Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Allgemeines 4
1.1 Fernsehen 4
1.2 Computer und Internet 5
1.3 Radio 6
1.4 Printmedien 7
2. schicht- und bildungsspezifische Unterschiede 8
2.1 Fernsehen 8
2.2 Computer und Internet 9
2.3 Radio 10
2.4 Printmedien 10
3. geschlechtsspezifische Unterschiede 12
3.1 Fernsehen 12
3.2 Computer & Internet 12
3.3 Radio 14
3.4 Printmedien 14
4. Zusammenfassung, Deutung und wissenschaftlicher Diskurs 15
5. Fazit 18
6. Literaturverzeichnis 19
7. Anlagen 20
Einleitung
In den letzten 60 Jahren hat sich der Lebensabschnitt Kindheit in Vielerlei Hinsicht stark verändert. Eine Dimension dieses Wandels ist die rasante Entwicklung neuer Medien und ihr schnell verbreiteter Gebrauch. Dermaßen tief greifende und anhaltende Veränderungen des Alltags bringen selbstverständlich auch Folgen für das Aufwachsen in einer mediatisierten Welt mit sich. Sie werfen Fragen und Probleme auf, besonders dann, wenn die Veränderungen in den einzelnen Generationen unterschiedlich stark ausgebildet sind.
Diese Arbeit soll zeigen, wie Kinder und Jugendliche die Bandbreite an Medien heute nutzen, rezipieren und einschätzen und welche Auswirkungen dies auf ihre Sozialisation und den Verlauf ihres späteren Lebens hat bzw. haben könnte.
Auch wenn eine diachrone Sichtweise über die Entwicklung der Mediensozialisation sehr interessant wäre, musste die Arbeit auf eine synchrone Betrachtung beschränkt werden, da eine Vielzahl aktueller und halbwegs aktueller Daten einem Minimum an Daten aus den 1950er oder ’60er Jahren entgegensteht. Arbeitsaufwand und Textlänge würden den Rahmen dieser Arbeit sprengen und die Qualität der Erkenntnisse wäre auf Grund der Informationslage fragwürdig.
Sehr gutes und noch dazu aktuelles Material lieferte die JIM-Studie, die seit 1998 jährlich erhoben wird. Die in dieser Arbeit verarbeiteten Forschungsergebnisse stammen im Wesentlichen aus der oben genannten Studie aus dem Jahr 2002 und werden durch Erhebungen aus den übrigen Aufsätzen oder Büchern erweitert, ohne dabei der Illusion zu erliegen, die Gesamtheit der behandelten Thematik vollständig zu behandeln.
Um die Menge der vorhandenen (aktuellen) Daten zu strukturieren, werden die Forschungsergebnisse zuerst allgemein dargestellt, danach werden bildungs-und sozialspezifische Aspekte herausgearbeitet und es folgt die Untersuchung geschlechtsbedingter Unterschiede bei der Mediennutzung. Im Anschluss daran werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengetragen, gedeutet und mit Stimmen und Einschätzungen aus der Jugendmedienforschung in Bezug gesetzt. Am Ende wird ein kleines Fazit die grundlegenden Ergebnisse dieser Arbeit noch einmal konzentriert widerspiegeln.
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1. Allgemeines
1.1 Fernsehen
Das Fernsehen kann als Leitmedium der jugendlichen Mediennutzung angesehen werden (vgl. Fromme, S. 29). Es zählt zum Standardinventar in Haushalten (vgl. JIM, S. 15) und zwei Drittel der Jugendlichen haben sogar ihren eigenen TV-Apparat (JIM, S. 17). Mit 94% ist es das Medium, dass die meisten Jugendlichen erreicht (JIM, S. 18) und ca. 90% schauen sogar mehrmals in der Woche fern (Vollbrecht, S. 16). Informationen über die durchschnittliche Fernsehdauer pro Tag schwanken zwischen „rund 100 Minuten“ (s. Fromme, S. 39) und 136 Minuten (Hoffmann, S. 132), der kleinere Wert ist hier allerdings der aktuellere. „Das Fernsehen hat trotz zunehmender Computernutzung der Jugendlichen offensichtlich nicht an Attraktivität verloren“ (s. JIM, S. 20), allerdings verliert es dafür immer mehr jugendliche Zeitkontingente an den PC (vgl. JIM, S. 57; s. Anlage 9). Im Gegensatz zum Internet wird das Fernsehen von Jugendlichen nicht als adäquate Quelle auf der Suche nach Informationen angesehen (vgl. JIM, S.64), vielmehr bedient es nur die Themengebiete Musik, Sport und (natürlich) Film in wirklich relevantem Maße (vgl. JIM, S. 11 u. 13). Privatsender sind bei jugendlichen Zuschauern mit Abstand am beliebtesten, gefolgt von den (ebenfalls privaten aber doch spezielleren) Musiksendern (vgl. JIM, S. 20; s. Anlage 3). Die beliebtesten Programmangebote sind Seifenopern, Cartoons und Comedy-Sendungen; allerdings sind diese Ergebnisse - wie sich zeigen wird - stark geschlechtsabhängig (vgl. JIM, S. 22f.; s. Anlage 4). „Im Prozess der Sozialisation ist heute das Fernsehen das vorherrschende Angebot, aus dem sich Heranwachsende Wissen und Orientierung für ein erfolgreiches Hereinwachsen in die Welt heraussuchen“ (s. Schorb, S. 77). Jugendliche suchen also auch im Fernsehen Hilfe bei entwicklungsbedingten Problemen und Fragen, da auch dieses Medium „Speicher und Spiegel gesellschaftlicher Wissensbestände, Normen und Bewertungen“ (ebd.) ist. Durch die Suche nach Idolen oder die Identifikation mit TV-Stars und deren „Verkörperung ’gesamtgesellschaftlicher Ideale und emotionaler Wertvorstellungen’“ (s. Wegener, S. 64) werden Jugendliche letztendlich im Sinne der Gesellschaft sozialisiert, „negativen Vorbildwirkungen wird per Gesetz gegengesteuert“ (s. Schorb, S. 75).
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1.2 Computer und Internet
Computer und besonders das Internet verzeichnen eine der stärksten Zuwachsraten unter den Medien. Die Internetnutzung hat sich von 1998 bis 2002 verachtfacht (JIM, S. 33), ca. 94% der Jugendlichen verfügen im Haushalt über einen Computer - 50% über einen eigenen - und 80% können daheim auf das Internet zugreifen (JIM, S. 15). 93% beschäftigen sich mindestens einmal im Monat mit dem PC, was allein im Vergleich zum Vorjahr der Erhebung ein Wachstum von 10% ergibt (JIM, S. 27). Bei diesen Zahlen ist es nicht verwunderlich, wenn die Nutzung von Online-Diensten mit 56% die am häufigsten ausgeführte Tätigkeit am PC darstellt, gefolgt vom Spielen am PC (44%) und dem Arbeiten für die Schule (33%) (JIM, S. 32; s. Anlage 6). Nach Selbsteinschätzung von Jugendlichen ist der Bereich „Schule und Arbeit“ mit 51% allerdings das wichtigste Aufgabenfeld der PC-Nutzung (JIM, S. 36; s. Anlage 7).
„Trotz hoher Einbettung in den Alltag, sieht knapp die Hälfte der Jugendlichen lieber fern als sich mit dem Computer zu beschäftigen und immerhin 39% ziehen des Lesen von Büchern der Computernutzung vor“ (s. JIM, S. 34). Trotzdem läuft der PC besonders dem Fernsehen die Beliebtheit ab: zuletzt 12% in fünf Jahren (JIM, S. 36). Insgesamt bleibt der Computer das zweitliebste Medium der Jugendlichen, bei den Jungen ist er hingegen im Jahr 2002 zum ersten Mal auf Platz eins gekommen (JIM, S. 69; s. Anlage 10). Bei der schnellen Suche nach Informationen nimmt das Internet mit 73% eine stark abgesetzte Spitzenreiterposition unter den Medien ein (vgl. JIM, S. 64). Auch bei der Suche zu Nachrichten aus den Themenbereichen „Musik“, „Ausbildung / Beruf“ und „Computer“ ist das Internet bei Jugendlichen beliebt (vgl. JIM, S. 11ff.). Allerdings kann heutzutage jeder Informationen ins Internet stellen, so dass auch an den jugendlichen Online-Nutzer die Erwartung gestellt werden muss, verlässliche von unglaubwürdigen Quellen unterscheiden zu können (vgl. Baacke u.a., S. 21). Neben der Information bildet auch die Kommunikation einen Großteil der Nutzungsmotive für das Internet (vgl. JIM, S. 46 u. 48).
Der soziale Austausch durch elektronische Post - die am stärksten nachgefragte Online-Aktivität der Jugendlichen (JIM, S. 49) - sollte dann auch in der „öffentlichen Diskussion“ beachtet werden, die in der JIM-Studie angesprochen wird (S. 37) und die Vereinsamungsbefürchtungen gegenüber
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PC-Nutzern aufgreift (ebd.). „Betrachtet man die subjektiven Einschätzungen der Jugendlichen, so scheinen die sozialen Kontakte nicht unter der Internet-Nutzung zu leiden“ (s. JIM, S. 57; s. Anlage 9), „ein Fünftel betont sogar, seit der Beschäftigung mit dem Internet mehr Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen“ (ebd.). Allerdings verbringen 40% der Jugendlichen seit der Internetnutzung weniger Zeit mit fernsehen oder Lesen (vgl. JIM, S. 57). Die Diskussion um Sinn und Unsinn der angesprochenen
Vereinsamungsbefürchtungen kann und soll hier aber gar nicht geklärt werden. Schorb stellt fest, „dass die Mediatisierung bzw. Computerisierung der institutionalisierten Bildung bislang keineswegs das Schulsystem oder die Schulleistungen verbessert hat“ (S. 76). Dazu ist anzumerken, dass 80% der Jugendlichen sich deutlich für eine häufigere PC-Nutzung in der Schule aussprechen (JIM, S. 39), was vermuten lässt, dass die PC-Nutzung in den Schulen eventuell doch noch zu zaghaft realisiert wird, um positive Ergebnisse zu erwarten.
1.3 Radio
Auch das Radio gehört zum heutigen Standardinventar in Haushalten (JIM, S. 15). Es erreicht 86% der Jugendlichen täglich oder mindestens mehrmals pro Woche (JIM, S. 18). Die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer belief sich im Jahr 2002 auf 112 Minuten (JIM, S. 24), 1998 waren es etwa 14 Minuten mehr (vgl. Hoffmann, S. 139) - allerdings liegt diese Schwankung im normalen Rahmen (vgl. ebd.).
„Das Radio dient vorwiegend dem Musikkonsum“ (s. Lukesch, S. 483), auf Platz zwei der Nutzungsmotive liegen die Nachrichten mit 68% (JIM, S. 24). Bei der schnellen Suche nach individuellen Informationen spielt das Radio erwartungsgemäß keine Rolle (vgl. JIM, S. 64), im Themenkomplex „Musik“ erfährt es hingegen die höchste Akzeptanz als Informationsmedium (vgl. JIM, S. 12).
Eine Sonderrolle kommt dem Radio zu:
„Das Radio schließlich wird von den Jugendlichen weniger mit gezielten Themenkompetenzen in Verbindung gebracht. Es ist ein tagesbegleitendes, unterhaltendes Medium, das hauptsächlich den Bereich ’Musik’ abdeckt. Im Laufe des Zuhörens bedient es - quasi nebenbei - Informationsbedürfnisse“ (s. JIM, S. 14). Vielleicht wurde dieses Medium auch deshalb „hinsichtlich seines Zuwendungsgrades und seines Stellenwerts im jugendlichen Alltag unterschätzt“
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(s. Hoffmann, S. 139) und lange von der Jugendmedienforschung vernachlässigt (vgl. ebd.).
1.4 Printmedien
Im 18. Jahrhundert machte man sich um die „Lesewut“ von Kindern und Frauen Sorgen (vgl. Fromme, S. 23). Heute gilt das Lesen „als wertvolle Variante medialer Beschäftigung“ (s. Fromme, S. 24) und „nicht mehr ein Zuviel, sondern ein Zuwenig wird aus pädagogischer Perspektive befürchtet“ (s. ebd.). Auch von den Eltern wird das Lesen „sehr geschätzt und kaum beschränkt“ (s. Lukesch, S. 481) und trotzdem hat der Anteil der täglichen Leser „in allen Altersgruppen deutlich abgenommen“ (s. Lukesch, S. 482). 2002 erreichte 56% aller Jugendlichen eine Tageszeitung (JIM, S. 18; s. Anlage 2), 1985 waren es noch über 70% (Hoffmann, S. 159). Auffällig ist, dass der Anteil der Zeitungsleser in der Gesamtbevölkerung konstant und überwiegend bei jugendlichen Zeitungslesern ein Rückgang zu verzeichnen ist (Hoffmann, S. 158). Ein Grund hierfür könnte sein, dass Zeitungen Jugendliche mit ihrem starren Layout, der konventionellen Nachrichtenübermittlung und ihrer unbeweglichen Sprache (vgl. Hoffmann, S. 159) abschrecken. Aber auch Jugendmagazine selbst verlieren stark an Druckauflage (vgl. Hoffmann, S. 152) und so „kann heute bezweifelt werden, ob die Themenauswahl und die Machart noch den ’Puls der Zeit’ treffen“ (s. Hoffmann, S. 155).
Tageszeitungen finden bei Jugendlichen am meisten Anspruch, wenn es um Themen aus Politik und Wirtschaft geht (JIM, S. 14). Allerdings interessieren sich kaum Jugendliche für genau diese Themen (vgl. JIM, S. 9f.). Hinzu kommt, dass die Zeitung nicht als adäquate Informationsquelle auf der schnellen Suche nach Informationen angesehen wird (vgl. JIM, S. 64); dies würde wohl eine Archivierung voraussetzen. Besonders „zwischen der Nutzung von Print- und AV-Medien bestehen komplexe Wechselbeziehungen“ (s. Lukesch, S. 482), die allerdings nicht zwingend eine „negative Korrelation von Lese- und Fernsehzeit“ (ebd.) bedeuten. Insgesamt ist aber festzustellen, dass das Zeitbudget für das Lesen in den letzten 50 Jahren konstant geblieben ist, während sich die Mediennutzungszeiten erweitert haben (vgl. Rosebrock, S. 119). In Relation zu anderen Medien nimmt die in das Lesen investierte Zeit also ab.
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Da die Schrift immer noch „das dominierende Medium des institutionalisierten Lernens“ (s. Rosebrock, S. 117) und „des Wissens und kulturellen Gedächtnisses der Gesellschaft“ (ebd.) ist, wird hier wohl der Vergleich nach Unterschieden im Bildungshintergrund der Jugendlichen recht spannend.
2. schicht- und bildungsspezifische Unterschiede
2.1 Fernsehen
Untersucht man die Erhebungen zum Medium Fernsehen in Hinblick auf schicht- und bildungsspezifische Unterschiede, sollte man zuerst klarstellen, dass sich das allgemeine Themeninteresse der Jugendlichen kaum voneinander unterscheidet (vgl. JIM, S. 10). Unterschiede zeigen sich dann aber im Medienbesitz und der tatsächlichen Nutzungsdauer der verschiedenen Medien. So kann man feststellen, dass mehr Hauptschüler als Gymnasiasten ein eigenes Fernsehgerät und eine eigene Spielkonsole haben (vgl. JIM, S. 16). Wie bereits angesprochen, sind Privatsender deutlich die Marktführer in der TV-Rezeption der Jugendlichen. Allerdings favorisieren doppelt so viele Hauptschüler beispielsweise die privaten Sender RTL2 und VIVA, als dies Gymnasiasten tun. Letztere schauen hingegen wesentlich häufiger das öffentlich-rechtliche Programm der ARD (vgl. JIM, S. 21). Schorb stellt dazu fest: „Je höher die eigene und die Bildung im sozialen Umfeld sind, desto eindeutiger ist die Ablehnung des Infotainment“ (S. 80), also genau der Art der „Nachrichten“ und Nachrichtenübermittlung, die besonders von Privatsendern gewählt wird. Im Umkehrschluss wird bei höherer Schulbildung „in der Regel ein verstärktes Interesse an seriöser Information“ (ebd.) beobachtet. Als Beispiel für diese Beobachtungen können diverse Boulevardmagazine der privaten Sender genommen werden, die von „Jugendlichen aus niedrigem Anregungsmilieu“ (s. Schorb, S. 87) doppelt oder dreimal so häufig gesehen werden, als von „Gleichaltrigen aus intellektuell anregenderen Milieus“ (ebd.). Weiter wurde festgestellt, dass die Angehörigen unterer sozialer Gruppen länger fernsehen, als besser Gebildete (vgl. Lukesch, S. 485). Nicht nur die Schichtzugehörigkeit an sich, sondern auch Umstände die mit ihr einhergehen, sind für einen erhöhten Fernsehkonsum der betroffenen Jugendlichen verantwortlich:
„Niedrige soziale Schicht, familiäre Problemsituationen (Arbeitslosigkeit, Allein-Erzieher-Situationen, Berufstätigkeit beider Eltern) und kommunikative Defizite in der Familie sind mit einseitig erhöhtem und gerade nicht anregendem Fernsehgebrauch gekoppelt“ (s. Lukesch, S. 486).
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Das Fernsehen bedient vermutlich gerade in solchen Schichten auftretende „Escapismus-Motive“ (vgl. Vollbrecht, S. 14) und ermöglicht den jugendlichen Zuschauern, für kurze Zeit ihre Sorgen und Probleme zu vergessen. Auch Fromme stellt fest: „Ein wenig anregendes Familienklima wird von Kindern nicht selten durch erhöhten Videokonsum zu kompensieren gesucht“ (S. 39). Hinzu kommt letztlich, dass das Fernsehen immer mehr „zur Elternentlastung eingesetzt“ (Hurrelmann; zit. n. Lukesch, S. 486) wird und gerade Eltern aus unteren Sozialschichten ihre Kinder beispielsweise abends lieber fernsehen lassen, anstatt ihnen eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen. Insgesamt ist das Fernsehen die zweitliebste Beschäftigung von Hauptschülern (vgl. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 134) und auch Rosebrock ist der Ansicht, dass das Fernsehen in den unteren Sozialschichten „spätestens seit seiner Teilprivatisierung Ende der 80er den außerinstitutionellen Mediengebrauch von Kindern wie von Erwachsenen“ dominiert (S. 119).
2.2 Computer und Internet
Auch beim Besitz eines Computers und Zugang zum Internet lassen sich bildungs- und damit letztendlich oft auch sozialschichtspezifische Unterschiede feststellen. 91% der Gymnasiasten können daheim auf das Internet zugreifen, bei den Haupt- und Realschülern sind es nur 79% (JIM, S. 42). Weiter besitzen 51% der Gymnasiasten einen eigenen PC, bei den Hauptschülern sind es nur 37%. Mit 21% verfügen auch weniger Hauptschüler über einen eigenen Internetzugang, denn bei den Gymnasiasten sind es 10% mehr (JIM, S. 16). Schüler mit einem geringeren Bildungsniveau sind außerdem wesentlich häufiger im Besitz einer Spielkonsole als beispielsweise Gymnasiasten (vgl. JIM, S. 16) und sind Videospielen allgemein eher zugeneigt (vgl. Lukesch, S. 487). Auch bei der Nutzung sind ähnliche Beobachtungen zu machen: „nur 56 Prozent der Hauptschüler zählen zu den häufigen PC-Nutzern gegenüber 78 Prozent der Gymnasiasten“ (s. JIM, S. 19; s. Anlage 5). Dem entsprechend gehören dann auch 16% der Hauptschüler zu denjenigen, die keinen Computer nutzen; bei den Gymnasiasten sind es nur 3% (vgl. JIM, S. 27; s. Anlage 5). „Während 82 Prozent der Gymnasiasten Computer regelmäßig zu Hause benutzen, geben dies nur 69% der Hauptschüler an. Für diese Jugendlichen sind Freunde oder die Schule als Nutzungsort - in Folge von Ausstattungsunterschieden zu Hause - bedeutsamer als für Realschüler oder Gymnasiasten“ (s. JIM, S. 31)
Hier verdeutlichen sich die Folgen einer geringeren EDV-Ausstattung in Haushalten mit geringerem Bildungsniveau. Hauptschüler sind demnach eher auf
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einen PC-Zugang in der Schule oder bei Freunden angewiesen, was beispielsweise durch die Kontrolle von Lehrern oder neugierige Blicke des Freundes bei der Computer-Aktivität selbstverständlich eine andere Mediensozialisation nach sich zieht, als es der Umgang mit einem eigenen Gerät würde. Dieses Bedürfnis der Jugendlichen scheinen die Hauptschulen erkannt zu haben: 31% der Hauptschüler haben einen PC im Klassenraum, während es bei den Realschülern und Gymnasiasten nur 14 bzw. acht Prozent sind (JIM, S. 40). Auch sind die Qualität der Ausstattung und die „Integration von Lehrprogrammen im schulischen Kontext“ in Hauptschulen scheinbar besser, als in Realschulen oder Gymnasien (vgl. JIM, S. 40).
Bei der Suche nach Informationen bedient sich ein größerer Teil der Gymnasiasten (80%) des Computers und Internets, als es Hauptschüler (64%) tun (JIM, S. 64). Hier spiegelt sich wahrscheinlich eine geringere Vertrautheit seitens der Hauptschüler mit dem PC wieder, die durch die oben beschriebenen Rückstände kausiert werden dürfte.
2.3 Radio
Leider sind keine Daten über eine schicht- oder bildungsspezifische Radionutzung zu finden. Ob dies daran liegt, dass die Jugendmedienforschung - wie oben beschrieben - die Erforschung der Rezeption dieses Mediums lange vernachlässigt hat oder ob das Radio durch seine Rolle als Begleitmedium (s.o.) keine unterschiedliche Nutzung erfährt, bleibt unklar. Bedenkt man, dass der Musikempfang das mit Abstand stärkste Nutzungsmotiv des Radiohörens darstellt, könnte man allerdings annehmen, dass sich in der jugendlichen Gesamtbevölkerung keine allzu großen Unterschiede bei der Rezeption auftun werden. Bei den „derzeit 13 deutschen Jugendwellen“ (s. Hoffmann, S. 140) wird fast ausschließlich populäre Musik aus den Charts gespielt (vgl. ebd.). Da somit eine Auswahl der Musik praktisch wegfällt, könnte sich bildungs- und sozialschichtspezifische Nutzungsmuster noch in Häufigkeit und Dauer unterscheiden; leider scheint die Forschung diesen Weg bisher nicht verfolgt zu haben.
2.4 Printmedien
Dass es zu den bildungs- und sozialschichtspezifischen Lesegewohnheiten recht viele Daten gibt, überrascht spätestens seit der Pisa-Studie nicht mehr:
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„Laut Pisa-Studie sind Deutschland und die Schweiz diejenigen Länder, in denen die Unterschiede hinsichtlich Lesekompetenz bei Jugendlichen aus niederen bzw. höheren Sozialschichten am größten ist“ (Baumert, zit. n. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 139). Gymnasiasten lesen generell mehr und gehören auch seltener zu den Nicht-Lesern als Hauptschüler (vgl. JIM, S. 26). Allerdings überrascht es in diesem Kontext, dass Hauptschüler bei der Informationssuche häufiger zur Tageszeitung greifen (12%), als dies Gymnasiasten tun (4%) (JIM, S.64). Dadurch dürften Hauptschüler mangelnde Computer- und Internet-Zugangschancen zu kompensieren versuchen (s.o.).
Es hat sich „eine durch Fernsehen und Video ausschließlich bestimmte Mediensozialisation als ungünstige Bedingung für die Entwicklung zur Nutzung von Printmedien“ (s. Rosebrock, S. 119) erwiesen. Gerade Haushalte der unteren Sozialschichten werden aber vom Fernsehen „beherrscht“ (ebd.). Somit ist schon das Aufwachsen in einem entsprechenden Haushalt oft negativ prägend für die spätere Leselust und -häufigkeit. Das Auffangen oder Abfedern der daraus resultierenden Unterschiede zwischen sozialen Klassen wird dem Staat auferlegt (vgl. Rosebrock, S. 119). Der scheint dieser Rolle aber nicht gerecht werden zu können und sieht sich harter Kritik ausgesetzt:
„Die Ergebnisse der PISA-Studie haben jedoch erneut deutlich gezeigt, dass im deutschen Bildungssystem ein Lesecurriculum fehlt, das spätestens in der Grundschule einsetzt und Kinder bildungsferner Herkunft mit entsprechend schwach ausgeprägter Freizeitlektüre stützt. PISA hat auch gezeigt, dass ein solches Curriculum unabdingbar ist, wenn die hohe Selektivität des deutschen Bildungssystems gemildert werden soll.“ (Rosebrock, S. 124) Beim Vergleich von Familienstrukturen haben Mägdefrau und Vollbrecht interessante Korrelationen aufgedeckt. Demnach lesen Kinder aus „vollständigen Familien“ (S. 142) (mit leiblichem Vater und leiblicher Mutter) im Vergleich der Familienform am häufigsten. Weiter korreliert die Anzahl der Geschwister mit der Lesehäufigkeit positiv (vgl. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 143); Gleiches gilt auch für Kinder, die häufig etwas mit der Familie unternehmen (ebd.). Zusammengefasst kann man also sagen, dass sich ein höherer familieninterner Zusammenhalt positiv auf die Lesesozialisation auswirkt. Jugendliche (Hauptschüler) mit Migrationshintergrund zählen seltener zu den begeisterten Lesern, dafür aber auch seltener zu den Nicht-Lesern und häufiger zu den Gelegenheitslesern, als es bei ihre deutschen Altersgenossen der Fall ist (vgl. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 142). Türkische Hauptschüler lesen sogar mehr, als deutsche Hauptschüler (Mägdefrau / Vollbrecht, S. 141f.), was auf
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den angeblich „bekanntlich hohen Stellenwert von Bildung in türkischen Familien“ (ebd.) zurückgeführt wird.
3. geschlechtsspezifische Unterschiede
3.1 Fernsehen
Mädchen besitzen generell weniger eigene Medien als Jungen (JIM, S. 15; s. Anlage 1). Entsprechend haben auch nur 62% der Mädchen einen eigenen TV-Apparat, bei den männlichen Altersgenossen sind es 70% (JIM, S. 16). Bei der Nutzungshäufigkeit des Fernsehers ist der Unterschied hingegen - auf hohem Level - marginal (vgl. JIM, S. 18; s. Anlage 2). Bei der Frage nach dem Lieblingsmedium landet das Fernsehen bei den weiblichen Jugendlichen sogar auf Platz eins, während es bei den Jungen nur auf den zweiten Platz kommt (vgl. JIM, S. 69; s. Anlage 10). Dies ist allerdings durch eine stärkere Affinität der Jungen zum PC zu erklären (vgl. Lukesch, S. 485), die dem Fernsehen - wie bereits angesprochen - Sympathiepunkte abnimmt. Deutlichere Unterschiede offenbaren sich aber bei der Programmpräferenz. Mädchen schauen demnach eher die Musiksender sowie RTL und ARD, während Jungen das Angebot von Pro7 und RTL2 bevorzugen (JIM, S. 20; s. Anlage 3). Die Gründe für diese Unterschiede dürften in der Programmgestaltung der einzelnen Sender liegen. Mädchen sind besonders an Seifenopern interessiert (vgl. JIM, S. 23; s. Anlage 4; Hoffmann, S. 135) und schalten deswegen häufiger zu „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und „Unter uns“ auf RTL, bzw. zu den entsprechenden Vorabendserien bei der ARD. Hoffmann vermutet, „dass Mädchen in ihrer Rezeption dieser Serien erotische Phantasien inszenieren und ausleben können und dass sie Bedürfnisse nach parasozialen Beziehungen befriedigen können“ (S. 135). Jungen wiederum sind besonders stark an Zeichentrickangeboten (JIM, S. 23) und Actionfilmen (vgl. Hoffmann, S. 136) interessiert. Mit exakt diesen Sendungen wissen Pro7 und RTL2 ganze Tagesabschnitte zu füllen und Jungen finden hier ausreichend „männliche Identifikationsfiguren (Helden, Kämpfer)“ (s. Hoffmann, S. 136).
3.2 Computer und Internet
Jungen und junge Männer sind nicht nur wesentlich stärker als Mädchen an Computerspielen interessiert, sondern besitzen auch viel öfter ein ausgeprägtes Technikinteresse (vgl. JIM, S. 10f.). Im Computer vereinen sich Anwendung
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und Technik, so dass der PC beinahe automatisch zum Lieblingsmedium der männlichen Jugendlichen avancieren musste (vgl. JIM, S. 69; s. Anlage 10). Jungen besitzen eher als Mädchen einen eigenen Computer und Internetzugang (vgl. JIM, S. 15; s. Anlage 1) und nicht zuletzt deswegen nutzen männliche Jugendliche (77%) den PC auch häufiger als Mädchen (62%) (vgl. JIM, S. 18; s. Anlage 5).
Hinsichtlich dieser Daten überrascht es nicht, dass „Jungen und junge Männer (77%) häufiger zu den intensiven Computernutzern (mindestens mehrmals pro Woche) als Mädchen und Junge Frauen (62%)“ (s. JIM, S. 28) zählen. Allerdings muss hier beachtet werden, dass sich die Geschlechter in diesem Kontext weiter angenähert haben (vgl. JIM, S. 28). Der Anteil der Intensivnutzerinnen hat sich gegenüber 1997 sogar verdoppelt (vgl. ebd.). Jungen und Mädchen setzen unterschiedliche Schwerpunkte bei der Computernutzung, haben verschiedene Nutzungsmotive:
„Bei Mädchen und jungen Frauen hat das Internet die höchste Priorität, danach folgt das Schreiben von Texten und die Arbeit für Schule oder Ausbildung. Jungen und junge Männer nutzen den Computer am häufigsten zum Spielen, auch das Surfen im Internet nimmt einen großen Stellenwert ein, sehr viel häufiger als Mädchen hören sie am Computer Musik“ (s. JIM, S. 32).
„Für Mädchen steht nach diesen Daten der zielgerichtete Umgang im Vordergrund“ (s. JIM, S. 36). Sie nutzen den PC eher als Werkzeug und sind produktiv (vgl. Hoffmann, S. 151), Spiele kommen für sie teilweise vielleicht sogar einer Zeitverschwendung gleich. Bei Langeweile oder der Suche nach Unterhaltung beschäftigen sich Mädchen dann auch eher als Jungen mit anderen Medien, nämlich mit dem Fernsehen oder Printmedien (vgl. JIM, S. 35). Wenn Mädchen PC-Spiele nutzen, bevorzugen sie Strategie- und Denk-Spiele. Besonders in dieser Kategorie sind sie ihren männlichen Altersgenossen weit voraus, denn diese spielen eher (rollenkonform) Action- oder Simulationsspiele (vgl. JIM, S. 38). Da solche Spiele gewöhnlich eine bessere Ausstattung des Computers voraussetzen, verfügen auch mehr Jungen als Mädchen über die entsprechende Hardware (vgl. JIM, S. 41f.). Bei der Internetnutzung ist das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen mit einem beidseitigen Beteiligungsgrad von 83% ausgeglichen (JIM, S. 43), wenn weibliche Jugendliche auch weniger häufig ins Netz gehen (vgl. JIM, S. 44) und entsprechende Angebote auch nicht so intensiv nutzen, wie Jungen (vgl. JIM, S.46).
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Eine Ausnahme hierbei stellt jedoch die eMail-Kommunikation dar (vgl. JIM, S. 46f.; s. Anlage 8), die Mädchen häufiger verfolgen. Umso überraschender ist es, dass Mädchen trotzdem weniger elektronische Briefe verschicken als auch empfangen (vgl. JIM, S. 49f.). Dies wird teilweise dadurch erklärt, dass Jungen durch ihre scheinbar doch stärkere Bindung an PC und Internet in Kontakt mit vielen verschiedenen Angeboten kommen und sie dadurch in eine stärkere Kommunikation eingebunden werden, beispielsweise durch regelmäßige Newsletter (vgl. JIM, S. 50). Nach subjektiver Einschätzung opfern Jungen größere Zeitbudgets anderer Aktivitäten für die Online-Nutzung, als dies Mädchen tun. Am stärksten ist das Lesen davon betroffen (vgl. JIM, S. 57f.); Näheres dazu an gegebener Stelle (s.u.).
3.3 Radio
Mädchen weisen eine höhere Affinität zum Radio (JIM, S. 11) und zu auditiven Medien generell (JIM, S. 18) auf, als es bei Jungen der Fall ist. Dementsprechend besitzen auch mehr Mädchen als Jungen eine eigene HiFi-Anlage (JIM, S. 15f.) und ebenfalls mehr junge Frauen als junge Männer küren das Radio zu ihrem Lieblingsmedium (JIM, S. 69).
„Regionale Veranstaltungen, Veranstaltungen/Konzerte von Radiosendern, Moderation und Hörerwünsche sind für Mädchen wichtiger als für Jungen. Demgegenüber sind insbesondere Sportberichte und Tipps für Computerspiele für Jungen und junge Männer von größerer Bedeutung.“ (JIM, S. 24)
Allerdings treffen diese Themenpräferenzen auch bei anderen Medien in ähnlicher Weise auf. Bleibt man bei der Untersuchung der Themeninteressen, stellt man fest, dass Mädchen noch ein wenig mehr als Jungen an Musik interessiert sind (91% zu 85%) (JIM, S. 10) und auch eher als Jungen Idole aus der Musikbranche haben (vgl. JIM, S. 7). Allein die beiden letzten Feststellungen ließen vermuten, dass Mädchen das Musikmedium Radio häufiger nutzen als ihre männlichen Altersgenossen, was sich auch bestätigt hat.
3.4 Printmedien
„Jedes zweite Mädchen greift täglich bis mehrmals pro Woche zu einem Buch, bei den Jungen tut dies nur jeder Vierte“ (s. JIM, S. 18). Bei Zeitungen und Zeitschriften sind die Unterschiede marginal, weisen aber dennoch in die gleiche Richtung (vgl. ebd.). Dementsprechend lesen Jungen im gleichen Zeitraum nicht nur seltener, sondern etwa auch ein Drittel weniger Bücher als
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Mädchen (vgl. JIM, S. 26). Auch der Anteil der Nicht-Leser ist bei den männlichen Jugendlichen höher (vgl. ebd.; vgl. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 140). Verstärkt wird das auffallend geringere Interesse von Jungen an Printmedien noch durch andere Medien, besonders den Computer: 47% der jungen Männer verbringen wegen der PC-Nutzung weniger Zeit mit dem Lesen, bei den Mädchen sind es hingegen nur 35% (JIM, S. 58). Auch auf der Beliebtheitsskala landen die Printmedien im Vergleich mit anderen Medien bei den Jungen auf den letzten Plätzen, hingegen können noch mehr Mädchen eher auf den PC als auf ein Buch verzichten (vgl. JIM, S. 69). Auch bei den Vorlieben für ein spezielles Genre gibt es Unterschiede: „Ansonsten bevorzugen Mädchen Jugend- und andere Romane sowie Liebesgeschichten. Jungen hingegen lesen lieber Grusel- und Horrorgeschichten, Comics und Krimis. Science-Fiction und Fantasy-Romane kommen für Mädchen weniger in Frage als für Jungen“ (s. Hoffmann, S. 146).
Rosebrock formuliert ihre Erkenntnisse etwas allgemeiner:
„In qualitativer Hinsicht sind Mädchen schon am Ende der Grundschulzeit mehr an belletristischen Texten, insbesondere an erzählenden Texten interessiert, die Erfahrungen sozialer Befindlichkeiten eröffnen; Jungen sind tendenziell mehr an Sachtexten interessiert.“ (s. Rosebrock, S. 119).
Bei der „populären Jugendpresse“ - sprich: Magazinen wie der „Bravo“ - ist seit den 80er Jahren ein Interesserückgang bei den Jungen zu beobachten (s. Hoffmann, S. 153). Auf Grund der starken Affinität von jungen Männern zu Computern kann angenommen werden, dass sich männliche Leser nun eher den PC-Zeitschriften oder vielleicht auch diversen Sport-Magazinen zuwenden.
4. Zusammenfassung, Deutung und wissenschaftlicher Diskurs
Das Lesen ist auch heute noch eine der wichtigsten Voraussetzung zur Teilnahme an Bildung, Kultur und Gesellschaft. Wie gezeigt wurde, gibt es durchaus bestimmte Personengruppen, die durch ihre Distinktion nur eine verminderte Beziehung zum Lesen aufbauen können. Wichtige Faktoren sind hierbei sowohl das Geschlecht, als auch die soziale Herkunft bzw. das generelle Bildungsniveau. Folglich wird es für die betroffenen Personen kritisch, wenn beide Variablen bei ihnen jeweils eher gegen einen guten Zugang zum Lesen sprechen. Die Folgen sind vielfältig: Probleme in der Schule mit anschließendem schlechteren Berufschancen, kein guter Zugang zu aktuellen Informationen aus Zeitungen oder eine soziale Ausgrenzung bei Analphabetismus sind hier nur Beispiele.
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Besonders männliche Jugendliche aus den unteren Sozialschichten gehören zu dem just angesprochnen Personenkreis. Jungen lesen sicherlich auch nicht zuletzt wegen ihrer Rollenerwartung weniger als Mädchen: der Draufgänger, der mit seinen Freunden durch die umliegenden Straßen zieht oder im Freien herumtobt, hat weder Zeit noch Lust zum Lesen. Bei der Verbindung zwischen sozialer Herkunft und Leseaffinität spielen hingegen die Eltern und das Fernsehen die entscheidende Rolle. Im niederen Milieu dominieren vor allem die Privatsender die Freizeitaktivitäten und Eltern sind eher dazu geneigt, ihre Sprösslinge vor den TV-Apparat zu setzen, als sich mit ihnen zu beschäftigen. Gerade diese Situation hat sich als schlechte Voraussetzung für einen Lesezugang erwiesen.
Aber natürlich gibt es neben sozialer Herkunft und Geschlecht auch andere Faktoren, die Jugendlich zu Medien hinziehen:
„Während vor allem in den Städten durch Motorisierung und Kommerzialisierung reale Erfahrungsräume für Jugendliche verloren gegangen sind, eröffnen ihnen die Medien virtuelle Erfahrungswelten, die die von Jugendlichen an ihre Freizeit gestellten Erwartungen in besonders intensiver Weise erfüllen“ (s. Vollbrecht, S. 23). Dabei lassen „multifunktionale Dimensionen und einfache Zugangswege“ (s. JIM, S. 64) gerade den Fernseher zum Leitmedium der Jugendlichen werden. Folglich wächst das Kind mit dem Fernseher auf und nimmt all seine beinhalteten Handlungen auf, ohne sie aber reflektieren zu können. Das Vertrauen, dass sich zu diesem Medium aufbaut, wird auch im weiteren Leben bestehen und hier besteht dann die Gefahr, dass Jugendliche ihre Moral und ihr Selbstverständnis fast nur noch aus dem Fernsehen beziehen, das Trends, soziales Handeln, ethische Werte usw. diktiert. So gesehen begeben sich solche Jugendliche in eine Abhängigkeit, die sie wahrscheinlich nicht einmal wahrnehmen (vgl. Sting, S. 47). Dabei ist es wichtig, anzumerken, dass die Menschen offensichtlich genau dann eine starke Medienzuwendung zeigen, wenn sie sich im Prozess der „Individualisierung“ (Beck, zit. n. Fromme, S. 36), also im Jugendalter bzw. der Pubertät befinden:
„Individualisierung umfasst prinzipiell drei Momente, nämlich erstens Freisetzung im Sinne einer Herauslösung aus historisch vorgegebenen Sozialformen und Bindungen, zweitens - als negatives Pendant dazu - Stabilitätsverlust und drittens Re-Integration als neue Art der sozialen Einbindung“ (s. Fromme, S. 36).
Aus dem Vakuum zwischen Stabilitätsverlust und Re-Integration resultiert das Fehlen eines eigenen Weltbildes, das Jugendliche dann zu großen Teilen aus dem Fernsehen oder anderen Medien übernehmen. Um die Kinder aber nicht „ungeschützt“ den Weltbildern von TV, Internet usw. auszusetzen, ist das ver-
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mitteln von Medienkompetenz eine wichtige Aufgabe der Gesellschaft, zumindest sollte sie das sein. Auch Fromme stellt dazu fest:
„Die Voraussetzungen des Medienverstehens und der autonomen Medienrezeption sind also nicht von Anfang an gegeben, sondern sie müssen erst erworben werden“ (s. S. 40). „Ziel ist es, Eltern und junge Menschen zu befähigen, zu problematischen Medieninhalten kritische Distanz zu wahren und zu einem eigenverantwortlichen Umgang zu befähigen“ (Schell et al., zit. n. Fromme, S. 41).
Dazu zählt z.B. die oben bereits angesprochene Fähigkeit, diverse Quellen im Internet nach ihrer Zuverlässigkeit und Seriosität einzuschätzen und entsprechend zu handhaben; aber eben auch, sich des Unterschiedes zwischen beispielsweise „wahren“ Nachrichtensendungen und Boulevardmagazinen bewusst zu sein (vgl. Schorb, S. 87).
Neben dem Fernsehen steht auch der Computer immer wieder in der Kritik, Kinder grundlegend vom Lesen (und Lernen) oder sozialen Kontakten abzuhalten. Diese scheinbar von der öffentlichen Meinung immer wieder angetriebene Befürchtung hat sich allerdings nicht generell bewahrheiten. „Das Buch steht nicht in Konkurrenz zum Computer“ (s. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 147) und obwohl die Freizeit gerne auch am PC verbracht wird, wird doch bei allen vorliegenden Untersuchungen deutlich, dass Jugendliche am allerliebsten immer noch etwas mit Freunden unternehmen (vgl. Mägdefrau / Vollbrecht, S. 134ff; vgl. JIM, S. 57).
Gymnasiasten verfügen im Allgemeinen über eine bessere PC-Ausstattung, was auf eine niedrigere Reputation der EDV und sicherlich auch geringere finanzielle Mittel in unteren Sozialschichten zurückzuführen ist. Allerdings werden die daraus resultierenden Nachteile für die Hauptschüler seitens ihrer Schule zu kompensieren versucht, indem wesentlich öfter als in Gymnasien Computer zur Verfügung gestellt werden. Würde dieses Engagement seitens der Institution ausbleiben, hätten Jugendliche aus unteren Bildungs- und Sozialschichten noch geringere Zugangsvoraussetzungen zum Arbeitsmarkt, als sie es auf Grund ihres Bildungsniveaus schon haben. Das Radio nimmt eine Sonderrolle als tagesbegleitendes Medium ein. Seine Rezeption geschieht eher im Hintergrund, oft im Zusammenhang mit der Nutzung anderer Medien. In diesem Medienverbund gibt es oft konkrete Anreize zur Nutzung der anderen Medien, beispielsweise bei der Werbung für TV-Sendungen oder Hinweise auf Internetseiten. Es kann somit eine Mittlerrolle zwischen Medien darstellen, die sich sonst eher gegenüberstehen. Da das Radio für Jugendliche zum weitaus größten Teil Musikmedium ist, im
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Prinzip aber alle Sender die gleiche Musik spielen, sind vor allem schichtspezifische Nutzungsunterschiede schwer festzustellen und auch die Jugendmedienforschung hat hier Nachholbedarf. Wahrscheinlich liegt es aber daran, dass das Radio „die Peer-Gruppe nach innen eint und gegenüber Erwachsenen abschirmt"“(s. Fromme, S. 483), so dass die Suche nach geschlechts- oder herkunftsspezifischen Eigenheiten bei Jugendlichen kaum von Erfolg gekrönt sein wird.
5. Fazit
Die bekanntesten Medien wie Fernsehen, Computer, Internet, Radio und Printmedien sind heute absolut alltäglich. Kinder und Jugendliche wachsen heute mit ihnen auf und hätten kaum eine Chance, sich ihnen zu entziehen. Bei der Unterscheidung nach Bildungs- und Sozialniveau wurde festgestellt, dass jugendliche Angehörige der unteren sozialen Schichten im Vergleich zu Bessergestellten oft gravierende Differenzen im Bereich des Medienbesitzes und der Mediennutzung aufweisen. Teilweise - nämlich was die generellen Zugangschancen zu PC und Internet angeht - fängt die Hauptschule die Rückstände ihrer Schüler etwas auf und bewahrt sie vor einem stärkeren Abrutschen auf Ebene der elektronischen Datenverarbeitung. Mädchen konnten in den letzten Jahren besonders im Bereich der PC-Nutzung zu ihren männlichen Altergenossen aufschließen. Trotzdem ist ihre Beziehung zum Computer immer noch weniger stark ausgebildet. Größere Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen tun sich bei der Buchrezeption auf. Jungen lesen teilweise deutlich weniger, was auch mit einem Seitenblick zur höheren Computernutzung durch die jungen Männer betrachtet werden kann. Somit sind sowohl Geschlecht als auch Herkunft prägend für die Mediensozialisation von Kindern und Jugendlichen. Da die Heranwachsenden so massiv mit Medien in Kontakt stehen, ist es wichtig, dass sie sich eine gewisse Medienkompetenz aneignen, um sich in der Informationswelt zu Recht zu finden und nicht von ihr „verschluckt“ zu werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Mediensozialisation soweit fortschreitet, dass Jugendliche Normen, Werte und Verhaltensweisen fast ausschließlich von TV-Sendern oder Online-Magazinen adaptieren und internalisieren. Hier würde der jugendliche Prozess der Individualisierung scheitern, da bald jeder Heranwachsende nach dem gleichen Schema sozialisiert wäre.
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6. Literaturverzeichnis
Baacke, D., u.a.: Medienkompetenz - fünf Statements. In: Schell, F., u.a. (Hrsg.): Medienkompetenz - Grundlagen und pädagogisches Handeln. München 1999, S. 18 - 24. Fromme, J.: Pädagogische Implikationen der Mediennutzung von Kindern. In: Schweer, M. (Hrsg.): Aktuelle Aspekte medienpädagogischer Forschung. Interdisziplinäre Beiträge aus Forschung und Praxis. Wiesbaden 2001, S. 23 - 48.
Hoffmann, D.: Attraktion und Faszination Medien: Jugendliche Sozialisation im Kontext von Modernisierung und Individualisierung. Münster 2002.
JIM-Studie 2002 - Jugend, Information, (Multi-) Media : Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest. Baden-Baden 2003.
Lukesch, H.: Mediennutzung und Mediennutzen bei Kindern. In: Marefka, M., Nauck, B. (Hrsg.): Handbuch der Kindheitsfroschung. Neuwied 1993, S. 481 - 489. Mägdefrau, J./Vollbrecht, R.: Freizeitverhalten von Hauptschuljugendlichen - Computer statt Buch? In: Fritz, K., Sting, S., Vollbrecht, R. (Hrsg.): Mediensozialisation - Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003, S. 133 - 148. Rosebrock, C.: Literale Sozialisation und Schule. In: Fritz, K., Sting, S., Vollbrecht, R. (Hrsg.): Mediensozialisation - Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003, S. 117 - 132.
Schorb, B.: Politische Sozialisation durch Medien. In: Fritz, K., Sting, S., Vollbrecht, R. (Hrsg.): Mediensozialisation - Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003, S. 75 - 92.
Sting, S.: Medienbezogene Ritualisierungen in Kinder-Peergroups am Beispiel von Talkshows. In: Fritz, K., Sting, S., Vollbrecht, R. (Hrsg.): Mediensozialisation - Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003, S. 45 - 60. Vollbrecht, R.: Aufwachsen in Medienwelten. In: Fritz, K., Sting, S., Vollbrecht, R. (Hrsg.): Mediensozialisation - Pädagogische Perspektiven des Aufwachsens in Medienwelten. Opladen 2003, S. 13 - 24.
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Arbeit zitieren:
Martin Hoche, 2004, Sozialisation durch Medien - Überblick und Analyse von bildungs-, sozial- und geschlechtsbedingten Unterschieden, München, GRIN Verlag GmbH
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