1. Das primäre Dreieck
Die beiden Familienforscherinnen der Universität Lausanne School of Medicine ,Elisabeth Fivaz-Depeursinge und Antoinette Corboz-Warnery, veröffentlichten im Carl-Auer-System Verlag das Buch „ Das primäre Dreieck; Vater, Mutter und Kind aus entwicklungstheoretisch-systematischer Sicht“, welches ich als Basisliteratur verwendet habe.
Durch die Tatsache, daß sich Forscher mit dem Thema des `Primären Dreieckes` beschäftigten, betraten sie Neuland im Bereich der Familienpsychologie. Viele Forscher haben sich schon mit Beziehungen beschäftigt. Entweder legten sie jedoch ihr Augenmerk auf Zweierbeziehungen, die sich innerhalb oder außerhalb einer Familie abspielen konnten, oder sie erforschten das familiäre Dreieck aber weitgehend in Familien mit Kindern, die über die „ödipale Phase“( vlg. 2.) S. 675) hinaus geschritten waren.
1.1. Fragestellung
“ ... besteht unser Ziel darin, eine funktionale bzw. klinische Typologie von Familienallianzen zu erstellen.” ( vgl. 1.) S. 48).
Das Forscher-Team hatte es sich zum Ziel gemacht, den Ursprung der Vertrauensbeziehung in der Familie zu erforschen, um daraus eine Familientypologie zu erstellen. Ihnen war das Phänomen der frühesten familiären Beziehung jedoch noch relativ unbekannt. Aus den Forschungsergebnissen andere Forscher wußten sie jedoch, daß es schwierig werden würde, die Familie als Triade zu beobachten. Bisher war es anderen Forschern noch nicht gelungen, die Triade in der Familie so zu beobachten, daß auch die Teilbeziehungen der einzelnen Familienmitglieder berücksichtigt werden konnten. Alle waren sich jedoch sicher, daß eine genaue Beobachtung der Triade nur dann möglich sei, wenn auch alle Zweierbeziehungen ( Dyaden) in der Familie beobachtet würden.
Und zwar reiche es nicht, z.B. nur die Dyade des Kindes mit seiner Vertrauensperson ( meistens die Mutter) zu betrachten, sondern es müßten alle Dyaden ( Mutter - Kind, Vater - Kind und auch Mutter - Vater) einbezogen werden. Anderen Forschern war es vorher auch noch nicht gelungen, eine Methode zu entwickeln, die der Komplexität der Familie gerecht wird. Mit der Methode, die Elisabeth Fivaz-Depeursinge ,Antoinette Corboz-Warnery und ihr Team verwendeten, gelang es jedoch , die Dyaden und die Triade der Familie zu beobachten. Das Forscher-Team entwickelte das "Lausanner Trilogiespiel".
2. DAS LAUSANNER TRILOGIESPIEL
Das Lausanner Trilogiespiel ist, obwohl es ein wissenschaftliches Experiment war, letztendlich wirklich ein Spiel.
Es wurden Familien gesucht, die bereit waren sich beim Spielen von einem Forscher-Team beobachten zu lassen. Diese Familien bestanden aus Vater, Mutter und einem Kind, welches zwischen 8 und 40 Wochen alt sein mußte. Einige der Familien wurden durch Aushänge z.B. bei ihrem Kinderarzt auf das Experiment aufmerksam. Andere wurden jedoch gezielt von ihren Therapeuten geschickt.
Wenn die Familien nun zum Spiel erschien, erhielten sie eine Einweisung durch eine Beraterin, die den Familien gleichzeitig auch zusicherte nach dem Spiel ein ausführliches, individuelles Feed-back zu geben.
Die Familien bekamen die Aufgabe gemeinsam zu spielen. Sie sollte dies jedoch in 4 bestimmten Konfigurationen tun. Es gibt drei mal die Konfiguration 2 + 1 und einmal die Konfiguration 3 gemeinsam. So könnten z. B. zuerst Mutter und Kind miteinander spielen, während der Vater in der Peripherie sein sollte. Danach könnten Vater und Kind spielen, während die Mutter in der Peripherie ist. Später spielen Mutter, Vater und Kind gemeinsam und dann folgt der Spielabschnitt, in dem Mutter und Vater sich miteinander beschäftigen, während das Kind in der Peripherie ist.
Während des ganzen Spiels können die Eltern frei entscheiden. Sie entscheiden wie lange jeder Spielabschnitt dauern soll, wie die Übergänge zwischen den Spielabschnitten gestaltet werden, in welcher Reihenfolge die Spielabschnitte
aufeinander folgen sollen. Auch können sie entscheiden, wie der Kindersitz, in dem das Kind während des Spiels sitzen sollte, eingestellt wird.
Der Kindersitz steht auf einem Tisch. Die Eltern sitzen auf Stühlen vor dem Tisch und zwar so, daß das Kind beide gut sehen kann. Hinter den Stühlen der Eltern befindet sich eine Kamera, die das Kind filmt. Die Eltern werden von einer Kamera gefilmt, die sich, so wie auch die Forscher, hinter einer Einwegscheibe befindet, die gegenüber der Eltern aufgebaut wurde.
Die Art und Weise, wie die Eltern mit der neuen Situation umgehen, wie sie sich koordinieren und wie sie miteinander umgehen, wird von den Forschern beobachtet und ausgewertet. Zu der Art und Weise, wie die Forscher das Verhalten der Familien bewerten, werde ich später kommen.
In jedem Spielabschnitt gibt es unzählige Möglichkeiten, wie die Familie eine Situation meistert. Im ersten Spielabschnitt, wenn z.B. die Mutter als erste mit dem Kind in eine Interaktion eintritt, beschäftigt sie sich so mit dem Kind, wie sie es gewohnt ist. Die Schwierigkeit für den Vater in dieser Situation besteht darin, sich als dritte Partei weder einzumischen noch sich auszugrenzen. D.h. er darf die Interaktion zwischen Mutter und Kind ( Dyade) nicht zerstören, er muß aber gleichzeitig passiv an der Interaktion teilnehmen ( Triade). Er hat also die Aufgabe des “ teilnehmenden Beobachters” (vgl. 1.) S. 51). Eine andere Schwierigkeit für die Eltern besteht darin, zu erkennen, wann es an der Zeit ist, zu einem neuen Spielabschnitt überzugehen. Sie müssen die Situation richtig einschätzen und sich dabei koordinieren, damit der Übergang gelingen kann. Nach dem Wechsel zum nächsten Spielabschnitt stellen sich der Familie ähnliche Herausforderungen. Das gesamte Spiel wird häufig mit der Zeit schwieriger, da das Kind gelangweilt oder überfordert sein könnte. Nach dem Wechsel muß nun z.B. der Vater mit der Laune des Kindes umgehen. Es zeigt sich nun, ob er mit der Situation allein umgehen kann. Ist er vielleicht geneigt, sich Hilfe von der Mutter zu holen? Andererseits muß die Mutter, die sich in diesem Spielabschnitt in der Rolle der dritten `beobachtenden` Partei befindet, an ihre Rolle halten und darf die Interaktion nicht unterbrechen. Wieder muß eine Interaktion in der Dyade statt finden, aber es sollte auch eine Koordination mit der Partei, die sich in der Peripherie befindet statt finden, um z.B. den Spielabscnittwechsel zu koordinieren. Als nächstes sollten dann alle drei Familienparteien gemeinsam spielen.
In diesem Spielabschnitt wird weitaus mehr von der Familie erwartet, denn eine Interaktion zu dritt ist noch viel komplexer, als die in einer Dyade. So müssen sich die Eltern jetzt noch viel mehr abstimmen und koordinieren. Nicht nur, wann sie einen neuen Spielabschnitt beginnen möchten, sondern jede Aktion muß koordiniert werden. Gerade in dieser Phase werden Fehlkoordinationen besonders deutlich. Zum Schluß sollte die Konfiguration folgen, in der sich Mutter und Vater miteinander beschäftigen, während das Kind in der Peripherie sein sollte. Aufgabe der Eltern ist es nun, eine eigene Dyade aufzubauen, aber trotzdem die Fürsorge für ihr Kind nicht aus den Augen zu verlieren. Sogar Kinder ab 8 Wochen sind in der Lage einer aktiven Interaktion seinen Eltern zu folgen. Selbst so kleine Kinder sind oft in der Lage sich mit sich selbst zu beschäftigen, auch wenn sie z. T. noch Hilfestellung bedürfen.
Aber nicht nur die vier Konfigurationen sollten beachtet werden, sondern auch die Übergänge dazwischen. Auch hier kommt es wieder auf die Koordination in der Familie an. Die Eltern müssen diese Koordination bewältigen, ohne lange zeit für große Kommunikation zu haben, denn sie wissen, daß die Aufmerksamkeit ihres Kindes begrenzt ist. Auch muß der Wunsch die Konfiguration zu wechseln dem Ehepartner deutlich gemacht werden. Nach der Abstimmung der Ehepartner sollte der Wechsel aber auch für das Kind offensichtlich sein. Es wird deutlich, daß auch die Übergänge zwischen den Spielabschnitten, eine Herausforderung für die Eltern ist.
Die Forscher betonten, daß der “Erfolg” des Versuchs von vielen nicht vorhersehbaren Faktoren abhängt. So ist es nie vorhersehbar, wie die z.B. die Laune des Kindes an einem bestimmten Tag ist, wie das Verhältnis der Familie zum Forscher-Team oder auch wie der Dynamik der Familie ist.
2.1. Familienallianzen
Die Wissenschaftler beobachten also die Familie während es Lausanner Trilogiespiels unter der Fragestellung, wie Eltern und Kind die vier Konfigurationen bewältigen, um daraus eine Familientypologie zu erstellen. Der Erfolg der Zusammenarbeit ist abhängig von der Familienallianz (vgl. 1.) S. 56). Eine Familienallianz kann gut oder eher schlechter sein. Dies ist davon abhängig, wie die Familie zusammenarbeitet, ob sie ein Team ist, oder ob sie sich
gegenseitig behindern und somit eine gute Zusammenarbeit unmöglich machen. Die Familie soll im eine Gruppe bilden, die wie ein System gemeinsam fungiert. Dieses System der Familie in der Familienallianz wurde in zwei Subeinheiten eingeteilt. Die “Rahmende Subeinheit” und die “ Sich entwickelnde Subeinheit”. Die Eltern bilden die “ Rahmende Subeinheit”. Sie sollen die “ Sich entwickelnde Subeinheit” lenken und seine Entwicklung fördern.
Die “ Sich entwickelnde Subeinheit”, die das Kind bildet, soll sich zu Eigenständigkeit und Autonomie entwickeln. Außerdem soll sie die “ Rahmende Subeinheit” motivieren seine Aufgaben weiter zu führen.
Um das Ziel des Lausanner Trilogiespiels zu erreichen, muß die Familie gut zusammen arbeiten. Wichtig hierbei war jedoch nicht, daß alles perfekt abläuft, sondern, daß das Ziel des gemeinsamen Spielens erreicht wurde. Das gemeinsame Spiel wiederum ist aber nur möglich,
Es war zu erwarten, daß einige Familien besser, andere jedoch eher schlechter im gemeinsamen Spiel miteinander zusammen arbeiteten. Die Wissenschaftler bemühten sich um eine Einteilung der Familien und erstellten somit 4 Typen von Familienallianzen.
Sie legten 4 Kriterien (Interaktionsebenen) fest, auf die die Familien hin beobachtet wurden.
Das erste war die "Beteiligung". Es wurde bewertet, ob alle drei Parteien in das Spiel einbezogen sind oder ob das Gleichgewicht der Beteiligung nicht stimmt. So könnte es z.B. sein, daß ein Elternteil den anderen ausschließt, daß sich ein Elternteil selbst aus dem Spiel herauszieht oder daß die Eltern nicht in der Lage sind, das Kind zum Spielen zu ermuntern.
Das zweite Kriterium ist die "Organisation". Hierbei wird beachtet, ob jeder Teilnehmer in seiner Rolle ist. D.h. die Partner müssen die Spielanleitung berücksichtigen. In ihr ist die Organisation vorgegeben. Das Spiel kann jedoch nur gelingen, wenn sich die Spieler an ihre Rollen halten.
Als drittes folgt der "Aufmerksamkeitsfokus". Dies ist das Kriterium, in dem beurteilt wird, ob jeder am Spiel teilnimmt. Damit das Spiel erfolgreich sein kann, müssen alle drei Teilnehmer ihre Aufmerksamkeit auf den gerade statt findenden Spielabschnitt lenken.
Als letztes Kriterium zur Beurteilung benannten die Forscher den "Affektiven Kontakt".
Es ist von Bedeutung, daß jeder Partner mit seinen Mitspielern in Kontakt ist. Es ist hiermit jedoch nicht nur der verbale Kontakt, den die Spieler während des ganzen Spiels zur Kommunikation benutzen, sondern auch die Gestik und die Mimik gemeint. So erfolgt die Kontaktaufnahme z. B. auch durch Blicke, Körperhaltung, usw..
Die Forscher beobachten die Familien also nach den aufgeführten Kriterien. Wenn die Forscher „...unsere gesunde Menschenverstand, unsere Intuition, unsere klinische Erfahrung und unsere Kenntnis der Aufgabenstellung des Lausanner Trilogiespiels benutzten, konnten wir beurteilen, ob die Familien zusammenarbeiten und die Partner sich gegenseitig helfen.“ (vgl. 1.) S. 48).Im Ergebnis läßt sich dann eine Einteilung in verschiedene Typen von Familienallianzen darstellen.
Der Typ A ist der “kooperative” Typ. Im Spiel der Familie ist ein roter Faden erkennbar.
Die Familie hat Spaß am gemeinsamen Spiel und selbst wenn kleine Fehler passiere, was sich nicht ausschließen läßt, werden diese schnell und unkompliziert ausgeglichen.
Beteiligung, Organisation, Aufmerksamkeitsfokus und Affektiver Kontakt werden bei diesem Typ recht erfolgreich umgesetzt.
Typ B ist der “ angespannt” Typ. Im Spiel wird eine leichte Unsicherheit der Eltern deutlich. Die Koordination läuft nicht so flüssig ab, wie beim Typ A, aber die Eltern geben sich Mühe und zeigen guten Willen das Spiel so gut wie es ihnen möglich ist zu beenden.
Typ C ist der "kollusive " Typ. Im Spiel diese Typs konkurrieren die Eltern und sie verhindern somit, daß sie das Spiel erfolgreich beenden, obwohl sie sich Mühe geben und willig sind ihr bestes zu geben, um doch noch Erfolg zu haben. Bei diesem Typ gibt es jedoch noch die Unterscheidung in C1, den kollusiven Typ, in dem die Eltern ihre Konkurrenz nicht verstecken, sondern nach außen hin ausfechten, und C2, den kollusiven Typ, der versucht seine Konkurrenz zu verstecken.
Typ D ist der "gestörte" Typ. Die Eltern konkurrieren auch hier. Jedoch entstehen
hier chaotische Zustände. Es ist nichts zu erkennen von Beteiligung, Organisation, Aufmerksamkeitsfokus oder affektivem Kontakt. Auch dieser Typ läßt sich in D1 (chaotisch) und D2 ( starr) einteilen.
2.2. ARBEITSALLIANZEN
In die Arbeitsallianz involviert ist das Verhältnis zwischen der Familie und dem Forscher-Team. Genau , wie bei der Familienallianz besteht auch dieses System aus zwei Subsystemen. Das System wird durch die gemeinsame Arbeit gebildet. Bei der Arbeitsallianz bilden die Forscher die "rahmende" Subeinheit. Die Familie bildet in der Arbeitsallianz die "sich entwickelnde" Subeinheit. Zusätzlich bildet die Familie im System der Familienallianzen, noch ihrer eigenen zwei Subsysteme, nämlich die Eltern als "rahmende" und das Kind als "sich entwickelnde" Subeinheiten.
Genau wie auch schon bei der Familienallianz, ist es wichtig, daß die Subeinheiten als System gut zusammenarbeiten und sich nicht gegenseitig behindern und somit eine gute Zusammenarbeit unmöglich machen. Generell läßt sich laut den Autoren sagen, eine schlecht Familienallianz auch eine eher schlecht Arbeitsallianz nach sich zieht. Auf eine bessere Familienallianz folgt jedoch generell eine bessere Arbeitsallianz.
Die Forscher müssen sicher stellen, daß die Familien so wenig wie möglich von der wissenschaftlichen Beobachtung beeinflußt werden.
Auch müssen sie in der Beurteilung das bühnenhafte Umfeld berücksichtigen.
2.3. NONVERBALE HANDLUNGEN
Um die Familienallianzen noch besser erforschen zu können, legten die Forscher des Weiteren Augenmerk auf nonverbale Handlungen. Um dies möglichst genau und gleichmäßig machen zu können, teilten sie den Körper ihrer Versuchspersonen in vier Interaktionsebenen ein.
1. Unterkörper
2. Oberkörper
3. Blickrichtung
4. Ausdrucksverhalten Diese Interaktionsebenen konnten dann den vier Kriterien der Familienallianz zugeteilt werden. Die Beteiligungsformation wurde dem Unterkörper, die Organisationsformation dem Oberkörper, der Aufmerksamkeitsfokus der Blickrichtung und der affektive Kontakt dem Ausdruckverhalten zugeordnet.
2.4. Triangulierung
Formationstypen und Rahmenkonstruktion.
Es ist ein aus 4 Ebene bestehendes System mit Pyramidenstruktur Die Forscher beobachteten also die Familien auf Grund der erwähnten Kriterien und waren somit in der Lage eine Pyramidenstruktur zu bilden, mit welcher sie die Trianguläre Rahmenstruktur im Lausanner Trilogiespiel zunächst beschreiben konnten. Es entstand somit ein System welches aus den vier Ebenen ( Beteiligung, Organisation, Aufmerksamkeitsfokus und affektiver Kontakt), vier physischen Ebenen ( Unterkörper, Oberkörper, Blickrichtung und Ausdrucksverhalten) und den drei Spielteilnehmern bestand. Die verschiedenen Formationen in der Pyramidenstruktur beeinflussen sich gegenseitig mehr oder weniger. Die Forscher konnten diese Struktur beobachten und somit eine Anbzw. eine Fehlanpassung im Spiel der Familien feststellen.
Diese Modell läßt sich auf so gut wie alle Familien anwenden, die im Rahmen des Lausanner Trilogiespiels getestet wurden (siehe Frascarolo, Fivaz-Depeursinge a. Corboz- Warnery in press.).
Das Modell ist in der Lage drei Personen und deren Bezug zueinander gleichzeitig zu beobachten. Auch können mit Hilfe des Modells die unterschiedlichsten Bewegungen der Spielteilnehmer den Ebenen der Pyramide zugeordnet werden, es können An- und Fehlanpassungen erfaßt werden und es läßt sich auch auf andere trianguläre Interaktionen anwenden. Diese Aspekte machen es den Forscher natürlich einfacher, ihre Beobachtungen an den Familien zu interpretieren.
Wie schon erwähnt ist es das Ziel des Lausanner Trilogiespiels gemeinsam zu spielen. Des Weiteren soll eine gute Zusammenarbeit in der Familie und auch zwischen der Familie und dem beobachtenden Forscher-Team gewährleistet sein. Bedingung hierfür ist jedoch, daß die Familie in allen vier Konfigurationen zu dritt ist, d. h., daß sie in Beteiligung, Organisation, Aufmerksamkeitsfokus und affektivem Kontakt zu dritt sein muß. Des Weiteren sollte die Familie sowohl in positiven als auch in negativen Kontexten einen Bezug zueinander haben. D.h. die Familie darf seinen Bezug zueinander nicht verlieren, nur weil eventuell ein Problem oder ein Fehler während des Spielens aufgetreten ist. Auch sollte die Kommunikation während des Spiels der Entwicklungsstufe des Kindes angepaßt sein, denn für den positiven Ausgang des Spieles ist auch die Kooperation und die Kommunikation des Kindes erforderlich.
3. Kommentar
Nachdem ich mich nun sehr intensiv mit diesem Buch beschäftigt habe, muß ich sagen, daß ich es zur Einführungslektüre nicht empfehlen würde. Es könnte mit Sicherheit durchaus interessant sein, es zu überfliegen und den doch sehr komplexen Inhalt beiläufig zu rezipieren, aber ich denke, daß dies Zeitverschwendung wäre, denn die Thematik verlangt tatsächlich intensive Aufmerksamkeit. Pflichtlektüre ist diese Untersuchung m. E. jedoch für jeden, der sich beschäftigt mit der Psychologie der Primärfamilie und deren Komplexität.
An der Ausarbeitung der Messungskriterien , bei denen die Autorinnen auf den „gesunden Menschenverstand“, „Intuition“, „Erfahrung „ und „das Kennen der Aufgabenstellung“ (vgl. 1.) S. 48 in ) rekurrieren, ist zu arbeiten, so daß auch weitere Teams diese fruchtbaren Untersuchungen fortführen können. Der gesunde Menschenverstand, die Intuition, die Erfahrung und die Kenntnis der Aufgabenstellung, so läßt sich vermuten, sind bei unterschiedlichen Beobachtern nicht identisch ausgeprägt, was eine schlecht Vergleichbarkeit der Ergebnisse zur Folge haben könnte.
Diese Kriterien bedürfen Operationalisierung.
Quellenangaben:
1.) E.Fivaz-Depeursinge; A.Corboz-Warnery: Das primäre Dreieck. Vater, Mutter und Kind aus entwicklungstheoretisch- systematischer Sicht. 1.Auflage. Heidelberg : Carl-Auer-Systeme Verlag 2001 2.) W. Arnold, H.J. Eysenck, R. Meili (Hrsg.) : Lexikon der Psychologie. 2. Auflage. Freiburg im Breisgau : Verlag Herder KG Freiburg im Breisgau 1977 ( 2.Band)
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Kari-Linn Bargfeld, 2001, Das primäre Dreieck, München, GRIN Verlag GmbH
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