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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. - 2 -
A: Einleitung - 3 -
B: Hauptteil - 4 -
1. Sigmund Freud - 4 -
1.1. Biographie von Sigmund Freud - 4 -
1.2. Beeinflussung von Freud. - 6 -
1.2.1. Beeinflussung auf häuslicher Ebene - 7 -
1.2.2. Prägung durch Sitten und Bräuche seiner Zeit. - 7 -
2. Definition: Was ist eine klassische Entwicklung? - 8 -
2.1. Die Entwicklung. - 8 -
2.2. Die klassische Entwicklung - 8 -
3. Freuds Trieblehre - 9 -
3.1. Freuds Definition von einem Trieb - 9 -
3.2. Aufteilung der Triebe - 9 -
3.2.1. Der Thanatos - 10 -
3.2.2. Der Eros. - 10 -
3.2.3. Wechselspiel von Thanatos und Eros. - 10 -
3.3. Neurosen als Folge eines verdrängten Triebs - 11 -
4. Der psychische Apparat - 11 -
4.1. Die Instanzen der Persönlichkeit. - 12 -
4.1.1. Das Es. - 13 -
4.1.2. Das Ich. - 13 -
4.1.3. Das Über - Ich. - 15 -
4.1.4. Die „Arbeitsweise“ der drei Instanzen: - 16 -
4.1.5. Probleme beim Zusammenspiel von Es, Ich und Über - Ich - 17 -
4.1.5.1. Die Realangst - 19 -
4.1.5.2. Die neurotische Angst - 19 -
4.1.5.3. Die Entstehung von Phobien - 19 -
5. Die Entwicklung der Libido. - 19 -
5.1. Exkurs: Die Ödipussage - 20 -
5.2. Die Entwicklung der Libido. - 21 -
5.2.1. Die orale Phase. - 21 -
5.2.2. Die anale Phase - 22 -
5.2.3. Die phallische Phase. - 23 -
5.2.4. Die Latenzperiode - 24 -
5.2.5. Die genitale Phase - 24 -
5.2.6. Psychische Störungen. - 24 -
5.3. Weitere Entwicklungselemente. - 25 -
5.3.1. Die Sozialisation - 25 -
5.3.2. Die Identifikation - 26 -
5.3.3. Die Kultur. - 26 -
6. Anerkennung der Psychoanalyse - 27 -
C: Schluss. - 29 -
1. Öffentliche Kritik an Freuds Theorie - 29 -
2. Persönliche Meinung. - 31 -
8. Literaturverzeichnis:.................................................................................................... - 32 -
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A: Einleitung
Heute, sowie in alten Zeiten gilt der Entwicklung des Kindes großes Interesse. Jede Menge Psychologen, Pädagogen und Ärzte beobachten und erforschen die Veränderung des Kindes zum erwachsenen Individuum. Hierbei entstanden zahlreiche Theorien. Die wohl bekanntesten sind die von Sigmund Freud erforschten. Trotzdem, obwohl diese schon sehr alt sind, haben sie dennoch einen hohen Stellenwert in der heutigen Gesellschaft. Aus diesem Grund ist es durchaus angebracht, sich auch heute noch genauer mit diesen zu befassen.
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B: Hauptteil
1. Sigmund Freud
Sigmund Freud 1
1.1. Biographie von Sigmund Freud
Sigmund Freud wird im Jahr 1856 am 6. Mai in Freiberg geboren. Heute wird dieser Ort Pribor genannt und liegt in der Tschechischen Republik. Vier Jahre später zieht er mit seiner Familie nach Wien um. Als Kind ist es Sigmund Freuds Wunsch, im späteren Leben mal Jurist zu werden, doch dieses Vorhaben setzt er nicht durch. Inspiriert durch Goethes Naturforschungen möchte er nun lieber Naturwissenschaften studieren. Bereits mit siebzehn Jahren beginnt Freud ein Medizinstudium bei Ernst Wilhelm von Brücke. 2 In dieser Zeit spezialisiert er sich auch schon in Richtung Physiologie. 1881 schließt er sein Studium erfolgreich mit dem Doktortitel ab, doch er kann noch keine eigene Arztpraxis eröffnen. Wiederum vier Jahre später wird Freud Professor für Neuropathologie, das heißt, er befasst sich nun besonders mit Erkrankungen des Nervensystems. Ebenfalls in diesem Jahr geht Freud als Privatdozent nach Frankreich. Dort arbeitet er mit dem Pariser Neurologen Jean -Martin Charcot zusammen, der sich mit der Heilung von Hysterie durch Hypnose befasste.
1 www.google.de
2 Eysenck, Hans Jürgen: Sigmund Freud, S. 23
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Jahr 1886 gelingt es ihm, seine erste eigene Arztpraxis zu eröffnen. Dort führt er nun auch erste Versuche mit Kokainbehandlungen durch. Diese jedoch scheitern und die Vorurteile gegen seine Theorien wachsen. Ebenfalls in diesem Jahr heiratet er Martha Bernays und wird Vater von 3 Jungen und 3 Mädchen. Sie werden eine glückliche Großfamilie. 1887 und 1888 setzt Freud zum ersten Mal die Hypnose als therapeutische Maßnahme ein. 1890 entwickelt er die „Neurosentheorie“ und beginnt damit, das Sexualleben seiner Patienten zu erforschen. Diese Untersuchungen liefern ihm dann die ersten Grundlagen für seine spätere Psychoanalyse. 1891 erscheint sein erstes Werk „Zur Auffassung der Aphasien“ (neurotische Störungen). Ab 1895 wendet sich Freud immer mehr der Psychologie anstelle der Physiologie zu. Im Anschluss daran veröffentlicht er zusammen mit Joseph Breuer, einem bekannten Wiener Neurologen und Freund Freuds, 3 seine ersten Theorien zur Hysterie. Jetzt fängt Sigmund Freud auch mit der Traumanalyse an und es gelingen ihm erste Erfolge bei der Analyse seiner eigenen Träume. Diese Untersuchungen setzt er nun die kommenden drei Jahre weiter fort. Während seiner Selbstanalyse im Jahr 1896 entdeckt er auch eine innige Leidenschaft zu seiner Mutter. Aus dieser Erkenntnis leitet Freud dann ein allgemeingültiges Gesetzt über den Ödipuskomplex ab. Auf diesen werde ich allerdings erst später genauer eingehen. 1897 veröffentlicht Freud seine Auffassungen über die Infantile Celebrallähmung und befasst sich von nun an nur noch mit psychischen Untersuchungen über physische Erkrankungen. 1899 - 1900 stellt Freud seine Theorien über die Traumdeutung vor, aber er kann dafür anfangs keine große Anerkennung gewinnen. Diese Ansichten stießen jedoch am Anfang auf wenig Resonanz. Dennoch zählte sie später zusammen mit den Thesen über den Ödipuskomplex, die Sexualtheorie, die Religionstheorie und seine Theorie über das Ich und das Es zu den wichtigsten Werken überhaupt. 1902 wird Sigmund Freud zum Professor an der Universität in Wien ernannt. 1905 erscheinen drei Bücher von Freud. Unter anderem „Drei Abhandlungen zu Freuds Sexualtheorie“. Im darauf folgenden Jahr beginnt der Briefwechsel mit Carl Gustav Jung, der anfangs ein begeisterter Bewunderer Freuds ist. Inzwischen hat er es auch zu einem größeren Kreis von Anhängern geschafft, zu denen außer Alfred Adler, Otto Rank, Eugen Bleuler, Abraham Brill, Sándor Ferenczi und Ernest Jones auch viele andere gehören. Wieder zwei Jahre später findet in Salzburg der erste Kongress für Freudsche Theorien statt. Mittlerweile ist die Anerkennung ihm gegenüber hinsichtlich der psychoanalytischen Bewegung gewaltig gestiegen. Sieben Jahre nach dem Beginn des Briefwechsels mit Jung folgt nun im Jahr 1913 der Bruch mit ihm. Jung konnte nämlich, wie
3 Fernandez - Schmid, Susanne B.: Der Mensch als kulturelles Wesen in Freuds Psychoanalyse, S. 8
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teilen. Als Folge dessen entstehen nun eigene Theorien von Jung und Adler. 1916 erscheint schließlich Freuds nächstes Werk, nämlich der erste Teil des Buchs von „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“. 1923 werden bei Sigmund Freud die ersten Anzeichen von Mundhöhlenkrebs erkannt. Trotzdem erscheint noch in diesem Jahr das Buch „Das Ich und das Es“. Zwei Jahre drauf erscheinen die ersten Bände von Freuds „Gesammelten Schriften“. An seinem siebzigsten Geburtstag im Jahr 1926 wird Freud für seine Arbeit von vielen Seiten her geehrt. Im Jahre neunundzwanzig geht die Begeisterung der Öffentlichkeit für seine Werke soweit, dass er als Befreier von religiösem und pathologischem Terror gefeiert wird. Im Jahr 1930 erhält Sigmund Freud den Goethepreis. Durch seine Arbeit gelang es Freud, sowohl die Basis für die Psychoanalyse, als auch für die Philosophie und Anthropologie zu schaffen. 1935 wird er schließlich sogar zum Ehrenmitglied der „British Royal Society of Medicine“ ernannt. Nun folgt, mit Beginn des zweiten Weltkriegs eine Phase, in der sich Freud intensiv mit dem Ursprung der Religion und dem Wesen dieser befasst. Auf Grund der Judenverfolgung im zweiten Weltkrieg wird im Jahr 1938 sowohl Freuds Wohnung als auch die Wiener „Psychoanalytische Vereinigung“ durchsucht. Er ist antisemitistischen Angriffen ausgesetzt. Anna, seine Tochter wird von der Gestapo festgehalten und verhört. Dies ist der Anlass für Familie Freud, nach London zu emigrieren. Dort stirbt Sigmund Freud auch am 23. September 1939 an seiner nun sehr weit fortgeschrittenen Krebserkrankung. 4
1.2.Beeinflussung von Freud
Während seines ganzen Lebens wurde Freud durch Faktoren beeinflusst, die ihn dazu veranlassten, bestimmte Untersuchungen durchzuführen oder Theorien zu entwickeln. Welche hierbei die größten Einflussfaktoren waren, werde ich im Folgenden erläutern.
4 Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse, S. 2
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1.2.1. Beeinflussung auf häuslicher Ebene
Für Freud verkörperte seine Mutter das Lustprinzip. So erinnert er sich daran, dass seine Libido in den ersten Kindheitsjahren erweckt wurde, als er sie zufällig einmal nackt sah. Zu seinem Vater hingegen war das Verhältnis bestimmt von Bewunderung, Respekt und Herzlichkeit. Jedoch präsentierte der Vater für Freud das Autoritätsprinzip und somit das Verbots - und Zwangprinzip, so dass er die erste Quelle von Frustration in Freuds Leben war. Als der Vater starb, beobachtete Freud bei sich selbst den Ödipuskomplex. Mit 41 Jahren entdeckte er bei einer Selbstanalyse, dass der Hass auf den Vater, den er in seiner Kindheit schon verspürte, noch immer vorhanden war und auf Angst vor seiner Autorität beruhte. Aus dieser Selbstanalyse machte er dann ein seiner Meinung nach allgemeingültiges Gesetz: „Ich habe die Verliebtheit in die Mutter und die Eifersucht gegen den Vater auch bei mir gefunden und halte sie jetzt für ein immer vorkommendes Ereignis der frühen Kindheit“.
1.2.2. Prägung durch Sitten und Bräuche seiner Zeit
In seiner Theorie beschreibt Sigmund Freud die Spannungen zwischen Trieb und Kultur. Er dachte, dass die herrschende Kultur triebfeindlich und damit für die Entstehung von Krankheiten, welche mit medizinischen Mitteln nicht heilbar waren, verantwortlich ist. Das heißt, dass jeder Mensch eigene Triebe hat, jedoch versucht er auch die Normen der Gesellschaft einzuhalten. Er entdeckte dadurch das Phänomen der Verdrängung und der Dynamik des Seelenlebens.
Freud äußerte sich offen über die Sexualität, welche im 19. Jahrhundert ein absolutes Tabuthema war. Aber auch wenn dies nicht so scheint, hat Sigmund Freud angeblich nicht gerne über Sexualität gesprochen. 5 Besonders ablehnend reagierten die Leute, als er die Sexualität des Kindes ansprach, weil dies das Bild des unschuldigen Kindes zerstörte. Als Freud bemerkte, dass das menschliche Ich (hierauf werde ich später genauer eingehen) vom Unterbewusstsein gelenkt wird, führte dies zur Entwicklung der Psychoanalyse. Sie sollte Krankheiten heilen, welche den Konflikt zwischen Trieb und Gesellschaft als Ursache hatten. Zuerst lehnten die Menschen in Österreich, Deutschland und in der Schweiz diese Methode ab und es dauerte eine ganze Weile, bis er Anerkennung dafür ernten konnte. Dies
5 Lambertino, Antonio: Psychoanalyse und Moral bei Freud, S. 31
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gelangte.
2. Definition: Was ist eine klassische Entwicklung?
2.1. Die Entwicklung
Unter einer Entwicklung versteht die Psychologie die Veränderung des Verhaltens von Lebewesen. Dies geschieht nun zum einen im Sinne von Wachsen, also vom Keim bis zum erwachsenen Individuum und zum anderen aber auch im Sinne von Entfaltung der Art. Als Schlussfolgerung daraus, kann man nun feststellen, dass Entwicklung etwas Körperliches und Seelisches ist. Zur Entwicklung gehört allerdings noch mehr dazu. So muss man beachten, dass sie auch entgegengesetzt abläuft und der Abbau somit ebenfalls ein Bestandteil deren ist.
2.2. Die klassische Entwicklung
Der Begriff der klassischen Entwicklung hingegen wird wesentlich mehr eingegrenzt. So gibt es beispielsweise bei der klassischen Entwicklung keine Möglichkeit, etwas bereits Ausgebildetes wieder rückgängig zu machen. Die klassische Entwicklung ist eine Veränderung, die sich über längere Zeit systematisch vollzieht und sich immer auf ein besseres oder höherwertiges Ziel hin entwickelt. Aus diesem Grund spricht man hier von einer qualitativen Entwicklung, wobei früher erreichte Zustände die Bedingung für spätere sind.
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3. Freuds Trieblehre
3.1. Freuds Definition von einem Trieb
Der Trieb oder anders das Triebverhalten entsteht im Es. (Auf das Es werde ich in einem späteren Teil dieses Aufsatzes noch zu sprechen kommen.) Der Trieb ist eine physische Kraft, die es sich zum Ziel macht, die Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen und dadurch sein Leben zu steuern. Des Weiteren laufen diese von Trieben gesteuerten Aktionen zumindest beim Kleinkind noch völlig unbewusst ab. Man kann den Trieben also nicht entkommen. Erst im Laufe der Entwicklung werden die Triebe in bestimmte Bahnen gelenkt. Zudem sind Triebe genbedingt. Sie beziehen sich immer auf ein bestimmtes Ziel, das so genannte Triebziel, auf ein bestimmtes Objekt, das so genannte Triebobjekt und benötigen eine Quelle, die als Triebquelle bezeichnet wird. Die Triebquelle entspricht der Erregung und ist dem Menschen angeboren. Als Triebobjekt wird diejenige Sache bezeichnet, die das „Opfer der Begierde“ ist und als Triebziel wird das bezeichnet, was zur Aufhebung der Erregung dient. 6 Der Mensch strebt immerzu nach Triebbefriedigung. Ein verdeutlichendes Beispiel hierzu ist Folgendes:
Ein Säugling möchte sein Saugbedürfnis befriedigen: Die Befriedigung des Saugbedürfnisses ist das Triebziel, die Triebquelle der Mund und das Triebobjekt kann hier möglicherweise der Schnuller sein. 7
3.2. Aufteilung der Triebe
Sigmund Freud unterscheidet beim Trieb zwei große Haupttriebe und unzählige Nebentriebe. Die Haupttriebe sind der Thanatos und der Eros. Diese beiden Triebe sind nicht in bestimmten Körperregionen lokalisiert, sondern wirken unabhängig in jeder Zelle des Menschen.
6 Mühlbauer: Sozialisation, S. 32
7 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 176
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3.2.1. Der Thanatos
Der Thanatos wird allgemein auch als der Todestrieb oder Destruktionstrieb bezeichnet. Er ist der ältere Trieb der beiden im Menschen vorhandenen Haupttriebe. Als seine Hauptaufgabe hat er die Zerstörung von Einheiten und die Desintegration. Sein Endziel ist es, den Menschen in den anorganischen Zustand zurück zu führen. Außerdem sagt Freud, dass der Mensch zerstören wollen muss, da dies angeblich in seiner biologischen Konstitution verankert ist. Dennoch schafft der Mensch es, die Destruktivität bis zu einem bestimmten Grad zu begrenzen, jedoch die völlige Eliminierung dieses Triebs gelingt ihm nie. Die Destruktionsenergie des Menschen ist entweder gegen sich selbst oder gegen seine Umwelt gerichtet. Seine Energie wird als Destrudo bezeichnet.
3.2.2. Der Eros
Der Eros entspricht dem Lebenstrieb, dessen Aufgaben das Herstellen von Einheiten, die Selbst- und Arterhaltung, das Überleben und das Weiterleben sind. Außerdem fungiert er als Macht- und Geltungstrieb. Die Energie des Eros ist die Libido. Ein weiterer sehr in die Irre führender Name für diesen Trieb ist die Bezeichnung Sexualtrieb. Hierbei muss man beachten, dass Sigmund Freud den Begriff der Sexualität als sehr viel umfassender betrachtet als man es normalerweise tut. Sexualität nach Freud ist demnach alles, was dem Menschen Lust verschafft. 8
3.2.3. Wechselspiel von Thanatos und Eros
Die Triebe sind beide ständig wirksam und vereinigen sich, beziehungsweise bekämpfen gegeneinander, bis der Todestrieb die Oberhand erringt. Der Tod des Individuums wird deshalb auch als der letzte Triumph des Thanatos bezeichnet.
8 Mühlbauer: Sozialisation, S. 33
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3.3. Neurosen als Folge eines verdrängten Triebs
Neurose ist der Ausdruck für einen krankmachenden, seelischen Konflikt, der allerdings unbewusst ist. Dieser Konflikt entsteht bereits in der Kindheit. Ursache des Konflikts ist ein Kompromiss zwischen Trieben und deren Abwehr auf Grund von Angst. Angst ist im Grunde genommen immer der Auslöser einer Neurose. Denn die Angst, die im Ich entsteht, sorgt überhaupt dafür, dass ein Trieb nicht befriedigt werden kann, beziehungsweise darf. Durch die Verdrängung eines Triebs kann es beim Menschen zu krankhaften, psychischen und somatischen Spannungen kommen. Freud unterteilt Neurosen in zwei Gruppen, wobei er die eine Gruppe Aktualneurosen und die andere Psychoneurosen nennt. 9 Unter einer Aktualneurose versteht Freud Neurasthenien, Angstneurosen und Hysterie. Die Psyche spielt laut Freud bei Aktualneurosen keine Rolle.
Die Psychoneurosen beinhalten Übertragungsneurosen und narzisstische Neurosen. Übertragungsneurosen wiederum umfassen Konversionshysterie, Angsthysterie und Zwangsneurosen. Unter narzisstischen Neurosen versteht Sigmund Freud vor allem schwere neurotische Depressionen wie zum Beispiel Melancholie, paranoide Zustände und die Grenzfälle der Schizophrenie und Depersonalisation. Im Falle der Übertragungsneurosen besteht ein Konflikt zwischen dem Ich und dem Es. Ein Konflikt zwischen dem Ich und dem Über - Ich ist der Auslöser für eine narzisstische Neurose.
Neurosen haben ihren Ausgangspunkt in der Kindheit. Hier ist das Ich schwach, unfertig und widerstandsunfähig. Es scheitert an der Bewältigung von Aufgaben, die es später spielend erledigen könnte. Weiter behauptet Freud, dass es von der Quantität der Libido und von der Möglichkeit der Befriedigung dieser abhängt, ob ein Mensch überhaupt an einer Neurose erkrankt. 10
4. Der psychische Apparat
Freud unterteilt den psychische Apparat in drei Systeme: das Unbewusste, das Vorbewusste und das Bewusste.
Das Unbewusste ist nach Freuds Meinung das Verdrängte. Unbewusste Prozesse können der betroffenen Person nur sehr schwer und gegen einen inneren großen Widerstand bewusst
9 Sulloway, Frank J.: Freud, S. 158
10 Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse, S. 188
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des Lebens verdrängt wurden und die sich häufig in so genannten Fehlleistungen wie zum Beispiel Versprechern oder in Träumen aufzeigen lassen. In der Überlegung von Freud nimmt der Teil des Unbewussten einen größeren Teil ein als der Raum des Bewussten. Zum Beispiel untersuchte Freud Träume als ein Ausdruck des Unbewussten. Träumen ist seiner Meinung nach eine Situation, die deutlich macht, woraus man das Unbewusste erschließen und ergründen kann.
Dem Vorbewussten weist Freud die latenten Inhalte zu. Vorbewusste Prozesse sind der betreffenden Person nicht klar, können aber durch verschiedene Maßnahmen ins Bewusstsein zurückgeholt werden.
Bewusste Prozesse werden unmittelbar erlebt, jedoch nur ein geringer Teil der seelischen Vorgänge im Menschen ist bewusst, das meiste spielt sich im Unbewussten oder Vorbewussten ab. Diese drei Begrifflichkeiten kann man aber nicht automatisch genau einander gegenüberstellen oder zuordnen, sondern sie greifen über. Anschaulich dargestellt wird dies an folgendem Beispiel: Wir stellen uns ein Land mit unterschiedlicher Landschafts-, Gesellschafts- und Bevölkerungs- Struktur vor. Es gibt Hügel, Seenlandschaften und Landebenen. In den Hügeln leben nur Deutsche, die Weinbau betreiben. In der Seeebene leben nur Slowaken, die nur fischen und die Landebene, in der die Ungarn leben und Viehzucht betreiben. Vorstellen kann man sich dieses, aber in der Realität ist so etwas wohl kaum denkbar, sowohl in Bezug auf die regionale Ausbildung der Landschaft, als auch auf die Bevölkerungsstruktur. 11
4.1. Die Instanzen der Persönlichkeit
Freud unterscheidet drei Persönlichkeitsinstanzen, die die Verhaltensweisen des Kindes erklären. Er nennt sie das Es, das Ich, und das Über - Ich. Sie entwickeln sich nacheinander in der frühen Kindheit und stehen ständig in Wechselbeziehung.
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4.1.1. Das Es
Das Es ist laut Freud vom ersten Lebtag des Menschen in ihm vorhanden und anfangs auch die einzige vorhandene Instanz. Das Es ist die Instanz der Triebe, Bedürfnisse und Wünsche. Seine Steuerung folgt den Trieben und das Es handelt nach dem Lustprinzip. Die Triebwünsche des Es richten sich immer auf ein bestimmtes Ziel oder Objekt. Dieses Objekt kann auch ein Mensch oder eine Personengruppe sein. Ein passendes Beispiel hierfür wäre Folgendes:
Beim Wunsch nach Zärtlichkeit gegenüber der Freundin ist das Ziel die Befriedigung des Zärtlichkeitsbedürfnisses und das Objekt die Freundin. 12 Weiter wird das Es so beschrieben, dass es keine Gesetze logischen Denkens kennt. Wertungen, Gutes und Böses sowie Moral sind ihm völlig unbekannt. Einzig und allein das blinde Streben nach Befriedigung der Triebe, Wünsche und Bedürfnisse sind Ziel des Es. Teilweise sehen andere Psychologen das Es als etwas sehr Gewaltiges: Das Es ist von ungestümer Energie, da es sich aus der irrationalen Kraft des Instinktes nährt. 13 Der Inhalt des Es ist ererbt und aus diesem Grund bleibt das Es auch das ganze Leben lang der wichtigste Teil des psychischen Apparates.
Den Begriff des Es hat Sigmund Freud von Groddek (Das Buch vom Es) übernommen. 14 Begründet hat er seine Wahl wie folgt:
Das neutrale Personalpronomen Es, dessen Funktion dem lateinischen id entspricht und vor unpersönlichen Verben als Subjekt fungiert, ist eine treffende Bezeichnung für das Unbestimmte und Unpersönliche des Instinktes. 15
4.1.2. Das Ich
Das Ich handelt nach dem Realitätsprinzip und ist somit die Instanz, die die bewusste Auseinandersetzung mit der Realität leistet und den Anforderungen der Außenwelt genüge tun will.
Die Entwicklung des Ich erfolgt auf diese Weise: Das Erfüllen von Wünschen und Bedürfnissen ist nicht immer möglich. Um der Realität gerecht zu werden, muss auf
12 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 268
13 Lambertino, Antonio: Psychoanalyse und Moral bei Freud, S. 157
14 Lambertino, Antonio: Psychoanalyse und Moral bei Freud, S. 156
15 Lambertino, Antonio: Psychoanalyse und Moral bei Freud, S. 156
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Enttäuschungen hinnehmen und seine Grenzen erkennen lernen.
Kann sich das Ich gegenüber den beiden anderen Instanzen durchsetzen, handelt es sich um ein starkes Ich. Schafft es das nicht, spricht man von einem schwachen Ich. Liegt eine Ich- Schwäche vor, gibt es verschiedene Ausprägungen:
1. Das Es siegt über das Ich: dies tritt ein wenn das Über - Ich zu schwach ist, 2. Über - Ich siegt über das Ich: tritt ein wenn das Ich sich nicht mehr gegen das Über - Ich behaupten kann,
3. Realität siegt über das Ich: tritt ein, wenn das Ich von den Forderungen der Realität beeinflusst wird.
Allerdings hat niemand nur ein starkes, oder nur ein schwaches Ich, die Übergänge sind fließend. Das Ich steht unter dem Einfluss der Außenwelt, die der Bedürfnisbefriedigung im Wege steht. Das Ich entwickelt sich somit aus dem Es heraus. Freud bezeichnet das Ich als die 2. Instanz, die besonnen und vernünftig handelt.
Des Weiteren wird das Ich oft als Mittelpunkt angesehen, denn es muss versuchen, den verschiedenen Ansprüchen des Es und des Über - Ich gerecht zu werden. Da es nicht möglich ist, beide gleichzeitig auszuleben, sind Konflikte unvermeidlich.
Das Ich ist auch die Instanz, die denkt und handelt, plant, wählt, fühlt, will, urteilt und wertet. Es enthält alle zur Anpassung nötigen kognitiven Fähigkeiten und Funktionen wie Intelligenz, Kreativität, Gedächtnis, Sprach- und Lernfähigkeit, Denken, Urteilen, usw. Das Ich ist die Weiterentwicklung des Es, das durch Einflüsse der Außenwelt entstanden ist. Es ist der logische, organisierte Teil des Es und entscheidet, ob es sich Reizen aussetzt oder sie abwehrt. Außerdem regelt es den Kontakt zur Umwelt. Das Ich hat die Fähigkeit willens gesteuert die Außenrealität zu seinem Vorteil umgestalten und wird auch umgekehrt durch den Druck von außen verändert.
Das Realitätsprinzip löst im Übrigen das Lustprinzip ab. 16 Dieser Übergang wird oft auch als die Veränderung des Kindes zum Mann bezeichnet.
Die Beziehung zum Es ist schwer klar darzustellen, denn das Ich ist Teil des Es, Fortsetzung des Es, aber auch Gegensatz des Es. Das heißt somit auch, dass die oben beschriebene Ablösung des Es durch das Ich nicht so strikt vorhanden ist, wie sie in diesem Werk dargestellt ist.
16 Freud Sigmund: Vorlesungen 1970 - 1988, S. 16
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Verhältnis des Ich zum Es mit dem des Reiters zu seinem Pferd verglich: Das Pferd (=Es) liefert die Energie, der Reiter (=Ich) bestimmt die Richtung, wohin es gehen soll, und leitet auch die Bewegung des Pferdes. Gelegentlich kann es jedoch vorkommen, dass der Reiter (=Ich) die Macht über das Pferd (=Es) verliert und dieses selbst bestimmt, wohin es galoppiert. Das Ich ist also nicht immer - wie es wünschenswert wäre - Herr über das Es 17 .
4.1.3. Das Über - Ich
Das Über - Ich handelt nach dem Moralitätsprinzip, es ist also die Instanz, die Wert - und Normvorstellungen umfasst und das Verhalten und Handeln des Ich im Sinne der geltenden Moral führt. Die Bildung des Über - Ich erfolgt auf folgende Weise: Eltern und andere Menschen wollen dem Kind beibringen, was gut und böse ist und was man tut bzw. nicht. Im Laufe der Entwicklung des Kindes übernimmt es diese Mahnungen und Belehrungen immer mehr. Es akzeptiert sie schließlich als richtig und wahr und so bildet sich die dritte Instanz, das Über - Ich heraus. Seine Funktionen sind zum Beispiel die Handlungen des Ich zu reglementieren, eine Zäsurfunktion und Schuldgefühle zu erzeugen. Des Weiteren vertritt das Über-Ich das Moralitätsprinzip, es bewertet Triebwünsche danach, ob sie zugelassen werden oder nicht. Hierzu ist anzumerken, dass Menschen aus anderen Kulturen ein anderes Über -Ich haben, denn bei ihnen herrschen auch andere Moralvorstellungen. 18 Hinter dem Über - Ich verbirgt sich die erste und bedeutsamste Identifizierung des Individuums. Hierbei identifiziert es sich mit der Elternfigur, Freud sieht im Vater mehr die Autoritätsperson als in der Mutter und sagt deshalb, dass das Über - Ich seine Entstehung dem Vater zu verdanken hat. Seiner Meinung nach prägt die Mutter nur ein bisschen mit. Sigmund Freud differenziert das Über - Ich noch in zwei Stadien, zum einen in das Individual
- Über - Ich, zum anderen in das Kultur - Über - Ich. Er beschreibt diese beiden Phasen des Über- Ich als zwei aufeinander folgende Stadien des selben Über - Ich, wobei seiner Meinung nach das erste aus der Beziehung zu den Eltern erwächst und das Kultur - Über - Ich sich aus dem Umgang mit der Gesellschaft entwickelt. Auf diese Weise wird das Kind erst sozial und durch die Gesellschaft auch noch zusätzlich moralisch.
17 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 269
18 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 269
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4.1.4. Die „Arbeitsweise“ der drei Instanzen:
Das Es kündigt Wünsche an, das Über - Ich bewertet diese und gibt Anweisung an das Ich, ob die Wünsche des Es zugelassen werden, oder nicht. Das Ich versucht nun zu vermitteln zwischen Über - Ich und Es und überprüft, inwiefern Befriedigung möglich ist. Je nach Wertvorstellungen, die im Über - Ich vorhanden sind, entscheidet sich, ob das Ich die Wünsche des Es annehmen kann. Akzeptierte Wünsche werden vom Ich gesteuert, wenn es möglich ist, oder abgewehrt und verdrängt, falls das Ich die Wünsche nicht zulassen will. Es, Ich und Über - Ich treten nicht getrennt auf, sondern sie greifen oftmals ineinander über, wobei sich die Grenzen vermischen.
Ein schönes Beispiel für das Zusammenspiel von den drei Instanzen ist Folgendes: August, 10 Jahre alt, möchte liebend gern ein Fahrrad haben, doch seine Eltern können ihm keines kaufen. Eines Tages sieht der Junge an einem Haus in einer verlassenen Strasse ein Fahrrad stehen, das nicht abgeschlossen ist und genau seinen Wünschen entsprechen würde. Es: Meldet den Wunsch an, ein Fahrrad zu besitzen. Ziel: Der Wunsch, ein eigenes Fahrrad zu haben. Objekt: Fahrrad
Über - Ich: Bewertung des Wunsches entsprechend der verinnerlichten Norm: „Man stiehlt nicht!“ Gibt die Anweisung, diesen Wunsch nicht zuzulassen.
Ich: Überprüft die Realität: Die Strasse ist verlassen, das Fahrrad nicht abgeschlossen; Reaktion der Eltern und Freunde, mögliche Anzeige bei der Polizei wegen Diebstahls... Das Ich vermittelt zwischen dem Es - Wunsch und der Einschränkung des Über - Ich: Je nach Stärke der Gefühle, die das Über - Ich erzeugt (Gewissensbisse, Schuldgefühle), sowie nach Wahrnehmung der Realität wird der Wunsch zugelassen oder abgewehrt. 19 Zur Verdeutlichung des psychischen Modells gibt es auch noch folgende Zeichnung, die Sigmund Freud zwar als anspruchslos bezeichnet, aber dennoch die Zusammenhänge der Instanzen gut vermitteln kann.
19 Hobmair, Hermann: S. 270
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Diese Skizze und Aussagen Freuds stammen aus Freud, Gesammelte Werke, Bd. XV, S. 85 21 Freud merkt zu dieser Skizze ergänzend an, dass das Es wesentlich größer dargestellt sein müsste, und dass die Grenzen zwischen den einzelnen Instanzen fließend und nicht - wie auf graphische Weise kaum anders darstellbar - scharf voneinander abgegrenzt seien. Ferner weist Freud auf individuelle Unterschiede hin.
4.1.5. Probleme beim Zusammenspiel von Es, Ich und Über - Ich
In einer gut funktionierenden Persönlichkeit wirken die drei Instanzen Ich, Es und Über - Ich zusammen. Stehen sie jedoch im Ungleichgewicht, dann treten Ängste auf. Der „Sitz“ der Angst ist das Ich. Doch Ängste haben auch einen Sinn: Sie ermöglichen und helfen dem Ich unter anderem, das Es zu kontrollieren.
Grundsätzlich nimmt Freud an, das Ich sei der Sitz aller Gefühle, somit gilt dies auch für die Angst. Zunächst glaubte er, Angst sei eine Folge aufgestauter Triebenergie bzw. Folge der Verdrängung, das heißt, die nicht befriedigte Libido wird in Angst umgewandelt. Später ändert er aber seine Meinung dahingehend, dass Angst die Ursache der Verdrängung sei und dass Angst automatisch entstehe, sobald eine nicht zu bewältigende Flut an inneren oder äußeren Reizen auf die Psyche eintrifft. Freud spricht in diesem Zusammenhang von traumatischen Ereignissen und nennt die Geburt als Prototyp solcher Begebenheiten, da zu
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Teil der neueren Angsthypothese Freuds, dass das Ich allmählich lernt, Angst zu erzeugen, wenn eine Gefahrensituation entsteht beziehungsweise wenn sie droht. Diese Signalangst ist eine abgeschwächte Form der Angst und hilft dem Ich dank der Wirkung des Lustprinzips bei der Kontrolle des Es in Gefahrensituationen.
Angst hat also generell eine überlebenswichtige Warnfunktion inne, wenn Es-Impulse aus dem Un- ins Bewusstsein zu gelangen drohen. Die Analogie zur Angst im körperlichen Bereich ist der Schmerz, der bei äußerer, physischer Gefahr alarmierend auftritt. Im Laufe der Entwicklung muss der Mensch mehrere Ängste überstehen. Gerade in der Kindheit drohen viele Angstmomente, denn das Ich ist noch nicht stark genug, um diese zu bewältigen. Die chronologisch eingeordnet erste Angst der Ur- oder Primärängste ist die vor Objektverlust. Darunter versteht man die Furcht vor dem Alleingelassenwerden, die Angst, das Objekt, zu dem man eine Beziehung aufgebaut hat, könne weggehen. Meist, oder besser im Normalfall handelt es sich bei dieser ersten Bezugsperson um die Mutter. Ist diese erste Angst jedoch überwunden und eine Objektbeziehung stabil aufgebaut, tritt an dessen Stelle das Urvertrauen. Nun droht jedoch die Gefahr, das Objekt könne böse oder sogar gefährlich sein - Angst vor dem Verlust der Liebe durch das Objekt entsteht. In extremen Fällen reagieren Kinder mit massiven Verhaltensauffälligkeiten, um eine irgendwie geartete Zuwendung gesichert zu sehen.
In der phallischen Phase (was dies genau ist, wird später erläutert), also im Alter von etwa drei bis sechs Jahren, tritt die Kastrationsangst auf, 22 also die Furcht des Kindes, sein Glied könne beschädigt werden. Diese speziellere Angst führt schließlich auch zur Verwerfung der ödipalen Inzestwünsche.
Ist das Über-Ich schließlich ausreichend differenziert, droht auch hier eine Angstquelle. Nachdem die von den Eltern anerzogene Moral internalisiert wurde, ist das Kind nun in dieser Phase nicht mehr durch äußere Gefahr, also Realangst bedrängt, sondern durch Furcht vor der Bestrafung durch das Über-Ich. Diese Angst wird daher als „Gewissens-“ oder Über-Ich-Angst bezeichnet. Weiter unterscheidet Freud bei den Ängsten noch zwei andere Formen von Angst: Zum einen die Realangst, zum anderen die neurotische Angst.
22 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 281
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4.1.5.1. Die Realangst
Sie ist die Reaktion der Wahrnehmung einer äußeren Gefahr und damit einer erwarteten Schädigung. Die Realangst ist abhängig von unseren Erfahrungen und ist eine Reaktion des Ich auf eine äußere Gefahr.
4.1.5.2. Die neurotische Angst
Freud unterscheidet mehrere Formen von neurotischer Ängstlichkeit. Die eine nennt er die „allgemeine Ängstlichkeit“, gemeint ist hiermit zum Beispiel Schüchternheit und Gehemmtheit. Eine andere nennt er „Phobie“. Phobien sind an Objekte gebundene Ängste. Diese Ängste verstehen wir zwar, finden jedoch deren Intensität übertrieben. Ein Beispiel hierfür wäre eine Spinnenphobie, also Spinnenangst.
4.1.5.3. Die Entstehung von Phobien
Laut Freud wird zunächst Unerwünschtes verdrängt, dabei kann keine Energie abgeführt werden. Die Folge davon ist ein Libido - Stau. Die gestaute Energiemenge wird zu Angst, die dann an eine äußere Gefahr gekoppelt wird. Auch hierbei unterscheidet Freud wieder zwei Arten von Angst. Die erste nennt er „Signalangst“: Sie entsteht, wenn Gefahr droht oder erwartet wird. Bestimmte Gefahren sind seit frühester Kindheit vorhanden und bestehen im Trauma weiter. Aufgabe von Signalängsten ist es, den Es - Impuls in Schach zu halten. Die zweite Angst nennt Freud „Automatische Angst“. Sie entsteht, wenn der Mensch den Ansturm von Reizen, insbesondere die vom Es oder aus dem Inneren, nicht mehr bewältigen kann. Auch durch die Wiederkehr traumatischer Ereignisse kann „Automatische Angst“ entstehen. Sie ist charakteristisch bei der Ich - Schwäche.
5. Die Entwicklung der Libido
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möchte ich zu Beginn einen kurzen Exkurs in die griechische Mythologie machen. Es handelt sich um die Sage um König Ödipus, nach dessen Leben Sigmund Freud eine bestimmte Phase des Verhaltens von Kindern benennt:
5.1. Exkurs: Die Ödipussage
Ödipus ist der Sohn des Laios, des König von Theben und seiner Frau Iokaste. Laios wurde vom delphischen Orakel gewarnt, einen Sohn zu zeugen, da dieser seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde. Als Iokaste dennoch einen Sohn zur Welt brachte, wurde dieser, nämlich Ödipus, auf dem Berg Kithairon mit durchstochenen Füßen ausgesetzt. Er wurde aber von Hirten gerettet, zu dem kinderlosen Königspaar Polybos und Merope nach Korinth gebracht, und dort als Sohn angenommen. Sie gaben ihm den Namen Ödipus, was so viel wie Schwellfuß heißt. Als Ödipus das Orakel wegen seiner geheimnisvollen Herkunft befragte und das Orakel die damalige Prophezeiung wiederholte, verließ Ödipus seine vermeintliche Heimat Korinth. Auf dem Weg durch Phokis traf er nahe einer Weggabelung auf Laios. Da er dessen Wagenlenker nicht rechtzeitig auswich, geriet er mit Laios in Streit und tötete seinen ihm unbekannten Vater. Er kam nach Theben. Dort löste er die Rätsel der Sphinx und befreite damit die Stadt von diesem Ungeheuer. Zum Dank erhielt er den Thron und die Hand der Königin, die ihm Eteokles, Polyneikles, Ismene und Antigone gebar. Was Ödipus jedoch nicht wusste, ist, dass die Königin seine eigene Mutter ist. Als eine Pest ausbrach und das Orakel die Bestrafung von Laios` Mörder forderte, kam durch den Seher Theiresias und als Ergebnis einer von Ödipus selbst geleiteten Untersuchung die Wahrheit ans Licht. Iokaste erhängte sich, Ödipus stach sich beide Augen aus, und Eteokles und Polyneikles vertrieben ihn aus der Stadt. 23
23 www.hausarbeiten.de
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5.2. Die Entwicklung der Libido
Die Entwicklung der Libido erfolgt in drei Phasen, die nach dem jeweils dominierenden Körperteil benannt sind. 24 Diese Phasen nennt Sigmund Freud die orale, die anale und die phallische Phase. Je älter ein Kind wird, desto mehr kann das Kind. Das, was in der ersten Phase erlernt wird, wird in der zweiten und dritten Phase weiterverwendet. Es erfolgt jedoch eine stärkere Akzentuierung auf neue Verhaltenselemente. Die Entwicklung der Libido erfolgt vom ersten Lebtag an, setzt sich fort bis zum Alter von ungefähr sechs Jahren und ruht dann bis zur Pubertät.
5.2.1. Die orale Phase
Die orale Phase ist die erste von den freudschen Phasen. Oral kommt vom lateinischen Wort os, oris und bedeutet: der Mund. Diese Phase ist vor allem im ersten Lebensjahr vorherrschend. Während diesem Zeitraum passiert die Reduktion der Triebspannung durch die Stimulation des Mundes. Ein vorherrschender Wunsch in dieser Periode ist das Einverleiben. Bereits hier wird auch der Aufbau der Beziehung zur Umwelt geprägt. Es wird also entschieden, ob dieser Mensch eine positive oder negative Grundeinstellung in seinem Leben hat. Dies geschieht über positive oder negative Erfahrungen. Bei positiven wird eine optimistische Lebensgrundeinstellung ausgebildet und die Person ist dann meist offen für Neues und hat ein gewisses Urvertrauen. Negative Erfahrung hingegen können pessimistische Lebensgrundeinstellungen verursachen. Diese Menschen haben dann meist Angst vor Neuem und ein so genanntes Urmisstrauen. Charakteristisch für Menschen dieser Art sind Störungen wie chronische Angst, neurotische Störungen, Konfliktunfähigkeit, Abhängigkeit, oral eingenommene Drogen, sexuelle Störungen wie zum Beispiel übertriebener Oralsex, Nägelkauen, Gier oder falsche Bescheidenheit.
Lustgewinn kann während dieser Zeit durch alles, was mit der Mundzone in Zusammenhang steht, erreicht werden. Beispiele hierfür sind das Saugen, das Schlucken, das Beißen, die
24 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie: S. 278
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Saugen an der Mutterbrust.
Ein weiteres wichtiges Merkmal dieser Phase ist, dass es für das Kind anfangs keinen Unterschied zwischen der Innenwelt und der Außenwelt gibt.
5.2.2. Die anale Phase
Freuds zweite Phase: Diese Phase ist beim normal entwickelten Kind während dem zweiten und dritten Lebensjahr präsent. Der Name anal kommt ebenfalls aus dem lateinischen und bedeutet: der After.
Hier herrscht eine Reduktion der Triebspannung durch Stimulation der Afterregion vor. Lust- beziehungsweise Unlusterlebnisse des Kindes konzentrieren sich auf den Ausscheidungsvorgang, im Besonderen auf das Hergeben und Zurückhalten der Ausscheidungsprodukte. 25
Psychologen, die sich psychoanalytisch orientieren, nehmen an, dass mit der Reinlichkeitserziehung die gesamte Thematik des Hergebens und Festhaltens beginnt. Macht das Kind die Erfahrung, dass das Hergeben von Kot Lust bereitet, wird es auch im späteren Leben gerne etwas hergeben. Passiert jedoch das Gegenteil und das Kind erfährt kein Lustgefühl beim Hergeben des Kots, so wird es auch im späteren Leben zu Geiz neigen. In dieser Phase bildet sich das Ich in der Auseinandersetzung mit der Realität und damit wird eine Beziehung zum Ich, zur eigenen Person, aufgebaut. Das Kind erkennt nun, dass es sich selbst und auch noch andere Menschen gibt. Nun soll im Kind die Fähigkeit aufgebaut werden, Selbstregulierung zu ermöglichen und weiter auch die Fähigkeit, äußere Kontrolle und Autoritäten anzuerkennen. Jetzt kann das Kind durch Lieben, beziehungsweise durch den Entzug von Liebe erzogen werden, es erlernt Durchsetzungsvermögen und das Erkennen von Grenzen. Es versteht nun auch Belohnung und Strafe.
Folgende Charakterzüge werden in dieser Phase erlernt: Die Beziehung zu Besitz, Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit und ähnlichem. Doch auch die Möglichkeit des Auftretens von Störungen ist hier gegeben. Mögliche Störungen sind Zwangsneurosen, wie zum Beispiel ein Wasch - oder Putzzwang, Psychosen, Fixierungen wie Eifersucht und Pedanterie, aber auch psychosomatische Erkrankungen wie chronische Verstopfung.
25 Mühlbauer: Sozialisation, S. 33
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5.2.3. Die phallische Phase
Die nach Freud dritte Phase ist in der Entwicklung des Menschen normalerweise in der Zeit des vierten und fünften Lebensjahrs anzutreffen. Der Wortursprung dieser Phase kommt diesmal aus dem Griechischen. Phallus auf Deutsch übersetzt heißt: das männliche Glied. Lustgewinn wird hier durch die Betätigung an den Genitalien oder durch Herzeigen des eigenen Geschlechtsteils erreicht. Auch das Betrachten der anderen und Spielen an ihm bringt dem Kleinkind eine enorme Befriedigung. Jungen und Mädchen stellen nun auch fest, dass es verschiedene Geschlechter gibt. Dies führt zu einigen Problemen. Auf Seiten der Jungen kommt es zur Kastrationsangst, denn sie bemerken, dass Mädchen keinen Penis haben. Dies führen sie darauf zurück, dass Mädchen wohl unartig gewesen seien und man ihnen den Penis entfernt habe. Vor selbigem Schicksal fürchtet sich nun der kleine Junge. Beim Mädchen entsteht ein so genannter Penisneid. Es bemerkt, dass es beim Jungen etwas gibt, was es selbst nicht hat und wünscht sich deshalb laut Freud nichts sehnlicher, als auch einen Penis zu besitzen. Auf diese Tatsache bezogen geht Freud davon aus, dass es zu einem Unterlegenheits- und Minderwertigkeitsgefühl der Frau gegenüber dem Mann kommt. Triebwunschäußerung wird in dieser Periode durch Begehren des gegengeschlechtlichen Elternteils ausgedrückt. Das heißt, Jungen verlangen äußerst stark die Liebe der Mutter und Mädchen sind in dieser Phase sehr stark auf ihren Vater fixiert. 26 Dieses Begehren nennt Freud den Ödipuskomplex, benannt nach der Tragödie um König Ödipus. Er äußert sich, wie bereits erwähnt, in der Regel als Liebeswunsch dem andersgeschlechtlichen und gleichzeitig als Todeswunsch dem gleichgeschlechtlichen Elternteil gegenüber. Erst im Laufe dieser Phase lernt das Kind dann, den Ödipuskomplex zu überwinden und seine eigene Geschlechterrolle zu akzeptieren. Dies geschieht beispielsweise durch Rollenspiele wie Vater
- Mutter - Kind. Natürlich kann es auch in dieser Phase zu Störungen kommen. Beispiele hierfür sind Probleme mit der Identifikation der eigenen Rolle, Probleme in Beziehungen und im Umgang mit anderen, Probleme mit Sexualität, Fixierung an einen Elternteil oder hysterische Neurosen.
26 Eysenck, Hans Jürgen: Sigmund Freud, S. 103
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5.2.4. Die Latenzperiode
Nun folgt die so genannte Latenzperiode. Latere kommt aus dem lateinischen und bedeutet: verborgen sein. Sie erstreckt sich über die Zeit vom sechsten bis zum zwölften Lebensjahr. Während dieser Zeit ruht die Entwicklung der Libido oder nach dem Wortursprung, sie ist verborgen. Die Dynamik der Persönlichkeit beginnt zu funktionieren und es bilden sich Abwehrmechanismen heraus. Das Kind wird fähig, auf Lustbefriedigung zu verzichten, sie auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben oder in andere Energien, wie z. B. in sachliches Interesse umzusetzen. Die Triebregungen treten in den Hintergrund, ihre Energie wird verlagert auf andere Bereiche und Gegenstände der Umwelt. Diese Entwicklung ist auf einen organischen Faktor zurückzuführen und tritt ohne Erziehung auf. Sie ist der Ursprung für sexuelle Verdrängung.
5.2.5.Die genitale Phase
Ab dem zwölften Lebensjahr tritt die letzte Phase, die genitale Phase ein. Gens, gentis kommt wiederum aus dem lateinischen und bedeutet: das Geschlecht. Zu Beginn der Vorpubertät erwacht die Sexualität unter dem Einfluss der Geschlechtshormone zu neuer Macht. Nun hat sie aber eine neue Funktion, nämlich die Fortpflanzung und nicht mehr nur die Lustbefriedigung. Es werden jetzt Sexualobjekte außerhalb der Familie gesucht. Die Sexualität tritt nun in den Dienst der Partnerschaft und ist jetzt eine Form, sozialer Interaktion und Kommunikation.
5.2.6. Psychische Störungen
Sollten das Es, das Über - Ich und das Ich nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen, können psychische Störungen entstehen. Ebenso führen Konflikte und Probleme, die im Zusammenhang mit der frühkindlichen Entwicklung der Libido stehen, zu Störungen des psychischen Apparates. Ein Beispiel für Konflikte in der Libidoentwicklung ist Folgendes:
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unzureichend befriedigt, entstehen seelische Fehlentwicklungen und es kommt zu Triebfrustrationen. Triebfrustration bezeichnet das Erleben einer Enttäuschung, die auftritt, wenn die Befriedigung wichtiger Bedürfnisse fortwährend verhindert wird. Es entsteht dann eine Fixierung, was meint, das das Kind auf einer bestimmten Entwicklungsphase stehen bleibt.
5.3. Weitere Entwicklungselemente
Nach Freud gibt es nun allerdings noch weitere Elemente, die wichtig bei der Entwicklung des Menschen und bedeutend für die zwischenmenschliche Interaktion sind. Dazu gehören die Sozialisation, die Identifikation und die Kultur.
5.3.1. Die Sozialisation
Die psychosexuelle Entwicklung hat nach Freud auch für die Sozialisation des Kindes eine große Bedeutung. So wird der erste Kontakt zur sozialen Umwelt über die innige Bindung zur Mutter hergestellt. Zeitlich einzuordnen ist dieser erste Ansatz von Sozialisation bereits in die orale Phase. Ebenfalls in diesem frühkindlichen Stadium entwickeln sich der Narzissmus und damit die Fähigkeit, sich lieben zu können. Erst wenn der Mensch sich selbst liebt, ist er fähig, auch andere Personen der Gesellschaft zu lieben.
Unter Sozialisation versteht man das gleiche wie unter Individualisierung. In einem Wörterbuch der Soziologie wird die Sozialisation als Folgendes beschrieben: „ Prozess, in dem der Mensch in die ihn umgebende Gesellschaft und Kultur hineinwächst und durch das Erlernen sozialer Normen und Rollen zu einem eigenständigen, handlungsfähigen sozialen Wesen wird.“ 27
Ein Beispiel dafür, dass der Mensch überhaupt ein soziales Wesen ist, beziehungsweise sozialisiert werden muss, ist Kommendes: Der Mensch braucht teilweise zur Triebbefriedigung andere Menschen, so braucht das Kind die Mutter, da es beispielsweise die Mutterbrust zum Milch saugen benötigt oder der Erwachsene hätte gerne einen Sexualpartner.
27 Schäfers, Bernhard: Grundbegriffe der Soziologie, S. 269
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5.3.2. Die Identifikation
Die Identifikation ist die Grundlage für die Entstehung des Über - Ich. Identifikation ist eine notwendige Voraussetzung für die Sozialisation. Sie ist der Vorgang, durch den Individuen versuchen, wie ein Objekt ihrer Umwelt, also wie jemand oder wie etwas zu werden. Identifikation ist nach Freud in vielen Lebenslagen unumgänglich. So kann man durch sie beispielsweise die Abwehr der Angst erreichen. Dies geschieht dadurch, dass man sich mit einer anderen Person identifiziert. Einige Beispiele hierfür wären starke Persönlichkeiten, ein aggressiver Mensch, ein Sänger oder Musiker beziehungsweise Schauspieler. Auch die Identifikation beginnt bereits in der oralen Phase. Sie tritt hier anfangs nur durch Nachahmen auf und setzt sich dann immer weiter fort über Sprechen lernen, Imitation von Gewohnheiten, Interessen und schließlich durch das Verehren von Idolen. Dies waren bis jetzt nur Arten von positiver Identifikation. Sie ist notwendig für das soziale Lernen. Neben dieser Form gibt es noch die Identifikation aus Angst heraus. Bei dieser Identifikation identifiziert sich das Kind aus Angst mit seinem Gegner oder Bedroher und wird so selbst vom Bedrohten zum Bedroher. Laut Freud geschieht dies alles in unbewusster Phantasie.
Zusätzliche Motive zur Identifikation sind auch die Triebe, denn das Objekt, mit dem sich das Kind identifizieren will, ist mit Libido besetzt und da das Kind immer eine Triebbefriedigung erstrebt, identifiziert es sich mit seinem Objekt. 28
5.3.3. Die Kultur
Zu Beginn wieder die Definition laut der Soziologie: „Heute versteht man unter Kultur die raum- zeitlich eingrenzbare Gesamtheit gemeinsamer materieller und ideeller Hervorbringungen, internalisierter Werte und Sinndeutungen sowie institutionalisierter Lebensformen von Menschen.“ 29
Des Weiteren wird Kultur auch als der Prozess bezeichnet, bei welchem das Kind die Entdeckung der Mutter als Objekt und die Entdeckung des Selbst, aus der Welt des
28 Mühlbauer: Sozialisation, S. 40
29 Schäfers, Bernhard: Grundbegriffe der Soziologie, S. 169
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Kennzeichen eines kultivierten Menschen. Ebenso ist Kultur ist aufgebaut auf Kosten der Aggressionsneigung der Individuen, auf Entsagungen und ihren sozialen Korrelaten, den Verboten.
Ist ein Mensch kulturfeindlich, so ist die Sehnsucht nach einem ungehemmten Ich in dieser Person vorhanden. Die Kulturentwicklung insgesamt ist ein Kampf zwischen Eros und Thanatos. Sie wird auch als der Lebenskampf der Menschenart bezeichnet. Siegt in diesem Kampf der Eros, so kann ein Mensch kultiviert werden.
6. Anerkennung der Psychoanalyse
Während sich die psychoanalytische Bewegung ausbreitete und in Europa sowie in den USA an Anerkennung gewann, kam es zwischen Freud und seinen Anhängern zu heftigen Kontroversen. Dennoch besteht die große wissenschaftliche Leistung Freuds darin, durch den Nachweis der Existenz und des Wirkens des Unbewussten ein völlig neues Verständnis der menschlichen Persönlichkeit ermöglicht zu haben. Darüber hinaus begründete er eine neue medizinische Disziplin und legte grundlegende therapeutische Vorgehensweisen dar, die heute in abgewandelter Form in der psychotherapeutischen Behandlung der Neurosen und Psychosen in großem Umfang eingesetzt werden. Freud galt und sah sich selbst als revolutionär, weil er den Menschen durch seine Behauptung erniedrigte, eben dieser sei hauptsächlich durch seine größtenteils unbewussten Triebe gesteuert. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass Freud in einem Zeitalter gelebt hat, das als äußerst prüde bezeichnet werden muss. Der Aufschrei in der Gesellschaft als Reaktion auf Freuds Theorien war deshalb umso größer.
Betrachtet man jedoch den Inhalt der Theorien aus nüchternerer Perspektive, so kann man darin sogar eine gewisse Aufwertung der Gattung Mensch finden: Die Vorstellung, verschiedene psychische Instanzen teilen sich die Aufgabe der Lebensbewältigung; die Idee einer Art ,,Gewaltenteilung“ der Psyche; der Gedanke an die Möglichkeit, dass sich ein Lebewesen aus Gründen des Schutzes Dinge vor sich selbst unbewusst machen, also gewissermaßen verheimlichen kann - dies alles spricht für eine hohe Komplexität und somit Sonderstellung des menschlichen Wesens.
Infolgedessen und mit Berücksichtigung des bereits erläuterten riesigen Einflusses von Freuds
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seltsam anmutenden Vergleich als ,,zweiten Luther" bezeichnen. So wie Luther einst die Kirche mit neuen Ideen reformierte und dauerhaft beeinflusst hat, so war auch Freud ein entscheidender Eckstein für die Psychologie. Zwar wurden beide mit viel Kritik konfrontiertihr Name und ihr Werk bleiben jedoch unvergessen. Doch gerade diese Tatsache, dass seine Theorie im Laufe der wissenschaftlichen Entwicklung bis zum heutigen Zeitpunkt ein derart großes Thema der Diskussion darstellte, ist alleine ein Beweis für die Gewichtigkeit von Freuds Aussagen. Weiterhin haben viele Elemente aus Freuds Lehre - teilweise in abgewandelter Form -Einzug in die moderne Forschung gehalten. So wird zum Beispiel die Tatsache, dass das Unbewusste bei unserer täglichen Lebensbewältigung eine große Rolle spielt, bei der modernen Erforschung des Bewusstseins akzeptiert, auch wenn Skepsis gegenüber den negativen Folgen der unbewussten Prozesse herrscht.
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C: Schluss
1.Öffentliche Kritik an Freuds Theorie
Sigmund Freud hat keine konkreten Theorien für seine Thesen und hat viele seiner Studien nur an sich oder Jungen durchgeführt. So kommt es, dass im Bezug auf seine Theorien über die männliche Entwicklung nicht wirklich viele Versuche durchgeführt wurden. Darunter leidet die Verlässlichkeit seiner Theorie stark. Die weibliche Entwicklung hat er sogar noch weniger genau erforscht als die männliche und so ist auf diese wenig Verlass. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass immer mehr Psychologen wie zum Beispiel Kohlberg Gegenteiliges zu Freud erforschen. Man kreidet Sigmund Freud stark an, dass er den Menschen nur als reines Triebwesen betrachtet 30 und dass er davon ausgeht, dass jede Handlung des Menschen von sexuellen oder aggressiven Triebimpulsen gesteuert wird. Nach dem Standpunkt neuerer Forschungen ist diese Sichtweise jedoch zu sehr verengt und es ist anzunehmen, dass der Organismus nicht nur aktiv wird, um Triebwünsche möglichst umfassend zu befriedigen und innere Spannungen zu vermindern. Zudem wird durch das Festgelegtsein des Verhaltens dem Menschen so gut wie keine Selbssteuerung und Autonomie zugestanden.
Auch Freuds Annahmen darüber, dass es einen Todestrieb mit aggressiven Äußerungsformen gibt, sind sehr umstritten. 31 Freud kann keine innere organische Quelle beziehungsweise keine psychische Energie für diesen angeben. Modernere Untersuchungen weisen im Übrigen auch darauf hin, dass Aggressionen insbesondere auf Erfahrungen zurückgehen. Ein weiterer Punkt, warum die Psychoanalyse oft abgelehnt wird, ist der, dass sie die Sexualität überbetont und das gesamte seelische Leben auf Sexualität beschränkt. 32 Hierzu muss jedoch, wie bereits erwähnt, darauf hingewiesen werden, dass Freud den Begriff der Sexualität umfassender gesehen und nicht nur auf die Genitalität eingeengt hat. Für viele Wissenschaftler sind Freuds Aussagen nicht wissenschaftlich fundiert. Ihrer Meinung nach kann nämlich aus dem Studium psychisch Kranker keine allgemein gültige
30 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 288
31 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 288
32 Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse, S. 188
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33 Zum sind auch viele Aussagen durch Beobachten nicht beweisbar, sondern lassen sich lediglich durch Interpretation und Deutung von Berichten erschließen.
Obwohl die Freudsche Psychoanalyse viele schwer nachprüfbare Theorien enthält, wird sie auch heutzutage noch angewendet und gehört sogar zu den drei Behandlungsmethoden in der Psychotherapie, die von der Krankenkasse bezahlt werden.
Weiterer Knackpunkt bei Freud ist, dass alles, was man behauptet, operationalisiert werden können muss. Diese Tatsache ist wissenschaftstheoretisch vorgeschrieben und bei Sigmund Freud nicht durchführbar. Des Weiteren müssen solche Schätzungsmodelle lehr- und lernbar sein. Die Schwierigkeiten der Psychoanalyse beginnen bereits bei der Formulierung der Theorie. Da Freuds Untersuchungen größtenteils auf verbalen Befragungen beruhen, bringen sie den Nachteil mit sich, dass die Aussagen nicht der Wahrheit entsprechen oder mit Phantasien angereichert sein könnten. Im Übrigen ist es auch möglich, dass bestimmte Inhalte bewusst nicht ans Tageslicht gelassen werden. Und zu guter Letzt verwendet Freud auch sehr viele Schätzmodelle, die immer gewisse Fehler mit sich bringen. Eines der weiteren Hauptargumente, die Freuds Kritiker ins Feld führen, ist der Vorwurf der unklaren beziehungsweise unscharfen Begriffsverwendung. So könnten manche Begriffe prinzipiell gar nicht widerlegt werden und Vorhersagen seien ebenso wenig möglich. Beispielsweise kann der unbewusste Vorgang der Verdrängung nicht im wissenschaftlichen Sinne untersucht werden. Eng damit verbunden ist der Vorwurf, Freuds Theorie sei lediglich retrospektiv, beziehe sich also nicht auf Voraussagen und vernachlässige den gegenwärtigen Zustand und die zukünftige Planung der Patienten. Ferner ist ein häufiger Gegenstand der Kritik die Tatsache, dass Freuds Theorie wenig über gesunde Lebensweisen aussage, da sich Freuds Erkenntnisse auf Erfahrungen mit klinisch betreuten Menschen mit Angstneurosen oder anderen psychischen Problemen stützten. So ist beispielsweise die Behauptung, der Mensch entwickle sich unter anderem durch Ängste und Traumata, in den Augen der Kritiker eine zu pessimistische Ansichtsweise.
Auch die fehlende Beobachtung von Kindern und somit der fehlende Aspekt der Entwicklung wird an Freuds Theorie bemängelt. Diesen und vielen anderen Kritikpunkten sieht sich Freuds Theorie gegenübergestellt.
33 Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, S. 289
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2. Persönliche Meinung
Ich bin der Ansicht, Sigmund Freuds Theorien über die Entwicklung des Kindes haben keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit. Sie erfüllen nicht die für die Bildung einer Theorie notwendigen Ansprüche. Meiner Meinung nach sind Freuds Untersuchungen nicht auf genügend breiter Ebene durchgeführt. Durch eigene Erfahrung und Umfragen in zwar geringem Maße konnte ich feststellen, dass Dinge wie Penisneid, Kastrationsangst und Lustbefriedigung durch Hergeben des Kotes in unserer heutigen Gesellschaft scheinbar gar nicht vorhanden sind. Des Weiteren fällt es mir schwer zu glauben, dass zu Zeiten Freuds Kinder einen so anderen Bezug zu ihren Geschlechtsorganen haben sollten. Im Übrigen ging Freud meiner Ansicht nach bei seiner Entwicklung der Theorien zu sehr von sich selbst aus. Möglicherweise kann man zwar den Ödipuskomplex bei einigen Kindern beobachten, aber das kann auch Zufall sein. Infolgedessen bleibt zweifelhaft, ob von diesen einigen Kindern ein allgemeingültiges Gesetz abgeleitet werden kann.
- 32 - 8.Literaturverzeichnis:
Eysenck, Hans Jürgen:
Sigmund Freud: Niedergang und Ende der Psychoanalyse, München 1985
Fernandez - Schmid, Susanne B.:
Der Mensch als kulturelles Wesen in Freuds Psychoanalyse, Zürich 1988
Freud, Sigmund: Abriss der Psychoanalyse, Frankfurt 2001
Hobmair, Herrmann: Pädagogik/Psychologie, Köln 1998
Lambertino, Antonio: Psychoanalyse und Moral bei Freud, Bonn 1994
Leupold- Löwenthal/Scholz- Strasser: Sigmund Freud Vorlesungen 1970 - 1988, Köln 1990
Mühlbauer: Sozialisation, München 1980
Sulloway, Frank J.: Freud Biologe der Seele, Köln - Lövenich 1982
www.google.de
www.hausarbeiten.de
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Katja Voit, 2003, Klassische Entwicklungstheorie Freuds, München, GRIN Verlag GmbH
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