Bereits im Einleitungssatz geben die Autoren das textübergreifende Schlagwort vor: Interdependenz. Zunächst werfen sie Fragen über Tiefe des Wandels und das Aussterben des Nationalstaates auf, um anschließend den Begriff Interdependenz anhand traditioneller Vorstellungen, die zwar fundamentale Veränderungen aufzeigen, diese jedoch nicht ausreichend analysieren (können), bzw. traditionellen Theorien, für die das Hervorheben des Weiterbestehens militärischer Sicherheit im Vordergrund steht, näher zu beleuchten. Dabei stellen sie die Aufgabe, nicht eine der beiden Positionen zu erörtern, sondern einen theoretischen Rahmen für die Interdependenzanalyse, unter Vermischung beider Konzepte, zu finden.
Mit der Frage nach Hauptgesichtspunkten der Weltpolitik bei sich ausbreitender Interdependenz stellen sie Interdependenzrhetorik und Nationalen Sicherheitssymbolismus gegenüber. Beide Modelle sind nicht geeignet, um Interdependenzrichtlinien zu liefern, da sie Konflikte entweder als beendet oder potentiell vorhanden betrachten, ohne die sich ändernden Konfliktformen wahrzunehmen. Somit ziehen die Autoren den Schluss, dass traditionelles Verstehen von Konflikten zu einer falschen Analyse führen muss. Mit der Verortung von Dependenz als Beeinflussung von externen Kräften erklären die Autoren Interdependenz als analytisches Konzept gegenseitiger Dependenz, deren Effekt aus Transaktionen (Geld, Güter usw.) resultiert.
Gleichzeitig verweisen sie auf den Unterschied zur Interverbundenheit, die nicht die gleichen reziproken Kosteneffekte aufweist. Zum Abschluss des Kapitels warnen sie vor allzu optimistischen Einstellungen, über die Schaffung „einer schönen neuen Welt“, da auch beim Versuch starke Verflechtungen zu schaffen, asymmetrische Verteilungen auftreten, was Interdependenz zwischen den Extremen von Symmetrie und Asymmetrie verortet.
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Da traditionell die militärische Macht andere Formen der Macht dominiert, bilden die Autoren Interdependenzmacht mehr auf die Begriffe Sensibilität und Verletzbarkeit ab, die sehr eng miteinander verbunden sind, weil Sensibilität die Verlässlichkeit der äußeren Kosteneffekte umfasst, bevor die Politik geändert wird und Verlässlichkeit die Hinnahme der Kosten vorsieht, auch nach Änderung der politischen Strategie. Asymmetrische Interdependenzen als Machtquellen der Akteure sind in den Kapiteln die Schlussfolgerungen der Autoren genau aus dieser Machtdefinition heraus, wobei Sensibilität nur dann als Basis gelten kann, wenn allgemeine Regeln und Normen anerkannt werden. Militärische Macht kann dann nur noch als Akt der Verzweiflung betrachtet werden.
Als Abschluss des ersten Teils werden die weltpolitischen Eigenschaften bei ausbreitender Interdependenz als Regelwerke und Normen, die das Verhalten regulieren und dessen Effekte kontrollieren, zusammengefasst. Die als „internationale Regime“ bezeichneten Führungsarrangements stellen ein sehr wichtiges Element in politischen Verhandlungen dar, da sie Zwischenfaktoren von Machtstrukturen eines internationalen Systems und dessen politisch-ökonomischen Geschäftes sind.
Im zweiten Teil stellen die Autoren dann das Verhältnis von Realismus und komplexer Interdependenz in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Daher definieren sie realistische Interdependenz als Machtstreben durch organisierte Gewalt, wobei militärische Sicherheit über wirtschaftlichen Interessen steht und die Staaten als zusammenhängende Einheiten dominieren. Die gegenteilige Situation, also die Nichtexistenz klarer Ordnungsmuster, ohne Staatenhierarchie wird als komplexe Interdependenz beschrieben. Dabei sind multiple Kanäle zwischen den einzelnen Staaten und damit der Verzicht auf Machtanwendung bei Durchsetzung der komplexen Interdependenz maßgebend.
In der Gegenüberstellung von Realismus und komplexer Interdependenz belegen die Autoren wie besonders unterschiedlich die Akzentuierung beider Theorien ist. Steht im Realismus als
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Arbeit zitieren:
Daniel Fischer, 2001, Power and Interdependence - Essay/Textzusammenfassung zu Keohane, Robert O./Nye, Joseph S., Jr.: Power and Interdependence. World Politics Transition; , München, GRIN Verlag GmbH
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