Inhaltsverzeichnis
I
Einleitung 1
II
Das Ansehen des Kaisers in der Gesellschaft
und die außenpolitische Differenz zu Caesar 1
III
Die Eroberungen und
Kriegschauplätze des Augustus 2
IV
Fokus Partherreich 4
V
Fokus Germanien 5
VI
Warum war Augustus der „letzte“ römische Eroberer? 8
VII
Fazit 8
VIII
Literaturverzeichnis 9
I. Einleitung
Unter keinem anderen Kaiser hat das römische Imperium eine derartige Gebietserweiterung erfahren, wie unter seinem ersten, Gaius Octavius, dem später der Ehrennahme Augustus verliehen wurde. Nach dem Tod Caesars gelang es ihm, seine Rivalen unschädlich zu machen und die politische Macht auf sich zu vereinen. Von 27 v.Chr. bis zu seinem Tod 14 n.Chr. bestimmte er die Geschicke des größten Imperiums der damaligen Welt. Zweck dieser Arbeit wird sein, die außen- und expansionspolitischen Bestrebungen des Augustus zu beleuchten. Als Orientierung soll hierbei die Frage dienen, warum Augustus als „letzter“ römischer Eroberer gilt, obwohl er doch „nur“ der erste von Dutzenden von Kaisern war.
Zunächst einmal wird das Ansehen des Kaisers in der römischen Gesellschaft zu untersuchen sein, bevor das eigentliche Thema dieser Arbeit, die Eroberungen und Kriegsschauplätze in der augusteischen Regierungszeit genauer betrachtet werden. Hierbei soll der Schwerpunkt insbesondere auf den militärischen Aktivitäten im Partherreich und in Germanien liegen.
II. Das Ansehen des Kaisers in der römischen Gesellschaft
und die außenpolitische Differenz zu Caesar
Bei der Beurteilung d er Ausrichtung der augusteischen Außenpolitik ist das Lager der Historiker zweigeteilt. Während die eine Partei den offensiven Aspekt dieser Politik als gegeben betrachtet, erachtet die andere Partei der Historiker die Politik des Augustus als rein defensiv.
Zunächst soll die Erwartungshaltung der römischen Gesellschaft an ihren Kaiser erörtert werden. Dominant war hierbei die elementare Vorstellung eines weltbeherrschenden Rom und eines Princeps, der diesen Vorstellungen genüge tun sollte, d.h. es entsprach dem Selbstverständnis des römischen Bürgers, dass es die vorrangige Aufgabe eines Kaisers sein musste, die Grenzen des Reiches auszudehnen, um so mehr und mehr das Ideal des den gesamten bekannten Erdkreis umfassenden römischen Imperiums zu realisieren. Das höchste
zu erstrebende Gut war die Ehre, und diese konnte allein durch militärischen Ruhm errungen werden. 1
1 Dahlheim, Werner: Geschichte der römischen Kaiserzeit, Bd. 3, München 2003, S. 82.
Diese Erwartungshaltung an den Kaiser müsste eine rein offensiv ausgerichtete Außenpolitik des Augustus erwarten lassen, gleich wie es ihm sein Adoptivvater C. Julius Caesar vortat. Jedoch unterscheiden sich diese beiden in nicht wenigen Punkten. Unter Augustus wurde eine neue Heeresordnung verabschiedet, welche die Verkleinerung des Armeebestandes beinhaltete. Nach Beendigung des Bürgerkrieges ließ Augustus den Frieden proklamieren und den Janustempel in Rom schließen, der in Zeiten des Friedens geschlossen und in Kriegszeiten geöffnet war. Dies galt jedoch nur für das innere Reich (Pax Augusta). Zudem ließ Augustus in den Jahren 13-9 v.Chr. den Altar des Augustusfriedens bauen. 2 Dies ließe auf defensive Ambitionen des Augustus schließen, doch muss hier noch einmal angemerkt werden, dass die meisten dieser Akte rein innenpolitischer Natur sind und Expansionskriege keinesfalls ausschließen. Vielmehr impliziert die Pax Augusta den imperialen Anspruch auf Herrschaft über den Erdkreis. 3
Der Frieden im Reich war also nicht nur mit einer imperialen Politik vereinbar, sondern stand mit ihr ein einem Wechselverhältnis.
Ziel des Augustus war die römische Suprematie aufrecht zu erhalten und die Sicherung des Reiches zu gewährleisten. Dies beinhaltete nicht nur die Wahrung der Suprematie mit diplomatischen Mitteln, sondern auch militärisches Ausgreifen; nicht nur Defensive, sondern auch Expansion. 4
III. Die Eroberungen und Kriegsschauplätze des Augustus
Kriegerischen Auseinandersetzungen wurden aus den unterschiedlichsten Motiven geführt. Erster Kriegsschauplatz in der Regierungszeit des Augustus war das nordwestliche Spanien. Einfälle der Asturer und Kantabrer in das kastilinische Hochland waren eine Quelle ständiger Beunruhigung der spanischen Provinzen. Zudem ließen Gold und andere Bodenschätze einen Feldzug lohnenswert erscheinen.
Nach der endgültigen Unterwerfung der beiden Stämme durch Agrippa 19 v.Chr. wurden 16 und 13 v.Chr. die Provinzen neu strukturiert. Die Wehrkraft der Bevölkerung wurde durch Rekrutierungen abgeschöpft, die Bergstämme mussten in den ebenen Städten siedeln. Es entstanden außerdem zwei neue Veteranenkolonien, Emerita (Merida) und Caesaraugusta
2 Kornemann, Ernst: Römische Geschichte, Bd. 2, Würzburg 1962, S. 131.
3 Kienast, Dietmar: Augustus: Prinzeps und Monarch, Darmstadt 1999, S. 334.
4 Bringmann, Klaus: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002, S.94.
(Saragossa). Die neuen Provinzen wurden dem Kaiser unterstellt, der romanisierte Süden dem Senat überantwortet. 5
Im Jahre 25 v.Chr. wurde der Stamm der Salasser im Westalpengebiet unterworfen. Rom gewann damit die Kontrolle über die Westalpenpässe und die Verkehrswege nach Südgallien, außerdem konnte die Kommunikationslücke zwischen Norditalien und der alten gallischen Provinz, der Narbonensis, geschlossen werden. Augustus versprach, die befriedeten Provinzen aus seiner Verfügungsgewalt an den Senat zurückzugeben, was 22 v.Chr. geschah. 6 Der Präfekt von Ägypten M. Aelius Gallus begann 25 v.Chr. die Belagerung der Hauptstadt des Sabäerreiches, Mariba, um sich der Herrschaft über den Indien- und Weihrauchhandel zu bemächtigen. Er musste die Belagerung jedoch schon nach sechs Tagen wieder aufgeben, da Wassermangel und Krankheiten seine Truppen enorm geschwächt hatten. In seiner Abwesenheit fielen die Äthiopier aus dem Nordsudan in Oberägypten ein, die erst vom Nachfolger des Gallus, P. Petronius, vertrieben werden konnten. Petronius drang bis in den Südsudan vor. Als Konsequenz der darauf folgenden Besatzung musste die dortige Königin 20 v.Chr. mit einer Gesandtschaft nach Samos zu Augustus reisen, um die Überlegenheit Roms förmlich anzuerkennen. Auf eine Etablierung direkter römischer Herrschaft wurde jedoch verzichtet. 7
25 v.Chr. betraute Augustus seine beiden Stief- und Adoptivsöhne Drusus und Tiberius mit der Aufgabe, die gesamten Alpen und das nördliche Voralpengebiet zu unterwerfen. Die Etablierung der römischen Herrschaft im Alpen- und Voralpengebiet 15 v.Chr. sicherte Norditalien und das südwestliche Gallien vor Beutezügen und Wanderbewegungen und schuf eine adäquate Ausgangsbasis für den geplanten Germanienfeldzug, auf den in Kapitel V einzugehen sein wird. 8
Außerdem gelang es unter Augustus, die Stämme der Pannonier und der Dalmatier in den östlichen Alpen-, bzw. Balkanländern zu unterwerfen und deren Siedlungsgebiete zur Provinz Illyrien zusammenzuschließen. Die Durchgangsstraße nach Sofia war somit in römischer Hand. 9
Im Wesentlichen lassen sich demnach drei Motive der Kriegführung feststellen: 1. die Befriedigung wirtschaftlicher Interessen durch die Eroberung von Gebieten reich an Bodenschätzen und die Kontrolle über Handelswege; 2. endgültige Befriedung und Sicherung
5 Kienast, S. 351f.
6 Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: Von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 123.
7 Kornemann, S. 134.
8 Bringmann, S. 105.
9 Kornemann, S. 136.
von Provinzen durch Unterwerfung aufmüpfiger Stämme; 3. die Schaffung strategisch günstiger Ausgangspositionen für künftige Feldzüge.
IV. Fokus Partherreich
Das Partherreich stellte für das römische Imperium schon zu Caesars Zeiten einen ernstzunehmenden Gegner dar. Unter Crassus hatten die Römer 53 v.Chr. gegen den Partherkönig Phraates IV. in der Schlacht bei Karrhae eine empfindliche Niederlage erlitten. Dadurch war die römische Suprematie im Osten nicht unerheblich geschwächt worden. 10 Das Partherreich erstreckte sich vom Euphrat bis zum Indus und vom Oxus (heute Amudarja) bis zum Indischen Ozean und beherrschte die wichtigsten von Westen nach Osten verlaufenden Handelswege. Trotz militärischer und wirtschaftlicher Überlegenheit der Römer hatte das Partherreich den Status einer Großmacht und wurde in Rom als größter Rivale gesehen. Ein besonderer Streitpunkt war Armenien, welches geographisch zwischen beiden den Herrschaftsgebieten lag. Beiden Mächte war daran gelegen, dort ihre Souveränität zu wahren, nicht zuletzt schon wegen des Prestiges. 11
Im Gegensatz zu Caesar, der noch kurz vor seinem Tod einen neuen Partherfeldzug geplant hatte, setzte Augustus auf das Mittel der Diplomatie. Diese Taktik brachte ihm einen friedlichen Triumph als es im Jahre 20 v.Chr. zur Regelung der Partherfrage kam. Diese Regelung sah vor, die sich noch in Kriegsgefangenschaft befindlichen Römer zu entlassen und, für die Ehre der Römer weit wichtiger, die erbeuteten Feldzeichen zurückzugeben. Darüber hinaus wurde vereinbart, Tigranes als römischen Klientelkönig in Armenien zu installieren, um dort die römische Suprematie auszubauen.
Diese Regelung erlaubte es Augustus, die Grenzen des römischen Reiches auszudehnen und das Ansehen des Partherreiches in Rom zu schmälern, da dieses die römische Suprematie anerkannt hatte und daher nicht mehr als ebenbürtig gelten konnte. 12
10 Kienast, S. 342-345.
11 Christ, S. 121.
12 Kornemann, S. 133.
V. Fokus Germanien
Durch die Unterwerfung der Alpenstämme war eine ausreichende Basis voralpine Basis für eine Offensive in Germanien gewährleistet. Schon im Jahre 16 v.Chr. hatte Augustus eine leichte Niederlage seines Legaten M. Lollius zum Anlass genommen, sich nach Gallien zu begeben, um die Verhältnisse persönlich zu ordnen, d.h. den Ausbau der Verwaltung und die gleichzeitige militärische Organisation der Grenzzone zu überwachen. 13 In den drei Jahren seines Aufenthaltes wurde die Verlegung der letzten der bis dahin in Innergallien stationierten Legionen an den Rhein vollzogen; an diesem begann man unmittelbar mit dem Bau großer Operationsbasen: in Mogontiacum (Mainz), Vetera (Birten bei Xanten) und in Noviomagus (Nimwegen), zudem wurde ein Flottenstützpunkt in Fectio (dem heutigen Vechten bei Utrecht) angelegt. 14
Weitere Maßnahmen beinhalteten den Bau zahlreicher Kastelle zwischen Nimwegen und Zürich, um die Rheintalstraße zu verstärken. Außerdem wurde in utrechtsche Vecht kanalisiert, um eine Verbindung vom Rhein zu Zuidersee und durch sie hindurch zur Nordsee zu schaffen. Die römische Rheinflotte sollte so in kombinierten Land- und Seeoperationen bei der Unterwerfung der Stämme an der Nordseeküste zum Einsatz kommen. Insgesamt wurden sechs Legionen und zahlreiche Hilfstruppen am Rhein massiert, der Feldzug gegen Germanien konnte beginnen. 15
13 Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: Von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 127.
14 Bringmann, Klaus: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002, S. 100.
15 Ebd., S. 101.
16 Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: Von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 128.
Hatte der bisherige Schwerpunkt der römischen Offensiven im Raum zwischen Lippe und Nordsee gelegen, kam es 10 v.Chr. zu einem Übergriff auf den Raum der Wetterau, wo sich bereits in Friedberg ein Kastell befand. Dieser Vorstoß richtete sich gegen die Sugambrer und die Chatten.
Zu einem ersten Höhepunkt kam es 9 v.Chr., als es römischen Truppen erstmals gelang, durch die Wetterau und das Lahntal zur Lippequelle zu marschieren, von dort über Hameln die Weser zu überqueren und an der Magdeburger Bucht das Ufer der Elbe zu erreichen. Währenddessen war es permanent zu schweren Kämpfen mit den Chatten, den Sueben und den aus dem östlichen Germanien stammenden Markomannen gekommen. Auf dem Rückweg Mitte August im Thüringerwald stürzte Drusus vom Pferd und brach sich den Oberschenkel. Als er dem darauf einsetzenden Fieber erlag, übernahm sein Bruder Tiberius den Oberbefehl über die Truppen. Unter seinem Kommando gelang es, den römischen Einfluss durch Umsiedlungen von Teilen der Sugambrer und der Sueben zu stabilisieren. Tatsächlich waren 8 v.Chr. alle germanischen Stämme zwischen Rhein und Elbe unterworfen. 17 Eine erste Stagnation erfährt die Germanienpolitik der Römer durch Tiberius’ Gang ins Exil im Jahre 6 v.Chr. Im Zeitraum bis zu seiner Rückkehr 4 n.Chr. ist nur eine einzige römisch Initiative in Germanien bekannt: der Vorstoß des Legaten L. Domitius Ahenobarbus über die Donau bis über die obere Elbe hinaus.
Dies ändert sich erst wieder mit der Befehlsübernahme des Tiberius. Durch seine weit ausholenden und unaufhörlichen Vorstöße gelang es ihm nicht nur, die Germanen zu beunruhigen und zu zermürben, sondern auch viele gar zur Auswanderung zu zwingen. 4 n.Chr. war das rechtsrheinische Gebiet soweit unter Kontrolle, dass die römischen Truppen erstmals an der oberen Lippe überwintern konnten. 18
Zu einem neuen Höhepunkt römischer Offensiven kam es im Jahre 5 n.Chr. als die Flotte und das an Land vorgerückte Heer an der Elbe zusammentrafen, so dass selbst der östlich der Elbe lebende Stamm der Semnonen die römische Herrschaft anerkannte. Das eroberte
rechtsrheinische Gebiet sicherte man durch Kastelle, die Rechtsprechung wurde durch römische Beamte vollzogen und in Köln wurde am Beispiel Lugdunums ein Kaiseraltar errichtet. 19
Das letzte Hindernis auf dem Weg zur vollkommenen Eroberung Germaniens stellte das Reich des Marbod dar, das die Gebiete Schlesiens, Böhmens, Mährens und die oberen Mainlande umfasste und nach römischem Vorbild organisiert war.
17 Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: Von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 128f.
18 ebd., S. 129.
19 Ebd., S. 129.
6 v.Chr. begann der Feldzug gegen Marbod. C. Sentius Saturnius stieß mit sechs rheinischen Legionen nach Osten vor, während Tiberius mit gleicher Truppenstärke von Carnuntum aus nach Norden vorrückte. Die Vereinigung der beiden Heere war bereits abzusehen und die Zerschlagung von Marbods Machtkern zu greifen nahe, als im Rücken der Truppen der Pannonische Aufstand ausbrach. Ausgehend von den dalmatischen Daesidiaten und den pannonischen Breukern breitete sich der Aufstand über ganz Illyrien aus, die Provinz Makedonien und Italien selbst war in Gefahr. Eiligst handelte Tiberius einen Friedensvertrag mit Marbod aus und zog alle verfügbaren Truppen nach Illyrien ab. Alle Offensiven in Germanien wurden auf unbefristete Zeit vertagt. 20
Trotz einer römischen Präsenz von zehn Legionen, 10000 Veteranen und über 80 Auxiliarregimentern dauerte die Niederwerfung des Aufstandes vier Jahre lang und war einer der verlustreichsten und teuersten Kriege, die Rom je geführt hat. 21 Kaum waren diese Kämpfe 9 n.Chr. beendet, als in Rom die Nachricht von der Katastrophe im Teutoburger Wald eintraf. Unter P. Quintilius Varus war es zur Vernichtung von drei Legionen, sechs Kohorten und drei Alen gekommen, was identisch war mit dem Verlust aller römischen Kastelle zwischen Rhein und Weser und identisch mit der Preisgabe der Wesergrenze. Alle Gegenoffensiven in Germanien wurden beendet, da der Bogen der militärischen Leistungsfähigkeit der römischen Truppen nicht zuletzt wegen des Pannonischen Aufstandes überspannt war.
Die letzten personellen Reserven wurden unter Tiberius’ Kommando am Rhein zusammengezogen, um die Krise aufzufangen; insgesamt handelte es sich dabei um acht Legionen, ein Drittel der Heeresstärke des gesamten Imperiums. 22 In der verbleibenden Lebenszeit des Augustus bis 14 n.Chr. kam es nur noch vereinzelt zu römischen Vorstößen zwecks der bewaffneten Aufklärung im rechtsrheinischen Gebiet. 23 Die katastrophale Niederlage des Varus hatte alle römischen Eroberungen seit Beginn der Germanienfeldzüge 12 v.Chr. zunichte gemacht.
20 Bringmann, Klaus: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002, S. 102.
21 Kienast, Dietmar: Augustus: Princeps und Monarch, Darmstadt 1999, 371.
22 Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: Von Augustus bis zu Konstantin, München 1988, S. 130.
23 Dahlheim, Werner: Geschichte der römischen Kaiserzeit, Bd. 3, München 2003, S. 115.
VI. Warum war Augustus der „letzte“ römische Eroberer?
Die Erben der augusteischen Kaiserwürde hatten es zweifellos leichter, nach den imperialen Expansionen der ersten Jahrzehnte dem römischen Sendungsbewusstsein genüge zu tun. Augustus begründete mit der universalen Ausdehnung des beherrschten Raumes die Rolle des omnipotenten Weltherrschers, die für alle seine Nachfolger verbindlich wurde. Jedoch hatte das Debakel im Teutoburger Wald gezeigt, welche Konsequenzen die Heeresneuordnung mit sich brachte. Durch die Verkleinerung des Heeres war auch die Belastbarkeit desselben gesunken. Da die Unterwerfung des wenig lohnenswert
erscheinenden Germanien in der römischen Öffentlichkeit wenig Unterstützung fand, war das Risiko einer erneuten Niederlage für die innere Stabilität des Reiches zu groß. 24 Die Ausrichtung der Außenpolitik wurde adjustiert, nicht mehr die Erweiterung der Reichsgrenzen, sondern die Sicherung derselben trat in den Vordergrund. Man gab daher die Germanienoffensiven auf und begnügte sich mit der Sicherung der Rheingrenze. Die Spannung zwischen imperialem Anspruch und den Erfordernissen der Realpolitik war das Erbe, das die ersten beiden Jahrhunderte der Kaiserzeit belasten sollte. 25
VII. Fazit
Die Bilanz der augusteischen Außen- und Expansionspolitik ist durchaus zwiespältig. Diese Ambivalenz zeigt sich einerseits darin, dass die großzügige Arrondierung und die Sicherung der mediterranen Kernräume des Imperiums gelungen sind. Faktisch sind die Rhein- und die Donaugrenze gesichert bzw. erreicht worden. Vor allem aber konnte die Bedrohung Italiens aus dem Alpenraum beseitigt und somit die territoriale Lücke zwischen dem Osten und dem Westen des Reiches geschlossen werden. Dank dieser Erfolge ist es Augustus gelungen, dem römischen Sendungsbewusstsein genüge tun.
Andererseits scheiterte der Plan, Germanien zu provinzialisieren, vollständig. Ebenso ließ sich die römische Überlegenheit gegenüber dem Partherreich nicht in dem Sinne realisieren, dass Armenien als ein gesichertes Klientelkönigtum im Verband des römischen Reiches gelten konnte. 26
24 Dahlheim, S. 82-85.
25 Kienast, S. 377.
26 Bringmann, Klaus: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002, S. 105.
VIII. Literaturverzeichnis
• Bringmann, Klaus: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums, Berlin 2002.
• Cancik, Hubert und Schneider, Helmuth (Hrsg.): Der neue Pauly: Enzyklopädie der
Antike, Bd. 2, Stuttgart 1997.
• Christ, Karl: Geschichte der römischen Kaiserzeit: Von Augustus bis Konstantin,
München 1988.
• Dahlheim, Werner: Geschichte der römischen Kaiserzeit, Bd. 3, München 2003.
• Eck, Werner: Augustus und seine Zeit, München 1998.
• Kienast, Dietmar: Augustus: Princeps und Monarch, Darmstadt 1999.
• Kornemann, Ernst: Römische Geschichte, Bd. 2, Würzburg 1962.
Karte auf S. 5 übernommen aus: http://www.novaesium.de/geschichte2.htm
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Romy Schinske, 2003, Die Außen- und Expansionspolitik des Augustus, München, GRIN Verlag GmbH
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