INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung 3
2 Analyse
2.1 Sequenz 3
2.2 Ordnung 4
2.3 Geschwindigkeit 5
2.4 Frequenz 7
2.5 Modus 8
2.6 Stimme 9
3 Schluss 10
4 Anhang: Peter Bichsel: „Amerika gibt es nicht“
2
EINLEITUNG
Der Autor Peter Bichsel wurde am 24.3.1935 in Luzern/Schweiz geboren und lebt derzeit in Bellach bei Solothurn. Seine Kurzgeschichte „Amerika gibt es nicht“ ist dem Buch „Kindergeschichten“ entnommen, das erst mal 1969 erschien. Spricht der Titel doch relativ deutlich eine junge Zielgruppe an, so wird bei der Lektüre des Buches schnell deutlich, dass dies keinesfalls restriktiv zu verstehen ist - oder, wie im Klappentext geschildert - „von Sechs- wie von Siebzigjährigen gelesen, verstanden auf je den verschiedensten Stufen des Verstehens“ 1 .
Es ist die Geschichte einer Sage, die man sich erzählt, von einem Hofnarren eines spanischen Regenten, der vorgibt, ein Land entdeckt zu haben, und all jene, die sich fortan auf die suche nach diesem Land machen, stimmen ihm zu, um nicht zugeben zu müssen, sie hätte das Land nicht gefunden. Dieses Land ist Amerika, der Hofnarr Kolumbus Die Frage, ob wir wirklich glauben sollen, was wir nicht selbst gesehen haben, beschäftigt vor allem Kinder, hier erfährt sie aber eine Allgemeingültigkeit für eine große Leserschaft, vermittelt nicht nur unterschiedliche
Interpretationsmöglichkeiten, sondern interessiert dadurch vor allem auf stilistischer und erzähltechnischer Ebene und bei genauerer Betrachtung durch das Wechseln der Modi.
2 Analyse
2.1 Sequenz
Die Geschichte kann in sieben Sequenzen eingeteilt werden. Die erste ist der erste Teil der Basiserzählung 2 . „Ich habe die Geschichte von einem Mann, der Geschichten erzählt“ 3 ist eine Aussage aus der Gegenwart, die auf den Mann hinweist, mit dem der Erzähler eine Konversation (2.Sequenz) geführt hat 4 . Die dritte Sequenz beginnt mit der Erzählung von der Geschichte eines Hofes und deren alltäglichen Begebenheiten und Geschehnissen, bevor dieser Strang unterbrochen wird 5 , um auf vorhergegangene Ereignisse einzugehen. Schließlich springt die
1 Bichsel, Klappentext
2 S.31, Z.1-15
3 S.31, Z.1f
4 S.31, Z.2-15
5 S.34, Z.8
3
Geschichte zu einem konkreten Zeitpunkt: „Nun kaufte sich der König den schrecklichsten Narren der Welt“ 6 , und die Geschichte in einem Erzählstrang zu Ende erzählt wird, bis die Basisgeschichte, die wie eine Klammer fungiert, wieder aufgegriffen wird 7 , ebenfalls wieder aufgegliedert in zwei zeitliche Ebenen: Der Monolog des Gesprächspartners 8 aus der Vergangenheit und die darauffolgende siebte und letzte Sequenz aus der Gegenwart 9 Diese Sequenzen können in dem Schema
ABCDEFG
dargestellt werden. Die zeitliche Anordnug lautet
5421345,
so dass sich eine Ordnung nach Todorov von
A5B4C2D1E3F4G5
ergibt.
2.2 Ordnung
Der Erzähler greift sowohl in der Basisgeschichte als auch in der darauffolgenden intradiegetischen Erzählung immer wieder zeitlich zurück. So beginnt die Erzählung von der unglaubwürdigen „Geschichte“ (die ich hier der Klarheit wegen „Sage“ nennen möchte), in dem auf ihren Vortrag und des Erzähler eingegangen wird. Es handelt sich hierbei um eine homodiegetische (weil die „Sage“ und den „Mann“ betreffend) interne (das Gespräch stellt den Anfang der Basisgeschichte dar) Analepse.
Die gesamte Basisgeschichte kann als eine Art Epilog, eine externe (nicht zur „Sage“ gehörende) Prolepse betrachtet werden, die inhaltlich komplett ist - der direkte
6 S.35, Z.7
7 S.45, Z.3
8 S.45, Z.3-12
9 S.45, Z.13-S.46, Z.5
4
Übergang lautet: „Ich versprach ihm, um ihn zu trösten, seine Geschichte aufzuschreiben“ 10 - während sie zeitlich gesehen partiell ist, denn es existiert zwischen dem Versprechen und dem tatsächlichen Aufschreiben eine implizite Ellipse.
Die „Sage“ beginnt „vor fünfhundert Jahren“ 11 und schildert die Situation am Hofe des Königs, wie sie damals gewesen ist. In einer internen Prolepse, die homodiegetisch ist, weil sie im Erzählstrang der Hofnarren zurückgeht und eine weitere Episode davon erzählt, die sich „einmal“ 12 - nämlich vor mehr als fünfhundert Jahrenereignet hat; dies entspricht der Sequenz D1.
Gekennzeichnet durch die Zeitbestimmung „nun“ 13 springt die „Sage“ wieder in die Zeit „vor fünfhundert Jahren“ und schließt an die allgemeinen Schilderungen am Hofe an. 14 Hier nun wird die Kerngeschichte der „Sage“ chronologisch erzählt, die die verhindertet Hinrichtung Hänschens und Columbins erfundene Entdeckung Amerikas schildert und mit dem Ausruf „Amerika gibt es!“ 15 die „Sage“ abschließt, wobei der letzte Absatz, als komplette externe Prolepse bezeichnet werden kann, da er Kolumbus weiteres zukünftiges Leben kurz schildert 16 .
Mit „`Ich`, sagte der Mann“ 17 wird die Basisgeschichte wieder aufgegriffen und zwar so, dass der Eindruck entsteht, der Mann habe die eben gehörte Geschichte erzählt und nicht der Erzähler der vorhatte sie aufzuschreiben. Die Klammer schließt sich, als der Erzähler - nun wieder in der Gegenwart - erneut das Wort ergreift: „Vielleicht erzählt man den Leuten (...)“ 18 und mit dem Ende von Sequenz G5 auch die Erzählung zum Ende führt.
2.3 Geschwindigkeit
Die Basisgeschichte beginnt mit einer Summary: „Ich habe ihm mehrmals gesagt, dass ich seine Geschichte nicht glaube“ 19 , die dann einzeln betrachtet wird. Die
10 S.31, Z.14-15
11 S.31, Z.16
12 S.34, Z.8
13 S.35, Z.7
14 Sequenz E3
15 S.45, Z.1-2
16 S.44, Z.14-S.45, Z.2
17 S.45, Z.3
18 S.45, Z.13
19 S.31, Z.2-4
5
Ausrufe des Erzählers werden unmittelbar in zitierter direkter Rede wiedergegeben 20 , während die seines Gesprächspartners nur in der Erwähnung des sprachlichen Aktes „Er erzählte ruhig weiter“ 21 bevor nach einem kurzen zeitraffenden Erzählen („da schaute er mich lange an“) 22 auch er in direkter Rede mit der Kernaussage der Erzählung zitiert wird - „Amerika gibt es nicht“ 23 . Die „Sage“ beginnt mit einer Summary des höfischen Lebens, die kurze Eindrücke substantivisch beschreibt, und wird zum erstenmal szenisch unterbrochen, als „eines Tages“ 24 der König spricht: „Hänschen, ich hänge dich auf.“ 25 Von nun an geht die Geschichte ihrem Höhepunkt entgegen, und so wird auch das Erzähltempo straffer, implizite Ellipsen seltener und kürzer 26 , bevor ein komplett szenisches Erzählen einsetzt 27 , um Spannung aufzubauen und das Verhältnis zwischen dem König und Colombin näher zu definieren.
Der Charakter Colombins selbst wird auf den folgenden Seiten präziser geschildert 28 . Dabei handelt es sich um nicht genau definierte Zeitpunkte, zu denen die kurzen Sätze gesprochen werden, vielmehr sind sie exemplarisch aneinandergereiht, so dass sie trotz Szenenhaftigkeit nicht als zeitdeckend, sondern zusammenfassend und zeitraffend betrachtet werden müssen.
Diese elliptische Erzählweise wird plötzlich durch einen fast unmerklich Übergang wieder zeitdeckend und konkret, und zwar in dem Moment, als die Frage des Königs, die stilistisch (s.a. Frequenz) an die der anderen angeglichen ist, direkt in ein szenisch geschildertes Gespräch übergeleitet wird 29 . Mit dem Ende des Gespräches endet auch der explizit geschilderte Teil der „Sage“.
Colombin rennt „aus dem Schloß, in die Stadt und über das Feld“ 30 , und versteckt sich „wochenlang unter den Büschen, und wochenlang hörte niemand etwas von Colombin“ 31 . Die Erlebnisse außerhalb des Hofes werden raffend dargestellt, bis Colombin „nach Wochen“ 32 zurückkehrt und mit ihm das zeitdeckende Erzählen, und
20 S.31, Z.5f,8-10
21 S.31, Z. 7f
22 S.31, Z.10
23 S.31, Z.13
24 S.36, Z.15f.
25 Ebd.
26 S.36, Z.17-S.37, Z.11
27 S.37, Z.11-S.39, Z.14
28 S.39, Z.15-
29 S.40,Z.21ff.
30 S.41, Z.16ff.
31 S.42, Z.3
32 S.42, Z.8
6
zwar bis zum Ende seiner Rede, an der eine hypothetische Ellipse steht, da anzunehmen ist, dass einige Zeit zwischen dem Gespräch mit dem Seefahrer Amerigo Vespucci und dem Moment, da „er wusste, dass es das Land nicht gibt,“ und er „nicht mehr schlafen“ konnte 33 . Die Zeit von Vespuccis Reise und die Vermutungen darüber sind wie schon bei Colombins Reise erneut raffend, bis der Seefahrer zurückkehrt und eine weitere Szene geschildert, die mit Colombins Umbenennung „Kolumbus“ 34 endet. Der folgende Part ist eine Summary vom weiteren Leben Kolumbus 35 . Anschließend kehrt in der Sequenz F4 der „Mann“, der Gesprächspartner des Erzählers zurück und wird in direkter Rede zitiert 36 , bis schließlich in einer Art Bewusstseinsbericht der Erzähler die Erzählung abschließt 37 .
2.4 Frequenz
Die Geschichte beginnt bereits mit einem recht ungewöhnlichen Typen der Frequenz. Dadurch, dass der Erzähler die wiederholten Beschimpfungen auch wiederholt niederschreibt, „sie lügen, sie schwindeln, sie phantasieren, sie betrügen“ 38 , „sie Lügner, Sie Schwindler, Sie Phantast, Sie Betrüger“ 39 entsteht eine singulative Erzählweise, die tatsächlich in der Kinderliteratur eine Häufung hat. Bemerkenswert ist außerdem, dass es sich praktisch um zwei Wiederholungen ineinander handelt. Zum einen sind die verwendeten Beschimpfungen synonym, wiederholen sich also in ihrer Bedeutung, zum anderen, werden diese Verben in substantivierter Form bei der zweiten Beschimpfung erneut verwandt. Es handelt sich dabei um die einfachsten Variante, eine Unglaubwürdigkeit zum Vorwurf zu machen - sowohl in Hinblick auf den Satzbau (1.Subjekt/Prädikat, 2.Vokativ), als auch in inhaltlicher Weise (Anschuldigung ohne Argument).
Die „Sage“ beginnt iterativ mit einem kurzen, exemplarischen Ablauf einiger höfischer Tagesabläufe: da sind „auf dem Turm fanfareblasende Wächter. Und Boten, die vom Pferd springen und Boten, die sich in den Sattel werfen (...)“ 40 Hier handelt es sich um eine zusammenfassende Iteration, verstärkt wird der monotone Ablauf am Hofe
33 S.43. Z.8-10
34 S.44, Z.13
35 S.44, Z.14-S.45, Z.2
36 S.45, Z.3-12
37 S.45, Z.13-S.46, Z.5
38 S.31, Z.5f.
39 S.31, Z.8-10
40 S.32, Z.6-9
7
durch die Anapher „und Boten (...) und Boten“. Der Erzählstil kann diesem Fall einer gewissen Ironie nicht entbehren, wenn von „Höflingen, die sich im Morgengrauen gegenseitig die Degen in die Bäuche rennen, die sich am Abend zuvor den Fehdehandschuh vor die Füße geschmissen haben“ 41 , die Rede ist, wird doch so impliziert es fände jeden Tag eines solches Duell statt - pseudo-iterativ - was natürlich längst nicht der Fall sein kann, kindlichen Lesern aber das Geschehen plastischer darstellt.
Der Tagesablauf des Königs wird ebenso in Anaphern iterativ erzählt 42 , dabei entsteht eine Einheit zwischen der Langeweile des Königs und dem „langweiligen“ Erzählstil des Erzählers. Pseudo-Iterativ ist wiederum die Schilderung der Verbeugungen, die als „jeden Morgen gleich tief“ 43 beschrieben werden, was sie vorschriftsmäßig am Hof wahrscheinlich sein sollen, aber selbstverständlich nicht sein können, ebenso wenig haben die Diener dem König heute gesagt, was sie ihm „gestern schon gesagt“ 44 haben, es ist lediglich ein Ausdruck zur Beschreibung einer Monotonie.
Die folgenden Passagen der szenisch gestalteten Ereignisse sind rein singulativ erzählt: Sie geschehen genau einmal und werden einmal erzählt. Hiermit wird der langweilige Alltagstrott des Hofes durch die Episoden der Hofnarren sowohl inhaltlich, als auch erzähltechnisch im Sinne einer Klimax aufgelockert und abgegrenzt. Unterbrochen wird das konsekutive Erzählen zur Charakterisierung Colombins: Es werden drei Situationen, in denen Colombin etwas gefragt wird, repititiv eingeleitet mit „Wenn jemand sagte (...)“ 45 . Diese Erzählweise umschreibt die Hilflosigkeit Colombins, der, in egal welcher Situation, stets der Unterlegene ist. In der letzten Sequenz pauschalisiert der Erzähler wieder, „auf jeden Fall erzählen alle dasselbe und alle erzählen Dinge (...)“ 46 , so dass erneut ein Pseudo-Iterativ entsteht.
2.5 Modus
41 S.32, Z.2-6
42 S.33, Z.4-11
43 S.33, Z.13
44 S.33, Z.22-24
45 s.40, Z.11,14,16
46 S.45, Z.22f.
8
Durch den vorangeschobenen Epilog, der explizit auf die im folgende erzählte Geschichte als „Geschichte“ oder „Sage“ hinweist, kann hier zunächst von einer einfachen, „reinen“ Erzählung (Diegesis) gesprochen werden. Die „Sage“ beginnt im narrativen Modus, der Erzähler beschreibt aus zeitlicher Distanz, wie oben erläutert wurde. Sie wechselt in den dramatischen Modus mit dem Beginn von Sequenz D1 in dem Moment, wo die Geschehnisse am Hof explizierter dargestellt werden. Mit diesem Bruch des Modus wechselt auch die Erzählzeit vom Präsens ins Praeteritim, um das sagenhafte der Geschichte zu unterstreichen 47 .
Der Erzähler bleibt anfangs präsent, er schildert die Geschichte aus einer zeitlichen Distanz („vor fünfhundert Jahren“ 48 ), verliert sich während der ganzen Geschichte nicht in beschreibenden Einzelheiten, greift aber dennoch an zwei Stellen im dramatischen Modus kommentierend in die Geschichte ein. Zunächst äußert er sich zu den Späßen der Hofnarren negativ: „Ich finde das blöd, der König fand das lustig“ 49 , dann, ebenfalls wieder die Erzählzeit vom Praeteritum ins Präsens zurückwechselnd, fügt er eine Erklärung aus zeitlicher Distanz in die Geschichte ein: „Niemand weiß, wohin er gefahren ist.“ 50 In beiden Fällen geschehen diese Einschübe des Erzählers als nähere Erläuterung für den Leser oder Zuhörer. Mit Sequenz F4 wird die Klammer geschlossen und der Modus ist wie zu Beginn narrativer Art, die Erzählzeit das Präsens.
2.6 Stimme
Beide Erzählungen, nämlich die Basisgeschichte und die „Sage“ finden an zwei verschiedenen Orten zu zwei verschiedenen Zeiten statt. Die Basisgeschichte ist nicht genau zu bestimmen, sie wird in der Gegenwart geschildert, der Ort ist vollkommen offen. Die „Sage“ spielt vor fünfhundert Jahren am Hofe eines spanischen Königs, wann sie genau beginnt und endet ist nicht determiniert, Colombin kehrt „nach Wochen“ 51 an den Hof zurück, daraufhin unternimmt Vespucci seine Reise und anschließend heißt es: „Bald fuhren aber andere Leute nach Amerika (...)“ 52 . Die Basiserzählung ist dabei extradiegetisch und eine Rahmengeschichte, es ist das einfache Erzählen. Die „Sage“, die als
47 Üblicherweise findet ein Zeitwechsel andersherum statt, d.h. vom Praeteritum ins Präsens, um die Spannung
zu erhöhen.
48 S.31, Z.16
49 S.34, Z.13
50 S.43, Z.13
51 S.42, Z.8
52 S.44, Z.21
9
Binnengeschichte fungiert, ist dabei intradiegetisch, liegt also auf einer zweiten Ebene, denn sie stellt das erzählte Erzählen dar. Da der Erzähle ja in der Rahmengeschichte (siehe Modus) auftaucht, ist er zunächst ein homodiegetischer Erzähler, hier Stimmen Autor, Erzähler und Figur miteinander überein, so dass fast von einem kurzen autobiographischen Absatz gesprochen werden kann, bevor er in der erzählten Binnengeschichte als Charakter nicht mehr präsent ist und sich auf dieser Ebene ein Wandel zum heterodiegetischen Erzähler vollzieht. Ob hier Autor und Erzähler noch als eine Figur betrachtet werden können, ist nicht endgültig zu klären. „Ich versprach ihm, um ihn zu trösten, seine Geschichte aufzuschreiben“ 53 , heißt es im Text. Das bedeutet, dass die folgende „Sage“ ja von seinem Gesprächspartner stammt und auch erzählt wurde. Meiner Meinung nach spielt es hier aber keine Rolle, wer von beiden der Erzähler ist, oder ob beide zu einem Erzähler verschmelzen. Im zweiten Teil der Rahmengeschichte sind sie wieder klar trennbar 54 .
3 Schluss
Es handelt sich hier um eine typische „Erzählgeschichte“ - eine Geschichte, die vom Erzähler so aufgeschrieben wurde, wie er sie „erzählt bekommen hat“, was natürlich rein fiktional ist, und so, als würde er sie mündlich weitergeben, eine Sprache voller Bilder. Und weil sie - wie der Titel des Bandes deutlich macht - primär an Kinder adressiert ist, so ist auch die Sprachgestaltung in diesem Sinne zu verstehen, die die Vorgänge oft iterativ erzählt und eine komplexe Darstellungsweise, sowie differenzierte Schilderungen vermeidet und zugunsten von eindringlichen, plastischen Schilderungen, die Katalysen oft raffend erzählt. Aber gerade die vielen Iterative und Pseudo-Iterative funktionieren auch auf einer zweiten, an den älteren Leser adressierten Ebene: Der Ironie. Durch das täglich gleiche Geschehen und das verhalten der Diener am Hofe, wird im Subtext Sozialkritik ausgeübt. Und wenn der Titel der Geschichte „Amerika gibt es nicht lautet, so impliziert diese Geschichte, dass nicht alles, was
Das zeitdeckende Erzählen ist vor allem für Kinder von großer Bedeutung, um relevantes von irrelevantem zu differenzieren und eine größere Identifikation mit der Geschichte oder ihren Figuren herbeizuschaffen.
53 S.31, Z.14f.
54 vgl. Sequenz F4 u. G5
10
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Richard Kropf, 2002, Eine narratologische Analyse von Bichsels *Amerika gibt es nicht*, München, GRIN Verlag GmbH
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