttlichen Natur das Absolute offenbart.
3.) Einordnung der Homunculushandlung in das Gesamtwerk
a) Gesellschaftsbezug
Die Konzeption des Homunculus als rein geistiges Wesen ist eine kritische Auseinandersetzung mit Weltanschauungen, die das Individuum und seinen Verstand besonders betonen. So ist Wagner als rationalistischer Mensch auf der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit eine Vorstufe des Baccalaureus, der als Vertreter des Idealismus das Selbstbewusstsein als absolutes Prinzip des Wissens betrachtet, welches sowohl sich selbst als auch durch unbewusste Projektion die Welt der Objekte schaffe. Diese Überzeugung ist zusammengefasst in seinem Ausspruch „Die Welt sie war nicht eh ich sie erschuf.“ (V. 6794) und geht einher mit der Ablehnung jeglichen tradierten Wissens.
Homunculus hingegen erkennt die Existenz eines fremden Äußeren an und empfindet seine Abgeschnittenheit von diesem als Mangel. Somit erkennt er die Unvollständigkeit einer rein geistigen Existenz. Der Baccalaureus ist somit eine ‚satirische Präfiguration des Homunculus’ 9 , denn dieser verkörpert die größtmögliche Steigerung der Ideale des Baccalaureus. Diese Übersteigerung ist das Gedankenexperiment eines a priorischen Wesens, dessen ‚Lebenslauf’ die Überzeugung des Baccalaureus widerlegt: Homunculus erweist sich als mangelhaft und strebt von sich selbst aus zurück in die Natur; er geht den entgegengesetzten Weg des Baccalaureus bis zur völligen Selbstaufgabe.
Auch H. Schlaffer, der den Faust II unter soziologischen Gesichtspunkten als Allegorie deutet, interpretiert die Homunculushandlung als Forderung der Rückkehr des Menschen zur Natur. 10 Er weist auf den Zusammenhang von idealistischer Philosophie und experimenteller Naturwissenschaft hin, von der die eine die Theorie der anderen, die zweite die Praxis der ersten sei. Die Herrschaft des Begriffs über die Erscheinung sei im Faust II sowohl im Hinblick auf die Figuren als auch auf äußere Vorgänge anzutreffen, zum Beispiel in der figuralen Repräsentation philosophischer Lehren und der Veranschaulichung dieser Lehren (zum Beispiel durch Krieg und Erdbeben). Das Aufgehen mythischer Bilder in Sinnbildern, wie es bei Phorkyas als Verkörperung der Hässlichkeit geschehe, sei eine Anpassung an die Form der Allegorie. Faust II enthalte in seiner Gesamtheit ein Bild der modernen Gesellschaft, die durch die Theorie produziert werde und somit selbst allegorisch geworden sei. Die Allegorie des Faust II verweise somit nicht wie Allegorie
9 vgl. Eibl, Das monumentale Ich, S. 201
10 vgl. Schlaffer, Heinz: Faust Zweiter Teil - Die Allegorie des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1981
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traditionellerweise auf etwas Höheres, sondern auf die Wirklichkeit selbst. So stellt z.B. die Diskussion der Philosophen den dualistischen Kampf von Evolution und Revolution in Bezug auf die Entstehung neuer Sozialsysteme dar. Eingebunden in diese Sichtweise, in welcher die allegorischen Wesen des Faust II durch ihre mechanische Bau- und Funktionsweise als Konkurrenten der künstlichen Produktion der Realität gelten, schaffe der Homunculus durch seinen Tod einen Gegenpol, zeige die Unangemessenheit der allegorischen Welt für den Menschen, der sich der Natur entfremde, und propagiere eine Wiederkehr der Natur. Wilhelm Emrich, der den Faust II durch die Entschlüsselung der individuellen Symbolik Goethes unter geistesgeschichtlichen Gesichtspunkten deutet, bezeichnet diese Wiederkehr als „Triumph der Natur über die Geschichte“, „eine kreislaufartige Rückkehr des Geschichtlichen ins Natürliche.“ 11 . Entsprechend Goethes Auffassung, dass Geschichtlichkeit als dualistischer Urkampf eine unglückliche Kette des Immer-Gleichen sei, könne allein die Natur daraus befreien.
Auf der gesellschaftskritischen Ebene ist diese Erkenntnis der ‚große Zweck’, von dem Homunculus spricht. Denn in der aristotelischen Lehre von den Ursachen bezeichnet die Zweckursache nicht nur den Zweck einer Existenz für ihr eigenes Leben, sondern auch in Bezug auf künstlerische Werke den Zweck, der ihnen durch den Künstler gegeben wird. Somit verweist Homunculus auf die gesellschaftskritische Funktion seiner eigenen Konzeption als Figur des Dramas. Wie diese Rückwendung auf die Natur jedoch aussehen soll, wird deutlich, wenn man Homunculus in Bezug zu Faust setzt:
b) Beziehung des Homunculus zu Faust
Bei der Beschreibung von Fausts Traum fällt auf, dass dieser ihn nicht zu Ende träumt, sondern dass die eigentliche Zeugung der Helena von Nebel verschleiert wird. Hierin kommt die Unerfülltheit von Fausts Sehnsucht nach diesem Urbild des Menschen zum Ausdruck. Im ersten Akt endet der vergebliche Versuch, das Trugbild Helenas zu erlangen für Faust mit lähmender Erschütterung; Homunculus’ Zerschellen am Thron der Galatee nun zeichnet diesen Traum genau nach: Homunculus verschmilzt mit dem Element zur Einheit von Idee und Wirklichkeit, zum lebenden Kunstwerk.
W. Emrich betont, dass das Hermaphroditische bei Goethe charakteristisch sei für dessen Genius- und Musenallegorie und beschreibt Homunculus als „übernormal geniale Produktivkraft“ 12 für Faust. Homunculus bringt Faust nicht nur in sein ‚Element’, die ‚Klassische Walpurgisnacht’, sondern ist auch sein Heilmittel, als welches er sich selbst beschreibt: „Hast du ein Mittel, so erprob es hier, / Vermagst du’s nicht, so überlaß es mir.“ (V. 6968-69).
11 Emrich, Wilhelm: Die Symbolik von Faust II -Sinn und Vorformen. Frankfurt a.M. / Bonn 1964. S. 237
12 vgl. Emrich, Symbolik, S. 252
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Der strukturelle Zusammenhang zeigt sich in der logischen Abfolge der Ereignisse: Fausts Versuch, Helena zu erlangen, schlägt fehl, Homunculus aber vollendet seinen Traum, und am Anfang des dritten Aktes steigt Helena aus dem lebensspendenden Wasser, in welches Leda gestiegen und Homunculus zerflossen ist. Homunculus geht also seinen eigenen Weg und erschafft dabei Helena für Faust. Faust aber ist fast den gesamten zweiten Akt über besinnungslos, und als er erwacht, nimmt er die ihn umgebende Welt nicht als ein Fremdes wahr und beachtet Homunculus nicht. Er kann seinen eigenen produktiven Anteil nicht von der Welt lösen, die ihn umgibt, denn diese Welt des Mythos entstammt seinem eigenen Geist. In Homunculus kommt Fausts künstlerische Schöpferkraft zur Erscheinung, die dieser bislang nicht ausgelebt hat. 13 Erst jetzt, verursacht durch die Liebe zu Helena, tritt sie hervor und leitet einen Prozess der Wandlung ein, der Faust im Endeffekt von Mephistopheles weg führt: Er erschafft sich Helena in einer ‚Phantasmagorie’ aus dem eigenen Geist. Die darauf folgende Glückseligkeit lässt ihn für kurze Zeit eine Einheit mit der Natur erleben.
Der zweite Akt des Faust II zeigt somit die Abwendung Fausts von Mephisto. Mephisto, das lebensverneindende Prinzip, sucht sich in der Klassik eine passende Form und maskiert sich als Phorkyas, die personifizierte Hässlichkeit. Wenn die antike Schönheit die Verschmelzung von Natur und Idee, das vollkommene Ganze, bedeutet, so steht Hässlichkeit für die Negation von Leben und göttlicher Idee, für das Nichts. Faust aber löst sich von Mephisto durch die schöngeistige Kunst. Da Fausts Glück jedoch nicht dauerhaft ist, wendet er sich der Beherrschung der Elemente und ihrer Gestaltung als Abbild der Ideen seines Geistes zu; auf diese Weise will er das beängstigend Fremde in ihnen beseitigen. Wie Homunculus betonte, ist auch solche gestaltende Schöpferkraft ‚Kunst’, doch da Helena Fausts ‚Bestes’ (V. 10066), seine Liebe mit sich fortgetragen hat, ist dieser Weg ein unsicherer, mühsamer. Faust rafft die Elemente an sich heran, denn das zyklische Wesen der Natur als gleichnishafte Abbildung des Göttlichen, ihr unbeeinflussbares Werden und Vergehen, erscheint ihm sinnlos. Faust strebt danach, das Element zu beherrschen und zu etwas Ewigem zu formen, welches seiner eigenen vergänglichen Existenz Sinn und Rückhalt gibt. Tatsächlich stirbt er im Glauben, die Elemente aus eigener Kraft bezwungen zu haben und kann erlöst werden, da ihm die Abwendung von der Magie und somit von Mephistopheles gelungen ist. Faust hat somit aufgehört sich gegen seine eigene Bestimmung zu ‚wehren’, wie er es tat, als er sich dem sinnentleerten Schein des Mephistopheles verschrieb; er hat die Mühe der Verwirklichung seines Selbst auf sich genommen und ist letztendlich ebenfalls in Kontakt zur Welt ‚entstanden’, wenn auch auf gänzlich andere Weise als Homunculus.
13 Dies erklärt auch das ‚nie’ in Vers 7877, da Homunculus bereits vor seiner Erscheinung in der Phiole existierte.
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Es stellt sich die Frage, ob Fausts Weg der Selbstverwirklichung dargestellt werden soll als derjenige Weg, den ein Mensch notwendigerweise gehen muss oder ob sich im ‚Lebenslauf’ des Homunculus eine Alternative zeigt. Da die Stationen von Fausts geistiger Entwicklung identisch sind mit denen der geschichtlichen Entwicklung des neuzeitlichen Individuums, ist in ihnen ein organischer Prozess abgebildet. Natürlich verfügt Homunculus über eine Klarheit und Einsicht in die Welt, die Faust verwehrt bleibt, doch gelangt er vor allem auch dadurch an sein Ziel, dass er sich Autoritäten anvertraut und aus ihrem Wissen seine weiterführenden Schlüsse zieht. Der Mensch kann nicht wie Homunculus im wahrsten Sinne des Wortes mit den Elementen zu einer Einheit verschmelzen, doch kann er das Gleichnishafte der Welt verstehen und akzeptieren lernen und auf diese Weise die durch Angst vor dem Fremden entstandene Distanz aufheben. Ein solches Einswerden des Geistes mit der Natur ist nur möglich, wenn die eigene individuelle Existenz nicht absolut gesetzt wird, da daraus der Druck entsteht, sie über den Tod hinaus verewigen zu müssen. Wenn das eigene Streben sich auf die Anschauung des Göttlichen im zyklischen Wesen der Natur richtet, entsteht eine Einheit, wie sie zum Beispiel der Buddhismus anstrebt, der eingebunden ist in eine Kultur, die dem Individuum weniger Bedeutung beimisst.
Dass Homunculus solch ein alternatives Selbstverständnis des Menschen verkörpert und als Vorausschau auf einen neuen, erstrebenswerten Typus Mensch verstanden werden kann, zeigt sich auch in dem bereits erwähnten Orakelspruch des Wahrsagers Proteus: „Du bist ein wahrer Jungfernsohn, / Eh du sein solltest, bist du schon!“
III. Schluss
Homunculus nimmt also in der Konzeption des Dramas verschiedene Funktionen ein: Als eigenständige Figur ist er ein a priorisches Geistwesen, dessen Mangelhaftigkeit sich in der Verschmelzung mit den Elementen behebt. Dieses Verschmelzen durch Selbstaufgabe ist zugleich Kritik an einer Überbetonung des Individuums, welche die Trennung des Menschen von der Natur bewirkt. Sie kommt zum Ausdruck in der Schaffung der gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Theorie.
Homunculus bietet in seinem eigenen Lebensweg eine Lösung des Problems durch ein alternatives Menschenbild und steht damit in Kontrast zu Faust. Dennoch ist er als geniale Schöpferkraft wie auch Mephistopheles als lebensverneinendes Prinzip ein Teil von Fausts Wesen. Homunculus übernimmt im zweiten Akt die Führung und bringt Faust durch die Kunst zur Schönheit und somit von Mephistopheles fort. Dargestellt wird also eine Wandlung, die während Fausts Bewusstlosigkeit in seinem Geist vor sich geht und mit seiner Heilung (von der Magie) endet.
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Rein strukturell stellt Homunculus die Schaffung des lebendigen Kunstwerks Helena dar, veranschaulicht den Vorgang der Entstehung von Kunst durch Totalitäts-korrespondenz. Gerade der Moment der Entstehung des Kunstwerks aber ist ein Moment der Selbstaufgabe, in dem die Individualität zurücktritt und so die Anschauung des Göttlichen möglich wird.
Somit sind die Relativierung der eigenen Individualität und die sich daraus ergebende Verschmelzung mit der Natur der gleiche Vorgang wie das Erschaffen von Kunst, wobei der Mensch sich hierbei zu einem Teil des göttlichen Kunstwerkes Welt macht.
Der Schalk des Homunculus, der ihn über alle Gestalten des Dramas erhebt, und die Phiole, die ihn aus der Wirklichkeit der dramatischen Handlung löst und ihn in eine distanzierte, ironisch kommentierende Lage versetzt, verleiht ihm pikareske Züge. Wohlmöglich hat der Autor sich hier selbst als hilfreicher Genius für Faust porträtiert.
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IV. Literaturverzeichnis
Primärliteratur
Goethe, Johann Wolfgang: Faust -Der Tragödie erster Teil. Stuttgart 1986
Goethe, Johann Wolfgang: Faust -Der Tragödie zweiter Teil. Stuttgart 1986
Paracelsus, Theophrastus: Werke -Band V. Darmstadt 1968
Sekundärliteratur
Eibl, Karl: Das monumentale Ich -Wege zu Goethes „Faust“. Frankfurt a.M./ Leipzig 2000
Emrich, Wilhelm: Die Symbolik von Faust II -Sinn und Vorformen. Frankfurt a.M./ Bonn 1964
Höfler, Otto: Homunculus -eine Satire auf A. W. Schlegel. Wien/ Köln/ Graz 1972
Schlaffer, Heinz: Faust Zweiter Teil -Die Allegorie des 19. Jahrhunderts. Stuttgart 1981
Schmidt, Jochen: Goethes Faust, Erster und Zweiter Teil: Grundlagen -Werk - Wirkung. München 1999
Krings, Hermann; Baumgartner, Hans-Michael; Wild, Christoph (Hrsg.): Handbuch Philosophischer Grundbegriffe. München 1973
Kunzmann, Peter; Burkard, Franz-Peter; Wiedmann, Franz: dtv-Atlas Philosophie. München 2001
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Nina Hahne, 2002, Die Figur des Homunculus in Goethes "Faust II", München, GRIN Verlag GmbH
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Saskia Gazda
Kommentar.
Was für ein geistreicher Text. Ich habe ihn soeben gelesen udn bin der Meinung, dass du die 1,0 auf diese erstaunliche Seminarfacharbeit zu Recht erhalten hast. Du baust alles komplex und tiefgründig aus, du schilderst mit unglaublich detailierter Phantasie.
Ich danke dir für diese interessante Anregung. Mein Seminarfachthema ist "Genmanipulation - Mensch auf Bestellung und der Homunculus kommt auch darin vor. Als erstes künstliches Wesen.
Mit freundlichen Grüßen
Saskia Gazda
am Thursday, September 25, 2008-