Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in Singers Argumentationsweise 3
1.1 Grundsätzliche Ansichten Singers 3
1.2 Untersuchung der Argumentationsweise Singers 3
1.3 Mögliche Absichten der Argumentation Peter Singers 5
2. Weshalb ist Töten unrecht? 7
2.1 Erläuterung des Personenbegriffs von Singer 7
2.2 Homo Sapiens - haben sie ein Recht auf Leben? 9
2.3 Personen - haben sie ein Recht auf Leben? 10
2.3.1 Die Position des Klassischen Utilitarismus 10
2.3.2 Die Position des Präferenzutilitarismus 11
2.3.3 Die Position des Wünsche-Arguments nach Michael Tooley 11
2.3.4 Die Position der Respektierung der Autonomie 12
2.3.5 Zusammenfassung der Gründe für den Mehrwert des Lebens einer Person 14
2.4 Bewusstes Leben 15
2.4.1 Die Totalansicht 15
2.4.2 Die „Vorherige-Existenz-Ansicht“ 16
2.4.3 Vergleich des Wertes verschiedenen Lebens 17
3. Eine kritische Stellungnahme 19
3.1 Singers großer Fehler 19
3.2 Liebe und Nächstenliebe als ethisch-moralischer Leitfaden 21
3.3 Das Bild des perfekten Menschen 22
4. Singers Konsequenzen 24
4.1 Wie wir mit dem Leben von Tieren umgehen sollten 24
4.2 Wie wir mit dem Leben von Menschen umgehen sollten 25
4.2.1 Abtreibung, Infantizid und Verwendung von Embryonen 25
4.2.2 Euthanasie 26
4.2.3 Armut 27
4.2.4 Flüchtlinge und Asylbewerber 28
4.3 Wie wir mit unserer Umwelt umgehen sollten 28
5. Literaturverzeichnis 29
6. Abbildungsverzeichnis 30
7. Glossar 31
1. Einführung in Peter Singers Argumentationsweise
Die vorliegende Hausarbeit basiert auf der Neuauflage von Peter Singers „Praktische Ethik“, die 1994 im Reclam-Verlag erschienen ist.
1.1 Grundsätzliche Ansichten Singers
Die Basis der anwendungsbezogenen ethischen Überlegungen Singers ist das Prinzip der gleichen Interessenabwägung. Es besagt, „dass wir in unseren moralischen Überlegungen den ähnlichen Interessen all derer, die von unseren Handlungen betroffen sind, gleiches Gewicht geben. […] Interesse ist Interesse, wessen Interesse es auch immer sein mag.“ 1 Dabei diktiert die Interessenabwägung nicht die Gleichheit oder Gleichbehandlung. Diese Auffassung Singers manifestiert sich vor allem darin, dass er Tiere und Menschen auf dieselbe Stufe stellt, indem er tierisches und menschliches Leben miteinander vergleicht. Des Weiteren weigert sich Singer, dem menschlichen Leben einen höheren Stellenwert einzuräumen, als dem tierischen Leben. Um abwägen zu können, ob es überhaupt irgendeine Art von „besserem Wesen“ gibt, das ein Recht auf Leben hat, führt Singer den Personenbegriff ein, der zwar Personen und Tiere auf unterschiedliche Niveaus bringt, jedoch die übrigen Lebewesen der Gattung Homo sapiens mit Tieren gleichstellt: „[…] so gehören nichtmenschliche Lebewesen, Säuglinge und schwer geistig behinderte Menschen zur selben Kategorie.“ 2
1.2 Untersuchung der Argumentationsweise Singers
Singers Argumentation folgt einem einfachen Schema, das in der folgenden Abbildung grafisch dargestellt wird. Jedoch muss man beachten, dass es weder im vorliegenden Schema, noch in Singers Argumentationsweise eine fest vorgeschriebene Reihenfolge der einzelnen Argumentationsschritte gibt.
1 vgl. Singer 1994, S. 39
2 vgl. ebd., S. 88
3
Das nachfolgende Argumentationsschema lehnt sich an das Modell von A. Folkers 3 an.
Am folgenden Beispiel aus Singers „Praktische Ethik“ kann seine Argumentationsweise verdeutlicht werden:
„Würden wir etwa beschließen, äußerst schmerzhafte oder tödliche Experimente an normalen erwachsenen Menschen durchzuführen, die man wahllos aus öffentlichen Parks zu diesem Zweck entführt, so würden die Erwachsenen, die einen Park betreten, sich vor der Entführung zu fürchten beginnen. Der daraus resultierende Schrecken wäre eine Form von Leiden, die zu den Schmerzen des Experiments hinzukäme. Dieselben Experimente würden aber bei nichtmenschlichen Lebewesen weniger Qual verursachen, weil die Tiere nicht im Voraus befürchten würden, entführt und zu Experimenten missbraucht zu werden.
3 vgl. http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg_erw_3.htm 25.07.2005
4
Das bedeutet natürlich nicht, dass es richtig wäre, diese Experimente an Tieren durchzuführen, sondern nur, dass es einen Grund gibt, und zwar einen nicht speziesistischen, dafür eher Tiere als normale erwachsene Menschen zu verwenden, wenn die Experimente überhaupt durchgeführt werden müssen. Man sollte allerdings festhalten, dass dieses selbe Argument uns auch Gründe dafür gibt, menschliche Säuglinge - vielleicht Waisen - oder schwer geistig behinderte Menschen eher zu verwenden als Erwachsene, weil Säuglinge und schwer geistig behinderte Menschen ebenfalls keine Vorstellung davon hätten, was mit ihnen geschehen wird. Was dieses Argument betrifft, so gehören nichtmenschliche Lebewesen, Säuglinge und schwer geistig behinderte Menschen zur selben Kategorie; und wenn wir uns dieses Arguments bedienen, um Experimente an nichtmenschlichen Lebewesen zu rechtfertigen, so müssen wir uns selbst fragen, ob wir bereit sind, Experimente an Säuglingen und schwer geistig behinderten Menschen zuzulassen.“ 4
Singer beginnt seine Argumentation mit einem Beispiel, das zur These hinführt. Danach kommen das Argument und eine recht ausführliche Folgerung. Singer kann nicht mit Belegen oder Beweisen aufwarten, da seine Argumentation auf einem hypothetischen Beispiel basiert.
1.3 Mögliche Absichten der Argumentation Peter Singers
Singers Argumentation erscheint aus den oben genannten Erläuterungen fragwürdig und wissenschaftlich nicht belegbar. Aber es ist für mich offensichtlich, dass Singer seine Leser nicht wirklich manipulieren möchte, sondern durch die Änderung der Ansichten seiner Leser die Welt zu einem besseren Platz für alle Lebewesen - auch die nichtmenschlichen - machen möchte. Um dies zu erreichen, wählt er sehr drastische Beispiele, die er durch logische Thesen und Argumente stützt. Zum Schluss kommt eine Folgerung, die moralisch wenig akzeptabel erscheint, jedoch logisch nicht mehr angefochten werden kann.
4 vgl. Singer 1994, S. 87/88
5
Das Verständnis der Argumentationsweise ist überaus wichtig für das Verständnis der eigentlichen Botschaft Singers. Offensichtlich ist es sein Ziel, mit seiner Arbeit die Welt zu verbessern und die Menschen zum Nachdenken über die Selbstverständlichkeiten unserer Zeit anzuregen. Singer befürwortet beispielsweise die Legalisierung der Euthanasie und den selektiven Schwangerschaftsabbruch. Vielleicht ist es nicht richtig von ihm, seine Ziele durch provokante Theorien über den Wert des Lebens von Säuglingen und geistig schwer behinderten Menschen umzusetzen, aber seine Botschaft lautet eindeutig „macht das Leben für alle Lebewesen angenehm, nicht nur für Menschen“. Dieses durchweg positive Plädoyer für mehr Menschlichkeit ist auch im vierten Kapitel von „Praktische Ethik“ zu finden, auch wenn es schwer fällt, über die eigenen Vorurteile und die zum Teil sehr drastischen Beispiele hinwegzusehen.
6
2. Weshalb ist Töten unrecht?
Da das vierte Kapitel „Weshalb ist Töten unrecht?“ in Peter Singers „Praktische Ethik“ zentrale Grundlagen für das Verständnis der wichtigsten Inhalte des gesamten Buches enthält, will ich im Folgenden näher darauf eingehen.
„Die moralische Angemessenheit von Prinzipien, die die Achtung vor dem Leben auf einen Stamm, eine Rasse oder Nation einschränken, liegt offen zutage; aber die Argumentation […] muss Zweifel wecken, ob die Grenzen unserer Spezies den geschützten Bereich wirklich überzeugender markieren.“ 5 Da Singer, wie oben zitiert, die Grenzen unserer Spezies nicht mehr vollständig als einen ethisch geschützten Bereich akzeptiert, muss er das menschliche Leben nun neu definieren.
2.1 Erläuterung des Personenbegriffs von Singer
Singer stellt in seinem Werk „Praktische Ethik“ eine rigorose Trennung zwischen Mensch und Person auf. Seiner Ansicht nach ist nicht jeder Mensch eine Person. Umgekehrt gibt es Personen, die keine Menschen sind. „Person“ stellt für ihn einen Status dar, den man erlangen und zugleich auch wieder verlieren kann, unabhängig davon, ob man Mensch ist oder nicht. Die menschlichen Wesen, die nicht Person sind, nennt Singer „Mitglieder der Spezies Homo Sapiens“, darunter fallen z.B. Säuglinge und schwer geistig behinderte Menschen.
Doch an welchen Merkmalen eines menschlichen Wesens kann man erkennen, ob es sich um eine Person oder um ein Mitglied der Spezies Homo Sapiens handelt?
Eine Person verfügt nach Singer über „[…] Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft, Sinn für Vergangenheit, die Fähigkeit, mit anderen Beziehungen zu knüpfen, sich um andere zu kümmern, Kommunikation und Neugier“. 6
5 vgl. Singer 1994, S. 118
6 vgl. ebd., S. 118
7
Laut Singer muss ein Lebewesen, das als Person bezeichnet werden kann, nicht zwangsläufig ein menschliches Lebewesen sein: „[…] es könnte eine Person geben, die nicht Mitglied unserer Spezies ist.“ 7
Dagegen sind nach Singer alle menschlichen Wesen, die nicht unter den Personenbegriff fallen, also nicht über die oben genannten Fähigkeiten verfügen, unter den „Mitgliedern der Spezies Homo Sapiens“ zu versammeln.
Die Zusammenhänge der Begriffe „menschliche Wesen“, „Mitglieder der Spezies Homo Sapiens“ und „Personen“ lassen sich anhand des unten aufgeführten Diagramms veranschaulichen: Personen
7 vgl. Singer 1994, S. 120
8
2.2 Homo Sapiens - haben sie ein Recht auf Leben?
Peter Singer kritisiert in seinem Buch „Praktische Ethik“ die in unserer Gesellschaft verwurzelte Einstellung, dass menschliches Leben heilig sei, nur weil es menschliches Leben ist. Diese Einstellung resultiert laut Singer aus dem christlichen Glauben und basiert auf der biblischen Überlieferung, der Mensch sei nach dem Abbild Gottes geschaffen und deshalb heilig; auch die biblische Vorstellung, dass Gott die anderen Wesen auf dieser Erde dem Menschen unterstellt habe, trägt zu dieser Einstellung bei. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass die Letztere uns Menschen keinen Grund liefert, nichtmenschliche Lebewesen zu quälen und zu töten, sie überträgt uns sogar die Verantwortung für die anderen Lebewesen.
Vielmehr meint Singer, dass menschliches Leben an sich keinen besonderen Wert darstellt: „Dass es unrecht ist, einem Wesen Schmerz zuzufügen, kann nicht von seiner Gattungszugehörigkeit abhängen; ebenso wenig, dass es unrecht ist, es zu töten. […] Dem Leben eines Wesens bloß deshalb den Vorzug zu geben, weil das Lebewesen unserer Spezies angehört, würde uns in dieselbe Position bringen, wie die Rassisten, die denen den Vorzug geben, die zu ihrer Rasse gehören.“ 8
Aber auch wenn das Leben eines Mitglieds der Spezies Homo Sapiens keinen besonderen Wert darstellt und es somit kein explizites Recht auf Leben hat, so möchte uns Singer dennoch vermitteln, dass einwandfreies moralisch-ethisches Verhalten es ausschließt, dass einem Wesen dieser Art Schmerz zugefügt wird oder es gar getötet wird.
Mit anderen Worten bedeutet dies, dass ein Mitglied der Spezies Homo Sapienswie auch jedes andere empfindungsfähige Lebewesen, das keine Person ist - zwar kein Recht auf Leben hat, es aber trotzdem nicht gequält oder getötet werden darf, zumindest nicht unter dem Deckmantel der ethisch vertretbaren Handlungen.
8 vgl. Singer 1994, S. 121
9
2.3 Personen - haben sie ein Recht auf Leben?
Da nun festgehalten ist, dass Mitglieder der Spezies Homo Sapiens kein explizites Recht auf Leben haben, wird im Folgenden untersucht, ob Personen ein Recht auf Leben haben oder ob es sich bei ihnen so verhält, wie mit den Mitgliedern der Spezies Homo Sapiens. Hierzu gibt es verschiedene philosophische Ansätze, die unterschiedliche Gründe für den Mehrwert des Lebens einer Person offen legen.
2.3.1 Die Position des Klassischen Utilitarismus
Der Klassische Utilitarismus bewertet Handlungen nach ihrer Tendenz zur Maximierung von Lust und Glück (bezogen auf Bewusstseinszustände) und zur Minimierung von Schmerz und Unglück.
Nach Singer können die Anhänger des Klassi schen Utilitarismus nur einen indirekten Grund für ein Tötungsverbot von Personen hervorbringen: Das Glück der übrigen Personen wird geschmälert, wenn sie miterleben müssen, wie eine Person getötet wird, da sie dann befürchten müssen, dass es ihnen genauso ergeht. Daraus würde aber folgen, dass es ethisch vertretbar ist, eine Person im Geheimen zu töten, da dann ja niemand Angst bekommt. 9
Hinzu kommt, dass alle Wesen - egal welcher Gattung und mit welchem Status - bei ihrer Tötung ihres zukünftigen Glücks beraubt werden. Somit ist das Töten generellalso bei allen Lebewesen - für Klassische Utilitaristen falsch.
Jedoch können sie speziell an der Tötung einer Person nur indirekt etwas Falsches finden, da nicht der getöteten Person selbst, sondern nur den anderen Personen durch ihre zunehmende Verängstigung durch die Tötung das Glück genommen bzw. geschmälert wird.
9 vgl. Singer 1994, S. 124 f
10
2.3.2 Die Position des Präferenzutilitarismus
Beim Präferenzutilitarismus geht man davon aus, dass jede Person eine Präferenz hat und wenn man diese Präferenz übergeht, ist die Handlung moralisch als falsch zu beurteilen. Peter Singer zählt sich selbst zu den Präferenzutilitaristen.
Der Präferenzutilitarismus „[…] beurteilt Handlungen […] nach dem Grad, in dem sie mit den Präferenzen der von den Handlungen oder ihren Konsequenzen betroffenen Wesen übereinstimmt.“ 10 Singer argumentiert weiter, dass es ein Unrecht ist, eine Person zu töten, die es vorzieht, weiterzuleben, da mit der Tötung die Präferenz der Person vereitelt wird. Weiter erläutert Singer dass für Präferenzutilitaristen die Tötung einer Person in der Regel schlimmer ist, als die Tötung eines anderen Wesens, weil Personen sehr zukunftsorientiert in ihren Präferenzen sind. Deshalb bedeutet die Tötung einer Person die Verletzung von vielen der wichtigsten Präferenzen, die ein Wesen haben kann. 11
Folglich hat das Leben einer Person aus Sicht der Präferenzutilitaristen einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Leben eines lediglich empfindungsfähigen Wesens. Es wird hier als generelles Unrecht betrachtet, eine Person zu töten, da ihre Präferenzen dadurch verhindert werden.
Dabei wird die Tötung eines nur empfindungsfähigen Wesens als nicht ganz so schlimm erachtet, da diesen Wesen die Möglichkeit, Präferenzen zu haben, abgesprochen wird. Umgekehrt kann man daraus schließen, dass, wenn überhaupt ein Wesen ein Recht auf Leben hat, es sich hierbei lediglich um Personen handeln kann, zumindest aus präferenzutilitaristischer Sicht.
2.3.3 Die Position des Wünsche-Arguments nach Michael Tooley
An dieser Stelle zitiert Singer Michael Tooley, einen zeitgenössischen amerikanischen Philosophen. Dieser ist der Meinung, dass „[…] die einzigen Wesen, die ein Recht auf Leben hätten, […]“ jene seien, „die sich selbst als ‚distinkte
10 vgl. Singer 1994, S. 128
11 vgl. ebd., S. 129
11
Entitäten’ begreifen könnten, die in der Zeit existieren“ 12 , also alle die den Status ‚Person’ innehaben.
Tooley führt aus, dass es eine wesentliche Auffassung ist, dass ein Recht etwas ist, das verletzt werden kann, und dass die Verletzung des Rechts eines Individuums gleichbedeutend ist mit der Durchkreuzung des entsprechenden Wunsches. 13
Somit stellt Tooley einen Wunsch und ein Recht auf dieselbe Stufe. Allerdings gibt er zu, dass es schwierig ist, die Verbindungen zwischen Wünschen und Rechten exakt auszudrücken, da es auch komplizierte Fälle gibt, wie schlafende und vorübergehend bewusstlose Menschen. Schlafende und Bewusstlose haben in ihrem augenblicklichen Zustand zwar keine Wünsche, aber sie haben dennoch Rechte. Tooley folgert daraus, dass ein Wesen, um eine Person zu sein, zumindest die Fähigkeit besitzen muss, Wünsche zu haben. Wenn nicht im aktuellen Augenblick, so dennoch irgendwann einmal. Und da nur eine Person den Wunsch haben kann, weiterzuleben, hat laut Tooley auch nur eine Person ein Recht auf Leben. 14
Allerdings schließt Tooley damit auch aus, dass Säuglinge ein Recht auf Leben haben, da sie noch nicht fähig sind, den Wunsch zu haben, ihr Leben fortzusetzen.
2.3.4 Die Position der Respektierung der Autonomie
Autonomie bezeichnet im vorliegenden Kontext die Fähigkeit, eine Wahl zu treffen, eine Handlung nach eigener Entscheidung zu vollziehen.
Laut Singer können nur vernunftbegabte und selbstbewusste Wesen, also Personen, über die Fähigkeit der Autonomie verfügen, da nur diese fähig sind, die verfügbaren Alternativen abzuwägen und eine Wahl zu treffen. So können Personen z.B. die verfügbaren Alternativen „getötet werden“ und „weiterleben“ abwägen und sich für die von ihnen bevorzugte Alternative entscheiden. „[…] Daher verrät die Tötung einer Person, die sich entscheidet, nicht zu sterben, mangelnden Respekt vor der
12 vgl. Singer 1994, S. 130
13 vgl. ebd., S. 130 f
14 vgl. ebd., S. 131
12
Autonomie dieser Person; und weil die Wahl zwischen Leben und Tod wohl die fundamentalste Wahl ist, die jemand treffen kann, die Wahl, von der alle weiteren Entscheidungen abhängen, ist die Tötung einer Person, die sich nicht dafür entschieden hat, zu sterben, die denkbar schwerwiegendste Verletzung der Autonomie dieser Person.“ 15
Wenn sich also eine Person entscheidet, nicht zu sterben, hat laut des Autonomiearguments niemand das Recht, wider den Willen der Person zu handeln und sie dennoch zu töten. Daraus resultiert das Recht der Person auf Leben, sobald sie sich nicht gegen die Wahrnehmung dieses Rechts ausspricht.
Umgekehrt folgt daraus aber auch, dass eine Person, die sich dafür entscheidet, nicht weiterzuleben, etwa weil sie unheilbar krank ist, auch das Recht hat, im Rahmen einer bewussten Beendigung des Lebens sterben zu dürfen. Dies kann zumindest als Argument für die passive Sterbehilfe herangezogen werden, wenn auch nicht als Argument für die aktive Sterbehilfe, da hierbei die Person, die die Sterbehilfe vollzieht, mit dem (hierzulande geltenden) Gesetz in Konflikt geraten kann, was dazu führen kann, dass der Sterbehelfer in seinen Rechten und seiner Autonomie eingegrenzt wird.
Bei dem Autonomieargument heißt es also folgerichtig, dass eine Person ein Recht auf Leben, aber auch auf die Beendigung des Lebens hat.
15 vgl. Singer 1994, S. 134
13
2.3.5 Zusammenfassung der Gründe für den Mehrwert des Lebens einer
Person
Die Klassischen Útilitaristen halten die Tötung aller Wesen - egal welcher Gattung und mit welchem Status - für falsch, da sie bei ihrer Tötung ihres zukünftigen Glücks beraubt werden. Jedoch können sie speziell an der Tötung einer Person nur indirekt etwas Falsches finden, da nicht der getöteten Person selbst, sondern nur den anderen Personen durch ihre zunehmende Verängstigung durch die Tötung das Glück genommen bzw. geschmälert wird.
Aus Sicht der Präferenzutilitaristen hat das Leben einer Person einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Leben eines lediglich empfindungsfähigen Wesens. Es wird hier als generelles Unrecht betrachtet, eine Person zu töten, da ihre Präferenzen dadurch verhindert werden. Wenn überhaupt ein Wesen ein Recht auf Leben hat, kann es sich hierbei - aus präferenzutilitaristischer Sicht - lediglich um Personen handeln.
Tooley sagt, dass ein Wesen, um eine Person zu sein, zumindest die Fähigkeit besitzen muss, Wünsche zu haben. Wenn nicht im aktuellen Augenblick, so dennoch irgendwann einmal. Und da nur eine Person den Wunsch haben kann, weiterzuleben, hat laut Tooley auch nur eine Person ein Recht auf Leben.
Die Respektierung der Autonomie fordert, dass eine Person, die den Wunsch auf Fortsetzung ihres Lebens hat, nicht getötet werden darf. Daraus resultiert das Recht der Person auf Leben, sobald sie sich nicht gegen die Wahrnehmung dieses Rechts ausspricht. Bei dem Autonomieargument heißt es also folgerichtig, dass eine Person ein Recht auf Leben, aber auch auf die Beendigung des Lebens hat.
Zusammenfassend kann man sagen, dass Singer mit seiner Argumentation erreicht hat, dass einer Person durch den Präferenzutilitarismus, Tooleys Wünsche-Argument und die Respektierung der Autonomie ein Recht auf Leben direkt zuerkannt werden kann.
14
Die Klassischen Utilitaristen können ein Recht auf Leben bei Personen nur indirektdurch die negative Wirkung der Tötung einer Person auf andere Personenverteidigen. Insgesamt kann man sagen, dass eine Person ein Recht auf Leben hat, zumindest hat ihr Leben einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Leben bloß empfindungsfähiger Wesen.
2.4 Bewusstes Leben
Da nun festgestellt wurde, dass Personen wohl ein Recht auf Leben haben, wollen wir uns im Folgenden noch einmal mit den übrigen empfindungsfähigen Wesen befassen.
Bewusstes Leben umfasst Wesen, die bewusst Schmerzen und Lust empfinden können, jedoch nicht selbstbewusst oder vernunftbegabt sind. 16 Darunter fallen beispielsweise Tiere, Neugeborene und geistig Behinderte, jedoch keine Personen.
Neben dem bewussten Leben gibt es auch das selbstbewusste Leben, das die Personen umfasst.
Ein Wesen, das ein bewusstes Leben führt, kann Lust empfinden und sein Schmerz wiegt vermutlich nicht die Lust auf, die es empfindet. Wenn man ein solches Wesen tötet, dann enthält man ihm seine zukünftige Lust vor. Damit ist die Tötung eines bewussten Lebens unrecht. 17
2.4.1 Die Totalansicht
Singer beschreibt in seinem Werk zwei mögliche Ansätze, wie man die Lust in der Welt vermehren kann.
16 vgl. Singer 1994, S. 136
17 vgl. ebd., S. 137
15
Der erste Ansatz, die Totalansicht, basiert auf der Vermehrung der Gesamtsumme von Lust bzw. auf der Verminderung der Gesamtsumme an Schmerz.
Singer stellt zwei Wege dar, wie man die Lust in der Welt verringern kann:
1. Der erste Weg besteht in der Verringerung bzw. Beseitigung der Lust der lustvoll Lebenden.
2. Der zweite Weg besteht in der Beseitigung der lustvoll Lebenden an sich.
Des Weiteren skizziert Singer zwei Wege, wie man die Lust in der Welt erhöhen kann:
1. Der erste Weg bezieht sich auf die Steigerung der Lust der Wesen, die im Augenblick schon existieren.
2. Der zweite Weg verlangt die Produktion von mehr lustvoll lebenden Wesen, z.B. eine große Anzahl von Tieren oder Kindern wird produziert und unter für sie lustvollen Bedingungen aufgezogen. 18
2.4.2 Die „Vorherige-Existenz-Ansicht“
Der zweite Ansatz, die „Vorherige-Existenz-Ansicht“, berücksichtigt nur vorher schon existierende Wesen.
18 vgl. Singer 1994, S 138 f
16
Dieser Ansatz hält fest, dass Paare moralisch nicht zur Fortpflanzung verpflichtet sind. Im Kern der „Vorherige-Existenz-Ansicht“ stehen die Prämissen, dass es kein Zeugungsgrund ist, dass das Kind nach seiner eventuellen Geburt Lust empfinden würde und dass es keinen Grund gibt, ein Kind nicht zu zeugen, nur weil es später Schmerz empfinden würde.
Nach dieser Ansicht ist es nicht direkt unrecht, ein Kind zu zeugen, das leiden wird, obwohl sich damit der Schmerz der Welt vergrößern würde. Durch die Vergrößerung des Schmerzes der Welt wäre nach Singer sogar ein Akt der Euthanasie gerechtfertigt. Aber weil ein Akt der Euthanasie für die Eltern schmerzhafter wäre, als ein Verzicht auf den Akt der Zeugung des besagten Kindes, gibt es einen indirekten Grund dafür, kein „elendes Leben“ zu zeugen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es unrecht ist, ein lustvolles Leben zu verkürzen. Dennoch müssen die Anhänger der Totalansicht akzeptieren, dass es gut ist, mehr glückliche Wesen zu erzeugen. Ebenso müssen die Anhänger der „Vorherige-Existenz-Ansicht“ akzeptieren, dass es nicht unrecht ist, unglückliche Wesen zu produzieren. 19
2.4.3 Vergleich des Wertes verschiedenen Lebens
Singer bejaht im Weiteren die Frage, ob bewusstes aber nicht selbstbewusstes Leben irgendeinen Wert hat. Um aber untersuchen zu können, ob dieser Wert irgendwie mit dem Wert eines selbstbewussten Wesens verglichen werden kann, müssen wir laut Singer „[…] die Vorstellung einer Wertordnung verschiedener Leben überhaupt akzeptieren können.“ 20 Singer führt weiter aus, dass eine Wertordnung verschiedenen Lebens nicht spezifisch ist, also nicht vom menschlichen Wesen ausgeht.
19 vgl. Singer 1994, S. 140 f
20 vgl. ebd., S. 142
17
Eine solche Ordnung solle erkennen lassen, dass jedes Leben vom Standpunkt der jeweiligen verschiedenen Wesen selbst gesehen, den gleichen Wert hat. Beispielsweise ist die Freude einer Maus, die ein großes Stück Käse findet, gleichbedeutend und gleichwertvoll mit der Freude eines Philosophiestudenten, der eine schwierige Hausarbeit vollendet hat, zumindest aus der Sicht des jeweils betroffenen Wesens.
Um jedoch objektive Vergleichswerte der Glücksempfindungen der einzelnen Lebewesen zu erhalten, müssten wir uns, laut Singer, in ein anderes Lebewesen, z.B. ein Pferd, verwandeln lassen und uns nach der Rückverwandlung noch an alle Details aus dem Pferdeleben erinnern können. 21
Singer unterstellt jedoch, dass man sich - falls man wählen könnte - immer für das höher entwickelte Wesen entscheiden würde, da - je höher entwickelt das bewusste Leben eines Wesens ist - sein Grad von Selbstbewusstsein und Rationalität umso größer wären und es umso umfassendere Möglichkeiten hätte, Erfahrungen zu sammeln. 22
John Stuart Mill, ein führender Utilitarist, untermauert mit seinen Ausführungen Singers Argumentation: Er ist der Meinung, dass „[…] nur wenige menschliche Geschöpfe [..]“ damit einverstanden wären, „[…] in eins der niedrigeren Tiere verwandelt zu werden, auch wenn man ihnen den vollen Genuss tierischer Freuden verspräche […]“ 23 Mill propagiert weiter, dass es besser wäre, ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr zu sein. Singer interpretiert den „Narren“ in ein geistig behindertes menschliches Wesen um und folgert daraus, dass ein intelligentes Wesen mehr wert sei, als ein Narr oder geistig Behinderter, obwohl ein intelligentes Wesen nicht zwangsläufig die höhere Glücksfähigkeit besitzen müsse. 24 Daraus folgt allerdings, dass die Notwendigkeit einer Vergleichbarkeit verschiedenen Lebens nicht gegeben ist und eine neu zu definierende Wertordnung ohnehin nur von einem intelligenten Wesen gekrönt werden kann.
21 vgl. ebd., S. 142 f
22 vgl. Singer 1994, S. 142
23 vgl. ebd., S. 144
24 vgl. ebd., S. 145 f
18
3. Eine kritische Stellungnahme
Obgleich Peter Singer als einer der einflussreichsten modernen Philosophen gilt, sind seine Werke durchaus umstritten. Manch anderer Philosoph sieht in seinen nihilistischen Schriften eine große Gefahr. Singer ist populär, was nicht nur an den starken Auflagen seiner Bücher gemessen werden kann, vielmehr beeinflusst er weltweit die Denkströmungen um die und in der internationalen bioethischen Debatte. 25
Sein Buch „Praktische Ethik“ ist sein bekanntestes und umstrittenstes Werk. „[…]Praktisch bedeutet nützlich, funktional, behilflich bei der Erreichung eines Ziels. Und gerade eben diese Funktionalität der ethischen Konzeptionen Singers ist bedenklich.“ 26
Boloz schildert das Hauptproblem der Singer’schen Grundeinstellung - sein Anspruch, mit seiner Philosophie Ziele zu erreichen. An sich genommen ist das ja noch kein Problem, wenn man ein Ziel erreichen möchte. Doch was für eine Zielsetzung hat ein Mensch, der, um für Tierrechte einzutreten, Menschenrechte mit Füßen tritt?
Singer wirft uns vor, Speziesisten zu sein, wenn wir menschliche Wesen anderen Wesen gegenüber bevorzugen. Doch ist er nicht selbst der Schlimmste aller Speziesisten, wenn er „normale erwachsene Menschen“ über alle anderen Wesen (auch die anderen menschlichen Wesen) stellt?
25 vgl. Utilitarismus in der Bioethik 2002, S. 23
26 vgl. ebd., S. 17
19
3.1 Singers großer Fehler
Singers familiäres Umfeld hat seine Denkweise grundlegend verändert, als seine Mutter an der Alzheimer-Krankheit erkrankte. Walter Mixa beschreibt die Entstehung dieser neuen Denkweise wie folgt: „Ausgerechnet Peter Singers eigene Mutter hat Alzheimer, erkennt niemanden mehr und lebt in einem Zustand, den sie als gelernte Ärztin in gesunden Tagen als ausdrücklich nicht wünschenswert bezeichnet hatte. Singer kam dennoch nie auf den Gedanken, seiner Mutter aktive Sterbehilfe zu geben (wie er es nach seiner Philosophie eigentlich befürworten müsste).“ 27
Diese Haltung wird ihm von seinen Kritikern als "Messen mit zweierlei Maßstab" vorgeworfen. 28 In seinem hier vorgestellten Verhalten liegt eine mit seiner Philosophie nicht erklärbare Inkonsequenz.
„Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass Singer in einem im Internet veröffentlichten Interview davon berichtete, dass er für seine an Alzheimer erkrankte Mutter auf eigene Kosten einen vierundzwanzigstündigen Pflegedienst organisiert hat. Auf die Widersprüchlichkeit seines Vorgehens angesprochen - schließlich habe seine Mutter in der Konsequenz seines Ansatzes durch die Krankheit ihren Personenstatus verloren und könnte ohne ethische Bedenken bei gleichzeitiger Einsparung der Pflegekosten umgebracht werden -, bekannte Singer:
„Ich denke, dass diese Sache mir die Augen dafür geöffnet hat, dass diese Dinge sich für Menschen als sehr schwierig darstellen, die von diesen Problemen betroffen sind. Vielleicht ist es schwieriger, als ich früher dachte, weil es etwas anderes ist, wenn es sich um deine eigene Mutter handelt.“
27 vgl. http://www.forum-bioethik.de/Bischof_Mixa.html 01.08.2005
28 vgl. http://www.uni-bamberg.de/~ba3sw1/texte/tier.htm 01.08.05
20
Man würde dem sittlichen Niveau seines Verhaltens nicht gerecht, denunzierte man Singers Hilfe für seine Mutter als Sentimentalität. Im Gegenteil: Hier zeigt sich eine richtige und sehr grundlegende Intuition, das Inanspruchgenommenwerden durch eine hilfsbedürftige menschliche Person. Die Aufgabe der Ethik und damit auch Peter 29 Singers ist es, diese Intuition verstehbar zu machen, […]“
3.2 Liebe und Nächstenliebe als ethisch-moralischer Leitfaden
Walter Mixa zeigt hier die grundlegende Problematik der Argumentation Singers auf: Wenn es um ein Wesen geht, das man liebt, so gelten gänzlich andere Maßstäbe als solche, die sich kluge Ethiker und Philosophen auf theoretischer und hypothetischer Ebene erarbeiten.
Das was im Leben eines Menschen - meiner Meinung nach - wirklich zählt, ist Liebe, geliebt zu werden und zu lieben, und im Rahmen dieser Liebe die Wesen, die einem persönlich wichtig sind, zu unterstützen und ihr Leben so angenehm wie möglich zu machen.
Diese Liebe darf es nicht ausschließen, den Wunsch nach Sterbehilfe zu berücksichtigen. Diese Liebe darf nicht zulassen, dass unschuldige Wesen zum Vergnügen gequält oder getötet werden. Diese Liebe darf nicht vom Personenstatus abhängig sein.
Möglicherweise würde mir Singer an dieser Stelle den Rückfall in christlichdogmatische Denkweisen anlasten. Dennoch ist das Prinzip der Nächstenliebe meiner Meinung nach der beste ethisch-moralische Leitfaden. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lev. 19,18) oder wie es in einem Sprichwort so schön heißt: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu.“ Wenn jedes selbstbewusste Wesen die anderen Wesen (egal welcher
25 vgl. http://www.forum-bioethik.de/Bischof_Mixa.html 01.08.2005
21
Gattung oder welchen Status sie innehaben) so behandeln würde, wie es im umgekehrten Fall behandelt werden möchte, dann gäbe es ausschließlich ethisch korrekte Handlungen auf dieser Welt.
Allerdings müssten wir uns dann Singers vegetarische Lebensweise aneignen und uns - ebenso wie er selbst - dazu bereit erklären, mindestens zehn Prozent unseres Einkommens an Hilfsorganisationen für die dritte Welt spenden. Man kann sehr viel an Singer kritisieren, aber die Tatsache, dass er zumindest in dieser Hinsicht äußerste Konsequenz zeigt, hat mich dazu bewegt, Singer als Menschen zu achten, ebenso, wie die Tatsache, dass er auch seine Fehler bezüglich der Bedeutsamkeit des Personenstatus und dem Mangel an Einfühlsamkeit in seinem Werk als solche anerkennt, gerade im Kontext seiner kranken Mutter, in welchem auch er die Liebe als Leitfaden seiner eigenen Handlungsweise akzeptiert hat.
3. Das Bild des perfekten Menschen
Eine mögliche Gefahr in Singers Praktischer Ethik ist die, dass die oberflächliche Gesellschaft in der wir leben, in der ein Mensch nur nach seiner Leistungsfähigkeit, nach seinem Aussehen und nach seinem eventuellen Reichtum bewertet wird, Singers Ansätze als Rechtfertigung benutzen könnten, nicht ganz so perfekte Menschen aus egoistischen Gründen zu töten, vielleicht, weil uns ihre krumme Nase nicht passt, oder sie nicht ganz so intelligent sind. Weitet man Singers praktischethischen Ansatz aus, so wäre es in Zukunft vielleicht auch legitim, Übergewichtige, Alte, Arme und Andersdenkende zu eliminieren.
Bonfranchi drückt dies so aus: „[…] wir, die Nichtbehinderten, müssen uns hinterfragen inwieweit wir den Thesen von Singer evtl. klammheimlich doch zustimmen. Es gilt, der Frage nachzugehen, wie stark die zweifellos latent vorhandenen Tötungswünsche gegenüber Menschen mit einer Behinderung manifest werden können, da uns Behinderte ständig daran erinnern, dass wir jederzeit auch
22
selbst behindert werden können und damit gegen das von uns selber propagierte Leitbild eines ästhetisch vollkommenen Menschen verstoßen würden.“ 30 Singer selbst hat in seiner Praktischen Ethik oft Definitionen interpretierbar gestaltet. Alle Kategorisierungen sind relativ, da sie wiederum von anderen Definitionen abhängig sind. Bonfranchi nennt den „ästhetisch vollkommenen Menschen“. Doch wie sieht der aus? Was sind seine Merkmale und Eigenschaften? Oft genug diktiert uns das Fernsehen und die Werbung, wie ein perfekter Mensch auszusehen hat. Doch wir sind alle verschieden, und sollen wir deswegen als „Mängelexemplar der Gattung Mensch“ gelten? Nicht jeder kann aussehen wie Brad Pitt oder Heidi Klum, ich halte dies auch nicht für wünschenswert, da sonst die ganze Individualität verloren ginge.
Außerdem finde ich es ziemlich verwerflich, dass Peter Singer fortwährend versucht, den Wert eines Lebens auf so oberflächliche Art und Weise zu bestimmen. Das Leben eines schwer geistig behinderten Menschen ist für ihn nicht so wertvoll wie das Leben eines „normalen erwachsenen Menschen“.
Meiner Meinung nach behandelt er diese Einteilungen viel zu generell: Was, wenn der „normale erwachsene Mensch“ ein aus Profitgier mordendes, hochintelligentes Monster ist? Und der Behinderte ein herzensguter Mensch? Singer beurteilt den Wert eines Lebens nach recht oberflächlichen Merkmalen.
Wie fühlt sich wohl ein behinderter Mensch, wenn er Singers Ausführungen über den mutmaßlichen Wert seines Lebens liest? Nach utilitaristischer Ansicht muss es doch auch falsch sein, durch solche Schriften die Gefühle von verschiedenen Gruppen von Menschen zu verletzen, denn das führt zwangsläufig zur Verringerung von Glück und Lust auf der Welt.
An der Stelle des Buches, wo Singer vorschlägt, sich in ein Tier verwandeln zu lassen, um den Wert seines Lebens zu bestimmen, hätte Singer auch darauf kommen müssen, dass es sich bei sämtlichen anderen Lebewesen genauso verhält.
30 vgl. Ahmann, 2001, S. 323
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Ein berühmtes Sprichwort besagt: Urteile nicht über einen Menschen, ehe du sieben Meilen in seinen Stiefeln gegangen bist. Singer kann nicht über den Wert eines Lebens oder die Lebensqualität in einem Leben urteilen, ehe er nicht dieses Leben führt oder die Lebensqualität erfährt.
Ich möchte nicht sagen, dass Singer schlechte Absichten mit seiner „Praktischen Ethik“ hatte. Es ist durchaus lobenswert, dass er sich ein lebenswertes Leben für alle Lebewesen wünscht. Auch seine eigenen ethischen Grundsätze, wie Vegetarismus und Spenden an Hungernde, sind sehr positiv zu bewerten. Aber die Art und Weise, wie er uns von seiner Sichtweise überzeugen will, ist rücksichtslos gegenüber den Behinderten und den Säuglingen, wobei die Säuglinge ja nichts von seiner Sichtweise erfahren. Speziell in Hinsicht auf die Behinderten ist seine Argumentationsweise verwerflich, da sie dadurch zu Menschen zweiter Klasse degradiert werden.
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4. Singers Konsequenzen
Da Singer seine „Praktische Ethik“ schließlich so verfasst hat, dass sie praktische Anwendung finden soll, nun noch einige praktische Ratschläge für einen ethisch korrekten Umgang mit den verschiedenen Lebewesen.
4.1 Wie wir mit dem Leben von Tieren umgehen sollten
Laut Singer gibt es keine alleingültige Antwort auf die Frage, ob es normalerweise unrecht ist, ein Tier zu töten, da es auch vernunftbegabte „nichtmenschliche Tiere“ gibt. Singer beschreibt das Unrecht des Tötens dieser Tiere mit dem Unrecht des Tötens von Menschen mit einer dauerhaften Behinderung auf dem gleichen geistigen Niveau, wobei Singer hier als Beispiel für solche Tiere Primaten anführt. 31 Daher plädiert Singer für die Ausdehnung des Tötungsschutzes für „alle menschlichen Wesen“ auf die vernunftbegabten „nichtmenschlichen Tiere“, „[…] vielleicht sogar für alle Säugetiere insgesamt[…]“. Er sagt aber auch, dass es unter gewissen Umständen kein Unrecht sein mag, nicht-selbstbewusste Tiere zu töten, z.B. wenn ein lustvoll lebendes Tier getötet wird, ohne dass dies einen Verlust für die anderen Tiere darstellt und es gleichzeitig durch ein anderes Tier ersetzt wird, das sonst nicht leben würde. 32 Weiter erläutert Singer, dass es „wohl durchaus Situationen“ gibt, „in denen es nicht falsch ist, Tiere zu töten, aber sie sind sehr speziell und betreffen nur ganz wenige von den Milliarden Fällen, in denen Menschen Jahr für Jahr Tieren den vorzeitigen Tod bringen.“ 33
Abschließend fordert uns Singer dazu auf, Tiere nicht mehr zu Nahrungszwecken zu töten, mit der Ausnahme, wenn man ansonsten nicht überleben kann. 34 Peter Singer verzichtet konsequentermaßen selbst auf Fleisch, er ist überzeugter Vegetarier. 35
31 vgl. Singer 1994, S. 173
32 vgl. ebd., S. 174
33 vgl. ebd., S. 175
34 vgl. ebd., S. 176
35 vgl. http://www.ivu.org/people/writers/index.html 08.08.2005
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4.2 Wie wir mit dem Leben von Menschen umgehen sollten
Im Folgenden wird erörtert, unter welchen Voraussetzungen nach Singer menschliches Leben beendet werden darf und welche moralischen Verpflichtungen gegenüber Armen und Flüchtlingen bestehen.
4.2.1 Abtreibung, Infantizid und Verwendung von Embryonen
Da die Entwicklung des Embryos stufenweise erfolgt und nach Singer die gängigen Trennlinien wie Geburt, Lebensfähigkeit oder Bewusstsein nicht überzeugend sind, ist für Singer die wichtigste moralische Grenze die Leidensfähigkeit des Fötus. „[…] Bis diese Fähigkeit vorhanden ist, beendet ein Schwangerschaftsabbruch eine Existenz, die überhaupt keinen Wert an sich hat. Danach […] sollte die Abtreibung jedoch nicht leicht genommen werden[…]. Aber die ernsthaften Interessen der Frau würden normalerweise jederzeit vor den rudimentären Interessen selbst eines bewussten Fötus Vorrang haben.“ 36 Da ein Fötus noch nicht selbstbewusst ist, hat er nach Singer kein solches Recht auf Leben wie die (selbstbewusste) Person. Singer lässt auch nicht gelten, dass der Fötus als potentielle Person dieselben Rechte auf Leben wie die Person hat.
Nach Singer ist es absurd, den Embryo als Individuum zu betrachten, zu einem Zeitpunkt, in dem er nur ein Zellklumpen ist, weil zu diesem Zeitpunkt aus dem Zellklumpen noch mehrere künftige Individuen (Mehrlinge) werden könnten. 37 Deswegen sieht Singer auch nichts Verwerfliches daran, Embryonen für medizinische Zwecke zu benutzen. Dennoch missfällt Singer die Vorstellung eines freien Marktes mit fötalem Gewebe. 38
36 vgl. Singer 1994, S. 197
37 vgl. ebd., S. 203
38 vgl. ebd., S. 212
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Zusammenfassend kann man sagen, dass das fötale/embryonale Leben erst ab dem Zeitpunkt der Empfindungsfähigkeit (ab der 18. Schwangerschaftswoche) von Singer als genauso schützenswert wie das Leben eines nicht-menschlichen, nur bewussten Wesens angesehen wird.
Laut Peter Singer verfügt ein Neugeborenes genauso wenig wie ein Fötus über die Fähigkeiten einer Person, weshalb man auch Neugeborene töten dürfte. Infantizid (Kindstötung) kann dennoch nur dann mit dem Schwangerschaftsabbruch gleichgesetzt werden, wenn sich die Angehörigen des Neugeborenen bewusst dafür entscheiden, dass das Kind sterben soll. Nach Singer kommt dieser Fall aber höchst selten vor, da ein bereits geborenes Kind von anderen Menschen adoptiert werden kann. 39
4.2.2 Euthanasie
Wenn das Leben eines Menschen etwa durch eine schlimme Krankheit elend wird, gibt es die Möglichkeit der Euthanasie, die hier Sterbehilfe bedeutet und dem Betroffenen einen angenehmen Tod bescheren soll. Singer unterscheidet drei verschiedene Arten der Euthanasie:
Die unfreiwillige Euthanasie gilt bei Singer als verwerflich, weil das Subjekt nicht freiwillig auf sein Recht auf Leben verzichtet; nur wenn das Subjekt nicht erkennt, welche zukünftigen Qualen ihn erwarten, wenn keine Sterbehilfe durchgeführt wird, könnte man die unfreiwillige Euthanasie rechtfertigen, so Singer.
Nichtfreiwillige Euthanasie ist, „[…] wenn das Subjekt niemals die Fähigkeit hatte, zwischen Leben und Sterben zu wählen […] wenn das Subjekt nicht jetzt, aber früher fähig war zwischen Leben und Sterben zu wählen, aber damals keine für seine gegenwärtige Situation relevante Entscheidung getroffen hat.“ 40 Die Wesen auf die Singers Definition zutrifft, sind beispielsweise schwer behinderte Säuglinge und
39 vgl. Singer 1994, S. 218
40 vgl. ebd., S. 232
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Menschen, die dauerhaft im Koma liegen, aber keine Patientenverfügung hinterlassen haben. Diese Art der Euthanasie ist ethisch vertretbar, da sie ja nur dann angewandt wird, wenn das Leben so elend ist, dass es ausgehend vom betroffenen Subjekt nicht lebenswert ist.
Neben unfreiwilliger und nichtfreiwilliger Euthanasie existiert noch die freiwillige Euthanasie, zu der sich das Subjekt aus freien Stücken entschließt.
Singer plädiert für aktive Euthanasie, da die passive Euthanasie häufig von Zufällen abhängt und den Tod oft verzögert: „Wenn wir fähig sind zuzugeben, dass unser Ziel ein schneller und schmerzloser Tod ist, sollte nicht der Zufall bestimmen dürfen, ob dieses Ziel erreicht wird oder nicht. Haben wir uns für den Tod entschlossen, dann sollten wir sicher gehen, dass er auf die bestmögliche Weise eintritt.“ 41 Passive Euthanasie bedeutet, den Menschen sterben zu lassen, keine lebensverlängernden Maßnahmen zu treffen. Aktive Euthanasie bedeutet die bewusste Tötung des Betreffenden anhand einer bewussten Handlung, z.B. die Injektion von tödlichem Gift.
4.2.3 Armut
Nach Peter Singer kann man es moralisch nicht rechtfertigen, dass einige wenige Menschen im Überfluss leben und die meisten anderen Menschen in absoluter Armut verharren müssen und viele von ihnen qualvoll verhungern müssen. Singer tritt dafür ein, dass die Menschen, die es finanziell verkraften können, mindestens 10 % ihres Einkommens spenden sollten, um die Mittel gerecht umzuverteilen. In diesem Zusammenhang erörtert Singer, was moralisch schlimmer ist: Sterbenlassen oder Töten, da laut Singer nichts zu spenden dem Sterbenlassen gleichkommt, wenn der Nichtspender im Überfluss lebt. Der große Nutzen, den die Spende für die Armen bringt, überwiegt den minimalen Verlust des Spenders bei weitem. 42 Singer selbst führt bis zu 30% seines Einkommens an Oxfam und UNICEF ab. 43
41 vgl. Singer 1994, S. 272
42 vgl. ebd., S. 278 ff
43 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer 08.08.2005
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4.2.4 Flüchtlinge und Asylbewerber
Singer plädiert für eine Erhöhung der Aufnahmequoten von Flüchtlingen in den besser entwickelten Ländern, da die Flüchtlinge bei Nichtaufnahme ein elendes Leben führen müssten. Neben den positiven Effekten der Aufnahme in ein reiches Land für den Flüchtling oder Asylbewerber, bereichere die Aufnahme auch die aufnehmende Nation durch multikulturelle Erfahrungen für die Bewohner des reichen Landes. Die Kosten, die durch eine erhöhte Aufnahmequote entstehen, sollten die Politiker des betreffenden Landes durch Mittelumschichtungen finanzieren. 44 Auch hier ist wieder das Prinzip der gleichen Interessenabwägung erkennbar: Soll ein Mensch menschenwürdig leben oder soll ein reiches Land lieber Geld sparen? Eindeutig wiegt hier das Interesse des Flüchtlings schwerer, als das rein kapitalistische Interesse der Industrienation.
4.3 Wie wir mit unserer Umwelt umgehen sollten
Singer entwirft eine neue Umweltethik in seinem Werk „Praktische Ethik“. „Das Allergrundsätzlichste einer solchen Ethik bildet die Entwicklung der Rücksichtnahme auf die Interessen aller empfindungsfähigen Wesen einschließlich der nachfolgenden Generationen bis in ferne Zukunft. Damit verbunden ist eine ästhetische Wertschätzung unberührter Gegenden und unversehrter Natur.“ 45
Weiter lehnt Singers Umweltethik die Inbegriffe einer materialistischen Gesellschaft ab. Erfolg wird gemessen an der Entwicklung eigener Fähigkeiten und Erlangung wirklicher Erfüllung und Befriedigung. Wir sollten uns mit weniger Habseligkeiten zufrieden geben und alles, was man wieder verwenden kann, wieder verwenden. Wir sollten außerdem nur noch die umweltfreundlichsten Produkte kaufen und uns weitgehend pflanzlich ernähren.
44 vgl. Singer 1994, S. 334
45 vgl. ebd., S. 362
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Außerdem sollten wir die natürlichen Ressourcen wie beispielsweise Holz und Erdöl nicht durch unbedachte Handlungsweisen (unnötig Auto fahren, Abholzung des Regenwaldes für schöne Möbel und Papier) verschwenden. 46
46 vgl. ebd., S. 362 ff
30
Literaturverzeichnis
Ahmann, Martina (2001): Was bleibt vom menschlichen Leben unantastbar? : Kritische Analyse der Rezeption des praktisch-ethischen Entwurfs von Peter Singer aus praktisch-theologischer Perspektive. Münster: LIT Verlag
Boloz, Wojciech (2002): Über die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit dem Utilitarismus in der Bioethik. In: Boloz, Wojciech/Höver, Gerhard (Hg.): Utilitarismus in der Bioethik. Seine Voraussetzungen und Folgen am Beispiel der Anschauungen von Peter Singer. Münster: LIT Verlag
Singer, Peter (1994): Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart: Reclam-Verlag
Verwendete Internetadressen:
Definition, Erklärung, Bedeutung, Glossar: Peter Singer. Veröffentlicht auf der Seite: http://www.adlexikon.de/Peter_Singer.shtml 02.08.2005
Mixa, Walter: Wenn du tötest, so tu es im Verborgenen. Eine „Ethik“, die nicht die Unsittlichkeit eines perfekten Mordes aufweisen kann, ist keine. Veröffentlicht auf der Seite: http://www.forum-bioethik.de/Bischof_Mixa.html 01.08.2005
Nachschlagewerk Wikipedia: Peter Singer. Veröffentlicht auf der Seite: http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Singer 08.08.2005
Tierwürde und Menschenwürde im Vergleich. Veröffentlicht auf der Seite: http://www.uni-bamberg.de/~ba3sw1/texte/tier.htm 01.08.05
Website der IVU: Berühmte Vegetarier: Peter Singer. Veröffentlicht auf der Seite: http://www.ivu.org/people/writers/index.html 08.08.2005
31
Abbildungsverzeichnis
Argumentationsschema nach A. Folkers, S. 4. Veröffentlicht auf der Seite: http://www.teachsam.de/deutsch/d_rhetorik/argu/arg_erw_3.htm 25.07.2005
Titelbild der Hausarbeit, S. 1. Veröffentlicht auf der Seite: http://www.tnr.com/graphics/berkowitz011000art.gif 01.08.2005
32
Glossar
Autonomie
Autonomie bezeichnet im vorliegenden Kontext die Fähigkeit, eine Wahl zu treffen, eine Handlung nach eigener Entscheidung zu vollziehen.
Bewusstes Leben
Bewusstes Leben umfasst Wesen, die bewusst Schmerzen und Lust empfinden können, jedoch nicht selbstbewusst oder vernunftbegabt sind.
Distinkte Entität siehe „Person“
Ethik
[griechisch ethika, "das die Sittlichkeit betreffende", "Sittenlehre"] Ethik als philosophische Disziplin befasst sich mit den sittlichen Normen, Werten und Anschauungen, insbesondere im Hinblick auf ihre Begründbarkeit.
Euthanasie
hier: Sterbehilfe, wenn das Leben durch Krankheit oder Behinderung sehr stark beeinträchtigt ist.
Klassischer Utilitarismus
Denkrichtung, die den Zweck alles menschlichen Handelns in dem Nutzen sieht, der dadurch für den einzelnen oder die Gemeinschaft gestiftet wird.
Mitglied der Gattung Homo Sapiens hier: biologische Bezeichnung eines menschlichen Wesens
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Moral
[die; lateinisch mores, "die Sitten", daraus abgeleitet moralis, "die Sitten betreffend"] die tatsächliche Verwirklichung einer sittlichen Haltung
Nihilistisch schwarzseherisch
Person
hier: (nicht zwangsläufig) menschliche Wesen, die über Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle, Sinn für Zukunft und Vergangenheit, die Fähigkeit, Beziehungen zu knüpfen, die Fähigkeit, sich um andere zu kümmern, Neugier und Kommunikation verfügen
Präferenzutilitarismus
Art des Utilitarismus (s.o.), der eine Handlung danach beurteilt, ob die Präferenzen der betroffenen Personen dabei berücksichtigt wurden
Selbstbewusstes Leben Siehe „Person“
Spezies
hier: Gattung, zur Gattung Mensch zählen alle menschlichen Wesen mit menschlichen Genen
Speziesismus
hier: Art des Rassismus, nur auf die Spezies bezogen; die Angehörigen einer Spezies werden durch diese Spezies bevorzugt
Speziesist Anhänger des Speziesismus (s.o.)
Unbewusstes Leben
Lebewesen, die nicht empfindsam sind, z.B. Pflanzen
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Carina Sommer, 2005, Zur Rechtmäßigkeit der Tötung von Leben bei Peter Singer, München, GRIN Verlag GmbH
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