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III. Inhalt und Situierung der Szene 13
In der Szene 13 begegnen sich zum ersten Mal die beiden jungen Männer Mesrin und Azor. Mesrin hat bereits vorher die Bekanntschaft von Adine gemacht, und Azor traf schon Eglé. Sie freunden sich miteinander an und erzählen von ihren beiden weiblichen Bekanntschaften Eglé und Adine.
Die Gesprächssituation zeigt eine sehr harmonische Basis. Zeitlich betrachtet lernen die beiden Männer sich relativ spät kennen. Durch die Harmonisierung in dieser Szene wird der in den vorherigen Szenen aufgebaute Konflikt zwischen Adine und Eglé kurzzeitig unterbrochen.
Doch bereits am Ende der Szene kann ein Konfliktauffbau wieder beobachtet werden, indem Azor und Mesrin sich gegenseitig von ihren „Freundinnen“ vorschwärmen, und somit schon ein Ansatz für die folgenden verwirrenden Beziehungsverhältnisse vorgegeben wird. IV. Gliederung der Szene 13
Nach meiner Meinung läßt sich eine Gliederung in vier Abschnitte vornehmen. Der erste Abschnitt besteht aus dem kurzen Monolog von Mesrin am Anfang der Szene, in dem Mesrin sich die von Adine beschriebene Mißbeschreibung noch einmal gedanklich vor Augen führt.
In dem zweiten Abschnitt treffen die beiden Männer aufeinander und erkennen Gemeinsamkeiten in den Bereichen Geschlecht, Bekannte und Herkunft (S.181-S.182 Mitte).
Eine gegenseitige Sympathieentwicklung zeigt sich im dritten Abschnitt (S182 Mitte-S.183 Mitte). Im letzten Abschnitt erzählen Azor und Mesrin von ihren weiblichen Bekannten Eglé und Adine.
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V. Stilistische Analyse
Da ich den Schwerpunkt meiner Hausarbeit nicht auf die sprachliche Analyse setzen will, gebe ich nur einen kurzen Überblick über die wichtigsten semantischen und syntaktischen Auffälligkeiten in der Szene 13.
a) semantische Analyse
In der Szene 13 ist es auffällig, wie Azor und Mesrin sich sowohl gegenseitig bezeichnen, als auch wie sie sich untereinander ansprechen. Eine starke Betonung erfährt das Wort „Kamerad“ („...,un bon camarade, moi un autre bon camarade,...“(S.182 )).
Der Ausdruck „Kamerad“ erfüllt auch die Funktion eines Namens („...je le crois, camarade,...“; „Des mains, camarade?“ (S.183)). Der Besitz eines Namens ist sehr wichtig, da man oft mit dem Namen etwas verbindet, und der Name ein bedeutender Identifikationsfaktor mit der eigenen Person darstellt.
Desweiteren kann man mit einer Person nur kommunizieren, wenn man sie mit einer gewissen Bezeichnung ansprechen kann, und diese Bezeichnung ist in den meisten Fällen der Name.
Auch die zahlreichen Sympathiebekundungen für die jeweils andere Person stechen ins Auge („...,il faut nous aimer.“; „...,vous me réjouissez,...“; „...vous êtes bonhomme.“(S.182)).
Die extreme Unterstreichung des Freundschaftsverhältnisses wirkt auf den Leser übertrieben und überzogen.
b) syntaktische Analyse
Das Frage-Antwort-Spiel am Anfang der Szene könnte man mit dem Wissensbedürfnis eines Kindes vergleichen („Vous êtes donc un homme? On m´a dit que oui.“(S.181)).
Die Unberührtheit durch die Gesellschaft wird hier nochmal besonders deutlich erkennbar, und der schlichte und niedrige Sprachstil unterstreicht diesen Zustand.
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Eine Hervorhebung der Unmündigkeit wird auch durch die Wortwiederholungen erreicht („On m´a dit...“; „On m´en a dit...“; „On vous a dit...“ (S.181)). Das „man“ zeigt, daß Azor und Mesrin unselbstständige und unmündige Menschen trotz ihres Alters sind.
Desweiteren sind noch die vielen Wir-Formen erwähnenswert, die ebenfalls ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Azor und Mesrin aufzeigen („..., prenonsles...“; „...; allons,...“; „...:nous rirons, nous sauterons,...“ (S.183)). VI. Die Beziehung zwischen Azor und Mesrin
Eine Freundschaft verbindet zwei oder mehrere Menschen auf eine ganz besondere Art und Weise miteinander.
Ein sehr wichtiger Faktor für eine Freundschaft ist das Vorhandensein von Vertrauen. Für mich sind auch noch Zuverlässigkeit und Gemeinsamkeiten in einer Freundschaft von besonderer Bedeutung, aber auch Gegensätze können eine Freundschaft stark bereichern. Existiert die „Männerfreundschaft“ (bei Marivaux)?
Um hier Ansätze für eine Erklärung zu finden, ist es sinnvoll, auf das männliche Verhalten einzugehen, denn gerade bei Marivaux werden sehr klischeehafte Männerbilder, aber auch Frauenbilder beschrieben oder zum „Spielen“ gebracht. Wie kann eine Freundschaft des „starken“ Geschlechts aussehen? Bei meiner Untersuchung der Männlichkeit und der Männerfreundschaft werde ich mich auf die klischeebehafteten Bilder in der Gesellschaft beschränken, da ich meiner Ausarbeitung keinen zu starken soziologischen Charakter verleihen kann, und der Umfangsrahmen der Arbeit eindeutig nicht ausreichen würde. Das Verständnis von Männlichkeit ist heutzutage oftmals negativ behaftet. Männer gehen zusammen aus, geben sich dem Alkoholkonsum hin oder nehmen an gemeinsamen, oft leistungsorientierten Sportveranstaltungen teil. Der übermäßige Alkoholkonsum läßt Gewalt, Agressionen und den Gebrauch derber Ausdrücke vielfach folgen.
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Die Freizeit wird gerne in einer ausschließlich männlichen Gruppe (homosozial) verbracht. Der homosoziale Raum bietet ein entspanntes Klima, einen Ort des ungetrübten Vergnügens.
Ich würde noch weiter gehen und diesen Raum als eine Art Rückzugsort vor der „anstrengenden“ Weiblichkeit sehen. In der Szene 13 kann man die homosoziale Welt und ihre größtenteils harmonischen Auswirkungen auf Azor und Mesrin sehr schön beobachten.
Dieses Vergnügen erscheint jedoch nur in der Abwesenheit von Frauen in einer solch ungetrübten Form.
Frauen schaffen also durch ihre Anwesenheit eine „gezwungene“ Atmosphäre und sind demnach ein Feindbild des homosozial männlichen Refugiums. Männerfreundschaft kann daher nur im Abseits der weiblichen Domäne stattfinden, oder sie kann nur dann bestehen, wenn beide Männer unangreifbar und unberührbar für die weibliche Verführbarkeit sind. Männer scheinen offensichtlich die einfacheren, manipulierbareren Wesen zu sein, und sind dadurch der sinnlichen Weiblichkeit meistens hilflos ausgeliefert. Auch Marivaux scheint diesen Gedanken aufzunehmen, denn jenes Männerbild wird indirekt in seinem Theaterstück aufgenommen.
In der Szene 13 besteht noch die ungetrübte harmonische Männerfreundschaft, doch in den nachfolgenden Szenen wir deutlich inwieweit Frauen, hier Eglé und Adine, die beiden Freunde gegenseitig so beeinflussen, daß für diese ihre Freundschaft nicht mehr von Bedeutung ist, und sie sich nur noch im Wege zur „Ergreifung“ des weiblichen Wesen stehen.
Marivaux hat demnach ein sehr oberflächliches Menschenbild geschaffen. Dieses Menschenbild scheint die innere Beschaffenheit seiner Mitmenschen nicht zu beachten, und stattdessen die Oberfläche, das Äußere des Menschen, stärker wahrzunehmen. Nach dieser Auffassung wird der Mensch auf ewiger Suche nach etwas Neuem und Reizvollerem bleiben und nie einen zufriedenen Gefühlszustand erreichen.
Die Szene 13 zeigt eine Freundschaftsentwicklung zwischen den beiden jungen Männern Azor und Mesrin. Schrittweise vollzieht sich diese (s. Inhalt der Gliederung).
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Wie bereits erwähnt zeigt sich ein sehr klischeehaftes Verhalten der jungen Männer. Die sprachliche Ebene wirkt der kameradschaftlichen Beziehung durch den Gebrauch des kindlich naiven Sprachstils entgegen. Das „Händereichen“ zur Begrüßung wirkt hier schon fast sinnlich zärtlich („...mettez votre main dans la mienne,...“(S.182)). Mit dieser Geste ist die Freundschaft besiegelt und darauf folgend steht auch schon eine Bezeichnung der anderen vorher namenlosen Person fest, nämlich die des „Kameraden“ („...un bon camarade...“(S.182)).
Mit einem Kameraden kann man sich gut amüsieren und viele Unternehmungen durchführen („...nous rirons, nous sauterons...“(S.183)). Der Vorschlag der gemeinsamen Mahlzeit macht deutlich, daß dem gemeinsamen Essen viel mehr Bedeutung zukommt als die der puren Genuß- oder Durstbefriedigung.
Vielmehr zeigt sich hier ein Ritual der Freundschaftsbestätigung, eine Besiegelung ausgesprochenener und unausgesprochener Worte („...prenons-les ensemble...“(S.183)).
Sobald jedoch die Sprache von den jeweils gemachten weiblichen Bekannten ins Gespräch kommt, erscheint der andere Kamerad nur noch als eine unwichtige Person, als eine Art Nichtigkeit („...vous n´êtes rien du tout...“(S.183)). An dieser Stelle kommt das Feindbild „Frau“ und die zerstörerische Macht in Bezug auf die Beziehung zwischen Azor und Mesrin wieder eindeutig zur Geltung.
Nach meiner Meinung hat Marivaux zu klischeebezogen das Bild einer Männerfreundschaft dargestellt. Selbst das männliche Profilierungsgehabe findet in dieser Szene statt.
Am Ende der Szene beginnt jeder von seiner Frau zu erzählen, wobei die jeweilige die beste und schönste Errungenschaft zu sein scheint. Sicherlich muß man berücksichtigen, daß die gesellschaftlichen Umstände damals ganz anders waren und z.T. mit den heutigen Bedingungen nicht vergleichbar sind. Wie sich in den nachfolgenden Szenen herausstellt, hat die Männerfreundschaft zwischen Azor und Mesrin keine Chance sich gegen die weibliche Verführung durchzusetzen.
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Das Kennenlernen der beiden Männer wird sehr unkompliziert dargestellt, vollzieht sich rasch und ist von Oberflächlichkeit nur so geprägt. Einige Spekulationen möchte ich noch gerne anführen. Was wäre geschehen, wenn die Männer von der Weiblichkeit „verschont“ geblieben wären? Hätte sich die Freundschaft zu einer „wahren“ Freundschaft entwickelt oder sogar zu einer Freundschaft mit homoerotischem Charakter?
Vielleicht würde die Freundschaft auch nur erlischen. Das alles sind nur Mutmaßungen, aber fast sicher ist, daß ein so erschreckender Ausgang wie in diesem Stück nicht eintreten würde.
VII. Die Begegnung - ein Zufall?
Ob die Begegnung zwischen Azor und Mesrin rein zufällig oder geplant ist, kann nicht gesagt werden. Sie hat sicherlich einen scheinbar zufälligen Charakter, jedoch wird sie, durch das Experiment bedingt, genaustens geplant. Die Durchführung der Begegnung und ihre Auswirkungen auf die Begegnenden unterliegt keiner Kontrolle und kann auch nicht gesteuert werden, da die Gesprächsführung unter den sich kennenlernenden Personen nicht lenkbar ist. Man könnte die Begegnung der beiden jungen Männer und auch alle Begegnungen der Figuren miteinander als eine „geplante zufallsbedingte Begegnung“ beschreiben.
Nach Marivaux müssen die Menschen erst aktiviert und zum Handeln „gezwungen“ werden („..., gleichen die Menschen Marivaux´ schlafenden Gewässern, die darauf warten, in Bewegung versetzt zu werden:...“ Meister von Benken 1955:19).
Der Zufall ist ein wichtiges Zweckmittel, den Menschen aus seinem trägen, handlungsunfähigen Zustand zu befreien.
Dieser schlagartige Zufall versetzt Azor und Mesrin in die extreme Überraschung und Erstaunung über die jeweilige andere Person, ohne daß die Zeit und die Möglichkeit einer gewissen psychischen Vorbereitung besteht („Vous êtes pareille à moi, ce me semble?“; „Vous êtes donc un homme?“(S.181)).
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Bei Marivaux wächst der gegenwärtige Moment nie aus der Vergangenheit, sondern wird von dem Neuartigen beeinflußt. Diese Momente können nicht von großer Dauer sein, da das Neue schnell verblaßt und nur noch als alt und bereits bekannt betrachtet wird.
Dieses Prinzip überträgt sich auch auf die Liebe oder die Freundschaften der Figuren, denn alles währt nur so lange wie der Zufall wirkt, also einen kleinen Moment.
Hier kann ein Erklärungsansatz für die Unbeständigkeit und Untreue in den Freundschaften und den Liebe gesehen werden, weil die Glücks- und Liebesmomente von einer so kurzen Dauer sind, und man diese Momente genießen muß.
Das Stück „La Dispute“ gibt vor, daß die Menschen nicht für eine konstante immerwährende Beziehung oder Freundschaft geschaffen sind. Die Liebe bei Marivaux erscheint in einer Art Eigenliebe. Diese Rolle verkörpert u.a. sehr gut Eglé, die es im höchsten Maß genießt, ein Objekt der Gefühle von Azor oder auch von Mesrin zu sein.
Die Eigenliebe ist eng mit der Eitelkeit verbunden, die die Menschen schwach und leicht angreifbar macht. Die Eitelkeit zeigt einen Kritikpunkt Marivaux´ an dem menschlichen Verhalten.
Abschließend möchte ich einige soziologische Ausführungen zum Thema der Unbeständigkeit der Menschen äußern und eventuelle Auswirkungen auf die Gesellschaft anführen. Hier scheint mir eine Verknüpfung von soziologischen Aspekten mit meiner Ausarbeitung sehr sinnvoll. -Promiskuität als Lösung?
In der Wissenschaft wird oft behauptet, daß der Mensch vor langer Zeit promiskuitiv gewesen ist. Heutzutage ist es eindeutig, daß diese Lebensweise jetzt nicht mehr dem Wesen des Menschen entspricht, da der Wunsch nach emotionaler Bindung von der Monogamie her zu stark ausgeprägt ist. Zwar kann Sexualität völlig ohne emotionale Bindung gelebt werden, die Sehnsucht nach einer Beziehung bleibt allerdings.
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Die Promiskuität ist demnach keine Lösung für unsere konfliktreiche Situation der Menschen.
Der Mensch ist von seinem Wesen her nicht promiskuitiv. -Monogamie als Lösung?
Monogamie ist sicherlich die beste Lösung, wenn man die Situation von der Seite des Nachwuchses her betrachtet. Sie bietet das ideale Umfeld für das gesunde Aufwachsen eines Kindes.
Jedoch zeigen die Scheidungsraten, daß das monogame Ehesystem sehr anfällig ist. Ist es ein Ansatz, die monogame Liebe zu idealisieren, und die außereheliche Beziehung auf Nächstenliebe zu beschränken?
Meiner Meinung nach nicht, da die durchaus biologisch sinnvolle Lust auf außereheliche Partner nicht akzeptiert und verdrängt wird; und Verdrängung hat im allgemeinen schwerwiegende Konsequenzen für die psychische Gesundheit. Die vollkommene Monogamie gibt es also nicht, da sie gegen die Natur des Menschen spricht. Der Mensch ist von seinem Wesen her nicht ausschließlich monogam. -Polygamie als Lösung?
Polygamie ist sicher eine Lösung, wenn kein Nachwuchs erwartet oder gewünscht wird. Die Menschen begegnen sich hier vielleicht in größerer Freiheit und Toleranz als es in der Monogamie möglich ist.
Erleichtert wird diese Lebensweise in unserer heutigen Situation noch durch Verhütungsmöglichkeiten und durch die Tatsache, daß sich die Frauen durch Emanzipation unabhängiger gemacht haben.
Doch das Ideal, daß sich alle lieben und keiner eifersüchtig ist, bleibt in Frage gestellt. Es ist nicht vollkommen umsetzbar, und auch neuere kulturelle Entwicklungen haben hierauf keinen Einfluß.
Es gibt genügend Beispiele in der Geschichte, in denen versucht worden war, eine polygame Lebensweise durchzusetzen, und nirgendwo konnte Haß und Eifersucht vermieden werden. Auch hier ist die einzige Möglichkeit, eine solche Lebensweise zu erzwingen, die Verdrängung.
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Der Mensch ist also von seinem Wesen her nicht ausschließlich polygam. Ich denke, daß folgendes durch meinen Exkurs deutlich geworden ist: Der Konflikt zwischen monogamen Bestrebungen und außerpartnerschaftlicher Beziehungslust bleibt ungelöst.
Wo das eine favorisiert wird, wird das andere verdrängt, und beides gleichberechtigt nebeneinander kann nur schwer existieren, da sich Monogamie und Polygamie im Prinzip ausschließen. Es bleibt (leider) nur etwas hinzuzufügen:
Der Mensch muß mit diesem Konflikt leben. Jeder muß für sich entscheiden, wie er diesen Konflikt löst.
Es gibt kein Patentrezept. Eine annähernd intelligente Lösung ist die Akzeptanz der anderen Seite. Entscheidet sich ein Paar für die Monogamie, muß es akzeptieren, daß die Lust auf andere Sexualpartner oder gar andere Beziehungen nicht zu vermeiden ist.
Entscheiden sich mehrere Menschen für die Polygamie, müssen sie auch Eifersucht als festen Bestandteil annehmen. Insgesamt ist es wahrscheinlich sinnvoll, sich selbst und den anderen nicht mit Idealen zu überfordern, wobei es wiederum nicht unsinnig ist, nach solchen zu streben. Man muß versuchen, für sich einen Mittelweg zu finden, und die menschliche Unvollkommenheit zu akzeptieren. Niemand kann vollkommen monogam oder vollkommen polygam sein.
Weder Lust noch Eifersucht können vermieden, weder Treue noch Toleranz erzwungen werden. VIII. Komik
In der Szene 13 und auch an vielen anderen Stellen des Theaterstücks entstehen die Komik und das Lachen meistens aus einem Gefühl der Überlegenheit des Lachenden. Zwei verschiedene Ebenen entstehen.
Der Lachende steht über dem Lachobjekt, das aufgrund seines sozialen oder geistigen Niveaus deutlich unter dem Lachenden steht.
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Die Überlegenheit des Zuschauers, die durch Sprache, Stil und Verhalten ausgedrückt wird, führt zu einer starken Distanz zwischen Lachendem und Lachobjekt, und somit zum komischen Effekt.
Zum Beispiel wirkt die Frage nach dem Geschlecht in der Szene 13 komisch, da für den Zuschauer die Situation eindeutig ist („Vous êtes donc un homme?“(S.181)).
Auch die Frage Mesrins, ob Azor weitere Menschen kennt, spiegelt den stark eingegrenzten Erfahrungshorizont des Lachobjekts wieder („...vous connaisez des personnes?“(S.181)).
Die Überlegenheit wird hier eindeutig erkannt, jedoch nicht negativ einseitig moralisierend verwendet, d.h. daß der Lachende, in diesem Fall der Zuschauer, ein gutmütiges Lachen zeigt und nicht das Lachen als innere Befriedigung sieht. Betrachtet man die Gründe für das Lachen, so findet man heraus, daß das Lachen einerseits die bestehende oder gezeigte Gesellschaftsform kritisiert oder vielleicht eine neue „Ordnung“ herstellen will.
Wenn ein Lachen beim Zuschauer hervorgerufen wird, kann durchaus das Ziel des Schriftstellers erreicht werden, Bestehendes anzuzweifeln und Neues zu erreichen, da das Lachen meistens eine Verneinung der dargestellten Situation zeigt. Elemente der Absurditätskomik lassen sich auch in der Szene finden. So ist die von Mesrin an Azor gestellte Frage, ob er Mahlzeiten einnimmt, absurden Charakters, da die Nahrungsaufnahme für den Zuschauer selbstverständlich ist („...,prenez-vous vos repas?“(S.182)).
Es ist interessant herauszufinden, auf welche Weise es Marivaux gelang, eine Komödie zu schreiben, die die Aspekte der Wertekritik und Didaktik in sich vereint hat.
Es wirkt so, als ob sich Marivaux darüber bewußt war, daß er die Zuschauer und Leser nur dann von seinen Absichten überzeugen konnte, wenn er sie auf unterhaltsame Art und Weise auf diese hinführte.
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IX. Schlußbemerkung
Meine Untersuchungen zur Freundschaftskonzeption Azors und Mesrins sind erschreckend negativ ausgefallen.
Freundschaft und Liebe scheinen von kurzer Dauer und von großer Oberflächlichkeit geprägt zu sein. Jedoch wollte Marivaux sicherlich eine agressive Kritik am Wertesystem der Gesellschaft leisten. Der Leser oder der Zuschauer erleben die Kritik als lauten Warnhinweis auf die Wertedefizite in unserer Gesellschaft.
Durch das Lesen der Szene 13 kann man schon auf die „chaotische“ Weiterentwicklung des Stückes schließen. Die Unbeständigkeit von Freundschaft oder von menschlicher Bindungen führt zu einer rastlosen Suche nach Bestätigung und Stärkung der Eigenliebe. Der Teufelskreis bleibt geschlossen.
Arbeit zitieren:
Christoph Eckernkemper, 2002, Liebeskonzeption in La Dispute (Marivaux), München, GRIN Verlag GmbH
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