Gliederung
0. Einführung. 3
1. Organisationssoziologische Grundlagen. 4
1.1 Organisation als System. 4
1.2 Ziele der Organisation. 5
1.3 Struktur der Organisation. 7
1.3.1 Rollenstruktur. 8
1.3.2 Autoritätsstruktur. 9
1.3.3 Kommunikationsstruktur. 10
2. Kirche als Organisation. 11
2.1 Kirchliche Zielbestimmungen. 11
2.2 Kirchliche Organisationsstrukturen. 13
2.2.1 Kirchliche Autoritätsstruktur. 14
2.2.2 Kirchliche Rollenstruktur. 16
2.2.3 Kirchliche Kommunikationsstruktur. 17
2.3 Konsequenzen und Ausblick. 18
3. Literaturverzeichnis. 21
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0. Einführung
Die vorliegende Seminararbeit mit dem Titel: Kirche als Organisation. Betrachtungen zu kirchlichen Strukturen und Zielen aus organisationssoziologischer Sicht, gliedert sich in zwei Hauptkapitel. In Kapitel 1 werden zunächst einmal einige notwendige organisationssoziologische Voraussetzungen geklärt. Dies bedeutet, daß ein entsprechendes Grundverständnis vom Begriff der Organisation initiiert werden soll. Das soll dadurch geschehen, daß die Definition der Organisation nach ENDRUWEIT Schritt für Schritt entfaltet wird. Sodann wird in Kapitel 2 diese gewonnene Sichtweise auf die Kirche übertragen. Dabei wird versucht, Kirche in einem organisationssoziologischen Ansatz zu verorten, indem ihre Strukturen und Ziele vor einem organisationssoziologischen Hintergrund vorgestellt und diskutiert werden. Schließlich werden daraus Konsequenzen abgeleitet und gezeigt, daß Kirche sich im Eigeninteresse einer organisationssoziologischen Betrachtungsweise stellen muß.
Für eine bessere Lesbarkeit der Arbeit, wurde weitgehend auf die weiblichen Endungen von Berufs- und Rollenbezeichnungen verzichtet. Der Verfasser ist sich aber bewußt, daß beim Gebrauch männlicher Berufs- und Rollenbezeichnungen, auch stets Frauen damit gemeint sein können. 1
1 Anm. d. Verfassers: Aus Perspektive der Frauen wäre selbstverständlich zu
fragen, ob auch sie mit diesem Vorgehen einverstanden sind.
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0. Organisationssoziologische Grundlagen Die Beschäftigung mit der Kirche als Organisation, macht es notwendig, sich im Vorfeld über einige ausgewählte Aspekte der Organisationssoziologie zu verständigen. Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Das ganze Spektrum
organisationssoziologischer Betrachtungen kann und soll nicht hier abgebildet werden. Dennoch bilden die folgenden Ausführungen gleichsam die Voraussetzungen, um Kirche als Organisation darzustellen und zu verstehen.
1. Organisation als System
Nach GÜNTER ENDRUWEIT, ist eine Organisation „[...] ein soziales System mit überdurchschnittlich spezifizierter Zielbestimmung und überdurchschnittlich spezifizierter Struktur.“ 2 Zu den soziale Systemen zählt er Organisationen deswegen, weil die Elemente der Organisation beispielsweise in einer erkennbaren, relativ dauerhaften Wechselbeziehung zueinander stehen, wie das bei sozialen Systemen aus soziologischer Sicht (z.B. Staat, Gemeinde oder Familie, Freundeskreis) prinzipiell der Fall ist und sie sich deshalb deutlich von der Umwelt unterscheiden. Nur diesen eben genannten sozialen Systemen fehlt es nach ENDRUWEIT entweder an spezifischen Zielformulierungen, die ihr Handeln steuern und / oder sie sind von so geringer Größe, weshalb sie keine organisierte Struktur brauchen, da sie in einem ständig unmittelbaren kommunikativen Austausch stehen. 3
Ihm zufolge existieren in bezug auf Organisationen deshalb lediglich „[...] zwei Besonderheiten: ihre Ziele sind enger und genauer, [...],bestimmt als bei anderen sozialen Systemen, und nicht zuletzt als Folge eben davon haben sie auch die differenziertere, oft formalisierte oder gar schematisierte Struktur.“ 4 Diese Aussage wird von MANFRED HERMANNS bestätigt, indem er schreibt: „Von organisierten Systemen oder Organisationen spricht die
2 Endruweit (1981), 17f.
3 Vgl. insg. ebd., 16f.
4 Ebd.
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Systemtheorie erst, wenn die Merkmale Formalisierung ihrer Struktur und [...] Spezifikation von Zwecken bzw. Zielen gegeben sind.“ 5 Das Gemeinsame aller Organisationen ist nach ENDRUWEITS Ausführungen darin zu sehen, daß sie „[...] eine Zusammenfassung von Mitteln zur Erreichung von Zielen unter bestimmten Bedingungen sind und deshalb Strukturen ausbilden, mit denen sie durch das Verhalten der Mitglieder ihre Funktionen mehr oder weniger erfüllen.“ 6 Organisationen bestehen demnach nicht zum
Selbstzweck, sondern sind Entstanden zum Zweck der Erreichung explizit gesetzter Ziele, weshalb sie auf diese Ziele hin orientiert sind und deshalb auch eine formale Struktur besitzen. Nicht zuletzt haben sie auch einen genau feststellbaren Mitgliederkreis. HERMANNS macht darauf aufmerksam, daß andere Soziologen weitere Kriterien zur Definition einer Organisation heranziehen, wie gemeinschaftliche Identität mit der Organisation oder Rationalität der Ziele, dennoch kann mit den Aspekten Formalisierung der Struktur und Zielerreichung, der kleinste gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Definitionsbestrebungen in puncto Organisation erfaßt werden. 7
1.1 Ziele der Organisation
Im Sinne ENDRUWEITS geben Organisationsziele an, was für ein Ergebnis durch Organisationshandeln erzielt werden soll. 8 In Anlehnung an RENATE MAYNTZ dagegen „[soll] als Organisationsziel [...] das gelten, was tatsächlich als Leitbild der Entscheidung dient, die das Geschehen, die Tätigkeiten und Prozesse in der Organisation auf einen spezifischen Zweck orientieren.“ 9 Dabei macht sie eine wesentliche Unterscheidung zwischen den Zielen und den Zwecken einer Organisation. Ziel ist ein Zustand, der angestrebt werden soll, der eines Tages irgendwann erreicht ist; von daher ist ein Ziel eher allgemein gefaßt. Hingegen ist ein Zweck viel
5 Hermanns (1979), 22.
6 Endruweit (1981), 18.
7 Vgl. Hermanns (1979), 22.
8 Vgl. Endruweit (1981), 58.
9 Mayntz (1963), 58.
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spezifischer; er findet fortlaufend seine Erfüllung. Mit anderen Worten bezeichnet ein Zweck eine Leistung, die kontinuierlich von den Mitgliedern der Organisation erbracht wird, um eben das Ziel bzw. das Leitbild zu erreichen. 10 Bei genauer Betrachtung wird man merken, daß es hier zu einer Kollision zwischen ENDRUWEITS Definition der Organisation in bezug auf überdurchschnittlich spezifizierte Zielbestimmung und MAYNTZ‘ Unterscheidung zwischen Ziel als Leitbild und Zwecken die das Leitbild anstreben kommt. Denn entweder sind die Ziele allesamt spezifiziert oder es existieren einige wenige Leitbilder, die in den verschiedensten Zwecken ihrer Konkretisierung finden. Dieses Problem ist aber ein rein analytisches, denn unabhängig davon, ist gerade das Moment der überdurchschnittlichen Spezifizierung der Ziele bzw. der Zwecke das entscheidende. Diese Spezifizierung in den Zielen (und in der Struktur) unterscheidet nach ENDRUWEIT die Organisation von anderen sozialen Systemen. 11 Für den weiteren Fortgang bedeutet das, daß die Begriffe Ziel und Zweck hier eher synonym gebraucht werden sollen, sofern nicht ausdrücklich eine Unterscheidung vorgenommen wird. 12
Schließlich ist es für MAYNTZ bedeutsam „[...] die Ziele von Organisationen von ihren Funktionen zu unterscheiden.“ 13 Funktion meint die Wirkung, welche die Organisation in der Gesellschaft oder in Teilen der Gesellschaft erzielt bzw. den Beitrag den sie zum gesellschaftlichen Leben leistet. Der Unterschied zwischen Zielen und Funktionen besteht auf praktischer Ebene in der Unterscheidung zwischen beabsichtigter und tatsächlicher Wirkung. Daraus folgt, daß Ziele und Funktionen sich nicht automatisch bzw. notwendig decken müssen. 14 Dennoch wird eine Organisation daran interessiert sein, daß ihre Ziele kongruent mit ihren Wirkungen sind. Die verschiedenen Ziele einer Organisation bestehen dabei nicht
10 Vgl. insg. ebd.
11 Vgl. Endruweit (1981), 16ff.
12 Anm. d. Verfassers: Die Darstellung der Sichtweise Mayntz‘ diente der
Gewinnung genauerer Einblicke.
13 Mayntz (1963), 58.
14 Vgl. insg. ebd.
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nebeneinander sondern miteinander. Sie sind einander verknüpft; „[...] so hat [...] eine Organisation bei Zielpluralität nur selten eine unverbundene Mehrzahl von Zielen, sondern meist ein Zielsystem, das die Ziele [...] zueinander in Beziehung setzt.“ 15 Abschließend sei noch auf die Unterscheidung zwischen einmaligen und kontinuierlichen Zielen hingewiesen. Bei den einmaligen Zielen ist abzusehen, daß sie irgendwann erreicht sein werden. Tritt dieser Fall ein oder wird das Ziel überflüssig, so ist die Organisation vor die Entscheidung gestellt sich aufzulösen oder sich ein neues Ziel zu geben. 16 „Solche Ziele haben z.B. Organisationen, die ein bestimmtes soziales Problem lösen, eine Krankheit ausrotten, die Kinderarbeit abschaffen, ein kommunales Bauprojekt durchsetzen oder das Frauenwahlrecht einführen wollen.“ 17 Anders ist es bei den kontinuierlichen Zielen. Organisationen mit solchen Zielen verfolgen sie fortlaufend und auf unbestimmte Zeit. Jene Ziele sind prinzipiell unbefristet und an keinen festen Zeitpunkt gebunden. Kirche ist eine Organisation, die vornehmlich solche kontinuierlichen Ziele wie beispielsweise die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi verfolgt. 18
Interessanterweise strebt jede Organisation nach Selbsterhaltung bzw. zeigt eine Tendenz dazu. Hintergrund ist der Wunsch der Zielerreichung. Denn „bei Organisationen ist die Selbsterhaltung [...] die Voraussetzung dafür, daß sie ihren Zweck oder ihr Ziel kontinuierlich erfüllen können.“ 19
1.2 Struktur der Organisation
Eine formalisierte bzw. spezifizierte Struktur im Sinne der Definition nach ENDRUWEIT besteht in einer exakten „[...] Festlegung und Abgrenzung von Tätigkeiten einschließlich der Zuordnung der damit verbundenen Rechte und Pflichten [...].“ 20 Diese Struktur besteht in
15 Endruweit (1981), 58.
16 Vgl. Mayntz (1963),70f.
17 Ebd.
18 Vgl. insg. ebd.
19 Ebd., 46.
20 Hermanns (1979), 22.
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dreierlei Hinsicht: Zum einen in einer Rollenstruktur, zum anderen in einer Autoritätsstruktur und schließlich in einer Kommunikationsstruktur.
1.3.1 Rollenstruktur
In bezug auf die Rollenstruktur ist mit ihr die Differenzierung der verschiedenen Funktionen und Aufgaben gemeint. Nach der Ansicht HERMANNS werden die mit den Positionen verbundenen Rollen häufig als strukturelle Grundeinheiten einer Organisation angesehen. 21 Auf der Ebene der Pfarrgemeinde beispielsweise existieren verschieden Rollen wie die des Pfarrers, der Gemeindereferentin, des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, der Pfarrsekretärin und jeder von ihnen hat unterschiedliche Funktionen und erfüllt verschiedenste Aufgaben. Die unterschiedlichen Rollen sind deshalb der sichtbare Ausdruck der Arbeitsteilung. 22 Die in einer Organisation vorhandene Rollenstruktur „[...] wird bestimmt durch die Zahl und Vielfalt der in der Organisation vorhandenen Rollen [...].“ 23 Hinzu kommen die Erwartungen, die an die jeweilige Rolle geknüpft sind. Mit diesen Erwartungshaltungen erreicht man zum einen eine Berechenbarkeit des Verhaltens und zum andern eine Erwartungssicherheit. 24 Diese Erwartungssicherheit besteht für LUHMANN in doppelter Weise: „Jeder weiß, was er von anderen erwarten kann [...]. Und er weiß, was von ihm selbst erwartet wird.“ 25 Ferner wird die Rollenstruktur durch Kontrollmöglichkeiten der - an eine Person herangetragenen -Erwartungen bestimmt (Vergleich von Sollzustand und Istzustand), ebenso aber auch „[...] die Art und Häufigkeit von Rollenkonflikten, das Ausmaß und die Intensität der Rollenüberlastungen.“ 26
21 Vgl. insg. ebd.
22 Vgl. Endruweit (1981), 94.
23 Hermanns (1979), 23.
24 Vgl. ebd., 22.
25 Luhmann (1976), 60.
26 Hermanns (1979), 23.
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1.3.2 Autoritätsstruktur
Neben der Rollenstruktur muß bei Betrachtung einer Organisation auch die Autoritätsstruktur beachtet werden. Damit ist die Frage nach der Machtverteilung bzw. nach der Hierarchie in einer Organisation gestellt. 27 Organisationen sind nicht nur Systeme mit Rollenverteilung und einer Differenzierung in Aufgaben und Funktionen, „[...] sondern gleichzeitig ein vertikales System von Rängen, der Unter- und Überordnung von Positionen und Personen, von Weisungs- und Entscheidungskompetenzen einerseits, Ausführungs-und
Entsprechungsvorschriften andererseits." 28 Betrachtet man Rollenstruktur und Autoritätsstruktur einer Organisation, so bedeutet das nichts anderes, als daß es in ihr unterschiedliche Kompetenzen und damit eine bestimmte formale Ordnung der Beziehungen der Mitglieder untereinander gibt; also wer welche Aufgaben erfüllt, wer wem Anordnungen erteilen kann und wer zum Befolgen der Anordnungen verpflichtet ist. Auf diese formalen Gesichtspunkte rekurriert MAX WEBER sehr stark in seiner idealtypischen Vorstellung der rational-legalen Herrschaft mittels bürokratischer Verwaltung. 29 RENATE MAYNTZ bemerkt dazu kritisch, daß dieser Vorstellung etwas bedeutsames fehlt, nämlich „[...] die Beachtung informeller Elemente in der Organisation, also jener Abweichungen vom und Hinzufügungen zum formellen Sollschema, die durch die soziale Natur der Mitglieder, ihre persönlichen Wertvorstellungen und Bedürfnisse entstehen.“ 30 Zwar ist mit Formalisierung bzw. formaler Struktur ein Proprium von Organisationen erfaßt. Aber es ist ein Fehlschluß anzunehmen, „[...]das wirkliche Erleben und Handeln in Organisationen [wäre] ausschließlich von festgelegten Erwartungen, Regeln und Rollen bestimmt [...]. [...]. Informelle Kommunikation und Normorientierung beeinflussen die Leistungsmotivation, die Arbeitszufriedenheit, das Prestige der Mitglieder und die Atmosphäre in der Organisation, sie
27 Vgl. Endruweit (1981), 100.
28 Hermanns (1979), 25.
29 Vgl. insg. Weber (1976), 126ff.
30 Mayntz (1971), 29.
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können auch die Zielerreichung der formell gesetzten Ziele modifizieren, beeinträchtigen oder bestärken.“ 31
1.3.3 Kommunikationsstruktur
Schließlich noch etwas zur Kommunikationsstruktur. Für RAMMENZWEIG ist klar, daß „jede Organisation [...], gleichgültig wie sie ihre Strukturen regelt, ein Kommunikationssystem aufbauen, ermöglichen oder übernehmen [muß], das sie als Organisation erst lebensfähig macht.“ 32 Dabei erscheint Kommunikation als „[...] der ‚Atem‘ oder der Blutkreislauf - steht er still, stirbt das System.“ 33 Kommunikation, verstanden als Austauschprozeß von Informationen, findet - wie weiter oben bereits kurz erwähnt wurde - zum einen formell statt. D.h., daß Kommunikation sich über den sog. „Weg durch die Instanzen“ mittels standardisierter Mitteilungen vollzieht. Zum anderen ist Kommunikation aber auch immer ein informelles Geschehen. Das bedeutet, daß nicht der Instanzenweg eingehalten wird und Informationen beispielsweise durch Plauderei über verschiedene Ebenen hinweg weitergegeben werden. Die Bedeutung und Wichtigkeit innerorganisatorischer sowie Kommunikation mit der Außenwelt, ergibt sich daraus, daß ohne sie Kooperation, Planung und Entscheidungen unmöglich wären. Das hätte letztlich eine Stagnation der Organisation zur Folge. 34 Kommunikation erscheint von daher als Träger der Selbsterhaltung des Systems. 35 Sie erfüllt damit strukturelle und organisatorische Aufgaben: „Ohne Dialog mit der Umwelt wird das organisierte System wirkungslos. Wer Geschäfte machen will, muß seine Leistungen anbieten und nach Partnern, Kunden suchen. Wer etwas bewirken will, muß mit sich reden lassen.“ 36
31 Hermanns (1981), 22.
32 Rammenzweig (1975), 25.
33 Ebd.
34 Vgl. insg. ebd., 26.
35 Vgl. ebd., 29.
36 Ebd.
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2. Kirche als Organisation
Was aber rechtfertigt nun, die Kirche als Organisation im obigen Sinne zu betrachten? Inwieweit läßt sich auf ihr der Begriff Organisation anwenden?
„Kirche ist zunächst eine Organisation wie viele andere auch.“ 37 Sie als Organisation zu verstehen hieße im Transfer, sie ebenfalls als ein soziales System zu begreifen mit überdurchschnittlich spezifischer Zielbestimmung und Struktur. Das Einnehmen dieser Sichtweise ist aber für die Kirche relativ neu. RAMMENZWEIG konstatiert, daß der Kirche lange Zeit das Bewußtsein fehlte, wonach sie selber sich als Organisation versteht. Für ihn sind Organisationen „[...] zeitlich (begrenzte) Handlungsstrukturen vieler Menschen, die ein Ziel ( mit zweckrationalen Mitteln) erreichen wollen. Wird dieses Ziel nicht erreicht, muß entweder die Organisation aufgelöst oder ein neues Ziel gesucht werden.“ 38 Diese Argumentation liegt auf ähnlicher Linie wie die von MAYNTZ. Weiterhin schreibt er: „Da sich die Kirche jedoch auf ein Ziel orientiert hat, dessen kategorische Unerfüllbarkeit ( das Reich Gottes [...] ) zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit wurde [...], ist die Organisationsfrage für die Kirche nie so ernsthaft gestellt gewesen [...]. Es scheint, als ob die Zeitlichkeit einer Organisation - das Erfüllen des Organisationsziels in einer bestimmten Zeit - die Kirche nicht ernsthaft beschäftigt hat.“ 39
2.1 Kirchliche Zielbestimmungen
Kirchliche Ziele gibt es derer viele. Sie nun alle aufzuzählen und ihre Pluralität - durch Aufzeigen ihre Zusammenhänge untereinanderals Zielsystem und Zielhierachie zu verdeutlichen, würde den Rahmen dieser Arbeit bereits jetzt schon sprengen. Dennoch ist damit keineswegs Zurückhaltung geboten und eine Annäherung hieran unmöglich.
37 Ebd., 22.
38 Ebd., 24.
39 Ebd.
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Als generelles Ziel und Aufgabe von Kirche bzw. kirchlichen Handels - was theologisch genauer christliches Handeln heißen müßteließe sich die Verwirklichung des Reich Gottes formulieren. Weiter oben klang dies bereits schon einmal an. Das wird neutestamentlich auch bestätigt. Jesus gibt in der Bergpredigt seinen Hörern die Weisung: „Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33). Die Rede vom Reich Gottes ist allerdings für viele unausgesprochen verwunderlich, wenn nicht gar mysteriös. Dabei wird Reich Gottes als etwas ausschließlich Jenseitiges mißverstanden. Gerade im Angesicht der Säkularisierung, also der Entflechtung von Religion / Kirche, Staat und Gesellschaft ist das nicht verwunderlich. 40 Reich Gottes meint aber alles anderes als nur eine jenseitige Größe. Vornehmlich ist Reich Gottes im diesseits verankert. Es ist eine theologische Chiffre für einen Raum, für einen Platz bzw. für eine Welt, in der menschliches Leben heil wird, in dem das Leben des Menschen zur Entfaltung kommen kann. Es geht also um ein sinnvolles, erfüllendes bzw. gelingendes Leben im Hier und Jetzt. So könnte man von dort aus weiter formulieren: Ziel kirchlichen Handels ist die Verwirklichung des Reich Gottes durch Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi bzw. des liebenden Gottes in Jesus Christus. Ebenso wäre Ziel von Kirche bzw. Aufgabe der Christinnen und Christen in der Welt, die Verwirklichung des Reich Gottes durch Dienst am Menschen. Somit hätte man den Bereich der Diakonie betreten. 41 Da es zweifelsohne immer Gewalt und Leid in der Welt geben wird, ist das Ziel der Verwirklichung des Reich Gottes, im Sinne MAYNTZ‘ ein kontinuierliches, ein auf unbestimmte Dauer angelegtes Ziel. In theologischer Rede ist mit Jesus Christus das Reich Gottes angebrochen, dessen eschatologischer Erfüllung aber noch aussteht. 42
Folgt man der Unterscheidung von MAYNTZ in Ziel und Zwecke, so könnte man unter den oben genannten Zielen, eine ganze Reihe
40 Vgl. Zulehner (1989), 200f.
41 Vgl. insg. Fuchs (1999), 178ff.
42 Vgl. Kessler (1995), 268f.
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Zwecke subsumieren. Beispielsweise die Beratung von Eltern in Erziehungsfragen durch kirchliche Beratungsstellen, die Begleitung von Sterbenden in Hospizhäusern, die Pflege von Alten, die Versorgung Obdachloser, kirchliche Angebote der
Jugendpflege...usw. All diese Institutionen und / oder ehrenamtlich Tätigen, erbringen organisationssoziologisch betrachtet, fortlaufende Leistungen im Sinne der Zielbestimmung bzw. der Zielvorgabe, wenngleich es ihnen nicht zwangsläufig in diesem soziologischen und theologischen Sinne bewußt sein muß. Schließlich sind die kirchlichen Institutionen, in denen Dienste am Menschen verrichtet werden, eigens zum Zwecke der Zielerreichung entstanden. D.h. Kirche, die auch immer Kirche in der Zeit ist, kam nicht am Prozeß der Institutionalisierung von Hilfeleistungen vorbei, um in heutiger Zeit in angemessener Weise Reich Gottes zu verwirklichen.
2.2 Kirchliche Organisationsstrukturen
Allein aus der alltäglichen Beobachtung ergibt sich der Eindruck von Kirche als ein Verwaltungs- und Bürokratieapparat mit differenzierter Rollen- und Machtverteilung. Diese Merkmale sind auf allen Ebenen sichtbar. Die parchoiale Gemeinde besitzt in aller Regel einen Pfarrgemeinderat samt Ausschüssen. Dazu kommt eine Satzung, also eine schriftliche Fixierung, welche die formale Ordnung des Pfarrgemeinderates regelt. Ein- und Austritte aus der Kirche werden im Pfarrbüro erfaßt und schriftlich - in Form von Jahresstatistikendokumentiert. Ebenso erfahren Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen in jeder Pfarrei eine bürokratische Verarbeitung. Tauf-, Heirats-, und Sterbeurkunden werden ausgestellt. Auf Vatikanebene bietet sich ein ähnliches Bild. Dort existiert eine Fülle von Gerichtshöfen, Kongregationen, Räten und
Dikasterienbüros. Die damit verbundene vatikanische Bürokratie, bereitet die Berufung von Bischöfen vor, legt Richtlinien für die Wiederverheiratung geschiedener Katholiken fest, entscheidet, welche Gebete zur Messe zugelassen sind, wacht über den rechten Glauben und bestimmt die Positionen des Vatikan in bezug auf die
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Schulden der dritten Welt. Die katholische Kirche gibt weltweit betrachtet, ein Bild von einer streng zentralistisch geführten Organisation ab, die in fast allen Ländern der Welt operiert. Eine vollständige Darstellung kirchlicher Strukturen mit all ihren Organen auf den verschiedensten Ebenen würde nun aber eindeutig zu weit führen, weshalb sich nun der Autoritäts-, Rollen- und Kommunikationsstruktur der Organisation Kirche gewidmet werden soll.
2.2.1 Kirchliche Autoritätsstruktur
Bezüglich der Autoritätsstruktur zeigt sich in vertikaler Richtung sehr stark ein historisch gewachsenes Gefälle von oben nach unten. Beginnend bei der römischen Kurie über die Diözesanleitung der einzelnen Bistümer bis hin den örtlichen Pfarrgemeinden und einzelnen Gläubigen, existiert eine deutliche Bewahrung des Prinzips der Über- und Unterordnung bzw. des Gehorsams. Der Pastoralreferent hat den Pfarrer zum Vorgesetzten, dieser ist wiederum seinem Bischof verpflichtet. Der Bischof gelobte seinem Papst den Gehorsam. Die Gläubigen haben die (moralische) Pflicht, den Weisungen des Papstes Folge zu leisten. Über- und Unterordnungen sind aber zunächst nichts ungewöhnliches und bestehen auch in demokratischen Gesellschaften. Das besondere bei der Kirche ist jedoch, daß jenes Prinzip des Gehorsams bzw. die kirchlichen Machtverhältnisse, nur selten durch sog. Funktionale Autorität bzw. durch Fachautorität legitimiert sind, sondern vorrangig durch das Charisma. In einer hoch modernen und technisierten Gesellschaft, wie die bundesdeutsche, mit einer Fülle hochspezialisierter Berufe und speziellen Ausbildungsgängen, ist gerade Fachwissen bzw. fachliche Kompetenz gefragt und angesehen. Im Sinne der Herrschaftstypologie der Charismatischen Herrschaft nach WEBER stützt sich diese aber nicht auf Fachautorität, sondern auf eine Persönlichkeit, die beispielsweise mittels
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gottgegebener Begabung und Kräfte zur Autorität wird [und dadurch erst ein besonderes Amt bekleiden darf]. 43 Elemente charismatischer Macht sind in der Kirche bis heute präsent. „Das Verhältnis der Laien- und Klerikertheologen ist als exemplarisches Beispiel der Diskrepanz von funktionaler Autorität und Amtsautorität innerhalb der Organisation Kirche zu werten.“ 44 Beispielsweise ist im pastoralen Dienst ein geweihter Diakon, der sein Diakonat nebenberuflich erwarb und damit über keine fundierte theologische Grundausbildung verfügt, gegenüber einem
Pastoralreferenten, der eventuell noch promoviert hat, theoretisch weisungsbefugt. Grund hierfür, ist die besondere Geistbegabung des Diakons aufgrund seiner Weihe und der damit verbundenen Amtsvollmacht, die er durch den Bischof erhält. Im Rahmen der Professionalisierung beruflicher Tätigkeitsfelder, besteht aber ein gewachsener Anspruch an Fachkompetenz: „Die überlieferte Amtsvollmacht, die auf der formal korrekten Einsetzung durch die vorgesetzte Kirchenbehörde beruht, kann diesem veränderten Anspruch nicht mehr genügen. Mit einer Fügsamkeit aufgrund des Legitimitätsglaubens in die ungeprüfte oder unprüfbare Richtigkeit der kirchlichen Ordnung und der durch sie gewährten Amtsvollmachten kann immer weniger gerechnet werden“ 45 Für HERMANNS haben die Kirche ihren Monopolanspruch auf Religion und Sinngebung verloren und sehen sich konkurrierenden
Weltanschauungen ausgesetzt. 46 Daher können sich die Kirchen „[...] nicht auf unangefochtene Über- oder Annahme tradierter legaler Ordnungen, ihrer Prinzipien und Lehren verlassen, sondern sind auf eine sachverständige Verarbeitung der suchenden oder skeptischen Anfragen der Umwelt angewiesen.“ 47
43 Vgl. Hermanns (1979), 40.
44 Ebd., 63.
45 Ebd., 60.
46 Vgl. ebd.
47 Ebd.
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2.2.2 Kirchliche Rollenstruktur
Neben dieser Machtstruktur existiert im organisationssoziologischen Sinne auch in der Kirche eine überdurchschnittlich spezifizierte Rollenstruktur. Diese existiert in zweierlei Hinsicht. Zum einen gibt es eine Vielzahl von Rollen innerhalb des Berufstandes des Priesters bzw. des Geistlichen selbst. Da wäre beispielsweise der Kardinal, der Prälat, der Präfekt, der Domkapitular, der Offizial oder der Generalvikar, die alle unterschiedliche Aufgaben wahrnehmen. Zum anderen gewährt eine Pluralität unterschiedlicher Berufsrollen das Funktionieren der Organisation im Hinblick auf die Zielerreichung. Gerade für soziale Berufe ist die Kirche ein potentieller Arbeitgeber. Theologen, Pädagogen, Soziologen, Sozialarbeiter, Psychologen, Erzieherinnen, Ärzte, Pflegepersonal...usw. arbeiten in
unterschiedlichen Institutionen kirchlicher Trägerschaft. Betrachtet man den Mitgliederkreis der Kirche und zählt zu ihm nicht nur das hauptamtlich klerikale Personal, sondern alle Gläubigen, so wird die bereits erwähnte Über- und Unterordnung bei der Autoritätsstruktur, auch im Zusammenhang mit der Rollenstruktur deutlich. Zunächst einmal nehmen theologisch - nach Lumen gentium, der „dogmatischen Konstitution über die Kirche“ des II. Vatikanums - alle Gläubigen am prophetischen Priestertum Jesu Christi teil. 48 Für die Laien, also den Nicht-Klerikern, den sog. Christgläubigen, gilt im Sinne der Konstitution, daß sie „[...] durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben.“ 49 In der Wirklichkeit nehmen aber die Laien in der kirchlichen Hierarchie die unterste Stufe ein. Auf die Gestaltung von formaler Rollendifferenzierung und Arbeitsteilung haben sie keinen Einfluß. Sie sind faktisch machtlos und haben im eben genannten Sinne keine Kompetenzen. Von der mengenmäßigen Anzahl der Laien her betrachtet, ist ihre
48 Rahner (1966), 136.
49 Ebd., 161.
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Mitgliedsrolle derart verschwommen, daß die Kirche als bürokratische Kernorganisation erscheint. 50 Aus dieser Perspektive, bietet sich daher ein sehr undemokratisches Bild von Kirche, mit der Gefahr einer wachsenden Teilnahmslosigkeit und Desinteresse ihrer Mitglieder.
2.2.3 Kirchliche Kommunikationsstruktur
Die Gestaltung der Kommunikationsstruktur steht konsequenterweise in Zusammenhang mit der Autoritäts- und Rollenstruktur. Zeigt sich ein klares Bild der Über- und Unterordnung in Rollen- und Machtstruktur, so gilt das folglich für die Art und Weise der Kommunikation. Denn dort, wo innerhalb der Kirche Kommunikation mehr ist, als reine Informationsvermittlung, sondern Interaktions-, Austausch- und Veränderungsprozeß, so werden Fragen nach Entscheidungsfindung und Herrschaftsausübung bedeutsam. Die Art und Weise der Kommunikation dient dann der Machterhaltung und der Machtausübung in Entscheidungsprozessen. 51 Kommunikation, so wurde im Kapitel 1 gesehen, erfüllt aber einen Zweck, nämlich den der Selbsterhaltung. Eine Organisation, die nach Selbsterhaltung strebt, muß ein funktionierendes inner-organisatorisches Kommunikationssystem besitzen. In der Kirche sieht das aber so aus, daß eine kleine Anzahl von stets denselben klerikalen Würdenträgern sich berät und über bzw. für die große Masse entscheidet. Die Mehrheit wird in die Diskussion bzw. Kommunikation nicht eingebunden und ist damit an
Entscheidungsprozessen nicht beteiligt. Die Laien obliegt es lediglich jede Menge „Protestnoten“ zu schreiben, wie beispielsweise das Kirchenvolksbegehren, die aber an den getroffenen Entscheidungen nichts mehr ändern. Kommunikation erscheint daher als eine Einbahnstraße, als Diktion, die einem demokratischen Verständnis gegenläufig ist.
50 Vgl. insg. Hermanns (1979), 52f.
51 Vgl. Rammenzweig (1975), 35.
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Sicherlich ließe sich dagegen argumentieren, daß viele kirchliche Entscheidungen einer theologischen Begründung bedürfen. Dies fordert automatisch auch theologische Sachkompetenz, die das Gros der Gläubigen nicht hat. Müssen aber alle Entscheidungen
theologisch fundiert sein? Nicht selten steht der theologischen Argumentation einer zweckrationalen entgegen. Beispielsweise in der Frage der Frauenordination leistet sich Kirche eine Haltung, die ihrer Selbsterhaltung im Wege steht und zudem in theologischen Kreisen nicht unumstritten ist. Dennoch siegt oftmals die theologische Option über die rationale. Grund ist die innerkirchliche Entscheidungsstruktur, die ausschließlich von Theologen beherrscht wird.
2.3 Konsequenzen und Ausblick
Die vorfindbare menschliche Gesellschaft entstammt dem (kulturellen, künstlerischen, politischen...etc. ) Wirken des Menschen. Dem Menschen begegnet die Gesellschaft in die er hineingeboren wird und in der er sich orientieren muß - genauso wie die von ihm nicht geschaffene Natur - als faktische Gegebenheit bzw. als objektive Wirklichkeit, da beides von ihm nicht beliebig machbar und veränderbar ist. 52 Kirche als Organisation mit ihren Rollenträgern, ihrer Machtverteilung und ihren Zielen, ist Teil dieser objektiven, von Menschen geschaffenen Wirklichkeit. Um gestalterischen Einfluß auf Kirche auszuüben, verlangt dies konsequenterweise eine wirklichkeitsorientierte, ein diesseitige Sicht von Kirche. „Wirksame Gestaltung und Prägung von gesellschaftlicher Welt, auch von Kirche voraus.“ 53 setzt eine gründliche Analyse Anhängern
fundamentalistischer Tendenzen in den eigenen Reihen, für die Herrschaft und Autorität von je her als gottgewollt und damit als nicht hinterfragbar und nicht kritisierbar erscheinen, wird damit eine deutliche Absage erteilt, wenn gleich es in der Kirche immer fundamentalistische Kräfte geben wird. Dennoch wird mit einer
52 Vgl. insg. Hermanns (1979), 7.
53 Ebd.
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wirklichkeitsbezogenen Betrachtung von Kirche, der Raum eröffnet für eine Reflexion zentrale organisationssoziologischer
Fragestellungen. Für RAMMENZWEIG ist gerade Kirche eine Organisation, „[...] die alte Organisationsprinzipien mit am längsten aufbewahrt hat. Für viele ist Kirche [...] das Paradebeispiel einer ineffizienten, unrationellen, traditionsverhafteten Bürokratie.“ 54 HERMANNS knüpft daran an indem er schreibt: „Theologen neigen bis in die Gegenwart dazu, einen Monopolanspruch für die Legitimation kirchlichen Handels und kirchlicher Strukturen zu stellen. Sie haben über Jahrhunderte die Organisationsstruktur der Kirche und das Amtsverständnis ihrer Funktionsträger aus überlieferten
Organisationsmustern der frühchristlichen Gemeinden oder aus Sollensansprüchen der frühchristlichen Ethik abzuleiten und zu stützen versucht.“ 55
Aber gerade Kirche müßte ein Interesse daran haben - besonders vor dem Hintergrund ihrer kontinuierlichen Ziele - auf empirische Wissenschaften wie die der Soziologie zu achten, die über eine optimale Verfaßtheit der Organisation Kirche für die Gegenwart nachdenken. Der sich daraus ergebende Vorteil liegt klar auf der Hand. Der Kirche bietet sich dadurch die Möglichkeit, „[...] ihrer Zielsetzung in der heutigen Gesellschaft deutlicheren Ausdruck und mehr Wirksamkeit und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu verleihen.“ 56 Folgt man den Ausführungen HOFFMANNS, so kann Kirche bzw. die Theologie nicht auf die empirischen Wissenschaften verzichten. Denn trotz ihrer Bemühungen, jene Bedingungen zu erfassen, die sie zu ihrer Selbsterhaltung bedarf, ist sie dabei zu sehr in vormodernem Denken verstrickt, um diese Aufgabe alleine bewältigen zu können. 57 Deshalb sollte von der Kirche im ureigensten Interesse, die Organisationssoziologie dahingehend befragt werden, „[...] bei welchem Konzept innerorganisatorischer Partizipation [...] die
54 Rammenzweig (1975), 22f.
55 Hermanns (1979), 26.
56 Ebd., 11.
57 Vgl. Hoffmann (1971), 6ff.
19
Kirchen die höchsten Chancen zur Teilnahmemotivation und Zielverwirklichung und damit zur Systemerhaltung [haben].“ 58
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3. Literaturverzeichnis
ENDRUWEIT, GÜNTER: Organisationssoziologie. Berlin u.a. 1981. (Bibliothek der KFH: G 36 / 38; Semesterapparat Prof. Maasberg).
FUCHS, OTTMAR: Martyria und Diakonia: Identität christlicher Praxis. In: HASLINGER HERBERT [Hrsg.]: Handbuch Praktische Theologie. Grundlegungen. Band 1. Mainz 1999, 178-197. (Bibliothek der KFH: B 8 / 139-1).
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HOFFMANN, LUTZ: Auswege aus der Sackgasse. Anwendungen soziologischer Kategorien auf die gegenwärtige Situation von Kirche und Seelsorge. München 1971. (Martinus Bibliothek Mainz).
KESSLER, HANS: Christologie. In: SCHNEIDER THEODOR [Hrsg.]: Handbuch der Dogmatik. Band 1. 2. Auflage Düsseldorf 1995, 241-442. (Privateigentum. Signatur der 1. Auflage 1992: Bibliothek der KFH: B 2 / 141-1).
LUHMANN, NORBERT: Funktionen und Folgen formaler Organisation. 3. Auflage, Berlin 1976. (Zentralbibliothek der Universität Mainz).
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Arbeit zitieren:
Niels Hoffmann, 2001, Kirche als Organisation. Betrachtungen zu kirchlichen Strukturen und Zielen aus organisationssoziologischer Sicht, München, GRIN Verlag GmbH
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