„Sefarad“- Die jüdische Gemeinschaft in Andalusien von der Antike bis zum Ende der Almohadenherrschaft mit besonderer Berücksichtigung des spanischen Hofjudentums
Inhalt
Einleitung. 3
1. Die Anfänge der jüdischen Gemeinschaft in Andalusien
1.1. Sefarad und Ispania
1.2. Die Situation der Juden im Imperium Romanum. 3
1.3. Die Juden im spanischen Westgotenreich. 7
2. Unter der Herrschaft des Islam. 8
2.1. Die Juden als „Schriftverfälscher“
2.2. Die Juden als Ahl al-kitāb und Ahl aồ-ồimma. 9
3. Jüdische Eliten im muslimischen Spanien. 11
3.1. Córdoba als Zentrum sefardischen Lebens
3.2. Die Entstehung des Hofjudentums. 12
3.3. Ỏasday ibn Šaprūt 13
3.4. Ismāīl ibn
Na ġīla 15
4. Der Niedergang unter Almorawiden und Almohaden. 17
5. Schlussbetrachtung. 18
6. Literatur. 20
2
Einleitung
Die vorliegende Arbeit behandelt die Geschichte der spanischen Juden von der römischen Antike bis zum Ende der Herrschaft der Almohaden im 13. Jahrhundert. Dabei wird hauptsächlich der Frage nachgegangen, inwieweit es für die jüdische Gemeinschaft in Andalusien über die Jahrhunderte hinweg möglich gewesen war, trotz Verfolgung und minderwertigem Rechtsstatus, eine blühende wirtschaftliche und kulturelle Produktivität zu entfalten und sogar mithilfe einiger weniger Fürsprecher, zu politischen und gesellschaftlichen Eliten aufzusteigen.
Im Zentrum der Arbeit stehen die Juden Südspaniens. Auf die Entwicklung der unter christlicher Herrschaft lebenden Juden Nordspaniens wird nicht eingegangen. Zu Beginn wird die Lage der sefardischen Juden im Imperium Romanum und im spanischen Westgotenreich beleuchtet, da hier bereits die Grundlagen für das Verhältnis zu den späteren muslimischen Herrschern gelegt wurde. Weiterhin wird die rechtliche Stellung der Juden im Koran analysiert und die ambivalente Haltung des Islam zum Judentum untersucht. Hierbei werden vor allem die Bestimmungen des islam-rechtlichen Ồimmī-Status dargestellt. Das sich im 11. Jahrhundert herausbildende Hofjudentum, wird an Persönlichkeiten wie Ỏasday ibn Šaprūt und Ismāīl ibn Naġīla, nachskizziert. Sie beide stehen als Sinnbild für den zu bewältigenden Spagat zwischen der Loyalität zu einem muslimischen Herrscher, und der Verantwortung, sich als Führer der jüdischen Gemeinschaft vor dieser zu behaupten. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung.
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1. Die Anfänge der jüdischen Gemeinschaft in Andalusien
1.1. Sefarad und Ispania
Die Anfänge der Geschichte der jüdischen Gemeinschaft auf der iberischen Halbinsel lassen sich im allgemeinen nicht konkret datieren und liegen wie auch der Ursprung der Geschichte Israels selbst, im Dunkeln. Zu den wenigen Zeugnissen der frühen jüdischen Besiedlung der iberischen Halbinsel, zählen jüdische Grabsteine aus der Zeit um 1000 bis 50 v. chr, die man in Tarragona, Mérida und Córdoba fand. 1
Hinweise auf jüdisches Leben im antiken Ispania finden sich zudem in der Bibel. Diese gehen allerdings nicht aus dem alten Testament, sondern aus dem Römerbrief des Apostel Paulus hervor. Dieser bekundet darin, nach Spanien zu reisen, um dort zu missionieren. Ihm war demnach bewusst, dass nach der römischen Okkupation Israels, viele Juden nach Spanien versklavt und angesiedelt worden waren. 2 In der Bibel findet sich auch die Bezeichnung für die spanischen Juden. Im Buch Obadja heißt es in Vers 20: „ die Verbannten Jerusalems, die in Sefarad sind, besetzen die Städte des Negeb.“ Sefarad ist demnach der Name einer israelitischen Stadt. Wie der biblische Ortsname schließlich zu der hebräischen Bezeichnung für das römische Ispania wurde, ist nicht bekannt. 3 Einer Legende nach soll sie einer alten jüdischen Adelsfamilie entstammen, die nach babylonischer Gefangenschaft und römischer Vertreibung auf der iberischen Halbinsel neuen Fuß fasste. Hiermit wollte man wohl auch den Umstand erklären, warum im sefardischen Judentum die babylonische Tradition des Talmud überwiegte.
Jane Gerber sieht in dieser Überlieferungen vor allem eine Art Selbstschutz vor antisemitischen Anfeindungen seitens der christlichen Übermacht während und nach der Reconquista. Die jüdischen Gelehrten hatten somit möglicherweise versucht, der Brandmarkung als vermeintliche „Christusmörder“ zuvorzukommen, da sie im Jahr der Kreuzigung Jesu schon längst in Spanien gewesen waren und somit an dessen Hinrichtung nicht beteiligt sein konnten. 4
1 vgl. Ben-Chanan, Y., Juden im maurischen und christlichen Spaniel (711-1492), S.7..In: Rehrmann, N.,
Koechert, A. (Hrsg.), Spanien und die Sepharden. Geschichte, Kunst, Kultur, Literatur. Tübingen 1999.
2 zitiert nach Ben-Chanan, Y., S. 7.
3 siehe Art. Sefardim (Lehmann, M.) In: Betz, H.-D., Browning, D. S., Jankowski, B., Jüngel, E. (Hrsg.),
Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Tübingen 2004.
4 zu der Theorie über die Bezeichnung „Sefarad“ vgl. Gerber, Jane S., The Jews of Spain. A history of the
Sephardic Experience. New York 1994.
4
Mit der Bezeichung Sefardim werden heutzutage fälschlicherweise oft auch alle in der islamischen Welt lebenden Juden bezeichnet. Dieser Irrtum rührt vielleicht daher, dass nach der Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahre 1492, viele Sefarden in die Länder des Osmanischen Reichs emigrierten. 5 Zusammen mit den Ashkenasim, den Juden Deutschlands und Nordfrankreichs, bildeten sie die zwei großen jüdischen Traditionen des Mittelalters. Beide Kulturen unterschieden sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Einflüsse in traditioneller, sprachlicher und kultureller Hinsicht.
1.2. Die Situation der Juden im Imperium Romanum
Als ein Hauptgrund warum Juden überhaupt auf die iberische Halbinsel gelangten, gilt das Phänomen der jüdischen Diaspora. Diese „Zerstreuung“ des jüdischen Volkes, die bereits mit der ersten babylonischen Gefangenschaft von 597 v. chr. einsetzte, wiederholte sich in der Zeit nach der Eroberung Israels durch den römischen Feldherrn Pompejus im Jahre 63 v.chr., sowie nach der Zerstörung des zweiten Tempels durch Kaiser Titus im Jahre 70 n.chr.. Zunächst waren es vor allem jüdische, von den Römern nach Spanien verschleppte Gefangene die von den dort ansässigen jüdischen Gemeinden losgekauft wurden um anschließend als freie Menschen das Land zu besiedeln. Aber schon zuvor pflegten jüdische Kaufleute den phönizischen, griechischen und römischen Handelsrouten zu folgen wobei sie zwangsläufig an die Küsten der iberischen Halbinsel gelangten und dort Kolonien gründeten. Auch das weitverzweigte römische Straßennetz, mit seiner in Rom beginnenden und im Hafen von Cádiz endenden Via Augusta, war ein Garant dafür, dass Juden ihren Weg nach Spanien fanden. Zudem war die römische Provinz ein florierendes Handelszentrum mit blühenden Städten wie Mérida oder Segovia, deren Bürger im Jahr 212 n.chr. das römischer Bürgerrecht erlangten. 6
Ein weiterer Grund warum sich die jüdische Gemeinschaft auf der iberischen Halbinsel entfalten konnten, lag in dem Prinzip der religiösen Toleranz der römischen Herrscher. Besonders die Judenpolitik von Julius Caesar und Kaiser Augustus, brachte eine Reihe von Edikten zugunsten der Juden hervor. Als Rom die Macht im Mittelmeer übernahm, geriet die Mehrheit der Juden unter die Herrschaft einer einzigen Regierung. Da Rom bestrebt war, in den Ländern, die dem Reich eingegliedert wurden, den Status quo zu erhalten, wurde auch gegenüber der jüdischen Religion der Standpunkt gewahrt, diese nicht anzutasten.
5 siehe Art. Sefardim (Lehmann, M.) In: Betz, H.-D., Browning, D. S., Jankowski, B., Jüngel, E. (Hrsg.),
Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft. Tübingen 2004.
6 siehe Gerber, J., S. 4.
7 siehe Ben-Sassaon, H. H. (Hrsg.), Geschichte des jüdischen Volkes. München 1980. S. 345.
8 vgl. Gerber, J., S. 2.
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Arbeit zitieren:
Stephan Kokew, 2006, Sefarad-Die jüdische Gemeinschaft in Andalusien von der Antike bis zum Ende der Almohadenherrschaft mit besonderer Berücksichtigung des spanischen Hofjudentums, München, GRIN Verlag GmbH
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