Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 2
2 Sarawak-Syndrom 4
2.1 Vorstellung des Sarawak-Syndroms. 4
2.2 Vorstellung der namensgebenden Region Sarawak 5
2.2.1 Überblick der geographischen Situation der Region Sarwak. 5
2.2.2 Historische Entwicklung und Landnutzungswandel Sarawaks 6
2.3 Folgen der Entwaldung 12
3 Beispiele für Regionen mit dem Sarawak-Syndrom 18
3.1 Mittelmeerregion im römischen Reich 18
3.1.1 Überblick über geographische Situation der Mittelmeerregion 18
3.1.2 Historische Entwicklung und Landnutzungswandel in Mittelmeerregion 19
3.1.3 Folgen der Entwaldung. 22
3.2 Neuseeland. 28
3.2.1 Überblick über geographische Situation Neuseelands 28
3.2.2 Historische Entwicklung und Landnutzungswandel Neuseelands 28
3.2.3 Folgen der Entwaldung und der Aufforstung 31
4 Zusammenfassung 37
Quellenverzeichnis 39
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„Wenn der intensive Raubbau fortdauert, so muss die Welt dem Hungertod
1 Einleitung
Die gesamte Landfläche der Erde wird auf 13 Milliarden Hektar beziffert, aber weniger als die Hälfte sind für die Landwirtschaft und Viehzucht nutzbar (LAL/STEWART 1990, S. 129). Von dieser Landfläche gelten 22% (~ 3000 Mio. ha) als fruchtbares Land und 40% der potentiell zum Anbau nutzbaren Landes werden schon heute bewirtschaftet (ebd.). LAL und STEWART (1990, S. 130) gehen von 430 Mio. ha durch menschliche Aktivitäten unwiederbringlich zerstörtem Boden infolge beschleunigter Bodenerosion aus, das entspricht 30% des kultivierten Landes. Anthropogene Einflüsse steigern das Tempo der Bodenerosion im Vergleich mit der natürlich ablaufenden um den Faktor 2,5 (dies.). Wälder bedecken mehr als 1/3 der Landoberfläche und enthalten 80-90% der bekannten Pflanzenarten und Speichern 30-40% des weltweiten Kohlenstoffdargebotes im Boden (LINDER et al 1996, S. 275). Und genau an dieser Stelle kommt es zur Überschneidung der Themengebiete Bodenerosion und Bewaldung. 30% der Degradation der Böden lassen sich
auf die Entwaldung 1 zurück führen und 56% der Wassererosion sind die Folge von Entwaldung und anschließender Überweidung dieser Gebiete (GESINE 2002). Laut FAO (zitiert in: TOLE 1998, S. 19) verschwanden im Zeitraum von 1980 bis 1990 0,8% der Waldfläche. Diese auf den ersten Blick gering wirkende Zahl lässt sich besser veranschaulichen, wenn man sich die flächenmäßige Ausdehnung ansieht: innerhalb von 10 Jahren verschwand Wald auf einem Gebiet, dass dreimal so groß wie Frankreich ist (ebd.).
1 Von Rodung wird gesprochen, wenn es zu der Änderung der Landnutzung mit einer Verringerung der
Kronenbedeckung auf unter zehn Prozent kommt (TOLE 1998, S. 31)
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Die vorliegende Arbeit gibt einen kurzen Überblick über die Problematik der Entwaldung, die unter dem Begriff „Sarawak-Syndrom“ zusammen gefasst ist. Dabei wird das Sarawak-Syndrom erläutert und die namensgebende Region Sarawak charakterisiert. Da die Entwaldung keine Erfindung der letzten 20 Jahre ist, wird als erstes die historische Entwicklung bis hin zur Jetztzeit der Region betrachtet, um Ausgangspunkte für die sich in der heutigen Zeit massiv verstärkenden Bodendegradation zu finden. Die Probleme der Bodenerosion und dessen Erscheinung, die durch die Entwaldung ausgelösten werden, stehen am Ende der Betrachtung.
Mit Hilfe zweier Beispiele soll der Beweis erbracht werden, dass es sich bei dem Sarawak-Syndrom um ein weltweit auftretendes Phänomen handelt. Vielleicht hätte man mit dem Wissen aus der Antike schon früher mehr Schlüsse aus dem Zusammenhang von Entwaldung und Bodenerosion ziehen können. Anhand des Beispiels der Rodungen im Römischen Reich im Bereich des Mittelmeergebietes soll geklärt werden, ob schon vor 2000 Jahren das „Sarawak-Syndrom“ erkennbar war. Auch Neuseeland wird in den letzten Kapiteln nach dem Vorhandensein des „Sarawak-Syndrom“ untersucht.
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2 Sarawak-Syndrom
2.1 Vorstellung des Sarawak-Syndroms
Jährlich verschwinden 100.000 km² Regenwald und vielleicht noch einmal so viele werden degradiert (AIKEN/LEIGH 1995, S. 3). Offensichtliche Gründe sind Brandrodungsfeldbau, Viehhaltung, selektiver Holzeinschlag, Staudammbau und Straßenbau. Doch dahinter stehen Landlosigkeit, Armut, Bevölkerungswachstum, politische Gründe (Korruption) und die ungleichen Handelsbeziehungen zwischen reichen und armen Ländern (ebd.). Die im Zusammenhang mit der Entwaldung auftretenden Beeinträchtigungen des Bodens werden vom WBGU unter dem Begriff „Sarawak-Syndrom“ zusammengefasst. Die Verluste und die Schäden der Bodenfunktionen zeigen sich anhand verschiedener Merkmale, die gemeinsam für die Entstehung des Syndroms verantwortlich sind (WBGU 1994, S. 8). Der Verlust der Bodenfunktion zeigt sich in Krankheitsbildern mit den Symptomen wie Wind-und Wassererosion, physikalische und chemische Schädigungen, weshalb man in diesem Zusammenhang von dem Begriff des „Syndroms“ spricht (GRAßL 1997, S. 15). Das Sarawak-Syndrom stellt die Übernutzung und Konversion von Wäldern und anderen naturnahen Ökosystemen wie auch Savannen, Feuchtgebiete, tropische Regenwälder und borealer Nadelwälder dar (WBGU 1994, S. 164). Die Konversion ist die Vernichtung des Ökosystems Wald durch Rodung mit der anschließenden Nutzung dieser Flächen (ebd.). Unter Übernutzung versteht man eine Holzentnahme, die die natürliche Regenerationsfähigkeit des Ökosystems übersteigt (dies.).
In Abbildung 1 (S. 4) erkennt man deutlich die Rolle der Entwaldung bei dem Auftreten der Bodendegradation. Asien hat die weltweit größten Bodendegradationsraten durch Rodung und landwirtschaftliche Aktivitäten aufzuweisen. Die Region Sarawak mit ihrem immensen Waldverlust eignet sich gut zum darstellen der Symptome der Verschlechterung des Bodens.
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2.2 Vorstellung der namensgebenden Region Sarawak
2.2.1 Überblick der geographischen Situation der Region Sarwak
Sarawak liegt auf der Insel Borneo (siehe Abbildung 2). Zu Zeiten der britischen Kolonisation war es bekannt als Britisch Borneo und ist heute ein Staat im Land Malaysia mit einer Fläche von 12.444.900 ha (DALE 1994, S. 170; www.sarawak.gov.my). Topographisch steigt nach einem kurzen Streifen flacher Küstenlandschaft im Nordwesten Sarawaks das Gelände bis auf über 2000 m bis zur Grenze von Kalimantan an (ders.).
Das Klima Sarawaks kann als typisches perhumides Äquatorialklima bezeichnet werden. Gekennzeichnet ist dieses Klima durch nur geringe Ausprägung von saisonalen Unterschieden im Regenfall (HUANG-WOLFF 1990, S. 4-1). Niederschläge fallen in einem Umfang von 2000 bis zu 4000 mm pro Jahr, wobei zu beachten ist, das die Niederschlagsmenge von der Küste bis hin zu dem bergigen Hinterland stetig zunimmt (Vgl. HUANG-WOLFF 1990, S. 4-1; DALE 1994, S. 170). Ein weiteres Kennzeichen sind die relativ gleichbleibenden jährlichen und monatlichen Temperaturen von ungefähr 27°C im Durchschnitt mit nur geringen Schwankungen (Vgl. HUANG-WOLFF 1990, S. 4-1). Die Böden der Region weisen für HUANG-WOLFF eine typische tropische Charakteristik auf. Im Laufe der Bodenentwicklung kam es zur Podsolierung (ebd., S. 4-6).
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Diese beinhaltet die Umlagerung gelöster organischer Stoffe zusammen mit den Sesquioxiden Eisen- und Aluminiumoxid in den Unterboden (SCHEFFER/SCHACHTSCHABEL 2002, S. 457). Podsolierte Böden weisen einen geringen Humusgehalt, Defizite an Basen und Pflanzennährstoffen auf (HUANG-WOLFF 1990, S. 4-6). Insgesamt kommt es also zu einer geringen Akkumulation von organischem Material durch schnelle Zersetzung (ebd.). Laut WANNER u. a. (1973, S. 289) befindet sich die ursprüngliche Vegetation Sarawaksder tropische Regenwald - im Klimaxstadium, d. h. das pro Zeit- und Flächeneinheit bleibt die Biomasse konstant. Das sich diese Situation grundlegend geändert hat, wird in den folgenden Kapiteln näher beschrieben.
2.2.2 Historische Entwicklung und Landnutzungswandel Sarawaks
Die Besiedlung des heutigen Staates Malaysia begann seit dem frühen Holozän (AIKEN/LEIGH 1995, S. 1). Seit Mitte des 16. Jahrhunderts wanderte eine wachsende Anzahl von Iban in das Gebiet ein und bis Mitte des 19. Jahrhundert bilden sie die größte ethnische Gruppe (AIKEN/LEIGH 1995, S. 58). Die Bevölkerung lebte vom Feldbau und Fischfang. Die bevorzugten Siedlungsräume waren die flachen Ebenen der Flussmündungen und der Küstengebiete (ebd, S. 48). Große Wälder bedeckten das Gebiet noch bis ins 18. Jahrhundert. Die Bevölkerung vor Beginn der Kolonisation wurde auf ca. 300.000 Einwohner geschätzt (ders., S. 50). Zur großflächigen Abholzung des primären Regenwaldes kam es in dieser Zeit nicht.
Ende des 18. Jahrhunderts kam es zum Eindringen der Engländer - im besonderen die East India Company - in die Region. Die von AIKEN/LEIGH (1995, S. 48) genannten Gründe dafür waren die Pflege und der Schutz des Chinahandels. Die Siedlungen der Briten wirkten wie ökonomische Magnete und zogen viele chinesische Immigranten an. Während dieser Zeit konnte ein rasches Bevölkerungswachstum beobachtet werden. Die Ausweitung der Siedlungsfläche (z. B. Trockenlegung von Sümpfen und Entwaldung) und die Verbesserung der Infrastruktur (Bau von Eisenbahnen, Straßen) hatte weitreichende Folgen für die Wälder (AIKEN/LEIGH 1995, S. 50). Die eingewanderte Bevölkerung betrieb Zinnabbau und Wanderfeldbau, im Zuge dessen sie degradierte Böden und Felder hinterließen (AIKEN/LEIGH 1995, S. 49). Ab 1874 wurde die koloniale Kontrolle auf gesamt Malaysia ausgedehnt und der Gedanke der Kolonisation stand im Vordergrund der weiteren Erschließung des Landes (ebd.). Es kam zur Förderung des Abbaus der im Heimatland benötigten industriellen Materialen (diess, S. 49).
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Im weiteren Verlauf etablierten die Briten den profitablen Export von Zinn und landwirtschaftlichen Produkten (AIKEN/LEIGH 1995, S. 50). Verbesserte Methoden des Zinnabbaus führten zur Ausnutzung von Gestein mit einem Zinngehalt unter 50 Prozent. AIKEN und LEIGH (1995, S. 52) beschreiben, dass zwischen 1840 und 1897 die besten Hölzer im Umkreis des Zinnabbaus von 15 bis 20 Meilen gerodet wurden. Die Landwirtschaft während der kolonialen Periode stand maßgeblich unter dem Einfluss der Europäer und Chinesen. Angebaut wurden sogenannte cash crops wie Gewürze (Pfeffer, Zimt) und Kaffee. Die Plantagenwirtschaft dehnte sich aus. Kautschuk galt als eine der größten Errungenschaften der westlichen Kolonisation und bildete gemeinsam mit Zinn das Rückgrat der Ökonomie (AIKEN/LEIGH 1995, S. 54). Die folgenden Zahlen verdeutlichen die Ausbreitung der Plantagen: waren es im Jahre 1897 gerade einmal 140 ha auf denen Kautschukanbau stattfand, waren es 1921 schon 810.000 ha (ebd.). Die Regierung unterstützte dabei die gezielte Anpflanzung von Kulturen. Manche Kulturen wie Zucker scheiterten oder hatten nur geringe Erträge (Zucker, Ananas, Jute). Erfolgreich setzten sich Manila-Hanf, Kokosnüsse durch (ebd., S. 59). Allerdings war ihr Einfluss auf den Baumbestand des Regenwald gering, als „regenwaldschädlich“ entpuppten sich Tabak, Kautschuk und die Entnahme von Bauholz (AIKEN/LEIGH 1995, S. 60). Kautschuk war zwar die erste kommerziell genutzte Pflanze mit nachhaltigem Einfluss auf den Regenwald, doch insgesamt nahmen die Kautschukanpflanzungen nur eine Fläche von einem Prozent des Landes ein (diess., S. 63).
Die Eigentumsverhältnisse und die Kontrolle landwirtschaftlicher Betriebe ging in diesem Zusammenhang von Individuen in die Hände von Kooperativen und die Ökonomie wurde auf Exporte ausgerichtet (AIKEN/LEIGH 1995, S. 58). Die Pflanzer bekamen günstig Land und gute Gehälter (diess.). Nach Ende des ersten Weltkrieges sanken die Preise für Naturkautschuk und Ölpalmen wurden anstatt des Kautschuks angepflanzt. Holzgewinnung spielte eine unbedeutende Rolle bis nach dem 2. Weltkrieg. Bis zum Jahr 1964 löste Holz den Kautschuk als Hauptexportprodukt ab. Die ursprüngliche Holzindustrie war auf die Torfmoore konzentriert. Die Torfmoore Sarawaks an den Küstensäumen enthielten die hochwertigsten Hölzer, doch die Böden dieser Gebiete sind säurehaltig und für eine ständige landwirtschaftliche Nutzung unbrauchbar (AIKEN/LEIGH 1995, S. 57). Als diese keine verwertbaren Hölzer mehr enthielten, begann man ab 1960 mit der Abholzung der Wälder im gebirgigem Innenland (AIKEN/LEIGH 1995, S. 63). Waldprodukte nahmen zu dieser Zeit ein Drittel des Exports ein.
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Am Ende der Kolonialzeit standen weniger als fünf Prozent der Fläche Sarawaks unter landwirtschaftlicher Nutzung. Wanderfeldbau (shifting cultivation) wurde auf 18% der Landesfläche betrieben. 80% der Landesfläche waren bedeckt von primären und sekundären Wäldern (AIKEN/LEIGH 1995, S. 63).
Mit Ende der kolonialen Kontrolle im Jahre 1963 verlor der gewinnbringende Export keineswegs an Bedeutung. Die Regierung von Malaysia richtete eine halbstaatliche Organisierung, die FELDA (Federal Land Development Authority), ein. Mit Hilfe der FELDA wurde der Anbau von cash crops gefördert und es wurde versucht die ländliche Neuansiedlung in planvolle Bahnen zu lenken (MANSHARD/MÄCKEL 1995, S. 155). Die FELDA entwickelte sich zu einen Agrobusiness-Unternehmen. Es kam zur großflächigen Umwandlung der Landnutzung von Kautschukplantagen zu Ölpalmenanpflanzungen. Bereits in den 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden ein Drittel des malaiischen Palmöls in Sarawak produziert und Malaysia war der weltweit größte Produzent (ebd.). Zwischen 1960 und 1970 wurde die schnelle agrarische Entwicklung der Region durch die Weltbank unterstützt. Weitere Rodungen folgten. Die beginnende ländliche Industrialisierung durch die kommerzielle Holznutzung hat sich als eine der Haupttriebkräfte des sozialen Wandels erwiesen und trug zur weitflächigen Entwaldung und erheblichen Umweltproblemen bei (diess., S. 156). Mitte 1970 veränderten sich dadurch auch zusehends die Anbaumethoden. Der Trend geht seit dieser Zeit hin zum ständigen Feldbau mit permanenten Kulturen wie zum Beispiel der Nassreisanbau anstatt des Wanderfeldbaus(DALE 1994, S. 176) Die Rodungen zerstörten die natürliche Vegetationsdecke. Die folgenden Aufforstungen durch Kautschuk- und Ölpalmen verlagerten die Umweltprobleme zum Teil auf andere Sektoren (Monokulturen etc.) (ebd.). MANSHARD und MÄCKEL (1995, S. 157) gehen davon aus, dass der Holzeinschlag - von dem auch viele Menschen in Sarawak leben - eine Grenze erreicht hat, die die Suche nach neuen Einnahmequellen nach sich ziehen sollte. Das Tempo der Wirtschaftsentwicklung wird zu stark vom kurzfristigen Profitstreben der Oberschichten beherrscht und wird ansonsten der Hauptmotor der Umweltzerstörung bleiben (ebd.).
Laut DALE (1994, S. 173) wurden in den Jahren zwischen 1963 und 1985 ein Drittel des Waldes in Sarawak gerodet. Der verbleibende Wald befand sich in den gebirgigen Regionen und war durch die schwere Zugänglichkeit des Geländes vor Abholzung länger geschützt gewesen (ebd.). Laut FAO verschwinden in Sarawak pro Jahr 200.000 bis 270.000 ha an Waldfläche (DALE 1994, S. 173). Hier ist anzumerken, dass sich die Statistiken der Bewaldung Sarawaks noch heute auf dem Stand zu Beginn der 90iger Jahre des 20.
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Jahrhunderts befinden. Oft werden bei solchen Statistiken auch die Kautschuk- und Palmölplantagen als Waldflächen eingerechnet und die offiziellen Daten werden aus den Holzexporten berechnet, wobei die Zahlen des Holzeinschlags für den einheimischen Markt dabei häufig nicht beachtet werden (ebd.).
DALE geht davon aus, dass die Straßen der Holzfäller das Land für die Kultivierung öffneten und so dem Ackerbau auftrieb gaben. Hier kommt es zu weiteren Streitpunkten: nämlich welchen Einfluss die wanderfeldbau-betreibenden Einwohner auf die Abholzung des Regenwaldes haben. Waren also die Bauern die Ursache für die Entwaldung oder war es die kommerzielle Holznutzung? An diesem Punkt kommt es zu widersprüchlichen Aussagen der Autoren. Da oft die steigende Bevölkerung und damit der steigende Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten als eine der Hauptursachen der Entwaldung angesehen wird, werden im folgenden Abschnitt die unterschiedlichen Bewirtschaftungsmethoden gegenüber gestellt und die unterschiedlichen Meinungen der Autoren zu diesem Thema dargelegt. Noch heute kann der Agrarraum in den meisten tropischen Entwicklungsländern als dualistisch organisiert bezeichnet werden, als das Nebeneinander von subsistenzwirtschaftlicher und marktorientierter Produktionsformen mit jeweils unterschiedlichen Mechanisierungs- und Rationalisierungsgraden (MANSHARD/MÄCKEL, 1995, S. 90). Die traditionelle Bewirtschaftungsmethode ist shifting cultivation (auch Wanderfeldbau genannt). Der Regenwald wird in Größenordnungen von 0,3 bis 0,5 ha pro Person gerodet. Daran anschließend wird auf diesen gerodeten Flächen ungefähr ein Jahr Ackerbau betrieben mit der Betonung auf der Produktion für den Eigengebrauch (DALE 1994, S. 175; MANSHARD/MÄCKEL 1995, S. 92). Nach dem Ackerbau folgt eine Brache von ursprünglich drei bis 15 Jahren (DALE 1994, S. 175). Während der Bewirtschaftung dienen ehemalige Felder als Jagdgründe für die Siedler (AIKEN/LEIGH 1995, S. 6). Kurze Phasen des Ackerbaus wechseln sich mit langen Brachezeiten ab (KOTSCHI 1997, S. 105). Es kommt - im Gegensatz zum europäischen Feldbau - zur Rotation der Anbauflächen und nicht der Früchte (AIKEN/LEIGH 1955, S. 5). Während der landwirtschaftlichen Nutzung sinken die Humusgehalte des Bodens und während ausreichend langen Brachen regeneriert sich dieser wieder, so kann die Ertragsfähigkeit auch langfristig auf einem relativ hohem Niveau bestehen beleiben (KOTSCHI 1997, S. 105). Diese Form der Landnutzung ist günstig bei einer stabilen Bevölkerung und geringen Populationsdichten unter 40 Einwohner/km² (AIKEN/LEIGH 1995, S. 5). DALE (1994, S. 175) stellte ein Absinken der Brachezeiten auf sieben Jahre fest und führt dies auf die hohen Bevölkerungsdichten zurück. Gleichzeitig stieg aber die Anzahl der Bauern, welche ständigen Feldbau im konventionellen (europäischen)
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Sinne betreiben (DALE 1994, S. 176). Die Flussniederungen und die Regionen mit nur einen geringen Geländeanstieg befinden sich heute unter ständiger Bewirtschaftung (ders., S. 174). Der Übergang zum ständigen Feldbau wird von AIKEN und LEIGH (1995, S. 7) auf den gestiegenen Populationsdruck und die Intensivierung der Landwirtschaft, ebenso wie auf die Ausbreitung des Kapitalismus zurück geführt. Moderne Ackerbaumethoden sind gekennzeichnet durch den Ersatz menschlicher und tierischer Arbeitskraft durch fossile Brennstoffe, industrielle Produktionsmethoden und die Hinwendung zu nationalen und internationalen Märkten statt der Produktion für lokale oder regionale Märkte (ebd.). In diesem Zusammenhang kommt es oft zu dem Einsatz von Fremdkapital um die kapitalintensiven Produktionsverfahren zu finanzieren (MANSHARD/MÄCKEL 1995, S. 92). Dadurch verändern sich die Energie- und Stoffflüsse der Region und die Energiedefizite (das Verhältnis von Energieeinsatz und Energiegewinnung) steigen. AIKEN und LEIGH gehen sogar so weit, die These aufzustellen, dass die Ausdehnung von Weideland, Wanderfeldbau und der Einschlag von Hartholz nur Symptome der dahinter liegenden Ursachen sind. Sie gehen davon aus, dass das schnelle Populationswachstum der Beitrag und die Konsequenz der an die Unterentwicklung gebundene Nahrungsmittelknappheit, auf die Abholzung den größten Einfluss haben (Vgl. AIKEN/LEIGH 1995, S. 10). DALE (1994, S. 176) zitiert die FAO, die im Jahre 1981 ein Drittel des gefällten Waldes auf die Landwirtschaft zurück führt (Vgl. AIKEN/LEIGH 1995, S. 64). Zahlen aus dem Jahre 1980 zeigen, dass die prozentuale Zunahme der Fläche die durch Wanderfeldbauern bearbeitet wird, Deckungsgleich ist mit dem Bevölkerungswachstum von 2,6 Prozent (ebd.). KUMMER (1992, S. 31) hingegen tritt den Beweis an, dass die steigenden Bevölkerungszahlen nicht die Hauptursache der Abholzung durch Wanderfeldbau sind, sondern dessen Folge. Nach dem 2. Weltkrieg kam es in Südostasien zu hohen Einwanderungszahlen. KUMMER stellt fest, dass es häufig keine gesicherte Datengrundlage gibt, wenn es um die shifting cultivation geht. Es werden in der Literatur kaum genaue Angaben gemacht, wo der Wanderfeldbau stattfindet (Grassland, Buschland, primären oder sekundärer Regenwald) und in welchen zeitlichen Abständen die Felder wechseln (KUMMER 1992, S. 33). Laut KUMMER (1992, S. 36) sind es oft die Immigranten, welche die Wälder roden. Allerdings betreiben diese keinen Wanderfeldbau, sondern permanente Landwirtschaft. Oft stimmen die Relationen der Zahlen der Wanderfeldbauern und Abholzung nicht überein. Die Abholzungsraten sind zu groß um allein auf die Ausdehnung der Flächen für Wanderfeldbau zurück geführt werden zu können (ebd.). Nach dem 2. Weltkrieg war die Abholzung größer als die Ausdehnung des Farmlandes, weshalb noch andere Gründe für die Abholzung
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angeführt werden müssen (ders., S. 37). Es zeigen sich zwei Tendenzen: zum einen ist dies die Ausweitung der landwirtschaftlichen Fläche und zum anderen der Verlust der landwirtschaftlichen Flächen durch andere Nutzungen wie Städtewachstum und verlassenes Farmland. Ab 1980 dehnen sich die Ackerbaugebiete auch auf nicht bewaldete Regionen aus. Für KUMMER (1992, S. 38) ist dies der Indikator für den steigenden Bevölkerungsdruck. Die von KUMMER untersuchte Region der Philippinen bietet sich für solche Studien an, da hier die höchsten Bevölkerungsdichten der tropischen Länder und die höchsten Populationswachstumsraten von Asien aufweisen (ebd., S. 41). Wenn die Population die treibende Kraft der Entwaldung wäre, müsste sich dies in dieser Region zeigen (ders.). Abholzung wurde allerdings auch im Zusammenhang von niedrigen Populationsdichten beobachtet. KUMMER (1992, S. 42) führt als Haupttriebkraft der Entwaldung die Bedürfnisse der Holzhändler und deren politische Verbindungen an. KUMMER (ebd.) warnt vor pauschalisierten Aussagen und der Übertragung von Ergebnissen aus unterschiedlichen Regionen, da regionale Studien immer aussagekräftiger sind.
DECHERT et al (2004) stellten sich die Frage, ob die generelle Bodendegradation für die Abholzung weiterer Regenwaldflächen verantwortlich ist. Der Wandel von den traditionellen Anbaumethoden hin zur permanenten Landwirtschaft mit einkommenssteigernden cash crops änderte auch die Bodenfruchtbarkeit. Abholzungen für Pflanzen wie Reis und Mais entfernen die größten Quellen für organisches Material des Bodens (Wurzeln und Laubwerk der Bäume). Der verringerte organische Kohlenstoffgehalt des Bodens reduziert die Kationenaus- (KAK) 2 und gleichzeitig den Stickstoffvorrat, welcher fast ausschließlich in Form von organischen Bindungen im Boden vorkommt (Vgl. DECHERT et al 2004, S. 198; SCHEFFER/SCHACHTSCHABEL 2002, S. 73). Die verringerte KAK stellt nicht nur eine Beeinträchtigung der Nährstoffaufnahme durch die Pflanzen dar, sondern ist gleichzeitig für die erhöhte Auswaschung der Kationen verantwortlich (DECHERT et al 2004, s. 198). DECHERT et al verglichen in der Untersuchung die Einflüsse der Landnutzung auf den Kohlenstoff-, Stickstoff- und Phosphorgehalt des Bodens. Die meisten Hypothesen gehen von einem Verlust der Bodenfruchtbarkeit durch Abholzung aus, doch diese Studien beschäftigten sich häufig mit Regionen mit extremen klimatischen Bedingungen und säurehaltigem Böden (ebd.). Diese Hypothese sollte für bessere Böden widerlegt werden. Die untersuchten Böden waren nicht tief verwittert und nicht säurehaltig (Basensättigung über 80%).
2 Durch Humifizierung nimmt die Kationenaustauschkapazität (KAK) zu. Eine besonders große Rolle bekommt
die KAK bei tonarmen Böden, wo die KAK fast ausschließlich aus der organischen Substanz stammt (Vgl.
SCHEFFER/SCHACHTSCHABEL 2002, S. 73).
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Verglichen wurden dabei bewaldete Gebiete, Flächen mit Agroforestry 3 und solche mit Bewuchs von Mais. Eine Bodenverdichtung war auf beiden Formen der Bewirtschaftung festzustellen (DECHERT et al 2004, S. 200). Es kam zu keinen signifikante Änderungen des Phosphorgehalt des Bodens, allerdings sank die KAK. Die meisten Verluste (Stickstoff, Kohlenstoff) entstanden unter Maiskulturen. Die Agroforstwirtschaft scheint das Absinken des organischen Materials zu stoppen, der Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt dieser Böden verringert sich zwar, doch scheinen sich die Werte auf einen Niveau vergleichbar mit natürlichen Wäldern ein zu pegeln (DECHERT et al 2004, S. 202). Laut DECHERT et al ist der Verlust des Regenwaldes nicht durch den Verlust der Bodenfruchtbarkeit anderen Gebiete zurück zu führen und muss andere Ursachen haben. Als Gründe werden dabei Immigration, Populationswachstum und Ausdehnung der Größe der landwirtschaftlichen Fläche pro Bauer genannt (ebd.).
2.3 Folgen der Entwaldung
Sarawak und Sabah dominieren die malaysische Holzindustrie. Ungefähr 80% des gesamten Nutzholzes stammen aus diesen Regionen (Greenpeace). Malaysia ist nach Indonesien die 2. größte holzexportierende Nation der Welt (ebd.). Die ITTO (International Tropical Timber Organisation) spricht von einer übermäßigen Abholzung der Gebirgswälder und einer unzureichenden Kontrolle der Abholzung. Ausgleichsmaßnahmen für die Abholzung werden zwar vorgenommen, doch diese sind nicht an die regionalen Gegebenheiten angepasst (Greenpeace). Aus den Wäldern werden zum Teil die besten Bäume punktuell gerodet, da ein natürlich gewachsener Regenwald - sei er nun primär oder sekundär
- keine Monokultur von besten Nutzhölzern darstellt. Daraus ergibt sich das Problem, dass pro Entnahme eines Stammes drei bis vier minderwertigere Bäume umgeknickt auf dem Boden liegen bleiben (vgl. Greenpeace). HAMILTON (1988, S. 103) weist nachdrücklich darauf hin, das die Abholzung zu degradierten Landschaften führen kann, aber in Gebieten des tropischen Regenwaldes wird es niemals - wie manchmal angenommen - zur Desertifikation kommen, nur zur Entstehung von „badlands 4 “. WHITE (1994) beschreibt die direkten Folgen der Entwaldung auf die Landschaft und nennt dabei erhöhte Wassererosion, Winderosion und Nährstoffverlagerungen. HAMILTON (1988, S. 105) unterscheidet zwischen drei Möglichkeiten der Wassererosion in entwaldeten
3 Agroforestry: Forstwirtschaftliche Nutzung in Verbindung mit Landwirtschaft mit dem Ziel der angepassten
Bodennutzung (Vgl. LESER 2002, S. 21)
4 badlands: Hänge und Flachformen, die durch Erosionsrinnen und kerbtalförmige Tiefenlinien zerschnitten
wurden und auf denen keine Vegetation vorhanden ist. (Vgl. LESER 2001, S. 62)
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Gebieten: a) Rillen- und Rinnenerosion, b) Grabenerosion (Gully-Erosion) und c) Massentransporte (durch wassergesättigte Böden an Hanglangen). Die Veränderungen in der Nettoprimärproduktion durch Rodungen beeinflussen die Albedo und es kommt zur Erwärmung der bodennahen Luftschichten (WHITE 1994, S. 43). Das Auftreten von splash-Erosion 5 wird durch die Entfernung der Blätter mit hervor gerufen (HAMILTON/PEARCE 1988, S. 82, SANDSTRÖM 1995, S. 541). Eine wesentlich wichtigere Rolle bei der Entstehung der splash-Erosion spielt die Entfernung der Streuschicht oder der Krautschicht. Erst wenn auch diese Schichten entfernt wurden, können die Regentropfen ihre volle bodenschädigende Wirkung entfalten (HAMILTON/PEARCE 1988, S. 82). Nicht vergessen werden sollten die Fahrspuren, sie nehmen in den Rodungsgebieten eine Fläche von 16 bis 30% ein (HAMILTON/PEARCE 1988, S. 88). Sie kanalisieren den oberirdischen Abfluss und beschleunigen ihn, woraus eine erhöhte Wassererosion folgt. Die Entwaldung von Hängen mit 40-70% Neigung erhöht die Gefahr von Hangrutschungen (ebd., S. 89). HAMILTON und PEARCE (1988) zählen die Auswirkungen der Rodungen auf den Wasserhaushalt auf: die Reduktion der Vegetationsdecke verringert die Evapotranspirationsverluste des Gebietes. Dementsprechend steigen die Wasserfrachten der Flüsse durch einen erhöhten oberflächlichen Abfluss an (diess., S. 81). Solange auf den nun baumlosen Gebieten die Streuschicht erhalten bleibt, steigt der Grundwasserspiegel an. Der Grundwasserspiegelanstieg schreitet so lange fort, bis die gesamte Bodenbedeckung entfernt ist und der Boden verdichtet wurde (ebd., S. 85). Ein wichtiges Merkmal der Bodenverdichtung ist der Verlust der Makroporen. (SANDSTRÖM 1995, S. 541). Die Anzahl der Makroporen, die an der Infiltration von Wasser in den Boden beteiligt sind, verringert sich und der niedrigere organische Gehalt des Bodens durch die Entfernung der Wurzeln und der Streuschicht behindert den Zwischenabfluss und verringert die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens (SANDSTRÖM 1995, S. 541; GREENPEACE). Insgesamt verkleinern sich die Raten der Transpiration und der Interzeption und es kommt zu einem erhöhten oberflächlichem Abfluss der Niederschlagswassers (ebd.; Vgl. AIKEN/LEIGH 1995, S. 11). Die Folge der Veränderungen des hydrologischen Regimes ist die Bodenerosion (Wassererosion) und einer erhöhten Sedimentfracht in den Flüssen (AIKEN/LEIGH 1995, S. 11). Nach Aussagen von GREENPEACE wurden die Schwebstoffe in Flüssen um den Faktor zwölf erhöht.
5 Splash-Erosion: Ablösung von Bodenteilchen entlang der Bodenoberfläche durch Regentropfen. Das
Auftreffen der Regentropfen erzeugt kurzzeitig hohen Druck und Scherspannungen, wodurch kleine Teilchen
aus der Bodenoberfläche heraus gerissen werden und gleichzeitig der Boden verdichtet wird. (Vgl.
SCHEFFER/SCHACHTSCHABEL 2002, S. 416)
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Ehemals klare Flüsse werden durch jährliche Stofffrachten von 60 Mio. t zu schlammigen Gewässern (ebd.).
Die Annahme, dass eine großflächige und langanhaltende Entwaldung den Regenfall reduziert, konnte bisher für das Amazonasgebiet nachgewiesen werden (HAMILTON 1988, S. 103). Für Regionen in Asien war dies allerdings nicht der Fall (ebd.). In Gebirgslagen und bei Küstennebelbänken kann die Feuchtigkeit durch die Entwaldung abnehmen, da Wälder die kondensierte Feuchtigkeit „fangen“ und über den Stammabfluss dem Boden zuführen (ders., S. 104).
Auswirkungen zeigen sich auch bei den Nährstoffkreisläufen. Übermäßige Brennholzsammlung unterbricht die Nährstoffkreisläufe. Wie in Kapitel 2.2.1 beschrieben sind die Böden Sarawaks von je her nährstoffarm. Die Pflanzennährstoffe werden in engen Kreisläufen aus den pflanzlichen Abfällen (Laubfall etc.) durch Zersetzungsprozesse freigesetzt. Wird diese Quelle von Nährstoffen durch den Menschen entfernt, können diese Verluste nicht mehr durch das Ökosystem ausgeglichen werden. Einige Nährstoffe gehen aber auch durch Auswaschung verloren (siehe erhöhte Infiltration und Oberflächenabfluss) (HAMILTON/PEARCE 1988, S. 82). Werden die entwaldeten Flächen nicht landwirtschaftlich genutzt, verändern sich die Proportionen von mehrjährigen zu einjährigen Pflanzen. Das erhöhte Vorkommen von Gräsern durch natürliche Sukzession auf diesen Flächen verringert die Speicherung von Kohlenstoff, da einjährige Pflanzen weniger Biomasse produzieren (WHITE 1994, S. 44).
Als ein prägnantes Beispiel des menschlichen Wirkens auf den Boden wird im nächsten Abschnitt der Einfluss des Menschen auf die Torfmoorgebiete Sarawaks dargestellt. Diese Böden entwickelten sich innerhalb der letzten 4500 Jahre und nehmen ungefähr 13% der Landesfläche ein (PHILLIPS 1998, S. 651). Früher waren diese Torfmoore der Ort der Geister und galten als unüberwindliche Barrieren der menschlichen Ausbreitung (ebd., S. 654). Dies änderte sich durch den Einsatz moderner Technik. Heute werden diese Gebiete als ökonomische Ressource betrachtet. Mit Hilfe der Technik kann man durch Drainage und Abholzung Ackerland gewinnen, die Hölzer kommerziell nutzen und aus ihnen Brennholz entnehmen (ders.). Shorea albida, einer der wenigen dominanten Holzarten in Sarawak ist, zum Nachteil für die Torfmoore auf denen sie wachsen, ein kommerziell höchst verwertbares Nutzholz, dessen Stämme bis zu 80 m lang werden (ebd., S. 657).
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Auch zur Anlage von Palmöl- und Sagopalmenplantagen eignen sich die Moore, da auf diesen Standorten besonders gute Erträge erzielt werden können (PHILLIPS 1998, S. 665). Hydrologisch gesehen haben diese Torfmoore eine besondere Bedeutung. Sie dienten vor ihrer Abholzung als Wasserspeicher (hoher Torfanteil) und als Überflutungsgebiete. Damit verhinderten sie Flutspitzen und funktionierten als Aquifer, da das Torfmoor Wasser während der nassen Perioden speichert und in den Trockenzeiten wieder abgibt (PHILLIPS 1998, S. 660). Die Wasserqualität dieser ombrogenen Moore wurde von der WHO sogar als Trinkwasser eingestuft. Nicht zu vergessen ist die Wirkung als Pufferzone zwischen dem Salz- und Süßwasser (ders.). Auch unter hydrochemischen Aspekten erfüllen die Moore wichtige Funktionen wie zum Beispiel die Bildung, Speicherung und dem Recycling chemischer Elemente (Nährstoffe etc.) (PHILLIPS 1998, S. 654).
Weltweit werden 1/3 des Kohlenstoffs durch Moore gespeichert (ebd., S. 664), die Drainage allerdings führt zur Zersetzung des organischen Materials. Dadurch senkt und verdichtet sich die Bodenoberfläche. Die Folge ist der Verlust der Funktionen des Moores ( Vgl. PHILLIPS 1998, S. 661). Die Abbildung 3 (S. 15) verdeutlicht die Abfolge der Nutzung der Torfmoore. Die Drainage der Torfmoore hat außerdem Auswirkungen auf die Freisetzung von Stickoxiden. Durch die Trockenlegung und anschließend Nutzung als landwirtschaftliche Fläche werden die großen Mengen an Ammonium- und Nitrationen, welche im organischen Material gespeichert sind, durch biologische Abbauprozesse in Form von Lachgas (N 2 O) freigesetzt (HADI et al 2000, S. 352). Interessanterweise konnten HADI et al (2000, S. 354) herausfinden, dass Stickstoffdüngung die Abgabe von Stickoxiden unterdrückt, da hohe
Gaben die Nitrifikation behindern 6 (Vgl. CYPIONKA 2003, S. 253).
6 Die Zersetzung von Aminogruppen verläuft prinzipiell in zwei Schritten: a) die Oxidation zu Nitrit
(Nitrifikation) und b) anschließender Reduktion zu Stickstoff (N 2 ). Allerdings katalysieren manche Organismen,
die an der Zersetzung beteiligt sind, auch die Reduktion zu Lachgas (Distickstoffmonooxid, N 2 O), bevor
Stickstoff entstehen kann (CYPIONKA 2003, S. 172).
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Innerhalb der letzten Jahre wird dem Menschen zunehmend die Empfindlichkeit der Böden bewusst und es wird nach Maßnahmen gesucht, die Bodendegradation und Bodenerosion zu vermindern. AIKEN und LEIGH (1995, S. 14) weisen darauf hin, dass dabei die in ungestörten Wäldern ablaufenden Mechanismen bei der Landnutzungsplanung beachtet
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werden müssen. Die meisten nährstoffspeichernden Prozesse finden in der Wurzelschicht
statt. Wird durch die Landnutzung das Zusammenwirken von Wurzeln und Mykorrhiza 7 zerstört, können auf diesen Böden die Wuchsbedingungen für andere Pflanzen erschwert werden (ebd.). Die im Boden vorhanden Samen der Primärwälder tolerieren die Licht- und Feuchtigkeitsverhältnisse nicht, die bei der Entwaldung auftreten, wodurch der natürlichen Regenerationsfähigkeit Grenzen gesetzt wird (diess.). Die Rodung flächenmäßig kleiner Gebiete kann helfen die Regenerationsfähigkeit zu erhöhen. Die Verbreiter von Samen und Sporen (Vögel, Säugetiere und Insekten) überbrücken geringe Distanzen (AIKEN/LEIGH 1995, S. 14). Aber allein schon das Auftreten von feuerresistenten Pflanzen auf degradierten Böden verhindern das Waldwachstum (zu hohe Beschattung, Nährstoffkonkurrenz etc.) (ebd.).
Der beste Schutz für die Waldökosysteme und die unter ihnen liegenden Böden wäre das Entfernen des Menschens aus diesen Regionen. Da diese Vorstellung utopisch ist, dienen Maßnahmen wie das hangparallele Pflügen (contur farming) und Agroforstwirtschaft dem Bodenschutz. Wenn also der Wald schon gerodet ist und dort Ackerbau betrieben wird, können die Auswirkungen der Wassererosion durch contur farming vermindert werden. Soll die Ausdehnung der gerodeten Flächen für die Gewinnung von Ackerflächen (hier nur für Kleinbauern) verringert werden, bietet sich die Agroforstwirtschaft an. Hier wird zwar die ursprüngliche Vegetation entfernt, doch es wird auf eine ausgewogene Mischung von forst-und landwirtschaftlicher Nutzung geachtet und eine hohe Bodenbedeckungsrate erreicht (HAMILTON 1988, S. 106).
7 Mykorrhiza: Symbiose zwischen Pilzen und Wurzel, wobei die Bäume aus der verbesserten Mineralsalz- und Wasserversorgung durch den Pilz profitieren (SITTE et al 1999, S. 361)
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3 Beispiele für Regionen mit dem Sarawak-Syndrom
3.1 Mittelmeerregion im römischen Reich
Der Stand der Forschung der heutigen Zeit lenkt den Fokus auf die aktuellen Probleme der Menschheit mit dem Umgang der Ressourcen. Leider wird dabei der Blick häufig nur in die Zukunft gewandt und Hypothesen für die folgenden Entwicklungen anhand von wissenschaftlichen Forschungsmethoden aufgestellt. Mit den schon 2000 Jahre zurück liegenden menschlichen Eingriffe in den Landschaftshaushalt soll gezeigt werden, wie die Entwicklung der heutigen Gebiete aussehen könnte, wenn die Entwaldung weiter voran schreitet. Die Diskussionen welche Ursache die Veränderungen haben - seien sie nun menschlicher oder natürlicher Natur - sollten niemals die Auswirkungen aus dem Blickfeld verlieren.
3.1.1 Überblick über geographische Situation der Mittelmeerregion
Der Mittelmeerraum dehnt sich über eine Fläche von 4.300.000 km² aus und umfasst ein
breites Spektrum an Boden- und Geoökosystemtypen 8 (YAALON 1995, S. 157). Der Mittelmeerraum steht unter dem klimatischen Einfluss des Azoren-Hochs. Im Südwesten beeinflusst der Monsun das Klima und dem asiatischen Monsun der westliche Teil befindet sich unter atlantischem Einfluss im Südwesten (GROVE 2001, S. 122). Der Regen wird von sich ostwärts bewegenden Tiefdruckgebieten in diese Region gebracht (ebd.). Das führt zu warmen, trockenen Sommern mit Feuchtedefiziten und milden, regenreicheren Wintern (YAALON 1995, S. 157). Diese stark saisonale Verteilung des Niederschlags zeigt sich darin, dass im Winter der Regenfall um den Faktor drei höher ist als im Sommer (ders., S. 159).
WAGNER (2001, S. 225) beschreibt, dass aufgrund der klimatischen Verhältnisse der mediterrane Landschaftshaushalt naturbedingt sehr sensibel ist. Das hygrische Risiko nimmt von Nordwest nach Südost zu und mindert die Wirksamkeit des realen Feuchtdargebotes (ders.). In diesen benachteiligten Gebieten kommt es zur starken saisonalen Konzentration der Niederschlagsereignisse (WAGNER 2001, S. 225; THIRGOOD 1981, S. 19).
8 Unterschiedliche Autoren treffen unterschiedliche Angaben zur Abgrenzung der Mittelmeerregion. Die
vorliegende Arbeit nimmt als Abgrenzung des Mittelmeerraumes die Ausdehnung des Römischen Reiches als
Grundlage. Da es hier um eine beispielhafte Darstellung gehen soll, spielt die genaue Zahl der Ausdehnung
keine große Rolle.
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Im allgemeinen ist das Klima und nicht das anstehende Gestein die Hauptdeterminante der Bodenentwicklung im Mittelmeergebiet (CLARK 1996, S. 272). Böden dieser Region zeichnen sich durch eine geringe Profilentwicklung aus und fossile Böden sind weit verbreitet (ebd.). Die Bodenfruchtbarkeit umfasst die gesamte Spannweite von niedriger bis hoher Fruchtbarkeit, hier sind regionale Studien gefordert um Aussagen über einzelne Gegenden treffen zu können (ders., S. 273; YAALON 1995, S. 157). Verbreitete Bodentypen sind: Terra Rossa, Parabraunerden und Calcisole (ebd.).
In Abhängigkeit von Niederschlag entwickelte sich eine Vegetation, die sich aus Eichen, Oliven, Zypressen, Pinien und Zedern zusammensetzt (REALE/DIRMEYER 2000, S.189). Mit zunehmender Trockenheit verschwinden die Bäume, und Büsche sowie Korkeichen bestimmen das Landschaftsbild. Als Klimaxvegetation wird die offene Waldlandschaft angenommen (YAALON 1995, S. 158).
3.1.2 Historische Entwicklung und Landnutzungswandel in
Mittelmeerregion
Um sich einen Überblick über die historische Entwicklung im Mittelmeergebiet zu verschaffen, muss man sich auf archäologische Funde und historische Quellen stützen. Die Entstehung des Römischen Reiches kann zeitlich zwischen 200 v. Chr. und ungefähr 500 n. Chr. eingeordnet werden (WAGNER 2001, S. 23). Auf der Abbildung 4 kann man die Ausdehnung während dieser Zeit erkennen (siehe Seite 18 oben).
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SEUFFERT (2000, S. 37) vertritt die Meinung, dass vor allem im östlichen und südöstlichen Mittelmeerraum die Auswirkungen der „anökologischen“ Verhaltensmuster zu erkennen sind. Dort vollzog sich vor mehreren tausend Jahren der Wandel von Jägern und Sammlern zum Ackerbau und Viehzucht und markierte den „Ur-Einstieg“ in die Landschaftsdegradation
(ebd.) 9 . Teile des Mittelmeerraumes gelten als Bereiche mit der längsten durchgehenden Besiedlung und Kultivierung von über 5000 Jahren Dauer (YAALON 1995, S. 164). Man kann davon ausgehen, dass ursprünglich 40% der Fläche bewaldet waren (ebd.). Wie auch in der Region Sarawak hatte die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Flächen einen großen Einfluss auf die Waldbestände der Mittelmeerregion. Die Veränderungen der Landnutzung fand - im großräumigen Maßstab - während des Phönizischen und Römischen Reiches statt (BOLLE 2003, S. 22). Die Reichsstruktur zeichnete sich laut WAGNER (2001, S. 24) durch eine zentralistische Verwaltung und die agrarische Erschließung aus. Laut THIRGOOD (1981, S. 7) wurden die Wälder der damaligen Zeit danach beurteilt, wie viel Ernten sie erbringen und welche Funktionen sie erfüllen. Die Wälder waren die Rivalen um den Platz für Feldbau und Viehweiden und wurden den Bedürfnissen der Menschen angepasst (ebd.; SEUFFERT 2000, S. 37). Während der Zeit des Römischen Reiches vollzog sich demnach der Übergang von einem Agrarstaat zu der Entwicklung vieler Gewerbe und kriegwichtiger „Industrien“ (WAGNER 2001, S. 25).
Es gibt Anzeichen für ein gutes Bodenmanagement mit gezielter Düngung, Fruchtfolge, Brachen und bodenschützenden Bearbeitungstechniken, um die übermäßige Ausbeutung der landwirtschaftlichen Ressourcen zu vermeiden (THIRGOOD 1981, S. 7; REALE/DIRMEYER 2000, S. 166). Aber auch Bewässerung, Konturpflügen und Terrassierung waren den Menschen in dieser Zeit nicht unbekannt, was auf einen schützenden Umgang mit dem Boden hinweist, allerdings scheinen diese im Laufe der römischen Herrschaft in Vergessenheit geraten zu sein (THIRGOOD, S. 22; YAALON 1995, S. 164). BARKER (2002, S. 494) erläutert, dass die „grünende Wüste“ in Nordafrika durch ein von den Bauern betriebenes Wassermanagement geschaffen wurde. Die Bauern errichteten Wälle um den Oberflächenabfluss der Plateaus zu kanalisieren und verteilten es damit in die Wadis
9 Hier ist allerdings anzumerken, dass jedes menschliches Handeln einen Eingriff in das jeweils betroffene
Ökosystem darstellt. Es gibt allerdings Unterschiede in der Schnelligkeit der Verringerung der
Bodenfruchtbarkeit. Als Beispiel seien die Camellones rund um den Titicaca-Sees in Bolivien genannt. Eine
langanhaltende landwirtschaftliche Bodennutzung führte durch die Angepasstheit an die dortigen
Bodenbedingungen zu einer mehr als 2000 Jahre andauernde Bodennutzung - ohne allerdings die
Bodenfruchtbarkeit zu beeinträchtigen!
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(ebd.). Dadurch war der Anbau von Pflanzen mit hohem Wasserbedarf möglich, wie zum Beispiel Getreide, Leinsamen, Feigen und Wassermelonen (BARKER 2000, S. 494). Im ersten Jahrhundert nach Christi veränderten sich die Landnutzungstechniken (REALE/ DIRMEYER 2000, S. 170). Kleinbauern, die ihre Fruchtfolge selbst festlegten wurden durch Großbauern abgelöst (ebd.) Monokulturen entstanden und in manchen Regionen gab es die Monopolstellung eines landwirtschaftlichen Gutes (diess.). Marginale Standorte wurden kultiviert und die Landschaft durch Drainagen, Flusseindämmungen und Aquädukte verändert (BOLLE 2003, S. 22). Die Landwirtschaft sollte den steigenden Bedarf der Provinzen decken und immer größere Getreidetransporte aus Sizilien, Nordafrika und Ägypten waren notwendig, um die wachsende Bevölkerung der Städte zu ernähren (WAGNER 2001, S. 24). Allerdings waren auch die Armeestandorte von den Agrarprodukten des Umlands abhängig. Ehemalige Legionslager entwickelten sich nach der Ansiedlung von Veteranen zu Dauersiedlungen (ebd., S. 68). Italienische Anbaumethoden und Produkte wie Getreide, Oliven und Obst breiteten sich aus und stellten den Grundtypus der mediterranen Kulturlandschaft dar (WAGNER 2001, S. 24). Die Landwirtschaft war zugleich die größte Einnahmequelle des Römischen Reiches (REALE/DIRMEYER 2000, S. 169). Der anhaltende Bedarf an Nutz- und Brennholz, Holzkohle, die dichte urbane Bevölkerung, der Schiffbau und die Nutzung der Flächen für Weideland verringerten den Baumbestand (Vgl. THIRGOOD 1981, S. 7; BRÜCKNER 1986, S. 15, FRENZEL 1991, S. 2). Die Bedeutung einer nachhaltigen Holzversorgung und die Auswirkungen der Abholzung durch Erosion waren laut FRENZEL (1995, S. 2) den antiken Beobachtern bewusst, doch Anstrengungen zum Schutz der Wälder waren weder weit verbreitet noch sehr wirksam, da die Politik die Abholzung befürwortete.
Römische Quellen geben kaum quantifizierbare Antworten auf die Fragen nach dem Ausmaß und dem Ort der Abholzung, aber sie vermitteln den Eindruck von großflächiger Forstwirtschaft und Abholzung während der langen Periode der römischen Hegemonie (FRENZEL 1991, S. 1). Der demographische Wandel wird als Faktor der Ressourcenverknappung angesehen, doch fälschlicher Weise wird das Problem der Entwaldung oft auf die ländliche Überbevölkerung zurück geführt und weniger auf die Bedürfnisse der städtischen Einwohner (THIRGOOD 1981, S. 8). Teilweise bezeichnen Autoren die steigende städtische Bevölkerung als Lösung des Problems des ländlichen Bevölkerungsdruckes (ebd.). Durch die Verbesserung der Verkehrsbeziehungen zwischen den einzelnen Regionen konnten auch Gebiete mit schlechter Versorgung mit Lebensmitteln beliefert werden (ders.). Aus heutiger Sicht ist dies eine zu eng gefasste Betrachtung der Zusammenhänge.
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Man kann davon ausgehen, dass die Ausweitung von Siedlungsfläche und die Intensivierung der Landwirtschaft in fruchtbaren Gebieten nicht zur Verbesserung des betroffenen Bodens führt.
Die Errichtung von Kolonien förderte zusätzlich den Schiffbau. Die Mutterstädte sollten mit landwirtschaftlichen Produkten versorgt werden, da während dieser Zeit die Nachfrage nach qualitativ und quantitativ verbesserter Produkte stieg (THIRGOOD 1981, S. 9). SEUFFERT (2000, S. 37) wendet an dieser Stelle ein, dass die bekannten bodenschützenden Maßnahmen der Nachfrage nicht standhalten konnten und ökonomisch nicht mehr akzeptabel waren (vgl. REALE/ DIRMEYER 2000, S. 170).
Der Bewaldungsgrad im heutigen Mittelmeerraum beträgt nur noch vier Prozent (YAALON 1995, S. 164).
3.1.3 Folgen der Entwaldung
BRÜCKNER (1986, S. 15) beschreibt, dass die Erosion durch die menschlichen Aktivitäten verdoppelt wurden. Die Abholzung veränderte das Mikroklima, Hydrologie, Relief und Bodenbildung der Gebiete: die Abholzung führt zur verstärkten Einstrahlung der Sonne, höheren Temperaturen und reduziert die Bodenfeuchtigkeit der oberen Schichten (THIRGOOD 1981, S. 26; BRÜCKNER 1986, S. 15). Die anthropogenen Einflüsse waren enorm und stellten in den meisten Regionen den dominierenden Faktor für die Bodenerosion dar (BRÜCKNER 1986, S. 15). Doch die Auswirkungen der menschlichen Rodungen wären nicht so fatal, wenn sie nicht im Mittelmeergebiet stattgefunden hätten (ebd.). SEUFFERT (2000, S. 38) beschreibt dies treffend als die Verschärfung der thermischen und hygrischen Kontraste im Jahresgang (vgl. Kapitel 3.1.1). Der durch die langen trockenen Sommer ausgetrocknete Boden kann die starken Niederschläge des Winters nicht speichern und der Niederschlag wird oberflächlich abfließen, da die Niederschlagsmenge die Infiltrationsraten übersteigt.
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Die Folgen der Entwaldung und der anschließenden landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen führt zu linienhafter fluviatiler Erosion und zu flächenhafter und schleichender Denudation (WAGNER 2001, S. 226). Durch die verstärkte Abspülung des Bodens kommt es zum Verlust des organischen Materials (ebd.). Die Bodenfruchtbarkeit wurde geschmälert durch den verstärkten Abtrag des besonders nährstoffreichen Oberbodens und die daran gekoppelte Bodenmächtigkeit (SEUFFERT 2000, S. 38; FRENZEL 1991, S. 2). Am Ende dieses Prozesses kann man die Beseitigung der Humusschichten und die Freilegung des anstehenden Gesteins beobachten (WAGNER 2001, S. 226; KOSMAS et al 1996, S. 218).
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Die Abbildung 5 zeigt schematisch den Ablauf der Bodendegradation. In Regionen mit kalkhaltigem Ausgangsgestein treten zusätzlich Lösungsvorgänge auf und die Ver-karstung setzt ein (ebd.). Um die Größen-ordnungen des Bodenabtrags zu verdeutlichen, führen KOSMAS et al (1996, S. 220) den Vergleich von Weinanbau und Oliven an: beim Weinanbau wurden Bodenverluste von 5 bis 12 mm/ha gemessen, während es bei einem Olivenhain nur 0,32 bis 3 mm/ha sind. D. h. beim Olivenanbau verliert der Boden nur geringfügig an Masse, doch beim Weinbau beträgt der Verlust 4,4 t/ha (ebd.) Durch Tonverlagerungen und Veränderung-en des Bodenkohlenstoffgehaltes wird die laterale Bewegung des Wassers im Boden Abb. 5: Ablauf der Bodendegradation (aus: SEUFFERT 2000, S. 39) verhindert und Oberflächenabfluss erhöht (YAALON 1995, S. 160). Der erhöhte Oberflächenabfluss ließ die Wasserstände der Flüsse schwanken und gefährliche Fluten wurden häufiger durch die verminderten Versickerungs- und Speicherkapazitäten des Bodens (BRÜCKNER 1986, S. 15; WAGNER 2001, S. 226). Die Sedimentfrachten der Flüsse stiegen an, verstopfte Flüsse, formte Deltas und brachte malariabefallene Sümpfe hervor, so dass Städte verlassen wurden und die Wiederansiedlung in den weniger fruchtbaren Gebieten und Bergländer erfolgte (THIRGOOD 1981, S. 8; WAGNER 2001, S. 228; SEUFFERT 2000, S. 40). Die Überschüttung von Böden, vor allem an Flussunterläufen und Beckenlagen, sowie die Austrocknung oberflächennaher Bodenschichten als Folge der verstärkten Evapotranspiration und die Absenkung des Grundwasserspiegels sind die Auswirkungen der Bodenerosion (SEUFFERT 2000, S. 38/39). Die Ausmaße der erhöhten Sedimentation zeigt SEUFFERT (2000, S. 39): umfangreiche in Richtung Meer verlagerte Küstenlinien am Adriarand, die völlige „Verschüttung“ römischer Häfen (Ravenna) und kilometerweite landeinwärtige „Verschiebung“ der ehemaligen Hafenanlagen und der zu ihnen gehörenden Siedlungen waren zu beobachten. Diese Sedimentfrachten sind in diesem Umfang nur durch Menschen induzierte, massive Bodenerosion in ökologisch instabilen Landschaften zu erklären (SEUFFERT 2000, S. 39).
Welchen Einfluss allerdings klimatische Veränderungen auf die stattgefundene Bodenerosion hat, wird von GROVE (2001) hinterfragt. Die Bodenerosion kann ein Zeichen für schnelles Populationswachstum, die Ausbreitung landwirtschaftlich genutzter Flächen und Entwaldung sein. Doch die Zeitpunkte der Entwaldung und der verstärkten Bodenerosion werden dabei kaum beachtet und können nur ein Teil der Erklärung sein (GROVE 2001, S. 121).
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Das Problem besteht in dem zeitlichen Zusammenhang zwischen Abholzung und Ablagerung von Sedimenten. Bodenerosion wird zwar durch Entwaldung hervor gebracht, doch es gibt die Tendenz nicht zwischen geomorphologischer und anthropogener Bodenerosion zu unterscheiden (GROVE 2001, S. 123).
Quantitative Angaben zu regionalen Degradationsvorgängen in diesen Zeiten sind nicht möglich und qualitative Aussagen sind nur bedingt aussagefähig, da wiederholte, nicht vom Menschen beeinflusste Klima-bedingungen das geoökologische Geschehen überlagerten, deren prozessuale Auswirkungen durchaus Degradationscharakter haben können (SEUFFERT 2000, S. 39; GROVE 2001, S. 123). Doch YAALON (1995, S. 164) konnte einen Sedimentabtrag von 50-200 t/km² und Jahr über den Zeitraum von 200 Jahren feststellen. Kleinere „Eiszeiten“ mit einem erhöhtem Niederschlag spielen eine größere Rolle als bisher angenommen und die hohen Raten des Bodenabtrags können nicht zwangsläufig nur auf das menschliche Handeln zurück geführt werden (GROVE 2001, S. 132). BOLLE (2003, S. 22) geht davon aus, dass sich die Vegetation in Verbindung mit der landwirtschaftlichen Ausdehnung und der voranschreitenden Erosion verändert hatte. Durch die Entfernung der ursprünglichen Vegetation blieben nur wenige mehrjährige Pflanzen übrig und Schlüsselarten wurden entfernt (THIRGOOD 1981, S. 11). Weniger an die neuen Bedingungen angepasste und anspruchs-vollere Arten verschwanden: Macchie (Hartlaubvegetation des Mittelmeer-raumes) als extrem wieder-standsfähiger Vegetationstyp wurde durch die Garigues, den offenen mediterranen Strauchheide-formationen, und später durch die Batha ersetzt (ebd.). Die Abbildung 6 zeigt den Ablauf der Veränderungen der Vegetation durch menschliche Einflüsse im Mittelmeerraum. Allerdings betont THIR-GOOD (1981, S. 12), dass es in extrem degradierten Regionen schwierig festzu-stellen ist, wie die Klimaxvegetation aussehen sollte.
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Diskutiert wird auch die Frage, ob die ackerbauliche Nutzung oder das Brachfallen der Felder als Hauptgründe für die Erosion angesehen werden können Abb. 6: Degradation der Vegetation (aus: WAGNER 2001, S. 229)
(BRÜCKNER 1986, S. 15). Die Bewässerung und die Bearbeitung der Flächen endete, doch die natürliche Vegetation konnte sich aufgrund der verschlechterten hydrologischen Bedingungen nicht mehr ausbreiten (REALE/DIRMEYER 2000, S. 170).
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Die anhaltende Entsiedlung durch Völkerwanderungen und Beulenpest hinterließ verlassenes Land und zerstörte Terrassen (YAALON 1995, S. 164, WAGNER 2001, S. 68). Für BARKER (2002, S. 489) stellt sich nach den Funden von spektakulären Ruinen die Frage, worauf die „grünende Wüste“ zur Zeit des Römischen Reiches zurück geführt werden kann. Die einstmals dichte Besiedlung in heutigen Trockengebieten kann verschiedene Ursachen haben: hochentwickelten landwirtschaftliche Produktionsmethoden oder ein Klimawandel mit vermehrtem Regenfall zu dieser Zeit (ders.). Viel wichtiger scheinen jedoch die von BARKER (2002) aufgeworfenen Fragen zu den Gründen der Degradation der blühenden Felder der Antike. Führte wirklich eine Klimaveränderung zu verschlechterten Anbaubedingungen, kam es zur Bodendegradation durch die Nutzung des Bodens als landwirtschaftliche Fläche oder vollzog sich der Hauptteil der Bodenerosion erst durch das Verlassen der Felder (BARKER 2002, S. 489)? Auch THIRGOOD stellt sich die Frage, was also zu einer solch katastrophalen Verschlechterung der Bedingungen für die Landwirtschaft geführt hat (1981, S. 7).
Die Rolle des Menschen auf die anscheinend veränderten Klimabedingungen wird von manchen Autoren in betracht gezogen (THIRGOOD 1981, S. 21; REALE/DIRMEYER 2000, S. 211). Allerdings ist diese Frage nur schwierig zu beantworten: Gebiete, die heute verwüstet sind, liegen in Bereichen mit 200 bis 500 mm Niederschlag im Jahr (z. B. Syrien und Nordafrika) und unter diesen Bedingungen sind Siedlungen und Landwirtschaft möglich (THIRGOOD 1981, S. 21). Der Wandel der Landschaft im Mittelmeerraum ist ein Indikator, aber noch kein Beweis für ein trockneres Klima (REALE/DIRMEYER 2000, S. 164). Die Landschaft kann sich durchaus als Konsequenz der Entwaldung verändert haben, ohne die Notwendigkeit des verringerten Niederschlags (ebd.). REALE und DIRMEYER (2000, S. 170) sehen Beweise für eine Erwärmung des Klimas im Mittelmeerraum in Zeitraum zwischen 500 v. Chr. und 500 nach Christus. Innerhalb dieser Zeit konnte durch
Pollenanalysen eine Abnahme der Vegetation 10 festgestellt werden, besonders betroffen waren Rosaceaen und Oleaceaen (dies.). Das Absinken der Albedo während des Römischen Reiches führt zu einen Anstieg der Oberflächentemperatur über Nordafrika durch die Entfernung der natürlichen Vegetation (REALE/DIRMEYER 2000, S. 211). Das allein allerdings kann nicht für eine relevante Erhöhung des Niederschlags verantwortlich sein. Durch die Oberflächenerwärmung wird eine Konvektion ausgelöst, die laut REALE/DIRMEYER (2000, S. 211) die Innertropische Konvergenz (ITC) in Richtung
10 Die Autoren treffen allerdings keine Aussage, welchen Anteil an der veränderten Vegetation die sich
ausbreitende landwirtschaftliche Fläche und Siedlungsbauten hatten.
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Norden verschob. Dadurch verschoben sich die trockenen Bereiche weiter in den Mittelmeerraum und sorgten dort für verringerten Niederschlag (dies.). Laut BOLLE (2003, S. 23) wurde mit Hilfe von verknüpften Land-Atmosphären-Modellen herausgefunden, dass zum Beispiel der Bereich vom Niltal bis zum Atlasgebirge, Gebiete in Südeuropa wie Griechenland und die Iberische Halbinsel zur Zeit des Römischen Reiches feuchter waren. BOLLE (2003, S. 22) jedoch unterstreicht aber, dass die großräumigen Veränderungen der Landschaft keine langfristigen Auswirkungen auf das Klima gehabt haben. Klimaänderungen, wie sie den Umfang dieser Sedimentationsraten erklären könnten, gab es während des Römischen Reiches nicht (SEUFFERT 2000, S. 39).
3.2 Neuseeland
3.2.1 Überblick über geographische Situation Neuseelands
In Neuseeland herrscht laut RATUSNY (2000, S. 23) ein ganzjährig humides Klima und die natürliche Vegetation wird durch Wälder geprägt. In Neuseeland lässt sich ein hoher Anteil an endemischen Arten finden, fast 35% der Farne, Moose und Flechten kann man nur auf diesen Inseln finden und der Anteil unter den Samenpflanzen und Nadelgehölzen beträgt sogar 80 Prozent (RATUSNY 2000, S. 25). Die lange entwicklungsgeschichtliche Isolation der neuseeländischen Flora und Fauna ist die Ursache für die Anfälligkeit der Waldökosysteme (ebd., S. 27). Laut GLADE (2003, S. 298) entwickelten sich 85-90% des Landes bis zum Klimaxstadium vor 3000 Jahren.
3.2.2 Historische Entwicklung und Landnutzungswandel Neuseelands
Zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert fand die erste Besiedlung des heutigen Neuseelands durch die Maori statt (GLADE 2003, S. 299; RATUSNY 2000, S. 27). Die Folgen für die Gebirgswälder hielten sich in Grenzen, da die Siedlungen bevorzugt an Küstensäumen und Unterläufen der Flusstäler errichtet wurden (RATUSNY 2000, S. 27; GLADE 2003, S. 229). Bevor 1840 die ersten Siedler Neuseeland erreichten, waren die gebirgigen Regionen nur wenig durch menschliche Aktivitäten beeinflusst (GLADE 2003, S. 297). Erst mit dem Kontakt zu den ersten Europäern setzten großflächige Rodungen ein (RATUSNY 2000, S. 27). Durch Brandrodung zerstörten diese Ureinwohner etwa 50% der Wald- und
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Buschwälder 11 (ders.). Die europäischen Kolonisten siedelten im Hinterland und rodeten die dortigen Wald- und Buschlandschaften zur Gewinnung von Weideland (ebd.). Am Ende des 18. Jahrhundert wird die Maoribevölkerung auf 100.000 bis 500.000 Menschen geschätzt (RATUSNY 2000, S. 35). Gleichzeitig mit der Besiedlung der ersten Europäer wurden die Maoris langsam zu einer Minderheit (ders., S. 27). Im Zeitraum von 1780 und 1840 gab es die ersten punktuellen Erschließungen durch die Europäer in Gestalt von Walfangstationen auf der Nordinsel (RATUSNY 2000, S. 29). Dort fand ein selektiver Holzeinschlag statt (ders.). Es wurde keine eigentlicher Holzhandel mit England und Australien betrieben, sondern es handelte sich nur um gelegentliche und unregelmäßige Ladungen, bei denen je nach Bedarf und Ladekapazität die Holzfracht verschifft wurde (RATUNSY 2000, S. 31). England wurde in dieser Zeit mit „Spezialholz“ versorgt, da die geraden und langen Baumstämme sich hervorragend für schiffbauliche Zwecke eigneten (ebd., S. 30). Obwohl nach diesen frühen Holzausbeutungen noch keine flächenhaften Entwaldungen stattfanden, gab es nach RATUSNY (2000, S. 33) 1840 erste Anzeichen für Holzknappheit. Der Rückgang des Bedarfs an Schiffbauholz aufgrund der Verwendung von Metall veränderte die Situation der Knappheit nicht (ders., S. 47).
Eine interessante Gegebenheit ereignete sich mit der Ausbreitung der Kartoffel: Seefahrer hinterließen Felder auf Neuseeland, welche sie bei ihrer erneuten Ankunft zur Versorgung mit Lebensmitteln nutzen konnten. Unter den Feldfrüchten befand sich auch die Kartoffel. Diese war besser an das Klima angepasst als die von den Maori angebauten, vergleichbaren Pflanzen (RATUSNY 2000, S. 35). Die Maori bemerkten den Stellenwert der Kartoffel für die Europäer und begannen diese anzubauen um Handel zu betreiben (ebd.). Dadurch breitete sich die agrarische Nutzung auch zum Bergland hin aus und großflächige Rodungen folgten (RATUSNY 2000, S. 35).
Um 1800 fand ein mehrphasiger Entwaldungsvorgang statt, an dem äußere und innenbürtige Steuerungsfaktoren eine Rolle spielten (RATUSNY 2000, S. 21). Allerdings gab es nicht, wie es zu vermuten wäre, eine Korrelation zwischen der technischen Entwicklung der Einschlagsmöglichkeiten und der Entwaldung, sondern die Rodung war die Folge der Erschließung und wurde dann aufgrund sich verändernder wirtschaftlicher Bedingungen voran getrieben (ders.).
11 Als Orientierungspunkt zur Feststellung des Umfangs der Entwaldung geht man von dem Zustand der
Vegetation vor der ersten polynesischen Besiedlung aus (RATUSNY 2000, S. 25).
29
Der sich im 20. Jahrhundert abzeichnenden Holzknappheit wurde mit Aufforstungen entgegen gewirkt (vgl. RATUSNY 2000, S. 21). Eingeführte Baumarten nahmen kaum ein halbes Jahrhundert später Flächen von waldgleichem Charakter ein (ebd., S. 27). Ab 1913 wurde die Aufforstung mit exotischen Arten vor allem auf waldlosen Gebieten voran getrieben (ebd., S. 48). Ab 1920 förderte der Staat die Aufforstung von schnellwachsenden Kiefern zur Bereitstellung der Holzversorgung und zur Vermeidung zukünftigen Holzmangels des britischen Diminions (RATUSNY 2000, S. 18). Aufforstungen wurden gezielt dort betrieben, wo die Landwirtschaft aufgrund klimatischer, pedologischer und organisatorischer Bedingungen fehlschlug (ders).
Die bestehenden Aufforstungsflächen sollten von 22.500 ha bis zum Jahre 1935 auf 121.500 ha gesteigert werden (ebd.). Tatsächlich wurde dieses Ziel sogar um 40.000 ha übertroffen: der Arbeitskräfteüberschuss durch die Weltwirtschaftskrise wurde zur Aufforstung genutzt (RATUSNY 2000, S. 48). Der bevorzugte Baum der Wiederbewaldung war und ist die Monterey-Kiefer (Pinus radiata). Im Gegensatz zu den langsam wachsenden einheimischen Arten stellt sich ein schneller Holzzuwachs ein (ebd.). Pinus radiata wurde auf 55% der staatlichen Forste und über 80% der privaten Aufforstungen angepflanzt (ders.). Die Aufforstung in Neuseeland wird als wichtiger und anhaltender Landnutzungswandel angesehen (DAVIS/CONDRON 2002, S. 675). Innerhalb der 10 Jahre von 1990 bis 2000 wurden 440.000 ha Grass- und Buschland mit der Monterey-Kiefer aufgeforstet, vorliegende Zahlen sprechen von einer Flächenzunahme von 618.000 ha bis zum Jahr 2002 im vergleich zu 1992 aus (ebd., SCOTT et al 2006, S. 85). Jährliche Zuwachsraten von Waldfläche in der Größenordnung von 32.000 bis 100.000 ha sind keine Seltenheit (SCOTT et al 2006, S. 85). Einheimische Primär- und Sekundärwälder findet man auf 23% der Landesfläche und auf 5% des Staatsgebietes befinden sich Nutzforste (RATUSNY 2000, S. 17). Im Jahre 2010 werden forstwirtschaftliche Erzeugnisse die Hauptausfuhr des Landes darstellen und den Export dominieren. Der steigende Holzbedarf der ost- und südostasiatischen Industrie- und Schwellenländer ließ die Aufforstungen seit 1990 erneut ansteigen (RATUSNY 2000, S. 17). Die FAO prognostiziert einen steigenden Weltholzbedarf bei gleichbleibenden Wachstumsraten um über 40% (zitiert in: RATUSNY 2000, S. 17). Dies ist ein Grund für den beschleunigten Wandel des eher traditionell strukturierten Forstsektors hin zu einer innovativen Forstindustrie, die als große wirtschaftliche Chance gesehen wird um
den Rückgang der Nachfrage nach Agrarprodukten auszugleichen 12 (ebd.). Als problematisch bei der monokulturartigen Aufforstung durch 95% Monterey-Kiefern sei die Schädlings- und
12 In wie weit hier die Erfüllung des Kyoto-Protokolls eine Rolle spielt sei dem Leser überlassen.
30
Brandgefahr und die einseitige Abhängigkeit von natürlichen Ressourcen durch schwankende Weltmarktpreise genannt (RATUSNY 2000, S. 17).
Die Vegetation unterlag in den letzten 150 Jahren einer drastischen Veränderung. Die rezente Pflanzenbedeckung und der exotische Pflanzenbewuchs sind ökologisch instabil und können sich ohne menschliches Eingreifen nicht regenerieren (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.70). Sämtliche ursprünglich vorhanden Waldarten wurden durch die Europäer um 80 bis 98% reduziert. Allein die Strandwälder waren wenig betroffen, sie haben für ackerbauliche Zwecke ungeeignete Böden und die Holzerträge sind zu gering (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.70).
Doch nicht nur durch das direkte Eingreifen des Menschen in den Landschaftshaushalt veränderte sich die Vegetation. Die Einfuhr von Nutztieren (Ziegen, Schafe), anderer Säugetiere (z. B. Ratten) und invasive Pflanzenarten (Clematis-Arten) wandelten die Artenzusammensetzung und verhindern die natürliche Regeneration (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.70).
3.2.3 Folgen der Entwaldung und der Aufforstung
Schon 1940 zeigten sich die Folgen der agrarkolonalisatorischen Erschließung anhand der Bodenerosion (RATUSNY 2000, S. 51). Die Bodendegradation präsentiert sich in vielfältiger Weise in Neuseeland. Es gibt Anzeichen für das Absinken der Bodenproduktivität auf der Süd- und Nordinsel. Die Entwaldung führte zu langzeitigen Veränderungen der Vegetation und irreversiblen Schäden (GLADE 2003, S. 299). Ein Merkmal für den degradierten Boden ist die Erosion, die von allen Symptomen die schwerwiegendste und in menschlichen Maßstäben irreversible ist (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.51), da es
zwischen ein und vier Jahrhunderten benötigt um 12 cm Oberboden zu produzieren 13 . Nährstoffverluste und Versauerung verringern die Fruchtbarkeit durch den Verlust an organischen Materials. Zwar kehrt die Vegetation nach einigen Jahren wieder auf die erodierten Böden zurück, doch diese ist weniger produktiv, da der Boden eine geringere Horizontdicke und weniger Nährstoffe enthält (STATE, S. 8.52). Rinnen-, Rillen- und Gully-Erosion fanden auf leicht abfallenden Hängen statt, aber diese Auswirkungen waren vor der Besiedlung der Europäer nur sehr lokal und die meisten Hänge blieben stabil (ebd.). Die strukturelle Degradation ist das Problem mancher Ackerlandgebiete in Neuseeland.
13 Diese Zahlen sind natürlich stark abhängig vom Bodentyp (vgl. MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S.
8.52)
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Die Bodenverdichtung beschreibt im allgemeinen den Verlust der Bodenstruktur durch oberflächliche Verkrustung, Verfestigung und Deformation durch Reifen und Bodenbearbeitung (SCRIMGEOUR/SHEPHERD 1998, S. 831, MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.51). Es können vier Auslöser für die Bodenverdichtung genannt werden: a) auf feinen sandigen und lehmigen Böden mit niedrigem organischen Gehalt wird das feine Bodenmaterial durch Pflügen und Wassertransport in die Bodenporen verlagert, wodurch sich bei Trocknung eine feine Kruste bildet, b) die Hufe der Tiere sinken bei feuchterer Witterung in den Boden ein, in den entstandenen Trittlöchern sammelt sich das
Wasser und vermindert den Abfluss 14 , c) auf Böden mit instabilen Aggregaten werden durch wiederholte Bodenbearbeitung die Bodenaggregate „sortiert“ und bei Trockenheit erstarren die feinen Partikel zu einer dichten Masse und d) schwere landwirtschaftliche Maschinen verdichten den Bodenhorizont unter der Pflugschicht (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.58). Die Bodenverdichtung erhöht die Bodenbearbeitungskosten, reduziert den Oberboden durch Winderosion und erschwert die Keimung (SCRIMGEOUR/SHEPERD 1998, S. 832). SCRIMGEOUR und SHEPERD (1998) befragten Bauern zu dem Problem der Bodenverdichtung. Diese gaben an, dass dies zu einer schlechten Bodenstruktur und -atmung mit geringen Regenwurmpopulationen führt (ebd., S. 834; vgl. BASSETT et al 2005, S. 827). Dadurch kommt es zum Wasserstau auf den Oberflächen und einer verringerten Pflanzengesundheit mit geringerer Durchwurzelung. Das macht die Pflanzen anfälliger gegenüber der Witterung und geringere Ernten sind die Folge. Der Bauer benötigt mehr Traktorleistung und mehrmaliges Befahren vor der Aussaat wird notwendig, was Produktionskosten erhöht (SCRIMGEOUR/SHEPERD 1998, S. 834). Die Bodenverdichtung beeinflusst auch die abnehmende Verfügbarkeit von Sauerstoff für die Pflanzen (BASSETT et al 2005, S. 827). Die Zahl der Makroporen, in denen die Wurzeln wachsen verringert sich und beeinflusst die Bodentemperatur, da der Boden die Wärme länger speichert (SCRIMGEOUR/SHEPERD 1998, S. 834). Die Wirkung der Bodenverdichtung hat eine verringerte Infiltration und die mechanische Beanspruchung des Bodens durch Erosion zur Folge (diess.). Im Hinblick auf die natürliche Regenerationsfähigkeit ist anzumerken, dass diese durch erhöhtes Unkrautwachstum auf diesen Standorten eingeschränkt ist (ebd.). Für die Umkehr des Prozesses würde der verdichtete Boden ungefähr 50 Jahre mit Weidenutzung brauchen, um wieder eine landwirtschaftlich nutzbare Bodenstruktur zu bekommen (ebd.).
14 Dieser Prozess ist selbstverstärkend (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.58).
32
Laut SCRIMGEOUR und SHEPERD (1998, S. 839) sind die Präventionskosten zur Vermeidung von Bodenverdichtung geringer als die Verluste durch selbige. Die Tunnelerosion ist ein weiteres Phänomen der Bodenerosion. Sie tritt laut HARDENBICKER (2002, S. 104) in Verbindung mit oberflächenhaft wirkender Bodenerosion und Hangrutschungen auf. In Neuseeland sind besonders die semiariden sommertrockenen Gebiete betroffen (ebd.). Die Kombination von Bodenhorizonten unterschiedlicher Permeabilität und Aggregatsstabilität und die Fragipanentstehung bedingen die Anfälligkeit gegenüber der Tunnelerosion und Hangrutschungen (dies.). Die
Fragipanentstehung 15 reduziert deutlich die Infiltrationsfähigkeit, da lösshaltige Böden unter Wassersättigung eine sehr geringe Stabilität aufweisen und anfällig gegenüber der subterranen Erosion sind (HARDENBICKER 2002, S. 106). Trotz aller natürlichen Dispositionen für unterirdische Erosionsformen, kann das heutige Ausmaß der Erosion im wesentlichen als ein von anthropogenen Ursachen ausgelöstes Ereignis angesehen werden (ebd., S. 108). Die Rodung, Schafbeweidung und die Einfuhr von Kaninchen schaffen Bedingungen für die Entstehung von Trockenrissen, durch die das Niederschlagswasser schnell in untere Horizonte eindringen kann (dies.).
Die Vegetationsdecke ist der wichtigste Faktor bei dem Auftreten von regenwasserbeeinflussten Hangrutschen (GLADE 2003, S. 297). Die Umwandlung von Wald- und Buschland in Ackerland lässt die geomorphologischen Prozesse schneller ablaufen, inklusive Wind- und Wassertransport, Rinnen-, Rillen- und Gully-Erosion (GLADE 2003, S. 298). Es gibt indes keinen einfachen Zusammenhang zwischen Vegetationsdecke und Erosion, da auch unter Wäldern Hangrutsche dominierende Prozesse sein können (ders.). Wie dem auch sei: die Entfernung der Vegetation scheint gefolgt zu sein von ansteigender Bodenerosion. Erhöhte Sedimentraten konnte GLADE (2003) schon seit der Besiedlung der ersten Maori feststellen. Die natürlichen Sedimentraten von 1,5 bis 2,4 mm/a in den untersuchten Seen wurden durch die Maori um 60% gesteigert, aber es ist noch kein Zusammenhang auf Hangrutsche feststellbar (GLADE 2003, S. 300). Seit 1880 stiegen die Sedimentation auf 13 mm/a, was zum Teil auch auf die Massenbewegungen zurück geführt werden kann (ebd., S. 297). Doch nicht nur in den Seen lagerte sich das transportierte Material ab. GLADE (2003, S. 305) beschreibt, dass sich die Flussmündungen um das zwei- bis vierfache ausweiteten.
15 Fragipan: Bildung Säulengefüges in tieferen Profilabschnitten infolge der Verlagerung von Tonmineralien
(HARDENBICKER 2002, S. 105)
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Der Boden ist der größte Speicher von Kohlenstoff in terrestrischen Biosphären und weitere Forschungen sind notwendig, um die Kohlenstoffspeicherung zu quantifizieren (DAVIS/CONDRON 2002, S. 675). Die Aufforstung von Grasland bietet laut DAVIS und CONDRON (2002, S. 675) die Möglichkeit der Verminderung des CO 2 -Anstiegs in der Atmosphäre durch Fixierung des Kohlenstoffdioxids in der Biomasse und zur Einhaltung des Kyoto-Protokolls (dies.; SCOTT et al 2006, S. 86). Es gibt die Hypothese, dass sich der Bodenkohlenstoffgehalt nach der Aufforstung von Grasland erhöht, da die Kreislaufraten von Kohlenstoff und Stickstoff bei diesen Bedingungen verlangsamt werden (schlechtere Zersetzung des organischen Materials) (diess., S. 676). In dieser Studie zeigte sich hingegen, dass die mineralische Kohlenstoffkonzentration unter Grasland größer war als unter den aufgeforsteten Gebieten (DAVIS/CONDRON 2002, S. 686). Die erhoffte Erhöhung des Kohlenstoffgehalt des Bodens hatte nur einen schnellen und kurzfristigen Effekt erzielt. Die Aufforstungen seit 1992 mit Pinus radiata auf einer Fläche von über 600.000 ha befinden sich zu 85% auf fruchtbaren Weideland (SCOTT et al 2006, S. 85). Dies führt zu schneller Akkumulation von Kohlenstoff in der Vegetation, doch die Effekte auf den Bodenkohlenstoffgehalt sind nur wenig untersucht (ebd.).
Bei der Umnutzung von Weideland zu Wäldern verändert sich die Verfügbarkeit, Qualität und Quantität des Kohlenstoffeintrages zeitlich und strukturell (organischer oder mineralischer Kohlenstoff) (SCOTT et al 2006, S. 86). Unter Weideland ergeben sich die meisten Kohlenstoffanreicherungen durch die Durchwurzelung, durch Einträge der Weidetiere und der Verfügbarkeit von Detritus (ebd.). Diese Inputs sind leicht abbaubar und führen zu einer hohen mikrobiologischen Aktivität in der Rhizosphäre (diess.). Die größten Detritus-Inputs für Waldböden stellt der überirdische Pflanzenabfall dar, welcher ligninreich ist und niedrige Stickstoffkonzentrationen aufweist (SCOTT et al 2006, S. 86). Dadurch verläuft die Kompostierung der abgestorbenen Pflanzenteile nur langsam. Der pH-Wert des Bodens war am größten unter Weideland und am niedrigsten unter der Bewaldung von 400 Stämmen pro Hektar (SCOTT et al 2006, S. 90). Ähnliche Aussagen lassen sich zur Bodentemperatur treffen: diese war bei Weideland um etwa 2-4°C höher. Die Bodenfeuchte der untersuchten Standorte unterschied sich allerdings nicht (ebd., S. 91). Mit Hilfe des Roth-C-Modells wurden die Bodenkohlenstoffgehalte gemessen: bis zu einer Tiefe von 0,3 m kompensierte die Aufforstung die Kohlenstoffverluste von Weideland (diess.). Die Ergebnis-se von SCOTT et al (2006, S. 92) zeigen einen signifikanten Abfall von totalem und mikrobio-logischem Kohlenstoff- und Stickstoffgehalt und die Kreislaufraten dieser Stoffe verlangsamten sich
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nach der Aufforstung. Der größte Verlust von mineralischem Bodenkohlenstoff fand mit steigender Bestandsdichte statt. Während wenig Veränderungen bis zu einer Tiefe von 0,3 m feststellbar waren, konnte eine Verringerung um 50% des Bodenkohlenstoffes in einer Tiefe zwischen 0,3 und 0,4 m festgestellt werden (ebd.). Ins-gesamt sinkt der Bodenkohlenstoffgehalt durch Beweidung und viele Rotationen und auch die Menge an entnommenen Detritus kann diese Gehalte beeinflussen (SCOTT et al. 2006, S. 93).Der Verlust von Kohlenstoff aus dem Boden wird in Gebirgen als wichtigster auf Bodenerosion wirkender Faktor angesehen, da das organische Material Bodenpartikel zu Aggregaten verbindet (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.57; SHEPHERD et al 2001, S. 465).
Die Aufforstung mit Monterey-Kiefern bewirkt auch eine chemische Bodenverschmutzung. Die Monterey-Kiefer ist ein Weichholz und nach der Fällung anfällig gegenüber Pilzen und Fraßinsekten (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997, S. 8.63). Um einen Holzbefall zu vermeiden wird PCP (Pentachlorphenol), das Dioxin und Furan enthält, aufgetragen. Zwar wurde PCP 1991 in Neuseeland verboten, doch noch heute lässt er sich in einigen besonders stark betroffenen Regionen in grundwassergenerierenden Schichten finden (MINISTRY FOR ENVIRONMENT 1997; S. 8.64).
In den Abbildungen 7 und 8 lassen sich die Zusammenhänge zwischen Bewaldung und Erosion deutlich erkennen. Die Abbildung 7 mit dem Bewaldungsgrad scheint fasst das Negativ der Abbildung 8 (Erosion) zu sein, da genau dort Erosionserscheinungen auftreten, wo der Wald gerodet wurde.
35
Abb. 8: Erosionsgefährdung in Neuseeland
(aus: RATUSNY 2000, S. 133)
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4 Zusammenfassung
Die Konversion und Übernutzung der Waldökosysteme in der Region Sarawak, als namensgebende Region für das Sarawak-Syndrom, zeigt vielfältige Auswirkungen. Es wurden mindestens 35% der Landesfläche gerodet. Den Anfang dieser Rodungen stellt die Ausnutzung der Ressourcen durch die Kolonialmacht dar, um Großbritannien mit von der Industrie benötigten Gütern zu versorgen. Kautschuk und später Palmölbäume, Gewürze und Tabak wurden gezielt angepflanzt. Entwaldung war die Folge. Es kam zu einem Wandel der traditionellen Anbaumethoden zu der industriellen Landwirtschaft, da die Subsistenzwirtschaft nicht mehr die einzige Einnahmequelle darstellte. Der Bedarf an Arbeitskräften ließ die Bevölkerung anwachsen und dementsprechend auch den Bedarf an Land für Ackerbau. Wieder wurde gerodet. Dabei ist Rodung mehr als nur eine neue Landnutzungspraktik (TOLE 1998, S. 20). Die Auswirkungen zeigen sich gerade in den Entwicklungsländern in einem erhöhten Bevölkerungswachstum, wachsender Landlosigkeit, Ungleichheit im Zugang von Land, großflächige Ausdehnung konventioneller Landwirtschaft, dem Verschwinden traditioneller Systeme des Ressourcenmanagements und die ausgedehnte Migration verarmter Bevölkerung in ökologisch fragile Bereiche (ders.). Die Abhängigkeit von der natürlichen Ressource Wald macht die sich entwickelnden Ökonomien anfällig. Durch diesen einzigen Eingriff in den Landschaftshaushalt wird eine Vielzahl beinahe unüberschaubarer Wechselwirkungen ausgelöst; allein die Wirkung ist einfach zu beschreiben: das menschliche Handeln übersteigt die Tragfähigkeit des Bodens und die Regenerationsfähigkeit der Wälder. Der irreversible Verlust des Bodens als Lebensgrundlage durch verstärkte Erosion hat begonnen.
Die Entwaldung des Mittelmeergebietes vor über 2000 Jahren kann als Sarawak-Syndrom bezeichnet werden. Die Ähnlichkeiten der beiden Regionen sind groß. Hier kam es auch zu Rodungen durch politische Veränderungen, Bevölkerungswachstum und dem Verlust der bodenschonenden Bewirtschaftungsweisen. Allerdings kann man in dieser Region die Langzeitfolgen der Entwaldung heute schon sehen. Unter Umständen zeichnet dieser Eingriff
in den Landschaftshaushalt den Weg vor, der in den kommenden Jahren und Jahrzehnten von Regionen beschritten wird, die jetzt von Entwaldung und Bodenerosion betroffen sind, bis hin zur völligen Zerstörung der ursprünglichen Vegetation und Desertifikation/Badlands.
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Neuseeland scheint schon einen Schritt weiter zu sein. Das Sarawak-Syndrom zeigt sich hier genauso anhand der großflächigen Rodungen und der Gewinnung von Weideland. Der Auslöser war die Kolonisierung durch Europäer. Der primäre Wald wurde zu 80 Prozent gerodet. Die vielen der Entwaldung ausgestorbenen endemischen Arten sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Wälder sich nie wieder selbst regenerieren können. Seit 1990 wird die Aufforstung in Neuseeland forciert. Die Neuseeländer sehen die Forstwirtschaft als neue Einnahmequelle für den Export an, nachdem die Einnahmen durch Agrarprodukte nicht mehr die erhofften Gewinne erbringen. Natürlich möchte man auch die im Kyoto-Protokoll festgelegten Ziele durch die Baumanpflanzung erreichen. Aber der Nachhaltigkeitsgedanke wird vernachlässigt. Es zeichnen sich Tendenzen ab, die auch bei der Aufforstung mit Monokulturen Nachteile für das Ökosystem Boden nach sich ziehen. Die ständige Entnahme von Holz aus dem System stellt einen Verlust an Nährstoffen dar. Werden diese nicht wieder ersetzt - möglichst nicht mit Kunstdünger - wird auch der Boden unter einem Baumbestand zu leiden haben. Auch die Verluste an Bodenkohlenstoff sollten weiter beobachtet werden.
“By felling trees, which are adapted to the slopes and summits of mountains, men of
every climate prepare for future ages at once two calamities: want of wood and scarity
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Arbeit zitieren:
Uta Kuberg, 2006, Sarawak-Syndrom, München, GRIN Verlag GmbH
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