1. Einleitung. 2
2. Theoretische Grundlagen 3
2.1. Der Begriff „Betrieb“ 3
2.2. Der Begriff „Betriebspolitik“ 3
2.3. Der Begriff „Soziale Betriebspolitik“ 4
3. Soziale Betriebspolitik am Institut für Betriebssoziologie an der TH
Berlin 5
3.1. Überblick über die TH Berlin und ihr Institut für Betriebssoziologie 5
3.2. Ansätze einer Sozialen Betriebspolitik 6
3.2.1. Götz Briefs. 6
3.2.2. Ludwig Heinrich Adolph Geck. 7
3.2.3. Walther Jost 9
4. Schlussbemerkung 11
Literaturverzeichnis I
1
1. Einleitung
Zur Zeit der Weimarer Republik fanden aufgrund der Rationalisierungswelle 1 umfangreiche Konzentrationsvorgänge in der Industrie statt. Die höhere Belastung sowie die Monotonisierung der Arbeit führten bei den Arbeitern zu steigender Unzufriedenheit. Und damit zu sinkender Arbeitsleistung. Es resultierte die dringende Frage nach einer angemessenen sozialen Betriebspolitik. Diese war auch notwendig, weil die Industrie immer stärkeren Einfluss auf die Gesamtgesellschaft nahm. 2
Mit den Fragestellungen, die sich aufgrund dieser Entwicklungen ergeben hatten, beschäftigte sich das Institut für Betriebssoziologie an der Technischen Hochschule Berlin 3 in den 1920er und -30er Jahren.
Diese Hausarbeit stellt die Lösungsansätze des Berliner Instituts zur „Sozialen Betriebspolitik“ dar. Zuerst werden theoretische Grundlagen in Form von Begriffserklärungen gegeben. Nacheinander folgen die Definitionen der Begriffe „Betrieb“, „Betriebspolitik“ und „Soziale Betriebspolitik“.
Es knüpft ein Kurzüberblick über die Technische Hochschule Berlin und ihr Institut für Betriebssoziologie an. Darin wird das Ziel der Forschungsarbeiten am Institut benannt. Danach werden die Ansätze „Sozialer Betriebspolitik“ von Götz Briefs (Mitbegründer und Direktor des Instituts), Ludwig Heinrich Adolph Geck und Walther Jost (beides Assistenten von Briefs) 4 vorgestellt. Die Arbeit schließt mit einem Fazit, das aus Zusammenfassung und kritischer Stellungnahme besteht.
1 Die „Rationalisierungswelle“ führte infolge von Arbeitsteilung und
Arbeitsintensivierung sowie durch Fließband und Mechanisierung zu
betrieblicher Produktivitätssteigerung.
2 Maus/Fürstenberg 1966: 23
3 im Folgenden abkürzend und geläufig „TH Berlin“ genannt
4 Oppolzer 1988: 232
2
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Der Begriff „Betrieb“
Eine vom ursprünglichen Begriff des Wortes „Betrieb“ hergeleitete Definition stammt von L.H. Adolph Geck. Nach dieser Definition stand das Wort „Betrieb“ zunächst für ein „Handeln“, eine „Bewegung“ oder eine „Tätigkeit“. Es bedeutete „das Betreiben von etwas“. Später wurde der Begriff „Betrieb“ erweitert durch die Übertragung des ersten Betriebsbegiffs auf den Ort oder den Raum des Betreibens. Woraus der zweite Betriebsbegriff entstand. Von den Betreibern selbst wurde zunächst noch abgesehen. Der Betrieb hatte die allgemeine Bedeutung von „sachlicher Arbeitsstätte“. Durch die Zusammenführung des ersten mit dem zweiten entstand schließlich ein dritter Betriebsbegriff. Hieraus ergibt sich die Bedeutung der „lebendigen Arbeitsstätte“, also des vom Menschen betriebenen Betriebs. Demgemäß definiert Geck den „Betrieb“ als „jede Sachen- und Menschenordnung für den Vollzug von Arbeitsvorgängen.“ 5
Götz Briefs definiert „Betrieb“ als „räumlich gebundene, zeitlich normierte, mit technischer Apparatur ausgestattete, zweckbewusste Kooperation von Menschen. Der Betrieb ist gleichzeitig Flamm- und Schnittpunkt solcher sozialen Vorgänge und Gebilde, die bei der Kooperation von Menschen an der technischen Apparatur, dem organisierten Werksvorgang und unter der raumzeitlichen Einheit des Betriebs entstehen.“ 6
Aus Briefs und Geck lässt sich folgendes Fazit ziehen: Der Betrieb stellt eine Zusammenfassung von Menschen und gegebenen Mitteln in zweckbestimmter Ordnung dar.
2.2. Der Begriff „Betriebspolitik“
Nach Hedwig Schaafhausen stellt „Betriebspolitik“ „die Ordnung des Geschehens im Betriebe durch den Menschen“ dar. Die Betriebspolitik als „Ordnung des Geschehens“ umschließt sowohl die äußere, als auch die innere Leitung des betrieblichen Arbeitslebens in seinem sozialen, technischen und kaufmännischen Gehalt. Die äußere
5 Geck 1953: 11-12
6 Briefs 1934a: 5
3
Führung soll durch Ordnung und Zusammenfassung der im Betrieb wirksamen Kräfte die Gütererzeugung für die menschliche Bedarfsdeckung ermöglichen, sichern und fördern. Außerdem muss die Existenz des Betriebs in der Konkurrenz mit anderen Betrieben gesichert sein. Die innere Führung soll das Geschehen von Mensch zu Mensch sowie von Mensch zu Materie ordnen. Ziel dabei ist, gemäß dem ökonomischen Prinzip, die Ergiebigkeit mit den vorhandenen Ressourcen zu maximieren. 7
2.3. Der Begriff „Soziale Betriebspolitik“
Auch für den Begriff der „Sozialen Betriebspolitik“ liefert Schaafhausen eine nachvollziehbare Definition: Nämlich die die „bewusste, gewollte Gestaltung des Betriebs in Ausrichtung auf den schaffenden Menschen (…). In diesem weiteren Sinne umschließt sie die Gestaltung aller immateriellen wie materiellen Bedingungen, Voraussetzungen, Handlungen und Maßnahmen, die unmittelbar und mittelbar dem Verhältnis von Mensch zu Mensch und von Mensch zu Materie dienen“.
Im engeren und historischen Sinn ist es die Aufgabe sozialer Betriebspolitik, das Verhältnis zwischen dem wirtschaftlich Stärkeren und dem wirtschaftlich Schwächeren 8 zu gestalten. Und das auf einer gemeinschaftlichen Ebene. 9
Walther Jost fasst den Begriff der „Sozialen Betriebspolitik“ vereinfacht zusammen als „sozialpolitische Betätigung durch den Betrieb und für den Betrieb“. 10
7 Schaafhausen 1936: 10
8 „wirtschaftlich Stärkerer“ = Unternehmer, „wirtschaftlich
Schwächerer“ = Arbeiter
9 Schaafhausen 1936: 12
10 Jost 1932a: 77
4
3. Soziale Betriebspolitik am Institut für Betriebssoziologie an der
TH Berlin
In diesem Abschnitt werden die Ansätze einer Sozialen Betriebspolitik von Götz Briefs sowie von seinen Assistenten Ludwig Heinrich Adolph Geck und Walther Jost dargestellt. 11 Im Vorwege steht ein Überblick über die TH Berlin und ihr Institut für Betriebssoziologie.
Auch Rudolf Schwenger, ein weiterer Assistent Briefs’, trug manches an betriebssoziologischem Gedankengut bei. Seine Untersuchungsergebnisse können unter anderem in den „Schriften des Vereins für Sozialpolitik“ 12 nachgelesen werden. Diese Arbeit beinhaltet keine weiteren Ausführungen Schwengers.
3.1. Überblick über die TH Berlin und ihr Institut für Betriebssoziologie
Die TH Berlin entstand 1916 aus der Vereinigung der „Königlich Technischen Hochschule zu Berlin“ mit der „Bergakademie“. 13 Nach der Machtergreifung der NSDAP 1933 wurde die TH Berlin zur „Hochburg der Nationalsozialisten“. 14 Mehr als ein Viertel aller Angehörigen des Lehrkörpers verloren aufgrund der faschistischen Säuberungen ihre Anstellung. Unter ihnen befand sich auch Götz Briefs, der 1934
emigrierte. 15 Schikaniert von den Nazis, konnte das Institut für Betriebssoziologie nur in bescheidenem Rahmen gehalten werden. Es wurde 1938 aufgelöst. 16
Zehn Jahre zuvor, im Sommer 1928, war das „Institut für Betriebssoziologie und soziale Betriebslehre“ 17 an der TH Berlin von Götz Briefs und Paul Riebensahm (Vertreter der mechanischen Technologie an der TH Berlin) gegründet worden. 18 Das Forschungsziel des Instituts benennt Geck wie folgt:
11 Geck 1951: 112
12 Schwenger 1932 und zweimal 1934
13 o.V. 2005a
14 o.V. 2005b
15 Zenz 2005
16 Geck 1951: 116
17 so hieß das Institut mit vollem Namen
18 Briefs 1934a: Vorwort
5
„Ziel dieser Bemühungen war, den Betrieb zu einem in sich gesunden Gebilde sowie zu einem gesunden Sozialorgan werden zu lassen, der als solches infolge rechter Menschenordnung einmal ein befriedetes und damit allen Beteiligten angenehmeres Betriebsleben, sodann einen gesteigerten wirtschaftlichen Betriebserfolg bietet, mit alledem einen Beitrag zur Gesundung des gesamten Soziallebens.“ 19
Zusammenfassend sollen die Ansätze Sozialer Betriebspolitik zu einer „sozialen Befriedung des Betriebs sowie einer Leistungssteigerung bei den Arbeitern führen“. 20
Unter dem nächsten Gliederungspunkt werden die Ansätze einer Sozialen Betriebspolitik getrennt nach Briefs, Geck und Jost vorgestellt.
3.2. Ansätze einer Sozialen Betriebspolitik
3.2.1. Götz Briefs
Götz Briefs und seine Assistenten sind der Ansicht, dass alles, was an sozialer Problematik im Betrieb gelöst werden kann, auch in ihm gelöst werden soll.
Nach Briefs tritt die staatliche Sozialpolitik nur von außen an die betriebliche Sozialproblematik heran. Sie beachtet weniger die psychischen und sozialen Quellpunkte der Unruhe als die objektiv feststellbaren Erscheinungen. Die staatliche Sozialpolitik ist zudem „rotes Kreuz hinter der Front“.
Trotz der objektiv großen Leistungen brachte die staatliche Sozialpolitik nicht den erwünschten Erfolg. Dem Autor nach liegt das vor allem daran, dass die staatlichen Maßnahmen „den Betrieb als soziales Gebilde und Erregungszentrum von Konflikten“ nicht erreichten. 21 „Es gilt daher, den Betrieb als Schnittpunkt sozialer Beziehungen und als Wirkungszentrum im allgemeinen sozialen Leben zu erfassen und dann zunächst vom Betrieb aus die betriebliche Sozialproblematik soweit wie möglich zu lösen.“ 22
Wie bereits im vorherigen Abschnitt nach Briefs definiert, ist der Betrieb „Flamm- und Schnittpunkt“ sozialer Vorgänge. Er kann für das Gesellschaftsgefüge „in einem Akt
19 Geck 1953: Vorwort
20 derselbe 1951: 110
21 Briefs 1934a: Vorwort
22 Geck 1951: 113
6
zerstörendes und neuaufbauendes Gefüge sein“. Ebenso kann die Gesellschaft den Betrieb durch Regeln und Normen hemmen und/oder formen. Von der gesellschaftlichen Verfassung im weitesten Sinne des Wortes hängt es ab, ob Ersteres oder Letzteres eintritt oder vorliegt. Zu Briefs’ Zeiten formten insbesondere das Sozialethos, die Sozialpolitik und das Arbeitsrecht den Betrieb. Auswirkungen sozialer Betriebsverhältnisse auf die gesellschaftliche Umwelt zeigten sich vor allem in politischer Hinsicht. 23
Es existiert eine Vielfalt von Formen des Zusammenseins und Zusammenhandelns von Menschen im Betrieb. Je größer der Betrieb, desto erforderlicher ist eine rationale Organisation des Zusammenseins und Zusammenarbeitens. Diese ist wichtig, um Reibungswiderständen entgegenzuwirken. Für die Verknüpfung der Menschen im Betrieb ist zum einen die Verfremdung des Betriebs in ihren verschiedenen Arten bedeutsam. Dazu gehören die Eigentumsverfremdung, die Arbeitsverfremdung, die Werkraumverfremdung und die Verfremdung der Betriebspersonen. Zum anderen sind die Hierarchie, Autorität, Abhängigkeit, 24 und Distanz, das Nebeneinander, die Betriebsatmosphäre und die Betriebstradition sowie die Betriebsdisziplin von Bedeutung. Für alle genannten Punkte ist die Betriebsverfassung von großem Belangen. Sie nimmt im Industriezeitalter die verschiedensten Gestalten an. 25
Die eben genannten Punkte können im Umfang dieser Arbeit leider nicht ausgeführt werden. Daher wird hier auf Götz Briefs’ bereits zitiertes Werk „Betriebsführung und Betriebsleben in der Industrie“ (Stuttgart 1934) verwiesen.
3.2.2. Ludwig Heinrich Adolph Geck
Nach Ludwig Heinrich Adolph Geck ist Betriebssoziologie „die Wissenschaft von den durch Betriebe gegebenen sozialen Erscheinungen.“ 26
Wie Briefs ist er der Auffassung, dass Betriebe über ihren eigenen Raum hinaus wirken und die Gesellschaft im außerbetrieblichen Leben sozial gestalten.
23 Briefs 1934a: 5-9
24 als Abdruck des halben Kapitels II.B.c) auch nachzulesen bei Briefs
1934b: 73-84
25 Briefs 1934a
26 Geck 1951: 113
7
Geck unterscheidet weiterhin zwischen einer Betriebssoziologie im engeren Sinne und einer Betriebssoziologie im weiteren Sinne. Im engeren Sinne bezieht sich Betriebssoziologie auf die soziale Sphäre des Betriebs. Im weiteren Sinne beinhaltet sie den gesamten betrieblichen und außerbetrieblichen Bereich der durch Betriebe gegebenen sozialen Erscheinungen. Geck erklärt folgende drei Punkte zum Gegenstand der Betriebssoziologie:
1. der Betrieb als ein Sozialgebilde, charakterisiert durch die Form der Verbundenheit der in ihm vereinten Menschen; als eigenartige Gestalt präsentiert es sich in der betrieblichen Personalverfassung 2. die dem Sozialgebilde Betrieb eigenen sozialen Prozesse und die sozialen Beziehungen und Gebilde 27 , die keinen Teil der betrieblichen Personalverfassung ausmachen; sie sind Ausdrucksformen oder Begleiterscheinungen des Betriebslebens
3. der außerbetriebliche Niederschlag an Setzung und Formung der sozialen Prozesse, Beziehungen und Gebilde 28
Weiterhin existieren in der Betriebssoziologie Tatbestände, die nicht zu ihrem eigentlichen Gegenstand gehören. Aber dennoch erhalten sie Aufmerksamkeit. Geck nennt diese Tatbestände „betriebssoziologisch bedeutsame Tatsachen“. Zu ihnen gehört die gesamte kulturelle und zivilisatorische (insbesondere die soziale) Betriebsumwelt, welche für die sozialen Betriebserscheinungen von Bedeutung sein kann. Es sind Wechselwirkungen zu beachten, die sich z.B. als Rückwirkungen der vom Betrieb sozial gestalteten Umwelt auf den Betrieb äußern. 29
Außerdem sind die innerbetrieblichen Wirklichkeiten für die Sozialerscheinungen des Betriebs von Bedeutung. Dazu gehört zum einen die betriebliche Sachverfassung. Sie wird von Geck definiert als „die Einheit der im Arbeitsraum gegebenen Ordnung der sachlichen Arbeitsmittel.“ Zum anderen beinhalten die innerbetrieblichen Wirklichkeiten die betriebliche Arbeitsverfassung. Sie ist „die Ordnung der sachlichfunktionell geteilten Menschenarbeit an und mit Sachelementen“. 30
27 Geck nennt hier z.B. Arbeitsgruppen oder Kameradschaftsgruppen
28 Geck 1951: 113
29 ebenda: 113
30 ebenda: 113
8
Geck’s 1935 erschienenes Werk „Grundfragen der betrieblichen Sozialpolitik“ (München und Leipzig) basierte auf Ausführungen seines Werkes „Die sozialen Arbeitsverhältnisse im Wandel der Zeit“ (Berlin 1931). Insbesondere wurden die verschiedenen Herrschaftsformen, die einzelnen sozialen Prozesse und Beziehungen im Betrieb als auch die staatlichen, gewerkschaftlichen und unternehmensverbandlichen Einflüsse auf das Betriebsleben wieder aufgegriffen. 31
3.2.3. Walther Jost
Für Walther Jost ist die Behandlung des „betrieblichen Sozialprozesses“ die Hauptkategorie der Betriebssoziologie. 32 Diesen betrieblichen Sozialprozess 33 analysiert er bei seiner Untersuchung über die betriebliche Sozialpolitik. Jost geht dabei von empirisch erfassbaren Handlungen aus.
Aufgrund verschiedener Komponenten der sozialen Dynamik des Betriebs bedarf es einer Aufspaltung des betrieblichen Sozialprozesses in einzelne Prozesse und Prozessreihen. Jost betont dabei, dass diese in der sozialen Wirklichkeit nicht isoliert, sondern stets miteinander verflochten sind. Diese Prozesse durchdringen sich gegenseitig und ergänzen sich zu einem gemeinsamen dynamischen System. Dies ist nach Jost der soziale Prozess des Betriebs. 34
In den Ausführungen seines Werkes „Das Sozialleben des industriellen Betriebs“ (Berlin 1934) behandelt Jost der Reihe nach die regulären Prozesse beginnend mit der Bildung des Betriebswillens, gefolgt vom menschlich-sozialen Vollzug im Betrieb sowie dem technisch-kooperativen Vollzug im Betrieb. Bei der Bildung des Betriebswillens unterscheidet der Autor zwischen Bildung des Betriebswillens mit Willensunterwerfung sowie Bildung des Betriebswillens mit Mitbestimmung und Beteiligung. Den menschlich-sozialen Vollzug im Betrieb untersucht Jost in der Arbeitsgesellung, in der „Erwerbsgesellung“ und in der allgemeinen Gesellung. Der dritte reguläre Prozess, der technisch-kooperative Vollzug im Betrieb, wird unterteilt in
31 ebenda: 114
32 ebenda: 114
33 Ein „sozialer Prozess“ ist ein zwischenmenschlicher
Handlungsvorgang. (vgl. darüber grundlegend: von Wiese 1931)
34 Jost 1932a: 75
9
die horizontale 35 , die vertikale sowie die Gesamtkooperation. Anschließend folgen seine Ausführungen über die Friktionsprozesse und die Entwicklungsprozesse. Ersteren werden alle regulären Prozesse gegenübergestellt. Bei den Entwicklungsprozessen erklärt Jost zuerst die allgemeinen Entwicklungstendenzen. Danach wird die Entwicklung im einzelnen erläutert. Das Werk endet mit einem Ausblick auf die Steuerung der betrieblichen Sozialprozesse. 36
Auch bei Jost können die einzelnen Punkte aufgrund des eingeschränkten Rahmens dieser Arbeit nicht ausformuliert werden. Daher wird auf das zitierte Werk „Das Sozialleben des industriellen Betriebs“ (Berlin 1932) verwiesen.
35 als Abdruck auch nachzulesen bei Jost 1932b: 87-96
36 Jost 1932a
10
4. Schlussbemerkung
Die Darstellung der drei Ansätze „Sozialer Betriebspolitik“ ergibt, dass die betrieblichen sozialen Probleme nicht vom Staat gelöst werden können. Der Grund für das Misslingen staatlicher Sozialpolitik liegt darin, dass nur die objektiv feststellbaren Erscheinungen beachtet und auf sie abgezielt werden. Die psychischen und sozialen Quellpunkte der Probleme werden nicht beachtet. Daher gilt, die betriebliche Sozialproblematik zunächst soweit wie möglich vom Betrieb aus zu lösen.
Der Betrieb ist Schnittpunkt sozialer Vorgänge. Er kann das Gesellschaftsgefüge formen und/oder von ihm geformt werden. Bei Briefs sind es besonders das Sozialethos, die Sozialpolitik und das Arbeitsrecht, welche durch Regeln und Normen den Betrieb fördern und/oder hemmen können. Vom Betrieb kann das Gesellschaftsgefüge insbesondere in politischer Hinsicht geformt werden.
Je größer ein Betrieb, desto nötiger ist eine rationale Organisation des Zusammenseins und -arbeitens der Menschen. Briefs analysiert die Verknüpfung der Menschen im Betrieb. Dazu gehören die Betriebsverfremdung, die Hierarchie, das Nebeneinander, die Betriebsatmosphäre und -tradition und die Betriebsdisziplin. Von großer Bedeutung ist dabei die Betriebsverfassung.
Geck erklärt drei Punkte zum Gegenstand der Betriebssoziologie: 1. der Betrieb als Sozialgebilde, charakterisiert durch die Form der Verbundenheit der in ihm vereinten Menschen, 2. die dem Sozialgebilde Betrieb eigenen sozialen Prozesse und die sozialen Erscheinungen und Gebilde, die keinen Teil der betrieblichen Personalverfassung ausmachen, 3. der außerbetriebliche Niederschlag an Setzung und Formung der sozialen Prozesse, Beziehungen und Gebilde.
Die Betriebssoziologie befasst sich auch mit Tatsachen, die nicht zu ihrem eigentlichen Gegenstand gehören. Dazu zählt zum einen die gesamte kulturelle und zivilisatorische Betriebsumwelt (von Geck auch als „betriebssoziologisch bedeutsame Tatsachen“ bezeichnet). Zum anderen beinhaltet sie die innerbetrieblichen Wirklichkeiten, die für die Sozialerscheinungen des Betriebs bedeutsam sind (betriebliche Sachverfassung und betriebliche Arbeitsverfassung).
11
Jost analysiert bei seinen Untersuchungen den betrieblichen Sozialprozess. Dieser wird aufgrund verschiedener Komponenten der sozialen Dynamik des Betriebs in Teilprozesse zerlegt. Es wird aber betont, dass die Prozesse in der sozialen Wirklichkeit miteinander verflochten sind und sich gegenseitig zu einem dynamischen System ergänzen.
In seinem Werk „Das Sozialleben des industriellen Betriebs“ behandelt Jost zunächst die regulären Prozesse im Betrieb. Anschließend die Friktions- und Entwicklungsprozesse. Sein Werk schließt mit einem Ausblick auf die Steuerung der betrieblichen Sozialprozesse.
Abschließend kann gesagt werden, dass die Untersuchungen über das betriebliche Sozialleben nicht nur ein vertieftes Problembewusstsein in Richtung der sozialen Auswirkungen rationalisierter Arbeit verdeutlichen, sondern auch die Beziehungen zwischen den Menschen in den Betrieben. Allerdings wird nicht sehr tiefgründig auf die Verflechtungen mit gesamtwirtschaftlichen Vorgängen eingegangen. Vielmehr wird versucht, die sozialen Beziehungen im Betrieb als autonome Prozesse zu analysieren. Die Betriebsorganisation mit ihren Funktionen im Rahmen der Gesamtgesellschaft wird nicht analysiert.
Mein Resumée lautet daher, dass sich die folgenden wissenschaftlichen Forschungsarbeiten auf die Verflechtungen mit gesamtwirtschaftlichen Vorgängen konzentrieren müssten. Die Vorarbeiten des Instituts für Betriebssoziologie könnten dafür als förderliche Grundlage dienen.
12
Literaturverzeichnis
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III
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Zenz, Helmut (16.02.2005). Götz Briefs (1889-1974) - Katholischer Sozialethiker, Sozialphilosoph und Nationalökonom. Auf: helmut-zenz.de/hzbriefs.html.
IV
Arbeit zitieren:
M.A. Nadine V. Kegen, 2005, Der Ansatz einer "Sozialen Betriebspolitik" am Institut für Betriebssoziologie der TH Berlin in den 1920er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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