Im zweiten Abschnitt, neunte bis sechzehnte Zeile, wird beschrieben, wie die Frau Muttergefühle für das ungeborene Kind entwickelt. Es wird mit einer Anapher eingeleitet, in welcher der Hilferuf des ungeborenen Kindes an die Mutter und das ignorante Verhalten des lyrischen Ichs zur Sprache gebracht wird.
„Eine Vision von Haar“(Zeile 14). Durch den vorher gesetzten Doppelpunkt wird der Leser darauf hingewiesen, dass die Dichterin auf diese Aussage besonders Wert legt. In diesen als wichtig unterlegten Zeilen wird deutlich, dass die Frau, die durch die Schwangerschaft bedingte Veränderungen an ihrem Körper wahrnimmt, versucht zu verdrängen. Die geistige Bindung zwischen dem ungeborenem Kind und der werdenden Mutter wird mit jedem Tag der Schwangerschaft stärker. In Zeile 15 wird dargestellt, dass der Embryo mit seinen Gedanken in den Kopf der Frau eindringt und sich auf diese Weise bemerkbar macht. Der dritte Abschnitt erstreckt sich von der 17. Zeile bis zur 40. Zeile. Dieser beginnt gleich mit einer Wiederholung „Ich hätte es sehen können(Zeile 17), Hätt ich es sehen gewollt.(Zeile 18)“. Somit werden eindrücklich die Reue und die enormen Vorwürfe des lyrischen Ichs betont. Der Kerngedanke dieser Wiederholung zeigt, dass sich das lyrische Ich über das Leben und den Tod Gedanken macht und die Ansicht vertritt, dass jedes Lebewesen ein Recht auf das eigene Leben hat und dies unantastbar sein sollte.
Tatsache ist, dass die Symptome der Schwangerschaft aufgetreten sind, welche sich aber auch bei anderen „Krankheiten“ verzeichnen lassen. Daher ist es ein leichtes, den so offensichtlichen Wechsel des Wohlbefindens zu unterdrücken und die Ursachen bei beispielsweise einem Virus zu suchen.
In den Zeilen 20 bis 24 werden die Gefühle und Gedanken der schwangeren Frau an eine Zukunft mit einem Kind festgehalten. „Ich aber habe gegrollt Über die Tage und Jahre, die es mir nehmen wird, und um meine grauen Haare, Die Kindheit.“ Durch diese Aussage kann man darauf schließen, dass die Frau zum Zeitpunkt der Schwangerschaft stark von diesem Gedanken abgeneigt war. Dieses Verhalten lässt sich mit dem Alter und der Vorstellung an eine Zukunft ohne große Verantwortung begründen.
Sicher spiegelt sich die erhoffte Zukunft in der eines jeden „Teenagers“ wieder, welche vom Bild an die allwöchentlich wiederkehrende „Party“ am Wochenende und der täglichen Ausklangzeit nach einem anstrengenden Arbeitsalltag erfüllt war.
Diese erhoffte Zukunftsvision steht natürlich im starken Konflikt mit dem realen Alltag, indem ein Kind fester Bestandteil ist. Das lyrische Ich ist sich selbst darüber im Klaren, dass es nicht einfach ist, eine gute Mutter zu sein. Spätes in der Nacht Aufstehen, Wickeln und ständige Aufsichtspflicht in den jungen Jahren des Kindes zehren an Körper und Seele, wenn die Zeit zum Abschalten und „Relaxen“ fehlt.
In den folgenden Zeilen wird die gescheiterte Verarbeitungsphase des lyrischen Ichs dargestellt. Um dem Leser die ausweglose Situation nahe zu bringen, benutzt Eva Strittmacher den Neologismus „wahnwitzverwirrt“. Mit dessen Hilfe sie verdeutlicht, dass die Frau von dem Gedanke, dass sie ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, langsam in den ausweglosen Irrsinn getrieben wird.
Sie hofft den Schmerz besser durch das Aufschreiben ihrer Gefühle und Gedanken verarbeiten zu können. Jedoch verurteilt der vorangegangene Neologismus diesen „verrückten“ Versuch, die Trauer auf diese Art zu überwinden, zum Scheitern. Ab der Zeile 27 bis hin zu Zeile 32 erkennt das lyrische Ich, dass Niemandem die sinnlose Selbstverzweiflung hilft und nichts an der Tatsache ändern wird, dass sie einen Fehler begangen hat. Die Erinnerung an diese Untugend lässt sich zwar kurzfristig in Vergessenheit drängen, aber langfristig gesehen wird es Momente geben, in denen sie ihrer traurigen Erinnerung von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht und sich unweigerlich ihrer Vergangenheit stellen muss.
Die drei nachfolgenden Zeilen stellen wiederholend die getroffene Entscheidung in Frage. Weil sie egoistisch handelte und für sie die eigenen Annehmlichkeiten des Lebens im Vordergrund standen, wird sie von diesem Vorwurf weiter bis an ihr Lebensende verfolgt werden (Zeile 38). Das lyrische Ich ging durch viele Etappen der Trauer. Was für den Leser durch die Anapher in Zeile 37 und 38 verdeutlicht wird.
In den letzten zwei Zeilen stellt die Autorin einen mit Hilfe des Oxymoron „unsühnbare Sünde“ direkten Vergleich zwischen Mensch und Tier auf. Dadurch wird dem Leser gezeigt, dass ein Mensch ein Gewissen besitzt und aus seinen Fehlern lernen kann. Im Gegensatz zu einem Hund, der einmal ein Kind gebissen hat und somit dazu neigt, dies zu wiederholen. Die Hintergründe, durch die sich Frauen zu einer Abtreibung bewegen lassen, sind sehr unterschiedlich und manchmal auch fragwürdig. Nach den deutschen Gesetzen darf jede Frau ihren „Unfall“ beseitigen lassen, ohne dass jemand nach den Ursachen fragt. Wir sollten uns
Gedanken über Kontrollen machen, die einer Abtreibung unter Berücksichtigung von sozialen Aspekten zustimmen oder ablehnen. Die hohen Raten der Vergewaltigungen in Deutschland lassen auf den Gedanken schließen, dass jedes Jahr eine enorme Anzahl von Frauen aufgrund solcher Verbrechen schwanger wird. Völlig verständlich ist es, wenn Sie solch ein Kind nicht bekommen möchten und als Ausweg die Abtreibung wählen. Weil es den Gedanke an jenen Moment, welcher durch bedrängende Todesangst und völliger Hilflosigkeit erfüllt ist, verkörpert. Verursacht durch das böswillige und menschenverachtende Handeln eines Mannes, von deren Sorte es zu viele auf der Welt gibt.
Ist jedoch eine Abtreibung in finanziell starken und gut funktionierenden Partnerschaften vertretbar, in denen ein Kind eine gesicherte Zukunft hätte?
Arbeit zitieren:
Sven Ludwig, 2004, Strittmatter, Eva - Interruptio, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Arbeitslosigkeit - ein Gerechtigkeitsproblem?
Eine normative Analyse der Kri...
Seminararbeit, 27 Seiten
"Die Würde des Menschen ist unantastbar" - einander achten u...
Die Entstehung des Lebens und ...
Theologie - Didaktik, Religionspädagogik
Seminararbeit, 26 Seiten
Abtreibung - der Wert des menschlichen Lebens
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Darf eine Frau einen Embryo oder einen Fötus abtreiben?
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 16 Seiten
Hares Ansatz zur Abtreibungsdebatte als Problem der angewandten Ethik
Referat (Ausarbeitung), 12 Seiten
Hemingway, Ernest - Der alte Mann und das Meer
Referat / Aufsatz (Schule), 17 Seiten
Arbeitslosigkeit und neue Wege
Wer sagt, dass etwas nicht geh...
Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie
Hausarbeit, 21 Seiten
Schwangerschaftsabbruch aus Sicht verschiedener ethischer Grundhaltung...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 22 Seiten
Arbeitslosigkeit in Deutschland
Arten, Ursachen, Folgen, Bekäm...
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 17 Seiten
Sven Ludwig hat den Text Strittmatter, Eva - Interruptio veröffentlicht
Sven Ludwig hat einen neuen Text hochgeladen
Diesseits von Afrika
Eva-Maria Fahrner-Tutsek, Claudia Lupri, Rubio Elena Serrano
Steck-Vaughn En Parajes Voltea y Aprende Fluency 3: Leveled Reader Gra...
Various, Steck-Vaughn Company
0 Kommentare