Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2 Beschreibung der Institution 5
2.1 Lage und Räumlichkeiten. 5
2.2 Aufgaben und Ziele der Einrichtung. 6
2.3 Zielgruppen - Klientel 7
2.4 Personalstrukturen. 8
3. Beschreibung von Tätigkeiten und institutionellen Abläufen. 10
3.1 Mein täglicher Aufgabenbereich. 10
3.2 Projektarbeit und Workshops 11
3.3 Dienst- und Teamberatung 11
3.4 Ende des Praktikums 12
4. Beschreibung und kritische Reflektion eines Problembereiches aus der Praxis und die
daraus resultierenden Erwartungen an das Studium 13
4.1 Beispiel. 13
4.2 Reflexion und Erwartung 15
5. Reflektion der eigenen Rolle während der Praxis 16
5.1 Erfahrungen mit dem Klientel. 16
5.2 Erfahrungen mit den Mitarbeitern. 17
6. Zusammenfassende Abschlussreflektion 18
1. Einleitung
Zurzeit bin ich im 1. Semester des Bachelorstudiengangs für Soziale Arbeit. Dieser reflektierte Praxisbericht umfasst eine kurze Darstellung meines Vorpraktikums im Jugendfreizeithaus (JFZH), das ich von August 2004 bis November 2005 absolvierte. Das Einleitungsschreiben möchte ich gerne dazu nutzten, um den Aufbau dieser Arbeit zu erläutern. Es handelt sich um eine Gliederung, die sechs Themenschwerpunkte beinhaltet und sich thematisch explizit mit Selbstreflexion während der Praktikumsphase befasst. Im unten Teil der Einleitung wird zunächst die Frage nach der Motivation und der ersten Kontaktherstellung beschrieben, welche ich als sehr kennzeichnend empfinde, da es meine ersten Eindrücke der Einrichtung schildert.
Das nächste Kapitel liefert eine allgemeine Beschreibung der Einrichtung, dazu gehören eine Beschreibung der Lage und Räumlichkeiten, Aufgaben und Zielgruppe sowie die Personalstrukturen werden näher erläutert. Hierbei soll nur ein Eindruck davon vermittelt werden, unter welchen Bedingungen mein Praktikum absolviert wurde. Danach erfolgt eine längere Ausführung meiner Tätigkeiten während dieser Zeit und bestimmte institutionelle Abläufe werden beschrieben und näher erläutert.
Im weiteren Verlauf der Arbeit werden insbesondere eigene Grenzerfahrungen, deren Bedeutung für mein Studium und meine berufliche Entwicklung einen großen Teil der Überlegungen einnehmen. Aber auch meine Fremd- und Selbstwahrnehmung wird erläutert, um reflektierend auf meine Rolle als Praktikantin einzugehen. Meine Arbeit endet mit einer zusammenfassenden Abschlussreflexion.
Vor Ihnen liegt ein reflektierter Praxisbericht über mein Vorpraktikum im Jugendfreizeithaus Blankenfelde, das ich vom 11.08.04 bis 23.07.05 absolvierte. Darüber hinaus war ich als Honorarkraft für vier weitere Monate in dieser Einrichtung angestellt. Schon bevor ich mich am Oberstufenzentrum Luckenwalde für die Abschlussrichtung der Fachhochschulreife für Sozialwesen bewarb, bemühte ich mich um einen geeigneten Praktikumsplatz. Da ich schon Erfahrungen im Umgang mit kleinen Kindern im Kindergarten sammeln konnte und mir diese Arbeit nicht zusagte, beschloss ich mich bei einem Jugendclub als Praktikantin zu bewerben. Außerdem gab es in meiner Umgebung vier Jugendclubs, daher entschied ich mich für das Jugendfreizeithaus. Der Grund für diese Wahl ist mein Bezug zu dieser Einrichtung.
Schon als 12-jähriges Kind war ich Besucher und habe deshalb viele positive Erinnerungen daran. Außerdem lag der Jugendclub angrenzend an mein Wohngebiet. Ein weiteres Motiv für die Wahl eines Jugendclubs war, dass ich mir mehr Freiheit in der Gestaltung des Tagesablaufes erhoffte und somit auch mehr Eigeninitiative und Selbstständigkeit im Umgang mit den Jugendlichen, im Vergleich zu dem, was ich im Kindergarten erlebt hatte. Die erste Kontaktherstellung entstand durch ein unverbindliches Gespräch mit dem damaligen Leiter der Einrichtung. Ich erzählte ihm kurz mein Anliegen und daraus entwickelte sich eine längere Unterhaltung über verschiedene Thematiken. Er nahm sich viel Zeit, um mir all meine Fragen zu beantworten, die sich zum einen um die Arbeit mit den Jugendlichen drehten (Angebote, laufende Projekte usw.) und zum anderen um sein absolviertes Studium der Sozialpädagogik. Schon damals wusste ich, dass ich auch studieren wollte und hatte viele Fragen über die Inhalte des Studiums. Nach diesem Gespräch fühlte ich mich sicher in meiner Entscheidung das Jugendfreizeithaus gewählt zu haben und nicht einen anderen Jugendclub. Der damalige Leiter stellte mir noch ein Schreiben aus, in dem hervorging, dass ich im Jugendclub mein Praktikum absolvieren kann. Dieses legte ich der Bewerbung an das Oberstufenzentrum bei.
Schon bald folgten die Zusage der Schule und ein auszufüllender Praktikumsvertrag, in dem die Schule mein Praktikum noch ein weiteres Mal bestätigt haben wollten. Daraufhin besuchte ich den Jugendclub erneut, doch der damalige Leiter hatte seine Arbeitsstelle gekündigt und arbeitete nun andernorts. Die neue Leiterin fand jedoch keine Aktennotiz oder andere Hinweise auf mein kurz bevorstehendes Praktikum, willigte dann aber trotzdem ein, mich als Praktikantin für ein Jahr zu begleiten.
2 Beschreibung der Institution
Bereits seit 1949 ist das Haus eine soziale Einrichtung. Im Herbst 1990 wurde durch die Gemeinde Blankenfelde die Einrichtung als Jugendclub genutzt. Sie befand sich in der Trägerschaft des Amtes und wurde zum Kinderfreizeithaus benannt. Mit dem Wechsel des Trägers 2003 zum Förderverein „Freunde der Herbert Tschäpe Schulen Mahlow e.V.“ fand auch ein Klientelwechsel statt und damit verbunden auch eine Namensneugebung in Jugendfreizeithaus Blankenfelde, welche dann im September 2004 erfolgte.
2.1 Lage und Räumlichkeiten
Das Haus liegt am Rande eines Wohngebietes in Blankenfelde, von welchem das Hauptklientel der Einrichtung stammen. Schräg gegenüber befindet sich eine Bowlingbahn in der gemeinsam mit den Jugendlichen einige Male gebowlt wurde, während meiner Praktikumszeit. Dahinter liegt die Grundschule II Blankenfelde, wovon nur ein geringer Teil der Besucher kommen. Die nah angrenzende Turnhalle bietet Platz sich körperlich zu betätigen und z.T. auch die Aggressionen mancher Jugendlicher abzubauen. Daneben befindet sich ein größeres Waldstück, in dem sich die Kinder und Jugendlichen oft vor den regulären Öffnungszeiten aufhalten. Gleich vor dem Haus ist eine Bushaltestelle, die einige Jugendlichen nutzen, um unsere Einrichtung zu erreichen, da sie aus anderen anliegenden Orten kommen.
Das Haus teilt das 1600 qm große Grundstück zum einen in den Minifußballplatz und den Volleyballplatz und zum anderen in den Obstbaumgarten mit Schaukel, Basketballkorb, Tischtennisplatte und Gartenpavillon. Eine 75 qm große Terrasse befindet sich direkt am Haus, welche als Bühne sowohl für eigene Darbietungen als auch für Gastspiele dient. Der Minifußballplatz und der Volleyballplatz müssen erst neu angelegt werden, da sie bei den Sanierungsmaßnahmen am Haus 2003 unbenutzbar geworden sind.
Die Räume des JFZHes (140qm) verteilen sich auf drei Etagen. Sie werden grundsätzlich mit den Jugendlichen gemeinsam gestaltet und eingerichtet. Einige Räume im Haus, wie die Küche, der Computerraum, der Videoraum und die Werkstatt sind nur für bestimmte Aktionen ausgestattet.
Die eigentlichen Räume, wie der Aufenthaltsraum im Erdgeschoss und der Musik- und Tanzraum mit Tischtennisplatte in der 1. Etage, können immer wieder verändert und der Situation entsprechend genutzt werden. Insgesamt verfügt das Haus über 15 Räume, davon werden aber nicht alle aktiv von den Kindern und Jugendlichen genutzt.
2.2 Aufgaben und Ziele der Einrichtung
Das Jugendfreizeithaus hat unter dem Aspekt der Jugendarbeit verschiedene Aufgaben. Zum allgemeinen pädagogischen Auftrag zählt es, den Jugendlichen einen Raum für Eigenerfahrungen zu schaffen und Anregungen zur Eigenverantwortlichkeit zu geben, sowie die gesellschaftliche Mitverantwortung weiter zu entwickeln und zu fördern. Als prävalente - sozialpädagogische Zielvorstellung gilt es, die Persönlichkeit des Klienten weiter zu entwickeln und zu stärken. Weiterhin ist die eigene Positionsfindung in der Gesellschaft und die Entwicklung neuer Entscheidungsmöglichkeiten, sowie die Förderung der Selbstsicherheit, ein wichtiger Punkt in der Aufgabenstellung der Jugendarbeit. Unter dem Aspekt des situativen Lebenskontextes sollen die Benachteiligungen zwischen den Geschlechtern abgebaut und eine Gleichberechtigung gefördert werden. Eine weitere Aufgabe umfasst Präventionsmaßnahmen bezüglich Drogenmissbrauch, Gewalt und Kriminalität. Aber auch das Erlernen von demokratischen Strukturen durch die Förderung von sozialem Engagement, ist ein wichtiger Aspekt der Jugendarbeit. Ziele der Einrichtung basieren auf dem Kinder- und Jugendhilfegesetz §11 SGB VIII, demnach sollen Selbstständigkeit, Sozialverhalten, Kritik- und Konfliktfähigkeit und die (Frustrations-) Toleranz gestärkt und gefördert werden. Die Schaffung von Lebens-, Experimentier- und Freiräumen wird als ein Ausgangspunkt der Jugendarbeit im Jugendfreizeithaus angesehen, was durch gemeinschaftliche Projekte, welche durch gemeinsame Erlebnisse und Auseinandersetzungen geprägt ist, verwirklicht werden soll.
Diese Institution umfasst mehrere Arbeitsschwerpunkte der Jugendarbeit. Überwiegend wird die offene Treffpunktarbeit, das ein niedrigschwelliges Angebot ist, offeriert. Hierbei handelt es sich vor allem um außerschulische Bildung mit dem Ziel, die Gruppenfähigkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter zu entwickeln und zu fördern. Besonders sportliche Wettkämpfe und kleinere Spiele übernahmen einen großen Teil der sozialpädagogischen Arbeit und dienten als integrativer Bestandteil, um eine Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Altersstufen zu ermöglichen. Aufgabe ist eine Kontaktplattform zwischen den Jugendlichen und den Mitarbeitern zu schaffen, was durch die offenen Angebote, welche
jeder Zeit genutzt werden können, realisiert wurde. Ohne jegliche finanzielle Belastung können die Kinder und Jugendlichen ihre Freizeit nach ihren Bedürfnissen gestalten und haben Raum, um sich zurückzuziehen oder mit Gleichaltrigen zusammen zu kommen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit im Jugendfreizeithaus ist die Beratung. Dieses Angebot der MitarbeiterInnen umfasst die Betreuung der Jugendlichen, das heißt für sie da zu sein, um ihnen zuzuhören, mit ihnen über ihre Probleme zu sprechen und sie im Bedarfsfall auch weiterzuvermitteln. Diese gezielte Gesprächsführung soll dem Klienten die verschiedenen Lösungsvarianten für sein Problem bzw. seinen Konflikt aufzeigen. Ziel ist es, den Jugendlichen so in seiner Persönlichkeit zu stärken, dass er unabhängig von anderen Personen seine Meinung bildet und diese auch vertritt. Aber auch das Ertragen bzw. Aufzeigen von Konsequenzen seiner Handlungen beinhaltet diese Art von Beratung. Zu den allgemeinen Handlungszielen gehört es, ständige Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, ggf. eine Weitervermittlung zu anderen Diensten zu gestalten und eine bestimmte Art von Empathie gegenüber dem Klienten aus zu drücken. Im konzeptionellen Zusammenhang wird vor allem die Mädchenarbeit in den Vordergrund gestellt. Ziel dieser Arbeit ist geschlechtsspezifische Angebote zu schaffen, wodurch die Mädchen ein positives Selbstbild erfahren sollen. Ihre Fähigkeiten und Stärken kennen lernen und weiter zu entwickeln, sowie die Förderung der weiblichen Emanzipation sind ebenfalls wichtige Aspekte dieses Konzepts.
2.3 Zielgruppen - Klientel
Das Jugendfreizeithaus besuchen Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 21 Jahren. Die pädagogische Arbeit richtet sich an junge Menschen, die Angebote aus der offenen Jugendarbeit annehmen und einfordern oder die zur Inanspruchnahme solcher Angebote motiviert werden sollen. Die Jugendlichen sind meist unter ungünstigen Sozialisationsbedingungen aufgewachsen und sind auch nicht in anderen Arbeitsgruppen oder in Sportvereinen organisiert.
Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche, die größtenteils aus sozial schwachen Familien kommen, dies ergibt sich auch aus dem Standort des Hauses, welches an einer hauptsächlich von finanziell schlechter gestellten Menschen bewohnten Siedlung, liegt. Die Familienstrukturen der Jugendlichen bestehen häufig aus „Patchworkfamilien“ oder sie leben bei ihren allein erziehenden Müttern oder Vätern.
Zurzeit besuchen vorwiegend männliche Jugendliche die Einrichtung. Grundsätzlich ist die Einrichtung für alle Jugendlichen offen, so treffen sich hier auch jüngere Besucher (Altersspanne: 8 - 11 Jahre) um ihre Freizeit zu verbringen. Daraus ergibt sich, dass im Moment (Stand April 2005) das Haus von drei verschieden Kerngruppen besucht wird. Diese haben unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse und verfolgen meist in der Gruppe vorherrschende ähnliche Ziele. Fast alle gehen noch zur Schule, einige sind in der 10. Klasse, wenige konnten bereits eine Ausbildung beginnen oder hatten weniger Glück und sind ausbildungssuchend bzw. erwerbslos.
Die derzeitigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen haben eine starke Auswirkung auf die Lebenslage und die Chancen von Kindern und Jugendlichen. Ausbildungs- und Arbeitsmarktkrise sind für viele Jugendliche und deren Eltern eine reale Bedrohung, welche sie ständig im Alltag begleitet. Dieser permanente Druck führt zu starken Belastungen für die Kinder und Jugendlichen. Das alles spiegelt sich im Verhalten der BesucherInnen der Einrichtung wieder. Frustration, mangelndes Selbstvertrauen und Perspektivlosigkeit sind Begleiterscheinungen der Arbeit in diesem Haus.
2.4 Personalstrukturen
Konzeptionell ist es vom Träger des Jugendfreizeithauses angedacht zwei fest angestellte Fachkräfte (Diplom-Sozialpädagogen), unterstützt durch zwei fest angestellte Hilfskräfte (FSJler, Praktikanten), in der Einrichtung zu beschäftigen, dabei übernimmt eine Fachkraft die Funktion des Objektleiters und die Verantwortung für die Einrichtung. Das Ziel, zwei Fachkräfte zur Verfügung zu haben, konnte bis heute nicht umgesetzt werden, weil es einfach nicht finanzierbar ist.
Das Jugendfreizeithaus verfügt über eine ausgebildete Diplom-Sozialpädagogin, sowie drei Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres. Doch während des Verlaufs meines Praktikums endete im März das Freiwillige Soziale Jahr einer Mitarbeiterin, die Objektleiterin wurde krank und arbeitete in dieser Einrichtung ab Januar nicht mehr. So kam es zu einer Personalkonstellation von zwei Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres und einer Praktikantin. Aufgrund fehlender Objektleitung bekam das Mitarbeiterteam eine vorübergehende Leitung gestellt, welche aus einem anderen Jugendclub kam bzw. das Haus im ca. 14-tätig Abstand besuchte, um sich nach wichtigen Ereignissen zu erkundigen. Jedoch hatte man jederzeit die Möglichkeit sich telefonisch zu melden, um bestimmte Vorkommnisse zu melden oder einfach um Rat zu fragen.
Im Mai 2005 wurde dann eine neue Mitarbeiterin eingestellt, welche zu diesem Zeitpunkt Studentin des 3. Semesters der Geschichte und Germanistik war und keine fachliche Qualifikation hatte.
3. Beschreibung von Tätigkeiten und institutionellen Abläufen
Mein Aufgabenbereich umfasste zunächst nur kleinere Arbeiten, welche sich aber im Laufe meiner Praktikumszeit erhöhen sollten. Meine Tätigkeiten beschränkten sich am Anfang auf das Kaffeekochen, das Entfernen der Sicherungsstangen der Fenster und das anschließende Lüften. Bevor der reguläre Betrieb begann, nutzte meine damalige Anleiterin die Zeit, um Büroarbeit zu erledigen. Während sie das tat, absolvierte ich die oben genannten Aufgaben, erstellte eine neue Besucherliste und machte die Abrechnung der Kantine. Diese Tätigkeiten sollten eigentlich auf alle Mitarbeiter verteilt sein, sodass jeder eine Woche lang einen bestimmten Dienst zu erledigen hatte. Dies funktionierte jedoch nicht lange, da zum einen diese Aufgaben innerhalb einer halben Stunde erledigt waren und zum anderen sich die männlichen FSJler nicht besonders um diese Arbeiten bemühten. Daher erledigten die FSJlerin und ich zusammen diese Aufgaben. Dann begann der eigentliche Hausbetrieb in dem ich mich hauptsächlich um die Kantine kümmerte, das heißt, dass ich Essen und Trinken für die Kinder und Jugendlichen verkaufte, um anschließend die Küche wieder zu säubern.
3.1 Mein täglicher Aufgabenbereich
Schon zu Beginn des Praktikums versuchte ich mich aktiv in den offenen Treffpunktbereich zu integrieren, mich unabhängig und autonom von der Leiterin, dem Klientel vorzustellen und mit ihnen zu arbeiten. Dies gelang mir hauptsächlich durch kleinere Spielchen (Karten, Billard, Stadt-Land-Fluss, Gesellschaftsspiele etc.) und das führen der Besucherliste, mit deren Hilfe ich schnell Name und Alter der Kinder und Jugendliche lernte und immer einen aktuellen Überblick der vorhanden Klientel hatte, um entsprechend Aufgabenschwerpunkte setzten zu können. Der Großteil unseres Klientels bestand zumeist aus männliche Jugendlichen, welche ständig versuchten ihre Grenzen bei mir auszutesten. Dieses Verhalten war nicht nur mir gegenüber zu beobachten, alle Mitarbeiter insbesondere die Objektleiterin, hatten sich mit diesen Verhaltensweise der Jugendlichen auseinander zusetzen. Besonders hervorzuheben ist dieses Verhalten, da es sich bis zum Ende meiner Praktikumszeit hinzog und auch später noch, als ich bereits als angestellte Honorarkraft tätig war, weiter auftrat.
3.2 Projektarbeit und Workshops
Nach einigen Wochen wurde ich mit Projektarbeit und Workshops vertraut gemacht und konnte mich in anlaufenden Projekten integrieren. Dabei lernte ich Projektbeschreibungen anzufertigen, Aushänge zu gestallten, um Jugendlichen auf diese Projekte aufmerksam zu machen, Teilnehmerlisten zu erstellen, damit sie an den Projekten teilnehmen konnten, Finanzanträge und deren Abrechnung zu bearbeiten, sowie Nachbetrachtungen zu verfassen. Nach einiger Zeit durfte ich auch eigenständig Projekte und Veranstaltungen planen und durchführen. Ein weiterer Aufgabenbereich, in den ich integriert wurde, war die Öffentlichkeitsarbeit, in der, meist zusammen im Team oder auch nur zwei Mitarbeiter, ein Zeitungsartikel verfasst und anschließend bei der regionalen Zeitung eingesendet wurde. Dies war oft sehr mühselig und aufwendig, vor allem war wichtig die richtigen Worte zu finden, da diese Veröffentlichungen auch immer dazu dienten neue Besucher in das Haus „zu locken“. Neue Projektideen und die gesamte Öffentlichkeitsarbeit wurden in einer monatlich stattfindenden Dienstberatung besprochen und abgesegnet.
3.3 Dienst- und Teamberatung
In einer Dienstberatung wurden, neben Projektideen und Öffentlichkeitsarbeit, auch der weitere Verlauf der Einrichtung im kommenden Monat erarbeitet und alle anstehenden Aufgaben einem Mitarbeiter zugeteilt, der zuvor erstellte Dienstplan wurde besprochen und gegebenenfalls geändert bzw. mit den Wünschen der Mitarbeiter abgeglichen. Natürlich wurden auch über Probleme oder Konflikte mit den Jugendlichen gesprochen und versucht eine Lösung zu finden. Über den Verlauf und die Ergebnisse der Sitzung musste ein Protokoll angefertigt werden, welches dem Vorstand des Trägers zugeschickt wurde. Dies gehörte auch einige Male zu meinen Aufgaben. Des Weiteren gab es noch eine vierteljährliche stattfindende Teamberatung, welche einrichtungsübergreifend, in Anwesenheit eines Vorstandsmitgliedes, durchgeführt wurde. In dieser Besprechung wurden unter anderem einrichtungsübergreifende Projekte besprochen oder Team interne Konflikte durch außenstehende Personen gelöst. Leider konnte ich während meiner ganzen Praktikumszeit nur einmal an einer Teamberatung teilnehmen, da diese Veranstaltung immer Dienstagvormittag stattfand und ich in diesem Zeitraum in der Schule war.
3.4 Ende des Praktikums
Gegen Ende meines Praktikums erhöhte sich mein Aufgabenfeld gravierend. Unsere Objektleiterin wurde krank und es stand nicht fest, wann und ob sie überhaupt wieder kommen würde, dadurch mussten die FSJlerin und ich den Großteil der Büroarbeit übernehmen. Zusammen erstellten wir Dienstpläne und versuchten dabei nach bestem Wissen die Einrichtung weiterhin offen zu halten, sowie auch einzelne Projekte umzusetzen. Für alle Mitarbeiter war dies keine leichte Zeit, zumal ausgerechnet bei einer Mitarbeiterin das Freiwillige Soziale Jahr endete, welche die meisten Erfahrungen in dem Bereich hatte. Doch schon kurz nach ihrem beendeten FSJ, bekam unser Team Verstärkung durch eine Studentin. Allerdings entsprach das nicht den Wünschen des Teams, nach einer fachlich qualifizierten Sozialpädagogin. Daher führte dieser Umstand wieder zu einer Erweiterung meines Aufgabenbereichs. Neben den Büroarbeiten, verbrachte ich nun meine Zeit mit der Einarbeitung der neuen Mitarbeiterin. Zuvor hatte ich schon des Öfteren Gelegenheit gehabt einen Schülerpraktikanten, der für zwei Wochen bei uns war, einzuarbeiten, aber dies war meist eher oberflächlich und befasste sich mit den grundlegenden Tätigkeiten der Sozialen Arbeit im Jugendclub.
Als ich in die 12. Klasse kam, merkte ich, dass ich an meine Grenzen gekommen war, denn ich arbeitete jeden Freitag und Samstag und darüber hinaus vier Stunden am Mittwoch, obwohl ich jeden Tag noch zu Schule musste. Daher beschloss ich Ende November, trotz Unwillen aller Kollegen, meine Arbeit im JFZH zu beenden. Meine Entscheidung begründet ich mit fehlender Freizeit und dem mangelndem aktiven Jugendclubleben, an dem ich gerne Teilnehmen wollte, weiterhin übernahm zu diesem Zeitpunkt eine neue Leiterin die Einrichtung, wodurch meine Hilfe nicht mehr von Nöten war.
4. Beschreibung und kritische Reflektion eines Problembereiches aus der Praxis und die daraus resultierenden Erwartungen an das Studium
Eine bedeutsame Problemstallung in meinem Arbeitsfeld stellte für mich die Gewalt- und Aggressionsbereitschaft der Jugendlichen dar. Der Alltag in meinem Jugendclub war oft von mutwilliger Zerstörung der Einrichtungsgegenstände und permanentem Anbrüllen, in einem Jargon der fern jedem angemessenem Sprachgebrauch war, geprägt. Es kamen häufig hasserfüllte Worte, wie „Fick doch deine Mutter. Sie ist eine Hure“, „Halt die Fresse, du Schlampe“ oder „Du alte Fotze, halt´s Maul“. Solche Beschimpfungen waren nicht nur untereinander Normalität, sondern manchmal auch gegenüber Mitarbeitern. Oft haben wir versucht mit den Provokateuren in normalem Ton zu sprechen und zu vermitteln, dass wir nicht so angesprochen werden wollen. Sehr sachlich wurde immer wieder dargelegt, dass so etwas zu weit geht und wir zwar den Umgangston unter den Jugendlichen akzeptieren, aber wir nicht auf dieser Ebene mit ihnen ein Gespräch führen wollen. Meist sollte es nur ein Scherz sein, so argumentierten die Jugendlichen, doch oft war mit nicht klar (besonders am Anfang), ob es sich nur um ein scherzhaftes Anschreien handelte oder es schon ein ernstzunehmender Streit war, der drohte auszuarten.
4.1 Beispiel
Um eine solche Situation zu verdeutlichen, möchte ich eins meiner negativsten Erlebnisse schildern, in dem ich an meine Grenzen, sowohl körperlich als auch psychisch, gestoßen bin. Es handelte sich um einen ganz normalen Cluballtag mit kleineren Streitereien. Ich ging meine übliche Runde durch das Haus und war an diesem Tage auch allein, wobei man schnell den Überblick verliert und nicht überall seine Augen haben kann. An diesem Tag befasste ich mich gerade mit einem Jugendlichen im Büro und half ihm bei den Hausaufgaben. Plötzlich krachte und knallte es im Erdgeschoss. Ich ging hinunter um zu sehen, was passiert war. Dort erblickte ich vier grinsende Jugendliche, die wieder einmal alle Mülleimer auf dem Boden entleert hatten und diese Eimer als Fußball nutzen. Empört über die Situation nahm ich mir den üblich verdächtigen Jugendlichen S., der für fast alle Taten, welche in dieser Gruppenkonstellation zustande kamen, verantwortlich war, zur Seite in einen Nebenraum und stellte mich vor die Tür. Man könnte auch sagen, dass er der Anführer dieser Clique war. Ich
stand vor der Tür, hielt sie mit einem Bein geschlossen und wollte eine Aussprache mit ihm. Plötzlich verspürte ich einen heftigen Druck an der Tür, jemand wollte herein, ich versperrte sie weiter und versuchte mit meinem Gegenüber zu diskutieren. Doch schon bald konnte ich dem Druck nichts mehr entgegensetzen. Als sich die Tür öffnete stand ein FSJler, der nicht im Dienst war, in der Tür und ich meinte zu ihm, dass ich gerade keine Zeit habe, um mit ihm zu sprechen. Ich verschloss die Tür wieder und widmete mich dem Jugendlichen. Plötzlich, einer intuitiven Eingebung folgend, öffnete ich die Tür und was ich sah, war mir unbegreiflich. Der FSJler und der Jugendliche P. hatten sich in eine heftige Schlägerei verwickelt. Ich sprang dazwischen und brüllte sie beide an, dass sie aufhören sollten, was dann auch geschah. Ich wusste in meiner Not nicht anders zu tun: Ich gab dem Jugendlichen P. Hausverbot, verwies ihn aus dem Haus und der FSJler blieb drin. Der Jugendliche P. wollte aber nicht gehen und blieb hartnäckig im Haus. Ich sprach mit ihm zunächst noch ganz ruhig und meinte, dass er die Regeln kenne, demzufolge auch wüsste, dass er gehen muss. Er ging hinaus auf den Vorplatz des Hauses, verstand jedoch meine Reaktion nicht. Normalerweise frage ich, was passiert sei und versuche die Situation aufzulösen, bevor ich Hausverbot gebe, aber ich war selbst noch zu aufgeregt.
Vor dem Haus kam es dann zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen mir und dem Jugendlichen P.. Ich hatte Angst, da P. mir körperlich absolut überlegen war und war mit der Situation total überfordert. Es passierte dann auch alles blitzschnell. Ich nahm ihm am Arm und versucht ihn dadurch vor das Tor des Hauses zu bewegen, was mir nicht gelang. Er griff sich wahrscheinlich aus Eigenschutz meinen Arm und so „rangelten“ wir zusammen hin und her. Ich brüllte ihn an, er solle sofort das Gelände verlassen. Irgendwann ergriff ich ihn am Kragen seines T-Shirts, immer wieder versuchte er sich loszureißen, wobei das T-Shirt riss. Damit hörte ich auf und drohte ihm ein letztes Mal die Einrichtung zu verlassen, sonst würde ich die Polizei alarmieren. Er schrie mich nur an, dass ich das doch ruhig machen solle, er sehe es nicht ein zu gehen, wenn der FSJler im Haus bleiben könne.
Jedoch wusste ich mir nicht anders zu helfen und rief zunächst in einem anderen Jugendclub an, teilte meine Situation mit, erklärte, dass ich die Polizei nicht unbedingt informieren möchte. Der Mitarbeiter schickte mir dann zwei Jungs aus seinem Club, da er selbst nicht vorbei kommen könne, weil er auch allein war zu diesem Zeitpunkt. Völlig aufgelöst empfingen mich die Jungs aus dem anderen Jugendclub, die schon weitaus älter waren als ich. Ich schilderte abermals meine Situation. Anschließend brachten sie den Jugendlichen P. nach draußen und er verließ die Gegend um das Haus.
4.2 Reflexion und Erwartung
Dieses Erlebnis war dann ausschlaggebend dafür, dass kein Mitarbeiter mehr allein das Haus offen hielt, was zu dieser Zeit inoffiziell des Öfteren bei personellen Engpässen der Fall war. Im Nachhinein betrachtet, war mein Handeln nicht richtig. Ich hätte mich zuerst erkundigen müssen, was passiert ist. Beide Parteien ansprechen und nicht einfach „blind“ handeln, ohne an die Folgen zu denken. Der Jugendlichen P. hat sich ungerecht behandelt gefühlt, da ich ihm nicht einmal zuhören wollte. Aber ich war selbst so überrascht, dass ein Mitarbeiter in eine Prügelei verwickelt war, dass ich naiver weise davon ausging, der Jugendliche P. hätte den Streit begonnen. Es hat sich später herausgestellt, dass der Jugendliche P. den FSJler nur provoziert hatte und er daraufhin ausgerastet sei. Danach erfolgte auch eine Suspendierung für diesen Mitarbeiter.
Jedoch wurde auch nach diesem Vorfall das Thema Gewalt nicht weiter problematisiert im Team. Aber es erscheint mir als sehr wichtig sich mit dieser Thematik zu befassen. Besonders für eine Frau ist es nicht leicht sich gegenüber den männlichen Jugendlichen durchzusetzen. Was für Möglichkeiten hat man, um solche Konflikte zu lösen? Oder auch bei körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen, wie soll man als Sozialarbeiter dann intervenieren? Wie geht der Sozialarbeiter allgemein mit der Thematik Gewalt in seiner Arbeit um? Was für Methodiken gibt es, solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen? All das sind Fragen, die mich während meines Studiums beschäftigen werden. Die Analyse der Gruppenkonstellation und die daraus folgenden Möglichkeiten der Intervention als Sozialarbeiter, sowie die Erforschung der Ursachen vom Verhalten der Gruppe als unruhestiftende Gemeinschaft. Aber auch die Thematiken der Lebenswelten der Jugendlichen, ihre Sozialisationsbedingungen interessieren mich. Nachvollziehen, warum ein Jugendlicher solch ein provokantes Verhalten zeigt. Und schließlich, wie kann der Sozialarbeiter die gegebene Situation im Haus verändern? Was kann er machen, um die Aggressionsbereitschaft der Jugendlichen zu mindern? Für mich persönlich wäre eine wichtige Fragestellung, wie hätte sich ein ausgebildeter Sozialarbeiter an meiner Stelle verhalten? Ich erhoffe mir von meinem Studium die erforderlichen Kompetenzen vermittelt zu bekommen. Theorien, um mich mit Zuständen und Situationen auseinanderzusetzen, die mir später ein sicheres Gefühl gegeben, richtig gehandelt zu haben. Generell Wissen von und über die verschiedenen Möglichkeiten des Eingriffes in ein Leben eines anderen Menschen.
5. Reflektion der eigenen Rolle während der Praxis
Schon vor Beginn des Praktikums nahm ich mir persönlich vor, selbstständiger zu sein und mehr an meinem Selbstwertgefühl zu arbeiten. Dies wurde mir auch durch die indirekte Unterstützung der Jugendlichen erleichtert, denn sie waren sofort offen für mich und neugierig auf meine Person. Das gab mir damals ein sicheres Gefühl und so entwickelte ich ein immer stärkeres Selbstgefühl und gewann mehr an Selbstständigkeit.
5.1 Erfahrungen mit dem Klientel
Ich hatte nicht nur positive Erlebnisse mit den Jugendlichen, wie man im Verlauf des Textes bemerkt, aber auch diese Erfahrungen haben mich und mein Denken geprägt. Rückblickend bin ich der Meinung, dass ich zu den meisten Klienten ein positives Verhältnis hatte, das von Höhen und Tiefen bestimmt war. Durch die fast tägliche Arbeit mit ihnen konnte ich auch ein Teil von ihrem Leben sein und sie manchmal mehr, manchmal weniger positiv beeinflussen oder als unterstützende Bezugsperson bei ihnen sein.
Zu Beginn des Praktikums versuchte ich möglichst durch ein selbstsicheres Auftreten mit den Jugendlichen in Kontakt zu treten. Dies gelang mir auch sehr schnell und schon nach kurzer Zeit, wie ich es aus meinen Tagesberichten von damals entnehmen kann, baute ich zu einigen Jugendlichen eine gute freundschaftliche Basis auf.
Nach und nach wuchs das Vertrauen auf beiden Seiten, ich konnte den BesucherInnen kleine und doch wichtige Aufgaben und somit ein Stück Verantwortung übertragen. Daraufhin kamen wir ins Gespräch über ihre Probleme, Wünsche und Vorstellungen. Schon bald hatte ich einen kleinen Einblick über die Lebenswelt der Jugendlichen und deren Gefühlswelt gewonnen, was es mir ermöglichte empathisch auf sie zuzugehen. Gerade durch gemeinsame Gespräche und manchmal auch andauernde Zuwendung und Aufmerksamkeit, gelang es mir zu den „schwierigeren Fällen“ eine Beziehung aufzubauen. Grenzenloses Austesten meiner Toleranz durch die Jugendlichen und immer wieder auf die Probe gestelltes Verständnis für ihr Verhalten, führte dazu, dass sich die Jugendlichen immer öfter von mir haben abhalten lassen, bestimmte Situationen herbeizuführen bzw. auszunutzen. Ich meine damit explizit die Situationen, in denen sie ausrasteten, rumbrüllten und mutwillig Gegenstände zerstörten. Es gelang mir zwar nie sie ganz davon abzuhalten, aber durch die Beziehungsarbeit konnte ich sie ablenken oder ihnen ins Gewissen reden, dies oder jenes
nicht zu tun. Für mich waren besonders die „schwierigen und anstrengenden“ Jugendlichen interessant, sie forderten mich am meisten und sind mir vielleicht gerade deswegen so schnell ans Herz gewachsen.
Wenn ich noch heute meine Jugendlichen besuchen komme, sind schon viele nicht mehr im Haus. Sie haben fast alle ihren eigenen Weg gefunden und besuchen das Jugendfreizeithaus nur noch sehr selten. Falls man sich doch trifft, so erzählen wir oft, was in den letzten Monaten vorgefallen ist. Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie sich einige von ihnen entwickelt haben und das sie noch wissen, dass ich immer ein offenes Ohr für all ihre Belange haben werde.
5.2 Erfahrungen mit den Mitarbeitern
Während meiner Arbeitszeit habe ich einige Mitarbeiterwechsel miterlebt und habe stets versucht zu jedem neu hinzukommenden Mitarbeiter eine Beziehung aufzubauen. Zur allen im Team hatte ich ein positives Verhältnis. Sicherlich waren wir nicht immer einer Meinung, haben aber versucht einen gemeinsamen Weg zu finden.
Als ich in mein Praktikum kam, war der Objektleiterwechsel seit zwei Monaten vollzogen. Doch hatten die Jugendlichen und die bestehenden Mitarbeiter einige Probleme mit der neuen Einrichtungsleiterin. Ich fühlte mich unwohl, da ich keine Partei ergreifen wollte. Doch nach und nach hatte ich mir selbst ein Bild gemacht und konnte einige Kritikpunkte nachvollziehen, blieb aber dennoch im Hintergrund.
Die Objektleiterin versuchte mich Stück für Stück in die Organisationen des Hauses einzubinden, obwohl sie selbst noch nicht so lange im Team war und sich noch nicht mit allen Gegebenheiten auskannte. Daher wandte ich mich oft an die FSJlerin, die bereits seit einem Jahr dort tätig war.
Insgesamt war ich immer um ein förderliches Arbeitsklima bemüht, ich bin grundsätzlich direkt in meiner Meinungsäußerung und spreche Probleme und Störungen, wenn ich es für richtig halte, meist sofort an. Auf dieser Ebene fanden dann schließlich auch die Objektleiterin und ich eine gemeinsame Basis und die wenigen Monate unserer Zusammenarbeit waren insgesamt doch recht produktiv.
Zur FSJlerin entwickelte sich eine außergewöhnlich freundschaftliche Beziehung, die bis heute noch besteht. Sie war für mich nicht nur eine Mitarbeiterin, eher wie eine Mentorin. Besonders in der Zeit, als die Objektleiterin krank war und nicht feststand, ob sie wieder kommt, war sie mein Ansprechpartner. Gemeinsam versuchten wir die Büroarbeit so gut es
ging zu meistern. Es war ein gleichgestelltes Verhältnis, ich erlernte von ihr wichtige Sachen bezüglich der Büroarbeit, da auch feststand, dass sie bald gehen müsste und ich dann vorübergehend allein diese Arbeit machen sollte. Im Gegenzug konnte ich ihr ein Stück Arbeit abnehmen.
Die männlichen FSJler waren sicherlich auch nicht untätig gewesen, aber ihre Stärke war es, solange wir die Büroarbeit machten, den offenen Treffpunktbereich abzudecken. Im Allgemeinen sah ich mich als gleichwertiges Mitglied im Team, auch wenn ich nur drei Tage in der Woche da war. Manchmal verhinderte dies, dass ich aktiv an Projekten teilnahm. Ich versuchte mich zu integrieren, aber es lang mir nicht immer. Eigene Projekte hatte ich zwar auch, konnte diese zu meist nicht richtig durchführen bzw. bis zum Ende miterleben.
6. Zusammenfassende Abschlussreflektion
Durch mein Praktikum wurde ich auf praktischem Wege mit den Grundlagen der Jugendarbeit vertraut gemacht. Stück für Stück lernte ich verschiedene Teilbereiche wie offene Treffpunktarbeit, Gruppen- und Projektarbeit kennen.
Es war schön an größeren Projekten mitzuwirken, welche den Jugendlichen viel Freude bereiteten. Mein persönlicher Höhepunkt aus dieser Zeit, ist eine Beziehung zu einem Jugendlichen. D. war zu Beginn meiner Arbeitszeit recht distanziert und ging mir eher aus dem Weg. Doch nach und nach entwickelte sich eine grundlegend positive Verbindung zwischen uns. Es musste erst das Eis gebrochen werden, was einige Monate dauerte und mit massenhaften Auseinandersetzungen verbunden war. Doch letztendlich kamen wir auf einen Nenner und er öffnete sich mir gegenüber. Danach folgten unzählige Gespräche über seine Probleme und auch Wünsche. Bei ihm konnte ich besonders gut seine Entwicklung schon während des Praktikums beobachten. Vom Scheidungsweg seiner Eltern bis hin zur großen Liebe. Ich gab ihm immer Halt und einen Stückchen Optimismus, damit er seinen Weg gehen konnte. Das Wort „Beziehungsarbeit“ zeigt sich besonders in diesem Beispiel. Auch deutlich in Erinnerung geblieben sind mir die gemeinsamen Koch- und Grillabende mit den Jugendlichen. Die BesucherInnen mussten nur einen kleinen Eigenanteil zahlen, mit diesem wurde ein Teil der Ausgaben für die Zutaten gedeckt. In kleineren Gruppen bereiteten wir dann das Essen zu, jeder erhielt eine Aufgabe, wie zum Beispiel den Tisch eindecken oder dann später den Abwasch. Selbst wenn das Essen furchtbar schmeckte, es waren immer gesellige und lustige Runden, die so zustande kamen.
Weniger schöne Erlebnisse waren mutwillige Sachbeschädigungen und Diebstahl von Geld oder anderen Wertgegenständen, dabei war nicht immer nur Eigentum des Jugendfreizeithauses betroffen.
Insgesamt habe ich viele Erlebnisse gesammelt, sowohl positive als auch negative. In dieser langen Zeit habe ich viel über mich und den Umgang mit Menschen gelernt. Jugendliche fordern einen ständig heraus, sie möchten anerkannt und akzeptiert werden, so wie sie sind. Sie fordern deine ganze Geduld, dein ganzes Verständnis, sie stellen dich ständig auf die Probe, testen ihre Grenzen aus. Gleichzeitig geben sie dir aber auch viel zurück. Es ist wie ein Spiel mit Wasser und Feuer, in dem man nur erfolgreich sein kann, wenn man einen Ausgleich schafft. Gleichzeitig muss man Freund und Autoritätsperson sein. Es ist daher nicht immer leicht die Waage zwischen Nähe und Distanz zu halten. Insgesamt sollte man nie die Verantwortung vergessen, welche man trägt, denn sie schenken einem das Vertrauen der Jugendlichen, verletzt man dieses in dem man sie nicht ernst nimmt, so führt das zu Enttäuschung und Frustration auf beiden Seiten.
Beziehungsarbeit entsteht daher vor allem durch Wertschätzung, Verständnis und Echtheit. Die Grundhaltung einer positiven emotionalen Beziehung lässt sich mit Achtung, Wärme und Rücksichtsnahme umschreiben. Das Verhalten sollte nicht von Bedingungen abhängig gemacht werden und stets offen und ehrlich sein. Verständnis oder auch Empathie bedeutet, das Einfühlen in die innere Welt des Jugendlichen, die Wahrnehmung und vorstellungsmäßige Vergegenwärtigung des subjektiven Lebensbereichs eines jeden anderen Individuums. Echtheit als Grundhaltung zum Jugendlichen, denn sie merken, wenn man sie belügt oder nicht ernst nimmt. Daher sind Aufrichtigkeit und Akzeptanz wichtige Eigenschaften in der Arbeit mit Jugendlichen.
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Susanne Forster, 2007, Reflektierter Praxisbericht zum Vorpraktikum im Jugendfreizeithaus, München, GRIN Verlag GmbH
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