Die „A-N-T-Wort“ des „Terminators“
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Inhalt
Einleitung 3
A--NT 4
Cyborgs - Im soziologischen Netzwerk. 6
Netzwerk Intern 7
Terminator 2 - Die Handlung 8
Programm 9
Perspektive: John Connor. 10
Perspektive: Terminator 10
Perspektive: „Skynet“ 10
Perspektive: Sarah Connor 11
Netzwerk 11
Aktant: Zeit 13
A--NT als Methode zur Literaturinterpretation. 14
Literatur: 15
Einleitung
Im Zentrum dieses Aufsatzes steht die Überlegung wie in der Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) nichtmenschliche Aktanten Einfluss auf die Zeitstruktur von Geschichte nehmen. Diese, von Bruno Latour in Wir sind nie modern gewesen (1998) entwickelte Überlegung, wird anhand des Romans zum Film Terminator 2 - Tag der Abrechnung (1991) 1 aus der Perspektive unterschiedlicher Aktanten verfolgt. Im Mittelpunkt wird dabei der „Terminator“ selbst stehen. Dieses Beispiel ist insofern in besonderer Form geeignet, als Cyborgs mustergültig Hybridität verkörpern; sie sind weder Natur noch Kultur, weder ganz Mensch noch ganz Technik 2 und stehen als solche seit Jahren im Zentrum kulturwissenschaftlicher Überlegungen 3 . Gegenstand dieses Vorgehens ist das Medium Roman. Die Anwendung der ANT stellt einen Versucht dar, sie als Methode der Literaturinterpretation einzusetzen und ihre Anwendbarkeit für diese zu überprüfen.
„Die Geschichte war neu geboren worden“ (Frakes 1991: 261) mit diesen Worten endet das finale Kapitel des Romans Terminator 2. Zeit als Geschichte wird als eine veränderbare Größe verstanden. Die zentrale Botschaft des Buches lautet: „Es gibt kein Schicksal, außer dem, das wir selbst bestimmen“ (ebd.: 74, 201). Zeit wird im Terminator, nicht mehr von menschlichen Akteuren, wie beispielsweise in der Filmtrilogie Zurück in die Zukunft 4 bestimmt, sondern bildet sich durch ein vielschichtiges Netz menschlicher und nichtmenschlicher Aktanten.
1 Grundlage dieser Arbeit stellt der Roman zum Film „Terminator 2 - Tag der Abrechung dar“. Buch zum Film
bedeutet, dass aus dem Drehbuch ein Roman entwickelt wurde, der sich sehr stark am Film orientiert. Gewählt
wurde dieses Medium, da es eine exaktere Nachprüfbarkeit der Quelle ermöglicht. Zudem sind im Roman An- schärfer herausgearbeitet, die im Film zugunsten eines griffigen Handlungsablaufs untergewichtet
wurden. Am deutlichsten ist dies bei den Attributierungen der „Erlöserfigur“ John Connor, bei metaphysischen
Sinnkonstruktionen und bei der Beschreibung des Computernetzwerks „Skynet“.
2 „Ich bin ein kybernetischer Organismus. Lebendes Gewebe über einem metallenen Endoskelett.“ (Frakes 1991:
116)
3 Man denke hier an Peter Sloterdijks Terminator Aufsatz. Sendboten der Gewalt. Der Mensch als Werfer und
Schütze - Zur Metaphysik des Action-Kinos (Sloterdijk 1993). An die Artikel von Hans Dieter Königs Mutter
und Sohn und ein Mann aus Stahl. Tiefenhermeneutische Rekonstruktionen von Terminator II (König 1994),
Bodo Fründts Vom Jesus des Maschinenzeitaltern James Camerons Action-Orgie „Terminator2“ (Fründt 1991)
und Georg Seeßlens Die Abrüstungsmaschine „Terminator 2“: ein Nachruf (Seeßlen 1991) sowie an Dierk
Spreens Aufsatz Was ver-spricht der Cyborg (Spreen 1997). Nicht zuletzt sei auf Bruno Latours Faible für künst- Menschen hingewiesen. (Vgl. Latour 1996 1 : 157 und Latour: 1998: 66)
4 In dieser Filmreihe reist ein Jugendlicher mit einem exzentrischen Wissenschaftler in die Vergangenheit um
dort Probleme der Gegenwart zu lösen. Die Probleme werden in allen drei Filmen durch ein beherztes Handeln
des Protagonisten gelöst. Die Botschaft dieses Films lautet: Intentionales Handeln führt direkt zu den gewünsch-
ten Ergebnissen.
A-N-T
Der Begriff des „Aktant“ ist einer der zentralen Grundbegriffe der Akteur-Netzwerk-Theorie 5 . Die Begriffe Akteur und Aktant bezeichnen Handelnde. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass unter einem Akteur ein intentional handelndes Subjekt verstanden wird, wohingegen ein Aktant sich dadurch auszeichnet, dass ihm Handlungspotential von anderen Aktanten zugestanden wird. 6 Es können auch nicht-menschliche Aktanten Handlungen ausführen, indem sie in einem Netzwerk unterschiedlichster und wechselnder Aktanten mit jeweils eigenen Perspektiven eingebunden sind. 7 Dieser Gleichbewertung menschlicher und nichtmenschlicher Aktanten trägt das „allgemeine Symmetriepostulat“ Rechnung 8 , denn es verlangt vom Untersuchenden, die Aktanten eines Netzwerks gleichberechtigt zu beschreiben.
Das Netzwerk verändert sich ständig und gewinnt seine Dynamik durch die Handlungsprogramme der einzelnen Aktanten. 9 Das Handlungsprogramm kann sich auch verschieben, so dass es von anderen Aktanten realisiert wird 10 , was als Übersetzung bezeichnet wird. 11 Durch die Verschiebung von Handlungsprogrammen, sind Handlungen nicht mehr fest zuschreibbar, da sich das Netzwerk durch jeden hinzukommenden Aktanten weiter verändert. 12 Alles was der Realisierung eines Programms entgegensteht wird als Gegenprogramm verstanden. Sobald sich ein Netzwerk durch eine routinierte Zuschreibung stabilisiert entsteht eine gewisse Voraussagbarkeit. Jetzt kann ein wissenschaftlicher Beobachter eine Trennung, der einzelnen Handlungsprogramme vornehmen. Dieses „feste“ Netzwerk besitzt eine strukturelle Instabilität, da es durch das Hinzutreten weiterer Aktanten oder durch das misslungene Realisierung des Handlungsprogrammes auseinanderfällt und sich neu zu ordnen beginnt.
5 Eine ausführlichere Einleitung in die ANT legte Schulz-Schaeffer (2000) vor.
6 Siehe dazu auch: Latour 2002: 372
7 Vgl. Latour 1996 1 : 213
8 Siehe dazu: Latour 1987: 258; Latour 1998: 127 ff.
9 Ein Handlungsprogramm ist: “eine Abfolge von Zielen, Schritten und Intentionen […]“ (Latour: 2002: 216
10 Vgl. Latour 2002: 216 f
11 Vgl. Latour 1987: 109-121, Latour: 1996 1 : 33 und 172 ff.
12 Siehe Latour 1996 3 : 374
Arbeit zitieren:
Dr. Sacha Szabo, 2007, Die "A-N-T-Wort" des "Terminators", München, GRIN Verlag GmbH
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