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Was ist ein Gleichnis?
1.1. Einleitung
Gleichnisse gehören zu der ursprünglichen Verkündigung Jesu und bilden den Kern seiner Botschaft vom Reich Gottes. Sie sind anschaulich erzählt und greifen das tägliche Leben der Menschen auf. Es sind Geschichten aus dem Leben, für das Leben. Mit ihnen gelingt es Jesus, in einzigartiger Weise das Reich Gottes so zu erzählen, das es den Menschen nahe kommt, in ihr Leben hinein reicht und dieses Leben dadurch verändert, verwandelt, ihm eine Richtung gibt. Nicht von ungefähr haben diese Geschichten die Menschen von Anfang an fasziniert und in ihren Bann gezogen. Aber Gleichnis ist nicht gleich Gleichnis. Es werden Unterschiede zwischen verschiedenen Erzählformen gemacht, die verwendet werden. Erst wenn man erkennt, in welcher Erzählform ein Gleichnis geschrieben worden ist, ist es möglich, einen richtigen Interpretationsansatz zu machen.
1.2. Definitionen
Die allegorische Auslegung (=Allegorese) wurde in der Antike entwickelt, um die maßgeblichen Schriften (z.B. des Homer) für die eigene Gegenwart zu aktualisieren. Im Judentum und Christentum hat man die Allegorese aufgegriffen und auf die biblischen Texte angewandt. Dabei geht man davon aus, dass im biblischen Text eine göttliche Wahrheit verborgen ist. Diese Wahrheit ist nicht allen und nicht ohne weiteres zugänglich. Sie liegt gewissermaßen, hinter den Worten. Um sie zu entdecken, braucht der Ausleger die Führung durch den Geist Gottes. Von diesem Geist geleitet kann die Auslegung die Wahrheit ans Licht bringen. Da es sich um göttliche Wahrheit handelt, achtet die Allegorese auf jedes einzelne Detail des Textes. Wichtig ist aber nicht der buchstäbliche Sinn, sondern der geistliche Tiefsinn, der in den Buchstaben verborgen ist. Die Leitfrage der allegorischen Auslegung ist also: Von welcher Wahrheit bzw. von welchen Wahrheiten spricht der Text, und welche Bedeutung liegt darin für die eigene Gegenwart ? Theophylakt (ca. 1050-1108)
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„Das Senfkorn ist die Verkündigung und sind die Apostel; es ist aber auch ein Bild für die Tugend. Die Vögel des Himmels sind die milden und sanften gleichsam gefiederten Einsichten von oben und damit die Engel. Wie nun das Senfkorn unscheinbar ist, soll man die Tugend nicht zur Schau stellen. Dass das Senfkorn, wenn es heranwächst, größer wird als alle Gartengewächse, weist darauf hin, dass sich die Tugend schließlich über alles Schwache und Unvollkommene erhebt und den Engeln Raum gibt. Wenn aber die Engel in einem Ruhe finden, bewirken sie einen engelhaften Wandel“ (zitiert nach Johannes Chrysosthomus 3). Über viele Jahrhunderte war die Allegorese die allgemein anerkannte Auslegungsart der Gleichnisse. In ihnen ging es immer um einen religiösen Grundgedanke, der mit Hilfe einer Bildhälfte ( also z.B. der Senfsame) und einer Sachhälfte ( z.B. Reich Gottes ) erläutert werden. Bild- und Sachhälften fallen immer in einem einzigen Vergleichspunkt zusammen, dem sogenannten tertium comparationis. An seinen Gleichnissen kann man Jesus als Lehrer der Menschheit und Überbringer einer klaren Botschaft erkennen. Die Gleichnisse sind dementsprechend als Lehre aufzufassen, die religiöse Grundwahrheiten illustrieren.
Die „klassische“ Bibelwissenschaft unterscheidet nicht nur zwischen dem eigentlichen „Gleichnis“ und der „Allegorie“, sondern auch noch zwischen der „Beispielgeschichte“ und der „Parabel“. Die Parabel ( griech. Vergleich/Gleichnis )ist eine frei erfundene Geschichte, die nicht alltäglich ist aber irgendwann mal so passiert sein könnte. Dabei konzentriert sich die Parabel meist auf einen wesentlichen Punkt, den „Brennpunkt“. Im Gegensatz zum Gleichnis fehlt aber die direkte Verknüpfung mit dem zu erläuternden Sachverhalt. Der Verwalter eines großen Gutsbetriebes, dessen unlautere Machenschaften aufgedeckt werden, versucht sein Schäfchen ins Trockene zu bringen, indem er den abgabepflichtigen Pächtern seines Chefs durch Urkundenfälschung ihre Schulden vermindert und sie sich so zu Sinne Komplizen und Freunden macht. Für diese „Klugheit“ wird er von Jesus sogar noch gelobt.
Hier wird die Szene mit dem Steuereintreiber dargestellt ( Lukas 16,1-9 ), dem Jesu dies nicht übel nimmt, sondern ihn sogar dafür lobt. Für Juden zur Zeit Jesu stellte das Zinsnehmen einen Bruch der „Gerechtigkeit“ dar Aber paradoxer Weise, soll genau diese Szene nicht die Ungerechtigkeit darstellen, sondern genau das Gegenteil. Die Parabel will hiermit den Menschen anleiten, die Gerechtigkeit des Reiches Gottes in ihrer Lebensgeschichte zu entdecken und in ihrem Alltag Raum zu schaffen.
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Die Beispielgeschichte ist eine epische Kurzform und soll bei den Zuhörern ein exemplarisches Beispiel vor Augen führen das dann die Hörer nachahmen sollen.
Als häufigstes Beispiel wird hierfür der barmherzige Samariter hinzugezogen ( Lukas 10,29ff, „So geh hin und tu desgleichen !“ ). Zu diesen vier verschiedenen Formen gesellen sich noch nach meiner Ansicht zwei wichtige Strukturelemente. Es werden geschickte Lehrsätze als Abschluss genommen wie z.B. „So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzen sein“(Markus 4,30 ) oder Jesus will durch Einleitende und abschließende Fragen seine Zuhörer zum Mitdenken auffordern z.B.:
„Und er sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden?“ ( Markus 4,30 ). Was man noch anmerken könnte wäre das fast aus jedem unbedeutenden Anfang, wenn gleich er schrecklich ist ein herrliches Ende wird.
1.3. Gleichnisse Jesu
Gleichnisse sind ansprechende Texte. Die Erzählung vom barmherzigen Samariter bringt auf eindrückliche Weise zur Sprache, was es heißt, einem anderen zum Nächsten zu werden, die Geschichte vom Schaf, das sich verirrt hat und dem der Hirte nachgeht, bis er es findet, weckt die Hoffnung, dass Gott die Menschen nicht allein und sich selbst überlässt. Ein Senfkorn ist klein und unscheinbar und lässt doch zugleich ahnen, was aus ihm wird, wenn es aufgeht und wächst. In der Exegese herrscht Einigkeit darüber, dass die Gleichnisse zentraler Bestandteil der Verkündigung Jesu sind. In formaler Hinsicht handelt es sich um kleine, gerundete Erzählstücke die eine für Jesus charakteristische Redeform darstellen. Inhaltlich betrachtet greifen die Gleichnisse alltägliche Beobachtungen und Erfahrungen auf und spitzen sie theologisch zu, meistens auf das Reich Gottes hin. Die Gottes-Reich- Verkündigung stellt das Kernstück der Verkündigung Jesu dar. Damit ist bereits eine theologische Einsicht verbunden: Über Gott und seine verheißene Herrschaft zu sprechen, ist allem Anschein nach nur in gleichnishafter Weise möglich. Gott entzieht sich jeder Feststellung und Definition. Insofern ist das Gleichnis nicht nur faktisch eine bevorzugte Redeform Jesu, sondern zugleich eine jedem Reden von Gott angemessene Redeform. Aus diesem Grund verlangen Gleichnisse aber auch nach Interpretation. Sie sind deutungsbedürftig und deutungsfähig. Deshalb hat man in der Geschichte der Gleichnisauslegung gewissermaßen eine Kurzfassung der Auslegungsgeschichte des Neuen Testaments vor sich. Von hier aus ist auch zu verstehen, dass die Literatur immer wider anknüpfend auf Motive aus den Gleichnissen
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zurückgegriffen hat. Gleichniselemente prägen unsere Alltagssprache, selbst dort, wo ihr biblischer Ursprung nicht mehr allgemein bekannt ist (barmherziger Samariter). Die Kenntnis der Gleichnisse erweist sich somit als notwendiger Schlüssel zur kulturellen und künstlerischen Überlieferung. Schließlich öffnen die Gleichnisse den Blick über die vorhandene Realität hinaus. Sie blenden dabei die Realität nicht aus, fügen ihr als neues Element aber die Aussicht auf das Reich Gottes hinzu und verändern damit den Blick auf die Realität. In den Gleichnissen ist die gegenwärtige Realität mit der Perspektive auf Gott und seine Zukunft verbunden. Damit erweisen sie sich potentiell gegenwarts- und zukunftsrelevant für jedermann.
1.4. Kurze Zusammenfassung
Gleichnisse sind kleine kunstvolle Erzählungen. Ihr Handlungsablauf weist in der Regel keine größeren Verstehensschwierigkeiten auf und ist in der Regel leicht nachzuvollziehen, meist treten nur wenige Personen in einer klaren Zuordnung zueinander auf. Das heißt jedoch nicht das die Gleichnisse einfache Geschichten sind.
Sie greifen Erfahrungen aus dem alltäglichen Leben auf und behaupten gleichzeitig einen Zusammenhang zwischen diesen Erfahrungen und der Herrschaft Gottes.
Damit rücken die Erfahrungen in einen neuen Horizont, den sie zu beschreiben helfen (wie zum Beispiel das Wachsen des Senfkorns auf das Gottesreich hinweist), vor dem sie aber auch in einem anderen Licht erscheinen sollen.
Gleichnisse sind keine Rätsel und keine Lehrtexte, sondern geben zu denken und zu ahnen. Zwar werden sie in der synoptischen Tradition durchaus als „Lehre“ bezeichnet, aber sie enthalten keine Lehrsätze deren Richtigkeit man zur Kenntnis nehmen könnte. Sie sind auch keine (allegorischen) Rätsel, die man lösen könnte und deren Lösung man dann wüsste. Sie verknüpfen vielmehr die erfahrbare Wirklichkeit mit der Möglichkeit Gottes und geben dadurch dem Denken und Ahnen einen neuen Impuls und eine Richtung. Sie lassen sich also nicht definitiv bzw. absolut interpretieren.
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2.1. Einleitung
Es ist möglich, Gleichnisse vielseitig zu interpretieren, man kann sie in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen und die wildesten Interpretationsansätze machen, oder aber sie als ganzes betrachten. Bei der Deutung der Gleichnisse sollte man sich nicht an Einzelheiten aufhalten, sondern darauf achten worauf das Ganze hinaus zielt. Die von Jesus erzählten Gleichnisse beinhalten ein Appell, das seine Hörer oder Leser zum Denken und Verändern auffordern soll. Jesus greift darin Bilder und Gegenstände des täglichen Lebens auf, um den Zuhörern seine Botschaft näher zu bringen und einen Bezugspunkt herzustellen, er sagt aber nie direkt, was seine Intention ist. Jetzt muß man sich natürlich die Frage stellen, warum verschlüsselt Jesus eigentlich seine Botschaften?
Er fordert also damit die Menschen zum aufmerksamen zuhören auf, sowie zum Nachdenken über das Berichtete. In der Bibel gibt Jesus auf diese Frage sogar selbst eine Antwort: Matthäus 13, 10 - 17 Vers 11 - 13
"Jesus antwortete: Euch läßt Gott erkennen wie er seine Herrschaft auf der Erde durchsetzt, die anderen nicht. Wer viel hat, dem wird noch mehr gegeben, so daß er mehr als genug haben wird. Wer aber wenig hat, dem wird auch noch das wenige weggenommen, das er hat. Aus diesem Grund benutze ich Gleichnisse, wenn ich zu ihnen spreche. Denn sie sehen, aber erkennen nichts; sie hören, aber verstehen nichts." Die Ungläubigen können die Bedeutung des Gleichnisses nicht verstehen, ihnen bleibt das Geheimnis des Reiches Gottes verschlossen. Denen, die Jesus aber Nachfolgen, werden Augen und Ohren geöffnet, sie verstehen und erkennen die Botschaft Jesu und die Größe Gottes. Es ist vielleicht für jeden Menschen möglich die "Moral" der Geschichte zu verstehen, aber nur wer glaubt kann sie Gott gewollt in seinem Leben umsetzen.
Mit den Gleichnissen sollten Menschen aller unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten erreicht werden, die Zielgruppe beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Gruppe von Menschen, sonder ist an jedes Individuum auf der ganzen Erde gerichtet. Die verschlüsselten Nachrichten müssen gedeutet bzw. können durch den Glauben an Jesus und durch das von Gott gegebene Verständnis begriffen werden.
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Es erforderte also nicht eine dreitägige Meditation oder eine zehnseitige Interpretation um die Botschaft dieser Gleichnisse offen zu legen. Es waren kurze, prägnante Erzählungen die eine klare Botschaft vermitteln sollten, die auch von einfachen Leuten verstanden werden konnte. Eine tiefenpsychologische- oder ursprungsgeschichtliche Auslegung von Gleichnissen scheint mir persönlich als nicht zwingend notwendig zu sein. Dabei stellt sich mir zum Beispiel die Frage welchen Wert für einen gläubigen Christen die Information hat, das die Evangelien ungefähr 80 Jahre nach Jesus geschrieben wurden und evtl. die Erzählungen über Jesus verfälscht worden sind. Wenn ein Glaube etwas mit hundertprozentig sicher bewiesenem Wissen zu tun hätte, wäre er keiner.
Es ist möglich einen historischen oder einen theologischen Interpretationsansatz zu machen. Der historische Interpretationsansatz verkennt dabei das religiöse bzw. göttliche oder übernatürliche, er nimmt das Gleichnis aus seinem Ursprünglichen Zusammenhang heraus. Der historische Ansatz ist nicht allgemein zu verneinen, enthält aber viele problematische Elemente, die die ursprüngliche Botschaft des Textes in den Hintergrund drängen. Jesus wollte mit den Gleichnissen eigentlich erreichen das die Zuhörer oder Leser sie theologisch auslegen, dies scheint mir also der sinnvollere Ansatz.
Im folgenden werde ich nun zur Verdeutlichung meiner distanzierten Haltung gegenüber der tiefenpsychologischen- oder ursprungsgeschichtlichen-, sowie der historisch-kritischen Auslegung diese teilweise durchführen. Im Gegensatz dazu werde ich kurz die Bedeutung des Gleichnisses für einen gläubigen Christen darstellen, welche meiner Ansicht nach eine viel treffendere Aussage enthält, die auch der eigentlichen Bestimmung des Textes entspricht.
2.2. Gleichnis Zusammenfassung
Das Gleichnis vom Hochzeitsfest Matthäus 22, 1-14 "Es war ein König der für seinen Sohn die Hochzeit ausrichtete. Er schickte seine Diener aus, um die geladenen Gäste abzuholen, denn es war alles vorbereitet. Doch die Gäste wollten nicht kommen, da sie alle etwas anderes zu tun hatten. Sie ließen ihr Abwesenheit mit billigen Ausreden entschuldigen, einige machten sich sogar über die Diener des Königs lustig und töteten sie. Das machte den König sehr zornig, er ließ die Mörder umbringen und vernichtete ihren gesamten Besitz. Da aber bereits alles vorbereitet war, schickte er seine Diener weg, mit dem Auftrag alle Menschen, die ihnen auf der Straße begegen werden, einzuladen. Als das Fest begann, fiel dem König ein Mann auf, der nicht
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festlich gekleidet war, da er keine Entschuldigung dafür nennen konnte, ließ ihn der König aus dem Haus, hinaus in die Dunkelheit werfen." Vers 14:
"Denn viele von ihnen sind berufen, aber nur wenige von ihnen sind Erwählte."
2.3. ursprungsgeschichtliche Auslegung
Durch eine ursprungsgeschichtliche Auslegung eines Textes wird versucht, der geschichtliche Hintergrund zu klären unter dem der Bibeltext entstanden ist.
Der Textproduzent verfolgt die Absicht die Worte Jesu, für die Nachwelt aufzubewahren, da er sich der enormen Wichtigkeit der Botschaft bewußt ist, die Jesus verkündet hat. Dieses Gleichnis wurde ungefähr 70 bis 80 Jahre nach Christus geschrieben. Diese Zeit beschreibt die Entstehungszeit der synoptischen Evangelien. Der Text wurde von Matthäus verfasst, welcher einer der vier Evangelisten ist. Jesus beginnt das Gleichnis mit den Worten: "Wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet, ist es wie..." . Diese Einleitung enthält im Zusammenhang mit der Geschichte eine indirekte Verhaltensanweisung an die Menschen. Sie werden aufgefordert sich nicht der Einladung Gottes zu entziehen, sondern ihr zu entsprechen, um ein großes Fest mit Gott zu feiern (Symbol für Herrlichkeit im Himmels / Paradies). Jesus spricht aber auch in einer ermahnenden oder befehlenden Form zu den Menschen, diesem Beispiel der geladenen Gäste nicht zu entsprechen. Er stellt darin aber auch unwiderruflich die Tatsache fest, dass es viele Menschen geben wird, die sich trotzdem so verhalten werden.
Die Erkenntnis über die Bedeutung von Jesus als Gottes Sohn, somit als Messias, scheint eine Motivation zu sein, dieses Gleichnis im Zusammenhang mit der Verfassung des gesamten Evangeliums zu schreiben. Er verfasst diese Schrift um das Leben Jesu, in dokumentierter Form der Nachwelt zu erhalten. Es ist durch Jesus eine "neue Religion" entstanden, die auch eine einheitliche Grundlage braucht. Mit Jesus als zentrales Vorbild, dient sein Handeln und Reden, also sein ganzes Leben als Basis für diese Glaubensrichtung. Der Autor des Textes scheint sich dazu berufen zu fühlen, einen Teil dieses Basistextes zu verfassen.
Der Text soll den Menschen Aufschluß über das Leben Jesu und seiner Ansicht vom Glauben geben. Jesus gibt eine Nachricht Gottes weiter und ist selber ein Teil davon. In dem Gleichnis wird die Realität durch hinzufügen eines göttlichen Elements erweitert, welches aber nur
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"zwischen den Zeilen" steht. Dieses soll die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf das Reich Gottes lenken.
Der Autor scheint mit dem verfassten Text keine persönliche Botschaft vermitteln zu wollen, er drückt damit höchsten seine Solidarität zu Jesus und dem Christentum aus. Er hat versucht einen neutralen Ereignisbericht zu schreibt, welcher aber durch seinen persönlichen Stil gekennzeichnet ist.
Der Text hat, wie er formuliert ist, jeden Menschen als Gesprächspartner, er enthält eine Botschaft für die ganze Welt. Im Alten Testament konzentrierte sich Gott nur auf das Volk Israel(unter anderem die geladenen Gäste,...). Durch Jesus richtet er sich aber an alle Menschen (Bettler, Leute auf der Straße).
Der Leser des Textes, ist quasi selbst Gegenstand der Geschichte. Das Gleichnis kann auch als eine Art Unterhaltung gesehen werden, in der ein Bemühen Jesu zu erkennen ist, den Hörenden positiv zu beeinflussen und seine Zustimmung zu der Geschichte zu erreichen, das er daraus die Erkenntnis zieht sich zu verändern und nicht den geladenen Gästen aus der Erzählung gleich zu werden. Jesus ermahnt seine Zuhörer. Das Gleichnis ist allgemein als zentraler Bestandteil der Verkündigung der "Guten Nachricht" zu sehen.
2.4. historisch-kritische Auslegung
Durch die historisch-kirtische Auslegung wird versucht, die Bedeutung eines Textes zur Zeit seiner Entstehung zu klären. Das Gleichnis der Hochzeit ist in sich stimmig geschrieben. Es gibt keine offensichtlichen Hinweise, die auf verschiedene Entwicklungsstufen (Bearbeiter) des Textes schließen lassen. Der Text ist auf der Grundlage von zusammen getragenen Informationen (Augenzeugen, mündliche Überlieferung) verfasst worden.
Bei genauerer Betrachtung des Textes stellt sich heraus das es sich hierbei nicht um ein Gleichnis handelt, sondern um eine Allegorie. Jesus versucht in Bildern den Menschen seine Botschaft zu vermitteln, deutet diese gemeinte Wahrheit an verhüllt sie aber doch. Jesus bewertet und verurteilt das Verhalten der bereits geladenen Gäste, die wieder absagen.
Jede Person und jeder Gegenstand sollen etwas darstellen und auf etwas übertragbar sein. In dieser Allegorie ist der Zuhörer/Leser selber Person der Geschichte. Es soll ihm durch die Erzählung klar werden, dass er sich falsch verhalten hat, oder dieses Verhalten nicht nacharmen soll. Der Text greift das Thema eines Festes feiern auf, welche damals auch immer einen besonderen Charakter trugen. Feste wurden häufig über mehrere Tage ausgedehnt. Dieses Fest und die damit verbundenen
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Elemente werden in dieser Allegorie aufgegriffen und auf Gott als einladender Gastgeber übertragen. Allgemein könnte die Hochzeit auch als ein Fest zur Vereinigung der Menschen mit Gott gesehen werden. Das Gleichnis entspricht einer Erzählung die von Jesus berichtet wird, es ist kein Erlebnisbericht Jesu. Es besteht die Möglichkeit, das diese Geschichte so in der Realität statt gefunden hat, sie ist aber keiner speziellen historischen Situation zuzuordnen. Es geht darum eine Moral zu vermitteln, ob sich dieses Ereignis tatsächlich zugetragen hat scheint von untergeordneter Bedeutung zu sein.
2.5. Ansatz einer tiefenpsychologischen Auslegung Die tiefenpsychologische Auslegung befasst sich damit, Jesus als eine Art Therapeut zu sehen, der Menschen in ausweglosen Situationen, durch seine einfühlsame Art therapieren konnte. Menschen die als besessen beschrieben wurden kann man auch als psychisch, also seelisch Kranke sehen die Gespräche brauchten um über ihre Probleme reden zu können. Mit Jesu Worten, die sehr tiefgängig waren und die Menschen oft an schwachen Punkten getroffen haben, versuchte er diese auf ihre Probleme aufmerksam zu machen, und sie so zu Selbsterkenntnis zu führen. Diese sollte eine Verbesserung ihrer Verfassung als folge haben, was man z.B. als Austreibung böser Geister sehen kann. Diese Vorgehensweise ist auch teilweise auf die Hochzeitsallegorie zu übertragen. Jesus versucht die Menschen mit einem simplen Vergleich, auf die zwangsweise zu treffende Entscheidung für, oder gegen Gott aufmerksam zu machen. In seinen Gleichnissen macht Jesus immer eine Anspielung auf seine Zuhörer, er baut sie entweder in seine Geschichten ein, oder stellt Vergleiche an, die für die Menschen relativ einfach zu interpretieren sind. Es scheint aber, als ob die biblischen Texte nur kleine Ausschnitte aus sehr intensiven Gesprächen der Zuhörer mit Jesus sind. Dieser Ansatz lässt aber ebenfalls keine religiöse Deutung oder Erklärung der Berichte zu.
2.6. Die Bedeutung des Gleichnisses für einen gläubigen Christen
Vers 14 ist der aussagestärkste Vers der Allegorie der Hochzeitsfeier. Gott hat jeden Menschen zu sich "eingeladen" und ihm die freie Entscheidung überlassen, diese anzunehmen oder abzulehnen. Jeder muß für seine Entscheidung die Konsequenzen tragen. Wer die
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"Einladung" annimmt, wird ein Fest mit Gott feiern, also zu Gott kommen und Vergebung erfahren. Wer die Einladung aber ablehnt und den Gastgeber beschämt, wird in der finsteren Dunkelheit landen und den Zorn Gottes auf sich ziehen und vernichtet werden. Jesus gibt mit diesem Gleichnis die Zusage, dass alle Menschen von Gott "eingeladen" sind, an ihn zu glauben, aber er prophezeit auch dass es viele Menschen geben wird, die dies nicht tun werden. Er gibt uns den Rat, diese Einladung anzunehmen und den richtigen Weg zu wählen, der sehr positiv ist. Die Schlußfolgerung Jesu in dem letzten Vers der Allegorie ist eine Zusage, die aber auch gleichzeitig teilweise Menschen ausschließt.
2.7. Vergleich mit der Paralleltextstelle
In Lukas 14, 15-24 wird das "Gleichnis vom großen Fest" beschrieben. Diese Stelle wird als Parallelstelle zu Matthäus 22, 1-14 gesehen. Das beide Evangelisten diese Gleichnisse niedergeschrieben haben, wird auf die Quellentheorie zurück geführt (Q). In beiden Fassungen des Gleichnisses wird von einem Fest berichtet, von geladenen Gästen die absagen und der darauffolgenden Einladungen an Menschen von der Straße, damit das bereits vorbereitete Fest statt finden kann. Doch es gibt auch einige Unterschiede im Vergleich der zwei verschiedenen Textstellen, die aber den positiven Effekt haben, dass der Inhalt und die Aussage des Gleichnisses noch eindeutiger werden. In Vers 15 wird es klar deutlich, dass es sich bei dem Gastgeber des Festes um Gott handelt. Vers 22 eröffnet dem Zuhörer, dass noch die Möglichkeit besteht, selber Gast zu werden, da noch viele Plätze an der Festtafel frei sind. Die von Jesus in Vers 24 ausgesprochene Schlußfolgerung (" Ich versichere euch: von den zu erst geladenen Gästen kommt mir keiner an meinen Tisch") bezieht sich auf die Leute, die von seiner Botschaft gehört haben, diese aber nicht annehmen und glauben wollen. Dieser abschließende Vers ist im Vergleich zu dem Parallelvers aus Matthäus (22,14) noch direkter und absoluter. Allgemein sind Differenzen in der Ausführlichkeit des Hergangs zu erkennen. Matthäus führt z.B. die Einleitung der Geschichte mehr aus, als Lukas, der in nur einem Satz von einem großen Essen berichtet. Lukas erläutert darüber hinaus aber, warum die geladenen Gäste nicht kommen wollen und benennt konkret ihre Ausreden. In bezug auf das Gleichnis vom großen Fest scheint es von Vorteil zu sein, zwei Schriften von zwei verschiedenen Autoren vorliegen zu haben, da sie sich gegenseitig ergänzen und nicht widersprechen.
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3. Quellen Angaben
1. Handbuch zur Bibel Herausgegeben von: David und Pat Alexander R. Brockhausverlag Wuppertal, Verlag Bibellesebund, Schweiz ISBN 3-417-00519-1 2. Lexikon zur Bibel Herausgegeben von Fritz Rienecker R. Brockhausverlag Wuppertal ISBN 3-417-00403-0 3. Die Bibel von A bis Z, Wortkonkordanz Würtenbergische Bibelsanstallt Stuttgart ISBN 3-438-06102-3 4. Bibel (Luther Übersetzung, Gute Nachricht)
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Arbeit zitieren:
Lukas Janis Greeb, 2003, Gleichnisse und ihre Bedeutung, München, GRIN Verlag GmbH
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