Gliederung
1. Einleitung
2. Syntaktische Besonderheiten der Modalpartikeln
2.1. Modalpartikel unter dem Aspekt der Sprachfunktion
2.1.1. Modalität im Deutschen
2.1.2. Modalität im Spanischen
2.2. Intonation und MPn
3. aber als Ausdruck
3.1. Die Konjunktion aber
3.2. Die Partikel aber
3.3. Die Spanischen Entsprechungen
3.3.1. Pero
3.3.1.1. Exkurs : Pero que
3.3.2. Que
3.3.3. Vaya
4. Fazit
2
1. Einleitung
Je größer die Kluft zwischen den Kulturen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich ihre Bevölkerung verschiedener Begriffe zum Ausdruck ihrer Bedürfnisse bedient. Übersetzungen können häufig nur eine Annährung an die ursprünglichen Begriffe leisten, denn die unterschiedliche gesellschaftliche Sprachentwicklung in beiden Ländern trägt dazu bei, dass äquivalente Begriffe und Ausdrücke nicht immer in beiden Kulturen vorhanden sind.
Es wird davon ausgegangen, dass das Spanische sprachliche Ausdrucksmittel
besitzt, um dasselbe mitzuteilen, was im Deutschen mittels der Modalpartikeln 1 möglich ist. Die Arbeit wird versuchen zu zeigen, um welche sprachlichen Mittel es sich hinsichtlich der behandelten MP handelt. Da der Ausdruck Partikeln im Spanischen Probleme bereitet und in der dortigen linguistischen Forschung als solcher nicht direkt vorgesehen ist, werden die spanischen Gegenstücke zu den deutschen Partikeln als Entsprechungen bezeichnet. Vom Deutschen ausgehend wird kurz ein Einblick in die Partikelforschung gewährt um beim Leser ein besseres Verständnis für den Forschungsgegenstand zu bewirken. Abschließend wird die Modalpartikel aber exemplarisch untersucht und in verschiedenen Kontexten mit ihren spanischen Entsprechungen versehen, um aufzuzeigen, wie das Spanische sich dieser Mittel bedient.
2. Syntaktische Besonderheiten der Modalpartikeln
Zurückgehend auf die Tatsache, dass den MPn im Satz keinerlei semantische Bedeutung zukommt, gilt es nun ihre syntaktischen Besonderheiten zu bestimmen. Dieser(Besonderheiten) kann man sich als syntaktischer Kriterien bedienen, um die Modalpartikeln von andern Wortklassen zu unterscheiden, die ihrerseits als Satzglieder in einer Äußerung zur Darstellung des Inhalts entweder semantisch
oder syntaktisch unentbehrlich sind. Weydt 2 fasst die Besonderheiten der MP zusammen:
„ - Partikeln sind unflektierbare Wörter.
- Sie sind immer unbetont.
- Sie können nicht die erste Stelle im Satz einnehmen.
- Sie sind im Satz integriert.
- In anderer syntaktischer Stellung oder anders akzentuiert haben sie alle eine oder mehrere Bedeutungen und gehören anderen Funktionsklassen an.
- Sie können in gleicher Bedeutung nicht die Antwort auf einen Frage bilden.
- Sie beziehen sich auf den ganzen Satz
- Sie kennzeichnen die Stellung des Sprechers zum Gesagten.“ Dass die MP weder erststellungsfähig noch erfragbar sind, ist darauf zurückzuführen, dass sie nicht als Satzglieder auftreten können, noch im Satzbauplan integriert sind. Dadurch unterscheiden sich die MP in der Syntax von anderen Wortarten, die entweder allein oder mit anderen Wörtern als Satzglieder im Satzbauplan bestimmte Planstellen besetzen können und in der Valenzgrammatik entweder als obligatorische oder fakultative Ergänzungen definierbar sind.
2.1. Modalpartikel unter dem Aspekt der Sprachfunktion
Dass die MP syntaktisch und semantisch so schwer zu beschreiben sind, lässt sich darauf zurückführen, dass die Gruppe solcher Wörter keine denotative Bedeutung besitzt, d.h. das sie auf der semantischen Ebene des Satzes keinen begrifflichen Inhalt haben. Sie sind im Hinblick auf die Syntax entbehrlich, denn sie können weggelassen werden, ohne das der Satz ungrammatisch wird; im Gegensatz zu Präpositionen, Hilfsverben und Konjunktionen, die für einen grammatisch korrekten Satz unabdingbar sind. Sie dienen eher dazu, einen anderen Aspekt der Sprache auszudrücken, der von Watzlawick als Beziehungsaspekt bezeichnet wird und unter dem Hörer und Sprecher berücksichtigt sind. Die Funktionen der Sprachzeichen hat Bühler in seinem Organon Modell zusammengefasst. Zum Bereich der Darstellung gehören die Sprachzeichen mit semantischen Funktionen, die die Gegenstände und Sachverhalte symbolisch ausdrücken. Sprachzeichen die die Innerlichkeit des Sprechers ausdrücken, werden in den Bereich des Ausdrucks angesiedelt; und solche, die sich auf den Empfänger beziehen, werden Appell genannt. Dass nun die Modalpartikeln in den Bereichen Ausdruck und Appell einzuordnen sind, wird im folgenden Beispiel verdeutlicht.
- Du bist aber groß geworden.
- Du kannst ruhig bei mir bleiben!
Die unbetonte MP aber im ersten Satz drückt eine Überraschung des Sprechers aus, die aus einer Abweichung des Sachverhalts von der Erwartung des Sprechers entstanden ist. Hierbei werden zwei Bereiche des bühlerschen Modells mit einbezogen: Darstellungs- und Ausdrucksbereich. Das Erstaunen des Sprechers bezüglich der Tatsache wird durch die Anwendung der Modalpartikel aber im Satz mitgeliefert. Das aber als MP unterscheidet sich von seinem Polysem als Konjunktion, die ein antithetisches Verhältnis von Satzgliedern oder Sätzen kennzeichnet; wie etwa im Folgenden:
- Er ist reich, aber nicht glücklich.
Auf diese Unterscheidung soll ausführlicher bei der konkreten Arbeit an mit der MP eingegangen werden.
5
In der traditionellen Grammatik werden die Modalpartikeln als eine Klasse unflektierbarer Wörter definiert, zu denen auch Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Negationswörter gehören. Weil die MP in ihrem Laut- und Schriftbild mit einigen Adverbien (schon, vielleicht), Konjunktionen (aber, denn) und Negationswörtern(ja, doch) übereinstimmen, reichen die morphologischen Kriterien nicht mehr aus, um die MP von den anderen ebenfalls unreflektierbaren Wortklassen zu unterscheiden. Hilfreich ist es sie anhand ihrer kommunikativen Funktion darzustellen.
2.1.1. Modalität im Deutschen
Die MP gehören zu den verschiedenen Sprachmitteln, die die Modalität einer Aussage ausdrücken sollen. In der Linguistik wird die Modalität für allgemeinere Betrachtungen nach zwei Klassen unterschieden. Die eine Klasse betrifft das Verhältnis des Sprechers zu seiner Aussage und deren Beziehung zur Realität. Die andere Klasse der Modalität bezieht sich auf den Zustand eines Geschehens und betrifft lediglich den Inhalt einer Aussage.
- Er könnte jetzt wieder aus dem Urlaub zurück sein.
Drückt eine Vermutung des Sprechers, also seine Beziehung zur Realität aus und gehört somit zur ersten Klasse, wobei das Wort könnte als Modalverb die subjektive Modalität enthält. Dagegen die Aussage:
- Er kann schwimmen.
Zur zweiten Klasse der Modalität, weil sie lediglich die Realität wiedergibt; Kann ist also ein Ausdruck der objektiven Modalität. Um die Nuancen in der Sicherheit, mit der der Sprecher einen Sachverhalt vermutet, darstellen zu können, verwendet die deutsche Sprache häufig spezielle lexikalische Sprachmittel, etwa Modalwörter, Modalverben und auch die Modalpartikeln.
In der gesprochenen deutschen Sprache treten die MP deutlich häufiger auf als in Schriftsprache und spezifizieren durch ihren Gebrauch die Einstellung des Sprechers, wie etwa Staunen, Einschränkung, Vermutung Ungeduld oder Verstärkung, in unterschiedlicher Weise.
6
So werden MP wie ja, aber und vielleicht häufig gebraucht, um Erstaunen des Sprechers auszudrücken, wobei sie noch auf eine feine unterschiedliche Färbung -Abtönung - verweisen:
- Der Junge ist ja frech, (- damit habe ich nicht gerechnet, er sieht brav aus)
- Der Junge ist aber frech. (- dermaßen frech habe ich ihn nicht erwartet)
- Der Junge ist vielleicht frech. (- an den Hörer gerichtet, mit Überraschung gemischt, der Junge ist wirklich sehr frech)
Durch die Verwendung von schon und wohl wird eine folgende und gedachte Einschränkung angedeutet:
- Er wird jetzt wohl im Büro sein. ( - er ist vermutlich im Büro)
- Sie wird das schon machen. (- ich bin mir sicher, dass sie es tun wird) Ein anderes Beispiel für die Verwendung von MPn ist die Vermittelung von Emotionen, die in Routineformeln, z.B. manchen Redewendungen und idiomatischen Formen erscheinen. Es ist nicht möglich sie wegzulassen, sonst erhält der Satz einen andern Sinn oder eine farblosere Sprechintention.
- Hören Sie mal!
- Das ist ja die Höhe!
- Sag bloß nicht, dass du das vergessen hast.
Somit bestehen in der deutschen Sprache mehrere Möglichkeiten für den Sprecher Modalität zu verwenden. Sieht man dabei von den Modalverben und -Wörtern ab, haben die MPn als wichtigste Wortklasse die Aufgabe Modalität zu erzeugen, abzutönen oder schlicht Emotion zum Gesagten auszudrücken.
2.1.2. Modalität im Spanischen
Auch das Spanische verfügt über sprachliche Mittel Modalität auszudrücken, wobei aber den so genannten ‚particula’ dabei nur eine geringere Möglichkeit zukommt abzutönen. Ebenso wie im Deutschen ist der Begriff ‚patricula’ m.E. uneinheitlich und nur vage definiert. Konjunktionen, Präpositionen und Pronomen können eigentlich nicht zu den Partikeln im strengen Sinne gezählt werden, denn auch im Spanischen dienen sie eben nicht dazu, grammatische Beziehungen herzustellen. Auch wenn sie auf den ersten Blick und ihrer äußeren Form nach,
7
mit den deutschen MP zu vergleichen sind, sind sie nicht völlig äquivalent. Es handelt sich hierbei um solche Einheiten wie que, pues, pero, conque, y, ya, nada, total, en fin, o sea, bueno, vamos, venga etc.
Wie bereits erwähnt, ist Modalität nichts anderes als „eine subjektive Aussage
über etwas Ausgesagtes“ 3 . Somit ist das „wie“ der Aussage wichtig und nicht das „was“, was wiederum den spanischen ‚subjunctivo’ als Mittel zur Indikation Modalität ebenfalls sehr geeignet scheinen lässt. Das bedeutet dass der Sprecher häufig zwischen ‚indicativo’ und ‚subjuntivo’ wählen kann, abhängig davon, wie stark er das Maß des Wunsches, des Zweifels, der Aufforderung etc. empfindet, etwa: Im Zusammenhang mit den Verben querer, deber und poder spricht man auch von einem ‚subjunctivo de modestia’.
- Quisiera comprar un pan.
- (Ich wollte /würde ein Brot kaufen)
Wie das Beispiel deutlich zeigt, erfüllt der ‚subjunctivo’ eine gleiche bzw. ähnliche Funktion wie die deutschen MPn. Es muss aber berücksichtigt werden, dass der ‚subjunctivo’ im Spanischen in vielen Fällen von einem dominanten Verb abhängt. Dies sind vor allem solche, die einen Wunsche, eine Einräumung, einen Rat oder ein Zugeständnis, eine subjektive Bewertung und andere Arten von Gefühlen ausdrücken. In diesen Fällen ist er ‚subjunctivo’ grammatisch unabdinglich, er muss obligatorisch folgen und kann nicht als ein Indikator für Modalität gesehen werden.
Neben dem ‚subjunctivo’ sind auch spanische Modalverben, verbunden mit einem Infinitiv, von großer Relevanz für das zu untersuchende Phänomen Modalität, denn auch sie drücken die psychische Einstellung des Sprechers aus. Diese ist allerdings eine andere, als die durch den ‚subjunctivo’ hervorgerufene. So verweist poder auf eine Wahrscheinlichkeit oder Möglichkeit, querer zeigt einen Wunsch an und deber eine Pflicht. Im Sprachgebrauch aber erfüllen diese Verben andere modale Funktionen, etwa
- Quieres callarte!
- (Würdest du schweigen!),
drückt nicht mehr einen Wunsche, als vielmehr einen Befehl aus,
- Debe tener unos 23 anos.
- (Man muss etwa 23 Jahre alt sein).
steht keineswegs für einen Befehl, sondern für eine Vermutung. Auch der Gebrauch des Tempus ist ein wichtiges Mittel, um Modalität darzustellen. So wirkt eine Aufforderung im ‚preterito imperfecto’ höflicher als die vergleichbare Proposition im Präsens:
- Queria comprar un pan.
- (Ich wollte ein Brot kaufen.)
- Quiero comprar un pan.
-(Ich möchte ein Brot kaufen.)
Dem Spanischen stehen somit, wie dargelegt, neben den ‚particula’ noch weitere Möglichkeiten offen, die eine Modalität anzuzeigen.
2.2. Intonation und MPn
Modalpartikeln und Intonation nehmen in der mündlichen Kommunikation zum Teil die gleichen Funktionen wahr und können einander in manchen Fällen substituieren; in der Regel ist es jedoch so, dass sie sich gegenseitig ergänzen und in ihrer Wirkung unterstützen. Beispielsweise kann die Dringlichkeit in einer Aussage durch die Verwendung der betonten MP ja, durch die Intonation oder auch durch beide Mittel zugleich signalisiert werden. Weiterhin kann die Verwendung von MPn in bestimmten Satztypen an feststehende Intonationsmuster gekoppelt sein, so dass ein Mittel das andere hervorruft bzw. eines der Mittel das jeweils andere vorwegnimmt. Die Unterscheidung der Bedeutungsvarianten kann somit Satzintonation, auch zur Unterscheidung zwischen Modalwortverwendung und Modalpartikel, sein, wie folgendes Beispiel veranschaulicht:
- Das war vielleicht eine AUSREDE; denn er hat uns schon öfters angelogen.
- DAS war vielleicht eine Ausrede; niemand wird sie ihm glauben. Anscheinend fungieren bestimmte emphatische Intonationsmuster in der Zielssprache mitunter als alleinige Entsprechung deutscher MP.
9
3. aber als Ausdruck
3.1. Die Konjunktion aber
Die semantische Beziehung die aber ausdrückt ist eine adversative oder eine gegensätzliche. Aber formuliert einen Gegensatz der innerhalb einer Äußerung zwischen dem ersten und dem zweiten Konjunkt besteht. Die Stellung der Konjunktion ist dabei relativ frei. Sie kann an erster Stelle im Satz, aber auch im Mittelfeld stehen, ohne dass dabei eine andere kommunikative Funktion als eine konjunktionale aktiviert würde. Dazu ein Beispiel
- Balicke: […] Also nimm dir einen anderen Mann! […]
- Anna: Aber ich kann ihn nicht vergessen! Nie!
- (Anna: Pero si non puedo olvidarlo!)
Augenscheinlich hat das Wort aber nicht nur diese erstgenannte kommunikative Funktion. Denn auch wenn der Leser ein adversatives Verhältnis in der Äußerung Annas wahrnimmt, würde dieses auch dann bestehen, wenn das Wort aber im Beispiel wegfiele. Anscheinend wurde die Adversavität auf das Wort aber projiziert, so dass es heute vielfach in Sprechhandlugen vorkommt und als Indiz für ein restriktives Verhältnis steht.
Somit soll die Hauptfunktion von aber nicht als Markierung eines Gegensatzes beschrieben werden, sondern als ein Mittel,
„mit dessen Hilfe eine Diskontinuität für die Erwartungshaltung des Hörers durch den Sprecher bearbeitet und in der Diskontinuität enthaltene Gefährdung für die
Kontinuität des sprachlichen Handelns minimiert werden kann“ 4
Das Spanische gebraucht zum Ausdruck eines solchen Verhältnisses zumeist pero, dem im Spanischen generell eine adversative, konjunktionale Wirkung zugeschrieben wird, dass aber auch als emphatisches Mittel benutzt wird, um Bewunderung oder Überraschung auszudrücken. Allerdings kann pero ein gegensätzliches Verhältnis beinhalten und mit den deutschen Worten doch und denn übersetzt werden, ohne sein Idiom zu verlieren.
3.2. Die Partikel aber
Für die kontrastive Untersuchung ist die Teilung der kommunikativen Funktion in Konjunktion und Partikel deswegen sinnvoll, weil es im Spanischen sprachliche Mittel gibt, die für den Partikel aber gelten und nicht für die Konjunktion, abgesehen von dem möglichen Gebrauch des Ausdrucks sin embargo, wenn aber im Mittelfeld erscheint.
Für Weydt besteht die Funktion von aber darin Überraschung des Sprechers über das Gesagte auszudrücken und ferner deutet der Partikel für ihn an, dass der Sprecher aus dem Staunen noch nicht heraus ist. Genau genommen sind diese Funktion allein illokutionsindizierende, denn Überraschung wird nicht nur mittels aber ausgedrückt, sondern auch im Zusammenspiel von Mimik, Gestik und Intonation.
Schon der Kontext im folgenden Beispiel, beweist, dass wir uns die Äußerung, nur mit einer bestimmten Intonation vorstellen können. - Du bist aber genau!
Der Sprecher hat eine Erwartung von ‚genau sein’ oder die Äußerung seines Gesprächspartners ‚du’ stimmt nicht mit seiner Erwartung überein. Allerdings lässt sich am Beispiel nicht bestimmen, ob der Sprecher mittels des aber die Illokution positiv oder negativ abtönt, so dass neben Überraschung auch ein Vorwurf in der Proposition enthalten sein kann.
Eine weiterer Unterscheid zwischen Konjunktion und Partikel besteht in der Wortstellung, denn als Partikel kann aber nicht am Beginn des Satzes stehen und ist zumeist unbetont. Allein in exklamatorischen Ausrufen, wie „Aber, Aber, Kinder!“, kann es eine Erststellung einnehmen,
11
3.3. Die Spanischen Entsprechungen
3.3.1. Pero
Vor Äußerungen mit pero ergibt sich immer ein Sachverhalt, der im Gegensatz zur Sprechererwartung steht. ‚Nichtübereinstimmung’ zum Sachverhalt, einer Situation oder eines Hörerverhaltens wird signalisiert, muss aber nicht zwangsläufig negativ konnotiert sein. Einzeln kann pero in einer Sprechhandlung vor Äußerungen vorkommen, in denen der Sprecher seinen Einwand gegenübermeist zuvor vom anderen Aktanten - geäußerten Sachverhalt vorbringt, wobei pero dann meistens durch eine kleine Pause getrennt wird. -M: Pero; que no es un en senor! -V: Ques que es? -M : Es un chico !
-M: Aber, der ist doch nicht ein Herr! ( er ist doch kein Herr!) 5 -V: Was ist er denn? -M: Er ist ein Junge!
Der Inhalt einer solchen Äußerung ähnelt stark der deutschen Modalpartikel doch, mit der auf einen vom Sprecher festgestellten Gegensatz zwischen Erwartetem und Eingetretenem verwiesen wird.
3.3.1.1. Exkurs : Pero que
Die neben der Form pero existierende Form pero que steht für eine explizite Verstärkung des Ausdrucks. Pero wird durch que verstärkt und leitet so einen Ausruf, ein ‚graduelles Staunen’ über einen Sachverhalt ein. Mittels que ( auch ohne pero ) wird nun die Qualität des Sachverhalts, oder der Handlung graduiert.
- V: Pero que mala suerte!
- V: Was für ein (oder:) das ist aber ein Unglück!
Im Beispiel charakterisiert der Sprecher die Qualität des Ausdrucks suerte, seines Glücks, mit mala. Die Graduierung beruht darauf, dass der Sprecher scheinbar nicht so wenig Glück erwartet hätte, wie das im Augenblick des Ausrufs eingetretene mala suerte.
3.3.2. Que
Obwohl es eigentlich in der spanischen Sprache zumeist als unbetontes Relativpronomen auftritt, kann que in bestimmten Bedeutungen, ähnlich den deutschen Modalpartikeln, übersetzt werden. So etwa in exklamativen Äußerungen, in denen der Sprecher eine Qualität des in dem Ausruf erwähnten Sachverhalts p implizit mitteilt, die je nach Kontext und Intonation ein Gefühl von Ärger bis Freude ausdrücken kann. In solchen Äußerungen tritt que häufig, und wie beim pero que gleichfalls in initialer Stellung auf. Genauso wie im Deutschen mit aber darauf verweisen wird, dass eine Eigenschaft oder ein Sachverhalt nicht im Einklang mit der Sprechererwartung steht, zeigt ein vorangestelltes que ein überraschendes Moment hinsichtlich der Eigenschaft des Sachverhalts.
- Du bist aber genau!
- Que meticuloso eres!
- Que bonita!
- Wie schön! (Das ist aber schön!)
Aber in der Übersetzung der Äußerung ‚que bonita’ kann nur als Partikel und nicht als Konjunktion verstanden werden. Der Unterscheid zwischen pero und que scheint darin zu liegen, dass que als Entsprechung von aber nur vor Adjektiven, Adverbien oder Nomen steht, pero hingegen nur vor Nomen oder Anaphern.
13
3.3.3. Vaya
Dieser Ausdruck geht zurück auf die 3.Person.Singluar.Präsens.Subjuntivo des Verbs ir (gehen). Steht es an erster Stelle einer exklamativen Äußerung drückt der Sprecher auf dieselbe Weise, wie mit pero oder que seine Überraschung bzw. sein Erstaunen über einen Sachverhalt aus.
- Ihr habt es aber eilig!
- Vaya que teneis prisa!
Vaya geht dem Sachverhalt entweder allein - oder mit einem bestimmten oder unbestimmten Artikel - voran. Wie das Beispiel gezeigt hat, muss aber vaya nicht zwangsläufig auf ein Substantiv folgen, so es kann auch einer Verbalkonstruktion vorgeordnet sein.
Der Ausdruck kann aber auch allein stehend vorkommen, etwa wenn ein Sprecher etwas kommentiert, dass er als angenehm oder auch missfällig empfindet. Aufgrund der Verwendung in Ausrufen wurde die ursprüngliche Verbform vaya als Mittel bezeichnet, mit dem die Äußerung in einer bestimmten Art hervorgehoben wird. In dieser Verwendung wurde sie oft als Interjektion beschrieben.
14
4. Fazit
Wie pero und que kann vaya die Überraschung des Sprechers hinsichtlich des erwähnten Sachverhaltes je nach Kontext positiv aber auch negativ qualifizieren. Alle drei Ausdrücke sind in dieser kommunikativen Funktion in Ausrufen auch untereinander austauschbar. Sie können im gleichen Äußerungsmodus hintereinander folgen.
- que bonita! Vaya monte mas bonito
- Wie schön. Das ist aber ein schöner Berg!
Sie unterscheiden sich lediglich darin, dass que als Entsprechung von aber nur vor Adjektiven, Adverbien oder Substantiven, pero nur vor Substantiven oder anaphorischen Mitteln auftritt während vaya den emphatischsten Charakter von aber enthält. Pero scheint mir aufgrund dessen, die eindeutigste Entsprechung von aber zu sein, da es auch im spanischen eine konjunktionale Funktion innehat und somit die anderen Entsprechung auf eher zweitrangige Plätze verdrängt. Allerdings würden die Entsprechungen vaya und pero sofort von jedem Muttersprachler als eine Entsprechung wiedergegeben, während bei que erst die Angabe, um welche operative Funktion es sich handelt - welche kommunikative Funktion erfüllt werden soll - den Muttersprachler von der grammatischen Funktion als Relativpronomen abbringt.
Somit kann gesagt werden, dass auch es auch im Spanischen eine Polysemie bei der Konjunktion pero, zugunsten der particula gibt, die je nach Referenz und Intonation auch eine ähnliche Funktion, wie die deutschen MP übernehmen kann. Obwohl also das Spanische aus einer anderen Sprachfamilie entstanden, haben ihre Sprecher die Möglichkeit ihre Bedürfnisse auszudrücken und obwohl dass im Falle der Modalität nach anderen grammatischen Regeln innerhalb des Systems funktioniert, als es im Deutschen der Fall ist, sind diese qualitativ doch gleichwertig.
15
Literaturverzeichnis Autenrieth, Tanja:
Heterosemie und Grammatikalisierung bei Modalpartikeln: ein synchrone und diachrone Studie anhand von „eben“, „halt“, „echt“, „einfach“, „schlicht“ und „glatt“, Tübingen, 2002. Beerbom, Christiane:
Modalpartikel als Übersetzungsproblem - eine kontrastive Studie zum Sprachenpaar Deutsch - Spanisch, Frankfurt am Main, 1992. Cardenes Melian, Jose:
Aber, denn, doch, eben und ihre spanischen Entsprechungen, Eine funktionalpragmatische Studie zur Übersetzung deutscher Partikeln, Münster, New York, München, Berlin, 1997. May, Corinna: Die deutschen Modalpartikeln:
Wie übersetzt man sie (dargestellt am Beispiel von „eigentlich“, „denn“ und „überhaupt“), Wie lehrt man sie? ein Beitrag zur kontrastiven Linguistik ( deutsch- spanisch ) und Deutsch als Fremdsprache, Bonn, 2000. Jiang, Minhua:
Deutsche Modalpartikel als Lehr - und Lernprobleme im Fach Deutsch als Fremdsprache für Ausländer mit didaktischen Überlegungen, Bochum, 1994. Weydt, Harald: Partikeln und Interjektion, Tübingen, 1983.
16
Arbeit zitieren:
Jan Dahlke, 2003, Eine Beschreibung der Modalpartikel "aber" und ihren spanischen Entsprechungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Phraseologismen und Kollokationen im Spanischen
Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 20 Seiten
Phraseolexeme im Unterricht Spanisch als Fremdsprache: linguistische Ü...
Romanistik - Didaktik Spanisch
Hausarbeit, 23 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Jan Dahlke hat den Text Eine Beschreibung der Modalpartikel "aber" und ihren spanischen Entsprechungen veröffentlicht
Jan Dahlke hat einen neuen Text hochgeladen
Focus on Grammar. Neue AusgabeArbeitsbuch zur Wiederholung zentraler g...
Mit eingelegtem Lösungsschlüss...
Willibald Bliemel, Brian McCredie
Grundstufen-Grammatik für Deutsch als Fremdsprache. Spanische Version
Gramatica esencial des aleman ...
Monika Reimann, Maria Jesus Gil-Valdes, Sophie Caesar
Vorstellung und Beschreibung derer Schulpferde und Campagne Pferden na...
Representation et Description ...
Johann Elias Ridinger
0 Kommentare