Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Verhaltenstherapie
3 Die Verhaltenstherapie
3.1 Merkmale
3.2 Ausgangspunkt
3.3 Anforderungen
3.4 Durchführung
4 Anwendungsbereiche
5 Mängel-Schwächen-Vorurteile
6 Zusammenfassung
7 Literaturverzeichnis
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1 Einleitung
Die Verhaltenstherapie als eigenständige Psychotherapierichtung gibt es seit ca. 1950/1960. Wesentlich für ihre kontinuierliche Entwicklung sind die Arbeiten von Eysenck aus England, Wolpe aus Südafrika, Skinner aus den USA sowie Franks und Wilson, die 1978 die Verhaltenstherapie per Definition charakterisierten. Während die Ergebnisse und Methoden der experimentellen Psychologie eine wichtige Voraussetzung bilden, versteht sich die Verhaltenstherapie als durch einen längerfristigen kontinuierlichen Prozess ermöglichte besondere Herangehensweise an Probleme, die ihre Festlegung als Störung anhand von Verhaltensmerkmalen sowie normativen Aspekten der Selbst- und Fremdeinschätzung finden. Besondere Beachtung finden die Wirkungsweisen von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen, Denken und Problemlösen, Motivation, Emotion sowie soziale Prozesse.
Als völlige Neuorientierung der klinischen Psychologie gilt die Verhaltenstherapie insbesondere, da sie das einstige Diagnoseverhältnis von 10:1, das wesentlich in der Tiefenpsychologie nach Freud Anwendung findet, in ihren Anteilen ausgleicht und der Persönlichkeit in ihrer Diagnose nicht nur Positivität einräumt, sondern diese vor allem an einen Therapieplan ankoppelt.
Verhaltenstherapie heute gliedert sich in die Teildisziplinen der Therapiegrundlagen, -forschung, -durchführung und hat als zentrale Charakteristika die funktionale Analyse mit Problembeschreibung und -bedingungen, Lerntheorien, kognitive Verhaltenstherapie inklusive der Transparenz, Anwendung für somatische Störungen und Methodologie zum Inhalt.
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2 Grundlagen der Verhaltenstherapie
Für die Entwicklung der Verhaltenstherapie sehr bedeutend sind die im Rahmen der wissenschaftlichen Psychologie in Forschungslaboratorien gewonnen Erkenntnisse bezüglich der Problemdiagnostik und -veränderung sowie der Therapiemethoden. Es wird ein funktioneller Zusammenhang zwischen Denken, Verhalten, Erleben und sowohl vorausgegangenen als auch nachfolgenden internen wie externen Bedingungen zu Grunde gelegt. Des Weiteren treten als Resultat von begünstigenden und auslösenden sowie aufrechterhaltenden Faktoren Störungen psychischer oder psychosomatischer Art auf, die einer Veränderbarkeit unterliegen. Zumeist sind es die aufrechterhaltenden Faktoren, auf die die Verhaltenstherapie, zum Beispiel mittels systematischer Hypothesenprüfung, zielt, um Störungen zu verändern.
Lerntheoretische Modelle bilden, wie die klassische als auch die operante Konditionierung grundlegende für die Verhaltenstherapie bedeutende Formen des Lernens, insofern eine Störung in der Konditionierung auftritt. Als psychologische Prozesse entsprechend der verschiedenen Entwicklungsphasen sind kognitive Lernprozesse für den Erwerb von Störungen, also fehlangepasste Verhaltensweisen verantwortlich, woraus eine ursächliche Bedeutung von vor allem entwicklungsbedingter Faktoren resultiert, während sozialen Umweltbedingungen nur sekundär Gewicht beigemessen werden kann. Dieses kommt insbesondere bei der Entwicklung einer Störung, die in jeden Lebensalter möglich ist, durch fördernde Umweltbedingungen, die vor allem für das Kindes- und Erwachsenenalter erforscht sind, zum Tragen. Zu berücksichtigen sind hierbei nicht nur Informationsverarbeitungsmechanismen entsprechend der Lernmodelle sowie kognitive Funktionen, wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Begriffsbildung oder Problemlösung, sondern auch ein Vorliegen bedeutungsrelevanter neuer Informationen, das bei einer Wissensvermittlung durch den Therapeuten Beachtung finden muss.
Neben den Formen der Konditionierung bildet heute das assoziative Lernen, das als Lernen von Beziehungen zwischen Umweltereignissen und auftretenden Reizbedingungen ver-standen wird, eine weitere Grundlage im verhaltenstherapeutischen Ansatz. Das Modelllernen hingegen findet aufgrund der Wirkung des Therapeuten als Modell, beispielsweise durch seine soziale Kompetenz, Relevanz.
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Nicht assoziative Lernprozesse gelten als biologische Grundlagen der Verhaltenstherapie. Hierzu zählen die Orientierung, unter der die Ausstattung eines Organismus bezüglich seiner Fähigkeiten zur Informationsaufnahme verstanden wird, die Gewöhnung, die Wiedererkennung und Wiederholung ermöglicht und die Sensibilisierung, aus der die Bereitschaft zur Reaktion ebenso resultiert wie deren Intensität.
3 Die Verhaltenstherapie 3.1 Merkmale
Anhand von sieben Charakteristika lassen sich die Grundzüge der heutigen Verhaltenstherapie aufzeigen: Die Ausrichtung auf den einzelnen Menschen, das schrittweise Vorgehen, die Durchschaubarkeit für die Klienten, die Orientierung der Psychologie als Wissenschaft, die Aktivierung der Klienten, die Nutzung bewährter Verfahren und der Respekt vor menschlichen Eigenarten.
Im Einzelnen beinhalten diese, dass die Therapie auf jeden Klienten speziell ausgerichtet wird, indem der Therapeut sich mit dem Ziel der besseren Lebensbewältigung durch den Klienten an dessen Fähigkeiten, Stärken, Eigenarten, Schwächen und Problemen orientiert, um störende Symptome zu korrigieren sowie dessen Ressourcen und Fähigkeiten auszubauen beziehungsweise hierfür einzusetzen. Des Weiteren soll durch schrittweises Vorgehen ein allmählicher Umlernprozess von einfach zu schwierig sowie von dringend zu wichtig ermöglicht werden; Grundlagen hierfür werden nach und nach geschaffen, können auf-einander aufbauen und eine Überforderung des Klienten wird vermieden. Der gesamte Therapieverlauf soll durchschaubar für den Klienten gestaltet werden, ihm durch seine stete Einbeziehung sowie Erklärungen des Therapeuten einsichtig sein, so dass ihm eine selbständige Problemlösung möglich wird.
Durch die Beteiligung des Klienten am Fortschreiten der Therapie wird dieser aktiviert, seine Fähigkeiten und Stärken zu seinem eigenen Nutzen auszubauen und einzusetzen.
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Die Psychologie als Wissenschaft bildet den theoretischen Hintergrund, um beispielsweise unter Nutzung von Erkenntnissen der Lerntheorien, der Emotions-, Sozial- und kognitiven Psychologie nicht nur die Entstehung, sondern vielmehr die Überwindung von Störungen erklären zu können. Da es nicht Ziel der Verhaltenstherapie ist, Nebenwirkungen durch Experimente hervorzurufen, bedient sie sich bewährter, inklusive kognitiver, Verfahren, deren positive Wirkungsweisen abgesichert sind. Als „Prinzip des minimalen Eingriffs“ bezeichnet Kanfer den Respekt vor menschlichen Eigenarten, der die Persönlichkeit des Klienten wahren soll und den Therapeuten zu Beseitigung von dessen Störung ohne ein Aufdrängen seiner eigenen Ansichten zwingt.
3.2 Ausgangspunkt
Die moderne Verhaltenstherapie versteht Verhalten als stetes Zusammenspiel dreier zentraler Systeme, die sich in verschieden starker Intensität im Denken, Fühlen und Handeln äußern. Diese drei in allen menschlichen Lebenssituationen aktiven zentralen Systeme werden im Einzelnen als körperlich-emotionales, das Vegetativum in Verbindung mit Emotionen betreffend, als kognitives, Situationsbewertungen und -verknüpfungen mit Erfahrungen oder Erwartungen entsprechend Einstellungen und Prinzipien sowie Normen vornehmend, und als motorisches, Reaktionen und Handlungen beinhaltend, bezeichnet. Beispielsweise steht bei Prüfungsangst das körperlich-emotionale System im Vordergrund des menschlichen Verhaltens, beim Lösen von Mathematikaufgaben hingegen das kognitive und beim Tennisspielen das motorische, wobei in allen Fällen die anderen beiden Systeme ebenfalls aktiv sind.
Analog zu diesen drei zentralen Systemen unterliegt menschliches Verhalten auch der Regulation und Kontrolle zentral-nervöser Prozesse. Die physiologisch-humorale Ebene ist, vergleichbar dem körperlich-emotionalen System, beispielsweise für Herzklopfen, Schweißausbrüche und Gehirnaktivität verantwortlich. Äquivalent des kognitiven Systems ist die kognitiv-verbale Ebene, die zum Beispiel Gedanken, Bewertungen und sprachliche Äußerungen beinhaltet. Die motorisch-behaviorale Ebene hingegen, analog des motorischen Systems, fasst Bewegungen wie Gestik, Mimik und Körpersprache zusammen.
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Hieraus resultierend müssen Methoden der Psychophysiologie und -endokrinologie ebenso wie der Befragung und der Verhaltensbeobachtung wesentliche Bedeutung beigemessen werden; die Therapie muss alle drei Ebenen umfassen, da mehr als nur eine Ebene von Störungen betroffen sein kann. Auf Grund selten, in der Regel nur bei extremen oder sehr intensiven Emotionen wie z. B. Todesangst, auftretender Korrelationen zwischen den Ebenen, sind keine Schlussfolgerungen von einer Ebene auf andere möglich. Einen weiteren essentiellen Ausgangspunkt bildet die mit der Evolution verbundene Fähigkeit der Verhaltensänderung beziehungsweise aktiven Verhaltenserweiterung des Menschen. Hierbei sind sowohl Triebe, angeborene oder erworbene, basisbildend etwa für Motivation, als auch Gefühle, Reaktionsmuster hervorrufend, von nicht zu vernachlässigender Bedeutung, wobei diese eine wichtige Steuerung durch Lernen und Umweltbedingungen erfahren. Des Weiteren müssen Verhaltensweisen der Annäherung und des Vermeidens unbedingte Beachtung finden, da auch sie als Charakteristika für Störungen, bezüglich Ängsten beispielsweise die Vermeidung und bezüglich Annäherung Zwänge, gelten. Insgesamt liegt der Verhaltenstherapie ein komplexes Menschenbild zu Grunde. Dem Verhalten wird, insbesondere seit 1970/1980, ein ökonomisch-instrumenteller Charakter, einhergehend mit Zielgerichtetheit, zuerkannt; Störungen hingegen nicht als isoliertes Ereignis oder stabiler Zustand, sondern als in einer Entwicklung befindlich beschrieben. Entsprechend der sozial-kognitiven Lerntheorie stellen z. B. Vermeidung, Rückzug und Phobie eine mögliche Folge aus Selbstwahrnehmung und Erwartungen bezüglich der möglichen Zukunft auf der Grundlage des eigenen Handelns dar. Von besonderer Bedeutung ist die daraus resultierende Erkenntnis, dass die Ursachen psychischer Zustände, liegend beispielsweise in Erbanlagen, Lebensgeschichte oder Gegenwart, nicht abschaffbar sind. Die Therapie muss als Mittel künftiger Veränderungsermöglichung verstanden werden, basierend auf den jeweils gegenwärtigen Faktoren.
3.3 Anforderungen
Während die Verhaltenstherapie den therapeutischen Rahmen bildet, sind sowohl an den Therapeuten als auch an den Klienten verschiedene Anforderungen gestellt, um auf der Grundlage der Therapeut-Klient-Beziehung Erfolge erzielen zu können.
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Unerlässlich ist die Motivation seitens des Klienten zur Problemlösung, für die es außerdem seiner aktiven und kontinuierlichen Mitarbeit bedarf. Ebenso wichtig ist die Kompetenz des Therapeuten, die die fachliche sowie menschliche Ebene umfassen sollte. Er muss demzufolge nicht nur durch Professionalität, gute allgemeine Psychologiekenntnisse, Verhaltenstherapieausbildung, kontinuierliche Therapiedurchführung sowie Anwendung bewährter Prinzipien und Vorgehensweisen der Verhaltenstherapie qualifiziert sein. Ebenso wichtig ist das Vorweisen von Flexibilität und Sensibilität bezüglich der Klientenanforderungen, das Verstehen und Nachvollziehen von Klientengedanken,gefühlen und -wertesystemen sowie Vermittlung dessen und die Fähigkeit zur Motivation und Ermutigung.
So können flexibel eingesetzte therapeutische Strategien und Verfahren, auf der Grundlage einer von Respekt und Empathie getragenen Therapie, eine Erfolgsvariation sowie eine Verbesserung der klientären Lebenssituation ermöglichen. Nicht autoritäre Bestimmung oder Manipulation tragen hierzu bei, sondern vielmehr das ermutigende sowie Hilfe und Sicherheit bietende Verhalten des Therapeuten, der als Informationsgeber fungiert und durch prozessorientiertes Strukturieren eine Kontinuität in der Therapie bewirkt.
3.4 Durchführung
Ist der Klient motiviert und bereit, aktiv in der Verhaltenstherapie mitzuarbeiten, kann diese, sich in vier Phasen gliedernd, durchgeführt werden. Zu Beginn erfolgt ein Erstgespräch, das dem Klienten die Möglichkeit zur ausführlichen Schilderung seiner Problemlage bietet. Daran knüpfen sich während der diagnostischen Phase vorbereitende Gespräche, die der Informationsbehebung bezüglich der drei bereits erläuterten zentralen Systeme dienen und sowohl über aktuelle als auch bisherige Lebensumstände und Schwierigkeiten Aussagen treffen. Um Auskunft über geistige Fähigkeiten und die seelische Verfassung zu erhalten, finden auch Tests Anwendung. Im Folgenden werden die gesammelten Informationen ausgewertet, sich gründend auf ein individuelles Erklärungsmodell der Klientenprobleme durch den Therapeuten, auch als Verhaltensanalyse bezeichnet, daraus Ziele der Therapie, sich gliedernd in kurz-, mittel- und langfristig, gemeinsam erarbeitet und ein Plan zu deren Erreichung durch den Therapeuten aufgestellt.
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Bevor daraufhin Therapeut und Klient die schrittweise mit fortwährender Ergebniskontrolle und unter steter Aktualisierung der Verhaltensanalyse verlaufende Therapie durchführen, kann bei der gesetzlichen Krankenkasse eine Kostenübernahme beantragt werden.
Insgesamt sind die durch eine Verhaltenstherapie verzeichneten Erfolge sehr gut. Gegenwärtige Problemlagen, beispielsweise Angststörungen oder Depressionen, können schon innerhalb kurzer Zeit gelöst werden. Problembegünstigende Faktoren können abgeschwächt werden durch Entspannungstrainings, z. B. bei Neurodermitis, oder durch kognitive Trainings, die die Störung der Informationsverarbeitung, beispielsweise bei Schizophrenie, oder negative Erwartungshaltungen, wie etwa während einer Depression, korrigieren. Auslösende Belastungsfaktoren können durch das Erlernen von Strategien der Problemlösung und der Stressbewältigung oder durch das Entwickeln von Fertigkeiten der Kommunikation minimiert werden. Daher findet die Verhaltenstherapie umfangreiche Anwendungsmöglichkeiten, insbesondere bei Zwangs- und Panikstörungen, Phobien, generalisierten Angsterkrankungen sowie Unipolaren Depressionen, schizophrenen Psychosen, psychosomatischen, sexuellen, Persönlichkeits-, Schmerz- und Essstörungen, chronischen und Suchterkrankungen. Dennoch, eine Reihe von Fehlerquellen kann während der gesamten Therapie auftreten und deren Erfolg einschränken. Besonders zu beachten sind in diesem Zusammenhang die sich auf subjektive Klientenaussagen und beobachtbares Verhalten stützende Diagnostik sowie die Wirkung des Therapeuten als Interaktionspartner, außerdem sämtliche Formen der Deutung, beispielsweise durch Partner oder Eltern erfolgende, bereits eingeschränkte Fremdbeobachtungen.
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4 Anwendungsbereiche
Einen wesentlichen Bereich der Verhaltenstherapieanwendung stellen Ängste dar. Unter Angst ist ein unangenehmer Erregungszustand infolge vorangegangener Lernprozesse, z. B. durch das Lernen am Modell laut eigener Beobachtungen, auch Warnungen anderer oder durch das klassische Konditionieren des Angstauslösers, in subjektiv als bedrohlich oder ungewiss erlebten Situationen zu verstehen.
Bezüglich der drei zentralen Systeme äußert sich dieser als körperliche Erregung z. B. durch Schweiß, Zittern oder erhöhte Pulsfrequenz, innerhalb des körperlich-emotionalen hingegen als Sorgen und Gedanken um Unzulänglichkeiten oder Misserfolge und im kognitiven System wiederum in motorischen Formen wie Flucht, Vermeidung oder der Gestik. Sie kann einfach, beispielsweise bei Hunde- oder Spinnenphobien, komplex (Agoraphobien) oder sozial, etwa im Umgang mit Menschen oder in Prüfungssituationen in Erscheinung treten. Methoden systematischer Desensibilisierung, des Expositionstrainings in der Wirklichkeit oder, bei sozialen Ängsten, des Selbstsicherheitstrainings finden in der Therapie Anwendung.
Ein weiterer Anwendungsbereich in der Verhaltenstherapie wird auch durch Zwangserkrankungen dargestellt, diese lassen sich aber nur schwer therapieren. Ein Zwang wird ver-standen als Bewusstseinsmittelpunkt auf Grund bestimmter Ideen, deren Absurdität in der Regel bewusst ist und z. B. in Berührungsängsten, Kontroll-, Waschzwängen oder Zwangsgedanken, deren Verfestigung sich in Zwangsgrübeleien äußert, in Erscheinung treten kann. Allen gemeinsam ist ein aus Angst resultierendes Abwehrverhalten, das sich bei Berührungsängsten und Waschzwängen beispielsweise auf durch Tod, Krankheit, Schmutz oder Ansteckung darstellende Gefährdungen gründet, Angst- oder Ekelgefühle auslöst und durch das Streben nach Vermeidung oder Beseitigung diese Zwänge hervorruft. Hingegen gründen sich Kontrollzwänge auf eine angestrebte, stete Unruhe mit sich führende, Absicherung gegen Gefahren, die Schaden infolge von Unachtsamkeit bezüglich bestimmter Gegenstände, wie Wasserhähne, Lampen, Küchenherd, darstellen.
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Bei Zwangsgedanken wiederum bezieht sich das Abwehrverhalten auf wiederkehrende plötzliche Gedanken oder bildhafte Vorstellungen, auch aggressiven Inhalts, wie z. B. die Angst andere Menschen zu verletzen, was verkettet zu Zwangsgrübeleien führt. Mittels Gedankenneutralisierung, beispielsweise dem Bilden von Gegengedanken, lassen sich jedoch kleine Erfolge erzielen.
Gute Erfolge hingegen werden durch die Anwendung der Verhaltenstherapie bei Depressionen erwirkt. Sie gilt als krankhafte Reaktionsweise mit unverminderter Symptomdauer, beispielshalber Niedergeschlagenheit, Angst, Energielosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit, Schlafstörungen im körperlich-emotionalen System, Hoffnungs- oder Hilflosigkeit, starke negative Bewertung der eigenen Person, des eigenen Lebens, Antriebsstörungen und Verlangsamung bis zur Erstarrung im motorischen System, die anhaltend über mehrere Wochen auftreten kann. Die Erscheinungsformen sind sehr verschieden und lassen sich entsprechend des Zustandsbildes, des Verlaufes und der Ursachen in reaktive, die als Reaktion auf ein einmaliges aktuelles Ereignis, zum Beispiel dem Tod einer Bezugsperson, verstanden wird, und neurotische, als depressive Entwicklung auftretende, mit Depressionshäufung einhergehende und mit einem ursächlich zu Lebensart und Verhalten Zusammenhang, gliedern. Letztere wird bei besonderer Symptomstärke mit dem psychiatrischen Begriff der endogenen Depression bezeichnet. Das Auftreten von Depressionen wird stets durch eine Verknüpfung mehrerer Teilursachen bedingt. Hierzu zählen zum einen äußere Ereignisse, wie durch Entlassung, Partnerverlust oder soziale Isolation begründete kritische Lebenssituationen. Zum anderen ebenso innere Faktoren, z. B. in der Persönlichkeit oder im Verhalten liegende Verletzbarkeit, auch auf geringer sozialer Ebene beruhend, Einstellungen wie Perfektionismus, Pessimismus, Gefühle mangelnden Selbstwertes, Armut an Interessen und Aktivitäten sowie körperliche Faktoren, die im Gehirnstoffwechsel liegen, im Einzelnen jedoch noch ungeklärt sind.
Äußerst erfolgreich lässt sich die Verhaltenstherapie wiederum bei psychosomatischen Krankheiten einsetzen. Gibt es eine Beteiligung seelischer Faktoren an der Entstehung oder Aufrechterhaltung körperlicher Erkrankungen, bezeichnet man diese, bezogen auf den Zusammenhang zwischen Körper, Seele und Umwelt, als psychosomatisch.
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Entsprechend ihrer Beteiligung an den drei zentralen Systemen, reichen ihre vielfältigen Erscheinungsformen beispielsweise von Kopfschmerzen über Neurodermitis bis zu Asthma, die ebenso umfangreiche verhaltenstherapeutische Methoden erfordern.
5 Mängel-Schwächen-Vorurteile
Trotz ihrer hohen Effizienz steht der Verhaltenstherapie eine Reihe von kritischen Vorurteilen sowie ihren Erfolg beeinträchtigende Mängel und Schwächen auf. Während das Vorurteil, die Therapie liefe pragmatisch nach einem für jede Störung vorliegendem Programm ab, durch eine die Verhaltensanalyse stets aktualisierende Therapiedurchführung entkräftigt werden kann, lässt sich ein ihr auf Grund der Übertragung von Erkenntnissen bezüglich der Lernprinzipien aus Tierversuchen, einschließlich der Erkenntnis, alles Gelernte könne wieder verlernt werden, vorgeworfenes zu einfaches Menschenbild, das durchaus durch anfängliche Therapieansätze bestätigt wurde, nur sehr schwer ausräumen. Dasselbe gilt für den erhobenen Vorwurf, die Verhaltenstherapie sei eine Therapie der Symptome und nicht der Ursachen.
Zu ihren Mängeln zählt zum einen die mögliche Schaffung neuer Symptome durch den ungenügenden Therapieumfang, der auf Übersehen oder mangelndes Erkennen wichtiger Zusammenhänge von Problemen auf den Therapeuten rückführbar ist. Zum anderen wird auch eine mögliche Aufrechterhaltung, Verstärkung oder Umlenkung der Symptome benannt, die durch das Außerachtlassen von Funktionen der vorliegenden Störungen oder deren Krankheitsgewinn, wie zum Beispiel einer Schonung durch die Umwelt, herbeigeführt wird.
Eine besondere Schwäche liegt in der Therapeut-Klient-Beziehung, deren Qualität einen wesentlichen therapeutischen Faktor darstellt. Sich daraus ergebende Schwierigkeiten, wie der Manipulation des Klienten durch einen autoritär wirkenden Therapeuten blieben lange ohne Lösungsversuch.
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6 Zusammenfassung
Die moderne Verhaltenstherapie kann durch flexibel einsetzbare Strategien und Verfahren sehr gute Erfolge erzielen, variierend nach Störungsart und -ausprägung. Entsprechend dem ihr zugrundeliegenden komplexen Bild des Menschen, setzt sie dessen Fähigkeit zur aktiven Sammlung von Informationen über Ordnungen der Umwelt, deren Bewertung nach bestimmten Gesichtspunkten sowie zum Entwerfen von Handlungsplänen und deren Umsetzung mit der Absicht, persönliche Lebensziele zu erreichen, voraus, und kann neue Therapieansätze, zum Beispiel kognitive Verfahren, nutzen.
Die Verhaltenstherapie erkennt als Ursachen psychischer Zustände beispielsweise Erbanlagen, die Lebensgeschichte als Summe aller einem widerfahrenden Einflüsse, gegenwärtige Lebenseinflüsse sowie -umstände an.
Da diese nicht abschaffbar sind, wird die Therapie als Mittel künftiger Veränderungsermöglichung verstanden, ansetzend am gegenwärtigen Verhalten, dementsprechend gegenwärtige Persönlichkeits- und Lebensfaktoren ändernd. Eine Neubildung der Symptome ist nicht nachgewiesen, stattdessen ein Verschwinden auch unbehandelter Symptome auf Grund der verbesserten Lebensqualität. Wenig untersucht ist bisher auch die Therapeut-Klient-Beziehung, doch gelten Respekt und Empathie als wesentliche Therapiebasis. Bezüglich von Veränderungsmöglichkeiten tritt der Therapeut nicht als belehrender Informationsratgeber auf, sonder vielmehr als Strukturierer des Therapieprozesses, in dem er eine kontinuierliche und dem Klienten gewinnbringende Problemerarbeitung unter dessen steter Ermutigung, ihm Sicherheit vermittelnd, ermöglicht und ihm ohne autoritäre Bestimmung oder Manipulation Hilfe bietet.
Entsprechend sozialpsychologischen Betrachtungen wirken verschiedene Faktoren, die selten als Hauptursache, sondern zusätzlich zu anderen Faktoren in Erscheinung treten, Störungen aufrechterhaltend. Hierzu zählen soziale Kognitionen, wie Gedanken, Vermutungen, Einstellungen, Erwartungen und das Wissen um einen umgebende Ereignisse, wobei sowohl eine Selektion der Umweltreize als auch Anpassungsverhalten wesentlich Einfluss nehmen. Auch soziales Verhalten und soziale Interaktion, wozu nicht nur der Umgang mit anderen Menschen mittels Kommunikation, Emotionsausdruck und Bindungen gehört, sondern auch die soziale Kompetenz zählt, gehören zu den zusätzlichen Faktoren.
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Die Sozialkompetenz beeinflusst zum Beispiel, auf einem Soll-Ist-Abgleich beruhend, Rückzugsverhalten, wie bei Depressionen möglich, Vermeidungsverhalten innerhalb Phobien und Umlenkung von Emotionen auf physiologische Prozesse im Rahmen psychosomatischer Erkrankungen, wobei ebenso Umwelteinflüsse in beachtlichem Umfang wirksam werden.
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7 Literaturverzeichnis
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Margraf, J. (Hg.): Lehrbuch der Verhaltenstherapie; Bd. 1; Springer; Berlin, Heidelberg, New York, Barcelona, Hongkong, London, Mailand, Paris, Singapur, Tokio; (2000)
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Dipl.-Pflegewirtin (FH) Anike Bäslack, 2003, Verhaltenstherapie, München, GRIN Verlag GmbH
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