Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Rahmen des PAGT
3 Schwerpunkte des PAGT
4 Umsetzung des PAGT
4.1 Das AGT
4.2 Case und Care Management
4.3 Patientenauswahl
5 Erfahrungen
5.1 AGT und beteiligte Dienste
5.2 Case und Care Management
5.3 Patienten und Angehörige
6 Fazit des PAGT
7 Zusammenfassung
8 Literatur
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1 Einleitung
Im Rahmen der seit den 1980-er Jahren wachsenden Diskussionen um eine evaluierbare Gewährleistung qualitativer Aspekte in der Pflege, finden neben materiell-strukturellen zunehmend ideell-emotionale Gesichtspunkte Beachtung. Während erstere sich durch eine leichte Auswertbarkeit anhand objektiver Kriterien auszeichnen, bedürfen letztere aufgrund ihrer Subjektivität sowohl der Identifikation als auch der Definition, um eine neutrale Evaluierung zu ermöglichen. Maßstäbe hierbei können menschliche Gefühle, beispielsweise Zufriedenheit oder Sicherheit, ebenso wie deren Ressourcen, z.B. soziale oder persönliche, sein. Eingebettet in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge setzen diese Betrachtungen eine zusätzliche Berücksichtigung unternehmerischer sowie politischer Interessen voraus. Qualität wird zur Antwort auf die Frage: Wie sind mit weniger finanziellen Aufwendungen mehr menschliche Bedürfnisse zu befriedigen? Zahlreich sind die Anstrengungen einen Lösungsweg hierfür zu finden; besondere Bedeutung erlangen Modellprojekte, da diese zum einen die Implementierung neuer Instrumente in bestehende Versorgungsstrukturen hinsichtlich ihrer Effektivität und Effizienz in einem zeitlich sowie finanziell begrenzten Rahmen erproben können, zum anderen ermöglichen diese auf Grundlage der sie wissenschaftlich begleitenden Forschung eine Objektivierung, und damit Auswertbarkeit, konkreter subjektiver Bedürfnisse. Ich möchte das Projekt Ambulantes Gerontologisches Team (PAGT) vorstellen.
2 Der Rahmen des PAGT
Das Projekt Ambulantes Gerontologisches Team ist ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Hamburger Johanna und Fritz Buch Gedächtnisstiftung gefördertes Modellprojekt. Zusätzliche Unterstützung findet es bei der Techniker und der Allgemeinen Ortskrankenkasse sowie bei dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt durch das Institut für Medizin-Soziologie, Arbeitsschwerpunkt Sozialgerontologie der Universität der Freien Hansestadt Hamburg.
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Nachdem die Projektlaufzeit um ein Jahr verlängert worden war, beträgt die Spanne seiner Durchführung insgesamt vier Jahre, vom November 1992 bis November 1996; drei Monate hiervon nehmen die Vorbereitungen in Anspruch. Die Durchführung des Projektes beschränkt sich regional auf zwei Bezirke Hamburgs.
Die Basis des Projektes bilden Erkenntnisse einer Arbeitsgruppe des 1989 in Hamburg entstandenen Arbeitskreises „Selbstbestimmtes Altern“, in welcher Fachleute verschiedener helfender Professionen mit dem Auswerten der eigenen Arbeit auf das Finden von Potentialen für Verbesserungen zielen. Grundlegend erkannten sie, dass alte Menschen nicht optimal versorgt werden, wenn sie der Hilfe bedürfen, woraus die Suche nach neuen Wegen zu einer verbesserten Versorgungssituation resultiert. Als wesentliches Charakteristikum gilt ihnen hierbei die mit der Lebensqualität korrelierende Ausschöpfung des Grundrechtes auf Selbstbestimmung. Dies bildet das leitende Motiv des Projektes. Ebenso schränkt es dessen Zielgruppe auf ältere Menschen ein, das heißt in diesem Falle auf mindestens fünfundsechzigjährige.
Des Weiteren leitet sich hieraus die Arbeitsform eines interdisziplinären Teams ab; ausgehend von einer besonderen Rolle des Hausarztes im deutschen Gesundheitssystem, welche sich sowohl durch ein vergleichsloses Vertrauensverhältnis zwischen ihm und seinen Patienten auszeichnet als auch durch Grenzen seiner Kompetenz bezüglich der pflegerischen und psychosozialen Versorgung gekennzeichnet ist, steht der Hausarzt im Mittelpunkt des Teams. Um insbesondere Angebote und Möglichkeiten der ambulanten pflegerischen und psychosozialen Betreuung besser abzustimmen, ergänzen Patientenbegleiterinnen sowie Koordinatorin das Ambulante Gerontologische Team. Je nach Bedarf sollen andere an der Patientenversorgung Beteiligte in die berufsübergreifende Teamarbeit einbezogen werden. Eine detaillierte Vorgehensweise der einzelnen Teammitglieder legt das Projekt im Vorfeld nicht fest; vielmehr soll sich der Modus ihrer Zusammenarbeit im Alltag entwickeln. Hierfür wird der Begriff des Lernenden Modells verwendet.
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Als zentrales Instrument kommt in diesem Projekt das des Case Managementes zum Einsatz, welches methodisch die Funktionen Screening, Assessment, Planung, Intervention, Monitoring und Evaluation verknüpft.
3 Schwerpunkte des PAGT
Zielend auf eine individuelle, bedarfs- und bedürfnisgerechte Betreuung alter hilfebedürftiger Menschen, stellen sich dem Projekt folgende Kernfragen:
• Was gibt es für Möglichkeiten Patienten in ihrer häuslichen Umgebung
weiterzubetreuen?
• Können Hausarzt und Hauskrankenpflege den Versorgungsverlauf im
Patienteninteresse beeinflussen?
• Werden alle Möglichkeiten eines zeitgerechten Überganges vom Krankenhaus in
die Nachsorge gesehen und ausgeschöpft?
• Kann man Angehörige frühzeitig so unterstützen und beraten, dass sie Alternativen
in der Patientenversorgung erkennen und nutzen?
• Kann man Patienten die nötige psychosoziale Unterstützung bieten, damit sie ihre
Interessen deutlich artikulieren und umsetzen können?
Mittels interdisziplinärer Teamarbeit und Nutzung des Case Managements als besonderes Instrument zum Einbeziehen der Patientenperspektive will das Projekt auf den Erhalt oder die Wiederherstellung der Lebensqualität dieser Menschen einwirken. Als Maßstäbe der Lebensqualität geht das Projekt von den Kriterien körperliche Gesundheit, geistig-seelische Gesundheit, soziale Ressourcen, ökonomische Ressourcen, Aktivitäten des täglichen Lebens, Bedarf und Inanspruchnahme von Hilfen und Diensten, psychische und soziale Umwelt sowie Belastung der Pflegenden aus.
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Dementsprechend leiten sich als Aufgaben für das PAGT ab:
• Chronifizierung von Krankheit vermeiden oder verzögern
• Entstehung von Pflegebedürftigkeit verhindern
• Mortalitätsrate senken
• Medizinisch unnötige Krankenhauseinweisungen vermeiden
• Krankenhausliegezeiten verkürzen
• Von Betroffenen unerwünschte Umzüge in ein Pflegeheim vermeiden, sofern
situativ möglich
• Rückkehr in eigene Wohnung unterstützen
• Selbstbestimmung bei Inanspruchnahme von Hilfen ermöglichen
• Kontinuität in der Betreuung gewährleisten
• Kooperation aller an der Versorgung Beteiligten herstellen
• Hilfen koordinieren
• Hilfe zur Selbsthilfe und Selbständigkeit leisten
4 Umsetzung des PAGT 4.1 Das AGT
Das Ambulante Gerontologische Team setzt sich zusammen aus zwei, später drei Hausärzten, welche geringfügige Honorare erhalten, zwei Patientenbegleiterinnen mit je vierzig Wochenarbeitsstunden sowie einer Koordinatorin mit dreißig Wochenarbeits-stunden und wird wissenschaftlich begleitet von einem wissenschaftlichen Mitarbeiter mit vierzig Wochenarbeitsstunden, einer Sekretärin mit achtundzwanzig Wochenarbeits-stunden und einer studentischen Hilfskraft; die Projektleitung ist durch die Hamburger Universität eigenfinanziert.
Es arbeitet in zwei Hamburger Modellregionen, in welchen je eine bzw. später in einer zwei Arztpraxen liegen; jeder dieser Regionen ist eine Patientenbegleiterin zugeordnet, welche mit dem Hausarzt den Teamkern dieser Region bildet. Die Koordinatorin ist für deren übergreifende Unterstützung verantwortlich.
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Während die Patientenbegleiterinnen, aufgrund der Ausrichtung ihrer Arbeit auf den einzelnen Patienten als Case Managerinnen fungieren, nimmt die Koordinatorin durch ihre auf das Gemeinwesen orientierte Zusammenarbeit mit anderen Diensten und Einrichtungen Aufgaben des Care Managements wahr. Die Hausärzte übernehmen die grundlegende Aufgabe für das Projekt geeignete Patienten auszuwählen, außerdem dient ihre Praxis als Lokalität der regelmäßig stattfindenden Teamsitzungen, deren Hauptinhalt die gemeinsame Erarbeitung der patientenorientierten Betreuungspläne ist.
Wesentlich ist, dass durch die Patientenbegleiterinnen eine für die älteren Menschen dauerhafte Bezugsperson geschaffen werden soll, welche ihnen trotz Wechsel zwischen Einzelversorgern erhalten bleibt.
4.2 Case und Care Management
Eine Besonderheit des Projektes besteht in der Verknüpfung von Case und Care Management. Während Care Management hier als auf das Gemeinwesen ausgerichtet verstanden und durch die Koordinatorin umgesetzt wird, orientiert sich Case Management, angewandt durch die Patientenbegleiterinnen, an den Interessen Einzelner. Das bedeutet zum Einen, dass die Arbeit der Koordinatorin sowohl auf das Team als auch auf strukturelle externe Bedingungen gerichtet ist. Sie sorgt für interne Abstimmungen, organisiert Teamsitzungen, stellt Verbindungen zu anderen Gesundheits- sowie Sozialdiensten des Stadtteiles her, auch zu Spezialeinrichtungen anderer Stadtteile, und erhält diese aufrecht, kümmert sich um weitere Bedingungen, wie beispielsweise um gesetzliche Grundlagen, Möglichkeiten der Finanzierung oder der bestehenden Versorgungsstruktur. Einen weiteren Schwerpunkt findet ihre Arbeit in dem Herstellen von Transparenz zwischen den kooperierenden professionellen sowie unprofessionellen Helfern; im Verlaufe des Projektes gesammelte Informationen stellt sie als Spektrum regionaler Angebote und Defizite für die entsprechenden Stadtteile bereit. Entscheidend ist hierbei ihre möglichst hohe Unabhängigkeit von Leistungsanbietern und Kostenträgern, um eine Vorrangigkeit institutioneller Interessen zu vermeiden.
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Zum anderen heißt es, dass die Patientenbegleiterinnen mit ihrer Arbeit auf die Koordinierung von Hilfen für einzelne Patienten zielen. Sie sichern eine Kontinuität in deren Betreuung, v.a. der psychosozialen, nehmen anwaltschaftliche Funktionen im Vertreten ihrer Interessen wahr, werden zu einer dauerhaften Bezugsperson für diese Patienten. Sie vermitteln ihnen und ihrem Umfeld auf eigene Anregung, auch auf die von Nachbarn oder betreuenden Diensten, Informationen über bestehende Angebote der Versorgung, Möglichkeiten der Finanzierung und Rechte der Nutzung. Als Grundlage ihrer Arbeit ermittelt sie jeweils die konkrete Situation der Patienten, gemessen an deren körperlicher sowie geistig-seelischen Gesundheit, funktionellen Beeinträchtigungen, ökonomischen und sozialen Ressourcen, deren Wohnsituation sowie vorhandenen und benötigten Hilfen; erstellt weiterhin das Soziale Netz der einzelnen Patienten, um das Maß der richtigen Betreuung, welches sowohl Unter- als auch Überversorgung excludiert, im Team herausfinden zu können. Auf Wunsch und bei Einverständnis des Patienten stellen die Patientenbegleiterinnen Kontakte zwischen nichtprofessionellen Helfern und versorgenden Institutionen her und leiten erforderliche Informationen zwischen den Mitwirkenden weiter. Um mögliche Hilfen mit allen Beteiligten erörtern sowie entstandene Problemlösungsvorstellungen gemeinsam realisieren zu können, motivieren die Begleiterinnen die Patienten zu gemeinsamen Beratungen mit den wichtigsten Angehörigen. Den Verlauf der Problemlösung beobachten und unterstützen die Patientenbegleiterinnen, greifen im Interesse oder auf Wunsch der Patienten ein und modifizieren entsprechend Maßnahmen bzw. Zielsetzung. Kontinuierlich geben sie relevante Informationen über diesen Verlauf an in die Patientenversorgung Involvierte weiter, wodurch eine Kontinuität in der ambulanten Versorgung gewährleistet werden soll. Besonderheit ist, wie bei der Koordinatorin, die finanzielle und organisatorische Unabhängigkeit der Patientenbegleiterinnen zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Des Weiteren stellen sich ihnen umfassende Anforderungen bezüglich sozialer, persönlicher und beruflicher Kompetenzen; abgesehen von Kenntnissen über bestehende Versorgungsstrukturen, mögliche Hilfsmittel oder Fertigkeiten in der Dokumentation von Planung und Betreuung, sind sowohl Fähigkeiten der Gesprächsführung und Beratung als auch zur Kooperation und Abgrenzung erforderlich.
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4.3 Patientenauswahl
Als für das PAGT infragekommende Patienten gelten besonders hilfe- und unterstützungsbedürftige Menschen ab einem Alter von fünfundsechzig Jahren, welche durch ihren am Projekt beteiligten Hausarzt anhand sozialer, psychologischer, psychiatrischer, allgemein-medizinischer und allgemeiner Kriterien ausgewählt werden. Diese fünf Faktoren beinhalten im Einzelnen folgende Merkmale:
Der Einbeziehung der subjektiven Patienteneinschätzung bezüglich ihrer Hilfebedürftigkeit dient eine schriftliche Kurzbefragung, welche in einfachen Fragen vor allem soziale und allgemeine Daten erhebt. Es sollen Aussagen über den subjektiven Leidensdruck unter gesundheitlichen Beschwerden, über kommunikative Aspekte wie Hören und Sehen, Gefühle der Vereinsamung, Bewältigungsmöglichkeiten schwieriger Lebenssituationen, über die soziale Einbindung, die Deckung des Hilfebedarfs sowie den Status im Bereich der Aktivitäten des täglichen Lebens und kürzliche Krankenhausentlassungen getroffen werden.
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Die von den Patienten zu beantwortenden Fragen sind:
Zusätzlich zu diesen beiden stellt eine klinische Gesamteinschätzung der Hilfebedürftigkeit der Patienten durch den jeweiligen Hausarzt das dritte Kriterium zur Feststellung eines erhöhten Dekompensationsrisikos sowie hoher Hilfebedürftigkeit und einem hohen ungedeckten Hilfsbedarf dar. Insgesamt erscheinen hierbei als häufigste Risikofaktoren subjektive Einschätzungen, vor allem aus dem hauswirtschaftlichen Bereich, als seltenste hingegen bezüglich ökonomischer Ressourcen der Patienten. Von den einhunderteinunddreißig mittels der drei genannten Verfahren ausgewählten Patienten in den Hamburger Modellregionen werden neunundachtzig mit ihrem Einverständnis in die Projektdurchführung einbezogen. Der Arzt stellt den Kontakt zwischen Patient und Patientenbegleiterin her, welche daraufhin im Sinne der Aufsuchenden Hilfe die individuelle Unterstützung in der Lebens- und Gesundheitssituation der Patienten ermöglicht. Ist für diese Patienten eine stabile Versorgungssituation hergestellt, kann deren Begleitung beendet werden.
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5 Erfahrungen 5.1 AGT und beteiligte Dienste
Die Arbeit im Ambulanten Gerontologischen Team erweist sich, gestützt auf die Begleitforschung, als reibungslos, zweckmäßig und erfolgreich. Insbesondere können die jeweils ca. zwei Stunden dauernden Teamsitzungen, in welchen unter Einbezug aller direkt an der Patientenversorgung Beteiligten weit über fünfhundert Fallbesprechungen durchgeführt werden, den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Berufsgruppen und Einrichtungen zu einem fließenden Geschehen ausbauen. Umfangreiches Wissen über die Versorgungssituation der Modellregionen kann gesammelt werden, das Spectrum der Angebotsvielfalt, der bestehenden Möglichkeiten und deren qualitative Aspekte dargestellt. Dies geht nicht nur mit einem Qualitätsgewinn in der Versorgung einher, sondern bedeutet ebenso einen enormen Erkenntniszuwachs sowohl für die Projektmitglieder als auch für externe an der Patientenbetreuung Beteiligte, woraus insbesondere eine Sicherheit im Treffen von Entscheidungen resultiert.
Dies, wie auch die durch die Integration der beteiligten Hausärzte in ein Team empfundene Entlastung, erhöht zum Einen deren Arbeitszufriedenheit und wirkt sich zum Anderen positiv auf nicht begleitete Patienten aus. Neue Perspektiven eröffnen sich in der Ermöglichung individuell abgestimmter Verschreibungen von Pflegeleistungen sowie Pflege- und Hilfsmitteln. Wesentlichen Einfluss nehmen hierbei auch die umfassenderen Informationen über die sozialen, familiären und psychischen Hintergründe der Patienten. Mitarbeiter der an der Versorgung der Patienten beteiligten Dienste äußern nicht nur eine Abnahme untereinander bestehender Konkurrenzgefühle aufgrund der geschaffenen Transparenz durch Information, Beratung und gemeinsame Arbeitskreise, sondern empfinden den erlebten Prozess außerdem als qualifizierend. Durch eine verbesserte Kommunikation mit den Hausärzten sowie den Patienten und deren Angehörigen sind sie in der Lage, durch Reflexion eigene Defizite zu erkennen und vor allem Möglichkeiten der Veränderung zu finden. Dies führt zu einer besseren Kooperation zwischen allen Beteiligten, gleichzeitig kann eine Kontinuität in der medizinischen und pflegerischen Versorgung, auch resultierend aus genau auf die Bedarfe und Bedürfnisse der Patienten abgestimmte Maßnahmen, erreicht werden.
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Als grundlegend für diesen Erfolg interdisziplinärer Kooperation erscheint auch die klare Abgrenzung der Aufgabenfelder von Patientenbegleiterin und externen Diensten sowie die eindeutige Definition von Inhalten der Zusammenarbeit. Wesentlichen Einfluss nimmt außerdem die Koordinatorin, indem sie gegenseitige Aufklärung unterstützt sowie transparente Öffentlichkeitsarbeit durchführt.
Die Hausarztpraxis als zentraler Ansatzpunkt einer zielgerichteten Identifikation hilfebedürftiger Menschen erweist sich als außerordentlich zweckmäßig, die im Projekt durchgeführte Dokumentation hingegen als für den in der Praxis bestehenden Bedarf zu aufwendig.
5.2 Case und Care Management
Das Projekt Ambulantes Gerontologisches Team ermöglicht mittels des Einsatzes von Case und Care Management durch Patientenbegleiterinnen und Koordinatorin eine unbegrenzte Perspektive auf individuelle Bedürfnisse Einzelner als auch auf gemeinwesenorientierte. Es sensibilisiert die Beteiligten insbesondere für gesellschaftliche Tabuthemen, wie beispielsweise Sucht, Suizid und Inkontinenz, führt über deren Thematisierung zu einem adäquateren Umgang mit Betroffenen. Eine Kontinuität in der Begleitung der Patienten, von welcher wesentlich die Äußerung persönlicher Bedarfe abhängt, da diese auf Vertrauen basiert, kann durch die Patientenbegleiterinnen umgesetzt werden. Die Begleitungsqualität ist wesentlich durch kurze, persönliche Kommunikationswege zwischen den an der Versorgung der Patienten Beteiligten sowie die Nähe zum Patienten durch aufsuchende Hilfe gekennzeichnet.
Es zeigt sich, dass neben der klaren Abgrenzung der Aufgaben der Patientenbegleiterinnen zu denen der Koordinatorin sowie anderen externen Diensten ebenso eine eindeutige Eingrenzung ihrer Beziehungen zu den Angehörigen bzw. dem nahen Umfeld der Patienten erforderlich ist. Die Einbeziehung des sozialen Umfeldes der Patienten in deren Begleitung erweist sich als notwendig, vor allem um kommunikative Missverständnisse zu verhindern, setzt jedoch gleichzeitig deren Unterstützung, z.B. durch Trauerarbeit, Kurse oder Entlastungsangebote, sowie die Festlegung eines objektiv gekennzeichneten Begleitendes voraus, um einen Missbrauch der Patientenbegleiterinnen auszuschließen.
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Die Ermittlung der konkreten Patientensituationen, welche von fünf Patienten gänzlich abgelehnt werden, bedürfen einen Aufwand von ein bis drei Hausbesuchen der Patientenbegleiterinnen und nehmen durchschnittlich vierundachtzig Minuten pro Patient in Anspruch; vorgesehen sind fünfundvierzig Minuten. Damit erscheinen sie als zu aufwendig für die Arbeit der Patientenbegleiterin. Eine Möglichkeit ihrer Entlastung kann die Einbindung ehrenamtlicher Helfer und Helferinnen sein. Aufgrund der während des Projektes stetig zunehmenden Sammlung umfassender Informationen über die bestehende Versorgungsstruktur in den Modellregionen sowie den immer besser werdenden kooperativen Beziehungen untereinander nimmt der Arbeitsaufwand der Koordinatorin mehr und mehr ab, so dass eine Integration ihres Tätigkeitsspektrums in das der Patientenbegleiterin möglich scheint, insbesondere wenn diese beispielsweise durch Ehrenamtliche Unterstützung findet. Dies begünstigt außerdem die Einrichtung unabhängiger regionaler Koordinationsstellen des Case Managements, aus welchen neben Institutionen auch Privatpersonen profitieren sowie mehrere Hausarztpraxen integriert werden können. Einer unabhängigen patientenorientierten Versorgungssteuerung auf dieser Grundlage muß ein ausreichendes Limit an Arbeitszeit zur Verfügung stehen. Wenn Case Management gezielt und bedarfsgerecht eingesetzt wird, kann eine hierfür durch spezielle Fort- und Weiterbildungen kompetente Person zwanzig bis sechzig Patienten begleiten. Die allgemeine Orientierung von Case und Care Management auf den Einzelfall sowie das Gemeinwesen darf jedoch nicht vernachlässigt werden.
Die während des Projektes gesammelten Erfahrungen mit der Zuständigkeitserweiterung einer Patientenbegleiterin auf zwei Arztpraxen machen deren gute Integrierbarkeit in Praxisnetze o.ä. Systeme deutlich.
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5.3 Patienten und Angehörige
Die Begleitung der Patienten kann, gestützt auf fünf exemplarisch durchgeführte Interviews durch die Begleitforschung, teilweise unter Einbezug der Angehörigen, und die Dokumentationen der Patientenbegleiterinnen, sowohl pflegerische als auch häusliche und wirtschaftliche Situationen der Betroffenen verbessern. Sie vermeidet oder verkürzt Krankenhausaufenthalte, verhindert unerwünschte und unnötige Umzüge in stationäre Pflegeeinrichtungen, ermöglicht Sterben in häuslicher Umgebung und führt außerdem zum Abbau von Ängsten seitens der begleiteten Patienten wie auch deren Angehörigen, schafft Gefühle größerer Sicherheit sowie Entlastung. Als wichtigste Form der Unterstützung wird das Gespräch empfunden, ermöglicht auch durch die feste telephonische Erreichbarkeit der Patientenbegleiterin; eine weitere wesentliche, die Lebensqualität verbessernde Maßnahme ist der Einsatz von Haushaltshilfen für die Patienten.
Von den neunundachtzig begleiteten Patienten können sechsundvierzig nicht abschließend begleitet werden; neunundzwanzig aufgrund ihres Versterbens, die restlichen vor allem wegen Umzugs. Daraus resultiert als ein wichtiger Bestandteil der Patientenbegleitung die Durchführung von Trauerarbeit und Sterbebegleitung mit Angehörigen sowie die Übernahme der Beerdigung und Nachlassverwaltung alleinstehender Patienten. Während des Projektes erwies sich, dass die begleiteten Patienten nur über geringe oder keine Potentiale zur Rehabilitation verfügen, dennoch können gesundheitliche Verbesserungen erreicht werden. Ziele der Patientenbegleitung können dementsprechend die Vermeidung oder Verzögerung von Verschlechterungen sowie der Erhalt des gesundheitlichen Befindens sein; außerdem die psychosoziale Bewältigung von Krankheit und die Akzeptanz personeller oder materieller Hilfe. Die Vorrangigkeit ambulanter Patientenversorgung erweist sich aufgrund der eruierten vielfältigen Alternativen zu stationären Betreuungen, beispielsweise altersgerechte Wohnungen, als praktisch umsetzbar.
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Die durch das PAGT erzielten Verbesserungen lassen eine Ausdehnung der in Begleitung zu integrierenden Patienten, beispielsweise chronisch Kranke geringeren Alters, als sinnvoll erscheinen; Basis der Patientenauswahl muß deren Hilfebedarf sein. Wichtig für die systematische Identifikation zu Begleitender ist eine eindeutige Definition der entsprechenden Zielgruppe.
6 Fazit des PAGT
Eine individuelle, bedarfs- und bedürfnisgerechte Betreuung hilfebedürftiger Menschen kann durch eine verbesserte Kooperation aller an der Versorgung Beteiligten durch ambulante Strukturen gewährleistet werden. Hierfür stellt der Hausarztansatz, anders als der über die Krankenhausverweildauerverkürzung, einen optimalen Einstieg dar, da er bereits der Notwendigkeit von Krankenhauseinweisungen entgegen wirkt. Auch die Umsetzung des Case Management kann hierdurch kontinuierlich erfolgen, was wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beiträgt. Daher sollte dem Hausarzt mehr Beachtung bei der Realisierung einer ambulanten Vorrangigkeit gegenüber stationären Behandlungen beigemessen werden. Die hierdurch freisetzbaren finanziellen Ressourcen können Anlass zur Klärung der Verantwortlichkeiten der verschiedenen Leistungsträger in der sektorenübergreifenden Patientenversorgung sein.
7 Zusammenfassung
Meines Erachtens ermöglicht das Projekt Ambulantes Gerontologisches Team eine Objektivierung in der ambulanten Patientenversorgung relevanter Probleme. Es belegt beispielsweise die Notwendigkeit einer umfassenden psychosozialen Betreuung, welcher in der bestehenden Praxis kaum Anerkennung und finanzielle Mittel zuteil werden. Außerdem zeigt es eine Möglichkeit der Gewährleistung kontinuierlicher Bezugspersonen trotz Inanspruchnahme verschiedener Helfer auf und verdeutlicht gleichzeitig deren Bedeutung für auf Vertrauen basierende, einem Erfolg in der Betreuung unerlässliche, Informationen der Patienten.
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Während des Projektes gelingt es, den Modellregionen qualifizierte Informationen über bestehende Versorgungsangebote zur Verfügung zu stellen, woraus alle dort Lebenden Nutzen ziehen können. Ebenso umfassend zeigen sich die Vorteile der infolge des Projektes miteinander kooperierenden, statt konkurrierenden, Leistungsanbieter oder deren umfangreicheres Wissen.
Andererseits zielt das Projekt auf eine Beeinflussung der Versorgung im Interesse der Patienten. Die Identifizierung dieser Interessen basieren jedoch nicht nur auf einer Problemorientierung, aus welcher ungenutzte Potentiale aufgrund mangelnder Artikulation bestehender Fähigkeiten resultieren, sondern auch auf der Verifizierung von Patientenäußerungen durch Angehörige, deren Interessen bedeutend voneinander abweichen können. Abgesehen davon stellt die Patientenbegleiterin als Kommunikationsträger der gesamten Versorgung eine zusätzliche Fehlerquelle im Informationsaustausch dar.
Bezugnehmend auf die eingangs erwähnten ideell-emotionalen Aspekte aktueller Qualitätsdiskussionen, arbeitet das PAGT verschiedene objektive Gesichtspunkte bezüglich subjektiver Qualitätsempfindungen heraus und ermöglicht so deren neutrale Evaluierbarkeit. Weiterhin eröffnet es den Horizont zu einer Schonung finanzieller Ressourcen, ermöglicht die Perspektive auf eine sektorenübergreifende Budgetierung. Meiner Meinung nach verknüpft das Projekt sowohl menschliche als auch unternehmerische und politische Interessen, wodurch es zu einer Antwort auf die Qualitätsfrage wird.
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8 Literatur
Döhner, H.; Bleich, C.; Kofahl, C.; Lauterberg, J.: Case Management für ältere Hausarztpatientinnen und -patienten und ihre Angehörigen: Projekt Ambulantes Gerontologisches Team - PAGT. Kohlhammer; Stuttgart (2002)
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Pflegewirtin (FH) Anike Bäslack, 2005, Projekt Ambulantes Gerontologisches Team (PAGT), München, GRIN Verlag GmbH
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