Gliederung
0. Ergebnisthesen. 5
1. Einführung: Das Ehrenamt im Fokus des öffentlichen und politischen
Interesses. 6
2. Definition und Umfang des Ehrenamts. 7
3. Strukturwandel des Ehrenamtes - Motivations- und Rekrutierungsproblem
der Wohlfahrtsverbände. 8
3.1 Vom traditionellen zum modernisierten Ehrenamt - Kennzeichen neuer
Ehrenamtlichkeit und ihre gesellschaftlichen Hintergründe. 9
3.2 Neuverteilung ehrenamtlicher Ressourcen - Schwund der sozial
engagierten in den Wohlfahrtsverbänden. 11
4. Konsequenzen: Struktureller Handlungsbedarf. 12
5. Literaturverzeichnis. 16
6. Methodisch-didaktische Konzeption. 18
0. Ergebnisthesen
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• Das Thema Ehrenamt / Ehrenamtlichkeit genießt derzeit in der Öffentlichkeit eine breite Aufmerksamkeit. Auf allen Ebenen wird über diese Thematik diskutiert und debattiert.
• Unter ehrenamtlichem Engagement versteht man im allgemeinen eine freiwillig und Tätigkeit, welche außerhalb von Familie und Beruf unentgeltlich ausgeübt wird. Tätigkeitsfelder liegen dabei insbesondere im sozialen, politischen, kulturellen und sportlichen Bereich.
• Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen findet ein Strukturwandel des Ehrenamtes statt. Jener Wandel besteht im Ergebnis in einer veränderten Einstellung der Ehrenamtlichen zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit: Das Ehrenamt soll anderen und sich selber nützen. Es liegt eine veränderte Wertorientierung vor, bei der es immer öfter um Selbstentfaltung geht.
• Freiwilliges Engagement hat vor diesem Hintergrund gesamtgesellschaftlich nicht abgenommen, jedoch findet augenblicklich eine Neuverteilung der ehrenamtlichen Ressourcen statt. Kulturelles, an Freizeitvergnügen orientiertes Ehrenamt nimmt zu, während soziales Ehrenamt abnimmt. Gerade darin liegt das große Motivations- und Rekrutierungsproblem ehrenamtlicher Mitarbeiter in den Wohlfahrtsverbänden! Die Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege sind bei diesen gesellschaftlichen Entwicklungen zwangsläufig die Verlierer, da sie die quantitativ bedeutsamsten Anbieter sozial-karitativer Ehrenämter sind.
• An den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen können
Wohlfahrtsverbände nichts ändern. Dennoch haben sie die Chance, die Attraktivität ihrer Ehrenamtsangebote zu erhöhen und damit auch wieder die Zahl freiwillig Engagierter. Partizipation an Entscheidungsprozessen, Berücksichtigung von Bedürfnissen und Erfahrungen ehrenamtlich Tätiger, Initiierung und Förderung neuer Engagementformen u.ä. sind in dieser Hinsicht bedeutsame Faktoren.
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1. Einführung: Das Ehrenamt im Fokus des öffentlichen und politischen Interesses
Seit einigen Jahren ist zu beobachten, wie das Thema Ehrenamtlichkeit erneut in den Mittelpunkt wissenschaftlicher und politischer Debatten gerückt ist und damit eine öffentliche - nahezu demonstrative - Aufwertung des freiwilligen Engagementbesonders von politischer Seite einher ging. So wurde auf globaler Ebene das Jahr 2001 von den vereinten Nationen zum „Jahr der Freiwilligen“ ausgerufen. In der Bundesrepublik dokumentiert sich dieses Interesse in der Einrichtung einer Enquetekommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagement“ durch den Deutschen Bundestag im Februar 2000. Dem voran ging 1999 die erste bundesweit durchgeführte Repräsentativumfrage zum aktuellen Stand des freiwilligen Engagement in Deutschland, der sog. Freiwilligensurvey 1999, welcher vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Auftrag gegeben wurde. 1 Eine vergleichbare Erhebung hatte es zuvor noch nicht gegeben! Auf Grundlage dieser Untersuchung, führte Rheinland-Pfalz eine gesonderte Auswertung der Ergebnisse des Freiwilligensurveys durch, die bereits in Form einer Landesstudie vorliegt. 2 Allerdings sind die dort erhobenen empirischen Befunde für die hier gestellte Thematik nur bedingt verwendbar, da sie sich nicht explizit auf das Ehrenamt in Wohlfahrtsverbänden beziehen. KONRAD HUMMEL weist daraufhin, wie mittlerweile eine Fülle unterschiedlicher Konzepte zur Stärkung des Ehrenamtes existiert. Auf breiter Front und auf allen Ebenen, werden Debatten um das Thema geführt. Das Thema Ehrenamt, freiwillige Tätigkeit oder Bürgerengagement befindet sich daher zweifellos im Aufwind. 3 Unter all den Diskussionen um das Ehrenamt, ist das Geschrei der Wohlfahrtsverbände deutlich zu vernehmen, daß ihnen die ehrenamtlichen Kräfte im sozialkaritativen Bereich davonlaufen. Während die einen klagen, erfreuen sich andere Einrichtungen, Vereine und Verbände über steigende Mitgliederzahlen. Dies gilt beispielsweise für das kulturelle Ehrenamt. Die vorliegende Arbeit mit dem Titel: Motivations- und Rekrutierungsprobleme ehrenamtlicher Mitarbeiter in Wohlfahrtsverbänden versucht diesem Phänomen auf die Spur zu kommen und ansatzweise Auswege aus diesem Dilemma aufzuzeigen.
1 Rosenbladt, Bernhard von u.a.: Freiwilliges Engagement in Deutschland - Freiwilligensurvey
1999. Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und
bürgerschaftlichem Engagement. Band 1-3. Stuttgart u. a. 2000. [Hrsg.: Bundesministerium für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend].
2 Gensicke, Thomas: Freiwilliges Engagement in Rheinland-Pfalz. Freiwilligenarbeit,
Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement. Mainz u.a. 2001. [Hrsg.]: Ministerium des
Inneren und für Sport Rheinland-Pfalz.
3 Vgl. Hummel, Konrad: Bürger sucht Gesellschaft - Freiwilliges Engagement von Menschen
und die Dialektik seiner politischen Förderung. In: Blätter der Wohlfahrtspflege. Stuttgart: 147.
Jahrg., 11/12 2000, 241.
6
2. Definition und Umfang des Ehrenamts
Wie jede thematische Ausarbeitung, kommt auch diese im gewissen Maße nicht an Begriffsbestimmungen vorbei. Ungeachtet definitorischer Überlegungen, ob man nun sinnigerweise von Ehrenamt, Freiwilligendienst, freiwilligem Gesellschaftseinsatz oder bürgerschaftlichem Engagement sprechen sollte - um nur einige Begriffsbeispiele zu geben -liegen all diesen Bezeichnungen einheitliche,
spezifische Strukturmerkmale zu Grunde. Wesentliche Kennzeichen für ehrenamtliche Tätigkeit sind folgende: Es handelt sich erstens um eine freiwillige Tätigkeit, für die in aller Regel keine besondere Ausbildung benötigt wird. Zweitens wird diese Tätigkeit prinzipiell unentgeltlich ausgeübt. Drittens gründet das Tätigsein häufig in einer Motivation aus Hilfsbereitschaft. Es wird als sinnvoll erlebt, anderen Menschen helfend zur Seite zu stehen bzw. durch seinen Dienst am Gemeinwohl mitzuwirken. 4 Der dritte Punkt bildet nicht zwangsläufig ein Konstitutivum des Ehrenamts. Dies allein ergibt sich schon aus der Alltagserfahrung, daß nicht jedes Ehrenamt ein soziales ist. ‚Ehrenamt’ als die Summe alles freiwilligen Handels in der Gesellschaft, erstreckt sich insbesondere auf soziale, kulturelle, sportliche und politische Aktivitäten. 5
Gesamtgesellschaftlich betrachtet sind 66% aller Menschen in Deutschland außerhalb von Familie und Beruf in mindestens einem Verband, Verein o.ä. aktiv. Von diesem Anteil sind wiederum sind 34 % im obigen ehrenamtlichen Sinne feste Verpflichtungen eingegangen, sei es als Chorleiter, Vereinsvorstand, Sporttrainer usw. 6 Der Freiwilligen Survey bzw. die Landesstudie Rheinland-Pfalz unterscheidet insofern sachlogisch eine ‚aktive Beteiligung’ im Sinne einer bloßen Teilnahme am Vereins- oder Verbandleben, von einem darüber hinausgehenden ‚freiwilligen Engagement’, welches durch Übernahme von weiteren Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten gekennzeichnet ist. 7 Wieviel von diesen 66 % der Bevölkerung sich am Verbandsleben im Bereich der Wohlfahrtspflege beteiligen und / oder eine explizite, über eine passive Mitgliedschaft hinausgehende Verbindlichkeit übernommen haben, läßt sich aus dieser derzeit aktuellsten Quelle nicht ersehen. Unter diesem Gesichtspunkt erfolgte keine Auswertung, weswegen auf ältere Schätzungen bzw. Hochrechnung der Spitzenverbände oder des Bundesministeriums für Familie, Seniore, Frauen und Jugend zurückgegriffen werden muß. Die Angaben schwanken dabei im Bereich zwischen 1,5 bis 2 Millionen und zwischen 2,5 bis 3
4 Vgl. Krüger, Dorothea: Struktureller Wandel des sozialen Ehrenamtes. In: Zeitschrift für
Frauenforschung, Bielefeld: Jahrg. 3/1993, 83.
5 Vgl. Gensicke (2001), 32.
6 Vgl. insg. ebd., 48.
7 Vgl. ebd., 6f.
7
Millionen. 8 Die Zahlen sind in diesen Schwankungen jedoch nicht wirklich aussagekräftig und zufriedenstellend, bieten aber eine grobe Orientierung. Allerdings sei darauf verwiesen, daß eine Debatte um tatsächliche Mitgliedszahlen in den Spitzenverbänden, in der hier gestellten Thematik um Motivations- und Rekrutierungsprobleme ehrenamtlicher Mitarbeiter nicht weiterführt. Was in diesem Zusammenhang an statistischem Material schließlich noch bedeutsam erscheint, ist die Verteilung von Männern und Frauen in Ehrenämtern. Sehr eindeutig ist zu ersehen, wie Führungs- und damit auch Entscheidungsämter hauptsächlich von Männern dominiert sind und Frauen hingegen sich in den sozialen Ehrenämter wiederfinden, welche sich mit dem ‚Dienst am Menschen’ besonders mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen. 9 Im Sozialbereich und insofern im Wirkbereich der Wohlfahrtsverbände liegt der Frauenanteil bei 69 % während die Männer mit 31 % dort vertreten sind. 10
3. Strukturwandel des Ehrenamtes -Motivations-und
Rekrutierungsproblem der Wohlfahrtsverbände
Nach den einführenden Überlegungen zur Definition und Umfang des Ehrenamtes, befleißigt sich das folgende Kapitel darin, die Motivations- und Rekrutierungsprobleme von ehrenamtlichen Mitarbeitern in Wohlfahrtsverbänden aufzudecken. Um es gleich vorweg zu nehmen. Die vermuteten Motivations- und Rekrutierungsprobleme stellen sich bei näherer Betrachtung als ein einziges großes Problem dar, welche sich mit ‚Strukturwandel des Ehrenamtes’ zusammenfassen lassen. Dieser Wandel betrifft nicht allein die Wohlfahrtsverbände, sondern auch Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, und läßt sich am ehesten in der veränderten Einstellung der Engagierten zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beobachten. 11 Dadurch ist aber noch nicht deutlich geworden, was an dieser subjektiven Einstellung denn Strukturelles dran ist. Als ‚strukturell’ läßt sich dieser Wandel deshalb kennzeichnen, weil jener Einstellungswechsel betreffend des Ehrenamtes, „[...] nur das individuell zum Ausdruck kommende Ende einer langen Kette von grundlegenden sozialen Veränderungen [...]“ ist. 12 Was sind das aber für grundlegende soziale Veränderungen und worin bestehen die gewandelten Haltungen der Menschen zum Ehrenamt? Diese sind so einschneidend, daß man sich von der traditionellen Verfaßtheit des Ehrenamtes allerorten am verabschieden ist und dies zu gleich auch
8 Vgl. Rauschenbach, Thomas u.a.: Strukturwandel des Ehrenamts. Gemeinwohlorientierung
im Modernisierungsprozeß. Weinheim u.a. 2000, 66f.
9 Vgl. Gensicke (2001), 17.
10 Vgl. ebd., 59.
11 Vgl. Rauschenbach (2000), 7.
12 Ebd.
8
tun muß, will man nicht eine Abwanderung des eigenen, ehrenamtlich engagierten Potentials riskieren.
3.1 Vom traditionellen zum modernisierten Ehrenamt - Kennzeichen neuer
Ehrenamtlichkeit und ihre gesellschaftlichen Hintergründe
Das alte oder auch traditionelle Ehrenamt ist nach DOROTHEA KRÜGER charakterisiert durch ein ausgeprägtes Maß an Pflichtbewußtsein und Selbstlosigkeit. Hinzukommt eine meist jahrelange Kontinuität der ehrenamtlichen Tätigkeit, welche ihre Motivation aus (christlicher) Nächstenliebe und / oder dem Kollektivbewußtsein, gemeinsam verantwortlich für die Lösung von sozialen Problem zu sein, erhält. 13 Dieser herkömmliche Typus sozialer Ehrenamtlichkeit befindet sich nach HÖRRMANN auf dem Rückzug. „Freiwilliges, unentgeltliches Engagement aus Pflichtbewußtsein und aus dem Willen zu helfen, wie wir es besonders in der älteren Generation noch vertreten finden, stellte in früheren Jahren das Hauptkontingent der ehrenamtlichen Mitarbeiter in Kirche und Diakonie. Die mittlere und jüngere Generation ist anders motiviert.“ 14 In dieser Gesellschaft mit ihrer Signatur der Pluralisierung von Lebensentwürfe und Sinndeutungen (Stichwort Individualisierungsprozeß), ist ein Wertewandel zu beobachten, der sich auf die bisherige Ehrenamtlichkeit auswirkt. Nach KLAGES und GENSICKE findet dieser Wertewandel seine Akzentuierung in der Pflichtwerten Zurückdrängung von und in der Ausweitung von
Selbstentfaltungswerten. 15 Selbstentfaltungsbezogene Motive dokumentieren sich in dieser Hinsicht im Bedürfnis nach Sozialkontakten, nach Kommunikation und Freizeitvergnügen. Es geht darum, individuelle Wünsche und Zielsetzungen zu verwirklichen und damit auch dem eigenen Leben mehr Bedeutung und Sinn zu verleihen. 16 Dementsprechend existiert heute eine heterogene Motivationsstruktur, wenn es um die Bereitschaft geht, ehrenamtlich aktiv zu werden. Wenn dabei auch die traditionellen idealistischen Werte verblassen, so sind sie dennoch nicht vollends passé. Hilfsbereitschaft und Gemeinwohlorientierung sind nach wie vor Implikate ehrenamtlicher Tätigkeit, nur haben sie sich mit dem Wunsch nach subjektiver Wertrealisierung vermischt. „Die Motivation zu freiwilligem Engagement ist
13 Vgl. Krüger (1993), 84.
14 Hörrmann, Siegfried: Bürgerschaftliches Engagement und die Wohlfahrtsverbände. In:
Wendt, Wolf Rainer u.a.[Hrsg.]: Zivilgesellschaft und soziales Handeln. Bürgerschaftliches
Engagement in eigenen und gemeinschaftlichen Belangen. Freiburg i. Br. 1996, 116.
15 Vgl. Klages, Helmut u. Gensicke, Thomas: Wertewandel und bürgerschaftliches
Engagement an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Speyer 1999, 32.
16 Vgl. Gensicke, Thomas: Deutschland im Übergang. Lebensgefühl, Wertorientierung,
Bürgerengagement. Speyer 2000, 253ff.
9
tatsächlich eine Melange aus idealistischen Motiven und aus Motiven der persönlichen Selbstentfaltung.“ 17
Im Kern läuft das neue Ehrenamt deshalb darauf hinaus, daß in ihm - neben der Nützlichkeit für das öffentliche Wohl - vor allen Dingen die individuellen Bedürfnisse der Freiwilligen bedient werden müssen. Die Entscheidung, etwas für andere zu tun, ist daher voraussetzungsvoll und nicht bedingungslos. RAUSCHENBACH drückt dies folgendermaßen aus: „Das entscheidende handlungsleitende Merkmal des neuen Ehrenamts besteht insoweit in der Norm der Reziprozität von Geben und Nehmen und nicht mehr in der des selbstlosen Handelns.“ 18 Pessimisten sehen in dieser Entwicklung den Ungeist einer ‚Neuen Solidarität’ begründet, der die Menschen nur dann solidarisch werden läßt, wenn sie selbst etwas davon haben. Damit verbindet sich zugleich die Furcht vor der Erosion der gesellschaftlichen Ordnung und ihrer sozialen Verbindlichkeiten. Jener Wertewandel kann aber auch positiv gewendet und als Chance gedeutet werden, weil mit dem - sich daraus ergebenen modernisierten -Ehrenamt, ein Zuwachs von Kreativität und
Kommunikation unter den Menschen verbunden ist. 19 Deshalb ist das Postulat einer prinzipiellen Entsolidarisierung der Gesellschaft in dieser Weise nicht zutreffend. Es kann eher davon ausgegangen werden, „[...] daß Selbstentfaltungswerte und bürgerschaftliches Engagement sich gegenseitig keineswegs ausschließen, sondern verstärken.“ 20 Im Verhältnis von Geben und Nehmen bedingt das eine das andere. Diese Tatsache lapidar mit Egoismus abzutun, trifft den Nagel nicht auf den Kopf, worauf THOMAS OLK hinweist.
Seiner Argumentation nach, existiert neben der individuell wertgebundenen Motivation zur freiwilligen Arbeit noch ein weitere. Die Bereitschaft sich ehrenamtlich einzubringen steht in Abhängigkeit zur Lebensphase der Betroffenen und damit in Verbindung zum verfügbaren Zeitrepertoire. Es besteht in diesem Zusammenhang ein Unterschied, ob man ein noch nicht erwerbsfähiger Jugendlicher oder ein bereits vollzeitigbeschäftigter Angestellter ist oder ob man sich Ruhestand befindet. Familienstand und Kinderzahl spielen auch eine Rolle. THOMAS OLK spricht im Hinblick auf das freiwillige Engagement deshalb vom biographischen Selbstbezug der Engagierten. „ ‚Selbstbezug’ “ so OLK „ meint hier keineswegs ‚Egoismus’, was sehr oft unterstellt wird, sondern vielmehr den grundlegenden Sachverhalt, daß sich Bereitschaft zum - sowie Form und Dauer des - freiwilligen Engagements immer
17 Ebd., 250.
18 Vgl. Rauschenbach (2000), 13.
19 Vgl. Klages / Gensicke (1999), 32.
20 Olk, Thomas: Wandlungen des freiwilligen Engagements und neue Förderwege durch die
Politik. In: Ministerium des Inneren und für Sport, Rheinland - Pfalz [Hrsg.]:Zukunft des
Ehrenamtes - Dokumentation der Fachtagung. Mainz 1999, 13.
10
weniger nach äußerlichen, vorgegebenen Mächten und Vorgaben - wie z.B. Normen und Werthaltungen eines soziokulturellen Milieus [...] - richten, sondern immer mehr den subjektiven, in der Biographie des einzelnen entstehenden Sinnorientierungen und folgt.“ 21 Relevanzsetzungen Die individuell wertgebundene und die
lebensphasenabhängige Motivation stehen dabei in einem direkten Zusammenhang, da zu unterschiedlichen Zeiten, jeder Mensch andere Werte und Ziele in seinem Leben in den Mittelpunkt stellt. „Erst, wenn in einer spezifischen Lebensphase Motiv, Anlaß und Gelegenheit biographisch zusammenpassen, wird eine latente Bereitschaft zum Engagement tatsächlich manifest.“ 22
3.2 Neuverteilung ehrenamtlicher Ressourcen - Schwund der sozial
engagierten Ehrenamtlichen in den Wohlfahrtsverbänden Jenes modernisiertes Ehrenamt hat nun im Bezug auf Motivations- und Rekrutierungsprobleme ehrenamtlicher Kräfte bisweilen eine eigenartige Konsequenz: Die Bereitschaft der Bürger zu ehrenamtlichem Engagement ist - relativ betrachtetgleichbleibend hoch, allerdings findet derzeit vor diesem Hintergrund eine Neu- bzw. Umverteilung der ehrenamtlichen Ressourcen statt. Diese Umverteilung besteht nach RAUSCHENBACH konsequenterweise in der „[...] Verlagerung des Engagements auf den Freizeit-, Erholungs- und Vergnügungsbereich [...]“. 23 D.h. kulturelles, an Freizeitvergnügen orientiertes Engagement nimmt zu, während soziales Engagement abnimmt. 24 Diese anhand von Mitgliederzahlen quantifizierbaren Prozesse lassen den Schluß auf den oben charakterisierten gesellschaftlichen Umbruch zu. „Vor allem der Wertewandel der Bevölkerung und die sich daraus entwickelnden neuartigen Lebensstile und individuellen Zeitbudgets werden als Motor gesehen, daß es auf der einen Seite für bestimmte Mitgliederverbände wie Parteien, Gewerkschaften und Kirchen, zunehmend schwieriger wird, Mitglieder und ehrenamtlich arbeitende MitarbeiterInnen zu gewinnen, während auf der anderen Seite weitere Mitgliederverbände, Initiativen und Bewegungen, wie Selbsthilfegruppen, Sportvereine oder Chöre, steigende Mitgliederzahlen aufweisen können.“ 25 Bei dieser Entwicklung gehören auch die Wohlfahrtsverbände, als die quantitativ größten
21 Ebd., 14.
22 Rauschenbach (2000), 13.
23 Ebd., 43.
24 Anm. d. Verf.: Neben den veränderten Motivlagen, Werten und Lebenslagen, existieren noch
andere Gründe, warum das sozialkaritative Ehrenamt im Hinblick auf Motivation und
Rekrutierung schrumpft. Aus Gründen des Umfangs wird von einer ausführlichen Bearbeitung
dieser Aspekte abgesehen. Zu nennen wäre hier auf jeden Falle noch die zunehmende
Erwerbstätigkeit der Frauen und die wachsende konfessionelle Ungebundenheit, was besonders
das Ehrenamt im Diakonischen Werk und im Caritasverband betrifft.
25 Rauschenbach (2000), 42.
11
Anbieter sozialen ehrenamtlichen Engagements zu den Verlieren. Denn diese Abschöpfung bzw. Abwanderung ehrenamtlichen Potentials in das
Vergnügungssegment, findet nicht zuletzt im sog. Dritten Sektor bzw. ‚Non-Profit’-Bereich statt. 26
Folgt man den Ausführungen von ECKARD PRILLER und ANNETTE ZIMMER, so ist der beklagenswerte Trend, wonach soziales Ehrenamt in der Gesellschaft abnimmt, nicht in jedem Fall zutreffend. Ihrer Beobachtung und Argumentation zufolge ist durchaus ein Zuwachs freiwilliger Betätigung in sozialer Hinsicht zu verzeichnen, jedoch bei „[...] Gruppen und Initiativen, die in einem sehr direkten und basisorientierten Sinn der Organisation von Betroffeneninteressen dienen, wie insbesondere Selbsthilfegruppen, aber auch andere Initiativen im Sozialbereich, wie etwa Elterngruppen oder Nachbarschaftsvereinigungen.“ 27 Der Rückgang von ehrenamtlich Aktiven indes gilt aber in seiner Zuspitzung durchaus für die Wohlfahrtsverbände, gehören sie doch zu „[...] den Organisationen mit korporatistischen Arrangements, innerhalb derer keine direkte und basisorientierte Berücksichtigung von Betroffeneninteressen erfolgt. Eine Gegenüberstellung und Abgrenzung der verschiedenen Muster der organisatorischen internen Partizipation verdeutlicht, daß die Wohlfahrtsverbände [...] die ‚Objekte’ der Leistungserbringung nicht in direkter Form als gestalterischen Faktor der Interessensvermittlung beteiligen.“ 28 Was RAUSCHENBACH damit über die Wohlfahrtsverbände aussagt ist fatal. Die entscheidende Botschaft lautet im Inneren: Die Wohlfahrtsverbände als Träger sozialer ehrenamtlicher Arbeit, würdigen nicht hinreichend die Bedürfnisse, Erfahrungen und das Wissen ihrer Freiwilligen, wodurch die Gefahr besteht, daß die Ausgestaltung helfender und sozialpolitischer Maßnahmen an der eigentlichen ‚Not’ vorbeigeht. Die Vermutung liegt deshalb nahe, daß solche eine verbandsinterne Organisation sich auf die Motivation und Rekrutierung ehrenamtlicher Mitarbeiter negativ auswirkt.
4. Konsequenzen: Struktureller Handlungsbedarf
Ebenso wenig, wie die Wohlfahrtsverbände die gesellschaftlichen Veränderungen aufhalten können, die sich mit dem Strukturwandel des Ehrenamtes verbinden, ebenso wenig vermögen sie es, sich diesen Entwicklungen zu entziehen. Möchten sie den Rückgang sozial Engagierter etwas entgegensetzen, so sind sie herausgefordert, die beschriebenen Verteilungsprozesse ehrenamtlicher Ressourcen als Anlaß für
26 Vgl. ebd.
27 Priller, Eckard u. Zimmer, Annette: Ende der Mitgliedsorganisationen? Vortrag auf dem
20.Kongreß des DPWV vom 13.-17.10.1997 in Bamberg. 14.
28 Rauschenbach (2000), 43.
12
strukturelle Reformen aufzugreifen. Einige Empfehlung sollen in dieser Hinsicht hier gegeben werden, die dabei untereinander durchaus Querverstrebungen aufweisen.
4.1 Ehrenamt und verbandsinterne Organisationsstruktur
Wie gezeigt wurde, will das Individuum mit seiner freiwilligen Tätigkeit wertgestützte Motive realisieren. Insofern muß in der Tätigkeit selbst, eine zufriedenstellende Rückbindung der Motivation gefunden werden, ansonsten würde die Tätigkeit wahrscheinlich nicht weiter ausgeführt. Ein solche Befriedung wird erfahrungsgemäß in kleineren Strukturen besser erreicht als in großen, die in aller Regel hierarchisch straff durchorganisiert sind und den sozial-karitativ Engagierten an der Basis kaum Beteiligungsrechte einräumen. Das Befriedungsgefühl erwächst mitunter aus eigenverantwortlicher Tätigkeit. Mit THOMAS OLK besteht deshalb für die Freiwilligen ein qualitativer Unterschied, ob man nur der Erfüllungsgehilfe irgendwelcher Zwecke ist oder ob man Entscheidungen mittragen darf: „Überall dort [...], wo sich freiwilliges Engagement in seinem Eigenwert nicht genügend geachtet und anerkannt wird und ihr Einfluß auf die Rahmenbedingungen des Engagements [Hervorhebung Verfasser] gering ist, da ziehen sie sich zurück.“ 29 Um den Schwund der sozialen Freiwilligen zu stoppen, ist es daher unabdingbar, die Ehrenamtlichen selbst zu befragen, was sie wollen und zu berücksichtigen, was sie bereits an Vorerfahrungen und Wissen mitbringen. Damit verbindet sich eine grundlegende Sichtweise, die sich strukturell in der Organisation der Wohlfahrtsverbände niederschlagen muß. „Es ist notwendig,“ so argumentiert WÖLLER folgerichtig „auf Interessen und Wünsche ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intensiver einzugehen, ihnen Mitspracherechte einzuräumen und möglichst vielseitige Angebote bezüglich der Begleitung und Fortbildung sowie der Einsatzgebiete und -zeiten zur Verfügung zu stellen. Unter diesen Voraussetzungen hat das sozialkaritative Ehrenamt Zukunft.“ 30 RAUSCHENBACH ergänzt die Aussage: „Somit wären aus dieser Perspektive nicht mehr die organisatorischen Ansprüche oder die Notwendigkeit des Tätigkeitsfeldes ausschlaggebend für die Dauer und Intensität des Engagements, sondern vielmehr die Vorstellungen, Bedürfnisse und Wünsche der Ehrenamtlichen.“ 31 Anstelle nach den Lücken Ausschau zu halten, die man mit Ehrenamtlichen stopfen kann, sind die Wohlfahrtsverbände besser beraten, wenn sie
30 Wöller, V.: Warum Ehrenamtliche sich karitativ engagieren. Eine Umfrage und ihre
Ergebnisse. In: Sozialcourage. Das neue Magazin für soziales Handeln (Regionalausgabe für
das Bistum Köln) Ausg. 1/1996, 17.
31 Rauschenbach (2000), 14.
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die Werteorientierung und die Motive von Ehrenamtlichen heute in Blick nehmen und daraufhin paßgenauere Angebote machen. 32
4.2 Aufwertung des Ehrenamts
Eine Aufwertung ehrenamtlicher Tätigkeit läßt sich in zwei Richtungen konstatieren. Einerseits in Form einer verstärkten Hochschätzung und Anerkennung der Ehrenamtlichen in den Verbänden selbst. Dies bedeutet, der freiwilligen Tätigkeit muß - für die Engagierten erkennbar - der besondere Wert zugestanden werden. Damit ist speziell das Verhältnis von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Personal und ihrer Zusammenarbeit angesprochen, auf das hier nicht nähere eingegangen werden kann. Jedoch bleibt für HÖRRMANN als Konsequenz für die Praxis, daß die ehrenamtliche Mitarbeit ihren Wesenszug als unterstützenden Hilfsdienst für die Haupt- und Nebenamtlichen verlieren muß, wenn weiterhin freiwilliges Engagement auf breiter Front gewünscht wird. 33
Andererseits ist eine Aufwertung des Ehrenamtes mit Blick auf den Aspekt des Gebens und des Nehmens denkbar. Gesteht man einmal den gesellschaftlichen Wert des freiwilligen Engagierens ein, so kann diese Tätigkeit immer weniger mit einem lapidaren ‚Dankeschön’ vergolten werden. Die evangelische und katholische Kirche machen in ihrem Sozialwort deshalb mit Recht diesen Vorschlag: "Freiwillige und unentgeltliche Dienstleistungen könnten mit Gegenleistungen wie z.B. Aufwandsentschädigungen, Weiterbildungsangeboten und Berücksichtigung bei der Bewerbung um einen Erwerbsarbeitsplatz sowie Gutscheinen (etwa für die Inanspruchnahme von Hilfeleistungen bei eigenem Bedarf) honoriert werden.“ 34 Unter Beachtung der Relevanz ehrenamtlichen Engagements für Staat und Gesellschaft, hat der Staat eine Bringschuld für seine Bürger, in dem er „[...] auf allen Ebenen durch Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen seinen Beitrag dafür leisten [muß], daß diese Initiativen sich entfalten können.“ 35
32 Anm. d. Verf.: Dabei ist die Verwendung der Vokabel ‚Rekrutierung’ vollends fehl am
Platze, konnotiert sie doch m. E. zu sehr den ‚Mißbrauch’ ehrenamtlicher Kräfte für die
eigenen verbandsinternen Zwecke.
33 Vgl. Hörrmann (1996), 117.
34 Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland [Hrsg.]: Für eine Zukunft in
Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und
der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland. Bonn
u.a. 1997, 88.
35 Ebd.
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4.3 Etablierung neuer Engagementformen
Mit dem beschriebenen Wertewandel und den vielfältigen möglichen Lebenslagen der Menschen verträgt sich keine langjährige Bindung an eine bestimmte ehrenamtliche Tätigkeit mehr, wie es im traditionellen Konzept noch war. Neue Ehrenamtlichkeit drückt sich deshalb verstärkt - dem Bedürfnis der Menschen gemäß - in einer Zunahme kurzfristigen und projektbezogenen Engagements aus. 36 Hinzukommt eine gesellschaftliche Entwicklung, auf die bislang nur am Rande aufmerksam gemacht wurde, die es aber nötig macht, neue Möglichkeiten des Engagieren zu überdenken. Die zunehmende Einbindung von Frauen in den Produktionsprozeß hat zu einem Rückgang karitativen Engagement geführt. Neben der Familie, steht bei vielen Frauen in zunehmenden Maße auch eine Erwerbsbiographie, die die Bereitschaft zur freiwilligen Arbeit schmälert. Die Wohlfahrtsverbände sind bei dieser Veränderung in besondere Weise negativ betroffen, da statistisch gesehen die karitativen Ehrenämter in Wohlfahrtsverbänden in der Mehrzahl von Frauen ausgeübt werden. Um den veränderten Ansprüchen und Lebenslagen der Freiwilligen gerecht zu werden, entstehen seit einigen Jahren in vielen Städten und Kreisen sog. ‚Ehrenamtsbörsen’ oder ‚Freiwilligenagenturen’, welche die Vermittlung von Ehrenamtlichen und daran Interessierten zum Ziel hat. Hinter diesem Konzept verbirgt sich die Hoffnung, das ehrenamtliche Engagement der Bürger zu erhalten und zu fördern. Diese Zentren sind Auflaufstelle für jeden, der sich freiwillig betätigen möchte. Im Gespräch wird dann eine passende Tätigkeit gesucht, unter Beachtung der Interessen des Kandidaten und der Dauer des Engagements. In anderer Richtung klärt die Agentur mit den Vereinen und Verbänden ab, welche Fähigkeiten die möglichen Engagierten mitbringen sollten. Ehrenamtsbörsen sind ein Kooperationsverbund aus Vertretern von Kommune, Wohlfahrtsverbänden, Jugendverbänden und sonstigen Trägern ehrenamtlicher Arbeit. 37 „Freiwilligenzentren bzw. -agenturen sind also als organisatorische Antwort auf den Wandel von Werten, Bedürfnissen und Erwartungen auf der individuellen Seite zu verstehen. Sie sollen nicht nur die Basis für mögliche Kontaktpunkte der Verbände mit den potentiellen Ehrenamtlichen verbreitern, sondern stehen für eine grundsätzlich neue Organisationsform für engagementbereite Menschen, die allerdings doch unter dem Dach des Verbandes anzusiedeln ist.“ 38
37 Vgl. Ministerium des Inneren und für Sport - Rheinland Pfalz [Hrsg.]: Ehrenamtsbörsen,
Freiwilligen-Zentren, Aktiv-Börsen, Mit-mach-Initiativen in Rheinland-Pfalz, Mainz 2001, 2.
38 Rauschenbach (2000), 96.
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5. Literaturverzeichnis
GENSICKE, THOMAS: Deutschland im Übergang. Lebensgefühl, Wertorientierung, Bürgerengagement. Speyer 2000.
GENSICKE, THOMAS: Freiwilliges Engagement in Rheinland-Pfalz. Freiwilligenarbeit, Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement. Mainz u.a. 2001. [Hrsg.]: Ministerium des Inneren und für Sport Rheinland-Pfalz.
HÖRRMANN, SIEGFRIED: Bürgerschaftliches Engagement und die
Wohlfahrtsverbände. In: WENDT, WOLF RAINER u.a.[Hrsg.]: Zivilgesellschaft und soziales Handeln. Bürgerschaftliches Engagement in eigenen und gemeinschaftlichen Belangen. Freiburg i. Br. 1996, 112-120.
HUMMEL, KONRAD: Bürger sucht Gesellschaft - Freiwilliges Engagement von Menschen und die Dialektik seiner politischen Förderung. In: Blätter der Wohlfahrtspflege. Stuttgart: 147. Jahrg., 11/12 2000, 241-247.
KIRCHENAMT DER EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND [HRSG.]: Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland. Bonn u.a. 1997.
KLAGES, HELMUT u. GENSICKE, THOMAS: Wertewandel und bürgerschaftliches Engagement an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Speyer 1999.
KRÜGER, DOROTHEA: Struktureller Wandel des sozialen Ehrenamtes. In: Zeitschrift für Frauenforschung, Bielefeld: Jahrg. 3/1993, 82-93.
MINISTERIUM DES INNEREN UND FÜR SPORT - RHEINLAND PFALZ [HRSG.]: Ehrenamtsbörsen, Freiwilligen-Zentren, Aktiv-Börsen, Mit-mach-Initiativen in Rheinland-Pfalz, Mainz 2001.
OLK, THOMAS: Wandlungen des freiwilligen Engagements und neue Förderwege durch die Politik. In: MINISTERIUM DES INNEREN UND FÜR SPORT, RHEINLAND - PFALZ [Hrsg.]: Zukunft des Ehrenamtes - Dokumentation der Fachtagung. Mainz 1999, 6-22.
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PRILLER, ECKARD u. ZIMMER, ANNETTE: Ende der Mitgliedsorganisationen? Vortrag auf dem 20.Kongreß des DPWV vom 13.-17.10.1997 in Bamberg.
RAUSCHENBACH, THOMAS u.a.: Strukturwandel des Ehrenamts.
Gemeinwohlorientierung im Modernisierungsprozeß. Weinheim u.a. 2000.
ROSENBLADT, BERNHARD VON u.a.: Freiwilliges Engagement in Deutschland -Freiwilligensurvey 1999. Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement. Band 1-3. Stuttgart u. a. 2000. [Hrsg.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend].
WÖLLER, V.: Warum Ehrenamtliche sich karitativ engagieren. Eine Umfrage und ihre Ergebnisse. In: Sozialcourage. Das neue Magazin für soziales Handeln (Regionalausgabe für das Bistum Köln) Ausg. 1/1996, 14-17.
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6. Methodisch-didaktische Konzeption
a) Gegenwartsbedeutung
Frage: Welche Gegenwartsbedeutung hat die Thematik Motivations- und Rekrutierungsprobleme ehrenamtlicher Mitarbeiter in Wohlfahrtsverbänden im Leben der Studierenden?
Es ist davon auszugehen, daß die Gegenwartsbedeutung der Thematik im Hinblick auf ihre Aktualität, den Studierenden in ihren derzeitigen Lebenskontexten nicht besonders wichtig ist, womit aber nicht zum Ausdruck gebracht sein soll, die Thematik sei für sie irrelevant. Dennoch werden die wenigsten von ihnen sich außerhalb von ihrem Studium Gedanken über dieses Themenfeld machen. Dies ist im wesentlichen durch die Nicht-Erwerbstätigkeit der Studierenden begründet. Möglicherweise gehen zwar viele von ihnen einer Nebentätigkeit nach, doch wird dies eher in einem Arbeitsfeld außerhalb der Wohlfahrtsverbände sein. Selbst wenn mache der Studierenden bei einem Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege sich ihren Unterhalt verdienen bzw. aufbessern, so werden die Probleme um das Ehrenamt vermutlich dort eine untergeordnete Rolle spielen. Jedoch Ausnahmen bestätigen die Regel.
b) Zukunftsbedeutung
Frage: Worin liegt die mögliche Zukunftsbedeutung der Thematik? Die Zukunftsbedeutung kann relativ hoch eingeschätzt werden. Da die Spitzenverbände mit den größten Teil sozialpädagogischer bzw. sozialarbeiterischer Berufsfelder stellen, werden viele Studierende im Laufe ihrer Karriere sicherlich bei einem Wohlfahrtsverband beschäftigt sein. Insofern werden sie dann auch mit den Problemen konfrontiert, die sich in diesen Verbänden um das Ehrenamt ranken.
c) Erfolgsüberprüfung
Frage: Wie kann der Erfolg überprüft der Auseinandersetzungsprozesse überprüft werden?
Hier bieten sie kaum wirklich objektiv-systematische Möglichkeiten. Das liegt daran, daß der Stoff aus dem Seminar nicht direkt im Rahmen einer Klausur abgeprüft wird. Dennoch besteht eine Erfolgsüberprüfung insofern, als das in der anschließenden Diskussion nach dem Referat, die Studierende dazu angehalten sind ihre Gedanken und Überlegungen zu verbalisieren. Anhand dessen kann sich zeigen, ob sie Wesentliches zum dargestellten Thema auch verstanden haben. Nicht zuletzt kann ein
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Erfolgskriterium darin bestehen, ob die Studierenden der Ansicht sind, daß das Referat ihnen etwas gebracht hat bzw. sie es informativ und interessant fanden.
d) Sukzessiver Ablauf
Frage: Wie wird sich der Ablauf des Referates gestalten unter Berücksichtigung des methodischen Vorgehens?
Die Präsentation der Inhalte soll in Form eines Vortrags stattfinden, in dem Wortmeldungen zwecks Verständnisklärung zulässig sind. Zur stellenweisen Verdeutlichung, werden im Rahmen der dreißigminütigen Präsentation, diverse Folien mittels Tageslichtprojektor den Stoff für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer visualisieren, gliedern und die Verfolgung des Referats erleichtern. Anschließend soll durch die Konfrontation mit Thesen zum aufgezeigten Problemfeld, der nötige Impuls zu einer Diskussion vorgegeben werden, in der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehalten sind, ihre Gedanken und Argumente darzulegen. Während der Diskussion wird es gegebenenfalls notwendig sein, weitere Impulse in Form von Fragen an die Studierenden einzubringen, um die Diskussion anzukurbeln. Bei mehrfachen Wortmeldungen werden die einzelnen Personen der Reihenfolge nach notiert und ihnen nacheinander das Wort erteilt (Moderation). So soll verhindert werden, daß die Disputation aus dem Ruder läuft, alles durcheinander redet und jeder die Chance erhält, das seinige zu äußern. Am Ende des zirka halbstündigen Meinungsaustauschs, wird die Diskussion zusammengefaßt und dadurch abgerundet. Die letzten dreißig Minuten der Sitzung stehen zur freien Verfügung und werden im wesentlichen vom Seminarleiter moderiert.
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Arbeit zitieren:
Niels Hoffmann, 2002, Motivations- und Rekrutierungsprobleme ehrenamtlicher Mitarbeiter in Wohlwahrtsverbänden, München, GRIN Verlag GmbH
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