Nähe des Geliebten 1. Einleitung
Das vorliegende Kurzgedicht „Nähe des Geliebten“ ist ein Werk von J. W. von Goethe aus dem Jahre 1775 und behandelt das Thema der Liebe, die Sehnsucht einer Person zu einer anderen. Es entstand in der Epochenzeit Klassik und basiert auf dem Poem „Ich denke dein“ der damals berühmten Dichterin Friederike Brun (1765-1835), das von dem Komponisten Carl-Friedrich Zelter (1758-1832), einem Freund Goethes, mit einer Melodie versehen wurde. „Nähe des Geliebten“ wurde zum ersten Male im Jahre 1799 von Beethoven vertont und ist das meist vertonte Gedicht Goethes. 2. Inhalt, Aufbau und Analyse Das Gedicht ist in vier Strophen mit je 4 Versen gegliedert. Auffallend sind hier die ersten drei Wörter in jedem zweiten Vers (Ich denke dein…, Ich sehe dich…) und das Schema der wechselnden Lang- und Kurzzeilen. Diesen Aufbau übernahm Goethe aus dem Gedicht „Ich denke dein“ von Friederike Brun (siehe Anhang Seite 10).
Der Titel erzeugt den Eindruck, dass das lyrische Ich eine weibliche Person sei. Vielleicht ist es ein Zufall, damit aus dem angebeteten Geliebten das geliebte Wesen wird. Oder es reflektiert das Ausgangsmaterial von Friederike Brun, dass sich in einer Art Rollenspiel widerspiegelt.
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Alle Strophen bearbeiten durchgängig die Gedanken und die Sehnsucht des lyrischen Ichs, die es bei Abwesenheit einer geliebten Person entwickelt. Er fühlt sich der Person sehr nahe, sieht und denkt in allen Lebesssituationen an diese, z. B. „Ich denke dein...“ oder „Ich sehe dich...“. In der ersten Strophe wird die stark empfundene Sehnsucht verdeutlicht, die alle Sinne des Geliebten beansprucht. Nähe, Harmonie, und Sicherheit sind trotz räumlicher Entfernung gegeben und lassen sich nicht erzwingen, da es ein geschenkter Zustand ist, der bei Tag und Nacht fühlbar ist („…wenn mir der Sonne Schimmer…“ und „…wenn sich des Mondes Flimmer…“). Durch den Aufruf der Sonne und des Mondes wird nicht nur eine poetische Umschreibung hervorgerufen, sondern vielmehr die Spiegelung von innen nach außen. Nach älterer Philosophie bedeutet es die Widerspiegelung der Seele, welche in gewisser Weise alles sei. Darum spiegelt sich der Mond nicht einfach im Wasser („…In Quellen malt…“). In der zweiten und dritten Strophe wird die von der Liebe erregte Phantasie dazu verleitet, den Geliebten in der Ferne zu sehen und zu hören („…sehe dich, wenn auf dem fernen Wege / Der Staub sich hebt…“ und „…höre dich, wenn dort im dumpfen Rauschen / Die Welle steigt…“). Der Verstand wird hier getäuscht. In der vierten und letzten Strophe wird durch den Laut der Sehnsucht die Ferne des Geliebten beklagt. („…du seist auch noch so ferne, Du bist mir nah!...“ und „…O wärst du da!“). Das Wesen des Geliebten wird fühlbar, sichtbar, hörbar.
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Das lyrische Ich weiß, wie die Wahrheit des Empfindens und die Wirklichkeit d er Ferne
zusammengehören, indem die Trennung als Schmerz zur Nähe wird. 3. Biographische Bezüge Goethe schrieb das vorliegende Gedicht 1795. Es basiert auf dem Gedicht „Ich denke dein“ von Friederike Brun und weist gleiche Gedichtsbauformen und stilistische Mittel auf. In diesem Gedicht bearbeitet Goethe das Material von Friederike Brun, da er es für dürftig hält. Auch möchte er durch seine Überarbeitung der dazu geschriebenen Melodie, die von seinem engen Freund und Komponisten Carl-Friedrich Zelter geschrieben wurde, stärkeren Ausdruck vermitteln. Da zu dieser Zeit Goethe eine enge Freundschaft zu Schiller pflegte, wird stark spekuliert, ob dieses Gedicht eventuell an Schiller adressiert war. 1794 lernt Goethe den 35-jährigen Friedrich Schiller kennen. Schiller war, viel mehr als Goethe, ein philosophischer Kopf und ging von der Idee aus. Goethe kam von den Anschauungen her. So waren sie völlige Gegensätze, konnten sich aber gerade dadurch ergänzen. Aus der Bekanntschaft erwuchs bald eine enge Zusammenarbeit, und für Goethe begann eine Phase intensiver dichterischer Produktion. Auch wurden gemeinsame Werke entwickelt.
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Zwar ist das Gedicht stark von Gefühlsempfindungen geprägt, doch können diese auch auf freundschaftlicher Ebene mit Schiller assoziiert werden. 4. Bauelemente
Das Versmaß des Gedichts ist durchgehend der Jambus. Die Vier Strophen sind durch den Kreuzreim der jeweils vier Verse flüssig zu lesen und verleihen dem Gedicht einen melodischen Klang. Die Gedichtsart ist hier das Lied, da e s eine strophisch aufgebaute Gedichtsform hat mit relativ kurzen Versen und Reimbildung. 5. Epochenbezug
Das Gedicht ist in der Epoche der Klassik geschrieben. Diese Zeit vor und kurz nach der Jahrhundertwende ist besonders von der Französischen Revolution (1789-1799) geprägt. Die Geisteshaltung war zu der Zeit stark von philosophischen Gedankengängen bestimmt. In Deutschland erfolgt ein langsamer Prozess der Emanzipation, was auf Friederike Brun und ihr Gedicht „Ich denke dein“ zurückzuführen ist. Der M ensch sah als richtunggebend das Gute, Wahre, sowie freie Selbstbestimmung und Vollendung. Begriffe wie Vernunft und Verstand werden groß geschrieben. Die Natur schien dabei eine große Rolle zu spielen. So auch in diesem Gedicht, wo die Natursymbolik stark ausgeprägt ist, wie zum Beispiel „Sonne“, „Mond“, „Meer“ usw. Ziel der Klassischen Dichtung war die Menschlichkeit in einer harmonischen Übereinstimmung von Gemüt und Verstand darzustellen.
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Arbeit zitieren:
Taraneh Motakef, 2005, "Nähe des Geliebten" von Johann Wolfgang von Goethe (1795) im Vergleich mit "Call it Love" von H. M. Enzensberger (1957), München, GRIN Verlag GmbH
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Nicht empfehlenswert! Die Gedanken sind zwar erträglich - wenn auch oftmals zusammenhangslos, die Bezüge, sowie die Deutung der Stilmittel regelrecht falsch.
am Sunday, March 21, 2010-