GLIEDERUNG
I. EINLEITUNG 3
II. IDENTITÄT 4
2.1 Definition: 4
2.2 Ablauf der Identitätsbildung: 4
2.3 Berufsidentität. 6
III. ENTWICKLUNGSKRISEN DES JUGENDALTERS: 8
3.1 Definition: 8
3.2 Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise: 9
3.3 Auswirkungen der Krise auf die Identitätsbildung. 9
IV. PROJEKT: KOOPERATIVE WEGE: 14
V. SCHLUSS. 17
5.1 Zusammenfassung. 17
5.2 Fazit: 17
VI. LITERATURVERZEICHNIS: 19
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I. Einleitung
Arbeit hat in der westlichen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Wer im Besitz einer Arbeitsstelle ist, fühlt sich nützlich, kann Kontakte zu anderen Menschen aufbauen. Gerade für junge Erwachsene ist ein Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle von großer Bedeutung, denn durch sie kann sich die Bildung der eigenen Identität fortsetzen (vgl. Strehmel, Ulich, 1998, S. 1088).
Seit einiger Zeit, so zeigen die Statistiken, steigt aber die Zahl der Arbeitssuchenden Jugendlichen immer mehr an. Das bedeutet, dass ein Übergang vom Schulsystem in das Berufsleben risikoreicher geworden ist. Der Weg in den Erwachsenenstatus wird vielen Jugendlichen verwährt.
Wie sieht die Identitätsbildung aus, wenn sich keine Ausbildungsstelle oder kein Arbeitsplatz finden lässt? Was bedeutet dies für die Jugendlichen? Und wie meistern sie solche Situationen?
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit und ihren Einflussfaktor auf die Identitätsbildung bei jungen, heranwachsenden Menschen. Es wird der Frage nachgegangen, ob die Arbeitslosigkeit die Identitätsbildung beeinflusst. Zu Beginn der Verschriftlichung wird auf die Identität, genauer gesagt auf die Identitätsbildung im Jugendalter eingegangen. Es folgt eine Darstellung der Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit sowie im Kapitel 3.3 eine Ausarbeitung der eingangs gestellten Frage.
Der nächste Abschnitt der Arbeit befasst sich mit einem Projekt, welches vom Bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen initiiert und finanziert wurde. Bei dem Projekt handelt es sich um den Modellversuch „kooperative Wege“, das zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration Jugendlicher und junger Erwachsener beitragen soll.
Die Seminararbeit endet mit einer Zusammenfassung sowie einem Fazit.
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II. Identität
Da der Begriff Identität in den folgenden Kapiteln eine wesentliche Rolle einnimmt, ist es von Nutzen, diesen zu Beginn dieser Seminararbeit zu definieren. Daher folgt nun ein kurzer Abschnitt, der sich eingehend mit der Definition von Identität befasst. Dabei beziehe ich mich unter anderem auf die Erläuterung aus dem psychologischen Wörterbuch Dorsch, welche zu Beginn des Sommersemesters 05 im Seminar Entwicklung von Selbst und Identität vorgestellt wurde.
2.1 Definition:
Die „einzigartige Kombination von persönlichen, unverwechselbaren Daten des Individuums wie Name, Alter, Geschlecht und Beruf, durch welche das Individuum gekennzeichnet ist und sich von allen anderen Personen unterscheiden lässt“ (Oerter, Dreher, 1998, S.346), bezeichnet man als Identität. Enger gefasst, lässt sich Identität als eine eigene Persönlichkeitsstruktur definieren sowie als das Bild das andere von dieser Struktur haben, definieren. Ebenso spielt die Selbsterkenntnis, das eigene Verständnis für die Identität, eine wichtige Rolle (vgl. ebd.).
Somit ist Identität gleichbedeutend mit dem Begriff Selbigkeit. „Die Einheit und letzthinnige Unveränderlichkeit eines „Selben“(Herv. im Orig.) in seinem Selbstsein. Damit ist Identität abgehoben von Gleichheit als Grenzfall der Ähnlichkeit“ zu sehen. „In der Person ist Identität das Fortbestehen eines anschaulich ausgesonderten in Raum und Zeit“ (Kratzer, 2005, S 3).
2.2 Ablauf der Identitätsbildung:
Der Entwicklungsprozess der Bildung einer eigenen Identität, der Ausbildung des privaten und des sozialen Selbst (vgl. Reuthner, 2002, S.25), lässt sich nach Marcia in einen idealtypischen Ablauf, eine theoretische Typologie gliedern.
Marcia, ein Schüler des Entwicklungsforschers Eriksons, griff bei der Entwicklung seiner Methode zur Erfassung der Identität auf das Konzept Eriksons zurück. Er entwickelte einen Fragenkatalog zu unterschiedlichen Themengebieten wie Politik und Gesellschaft und legte diesen verschiedenen Versuchspersonen vor (vgl. Oerter, Dreher, 1998, S. 351ff). Bei der Auswertung der Daten war es dem Wissenschaftler möglich, jedes Individuum einer Kategorie von Identität zu zuordnen. Dabei spielten die Dimensionen Krise, Verpflichtung (Entschiedenheit) und Exploration (Aktivität) eine entscheidende Rolle. Sie kennzeichnen die
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einzelnen Bereiche des Lebens mit denen sich die Jugendlichen auseinander setzen müssen. Je nach Intensität dieser Merkmale konnte das Individuum einer bestimmten Identität zugeordnet werden Es handelt sich dabei um vier verschiedene Arten von Identität,
N die erarbeite Identität.
Diese 4 Typen der Identität werden nun in Anlehnung an Oerter und Dreher (vgl. ebd. ff) kurz skizziert.
Bei der übernommenen Identität gibt es eine klare Verpflichtung gegenüber Werten. Meist stammen die Festlegungen der Werte von den Eltern, die ohne Hinterfragung übernommen wurden. Charakteristisch für eine Person mit einer übernommenen Identität ist ihr ruhiges, unauffälliges und wohlerzogenes Verhalten, das überwiegend nur stereotype Beziehungen eingeht. Das Selbstwertgefühl ist bei diesen Personen vom Geschlecht abhängig. Frauen haben hohes, Männer hingegen ein niedriges Selbstwertgefühl. Moratorium ist gekennzeichnet durch eine gegenwärtige Auseinandersetzung mit Wertefragen. Eine Person die sich in dieser Phase befindet sucht aktiv nach eigenen Werten und Einstellungen. Das Selbstwertgefühl ist somit hoch. Die Person ist in der Lage, eine intensive Beziehung einzugehen, was von ihr auch angestrebt wird. Andere Autoren bezeichnen diesen Identitätsstatus als kritische Identität.
Existieren keine Festlegungen für Werte und sucht man auch nicht nach eigenen Werten so befindet sich der Mensch im Zustand der diffusen Identität. Der Heranwachsende ist desorientiert, ohne Interessen und ohne Entscheidungswillen. Er lebt zurückgezogen, fühlt sich von seinen Eltern nicht verstanden und sucht die Festlegung von Werten bei Gleichaltrigen oder nicht selten bei fremden Autoritäten.
Die letzte Typologie umfasst die erarbeitete Identität. Die Person hat die Wertepositionen selbst ausgewählt und festgelegt. Das Selbstwertgefühl dieses Menschen ist hoch. Er hat einen festen Standpunkt, ist zielstrebig, bestimmt, wirkt ruhig und kann sich ohne Selbstsucht für andere einsetzen.
Die eben beschrieben Typologien der Identität nach Marcia sind rein auf das Subjekt beschränkt. Die Umwelt des Individuums blieb dabei außer Acht (vgl. ebd.). Da aber der
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Mensch in die Umwelt eingebettet ist und von den verschiedenen Systemen, wie Exosystem und Mesosystem, umgeben ist, bedarf es einer Beachtung dieses Feldes. Im folgenden Abschnitt wird ein Blick auf das System Arbeit, genauer gesagt auf den Zusammenhang beruflicher Arbeit und Selbstkonzept, gerichtet.
2.3 Berufsidentität
Schon die Umwelt wirkt prägend auf Kinder ein. Dass Kinder sich über die Wichtigkeit eines Berufes bewusst sind, zeigen uns ihre Spiele und ihre Berufswünsche. „Während Grundschüler Berufe nur nach ausgewählten, besonders schönen oder abstoßenden Eigenschaften beurteilen, orientieren sich Jugendliche nach den Interessen, nach den selbstattribuierten Fähigkeiten und nach den grundsätzlichen Werten, denen ein Beruf dient, um schließlich zu einem realistischen Kompromiss zwischen allen Aspekten zu kommen“ (Flammer, Alsaker, 2001, S. 253). Die Berufswahl entscheidet sich somit nach den Fähigkeiten, Interessen eines Menschen und den auf dem Arbeitsmarkt existierenden Angeboten. Jugendliche versuchen ihre Berufswahl, was sie einmal werden möchten, so zu treffen, wie sie ihrer Annahme nach am authentischsten ist (vgl. Fend, 2003, S. 376). Biographien zeigen, dass differentielle Wege bei der Berufswahl existieren. Um nun einer Person eine Berufsidentität zu schreiben zu können, griff Fend die Typologie der Identität von Marcia auf. Statt 3 Dimensionen, verwendete Fend nur 2 Merkmale. Es handelte sich dabei um die Verpflichtung und Exploration, so dass 4 verschiedene berufliche Identitäten entstanden, die von der Bezeichnung her denen Marcias ähneln. Die folgende Darstellung ist aus Oerter und Dreher (1998, S. 392) entnommen:
1. erarbeitete Identität: hohe Verpflichtung und hohe Exploration (Aktivität) 2. übernommene Identität: niedrige Exploration (Aktivität) und hohe Verpflichtung 3. Moratorium: hohe Exploration und geringe Verpflichtung 4. diffuse Identität: niedrige Exploration und geringe Verpflichtung Jungendliche mit einer erarbeiteten oder einer übernommenen beruflichen Identität haben schon eine Lehrstelle in Aussicht oder schon einen Vertrag unterzeichnet (vgl. ebd.), dagegen sind die im beruflichen Moratorium angesiedelten Jugendlichen bezüglich ihrer beruflichen Zukunft verunsichert. Unschlüssige und nicht motivierte, einen Arbeitsplatz suchende Schüler sind in der diffusen beruflichen Identität anzusiedeln.
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Diese Identitätsunterscheidungen zeigen eine Analogie zur Berufswahl. Wie die Berufswahl, so sind auch die Identitätsunterscheidungen von persönlichen Vorraussetzungen, wie Interessen und Schulleistungen, abhängig (vgl. Flammer, Alsaker, 2001, S. 255). Die berufliche Identitätsfindung ist stark mit der Wahl des Berufes gekoppelt. Bei vielen Jugendlichen, die die Schule im Alter von 16 Jahren verlassen, ist die Identitätsfindung noch im vollen Gange. Oft fällt es ihnen schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden. Hinzukommt, dass viele Schulabgänger Probleme bei der Lehrstellensuche haben. Die wirtschaftliche Lage gestattet es den Jugendlichen kaum noch, bei gefundenem Berufwunsch sich in diesem ausbilden zu lassen, da zu wenige Lehrstellen auf dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen. Die Folge: Schulabgänger, die in die Berufswelt eintreten wollen, befinden sich in der Ausbildungsarbeitslosigkeit und nachfolgend in der Arbeitslosigkeit.
Das nun folgende Kapitel befasst sich mit der Thematik Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise, von der immer mehr Jugendliche betroffen sind.
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III. Entwicklungskrisen des Jugendalters:
Ein wesentliches Element der Lebensphase Jugend ist der Übergang von der Schule in den Beruf. Allerdings ist die Lage vieler Schulabgänger dramatisch, ebenso die Lage der Arbeitssuchenden, da es nicht genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze gibt. Die «Warteschlange» von Jugendlichen, die eine Lehrstelle und einen Arbeitsplatz suchen, ist gegenüber dem Vorjahr anhaltend gleich geblieben. In diesem Abschnitt soll die Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit und deren Auswirkungen näher beleuchtet werden.
3.1 Definition:
Es folgt nun eine kurze Begriffserläuterung von Arbeitslosigkeit und welche Personen als arbeitslos gelten. Dies dient der Vermeidung von Verwirrungen und der Erleichterung des Verstehens der nächsten Abschnitte.
Als Arbeitslosigkeit wird der Zustand bezeichnet, bei dem Erwerbspersonen, ohne Arbeit sind. Man unterscheidet dabei verschiedene Arten von Arbeitslosigkeit, die nun in Anlehnung an Rürup (vgl. Rürup, 1995, S. 20f.) kurz skizziert werden: 1. Friktionelle Arbeitslosigkeit entsteht aufgrund zeitlicher Anpassungsvorgänge am Arbeitsmarkt. Damit ist die Zeitspanne zwischen der alten Arbeit und der neuen Tätigkeit gemeint.
2. Saisonale Arbeitslosigkeit, ist eine jahreszeitliche bedingte Arbeitslosigkeit, die durch schwankende Angebots- und Nachfragebedingungen entsteht. Sie ist unter anderem in der Bauwirtschaft im Winter vorzufinden sowie in der Landwirtschaft. 3. Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit hingegen, ist von wirtschaftlichen Veränderungen beeinflusst.
4. Unter strukturelle Arbeitslosigkeit versteht man eine Arbeitslosigkeit, die durch veränderte Anforderungsprofile ausgelöst wurde. Die veränderten Arbeitsabläufe führen zu Merkmalsdifferenzen zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage oder in einzelnen Branchen zu einer langfristigen Nachfrageschwäche.
Die Bezeichnung arbeitslos umfasst die Personen, die aus ihrer Tätigkeit ausgeschieden sind. Dazu zählen Schulentlassene sowie Nichterwerbstätige, die sich beim Arbeitsamt als suchend melden oder sich um eine Stelle beworben haben (vgl. ebd.).
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3.2 Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise:
Arbeitslosigkeit ist eine Gefahr für die Entwicklung der Identität, genauer gesagt der Berufsidentität. Die Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit hat Auswirkungen auf das Leben und die Lebenspläne einer Person, die von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Oft bleibt das Problem Arbeitslosigkeit als traumatisches Ereignis noch lange im Gedächtnis präsent und stellt für den Betroffenen eine große Herausforderung oder einen Wendepunkt im Leben dar. Formen der Psychopathologie wie zum Beispiel Depressionen, Stress oder Überforderung können als Folge der Umstellung von Lebensplänen auftreten und können eine Identitätsstörung entstehen lassen, eine krankhafte und für das Individuum schädliche Folge nicht bewältigter Krisen (vgl. Montada, 1998, S 62 ff).
Unfreiwillige Arbeitslosigkeit ist besonders für Heranwachsende eine schwere persönliche und soziale Belastung. Es wird den Jugendlichen verwehrt, die berufliche Identität zu erwerben und zu pflegen, die für ihre Entwicklungsaufgabe wichtig ist (vgl Flemmer, Alsaker, 2001, S. 262). Der folgende Abschnitt befasst sich mit Störungen der Berufsidentität, die als Folge von Arbeitslosigkeit entstehen können.
3.3 Auswirkungen der Krise auf die Identitätsbildung
Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die persönliche Entwicklung eines jeden Menschen sind geprägt von ökonomischen und gesellschaftlichen und individuellen Einflüssen. Sie sind somit sehr unterschiedlich in ihrer Art und Intensität. Strehmel und Halsig haben 1988 in ihrem Artikel „Bewältigung von Arbeitslosigkeit. 5 verschiedene entwicklungsfördernde und entwicklungsbehindernde Prozesse zur Arbeitslosigkeit dargestellt, die sie selber entwickelt haben. Diese werden nun im Einzelnen vorgestellt.
1. motivationaler Teufelskreislauf:
Meist ist die Arbeitslosigkeit unverschuldet, daher haben viele Menschen die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, den Eindruck, dass ihre Leistung und ihre Motivation an Arbeit nicht mehr anerkannt werden (vgl. ebd.). Begibt man sich auf die Suche nach einem Arbeitsplatz, so muss man Opfer in Kauf nehmen. Der Betroffene muss sich auf neue Arbeitsmöglichkeiten einstellen, um auf die ausgeschriebene Stelle überhaupt eine Chance zu haben.
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Bei Ablehnung fällt der Arbeitssuchende in eine noch größere Leere, er ist frustriert. Strehmel
2. emotionaler Teufelskreislauf
Dieser Teufelskreislauf ist geprägt von „hohen emotionalen Belastungen …, die oft aktive, planvolle anforderungsbezogene Bewältigungsversuche verhindern“ (Strehmel, Ulich, 1998,
S. 1092). Es kommt zu einer kurzen Stabilisierung, in der der
Arbeitssuchende in der Lage ist zu handeln, allerdings sind diese
Bewältigungsversuche emotional
verankert, so dass sich die objektive Situation dieser Person
verschlimmert kann. Durch die emotionalen
suche wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt. Der Arbeitssuchende verbraucht seine gesamten finanziellen Ersparnisse, und Beziehungen im sozialen Netzwerk werde belastet. Als Folge treten Überforderungsgefühle auf, die die Person sehr stark belasten und erneut in ihrer Fähigkeit zu handeln eingrenzen.
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3. kognitiver Teufelskreislauf:
Dieser Teufelskreislauf ist gekennzeichnet durch einen Kontrollverlust von Erfahrungen, was bewirkt, dass die betroffene Person ihr Leben nicht mehr im Griff hat. Durch die
die durchgeführten Anstrengungen keinen Erfolg gebracht haben (vgl. ebd.). Die betroffene Person fühlt sich geschwächt und ausgeliefert und startet immer weniger Bewältigungsversuche, wodurch sich die Chance auf einen Arbeitsplatz verringert.
4. aktionaler Teufelskreislauf Charakteristisch für den aktionalen
Teufelskreislauf ist die zunehmende
Passivität. Schlagen Bewältigungsversuche, aus der Arbeitslosigkeit zu entkommen, fehl, geben sich die
Betroffenen auf. Die Zahl der Bewerbungen auf einen Arbeitsplatz
nimmt ab, um so Misserfolgen zu auszuweichen. Dieses führt aber
automatisch zu neuen Misserfolgen, da die Chance auf Arbeit sich verringert. Die objektive Situation dieser Menschen verschärft sich zunehmend (vgl. ebd.).
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5. sozialer Teufelskreislauf
sozialer Teufelskreislauf bezeichnet.
Die Darstellung der Teufelskreisläufe soll gezeigt haben, dass die Anfangssituation der Arbeitslosigkeit in eine Phase von „Desinteresse und Orientierungslosigkeit, zu Passivität und Apathie, zur Einschränkung der Handlungsfähigkeit und dem Gefühl eigener Hilflosigkeit und zu sozialer Isolation (ebd, S.1093) führen kann. Oft entwickeln die oben aufgelisteten Prozesse dabei eine Eigendynamik (vgl. ebd.), die die persönliche Entwicklung eines Arbeitslosen so beeinträchtigen, dass eine Integration in die Arbeitswelt erschwert wird. Eine Möglichkeit den Teufelskreisläufen zu entkommen und mit den entstandenen Belastungen umzugehen, ist eine neue Beschäftigung, die den Fähigkeiten und Fertigkeiten dieser Person entspricht (vgl. ebd.). Ebenso sollten soziale Kontakte aufgebaut oder erhalten, persönliche Ziele und ein hohes Maß an Autonomie und Selbstvertrauen gesetzt werden, um mit der unbefriedigende, Situation der Arbeitslosigkeit umgehen zu können. Gerade für junge Menschen, die einen Arbeitsplatz benötigen, um den Erwachsenenstatus zu erlangen, wird dieser Weg verbarrikadiert. Ein stagnierender Arbeitsmarkt, wie er in der Bundesrepublik Deutschland momentan existiert, ist eine bedrohliche Gefahr, in die Arbeitslosigkeit zu entgleisen. Die heutigen Ausbildungs- und Arbeitsmarktchancen führen bei jungen Menschen zu starken Verunsicherungen (vgl. Hurrelmann, 2004, S.90ff.), da der Übergang von der Schule ins Berufsleben nicht mehr gewährleistet ist. Besonders betroffen sind Heranwachsende, die aus den Sonder- und Hauptschulen kommen.
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Um diesen jungen Menschen zu helfen, hat das bayrische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit 1997 ein Projekt initiiert, das Jugendliche und jungen Erwachsenen den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt erleichtern soll. Dieses wird nun im folgenden Kapitel vorgestellt.
Hinweis: Das bayrische Ministerium hat nach dem Modellversuch seine Bezeichnung geändert. Statt bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit, heißt es jetzt bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Der Korrektheit halber wird im Text die alte Bezeichnung verwendet, in der Literaturangabe hingegen die Neue.
Das Gleiche trifft auf die Bezeichnungen Arbeitsamt und Bundesanstalt für Arbeit zu. Um Verwirrungen zu vermeiden, wird auf die neuen Bezeichnungen, Anstalt für Arbeit sowie Bundesagentur für Arbeit, nicht eingegangen.
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IV. Projekt: kooperative Wege:
Der Modellversuch: Kooperative Wege bei der beruflichen und sozialen Integration Jugendlicher und junger Erwachsener wurde 1997 nach 2 jähriger Entwicklungsphase ins Leben gerufen. Das Projekt ging über einen Zeitraum von 3 Jahren. Ziel dieses Projektes war es, in ausgewählten Städten ein „regionales Verbundsystem zwischen Jugendämtern, Arbeitsamt, den berufsbezogenen Jugendhilfe-Einrichtungen (BBJH) und anderen Akteuren zu schaffen, um eine an den individuellen Bedürfnissen orientierte berufliche Förderung benachteiligter junger Menschen zu ermöglichen“ (Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, 2001, S.7). Das heißt, dass zwei Zielsetzungen zugrunde lagen. Die berufliche Förderung benachteiligter Heranwachsender und die Verbesserung der lokalen Kooperation verschiedener Ämter. Damit verfolgte das bayrische Ministerium einen Beschluss des bayrischen Landesjugendhilfeausschusses vom 21.1.1997, der die in einer Broschüre vom Juli 1995 enthaltenen Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeit und der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe aufgriff (vgl. ebd., S.27f). Der Beschluss enthielt detaillierte Vorschläge zur Umsetzung. So sollten „bestehende Kooperationsformen und Gremien genutzt, differenziert und ergänzt werden können“ (ebd., S.29). Dieses hat so nach Meinung von Gmür, Kraus und Straus den Vorteil, dass die Zahl der schon existierenden Arbeitskreise nicht unnötig erhöht, sondern weiterentwickelt und effizient genutzt werden kann (vgl. ebd.).
Nach einer 4-monatigen Anwerberphase im Jahr 1996 wurden vom bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit die Städte Freising, Ingolstadt, München, Nürnberg, Regensburg, Rosenheim und Altötting als Modellstandorte ausgewählt. In allen 7 Standorten lässt sich der Modellversuch in 3 Phasen beschreiben: Phase 1: Bestandsaufnahme Phase 2: Vernetzung Phase 3: Analyse der Finanzstruktur
Zu Beginn des Modellversuchs stand als Zielsetzung, die Kooperation unter den betroffenen lokalen Einrichtungen zu verbessern sowie neue Beziehungen zu gestalten. Dabei orientierte sich die Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Kommune, Arbeitsamt und BBJH-Einrichtungen, zunächst an den vom Bundesministerium entwickelten Leitlinien aus dem Jahr 1995.
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Damit die Arbeitsgruppe effizient und qualifiziert arbeiten konnte, wurden Vereinbarungen für die Zusammenarbeit getroffen und die Modellstandorte analysiert, um zu sehen wo erste Lücken sind. „Je präziser und klarer dieses… ausgeführt wird, desto erfolgreicher kann die Aufgabe, Kooperationsbeziehungen systematisch auszubauen und zu verbessern, wahrgenommen werden“ (ebd., S.32). Ebenso wurde für die Arbeitstreffen ein Plan erarbeitet, der bestimmte Regeln enthielt an die sich die Teilnehmer halten sollten, um den Selbstzweck einer Kommunikation zu verhindern. Auch wurde, wie es zur Methode der Projektarbeit gehört, ein Zeitplan erstellt; ein Ablaufsplan über das gemeinsame Vorgehen in der Arbeitsgruppe.
Da bei den bestehenden Einrichtungen des BBJH keine Statistiken über Angebot und Nachfrage von Beratungen, Projekten und Programmen vorlagen, war es für die Arbeitsgruppe unumgänglich, eine Bestands- und Bedarfsanalyse durchzuführen, wodurch das Defizit behoben werden konnte. Unter einer Bestandsanalyse versteht man die Wiedergabe des Ist- Zustandes, während die Bedarfsanalyse das zu analysieren hat, „was als Zielzustand zu erreichen ist (Soll-Zustand) (Ang. Im Original)“ (ebd., S. 61).
Ergebnisse aus bestimmten Modellprojekten zeigen, wie vielfältig und nützlich die gewonnen Informationen sind. Auswertungen von Fragebögen ermöglichen zum Beispiel eine präzise Antwort auf geschlechtsspezifische Fragen (vgl. ebd. S, 48), wodurch neue Angebote und Projekte im Rahmen des Modellversuches entstehen können
Die letzte Phase des Modellversuches Kooperative Wege befasst sich mit der Finanzierungsstruktur. Da die bestehenden Einrichtungen meistens „projektfinanziert“ werden, ist die Planung von Projekten immer mit Unsicherheit verbunden und der Verwaltungsakt sehr zeitaufwendig. Die Arbeitsgruppe versucht hier einzugreifen und neue Methoden der Finanzierung zu entwickeln, was dazu geführt hat, dass die Kommune und das Arbeitsamt gemeinsam die Verantwortung für die Finanzierung übernommen haben. „Die Budgets der Zuwender bleiben getrennt, aber das Ziel, Einrichtungen der BBJH zu erhalten bzw. ausreichend auszustatten, wird mehr als bisher zu einem gemeinsamen Interesse (ebd. S.11).
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Neben dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch haben die Ergebnisse nach Abschluss des Projektes in allen drei Bereichen positiven Nutzen gebracht. Folgende Ziele konnten auf den unterschiedlichsten Ebenen erreicht werden:
Die Ergebnisse des Modellversuches „kooperative Wege“ sind ein erster Schritt, Jugendliche und junge Erwachsene in die Berufswelt zu integrieren. Dennoch ist eine Integration erst dann gewährleistet, wenn die Heranwachsenden auch einen Ausbildungs- oder einen Arbeitsplatz bekommen. Beides dürfte aufgrund der heutigen wirtschaftlichen Lage nicht einfach zu erreichen sein. Finden Jugendliche trotz der Teilnahme an Förderungsprogrammen keinen Platz in der Arbeitswelt, drohen sie erneut in die Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit zu entgleisen, die noch härter und schwieriger zu bewältigen sein wird. All ihre Hoffnungen, die die Jugendlichen in das Programm gesteckt haben, werden zunichte gemacht. Oft wird dabei auch der Glaube an die eigene Person angezweifelt. Das Selbstbild ist zerstört und die Identität in einer schweren Krise, die nur mit einem Arbeitsplatz zu retten scheint.
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V. Schluss
5.1 Zusammenfassung
Die vorliegende Seminararbeit befasste sich mit dem aktuellen Thema Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise. Es sollte herausgearbeitet werden, ob die Arbeitslosigkeit von der immer mehr Jugendliche betroffen sind, die Identitätsbildung, genauer gesagt die berufliche Identitätsbildung beeinflusst. Dazu wurde zu Beginn der Verschriftlichung auf die Thematik Identität sowie auf die Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit im Jugendalter eingegangen. Es folgte eine Darstellung der Auswirkungen der Krise Arbeitslosigkeit bezüglich der Identitätsbildung, die gezeigt haben soll, dass Arbeitslosigkeit als eine Entwicklungskrise bezeichnet werden kann und einen hohen Einfluss auf die berufliche Identität eines heranwachsenden Menschen hat.
Anschließend wurde ein Modellversuch des bayrischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen vorgestellt, der die berufliche und soziale Integration von Jugendlichen und jungen Erwachsenen versucht zu erreichen.
5.2 Fazit:
Arbeit hat sowohl gesellschaftlich als auch individuell einen hohen Stellenwert. Sie ist ein wichtiges Kriterium für die Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung eines jungen Menschen (vgl. Strehmel, Ulich, 1998, S.1088).
Immer mehr Heranwachsende haben aufgrund von Arbeitslosigkeit das Gefühl bekommen, dass man sie nicht braucht. Aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit ist ihre berufliche Zukunft diffus geworden, was sich auch in ihrer beruflichen Identität widerspiegelt, denn sie bleibt unbestimmt. Dies gilt umso mehr, wenn während der Arbeitslosigkeit die beruflichen und sozialen Fähigkeiten unangetastet bleiben und dahinsiechen. Menschen, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, empfinden die nun zu Verfügung stehende Zeit nicht als Freizeit, denn mit dem Zerfall der Zeitstrukturen geht die Verortung der freien Zeit verloren; Gefühle der Hilflosigkeit sogar in der Alltagsbewältigung sowie depressive Tendenzen können die Folge sein (vgl. Flammer; Alsaker, 2001, S.263).
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Die von der Bundesrepublik Deutschland initiierten Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme wie der vom bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Gesundheit gestartete Modellversuch „Kooperative Wege bei der beruflichen und sozialen Integration Jugendlicher und junger Erwachsener, sind Schritte in die richtige Richtung.
Dennoch, so zeigen die Arbeitslosenstatistiken der Bundesagentur für Arbeit, können trotz Jugendarbeitslosigkeitspolitik der einzelnen Länderregierungen nicht „alle Probleme der Arbeitslosigkeit Jugendlicher und junger Erwachsener … gelöst“ (Richter, Sardei-Biermann, 2000, S. 26) werden. Die Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise bleibt bestehen.
So bleibt nur zu hoffen, dass trotz schwacher Wirtschaftslage Jugendliche und junge Erwachsene eine Ausbildung und eine Beschäftigung finden, damit sie ihre berufliche Identität weiter entwickeln können und nicht in die Entwicklungskrise Arbeitslosigkeit verfallen und aus dem Teufelskreislauf nicht mehr herauskommen.
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VI. Literaturverzeichnis:
Bayrisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen (Hrsg.) (2001): Kooperative Wege bei der beruflichen und sozialen Integration Jugendlicher und junger Erwachsener. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung. München
Flammer, A; Alsaker, F. D. (2001): Entwicklungspsychologie der Adoleszenz. Die Erschließung innerer und äußere Welten im Jugendalter. Bern
Fend, Helmut (2003):Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Ein Lehrbuch für pädagogische und psychologische Berufe. 3. durchgesehene Auflage. Stuttgart
Hurrelmann, Klaus (2004): Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. 7. vollständig überarbeitete Auflage. Weinheim und München Kratzer, Silvia (2005): Einführung. Seminarunterlagen zum Seminar Entwicklung von Selbst und Identität.
Oerter, Rolf; Dreher, Eva (1998): Jugendalter. In: In: Oerter, Rolf; Montada, Leo (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. 4. Auflage. Weinheim. S. 310-395 Reuthner, Stephan (2002): Grundwissen Psychologie. Pocket Thema. Berlin Richter, Ingo; Sardei-Biermann, Sabine (2000): Jugendarbeitslosigkeit. Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme in Europa. Hemsbach Rürup, Bert (1995): Fischer Wirtschaftslexikon. Frankfurt am Main
Strehmel, Petra; Halsig, N. (1988): Bewältigung von Arbeitslosigkeit. In: Brüderl, L. (Hrsg.): Belastende Lebenssituationen. Untersuchungen zur Bewältigung s- und Entwicklungsforschung. Weinheim und München. S. 57-75
Strehmel, Petra, Ulich, Dieter (1998): Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise im frühen und mittleren Erwachsenenalter. In: Oerter, Rolf; Montada, Leo (Hrsg.): Entwicklungspsychologie. Ein Lehrbuch. 4. Auflage. Weinheim. S. 1088-1093.
19
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Valerie Berner, 2005, Arbeitslosigkeit als Entwicklungskrise - Beeinflusst die Arbeitslosigkeit die Identitätsbildung im Jugendalter?, München, GRIN Verlag GmbH
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