Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragen zu Galater 4,1-11. 3
2. Eine Einführung in den Galaterbrief und seinen Kontext. 4
3. Exegese 7
3.1 Verse 1-3 7
3.2 Verse 4-5 9
3.3 Verse 6-7 11
3.4 Verse 8-10 14
3.5 Vers 11 15
4. Wirkungsgeschichte. 16
5. Systematische theologische Auswertung 18
6. Anwendung/ Kontextualisierung 19
7. Schlussbemerkung 23
Literatur Verzeichnis. 24
Anhangsverzeichnis 24
Die folgende Textanalyse und Exegese soll dem besseren Verständnis des Galaterbriefs (4,1-11) und einem persönlichen Vorankommen und Wachsen im Glauben dienen.
1. Einleitung und Fragen zu Galater 4,1-11
In diesen Versen behandelt Paulus im Besonderen das Thema um die Befreiung vom Gesetz durch Christus, das Bleiben und Leben in der Freiheit. Als Übersetzung werde ich die revidierte Elberfelder Bibel benutzen, da Wörter wie unmündig, Frist oder loskaufte mehr Aussagekraft haben als minderjähriger, zu dem Zeitpunkt oder befreit, wie sie die Gute Nachricht verwendet. Die Gute Nachricht Bibel, Luther und Elberfelder weisen zwar keine elementaren Unterschiede auf, aber die Gute Nachricht legt bereits einzelne Stellen aus, somit ist die Elbefelder näher am Urtext und besser geeignet. Sollte ich an einzelnen Stellen eine andere Übersetzung als die Elberfelder benutzen, werde ich darauf hinweisen. Der Abschnitt der Verse 1-11 wirft einige Fragen auf. Zum Beispiel: N Wer ist der Erbe und warum ist er unmündig? N Wann ist die Zeit erfüllt oder ist sie nun erfüllt mit Jesus? N Was bedeutet die Kindschaft Gottes? N Und was bedeutet die Erlösung vom Gesetz? N Was sind die schwachen Mächte und Götter der Welt? N Was sind die bestimmten Tage und Monate? N Was bedeutet das vergeblich an euch gearbeitet zu haben? Diese Fragen sollen durch die Einzelexegese geklärt werden, auch soll der Abschnitt zum besseren Verständnis des Textes ausgelegt werden. Durch eine Anwendung des Textes auf heute soll deutlich gemacht werden, was der Text nicht nur mir, sondern auch anderen zu sagen haben könnte. Beginnen werde ich mit einer allgemeinen Einführung in den Galaterbrief.
2. Eine Einführung in den Galaterbrief und seinen Kontext
Verfasser des Galaterbriefs ist ohne Zweifel Paulus, da dieser Brief die typischen Merkmale eines Paulusbriefs aufweist wie Sprache, Schreibstil und Wortwahl. 1 Zudem gibt sich Paulus selbst als der Schreiber dieses Briefes aus. Was die Empfängerschaft anbelangt ist es nicht so ganz klar, kann aber auf zwei Möglichkeiten beschränkt werden. Erstens: Die Römische Provinz Galatien, die in der Mitte von Kleinasien liegt, das heutige Ankara. Oder aber zweitens: Galatia, was die gesamte östliche Hälfte Kleinasiens umfasst, wie die Gebiete Pamphylien, Pisidien und Lykaonien. 2 Paulus schreibt den Brief wahrscheinlich auf seiner dritten Missionsreise um 53-54 n. Chr. in Ephesus oder Mazedonien. Paulus gründete wahrscheinlich auf seiner zweiten Missionsreise die Gemeinde in Galatien. 3 Der Skopus oder der rote Faden des Galaterbriefs liegt in der Verteidigung des Evangeliums gegen Irrlehren, die in dreierlei Weise auftraten: 4 1. Menschen werden durch Jesus und das Gesetz gerecht vor Gott. 2. Menschen werden allein durch das Halten der Gesetze gerecht. 3. Der Glaube der Menschen an Gott reicht nicht, um gerettet zu werden. Paulus stellt ganz klar die rettende Gnade durch den gekreuzigten Jesus in den Vordergrund. Die Irrlehren greift er aber nicht nur einfach an, sondern untermauert seine Meinung mit den Gegensätzen zwischen Gnade und Gesetz. Deshalb kann dieses Schreiben auch als Lehrschreiben bezeichnet werden. Die Empfänger dieses Briefs waren Nachfahren der 20.000 keltischen Söldner, die 278 v. Chr. von König Nikomedes I. von Bithynien angeheuert wurden, also Heiden, die zum Glauben gekommen waren. Sie ließen sich im Gebiet um Gordion und Ancyra (das heutige Ankara) nieder, das später nach ihnen Galatien genannt wurde. 5
Der zweite Skopus liegt in der Befreiung vom Gesetz durch Jesus und das neue Leben im Geist und in der Freiheit, 6 was auch den größten Teil des Galaterbriefs in Anspruch nimmt. Das ist ab Kapitel 3, 1, wo Paulus seine Anliegen darzulegen und zu
1 Hier muss auf weiterführende Literatur verwiesen werden, wie z.B. E. Lohse, Paulus: eine Biographie. München 1996.
2 Siehe Karte im Anhang
3 Vgl. G. Hörster, Bibelkunde, mit Einleitung zum neuen Testament, Wuppertal/Deerfield 2006, 220-222.
4 Vgl. A. C. Gabelein, Kommentar zum neuen Testament, Dillenburg/New York, 2002, 357-361.
5 N. Kospoth, Galater, übersetzt, Verfügbar über http://de.wikipedia.org/wiki/Galater, Datum des Zugriffs: 6. November 2006.
Gesamter Text im Anhang.
6 Vgl. A. C. Gabelein, a.a.O., 357-361.
erörtern beginnt bis zu Kapitel 6,11, wo Paulus noch einmal mit Nachdruck und Ermahnung auf das Thema eingeht. Zwischen diesen Kapiteln steht auch der Text, mit dem wir uns befassen werden: Galater 4,1-11.
Um einen groben Überblick über den gesamten Text zu bekommen, werde ich den Text neu gliedern und die neue Gliederung anhand eines Textschaubildes erklären. Textüberschriften 1. Der unmündige Erbe
2. Wir waren genauso unmündig bis Gott durch Jesus eingriff 3. Warum wir die Sohnschaft empfingen 4. Ihr seid nicht mehr unmündig, egal wer ihr seid 5. Bleibt frei wie ihr frei geworden seid Der unmündige Erbe
Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist; sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist. Wir waren genauso unmündig bis Gott durch Jesus eingriff
So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der Welt versklavt, als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die loskauft,
Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!
Ihr seid nicht mehr unmündig, egal wer ihr seid
Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott. Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht
Götter sind; jetzt aber habt ihr Gott erkannt - vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden.
Bleibt frei wie ihr frei geworden seid
Wie wendet ihr euch wieder zu den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr wieder von neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und bestimmte Zeiten und Jahre.
Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe. Diese Gliederung könnte man auch versuchen in einem Gesamttextschaubild darzustellen, da hier sehr deutlich der Unterschied zwischen dem unmündigen Erben und der Sohnschaft, sowie der Weg in die Sohnschaft, gezeigt werden kann. Bibelstellen sind blau untermalt
Das Textschaubild kann nun in einem zeitlichen Ablauf dargestellt werden. N Der Erbe ist unmündig, da er unter dem Gesetz steht und der Weg zur Kindschaft so nicht möglich ist.
N Deshalb ist er in der Knechtschaft, also gleich wie ein Knecht. Jesus aber wurde unter das Gesetz getan, damit der Weg aus der Knechtschaft möglich wird, der Mensch also von der Knechtschaft erlöst wird.
N Nun ist es dem Knecht oder unmündigen Erben möglich, die Kindschaft oder das Erbe anzutreten.
N Der Erbe soll aber nicht wieder zurück in die Knechtschaft oder unter die Mächte der Welt.
3. Exegese
Um den Text nun genau zu verstehen, folgt die Vers-für-Vers-Exegese oder Erklärung. Bibelstellen sind kursiv dargestellt. Um ein besseres Verständnis für den Text zu bekommen, werde ich zuerst den Bibeltext schreiben, dann besonders relevante Wörter auslegen und dann den Bibeltext noch einmal schreiben, dieser sollte nun mit den Erkenntnissen aus der Worterklärung noch einmal gelesen werden, bevor ich mit der Auslegung beginne. 1. Vers 2. Worterklärung/ Exkurse 3. Vers 4. Auslegung
3.1 Verse 1-3
1 Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist; 2 sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist.
3 So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der Welt versklavt; Exkurs: Erbe
Es ist wichtig, das Wort Erbe in zweierlei Form zu verstehen.
1. Mit Erben sind Juden gemeint, weil sie Gottes Volk sind und damit auch seine Kinder und Erben. Aber seit Jesus für unsere Schuld am Kreuz gestorben ist, sind alle Menschen, die an Jesus glauben, Miterben, was Paulus ein Kapitel vorher deutlich macht. Er schreibt in 3, 28-29:
Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft
Hier stellt Paulus ganz deutlich dar, dass alle Menschen Erben sind, wenn sie Christen sind. Also kurz gesagt: alle Gläubigen und nicht nur die Juden. 7
2. In westlichen Staaten setzt das Erbe normalerweise mit dem Tod eines Menschen ein. Hier wird allerdings vom Vater eine Frist eingesetzt, wann der Erbe eingesetzt werden soll. Dies geschieht oder geschah mit Jesus also nicht zufällig, sondern zu einer ganz bestimmten Zeit. Exkurs: Elemente der Welt 8
1. Vgl. 4,10 Schicksale, die von bestimmten Zeiten oder Sternen abhängig sind, wie Horoskope oder Sterndeuterei. Nichts, worauf man sich wirklich verlassen könnte. Im allgemeinen, dass man sich auf sich selbst verlassen muss und auf sein eigenes Können.
2. Vgl. 3,12 Die Einhaltung bestimmter religiöser Gesetze oder das Befolgen bestimmter Regeln. Die Volx Bibel drückt es ziemlich trivial aus, aber doch sehr treffend: „Wir waren total unfrei“. 9 Indem sie die „Elemente der Welt“ einfach weglässt und die Wörter „total unfrei“ einsetzt.
1 Ich sage aber: solange der Erbe unmündig ist, unterscheidet er sich in nichts von einem Sklaven, obwohl er Herr über alles ist; 2 sondern er ist unter Vormündern und Verwaltern bis zu der vom Vater festgesetzten Frist.
3 So waren auch wir, als wir Unmündige waren, unter die Elemente der Welt versklavt;
Paulus stellt im ersten Vers die Lage der Galater dar, nämlich dass sie unmündig sind. Das bedeutet, dass ein Unmündiger unfrei ist und tun muss, was andere ihm sagen, oder in diesem Fall, was das Gesetz sagt. Wenn nun Jesus alle Menschen zu Erben gemacht hat, ändert das noch nichts an der Tatsache, dass der Erbe unmündig ist und weiterhin unter dem Schicksal der Welt oder unter religiösen Sitten steht. Darauf haben sich auch die Irrlehrer in Galatien berufen: Man wird gerecht durch Jesus und das Halten der religiösen Gebote.
7 Weitere Bibelstellen, in denen Paulus die Gleichheit aller vor Christus darstellt. Zum nachlesen: Röm 9,8; Röm 4,16; Röm
10,12; 1Kor 12,13; Kol 3,11.
8 Gute Nachricht 2000 Bibel, Fußnote zu Galater 4,3
9 Volx Bibel, 2005, Galater 4,3 b.
Mit Vers 3 beginnt Paulus noch nicht mit seiner Argumentation, warum das nicht so ist, sondern stellt mit dem Wort „waren“ erst einmal fest, dass es nicht so ist. Mit den Wörtern Vormünder und Verwalter stellt Paulus nicht nur die Fremdherrschaft dar, sondern auch, dass Gott trotzdem versorgt. Denn Vormünder und Verwalter waren nach Strack/ Billerbeck nicht primär zur Verwaltung des Erbes bestimmt, sondern in erster Linie „für das leibliche und geistige Wohl seiner Pflegebefohlenen“ 10 verantwortlich. Das soll heißen, Gott meinte es zu keiner Zeit böse oder schlecht mit den Menschen. Er hat sie immer versorgt und umsorgt.
3.2 Verse 4-5
4 als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz,
5 damit er die loskaufte,
Exkurs: Gesetz
Allgemein: Ein Gesetz ist eine verbindliche Ordnung, die ein Übergeordneter einem Untergeordneten auferlegt. Diese können in verschiedenen Beziehungen zu einander stehen z.B.
Beim Galatertext bezieht sich nun das Gesetzt auf die Gott-Mensch Beziehung. Meist ist damit die Tora, die 5 Bücher Mose gemeint, in anderen Fällen das gesamte Alte Testament. Exkurs: unter Gesetz waren 11
Wenn nun Paulus davon spricht, dass Menschen „unter dem Gesetz“ sind, dann meint er, dass man alle Gebote und Vorschriften, die in der Tora oder im alten Testament geschrieben stehen, einhalten muss wie es in 3 Mose 26, 15-17 steht:
15 und (…), so daß ihr nicht alle meine Gebote tut und daß ihr meinen Bund brecht, (…) 17 Und ich werde mein Angesicht gegen euch richten, daß ihr vor euren Feinden geschlagen werdet. (…) , obwohl niemand euch nachjagt.
10 Vgl. H.L. Strack/ P. Billerbeck, Kommentar zum neuen Testament, Bd.3, München, 7 1979, 565.
11 M. Frey. Elbiwin kompakt, Version 90.00.16.07, Gesetz, in: Bibellexikon, 2001.
Für einen gläubigen Juden war der elementare Inhalt seines Glaubens und Lebens, dass er die Tora auswendig kannte und alle Gebote bis aufs Kleinste einhält und nichts Falsches tut. Exkurs: Fülle der Zeit kam
Auch hier trifft es die Volx Bibel sehr gut, indem sie sagt: „als der Termin gekommen war“ 12 . Ich finde das recht passend ausgedrückt, denn nichts anderes sagt Paulus hier.
Darüber, warum diese Zeit vor ungefähr 2000 Jahren war und nicht direkt nach dem Sündenfall 13 , gibt es die unterschiedlichsten Theorien. Da es aber in diesem Bibelabschnitt nicht um diese Frage geht, werde ich diese auch hier nicht behandeln, vor allem auch, weil es nichts zum Textverständnis beitragen und den Rahmen sprengen würde. Die Bibel bestätigt aber, dass Gott diesen Zeitpunkt aus einem bestimmten Grund und wohl auch ganz bewusst so gelegt hat. Im Hebräerbrief 1,1-2 steht:
1 Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, 2 hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat.
Gott hat auf verschiede Weisen zu den Menschen geredet und dann erst durch seinen Sohn. Warum? Das bleibt ungeklärt, aber dass er es genau so macht, wie Paulus hier schreibt, ist außer Frage.
4 als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz,
5 damit er die loskaufte,
Paulus stellt, wie gesagt, in den ersten Versen die Lage eines jeden Menschen dar, nämlich, dass er unmündig ist mit einem Leben nach Gesetzen und nach eigenem Schicksal.
12 Volx Bibel, 2005, Galater 4,4 a
13 Genesis 1,1-24 Und die Schlange war listiger als alle (…) Baum des Lebens zu bewachen.
Als nun eine bestimmte Zeit erfüllt war, hat Gott seinen Sohn zu den Menschen gesandt, damit er genau diesen Zustand der Gesetzesuntertänigkeit ändert, und die Menschen vom Gesetz befreite. Das geschah, indem Jesus ein vollkommenes Leben führte und alle Anforderungen, die das Gesetzt vorschreibt, einhielt. Dass Gott diesen Zeitpunkt auserwählte, macht nur deutlich, dass wir Menschen nichts zu der Gnade und zur Erlösung hinzu tun können. Auch musste dieses Angebot zur Erlösung von Gott kommen. Nur Gott war es möglich die Welt mit sich zu versöhnen, da ein Schuldiger sich selbst nicht fei sprechen kann. 14 Also musste ein unschuldiger kommen, um uns frei zu sprechen, nämlich Jesus. Somit können die Menschen, die genau aus diesem Grund das Erbe nicht antreten konnten, es nun antreten. 15 Das loskauft und empfingen aus Vers 5 sagt dies sehr deutlich aus. Zuerst mussten die Menschen vom Gesetz losgekauft werden, um dann die Sohnschaft 16 zu empfangen.
Dies lässt sich auch in einem Textbild darstellen:
Was es bedeutet, nicht mehr unter dem Gesetzt zu sein, wird in der Anwendung und Kontextualisierung (siehe Kapitel 6) noch einmal deutlich dargestellt.
3.3 Verse 6-7
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!
14
2.Kor 5,19
zurechnete und in uns das Wort von der Versöhnung gelegt hat.
15 Jesus hat die Zeremonial- und Zivil-Opfer aufgehoben, nicht aber die Moralgesetze, diese gelten weiterhin. Im Anhang findet
sich eine genauere Erklärung zu den Gesetzen. Zudem gilt kein Gesetz macht gerecht die Gesetze dienen nun zur Heiligung
16 Sohnschaft ist mit Kindschaft gleichzusetzen. Es wird also nicht nur das männliche Geschlecht angesprochen, Sohnschaft
bedeutet einfach nur ein Kind Gottes zu sein.
7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott. Exkurs: Geist
Da der Geist Gottes ein so großes Thema ist, kann das Wort Geist hier nur stichwortartig und in seiner Grundbedeutung erklärt werden. Ich verweise auf weiterführende Literatur oder Lexika.
Es gibt einen menschlichen Geist und einen göttlichen Geist, was in Röm 8,16 (LutherÜbersetzung) steht: Der Geist selbst gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Diese zwei Geister sind aber meist nur sehr schwer zu trennen oder es ist oft nicht zu unterscheiden, welcher Geist gemeint ist. Da im Galaterbrief davon die Rede ist, dass Gott den Geist gesandt hat, ist es eindeutig, dass an dieser Stelle der göttliche Geist gemeint ist. Deshalb werde ich hier auch nur auf den göttlichen Geist eingehen.
Das hebr. ruach wie auch das griech. pneuma bedeuten zunächst „Hauch“ oder „Wind“, übertragen dann „Geist“. 17 Vor Pfingsten und im Alten Testament wurde der Geist nur auf bestimmte Personen gelegt, aber seit Pfingsten können alle Menschen den Geist empfangen. Aber nicht nur einfach so. Die Bibel sagt uns, dass wir den Geist empfangen, wenn wir gläubig geworden sind, an dem Tag, an dem wir die Sünden vergeben bekommen haben. 18 Der Geist hat die „Aufgabe“, in den Gläubigen zu wirken, unter anderem durch das Gewissen und Verständnis der Bibel, soll zur Heiligung führen, helfen Gottes Wort zu verstehen oder trösten und zum Gebet inspirieren. 19 Zusammenfassend: den Geist haben wir von Gott empfangen, der Geist hilft uns, Gott zu erkennen und auch immer mehr so zu leben wie es Gott gefällt. Der Geist soll in unserem Leben regieren. Exkurs: Abba, Vater
Abba ist hier nicht übersetzt worden. Das „Vater“ nach dem „Abba“ ist vom Griechischen ins Deutsche übersetzt worden, denn Abba bedeutet Vater, sonst würde hier einfach „Vater, Vater“ stehen.
„Abba“ ist das chaldäische oder aramäische Wort für „Vater“. 20 Abba ist zu dem ein Wort, das selbst von Kleinkindern ausgesprochen werden kann, weil es nur mit den Lippen geformt wird.
17 K.H. Troyer, Bibel Workshop für Windows & Mac, Version 4.4 Build 330, Explorer, Geist, in: Lexikon zur Bibel, 2002.
18
Eph. 1,13 In ihm
geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung.
Apg. 19,2 und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid? Sie aber
sprachen zu ihm: Wir haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist <überhaupt da> ist.
Weitere Bibelstellen: Kol 1,5; Jak 1,18; 1Petr 1,25 b) 2Kor 1,22 c) Kap. 4,30; Apg 2,38.39; Gal 3,2.14
19 Gal 5,22 Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue,
Eph 5,9 denn die Frucht des Lichts
Gal 5,16 Ich sage aber: Wandelt im Geist, und ihr werdet die Begierde des Fleisches nicht erfüllen.
20 G.C. Willis Abba Vater! Was bedeutet dieser Ausdruck für uns Christen? (Einführung), übersetzt, verfügbar über
http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=532, Datum des Zugriffs: 2. November 2006. Gesamter Text im Anhang.
Dieses Abba drück nun eine ganz besondere Form der Vaterbeziehung aus, nämlich die, wie zu einem kleinen Kind, das völlig abhängig ist vom Vater.
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, der da ruft: Abba, Vater!
7 Also bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; wenn aber Sohn, so auch Erbe durch Gott.
In den Versen 1-5 ging Paulus darauf ein, dass alle Menschen unter dem Gesetz sind und dass diese durch Jesus vom Gesetz frei werden und frei sind. In den Versen 6-7 geht es nun um eine nochmalige Bestätigung, dass wir Kinder Gottes sind. Das Gesetz der Juden verlangte ein dauerndes Einhalten der Gebote. Mit der Erfüllung durch Jesu haben wir nun den heiligen Geist empfangen, der uns führen und leiten soll. Wie in der Erklärung bereits angedeutet, soll auch hier der Geist die Galater in der Frage führen, was richtig und was falsch ist was dies bedeutet. Sie dürfen gewiss sein, dass sie Kinder Gottes sind und nicht aus Gesetzen oder Werken gerecht werden wie es ihnen die Irrlehrer versuchten zu sagen. Außerdem versuchten die Menschen, durch eigene Kraft vor Gott gerecht zu werden, indem sie versuchten, alle Gesetze einzuhalten. Das war aber nicht möglich. Deshalb schreibt Paulus in Vers 3, dass die Menschen versklavt waren und nicht frei, was sie nun mit Empfangen des heiligen Geistes sind.
Paulus versucht, das an einer anderen Stelle der Bibel deutlich zu machen. Er sagt in 2. Kor 3,6: Der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.
Das Einhalten von Gesetzen macht die Gottesbeziehung zu einem Zwang, aber der heilige Geist und das Hören auf ihn befreit uns von diesem Zwang. Deshalb war das Bild von Gott einem Richter gleich, der nur darauf schaut, ob alle Gesetzte eingehalten werden. Deshalb schreibt Paulus auch von „Sklave“, weil es immer darum ging, Gesetzte einzuhalten.
Nun aber hat uns Jesus frei gemacht und erlöst. Das heißt, wir stehen nicht mehr unter dem Gesetz, sondern sind frei. Das wird deutlich, wenn Paulus das Wort „Abba“ benutzt, nicht mehr eine knechtische Anrede, sondern die väterliche,
fürsorgliche Anrede. Dies soll verdeutlichen, in welcher Beziehung wir nun zu Gott stehen. In einer liebenden Vater-Kind-Beziehung.
Hier wird eine „Aufgabe“ des Geistes in uns auch sehr spezifisch dargelegt; nämlich die der Erkenntnis, dass die Menschen Gottes Kinder sein dürfen.
3.4 Verse 8-10
8 Damals jedoch, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind;
9 jetzt aber habt ihr Gott erkannt - vielmehr ihr seid von Gott erkannt worden. Wie wendet ihr euch wieder zu den schwachen und armseligen Elementen zurück, denen ihr wieder von neuem dienen wollt?
10 Ihr beobachtet Tage und Monate und bestimmte Zeiten und Jahre. Paulus stellte fest, dass wir nun Kinder Gottes sind, frei vom Gesetz. In Vers 8 stellt er diese Tatsache noch einmal deutlich dar, indem er schreibt: dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind. Das ist das Gleiche wie Paulus bereits am Anfang in Vers 3 schreibt: unter die Elemente der Welt versklavt. Nur, dass wir in Vers 8 frei davon sind, anders als in Vers 3, wo wir noch unter dem Gesetz sind. Mit dem „jetzt“ in Vers 9 stellt Paulus nur noch einmal sehr deutlich dar, dass dies kein Zustand ist, der noch kommen wird, wie die Juden es meinen, die Jesus nicht als den Messias sehen, sondern noch auf den Messias warten. Mit dem „jetzt“ werden dann endgültig alle Zweifel ausgeräumt, dass es sich um eine andere Zeit handeln könnte als jetzt. Dass wir von Gott erkannt worden sind, hängt stark mit dem „Abba“ aus Vers 6 zusammen, denn das Kind kommt nicht zum Vater, sondern der Vater zum Kind. Auch wird hier die Entscheidung deutlich, dass Gott die Zeit bestimmt hat und nicht der Mensch, dem es wegen seiner Sünde auch nicht möglich gewesen wäre zu Gott zu kommen.
In Vers 9 spricht Paulus dann wohl nicht nur eine Warnung aus, sondern schreibt: wie wendet ihr euch wieder zu. Vielleicht sind einige bereits wieder auf dem Weg das zu tun. Auch habe ich die Irrlehrer am Anfang erwähnt. Es ist wahrscheinlich, dass
sich bereits einige wieder von Paulus’ Meinung abgewandt hatten und wieder zurück zum Gesetzt gekommen sind. Aber diese Warnung oder Aussage formuliert Paulus sehr geschickt, indem er fragt, ob sie denn von neuem diesen schwachen Mächten dienen wollen.
Mit den bestimmten Tagen, Monaten, Zeiten und Jahren ist wieder das Schicksal gemeint. Wahrscheinlich wollten die Menschen selbst etwas tun, um gerecht oder zumindest gerechter zu werden.
3.5 Vers 11
11 Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe. Wenn Paulus „vergeblich gearbeitet“ schreibt, dann meint er damit entweder, dass diese Menschen gläubig geworden sind und sich dann dem wieder abgewandt haben, oder aber, dass diese Menschen erst gar nicht zum Glauben gekommen sind. Für die erste Theorie spricht, dass der Brief vom Inhalt her an Gläubige geschrieben worden ist. Damit gilt anzunehmen, dass die Menschen gläubig waren. Wenn diese Menschen aber gläubig waren und Paulus nun sagt, dass er umsonst gearbeitet hat, dann würde das heißen, dass auch ein Christ verloren gehen kann. Da dieses Thema ebenfalls die Exegese sprengen würde, habe ich einen Exkurs im Anhang, ob ein gläubiger Mensch verloren gehen kann oder nicht. Dass Paulus schreibt „ich fürchte um euch“, drückt seine ernsthafte Sorge um die Menschen aus. „Fürchte“ soll ausdrücken, dass hier eine ernsthafte Gefahr vorliegt und eine echte Sorge um die Menschen.
Wenn man versuchen würde, den Text ganz Kurz zusammenzufassen würde, könnte das ungefähr so lauten:
Der unmündige, unter dem Gesetz stehende, Mensch ist durch Jesus frei geworden. Er ist zur Kindschaft gelangt, in welcher er bleiben soll. Er hat den Geist empfangen, der da ruft: Abba, Vater.
Mit dieser Sammlung von Wissen und Information lässt sich nun noch nicht so sehr viel für das Persönlich geistliche Leben anfangen, aber wir können den Text nun mit anderen Augen betrachten und versuchen, ihn auf heute zu übertragen ohne groß Gefahr zu laufen, Textstellen oder Wörter vorschnell auf heute zu übertragen, ohne die wirkliche Aussage des Textes zu verstehen oder in Betracht zu ziehen. Das soll heißen, die Bibel nicht immer wörtlich zu nehmen, aber immer beim Wort und dieses Beim-Wort-nehmen wurde im vorherigen Kapitel versucht.
Um nun eine Übertragung auf heute zu finden, ist es hilfreich einmal zu sehen, was der Text anderen Menschen im Lauf der Geschichte gesagt hat und welche theologischen, oder eventuell dogmatischen, Aussagen sich im Text finden. Danach kann mit der Übertragung auf heute begonnen werden.
4. Wirkungsgeschichte
Da der Galaterbrief eine sehr große Wirkungsgeschichte hat, will ich nur in Stichpunkten die für den Text tatsächlich wichtigen Aspekte aufzeigen.
- Ob die Gerechtigkeit aus dem Glauben, Werken oder aus beidem kommt, war nicht nur eine Frage, die sich die Galater gestellt haben. Diese Frage beschäftigte damals und beschäftigt bis heute Christen und Nichtchristen. Reicht es aus, an Gott zu glauben oder nicht? Diese Frage hat auch Martin Luther fast um den Verstand gebracht. Paulus stellt sich hier dieser Frage, die so elementar wichtig ist, denn sobald man auch nur annimmt, dass die Rechtfertigung nicht alleine aus Glauben kommt, werde ich nie Heilsgewissheit haben und auch nie frei sein. Was M. Luther dann auch erkannte. Auch ist der biblische Glaube der einzige, der die Rettung kostenlos und als Geschenk versteht. In allen anderen Religionen wird das Handeln des Menschen zur Rettung vorausgesetzt.
Texte wie Galater 4,1-11 haben Menschen wie M. Luther also geholfen, den wahren Gott zu finden. Egal in welche Zeit man schaut, zu den frühen Kirchenvätern oder in unsere Zeit, das Thema Rechtfertigung aus Glauben wird wohl nie ein Ende finden, obwohl Paulus bereits die Antwort hat.
- Der zweite Aspekt hängt sehr stark mit dem ersten zusammen. Wenn ich glaube, dass ich durch den Glauben diese väterliche Beziehung zu Gott aufbauen kann (dass ein liebender Vater seine Kinder auch straft, soll an dieser Stelle keinen so großen Stellenwert haben), dann wird sich das auf das Leben auswirken. Nicht nur D. Bonhoeffer, C. T. Boom oder andere bekennende Christen haben aus diesen Versen gerade im Leiden oder in der Anfechtung ihre Kraft, Mut und Trost bekommen. Bis heute finden die: „ABBA Vater“ Vers gerade in der Seelsorge häufige Anwendung zum Trost zum Verständnis des Vaterbild Gottes.
- Oft aber auch falsch verstanden wurde der Vers, wenn man ihn alleine oder einfach so aus dem Kontext reißt oder Gott nur diese eine Eigenschaft zuteilt. Denn Gott ist auch gerecht, heilig und geht mit Menschen sehr hart ins Gericht. Außerdem straft ein liebender Vater auch und gibt nicht alles, was seine Kinder von ihm verlangen. Der Text wird gerade wegen des oben genannten nie seine Wichtigkeit und starke Aussagekraft verlieren. Wie es auch immer wieder Menschen gibt, die versuchen werden, diesen Text so darzustellen wie es bereits die Irrlehrer in Galatien taten: man wird aus Werken gerecht nicht aus dem Glauben. Genauso wird es auch Menschen geben, die diese Verse der Rechtfertigung dazu gebrauchen werden, ein Leben in Sünde zu führen, weil sie ja nicht aus Werken gerecht werden, sie vergessen dabei aber die Ernsthaftigkeit der Nachfolge. Genau deshalb ist es immer wieder wichtig, sich zu fragen, was uns der Text in der heutigen Zeit sagt und wie ich ihn auf mein Leben anwenden kann. Um dies zu tun, sind die vorherigen Punkte wichtig, um zu wissen, was der Text sagt. Dann erst frage ich, wie ich es auf heute übertragen kann.
Ein letzter Schritt sollte aber noch vor der Übertragung auf heute getan werden. Und zwar, den Text nach dogmatischen Aussagen zu durchsuchen, was ebenfalls für die richtige Übertragung wichtig ist, um Aussagen im gesamtbiblischen Kontext zu betrachten.
5. Systematische theologische Auswertung
Soteriologischer Aspekt
In Vers 4-5 heißt es:
…sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die loskaufte,
Gott wird hier als der Sender von Geist und Sohn/Jesus genannt und wie im Text bereits erwähnt, als liebender Vater dargestellt. Was im gesamtbiblischen Kontext ebenfalls als völlig richtig erscheint. 22 Christologischer Aspekt
Jesus wird hier ganz explizit als Erlöser dargestellt. In Vers 4 heißt es: damit er die loskaufte, die unter Gesetz waren. Dies habe ich im Soteriologischen Aspekt bereits begründet. Pneumatologischer Aspekt
Eine der Aufgaben des Geistes in Abhängigkeit von Gott und als selbstständige Person ist hier, denen, die den Geist empfangen haben zu zeigen, dass Gott ein Gott der Liebe ist, der sich wie ein Vater um seine Kinder kümmert und sie liebt. Der Geist soll uns dies nicht nur zeigen, sondern uns auch in solch eine Haltung bringen, keine unbegründete Angst vor Gott haben zu müssen. 23 Trinitarischer Aspekt 24
1 Vater, vgl. Vers 2b: vom Vater festgesetzte Frist. 2 Sohn, vgl. Vers 4a: sandte Gott seinen Sohn. 3 Geist, vgl. 6a: sandte Gott den Geist seines Sohnes
Hier wird deutlich, dass diese drei Personen nicht von einander zu trennen sind und auch, dass der Sohn Jesus uns befreite und rettete, der Geist uns hilft diese Beziehung zu leben und zu verstehen und der Vater ist der Sender von Sohn und
21 Lukas 19,10; 5,32 und Johannes 7,16; 8,24 und Matthäus 9,13
22 Römer 8,15 und Psalm 57,2; 36,8 und Lukas 13,34; 12,28; 4,18 und Mathäus 6,30 und Johannes 7,39
23 Siehe Exkurs Geist.
24 Vgl. A. Schlatter, Die Briefe an die Galater, Epheser, Kolosser und Philipper, Erläuterungen zum Neuen Testament, Stuttgart/
Calw, 1987, 104-109.
Geist. Sie sind aber eben nicht trennbar. Auch diese Aussagen finden sich im NT-Kontext wieder. Eschatologischer Aspekt
In diesen Versen geht es ständig um das Erbe und am Ende der Verse heißt es Erben durch Gott, für die Zukunft heißt das eindeutig und ohne Zweifel, dass wir Erben sind. Als vorhersage für die Zukunft würde ich also sagen, dass wir Erben sind. Antagonistischer Aspekt
In Vers 9 werden die schwachen Mächte genannt, denen sich die Menschen nicht wieder zuwenden sollen. Aber personifiziert wird hier niemand. Es sei denn man nimmt die Aussage: „Die in Wahrheit keine Götter sind“ als Personen, was ich aber für übertrieben halte
Nach dieser systematischen theologischen Auswertung kann mit der Anwendung begonnen werden, da nun fast gänzlich ausgeschlossen werden kann, dass theologische Fehlinterpretationen oder Anwendungen geschehen.
6. Anwendung/ Kontextualisierung
Man könnte den Bibeltext jetzt in drei Zeitabschnitte teilen: 1 Vergangenheit: Verse 1-4 (waren)
Die Menschen waren in der Knechtschaft (3a): die unter Gesetz waren.
2 Gegenwart: Verse 5-8 (jetzt)
Die Menschen sind jetzt frei (7): also bist du nicht mehr Sklave.
3 Zukunft: Verse 9-11 (sollen)
Die Menschen sollen frei bleiben (9b): denen ihr wieder von neuem dienen wollt.
Hieraus könnte man eine Art Merksatz machen indem man sagt: Die Menschen waren in der Knechtschaft (durch den Sündenfall und das Gesetz), die Menschen sind nun frei (durch Jesus) und sie sollen frei bleiben.
Merksatz deshalb, da dies eine elementare Botschaft des Evangeliums ist, an der sich auch nichts ändern wird. Alle Eventualitäten, die das Thema der Rettung und
Gerechtigkeit vor Gott mit sich bringt, werden durch Galater 4 ausgeschlossen. Dass der Mensch die Rettung noch für sich persönlich in Anspruch nehmen muss, sehe ich ebenfalls durch die Bibel bestätigt 25 .
Um den Text auf heute zu übertragen ist es immer wichtig zu verstehen, was der Text den Menschen früher zu sagen hatte.
In der Einleitung findet sich fast eine Antwort darauf. Der Brief ist an Heidenchristen geschrieben, die zudem früher keltische Söldner waren. Also kann davon ausgegangen werden, dass sie mit den Schriften des Alten Testaments, sowie mit der gesamten Bibel, wie wir sie heute vorliegen haben, nicht vertraut waren. Die Gemeinde bestand zudem wohl noch nicht sehr lange, das heißt, es war noch kein so festes Fundament gelegt. Die Galater waren deshalb wohl sehr anfällig für verschiedene Meinungen. In dieses Umfeld schreibt Paulus also nun diesen Brief, vermutlich, um die Sachlage zu klären, um die Grundlagen des Glaubens zu klären, nämlich Jesus Christus und seinen Kreuzestod in den Mittelpunkt zu stellen. Der Brief wurde wohl in der Gemeinde weitergegeben und gelesen. Deshalb lässt sich die ursprüngliche Bedeutung wohl sehr einfach auf heute übertragen.
N Irrlehrer wird es immer geben, ein Fundament zu legen oder es zu festigen kann nie ein Fehler sein.
N Im Text werden theologische Grundwahrheiten angesprochen, die ihre Gültigkeit nicht verlieren.
N In dem Abschnitt findet sich keine spezifische Situation, die erklärt oder ausgelegt werden müsste.
Aber was hat der Text uns heute, den Christen und den Nichtchristen, zu sagen? Für die, die keine Christen sind, ist es in erster Linie ein Angebot, sich von den „Mächten und Gewalten“ unter denen sie ja noch stehen, befreien zu lassen, um in die Freiheit und die Gotteskindschaft zu kommen.
25 Siehe Joh 1,12
Für die Juden, die noch keine Christen sind, ist es das Angebot, sich doch von ihrer Gesetzlichkeit befreien zu lassen, die Werkgerechtigkeit abzulegen und die Gnade anzunehmen.
Für das gesellschaftliche Leben oder die Gemeinde wird nicht sehr viel gesagt, außer die bereits genannten Funktionen, die Paulus hier übernimmt, das Warnen und Richtigstellen von biblischen Lehren. Das allerdings auch nicht als Anwendung, sondern nur im übertragenen Sinne, so dass wir im Einzelnen auch speziell die Gemeinde daraufhin betrachten sollten, welche Lehre sie lehrt und was die Bibel zu dieser Lehre sagt.
Deshalb nun die Frage, was hat der Text den Christen von heute zu sagen?
Das Bild des Vaters, der einen Vormund einsetzt zeigt zum einen, dass Gott als Vater immer für seine Kinder sorgt und sie nicht alleine lässt, aber es auch noch nicht so weit ist, dass die Zeit für die Menschen gekommen wäre. Gott vergisst die Menschen nicht und hat sie auch in der Vergangenheit nicht vergessen. Ein Knecht weiß oft nicht, was sein Herr tut oder er empfängt Befehle ohne, dass er den näheren Grund erfährt. Wir als Christen sind nun Gottes Kinder und Gott hat sich in der Bibel geoffenbart. Wir kennen den Willen Gottes. Vielleicht nicht immer für unser Leben in alltäglichen Dingen, aber über unserem Leben steht: Kind, Kind Gottes. Gott, der uns versorgt und trägt. Denn Jesus selbst war unter dem Gesetz und auf dieser Welt. Er kann nachempfinden und mitfühlen.
Bevor Jesus gekommen ist, lehrte das Gesetz die Beschneidung, das Halten der Gebote. Das waren alles Dinge, die außerhalb des Körpers blieben, was auch ein Bild für das Gesetz ist. Seit Jesus gestorben und auferstanden ist, haben wir den Geist Gottes, der in uns wohnt. Gott ist in uns wie Paulus einmal in Galater 2,20 schreibt: …und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Nun ist es Gott selbst, der in uns Wohnung bezieht. Er lebt nicht mehr nur in einem Tempel. Das ist eine Zusage, die Paulus auch mit dem Wort Abba, Vater noch einmal unterstreicht. Nicht den knechtischen Geist der Welt, sondern den Geist, der da ruft: Abba, Vater, wie es in Römer 8,15 steht. Wir dürfen zu Gott kommen als Kinder. Dass wir Gottes Kinder sind, sollte dann aber auch automatisch Auswirkungen auf unser Leben haben. Das in zweierlei Form. Zum einen hat dies einen seelsorgerlichen
Aspekt. Gott meint es gut mit mir, ich darf zu ihm kommen wie ein Kind und muss ihm wie ein kleines Kind nichts beweisen. Gott liebt mich auch ohne Beweis, ohne mein Zutun.
Der zweite Punkt ist dem etwas entgegengesetzt. Gott möchte auch, dass ich so zu ihm komme wie ich bin und nichts verberge, dass ich mich fallen lasse. Dass ich Gott auch dann vertraue, wenn ich in einer Situation nicht verstehe, warum das gerade so laufen muss.
Der Text enthält aber auch eine ganz klare Warnung, dass wir nicht wieder zurück zu den schwachen Mächten sollen, die nicht Gott sind. Eine andere Stelle (Phil 3,16) drückt das so aus: Nur, was wir schon erreicht haben, darin lasst uns auch leben. Menschen, die frei vom Gesetz geworden sind, sollen auch frei bleiben. Warum sollten Menschen auch wieder zurück? Wenn man das Erbe und die Freiheit hat, warum sollte man wieder in die Knechtschaft? Dafür gibt es 100 Gründe. Wahrscheinlich ist einer, dass Jesus auch Gehorsamem von uns fordert und wir ihm folgen sollen. Nicht mehr den schwachen Mächten, sondern ihm, dem Guten und Vollkommenen, denn Jesus meint es gut. Jesus will nicht, dass wir unter der Knechtschaft stehen, es aber oft tun. Deshalb befreit er uns ja. Dazu gehört aber auch, dass wir ihm gehorsam sind. Die Gebote, vor allem die Liebesgebote, sind also keine Einschränkung, sondern ohne diese können wir die Freiheit nicht leben. Der Unterschied ist nun aber, dass wir nicht gerecht werden durch das Halten dieser Gebote, sondern durch Jesus. Das ändert aber nichts daran, dass wir diese Gebote befolgen sollen.
7. Schlussbemerkung
Die Fragen, die sich am Anfang gestellt haben:
sind damit hoffentlich beantwortet.
Aber zusammenfassend kann gesagt werden: Der Erbe war unmündig, weil die Zeit noch nicht gekommen war und weil die Menschen durch das Gesetzt nicht gerecht werden können. Die Erlösung vom Gesetz bedeutet einfach gesagt, dass wir die Gebote nicht mehr erfüllen müssen, um gerecht zu werden, da Jesus sie erfüllt hat. Wenn wir diese Erfüllung durch Jesus annehmen, sind wir Gottes Kinder. Gottes Kind zu sein bedeutet aber auch, Erbe zu sein und damit Anteil an der Ewigkeit bei Gott zu haben. Weil wir aber immer noch auf dieser Welt leben sollen, sollen wir nach Gottes geboten leben und nicht nach dem, was Gott nicht die Ehre gibt, nämlich nach dem zu leben, was die Götter dieser Erde wollen.
Literatur Verzeichnis
Frey M.: CD. Rom, Bibel Edition, Gute Nachricht Bibel 2000, Version 08.16.00.06, Ingenieur Büro M. Frey. 2002.
Frey M.. Elbiwin kompakt, Version 90.00.16.07, Ingenieur Büro M. Frey, 2001Dreyer M.: Volx Bibel, neues Testament frei übersetzt, Witten, Volxbibel Verlag, 2005.
Gabelein A. C.: Kommentar zum neuen Testament, Dillenburg/New York: Hänssler Verlag, 2002. Hörster G.: Bibelkunde, mit Einleitung zum neuen Testament, Wuppertal/Deerfield.: R.Brockhaus Verlag, 2006.
Kospoth N., Galater, übersetzt, Verfügbar über http://de.wikipedia.org/wiki/Galater, Datum des Zugriffs 6 November 2006. Gesamter Text im Anhang.
Schlatter A.: Die Briefe an die Galater, Epheser, Kolosser und Philipper, Erläuterungen zum Neuen Strack H.L. / P. Billerbeck, Kommentar zum neuen Testament, Bd.3, München, Mirdosch Verlag 1979. Troyer K.H.: Bibel Workshop für Windows & Mac, Version 4.4 Build 330, Explorer, 2002. Testament, Stuttgart/Calw.: Furche Verlag, 1987.
Willis G.C. Abba Vater! Was bedeutet dieser Ausdruck für uns Christen? ( Einführung ), übersetzt, Verfügbar über http://www.soundwords.de/artikel.asp?id=532 Datum des Zugriffs 2 November 2006. Gesamter Text im Anhang.
Anhangsverzeichnis
1. Karte von Galatien
2. Exkurs: Kann ein wiedergeborener Christ verloren gehen? 3. Exkurs: Gesetz
Anhang: Kann ein wiedergeborener Christ verloren gehen?
Dass ein Mensch, der nicht wiedergeboren ist, nach dem Tod in die Hölle geht, ist für die meisten Christen dem Verständnis der Bibel nach zutreffend. Was ist aber mit einem Menschen, der wiedergeboren ist?
Zuerst einmal gilt es zu klären, was „wiedergeboren“ bedeutet. Nach Johannes 3, wo Nikodemus genau diese Frage stellt, geht klar hervor, dass man durch Glaube an Jesus wiedergeboren wird. Wenn wir aber glauben, dann müssen wir ihm unser Leben übergeben. Nach Epheser 4,22-24 heißt das, den alten Menschen abzulegen und den neuen anzuziehen. Wiedergeboren ist man nach unserem Sprachgebrauch also, wenn wir Jesus durch Gebet bitten und glauben, dass er unsere Sünden vergibt und uns neu „schaffen“ kann nach Gott, wie es in Epheser heißt. Somit haben wir auch den heiligen Geist bekommen.
Dies ist eine sehr kurze und pauschal gehaltene Zusammenfassung, denn es soll hier nicht darum gehen, wer wiedergeboren ist und wer nicht, sondern vielmehr, ob es möglich ist, das Heil, also das ewige Leben bei Gott, wieder zu verlieren! Von einem Menschen zu behaupten, er hätte sich nicht „richtig“ bekehrt (also nicht den heiligen Geist erhalten) wenn er vom Glauben an Jesus abfällt, halte ich für zu simpel. Das mag vielleicht für Menschen zutreffen, die sich durch Druck oder in einer Masse aus einem Gefühl heraus anscheinend bekehrt haben, nicht aber im Herzen wirklich bereit sind und auch keine Erkenntnis der Sünde da ist. Die Bibel spricht in solch einem Fall von einem unbußfertigen Herz. Oder wie im Gleichnis vom Sämann, wo der Samen, obwohl er aufgegangen ist, vom Unkraut zerstört wird. Mir geht es eher um die Menschen, die längere Zeit gläubig waren, sogar vielleicht über Jahre hinweg auch Dienst in der Gemeinde getan haben. Sie haben dem Herrn eifrig gedient und hatten mit Sicherheit den heiligen Geist, waren also gläubige Christen.
Aufgrund einiger Bibelstellen, die zudem auch sehr bekannt sind (Johannes 10, 27- 28: …niemand wird sie aus meiner Hand reisen oder Epheser 4, 30: dass wir
versiegelt sind mit dem heiligen Geist auf den Tag der Erlösung und ähnliche Stellen) kann man eindeutig schließen, dass jeder, der sich einmal bekehrt hat und den heiligen Geist bekommen hat, auf jeden Fall das ewige Leben bei Gott haben wird. Was ist aber mit den Bibelstellen, die genau dem widersprechen? Da sind zum Beispiel 1. Korinther 15,2: ... durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündet habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. Wer nach Johannes 3 gläubig ist, hat auch den heiligen Geist bekommen, ist also „richtig bekehrt“. Was ist aber dann umsonst gläubig geworden? Das heißt doch, dass wir am Ziel unseres Glaubens, nämlich der Seelen Seligkeit, also im Himmel bei Gott zu sein, vorbei gehen. Das bedeutet dann, dass wir, obwohl wir Gläubige sind, am Ziel vorbei gehen können, also in die Hölle. Jakobus 1,12: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens Empfangen... Die Krone des Lebens ist doch ebenfalls wieder das Ziel des Glaubens, das ewige Leben mit Gott im Himmel, das wir aber erst erhalten, wenn wir bewährt sind.
1. Timotheus 4, 1: ...dass einige von dem Glauben abfallen werden... Wenn jemand vom Glauben abfallen kann, dann muss er doch zuvor „echt“ dabei gewesen sein. Was ist aber abgefallen und ist man deswegen verloren? Dazu Hebräer 6, 4-6: Denn es ist unmöglich, die einmal erleuchtet worden sind ... und doch abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße... Die, die einmal abgefallen sind, müssen ja verloren sein, da sie nicht mehr Buße tun können. Timotheus schreibt aber, dass genau das passieren wird, dass einmal Gläubige abfallen werden und nicht mehr die Chance haben auf die Rettung, obwohl sie sie einmal hatten. Hebräer 3, 14: Denn wir haben Anteil bekommen, wenn wir die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende festhalten. Nur wenn wir in Zuversicht festhalten, haben wir auch Anteil. Jesus sagt, wir haben Anteil oder Erbe am Reich Gottes. Dazu einige Bibelstellen:
1. Kolosser 12: Mit Freuden sagt Dank dem Vater, der euch tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht und Epheser 1, 14: …welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unserer Erlösung... Das Erbe ist wohl eindeutig unser Platz im Himmel, den wie nur bekommen, wenn wir an der Zuversicht auch festhalten, sonst sind wir für die Hölle bestimmt.
Matthäus 10, 32-33: Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den werde auch ich vor meinem himmlischen Vater bekennen. Wer mich aber verleugnet... Jesus sagt diese Worte bestimmt nicht zum Spaß, eher wohl als Warnung zu uns Gläubigen, denn nur wir können Jesus bekennen. Wenn er uns aber am Tag des Gerichts nicht bekennt vor seinem Vater, dann können wir nicht in den Himmel, ähnlich wie bei Homosexualität, Ehebruch oder Ähnlichem. Wenn wir uns nicht früher oder später vom Bösen abwenden und Buße darüber tun, werden wir, so sagt Gott, das Reich Gottes nicht ererben.
In zwei Gleichnissen im Matthäus-Evangelium (25, 1-13 und 14-30) wird noch einmal deutlich, dass ein wiedergeborener Christ verloren gehen kann. Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen: Das Öl steht für denn heiligen Geist, alle Jungfrauen haben Öl. Als nun der Bräutigam kommt, ziehen alle los. Jesus bezeichnet sich selbst als Bräutigam. Alle zehn gehen auf Jesus zu, auf den Tag des Gerichts. Wir sollen bereit sein, wenn er kommt. Die zehn Jungfrauen stehen wohl für gläubige Menschen, die auf Jesus zugehen. Bei fünf von ihnen geht das Licht aus und Jesus sagt über die fünf, die ja einmal Öl hatten, dass er sie nicht kenne. Wenn uns Jesus nicht kennt, werden wir aber in die Hölle gehen. Dann heißt es zum Schluss wachet. Nur Christen können wachen. Die fünf, die nun nicht bereit waren, kennt Jesus nicht. Sie aber wissen, wer er ist und hatten ja auch einmal Öl. Nun kennt er diese aber nicht mehr, das heißt doch, dass sie echte Christen waren, aber nun doch in die Hölle kommen.
Im Gleichnis von den anvertrauten Zentnern spricht Jesus Ähnliches, denn am Ende verliert einer alles. Uns Christen sind die Botschaft und unsere Fähigkeiten anvertraut. Wenn wir mit diesen nicht sorgfältig oder überhaupt nicht umgehen, werden wir am Ende leer ausgehen und nichts erhalten.
Es gäbe wohl noch einige weitere Stellen, aber auf diese möchte ich verzichten und zu einer Art Zusammenfassung kommen:
Erstens denke ich, dass wir es uns nicht erlauben dürfen zu einem anderen Christen zu sagen, dass er aus der Gnade gefallen ist, egal wie sein Leben gerade aussieht. Zweitens steht nirgends klar geschrieben, wann oder was genau abgefallen bedeutet. Drittens glaube ich, dass jeder, der sich einmal für Jesus entschieden hat, eher
selten ganz vom Glauben abkommt, sondern der Teufel ihn nur für Gottes Arbeit unfähig macht, indem die Menschen einschlafen oder sich um sich selbst drehen. Wann aber jemand ganz vom Glauben abgefallen ist, darüber steht nichts Genaues geschrieben. Logisch wäre jedoch, dass ein Mensch verloren ist, wenn er sich ganz klar von Gott abwendet und sich gegen ihn ausspricht. Allerdings ist er ja nicht gleich von einer Sekunde auf die nächsten verloren.
Ich denke, dass Gott uns hier ganz gewollt etwas im Unklaren lässt und „zweispurig“ fährt. Damit ist klar, dass es zwar ausreicht, sich einmal bekehrt zu haben, wir aber das Heilsgeschenk nicht als Freifahrkarte für unser Leben und unsere Sünde benutzen. Er will uns damit bestimmt auch anhalten, mit enormem Eifer für Gott zu kämpfen und uns für ihn zu verwenden, obwohl wir wissen, dass wir nichts aus uns selbst tun können. Er ermutigt uns, unser Leben als Weise und nicht als Unweise zu leben, wie auch geschrieben steht, dass wir wie Pilger und Fremdlinge auf dieser Welt leben sollen. Wir sollen heilig sein wie er heilig ist, dass unser Leben ein Brief Jesu ist, von ihm geschrieben, in dem die Menschen lesen können. Als letztes möchte ich noch drei Dinge sagen: 1. Gottes Gnade führt uns zur Buße, er hat uns erwählt.
2. Ohne ihn können wir nichts tun, er wirkt beides: das Wollen und das Vollbringen. 3. Paulus sagt: „Darum bin ich großer Zuversicht, dass der im Fleisch das gute Werk angefangen hat, dass der’s auch im Geist vollenden wird.“ Wir sollten nur anfangen, auch „ja“ zu ihm zu sagen und uns mit voller Hingabe für ihn zu verwenden.
Und als Schlusssatz: Wir müssen zwischen Rechtfertigung und Heiligung sehr stark differenzieren.
Anhang: Gesetze
Gilt das Gesetzt (Die Gebote aus dem Alten Testament) denn noch? Es gibt 3 Gebotsarten!!! (eine Kurzfassung zum Verständnis)
Zu den Zeremonial- Gesetzen zählen alle Gesetze bei denen es um die Opferung zur Vergebung der Sünden geht, zum Beispiel Schlachtopfer, Reinheitsgebote oder Opfer bei Sünden usw.
Zivil-Gesetze sind alle Gesetze bei denen es um den Gottesstaat der Juden geht und um dessen Gesetzesregelung, z.B. wie mit einem Dieb oder Mörder umgegangen werden soll oder was bei einem Krieg zu tun ist. Moral-Gesetze sind Gesetze bei denen es, wie der Name schon sagt, um das moralische Zusammenleben geht, also alles, was den zwischenmenschlichen Umgang regelt. Das ist zum Beispiel das Gebot, nicht zu töten, seinen Nächsten zu lieben oder gnädig zu sein mit dem Fremden.
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie diese Einteilung weiterhelfen kann? Die Zeremonial- Gesetze hat Jesus erfüllt, indem er das einmalige Opfer am Kreuz vollbracht hat, das heißt, diese gelten für uns nicht mehr bzw. wir erfüllen sie durch Jesus, weil sein Blut unsere Sünden vergeben hat.
Die Zivil-Gesetze müssen nicht erfüllt werden, weil wir weder im Gottesstaat leben noch leiblich zu diesem Volk gehören. Bei uns gelten dafür das Gesetz der Obrigkeit (Regierung), an das wir uns zu halten haben, so lange es nicht gegen Gottes Gebote verstößt!
Die Moral-Gesetze, gelten immer noch und bleiben auch für uns bestehen, egal ob in der Gemeinde oder im Beruf. Das ist zum Beispiel das Liebesgebote oder, dass du deinen Herrn von ganzem Herzen lieben sollst.
Welche Gesetze nun wo einzuordnen sind ist die Schwierigkeit. Das ist nun unsere Aufgabe. Nicht, dass wir jetzt alle Gesetze aufzulisten haben, wir sollten uns vielmehr nach Gott auszurichten. Denn in 2. Kor 3,6 heißt es: der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.
Der Buchstabe ist das Gesetz und wir sollen auf das hören, was Gott uns durch den heiligen Geist, durch unser Gewissen, unsere innere Stimme und Gottes Wort sagt, denn das Gesetz allein kann nicht erretten.
Aber wir brauchen das Gesetz als Rahmen wie die Leitplanken auf der Autobahn, zwischen denen wir fahren dürfen. Diesen Rahmen will uns das Gesetz geben, nicht als Einschränkung, sondern als Warnung, weil es Gott gut meint und weiß, was gut für uns ist.
Im Galater- Text geht es um die Frage, ob man durch die Gebote gerecht wird oder nicht. Diese Frage lässt sich eindeutig mit einem Nein beantworten. Gerecht wird man durch das Blut Jesus Christus am Kreuz.
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Ronnie Berzins, 2004, Exegese Galater 4,1-11 - Abba Vater, München, GRIN Verlag GmbH
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