II. Schülerbeobachtung
2.1
… ist ein guter Schüler. Die ihm gestellten Aufgaben versteht er ohne Nachfrage an den Lehrer sehr schnell. Auch beginnt er seine Aufgaben, die er zu erledigen hat, sofort. Im Rechtschreiben ist er sehr sicher. Durch sein schnelles Lese- und Arbeitstempo benötigt er meistens eine Differenzierung. Seine Gedanken kann er aufgrund seines ausgeprägten Wortschatzes klar ausdrücken. Während des Unterrichtsgesprächs verhält er sich ruhig. Er ist aufmerksam, beteiligt sich mittelmäßig und befolgt die Anweisungen des Lehrers. Allerdings ist er innerlich sehr unruhig. Er nagt stark an seinen Fingernägeln und benötigt ständig etwas zum „Spielen“ in der Hand. Trotzdem kann er gleichzeitig dem Unterricht folgen. Er beteiligt sich aktiv an der Gruppenarbeit, ist jedoch nicht bestimmend. Vor seinen Mitschülern spricht er frei und ungezwungen.
2.2
ist meiner Meinung nach eine mittelmäßige Schülerin. Sie hat ein normales Arbeits-und Lesetempo. Einen Text liest sie bis zum Ende konzentriert durch. Vor ihren Mitschülern spricht sie ebenfalls frei und ungezwungen. Die Gruppenarbeit gefällt ihr sehr gut. Dort vertritt sie ihre Meinung trotz Kritik der anderen. Wenn man ihr eine Aufgabe stellt, beginnt sie diese meistens sofort. Den Unterricht verfolgt sie fast immer und beteiligt sich zeitweise. Allerdings lässt sie sich manchmal durch die Mädchen an ihrem Tisch, die wahrscheinlich ihre Freundinnen sind, ablenken. So beschäftigt sie sich zeitweise mit anderen Dingen, wie z.B. Briefe schreiben oder Gesprächen mit ihren Tischnachbarinnen. Bei Ermahnungen des Lehrers unterbricht sie diese jedoch. Schriftlich kann sie sich gut ausdrücken, hat allerdings Probleme mit der Groß- und Kleinschreibung. Ihr Wortschatz ist altersgemäß.
2.3
schätze ich als das schwächste von den drei Kindern ein. Ihre Aufmerksamkeit und Konzentration sind sehr unterschiedlich. Sie beteiligt sich nur sehr gering am Unterricht und ist stets ruhig, was manchmal so scheint, als ob sie antriebslos sei. Zu Beginn der Förderung arbeitete sie auch während der Einzelarbeit mit ihrem Partner
2
zusammen. Allerdings hat sich dies bis zum Ende des Schuljahrs sehr gebessert. Seit sie an einem anderen Gruppentisch sitzt, scheint sie motivierter zu sein. Aufgabenstellungen begegnet sie mit wechselndem Interesse. Ihr Lesetempo ist langsam, allerdings kann sie bei einem Sachtext sehr gut den Sinn entnehmen. In der Grammatik zeigt sie keine Unsicherheiten, hat jedoch sehr große Schwierigkeiten bei der Rechtschreibung. Ihr Arbeitstempo ist eher langsam und manchmal beginnt sie mit einer Aufgabe etwas später. Bei der Gruppenarbeit hört sie ihren Mitschülern aufmerksam zu, bringt aber selbst wenige Gedanken mit ein. Es könnte daran liegen, dass sie im mündlichen Ausdruck etwas gehemmt ist.
III. Sachanalyse
Das sinnentnehmende Lesen ist das Ziel des Leselernprozesses. Dabei wird Schriftsprache zum Informationsträger mit konkretem Alltagsbezug. Sinnentnahme sollte von Anfang an ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts sein. Ohne Sinnentnahme macht das Lesen keinen Sinn.
Früher lag der Schwerpunkt des Lesens auf dem flüssigen, ausdrucksbetonten, möglichst fehlerfreien Vorlesen.
Um das Textverständnis der Schüler zu überprüfen, wurde anschließend der gelesene Text mit aus dem Stegreif gestellten W-Fragen vertieft. Andere Methoden waren Multiple-Choice-Fragen oder das Nacherzählen des Textes. Allerdings verhinderte dieses Vorgehen das Hauptziel des Deutschunterrichts „Kinder zu mündigen Lesern zu erziehen“ (Groeben, Nobert/ Hurrelmann , Bettina (Hrsg.): Lesekompetenz -Bedingungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim und München, 2002, S.80). Nicht die Tiefe des Textverständnisses, sondern das fehlerlose Nacherzählen eines Textes mit Hilfe von Vortragsregeln stand im Vordergrund. Dabei wurden Texte meist nur oberflächlich gedeutet (denotative Bedeutung). Diese Art des Lesens entmündigte die Kinder, da sie nur wiedergeben und denken konnten, was die Lehrerin für wichtig hielt. 1
1 vgl. Boyer, Ludwig/ Freund, Josef (Hrsg.): Beiträge zur Lesedidaktik. Weiterführendes Lesen. Wien, 1999, S. 81-83
3
Heute geht der Begriff des sinnentnehmenden Lesens tiefer. Bei der neuen Definition sind Texte nicht nur eine bloße Aneinanderreihung von Wörtern und Sätzen, sondern die Sätze beziehen sich in ihrer Bedeutung aufeinander z.B. Fürwörter. Auch das Erkennen von Strukturen ist beim Lesen sehr wichtig. Ein Kind muss die inhaltlich zusammengehörenden Teile eines Satzes als Sinneinheit begreifen. Sinnentnehmendes Lesen ist also mehr als bloßes Nacherzählen eines Textes. Die Kinder müssen Zusammenhänge erkennen. 2
Dazu dienen Sachtexte sehr gut. Sie informieren oder fordern zum direkten Handeln auf. Man findet in ihnen wertungsfreie, kurze prägnante Formulierungen und fachliches Vokabular. Häufig werden Imperative verwendet, die zum direkten Handeln auffordern z.B. Bastelanleitung, Rezept, etc. Nur rein informative Sachtexte, wie zum Beispiel Lexikonartikel, bilden eine Ausnahme. Sachtexte können zur selbstständigen Wissenserweiterung und zum selbständigen Handeln befähigen. In meinem Unterricht übe ich mit den Kindern das sinnentnehmende Lesen anhand einer Bastelanleitung. Anleitungen sind anweisend und das Vorgehen wird „Schritt für Schritt“ beschrieben. Meistens ist der Text mit Bildern, Zeichnungen oder Fotos kombiniert, um die Umsetzung zu erleichtern.
Die Bastelanleitung gehört zu der Textsorte der Sach- und Informationstexte, die eine große Anzahl verschiedener Texte (z.B. Lehr- und Sachbücher, journalistische Texte, Gesetzestexte, juristische Texte, Fachtexte unterschiedlicher Sprachen,
Bedienungsanleitungen etc.) umfasst.
Diese Texte lassen sich wiederum in unterschiedliche Subgruppen aufgliedern. Für die Lesekompetenz sind dabei drei Untergruppen von Bedeutung.
a) Didaktische Texte oder Lehrtexte (Instruktionstexte im weiteren Sinne) Das Ziel dieser Texte ist das Behalten der enthaltenen Informationen (Wissen- was) z.B. Texte in Fach- bzw. Lehrbüchern.
b) Persuasionstexte
Diese Texte haben das Ziel eine zustimmende oder ablehnende Bewertung von Personen, Sachverhalten oder Ereignissen hervorzurufen z.B. Zeitungsartikel, politische Texte.
2 vgl. ebd., S. 84-89
4
c) Instruktionstexte im engeren Sinne
Hauptziel dieser Untergruppe ist es, Wissen in Handeln umzusetzen (prozedurales
Wissen Wissen - wie). z.B. Bastelanleitung, Bedienungsanleitung 3
IV. Didaktische Analyse
Das Erlesen und Umsetzen einer Bastelanleitung dient den Kindern als praktische Lebenshilfe. Sie spielt im Alltag bzw. in der Lebenswirklichkeit der Kinder eine große Rolle. Möchten sie zu besonderen Anlässen, wie Geburtstagen und Weihnachten, etwas basteln, müssen sie nach einer bestimmten Anleitung vorgehen. In ihrer Umwelt begegnen ihnen ständig Gebrauchstexte wie Bauanleitungen, Spielanleitungen, Bedienungsanleitungen etc.
Deshalb ist das sinnentnehmende Lesen solcher Texte von großer Bedeutung. In dieser Stunde üben die Kinder den Umgang mit einer Bastelanleitung und lernen schriftliche Informationen in die Praxis umzusetzen. Bereits vor meiner Stunde hat die Referendarin der Rauchbeinschule die Kinder an Bastelanleitungen herangeführt. Dabei hatten die Kinder, nach Angaben der Lehrerin, noch große Schwierigkeiten. Da das Lesen und Interpretieren von Texten eine wichtige Qualifikation darstellt, sollte es im Deutschunterricht eine große Bedeutung haben. Das sinnentnehmende Lesen von Gebrauchstexten stellt auch in anderen Fächern eine Grundlage dar.
3 vgl.Groeben, Nobert/ Hurrelmann, Bettina (Hrsg.): Lesekompetenz - Bedingungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim und München, 2002, S. 150-151
5
V. Didaktischer Schwerpunkt, Lernziele
In dieser Stunde üben die Kinder das sinnentnehmende Lesen anhand einer Bastelanleitung.
Lernziele:
kognitive Ziele:
- Förderung des sinnentnehmenden Lesens
- einer Bastelanleitung Informationen entnehmen und diese umsetzen
- besserer Umgang mit einer Bastelanleitung
- Bastelschritte ordnen und verbalisieren
- Reflexion des eigenen sinnentnehmenden Lesens
soziales Ziel:
- Kooperation im gemeinsamen Arbeiten und gegenseitige Hilfe
affektives Ziel:
- Erfahrung von Freude am Basteln
psychomotorisches Ziel:
- Förderung des motorischen Geschicks
Das Thema „Sinnentnehmendes Lesen - Bastelanleitung“ ist im Bildungsplan nicht direkt verankert. Zwar gibt es im Arbeitsbereich 4: „Lesen und Verstehen“ ein Teilthema „Sinnentnahme: Texte gliedern, Fragen zum Text beantworten, Widersprüche und Unstimmigkeiten feststellen“, jedoch ist von keinen Texten, die zum direkten Handeln auffordern, die Rede. Nur im allgemeinen Ziel des Arbeitsbereiches ist ein Bezug erkennbar. „Ziel ist es, die Kinder zu selbstständigen Lesern zu erziehen, sie anzuregen und zu befähigen, Texte zur informativen und emotionalen Bereicherung für sich auszuwählen“.
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Insgesamt stehen 40 Stunden im vierten Schuljahr für diesen Arbeitsbereich zur Verfügung. 4
VI. Methodische Analyse
Um eine motivierende Einstiegssituation zu schaffen, werde ich die Klammermaus den Kindern ohne jeglichen Kommentar präsentieren. Diese Handlung weckt das Interesse der Kinder. Alternativ könnte ich nur auf das gemeinsame Vorhaben verweisen, um den Überraschungseffekt zu erhalten. Allerdings wird durch die Präsentation die Bedeutung der Bastelanleitung verdeutlicht. Sie können die Klammermaus nur basteln, wenn sie die Bastelanleitung benutzen. Damit die Kinder die Anleitung selbstständig lesen und umsetzen, werde ich sie nicht besprechen. Durch die Fragestellung „Habt ihr eine Idee, wie man diese Maus basteln kann“ verbalisieren die Kinder die Bastelschritte. Alternativ könnte ich nach der Präsentation auch sofort mit dem Basteln beginnen. Allerdings erleichtert die Vermutung der Bastelschritte schwächeren Schülern die Entnahme von Informationen. Der Einstieg wird 8 Minuten der Zeit beanspruchen.
In der ersten Erarbeitungsphase lasse ich die Kinder die Bastelanleitung, bei der die Reihenfolge durcheinander ist, ordnen. So versucht jedes Kind die Bastelanleitung selbstständig zu erlesen und vertieft sein Verständnis. Alternativ könnte ich wiederum gleich mit dem Basteln beginnen. So verhindere ich jedoch, dass die Kinder ohne näheres Verstehen der Bastelanleitung mit dem Basteln beginnen und voneinander abschauen. Diese Phase wird voraussichtlich 10 Minuten dauern.
In der zweiten Erarbeitungsphase arbeiten die Kinder möglichst eigenständig. Sie können sich gegebenenfalls auch mit ihrem Partner zusammentun. Um die Kinder in ihrer selbstständigen Arbeitsorganisation zu fördern, müssen sie aus der Bastelanleitung die benötigten Materialien erlesen. Damit kein Durcheinander entsteht, holen die Kinder die Materialien tischweise ab. Ich stelle den Kindern eine Schablone zur Verfügung, da kein psychomotorisches Lernziel im Mittelpunkt steht und ich in der
4 vgl. Kultus und Unterricht (Baden-Württemberg): Bildungsplan für die Grundschule. Lehrplanheft 1994, S: 189-190
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Zeit beschränkt bin. Alternativ könnte ich jedes Kind selbst eine Schablone entwerfen lassen, wozu ich jedoch eine Doppelstunde benötigen würde. Für diese Phase sind 20 Minuten geplant.
Auch wenn nicht jedes Kind mit seiner Klammermaus fertig wird, möchte ich die Erarbeitungsphase mit einer gemeinsamen Reflexion abschließen. Die Kinder verbalisieren in dieser Phase den Umgang mit der Bastelanleitung. Die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Kinder werden hierbei deutlich. Während die einen die Anleitung zunächst komplett lesen, gehen andere Schritt für Schritt vor. Das Unterrichtsgespräch verdeutlicht den Kindern die Notwendigkeit, eine Anleitung genau zu lesen. Die Reflexion beansprucht 5 Minuten.
Der eventuelle Abschluss bildet die Faltübung „Himmel und Hölle“. Um die Sozialform zu wechseln, entschied ich mich für Gruppenarbeit. Dadurch, dass jedes Kind am Tisch einen Bastelschritt ausgeteilt bekommt, ist jeder am Gelingen beteiligt. Mit der Hilfe der Gruppenmitglieder können auch schwächere Schüler ihren Bastelschritt durchführen. Alternativ könnte ich die Faltübung auch in Einzelarbeit bzw. Partnerarbeit durchführen.
Falls die Faltübung nicht mehr gemacht werden kann, erhalten die Kinder sie als Hausaufgabe.
VII. Reflexion
Durch die Präsentation der Klammermaus ohne jeglichen Kommentar waren die Kinder stark motiviert und neugierig. Ein Kind konnte die Bastelschritte sofort verbalisieren, weshalb ich anstatt acht nur fünf Minuten benötigte. Als das Austeilkind die Bastelanleitung jedem ausgeteilt hatte, fragte ich die Kinder, was ihnen aufgefallen sei. Diese Frage war jedoch überflüssig, da einige Kinder sofort bemerkt hatten, dass die Bastelanleitung durcheinander war. Ich gab den Kindern die Anweisung, die Bastelschritte erst nach der Kontrolle einzukleben. Trotzdem klebten sie manche ohne Überprüfung ein. An dieser Stelle hätte ich konsequenter sein müssen, da es sonst für die Kinder schnell zur Gewohnheit wird. Die nächste Arbeitsphase verlief gut und das Basteln der Klammermaus bereitete den Kindern viel Spaß. Niemand hatte größere Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Bastelanleitung. Nächstes Mal muss ich allerdings beachten, die Bastelanleitung in keiner verbundenen
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Schrift zu schreiben, da dies den Leseprozess erschwert. Leider wurde die Stunde durch eine aufregende Nachricht eines hereinkommenden Lehrers unterbrochen, so dass ihr ein runder Schluss fehlte und ich nicht mehr zur Reflexion kommen konnte. Insgesamt war ich mit dem Unterricht zufrieden und fühlte mich beim Unterrichten sehr sicher.
VIII. Anhang
- Bastelanleitung „Klammermaus“
- Faltübung „Himmel und Hölle“
IX. Literatur
1. Kultus und Unterricht (Baden-Württemberg): Bildungsplan für die Grundschule. Lehrplanheft 1994
2. Boyer, Ludwig/ Freund, Josef (Hrsg.): Beiträge zur Lesedidaktik. Weiterführendes Lesen. Wien, 1999
3. Groeben, Nobert/ Hurrelmann, Bettina (Hrsg.): Lesekompetenz - Bedingungen, Dimensionen, Funktionen. Weinheim und München, 2002
4. Krafft, Karin/ Rahm, Anja: Aufsatzunterricht in der Grundschule. München, 2003
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Arbeit zitieren:
Nicole Hofmann, 2004, Sinnentnehmendes Lesen - Bastelanleitung Klasse 4, München, GRIN Verlag GmbH
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