Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Berechtigung elektronischer Medien in Schule und Unterricht 3
2. Hauptteil: Elektronische Medien und Internet im EFL-Unterricht anhand
ausgewählter Beispiele 5
2.1 Das HISEP (High School English Program) in Caracas, Venezuela
2.1.1 Kontext 5
2.1.2 ELC – Das Projekt
2.1.3 Bewertung 7
2.2 Blended Learning 8
2.2.1 Definition
2.2.2 Blended Learning im Klassenzimmer
2.2.3 Grenzen 10
2.3 Das Internet als Plattform für interkulturelle Verständigung 10
2.3.1 Email Brieffreundschaften 11
2.3.2 Das Transatlantische Klassenzimmer als Beispiel eines
virtuellen Diskussionsforums 12
3. Schluss: Verantwortlichkeit der Lehrkraft 13
4. Bibliographie 15
2
1. Einleitung: Berechtigung elektronischer Medien in Schule und Unterricht
Computer literacy is the knowledge and ability a person has to use computers and technology efficiently. Computer literacy can also refer to the comfort level someone has with using computer programs and other applications that are associated with computers. Another valuable component of computer literacy is knowing how computers work and operate. As of 2005, having basic computer skills is a significant asset in the developed countries. 1
Bezeichnender Weise stammt diese Definition des Begriffes ‚computer literacy’ aus dem derzeit umfangreichsten Onlinelexikon. In gedruckter Form existiert es nicht, man kann es ausschließlich über das Internet konsultieren... nur ein Beispiel für die tragende Rolle, die das World Wide Web in unserer heutigen Zeit für die Informationsbeschaffung spielt. Computer literacy – ein Schlagwort, das für unsere Schulen derzeit höchste Bedeutung hat. In oben stehender Definition werden grundlegende Computerkenntnisse als wesentlicher Bestandteil der Bildung in modernen Ländern betitelt. Folglich ist es von höchster Bedeutung, Schülern Möglichkeiten zu geben, diese zu erwerben. Es ist aber nicht damit getan, sicherzustellen, dass ein Schüler den Rechner ein- und ausschalten kann... er soll auch computer literacy im weitesten Sinne erlernen, d.h. Inhalten, die sich ihm im Internet auftun, kritisch gegenüber stehen und ebenso kritisch selektieren, verantwortungsvoll mit Daten umgehen, Urteilsvermögen bilden, Suchstrategien entwickeln, usw. 2 Computertechnologie, insbesondere das Internet, stellen also für unser Schul- und Bildungssystem eine ganz besondere Herausforderung dar.
Zur Erinnerung: Noch vor 20 Jahren waren solche Überlegungen gar nicht nötig. In der Tat hat unsere Gesellschaft in den letzen zwei Jahrzehnten durch die rapide Entwicklung von Computertechnologie und neuen Kommunikationsmöglichkeiten tief greifende Veränderungen erfahren.
Wir befinden uns im Wandel hin zu einer Informationsgesellschaft, in der elektronische Medien mit unglaublicher Geschwindigkeit an Bedeutung zunehmen. 3 Um dieser Bedeutung in der außerschulischen Welt auch im Klassenzimmer Rechnung zu tragen und die Augen nicht vor den einmaligen Chancen und Vorteilen besagter Medien zu
1
Wikipedia The Free Encyclopedia, 06. 08. 2006. “Computer Literacy.”
3 Bausch/Christ/Krumm (Hrsg.), Handbuch Fremdsprachenunterricht, (Tübingen, 1995), S. 320
3
verschließen, müssen diese als „praktisch genutzte Unterrichtsmittel“ 4 in einer natürlichen Weise integriert werden.
Für den Fremdsprachenunterricht, hier natürlich insbesondere für Englisch, eröffnen sich damit fantastische Möglichkeiten.
Ein wichtiges Stichwort ist hierbei CALL (Computer Assisted Language Learning). Darunter „versteht man im allgemeinen den Einsatz von computergestützten Lernprogrammen, die einzelnen Lernern oder einer Lernergruppe eine Aufgabe präsentieren und anschließend den eingegebenen Lösungsvorschlag analysieren und korrigieren“ 5 . Mit dem Einsatz solcher Programme können beispielsweise Unterrichtsstunden zur Einübung eines grammatischen Phänomens sehr viel effizienter gestaltet werden, da wirklich jeder Schüler Feedback über seinen Übungserfolg erhält und jeder Schüler gemäß seiner eigenen Fähigkeiten und in eigener Geschwindigkeit arbeiten kann. Der Lehrer kann sich indes um Verständnisfragen der Lerner und um die Kontrolle derer Fortschritte kümmern.
Eine weitere sehr wichtige Bereicherung erfährt der Englischunterricht durch die Kommunikationsmöglichkeiten, die das Internet bietet 6 . Landeskundlicher Unterricht musste sich früher auf Dokumentationsfilme, Bild- und Anschauungsmaterial und gegebenenfalls auf Schüleraustauschprogramme beschränken. Dabei bleibt ein Austausch natürlich aus Zeit- und Kostengründen die Ausnahme, so dass die Schüler in der Praxis nur sehr wenige bis gar keine eigenen Erfahrungen mit fremden Kulturen machen konnten.
Durch die Etablierung von Email und Internettelefonie ist es jetzt möglich, auf der ganzen Welt Kontakte zu knüpfen, aktuelle Themen zu diskutieren und Bilder oder sogar Videos auszutauschen. Ganz abgesehen natürlich von dem Wert, den eine solche Kommunikation mit Muttersprachlern für den Spracherwerb der Schüler mit sich bringt.
Im nun Folgenden sollen die, meiner Meinung nach, interessantesten Nutzungsmöglichkeiten computergestützter Medien sowie des Internets anhand ausgewählter, aktueller Beispiele vorgestellt werden. Ich werde dabei auf die jeweiligen Vor- bzw. Nachteile eingehen und auch eventuell auftretende Probleme nicht außer acht lassen.
4
Bausch/Christ/Krumm,
Handbuch,
S. 321, Z. 9
5
Bausch/Christ/Krumm,
Handbuch,
S. 321, Z. 79ff.
6 Hildebrand, internet, S. 77
4
2. Hauptteil: Neue Medien und Internet im EFL-Unterricht anhand ausgewählter Beispiele
2.1 Das HISEP ( High School English Program) in Caracas, Venezuela
An erster Stelle möchte ich ein Projekt vorstellen, das die konventionellen Unterrichtseinheiten in regelmäßigen Abständen durch den pädagogischen Einsatz von Software und Videos ergänzt: Ein so genanntes TELL (Technologically Enhanced Language Learning) Programm 7 .
2.1.1 Kontext
Das HISEP, so der Name des besagten Projektes, läuft bereits seit einigen Jahren in einer privaten High School in Caracas, Venezuela.
Es ist leider eine Tatsache, das der EFL Unterricht oft unter Bedingungen statt findet, die dem Lernerfolg abträglich sind, und so sein Ziel, nämlich dem Schüler beim Verlassen der Schule ausreichende Kenntnisse des Englischen vermittelt zu haben, nicht erreicht. Zu den größten Problemen, mit denen wir teilweise auch in Deutschland zu kämpfen haben, zählt z.B. der Zeitfaktor. In aller Regel ist die Zahl der Unterrichtsstunden nicht ausreichend, um in angemessenem Umfang zu üben 8 . Das wirkt sich natürlich negativ auf den Prozess der Verinnerlichung von Sprache aus.
Eine weitere Schwierigkeit stellen die meistens zu großen Klassen dar. Bei einer Größe von bis zu 40 Schülern leidet fast automatisch die Disziplin und außerdem wird es für den Lehrer immer schwieriger, auf individuelle Bedürfnisse und auch auf Fragen einzugehen 9 . Dabei sind Fragen ein unheimlich wichtiger Bestandteil des Unterrichtsgeschehens, da sich Diskussionen an ihnen entzünden, damit Sprechfertigkeit geübt und infolgedessen Unsicherheit abgebaut werden kann. Außerdem ist der Schüler, der schließlich die Hand hebt, üblicherweise nicht der einzige im Klassenzimmer, dem mit der Beantwortung der Frage geholfen ist... Der Unterricht wird auch dadurch erschwert, dass sich oft Schüler mit sehr verschiedenen individuellen Fähigkeiten in einer Klasse befinden. Lerner, die schon öfter in
7
Carlos A. Mayora, „Integrating Multimedia Technology in a High School EFL Program”, in:
English Teaching Forum,
Volume 44 Number 3, Washington DC, 2006, S. 14
8
Mayora (2006: 15)
9
Mayora (2006: 15)
5
englischsprachigen Ländern waren oder sogar dort gelebt haben, haben natürlich ein viel größeres Vorwissen, als Schüler, die diese Erfahrungen nicht gemacht haben 10 . Ein weiteres generelles Problem des Englischunterrichts, vor allem in unseren Breiten, ist der unzureichende Kontakt mit Muttersprachlern.
Unter anderen hatte und hat die Emil Friedmann High School in Caracas vor allem mit diesen Problemen zu kämpfen. Obwohl man sich darüber im Klaren war, das an den Rahmenbedingungen an sich, wie z.B. der Klassengröße, nichts geändert werden konnte, wurden vor ca. sechs Jahren Maßnahmen eingeleitet, um diesen Unzulänglichkeiten beizukommen und den Englischunterricht effektiver zu gestalten 11 .
2.1.2 ELC – Das Projekt
Kernstück des Projektes war die Einrichtung eines English Learning Centers (ELC). Es besteht aus insgesamt 36 Stationen, davon sind 18 mit einem Computer bestückt und 18 mit authentischem Videomaterial.
Jeder Schüler vom letzten Jahr der Middle School bis zum letzten Jahr der High School besucht zusätzlich zu den drei konventionellen Unterrichtstunden einmal pro Woche für 90 Minuten das ELC. Das Material der 36 Stationen ist auf den aktuellen Unterrichtsstoff abgestimmt, liefert passende Übungen und Beispiele. Das Material kann durch den Lehrer, wo dies nötig ist, sogar auf den einzelnen Schüler und seine Bedürfnisse zugeschnitten werden. In der Praxis wird für jede ELC Sitzung eine Klasse von 40 Schülern geteilt: 20 Schüler erhalten konventionellen Sprachunterricht im Klassenzimmer und die anderen 20 begeben sich in das ELC, um jeder für sich an den Multimediastationen zu lernen. Dabei werden 45 Minuten am Computer verbracht und 45 Minuten an einer Videostation. An den Computerstationen arbeiten die Schüler zumeist an Grammatikübungen, aber auch Schreib- und Hörverstehensübungen werden hier angeboten. Die Bewältigung einer gewissen Anzahl an Übungen ist für jeden Schüler Pflicht. Die Videostationen haben die Aufgabe, den Schülern zu ermöglichen, anhand von original englisch gesprochenem Filmmaterial ihren Wortschatz zu erweitern und
Hörverstehensübungen durchzuführen. Dies geschieht im Allgemeinen mit Arbeitsblättern, die die Aufgabenstellungen zu den einzelnen Videoclips beinhalten. Die Evaluierung einer solchen ELC Sitzung erfolgt in drei Teilen. An der Computerstation bekommt der Schüler sofort nach Beendigung seiner Übungen eine Auswertung.
10
Mayora (2006: 15)
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Mayora (2006: 15)
6
Anschließend besteht die Möglichkeit, im Detail zu sehen, welche Antworten falsch waren und seine Fehler zu korrigieren.
Am Ende jeder Videoübung erhalten die Lerner den Lösungsschlüssel für die Arbeitsblätter, die sie bearbeitet haben. Die Unterlagen werden gesammelt, und dieses Portfolio schließlich einmal im Jahr anhand verschiedener Kriterien, wie z.B. die Vollständigkeit der bearbeiteten Aufgaben, ausgewertet.
Überdies erfolgt in den letzten fünf Minuten jeder Sitzung eine Selbstevaluierung, im Rahmen derer sich die Schüler am Computer selbst Noten von eins bis fünf geben. Unter anderem benoten sie Pünktlichkeit, Zeiteinteilung und Arbeitseifer. Am Ende des Schuljahres wird von allen selbst vergebenen Noten der Durchschnitt errechnet 12 .
2.1.3 Bewertung
Selbstredend lassen sich die eingangs angesprochenen Probleme mit dem beschriebenen TELL Modell nicht völlig beseitigen. Allerdings konnten sie doch erheblich entschärft werden.
Die Schüler haben durch den Besuch des ELC den Vorteil, in ihrer eigenen, individuellen Geschwindigkeit zu arbeiten. Teilweise sind sie sogar in der Lage, ihre Aufgaben selbst auszuwählen, oder ihr Lehrer kann die Anforderungen direkt auf den einzelnen Lerner zuschneiden. Die ELC Sitzung ist also in hohem Maße den Bedürfnissen des einzelnen Schülers angepasst und wird so den verschiedenen Anspruchs- und Leistungsniveaus in der Klasse gerecht. Niemand wird überfordert und niemand muss sich langweilen... 13 Ein weiterer großer Vorteil liegt darin, dass die Klassengröße effektiv zwei Mal pro Woche halbiert wird, was dem Lehrer die Möglichkeit gibt, effektiver mit den Schülern zu arbeiten 14 , Schwachstellen einzelner zu erkennen und Fragen zu beantworten. Die Erkenntnisse aus diesen „größenreduzierten“ Unterrichtsstunden können wiederum in die Gestaltung der Übungen für die ELC Sitzungen einfließen.
Durch die Arbeit an den Videostationen kommen die Schüler in regelmäßigen Abständen sowohl mit authentischem Sprachmaterial als auch mit nonverbalen Elementen von Sprache, wie Körpersprache, Intonation und Mimik, in Berührung 15 . Dies ist nicht nur wichtig für das Hörverständnis, sondern schafft auch die Verbindung zum landeskundlichen Unterricht.
12
Mayora (2006: 16 – 18)
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Mayora (2006: 15)
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Mayora (2006: 15)
15
Mayora (2006: 16)
7
Schließlich schafft der Einsatz einer solchen multimedialen Lernumgebung eine Ganzheit von gedruckten, auditiven und visuellen Materialien, die den verschiedenen Lernertypen und Lerngewohnheiten des einzelnen gerecht wird 16 .
Bei der Umsetzung allerdings sind dem Modell gewisse Grenzen gesetzt. Meiner Meinung nach wäre die Einführung nach dem Vorbild aus Venezuela in Deutschland nicht möglich. Zum ersten ist die Einrichtung eines solchen Multimediaraumes natürlich mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden. Angesichts der Tatsache, dass die Elternschaft heute schon für die Schulbücher ihrer Kinder bezahlen müssen, könnte eine solche Investition zumindest Unverständnis hervorrufen.
Angenommen, die leeren Staatskassen lassen wider Erwarten zu, ein solches ELC zu verwirklichen, oder das Projekt wird wie in Caracas an einer Privatschule durchgeführt, an der das Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt, taucht eine weitere Schwierigkeit auf: Die Aufsichtspflicht. Leider konnte ich keine Angaben dazu finden, wie dieses Problem an unserer Modellschule gelöst wurde, aber in Deutschland ist es auf jeden Fall undenkbar, eine Gruppe Schüler während der Schulzeit ohne Aufsicht zu lassen. Gerade in einem Raum mit wertvollem, technischen Gerät! Es müssten also für jede Klasse für je zwei Stunden eine Lehrkraft zur Aufsicht zur Verfügung stehen, was weitere Kosten verursacht. Diese sind nicht unerheblich: in Caracas nutzen pro Woche ca. 360 Schüler das ELC...
2.2 Blended Learning
Das soll jedoch nicht heißen, dass Lehrer in Deutschland von der Nutzung moderner Medien entbunden sind. Man muss nicht notwendigerweise ein solch umfangreiches Projekt wie HISEP initiieren, um dessen Vorteile wenigstens teilweise für seine Schüler zu erschließen. Eine sehr interessante Alternative zur Ergänzung des Unterrichts durch Multimediaeinheiten ist die aktive Einarbeitung von elektronischen Medien in das Unterrichtsgeschehen: Blended Learning – was ist das?
2.2.1 Definition
Im Allgemeinen bezeichnet der Begriff die Kombination von verschiedenen pädagogischen Ansätzen in ein und derselben Unterrichtseinheit. Ergänzt wird diese Mischung durch die
8
Verwendung unterschiedlicher Medien, weshalb sich Blended Learning auch als Begriff für die Kombination von traditionellen und elektronischen bzw. Onlinemedien etabliert hat. 17 Pete Sharma, ein renommierter Autor und Dozent der Oxford Brookes University in England, auf dessen Ansichten zu dieser Art Unterrichtsgestaltung ich mich hier beziehen möchte, rückt die Rolle des Lehrers in den Mittelpunkt. Er betont, dass Medien den Unterricht nur ergänzen können, bestimmen muss ihn der Lehrer. Der Lehrer muss feststellen, ob und in welchem Maße elektronische Medien eingesetzt werden und darauf achten, dass sie ihre Wirkung nicht verfehlen. Der Computer ergänzt den Lehrer insofern, dass er Übungsphasen von Zeit und Ort unabhängiger macht, quasi unbegrenzte Übungsmöglichkeiten bietet (während der Lehrer nur für 45 Minuten am Tag zur Verfügung steht) und ein selbstständigeres, weil selbst kontrolliertes Lernen ermöglicht 18 .
2.2.2 Blended Learning im Klassenzimmer
Eine interessante Art, die Schüler auf Diskrepanzen zwischen Schulgrammatik und gesprochenem Englisch aufmerksam zu machen, ist die Übung „grammar searches“. Der eine Teil der Klasse konsultiert eines oder mehr Grammatikbücher zu einem bestimmten Phänomen, wie z.B Konditionalsätze. Der andere Teil nutzt Internetsuchmaschinen, um aus authentischem Sprachmaterial zu ersehen, wie Grammatik angewendet wird. Die Ergebnisse werden dann verglichen. Freilich sollte diese Übung nur mit Fortgeschrittenen gemacht werden, um keine Verwirrung zu verursachen 19 .
Auch zur Ausspracheverbesserung kann der Computer zu Hilfe genommen werden: Eine beliebte Übung ist, Schüler zu einem bestimmten Thema einen Dialog mit einem Partner vorbereiten zu lassen. Bei der Vorbereitung nutzen diese dann ein interaktives, einsprachiges Wörterbuch, das entweder online oder auf CD-ROM zur Verfügung steht. Sie können so die Aussprache einzelner Wörter nachprüfen 20 . Hier tritt der Vorteil des individuellen Lernens ganz deutlich hervor: Jeder Schüler prüft genau die Wörter, die er selbst nicht weiß, die Lernzeit wird also optimal ausgenutzt.
Das Internet bietet außerdem immense Ressourcen an authentischem Audiomaterial. Mit Kopfhörer und PC können die Schüler in einem bestimmten Audioclip pausieren, sich
17
Wikipedia, The Free Encyclopedia, 29.08.2006
9
Passagen mehrmals anhören, selbstständig die Lautstärke regulieren, etc. Listening comprehension Übungen lassen sich mit diesen Möglichkeiten sehr viel effektiver gestalten 21 .
2.2.3 Grenzen
Anwendungsbeispiele dieser Art ließen sich fast unbegrenzt fortführen. Allerdings sollte man sich davor hüten, sich verpflichtet zu fühlen, sie alle zu verwenden... Der Unterricht lässt sich mit dosiertem Einsatz von Technologie zwar optimieren und effektiver gestalten, aber sie hat auch die Eigenschaft, den Blick für das Wesentliche zu verschleiern. Daher sollte man nicht um jeden Preis versuchen, für alles den Computer einzusetzen, um den Unterricht möglichst modern und individuell zu machen.
Ein Beispiel: Sharma schlägt eine Übung namens „masking“ vor. Sie besteht darin, das Teile eines Textes auf einem interaktiven Whiteboard durch ein Computerprogramm versteckt, und bei Nennung der richtigen Lösung sichtbar gemacht werden. So können z.B. Fragen versteckt werden, die man, passend zu den sichtbaren Antworten, herausfinden muss 22 . Meiner Meinung nach ist es absolut übertrieben, für diese Übung so komplizierte Technik aufzufahren. Sie könnte viel einfacher mit Arbeitsblättern durchgeführt werden, und dann eventuell sogar in Gruppenarbeit, um auch soziale Kompetenzen zu fördern, die bei zu häufiger Computerarbeit auf jeden Fall zu kurz kommt. Schülern aufzuzeigen, dass man im Leben auch ohne Computer zurecht kommen muss, ist mindestens genauso wichtig, wie ihnen die Fähigkeit zu vermitteln, damit umzugehen.
2.3 Das Internet als Plattform für interkulturelle Verständigung
Als generelle Lernzielvorstellung des EFL-Unterrichts gilt die viel beschworene „interkulturelle kommunikative Kompetenz“ 23 . Diese zu erlangende Kompetenz setzt sich zusammen aus vielen einzelnen Fähigkeiten, wie z.B. Grammatik, flüssiges Sprechen, Orthographie, Pragmatik, usw. Alle diese genannten Fähigkeiten für sich kann man im Unterricht auf die eine oder andere Weise üben. Schwierig wird es allerdings, alle diese Kenntnisse zusammen in einer realen interkulturellen Gesprächs- bzw.
Kommunikationssituation zu erproben, da solche Situationen üblicherweise eher rar sind.
21
Sharma (2006: 60)
22
Sharma (2006: 59)
23
Uwe Böker/Christoph Houswitschka (Hrsg.),
Einführung in das Studium der Anglistik und Amerikanistik,
(München, 2000), S.257
10
Bisher sind wir nur am Rande auf die Bedeutung des Internets für den EFL-Unterricht eingegangen. Während ein Brief in die USA mindestens eine Woche braucht und überdies noch eine nicht unerhebliche Portogebühr anfällt, sind Emails gebührenfrei und innerhalb von Minuten beim Empfänger 24 . Ganz zu schweigen von heute bereits als Standard geltenden Messengerprogrammen, mit denen man sich über die Tastatur in Echtzeit unterhalten kann. Bei der Schaffung besagter Kommunikationssituationen spielt das Internet daher eine ganz entscheidende Rolle und ermöglicht vielen Schülern überhaupt erst, sich mit Muttersprachlern auszutauschen.
2.3.1 Email Brieffreundschaften
Eine Möglichkeit, diesen Austausch zu initiieren und für den eigenen Landeskundeunterricht zu nutzen ist die Organisation von Email Brieffreundschaften. Gemeint ist, Schüler mit Partnern aus einem anderen Land Emailadressen austauschen zu lassen, damit sie sich gegenseitig schreiben können. Um die so entstehende Konversation pädagogisch sinnvoll zu gestalten, werden Arbeitsaufträge erteilt, die die Schüler erfüllen müssen, z.B. sich über ein politisches Thema im Land des Partners zu informieren 25 . Das IECC (Intercultural E-Mail Classroom Connections), eine Internetseite für Lehrer, ist für das Finden und Kontaktieren von derlei pen pals eingerichtet worden 26 .
Besonders interessant sind hierbei ganze Klassenfreundschaften, wobei jedem Schüler ein pen pal der anderen Klasse zugeordnet wird. Die Lehrer der beiden Schülergruppen können sich austauschen und sich bezüglich Arbeitsaufträge und Zeitplan absprechen. Für den Lerner bietet diese Art des Unterrichts eine Reihe wichtiger Vorteile. Das Verfassen von Emails ist de facto eine writing bzw. text production Übung. Anders als bei Übungen dieser Art aus dem Buch befindet sich der Schüler ein einer realen Kommunikationssituation, was sich positiv auf Motivation und Übungserfolg der Lerner auswirkt.
Der weitaus wichtigere Vorteil besteht aber darin, dass den Schülern die Möglichkeit gegeben wird, soziale Kontakte zu knüpfen, die über den Tellerrand des eigenen, engen Umfeldes bzw. sogar über die Grenzen der eigenen Kultur/Nationalität hinausgehen. Nicht selten resultieren diese Kontakte in langjährigen Freundschaften und gegenseitigen Besuchen 27 . Genau diese Art von interkulturellem Austausch, der immer ein gewisses Maß an Toleranz, Verständnis
24
Mark Warschauer,
E-Mail for English Teaching,
(Illinois, 1995), S.47
25
Warschauer, (1995: S.50)
26
Warschauer, (1995: S.48)
27
Warschauer, (1995: S.52)
11
und natürlich Interesse am Fremden erfordert, ist das Ziel guten landeskundlichem Englischunterrichts. Interkulturelle kommunikative Kompetenz geht weit über die rein sprachliche Fähigkeit, sich verständlich zu machen, hinaus.
In der Praxis gibt es leider auch einige Probleme, die allerdings zumeist durch sinnvolle Vorbereitung des Lehrers umgangen werden können.
Es gilt, sicher zu stellen, dass die Inhalte und das sprachliche Niveau der Emails angemessen sind. Die Konversation, die ja bewusst zwanglos und authentisch sein soll, läuft häufig Gefahr, gehaltlos zu werden 28 . Um dem entgegenzuwirken, sollten ganz spezifische Arbeitsaufträge erteilt werden, deren Ergebnisse später ausgewertet und teilweise sogar bewertet werden. Falls die Möglichkeit dazu vorhanden ist, sollte der Lehrer die ausgetauschten Inhalte wenigstens sporadisch kontrollieren, z.B. wenn die ganze Klasse zusammen in den Computerraum geht.
Häufig kommt es auch vor, dass einfach zu wenige oder gar keine Antworten kommen. Durch eine gewisse „Risikostreuung“ in der Organisation kann man dies nahezu ausschließen: Beispielsweise können jedem Schüler statt nur einem, mehrere pen pals zugeteilt werden. Aufwendiger, aber sicher auch interessanter wäre, mit Klassen aus verschiedenen Ländern Brieffreundschaften zu schließen und so jedem Schüler mehrere Partner verschiedener Nationalität zu geben. Eine dritte Möglichkeit wäre, in beiden Klassen jedem Schüler eine mailing list mit allen Emailadressen der Schüler der jeweils anderen Klasse zukommen zu lassen 29 . So kann jeder jedem antworten.
2.3.2 Das Transatlantische Klassenzimmer als Beispiel eines virtuellen Diskussionsforums
Eine weitere Möglichkeit, die Frequenz der Antworten zu erhöhen ist, mit seiner Klasse ein Online-Diskussionsforum zu besuchen 30 . Solche Foren sind üblicherweise nach Themengebieten sortiert und so kommen hier viele Leute mit den selben Interessen zusammen. Dies hat zur Folge, dass in der Regel mehr und schneller geantwortet wird, als bei Brieffreundschaften. Außerdem können leichter viele verschiedene Meinungen zu einem Thema abgegeben werden.
Das erste große „Virtual Bulletin Board“ dieser Art, das ausschließlich für Schüler und Lehrer aus Deutschland und Amerika gedacht ist, wurde 1994 unter dem Namen „Transatlantic Classroom“ (TAC) eingerichtet. Das Forum ist in fünf Diskussionsgruppen eingeteilt, in
28
Warschauer, (1995: S.49)
29
Warschauer, (1995: S.49)
30
Warschauer, (1995: S.49)
12
denen zu den jeweiligen Themen geschrieben werden kann. Des Weiteren gibt es eine Sparte nur für Lehrer, in der Erfahrungen mit dem Board und dem Internet im Unterricht allgemein ausgetauscht werden 31 .
War bei den Brieffreundschaften in erster Linie die Häufigkeit der Antworten ein Problem, so ist es bei einem Forum die Qualität der Antworten. Bedingt durch die große Zahl der Teilnehmer bekommen Beiträge in der Regel Resonanz, aber der Inhalt und die sprachliche Qualität stehen auf einem anderen Blatt. Dieser Umstand hat dazu geführt, das so genannte Moderatoren im Forum eingesetzt werden, die den Auftrag haben, die Beiträge zu überwachen und unfokussierte oder unangemessene Äußerungen zu streichen 32 . Um solche von vornherein zu vermeiden ist es wichtig, die Schüler mit der „netiquette“, also den Verhaltensregeln, die besagen, was im Forum zulässig ist, und was nicht, vertraut zu machen. Unter anderem besagen diese Regeln, dass kein persönlichen Nachrichten im Board gepostet werden dürfen. Diese sollten als Email an den jeweiligen Adressaten versendet werden, da die Diskussionslinie in der Gruppe durch sie gestört wird. Überdies sind nur auf das Thema fokussierte Beiträge erlaubt, die in angemessener und weitgehend fehlerfreien Sprache verfasst sind 33 . Auch durch die Lehrkraft sollten die von den Schülern geäußerten Beiträge überwacht werden. Dies ist bei einem Forum leichter, als bei Emailkontakten, da ja alle Postings online eingesehen werden können.
Zudem ist es, wie auch schon bei Brieffreundschaften, äußerst wichtig, konkrete Arbeitaufträge zu erteilen 34 , um zu verhindern, dass die Diskussion in inhaltsleeres Geplätscher abgleitet. Die Ergebnisse sollten entsprechend regelmäßig zusammengetragen und bewertet werden.
3.Schluss: Verantwortlichkeit der Lehrkraft
Gerade bei Internetprojekten, die ein relativ hohes Maß an Engagement und Selbstständigkeit der Schüler erfordern, muss ganz individuell von Klasse zu Klasse beurteilt werden, ob es sinnvoll ist, ein solches durchzuführen. Es liegt in der Verantwortlichkeit des Lehrers, die Reife und Leistungsbereitschaft der Schüler richtig einzuschätzen und danach über den Umfang bzw. die grundsätzliche Durchführbarkeit eines Projektes zu entscheiden.
31
Gerhard Fischer,
E-Mail in Foreign Language Teaching,
(Tübingen, 1998), S. 157 f.
32
Fischer, (1998: S.159)
33
Fischer, (1998: S. 159-164)
34
Fischer, (1998: S. 160)
13
Die Urteilskraft des Lehrers ist generell bei der Verwendung elektronischer Medien von großer Bedeutung. Eine ganz konkrete Gefahr besteht nämlich in deren Überstrapazierung. Erfahrungsgemäß müssen vor allem junge Lehrer, die mit den technischen Gegebenheiten zumeist vertrauter sind, als ältere Kollegen, auf der Hut sein, computergestützte Medien nicht übermäßig zu beanspruchen. Zu viel des Guten kann schnell den Blick für das Wesentliche, nämlich den zu vermittelnden Stoff, trüben. Ehe man sich versieht, halten sich die Schüler an kleinen, technischen Details auf und das Ziel des Medieneinsatzes, nämlich effektiveres Lernen, ist verfehlt. Überdies stumpft der positive Motivationseffekt auf die Lerner schnell ab. Der Einsatz des Mediums ist nichts besonderes mehr und im Gegenzug erscheint der Unterricht ohne Computer den Schülern unvollständig.
Ziel sollte daher sein, den Unterricht in sinnvollen Maßen computermediengestützt zu gestalten, abgestimmt auf die Bedürfnisse, Fähigkeiten und das Alter der Lerner. „Mediengestützt“ bedeutet, dass das elektronische Medium lediglich als Hilfe herangezogen wird, um den Lehr- und Lernprozess zu erleichtern und effektiver zu machen 35 . Steuerungsfunktion im Unterricht sollten diese Medien hingegen nur in Ausnahmefällen haben.
Entscheidet sich der Lehrer für den Medieneinsatz, darf die Eigenverantwortlichkeit der Schüler und Freiheit in der Arbeit mit dem Computer nicht zu weit gefasst werden. Es darf nicht vergessen werden, dass eventuell Lerner in der Gruppe sind, für die der Umgang mit Internet und PC nicht so selbstverständlich ist, wie für den Lehrer. Daher müssen klare Richtlinien gesetzt und eindeutige Arbeitaufträge erteilt werden, um den Schülern Zwischenziele und Wegpunkte aufzuzeigen, an denen sie sich durch das Projekt „hangeln“ können.
An elektronischen Medien in der Schule vorbei zu gehen, ist absolut nicht zeitgemäß und dem Lerner gegenüber unfair, aber ein essentielles Merkmal guten mediengestützten Unterrichts ist es gerade, dass er nicht ausschließlich stattfindet. Wir, als Lehrer, müssen uns darüber im Klaren sein, dass uns die neuen Möglichkeiten, die elektronische Medien eröffnen, nicht aus unserer pädagogischen Verantwortung entlassen. Im Gegenteil haben wir durch diese ein großes Stück Verantwortung mehr, derer sich heutzutage kein Lehrer entziehen kann.
35
Bausch/Christ/Krumm,
Handbuch,
S.323
14
Bibliographie
Bausch/Christ/Krumm (Hrsg.), Handbuch Fremdsprachenunterricht, (Tübingen, 1995) Böker, Uwe/ Houswitschka , Christoph (Hrsg.), Einführung in das Studium der Anglistik und Amerikanistik, (München, 2000) Fischer, Gerhard, E-mail in Foreign Language Teaching, (Tübingen, 1998) Hildebrand, Jens, internet: ratgeber für lehrer, (Bad Honnef, 1997) Mayora, Carlos A., „Integrating Multimedia Technology in a High School EFL Program”, in: English Teaching Forum, Volume 44 Number 3, Washington DC, 2006 Sharma, Pete, „Embedding online activities“, in: English Teaching Professional, issue 44, London, 2006 Warschauer, Mark, E-mail for English Teaching, (Illinois, 1995)
Internetquellen
Wikipedia The Free Encyclopedia, 06. 08. 2006. “Computer Literacy.”
Wikipedia, The Free Encyclopedia, 29.08.2006
15
Quote paper:
Kerstin Nowak, 2006, Elektronische Medien und Internet im EFL-Unterricht anhand ausgewählter Beispiele, Munich, GRIN Publishing GmbH
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